Alexander Friesz: Politik verhindert Alternativen

Österreichs Speditionswirtschaft ist auf das Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 nicht gut zu sprechen. Dabei ist gerade der Lkw ein wichtiger Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Alexander Friesz, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik, im Gespräch mit Logistik Express.

Text: Redaktion.

Herr Friesz, in Österreich wird derzeit ein Masterplan für den Güterverkehr erarbeitet. Was erwartet sich die Speditionswirtschaft von diesem Plan und wie soll damit die politisch vielbeschworene Dekarbonisierung des Güterverkehrs erreicht werden?
Alexander Friesz: Der Masterplan sollte zum Ziel haben verkehrsträgerneutral den Transformationsprozess in Richtung Zero-Emission aufzusetzen. Seit Beginn dieser Regierung drängen wir Verkehrsministerin Gewessler auf einen, mit uns abgestimmten, möglichst konkreten Maßnahmenplan zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs, Ergebnisse gibt es noch keine. Deutschland ist bei den geplanten Maßnahmen schon viel konkreter und auch wesentlich technologieoffener.

Ohne Lkw wird es auch im klimaneutralen Österreich wie es ab 2040 sein soll nicht gehen. Für welche Antriebstechnologien setzt sich Ihre Branche ein mit welchen Forderungen an die Hersteller und die Politik?
Friesz: Solange die Politik alle Alternativen verhindert, stellt uns das vom EU-Parlament am 8. Juni 2022 beschlossene Verbot für den Verkauf von Verbrennungsmotoren ab 2035 vor unlösbare Probleme. Der Straßengüterverkehr ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der EU-Klimaziele. Wir wissen das und treten seit langem nachdrücklich für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen ein. Wenn die Politik aber weder den Einsatz von e-Fuels noch von Wasserstoff noch von energie-effizienten Lkw ermöglicht, werden Warenverkehr und Güterversorgung in ihren Grundzügen gefährdet, da die Alternativen fehlen.

Welche politische Unterstützung erwartet Sie sich bei ihrer Bereitschaft in emissionsarme Fuhrparks zu investieren?
Friesz: Wir wünschen uns eine technologie-offene Förderung der Zero-Emission-Antriebslösungen Wasserstoff und Batterie, da die Investitionskosten im Vergleich zum fossilen Antrieb mindestens den 3,5-fachen Steigerungsfaktor aufweisen. Für eine Übergangszeit wäre es, auch wenn das EU-Parlaments jetzt dagegen gestimmt hat, sinnvoll Brückentechnologien wie E-Fuels ebenfalls in die Förderplanung aufzunehmen, um bereits heute Emissionseinsparungen zu erzielen. Die kürzlich – spät aber doch – präsentierte Wasserstoff-Strategie für Österreich begrüßen wir grundsätzlich. An vielen Ecken und Enden fehlt es aber an Konkretem. So muss sowohl der Wasserstoff für den Schwerverkehr aktiv gefördert als auch die Errichtung von Lade- und Produktions-Infrastruktur massiv vorangetrieben werden. Bei der Förderung geht es zudem um eine Gleichbehandlung aller alternativen Antriebsformen.

Bei der E-Mobilität gibt es keine Auflagen, wo der Strom herkommt. Bei Wasserstoff soll nur die Verwendung von neuem, zusätzlich gewonnenem erneuerbarem Wasserstoff förderbar werden. Das ist eine klare Ungleichbehandlung. Technologieneutralität, wie von uns und auch von der EU-Kommission eingefordert, um die Ziele erreichen zu können, sieht anders aus. Nicht nachvollziehbar ist für uns auch die Industrielastigkeit der österreichischen H2-Strategie, die damit ausgerechnet den alternativlosen Güterverkehr so gut wie unbeachtet lässt.

Unsere Unternehmen investieren Millionen in Klimaschutzmaßnahmen und werden dabei von der Politik in jeder Hinsicht alleingelassen. Zu unterstützen sind Anzeichen, dass die EU-Kommission im Rahmen ihrer Klimaschutzpolitik auch auf längere und schwerere Lkw setzen will. Die Kommission hat damit die Diskussion über längere Lkw und über den Nutzen aerodynamischer Verbesserungen an den Fahrzeugen zumindest neu eröffnet. Europäische Modulare Systeme (EMS) mit Fahrzeugkombinationen von 25,25 Metern Länge sollen demnach grenzüberschreitend fahren und Gewichte und Höchstmaße auf die in der EU am häufigsten zugelassenen Werte angehoben werden. Anreize oder Vorschriften für aerodynamische Änderungen, Länge, Gewicht, Achslast und Ladekapazität sollten jedenfalls für emissionsfreie Lkw angepasst werden. Auch mehr Lkw Ladekapazität im intermodalen Verkehr ist ein Thema. Sinnvolle und richtig umgesetzte Vorgaben bei Aerodynamik, Länge und Volumen können den Verbrauch und damit die Emissionen um bis zu 30 Prozent reduzieren. Dazu müsste aber auch Österreich endlich von seinem besonders restriktiven Kurs abgehen.

Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten bringen die Logistikwirtschaft unter Druck. Mit welchen Entlastungen sollte die Politik dem Transportsektor entgegenzukommen?
Friesz: Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten treffen unsere Branche naturgemäß besonders hart. Die Senkung der Mineralölsteuer (MöST), das Aussetzen der CO2-Bepreisung ab Juli und die Einführung eines Gewerbediesels wurden vom Zentralverband bereits öffentlich gefordert. Zummindest bei der CO2-Bepreisung haben wir uns durchgesetzt. Diese wird erst einmal auf Oktober verschoben. Entlastungen im Energiebereich helfen den Konsumenten, ja der gesamten Wirtschaft und wirken der massiv steigenden Inflation entgegen.

Alle reden von grüner Logistik und erwarten, dass die Logistik-Branche hier mit Super-Lösungen aufwartet. Sollte nicht jeder Bürger mehr Bewusstsein für grüne Logistik entwickeln, weil er es ist, der mit seiner Konsumnachfrage mehr Güterverkehr „erzeugt“?
Friesz: Das Konsumentenverhalten führt derzeit dazu, dass in immer kürzen Bestellrhythmen immer kleiner werdende Warenmengen transportiert werden. Damit ist auch ein weiteres Verkehrswachstum verbunden. Eine Veränderung dieser Kaufgewohnheiten kann das positiv beeinflussen. Damit kann auch jeder Einzelne etwas zur Dekarbonisierung beitragen.

Durch den Ukraine-Krieg sind über Nacht 100.000 ukrainische Lkw-Fahrer in Polen und anderen Oststaaten nicht mehr vorhanden, weil sie ihr Heimatland verteidigen. Wie viele Lkw-Fahrer fehlen in Österreich und wie lässt sich der Mangel in den Griff bekommen?
Friesz: Der Ausfall von 100.000 ukrainischen Lkw-Fahren verschärft den bereits zuvor großen Fahrermangel massiv. Durch vorausschauende Dispositionen versuchen wir Spediteure diese Beeinträchtigungen zu reduzieren. Ganz kompensieren können wir diesen eklatanten Mangel aber nicht. Der Beruf des Lkw-Fahrers muss attraktiver werden und der Zugang zur Ausbildung erleichtert. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

LogiMAT 2022 Fachmesse mit Vorlauf: Intralogistik aus erster Hand

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Start der Intralogistikmesse LogiMAT, die vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Stuttgart stattfindet. Auch im zweiten Teil der dreiteiligen Serie präsentiert Logistik Express vorab die interessantesten Exponate aus zentralen Ausstellungsbereichen.

Die langjährigen Besucher der LogiMAT werden in diesem Jahr feststellen, dass sich der Charakter des Branchen-Events leicht verändert hat. Anders als früher finden die beliebten Foren nicht mehr in den Hallen, sondern ausschließlich im Eingangsbereich statt. Diese Corona-Schutzmaßnahme hat zur Folge, dass die Zahl der Fachvorträge während der drei Messetage deutlich gesunken ist.

Aus dieser Not machte der Veranstalter, die Münchner Euroexpo GmbH, eine Tugend.
Etliche Vorträge finden nun im Vorfeld der LogiMAT auf der digitalen Plattform LogiMAT.digital statt, die damit spürbar an Attraktivität gewonnen hat. Am 5. April stand zum Beispiel der LogPR-Thementag auf dem Programm. Hier ging es in zwölf moderierten Vorträgen um die Themen Automatisierung, Warehousemanagement und Disposition. Für potenzielle Besucher war das eine von vielen Möglichkeiten, sich gezielt auf die Messe vorzubereiten und einige der Top-Lösungen im Vorfeld zu betrachten. Apropos Top-Lösungen: Auch im zweiten Teil des Vorberichts stellen wir einige der herausragenden Exponate vor.

Handheld Germany stellt den neuen SP500X ScanPrinter vor. Die tragbare Scan-und-Druck-Lösung vereint 2D-Imaging, Tintenstrahldruck und drahtlose Kommunikation in einem Gerät. Der SP500X wurde für Logistikanwendungen mit hohen Volumina entwickelt, bei denen bei der Sortierung von Paketen manuell gescannt und etikettiert wird. Mit dem integrierten Drucker und Wi-Fi ist der SP500X echt mobil. Der SP500X verwendet eine patentierte Technologie von HP und druckt direkt auf Pakete und andere Oberflächen. Der leichte SP500X kann über 1.250 Scans und Ausdrucke pro Stunde erstellen. Er hat eine Lithium-Ionen-Batterie, die bis zu 5.000 Scans und Ausdrucke pro Ladung schafft. Die Druckerpatronen reichen für Tausende Ausdrucke. Die Batterie kann im laufenden Betrieb gewechselt werden, sodass Ausfallzeiten minimiert werden können. Durch die Wi-Fi-Kompatibilität lässt sich der SP500X ScanPrinter nahtlos in bestehende IT-Umgebungen integrieren und kommuniziert direkt mit den vorhandenen Back-End-System.

Das Supply Chain Technologieunternehmen Zetes präsentiert auf der LogiMAT in Halle 8, Stand A41 Innovationen für eine digitalisierte, vernetzte Lieferkette. Messebesucher erleben anhand von praxisnahen Anwendungsszenarien Supply Chain Management 4.0 zum Anfassen. So wird die Logistic Execution-Lösung ZetesMedea zur Digitalisierung von Lagerprozessen inklusive Voice-Kommissionierung und das RFID-/ImageID-Gate für eine kamerabasierte Palettenprüfung des Wareinein- und ausgangs zu sehen sein. Darüber hinaus sind Live-Demos des druckluftfreien Hochleistungs-Applikators MD 5000E zum ein-, zwei- oder dreiseitigen Etikettieren von Paletten in Kombination mit dem Packaging Execution System (PES) ZetesAtlas, des IND-Staplerterminals sowie der topaktuellen Mobilcomputer und Wearables führender Hersteller geplant.

Der Pick-by-Light-Spezialist KBS Industrieelektronik GmbH präsentiert ein neu entwickeltes Modul für die elektronische Füllstandüberwachung. Damit werden die Einsatzmöglichkeiten des KBS Systems um die elektronische Nachfüllsteuerung von Bereitstellregalen (e-Kanban) erweitert. Um die elektronische Nachschubermittlung zu erleichtern hat KBS einen Sensor entwickelt, der eine automatische Füllstanderfassung nahtlos in bestehende oder neue Pick-by-Light-Systeme integrieren kann. Die hierbei eingesetzte Technologie ermöglicht es, dass nur noch ein Sensor je Durchlaufkanal zur Füllstanderfassung erforderlich ist und Kabelführungen innerhalb des Durchlaufkanals entfallen. Der Behälter-Füllstand wird dabei durch den Sensor kontinuierlich berührungslos überwacht. Sobald sich nur noch eine definierbare Mindestanzahl an Behältern im Regal befindet, meldet dies der Sensor an die Nachschubsteuerung. In Kombination mit einem Put-to-Light-Modul kann der aktuelle Status angezeigt und der Nachfüllprozess optimiert werden, indem die leucht-
starke Blickfangleuchte visuell unterstützt und so den Nachfüllprozess beschleunigt und
Beschickungsfehlern vorbeugt.

Das Schweizer Familienunternehmen Kern AG hat sich dem leidigen Thema der übergroßen Pakete und dem Füllmaterial aus Plastik im Onlinehandel gewidmet und ein umweltschonendes Verpackungssystem entwickelt: PackOnTime 2box stellt maßgeschneiderte Pakete her, die ganz ohne Verpackungsmaterial auskommen. In einem vollautomatisierten Prozess wird die Ware ausgemessen und die Daten weitergeleitet. Aus recycelter Wellpappe stellt die Maschine ein passendes Paket her – und das im Sieben-Sekunden-Takt. Der nachhaltige Nutzen liegt auf der Hand: kleinere Pakete, weniger Volumen, weniger Lastwagen auf der Straße.

Das Robotikunternehmen Magazino zeigt erstmals öffentlich die serienreife Version des mobilen Roboters SOTO. Der vollständig autonom arbeitende Roboter automatisiert die Materialversorgung in der produzierenden Industrie und bringt Kleinladungsträger (KLT) vom Lager bis zur Montagelinie – ganz ohne manuelle Zwischenschritte. Der Roboter ist bereits in mehreren Pilotprojekten im Einsatz. SOTO kombiniert die elementaren Prozessschritte in einer einzigen, vollständig autonomen Lösung: die Aufnahme von unterschiedlich großen KLT, der autonome Transport von mehreren KLT von Quelle zu Senke sowie die Abgabe in Durchlaufregale auf unterschiedlichen Höhen. Das Einsammeln von Leergut sowie die Rotation von Kleinladungsträgern um 90° bis 180° gehören ebenfalls zum Fähigkeiten-Repertoire des neuen Roboters.

Mettler Toledo stellt erstmalig in Deutschland die Lösung TLD970 vor, mit der während der Fahrt die Abmaße von Paletten am Gabelstapler gemessen werden können. In Kombination mit der Waage TLF820, welche am Gabelstapler angebaut wird, entsteht so eine dynamische Messlösung für Volumen, Gewicht und ID. Damit können Spediteure ohne Zeitverlust während der Lagerumschlags prüfen, ob die vom Kunden angegebenen Maße und Gewichte stimmen. Denn mit jeder Palette, die ohne Kontrolle transportiert wird, können Umsatzverluste entstehen. Selbst kleinste Übermaße von Paletten können bei der Beladung von LKWs große Probleme hervorrufen und die gesamte Lade- und Routenplanung gefährden.

Das TLD970 von Mettler Toledo ist ein an der Hallendecke montiertes Messystem, dass die Abmaße von Paletten am Gabelstapler mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h messen kann. Die Lösung ist so unauffällig integriert, dass man sie kaum bemerkt. Eine am Gabelträger montierte Waage vom Typ TLF820 und das Handscannersystem liefern zur Vervollständigung des Datensatzes das Gewicht und die ID der Palette. Ein optionales Staplerterminal führt den Fahrer durch den Messprozess und überträgt den Datensatz per WLAN an das übergeordnete IT-System des Anwenders.

Der Pick-by-Vision-Spezialist Picavi stellt den Lager-Mitarbeiter in den Fokus. Kernthema am Messestand ist neben neuen Funktionalitäten im Picavi-Ökosystem die Entwicklung einer intelligenten Analytik mit Hilfe neuronaler Netze zur Echtzeit-Optimierung im Lager. Die Lösung basiert auf einer Echtzeit-Datenerfassung mittels Datenbrille und der Nutzung dieser Daten zur Optimierung von Lagerprozessen und der Arbeitsplatzergonomie der Mitarbeiter. Picavi führt die Auswertung mit neuronalen Netzen durch. Auf dieser Basis erkennt das System eigenständig Optimierungspotenziale und schlägt konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vor. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erfassung von Bewegungsmustern und deren Optimierung für eine bessere Ergonomie im Lager. So können beispielsweise wiederkehrende Bewegungen, wie z.B. häufiges Bücken, erkannt und anschließend Maßnahmen zur gesundheitsfördernden Optimierung ergriffen werden.

Die KNAPP AG (Halle 3 auf Stand B05) zeigt neueste Technologien für die Automatisierung und Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen Bedarf maßgeschneidert und basieren auf innovativen Technologien und modernster Software. Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile zu generieren und auszubauen. KNAPP versteht sich als Technologiepartner und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette die richtige Automatisierung, Informationen und Serviceleistungen. Innovative Roboter und Software-Tools: KNAPP zeigt die neueste Generation seines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot, Neuheiten rund um die autonomen mobilen Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige Taschensorter-System AutoPocket, das erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten Systemen verbindet, und innovative Software-Tools zur Analyse und Optimierung des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt ab.

Seit September 2021 trägt BITO-Lagertechnik (Halle 6 / Stand C31) die TÜV-Zertifizierung „Klimaneutralen Unternehmen“ und stellt auf der LogiMAT ihre hohen Grundsätze hinsichtlich Umweltschutz bzw. nachhaltiger Ressourcenschonung vor. Mit dem Fahrerlosen Behältertransporter LEO Locative ermöglicht BITO-Lagertechnik den Anwendern, den innerbetrieblichen Transport von Behältern oder Waren auf ganz einfache Art und Weise zu automatisieren, ohne dafür die komplette Infrastruktur verändern zu müssen. Die LEO-Produktfamilie wächst und passt sich den verschiedenen Marktrends an. LEO custom beispielsweise eignet sich als variable FTS-Lösung für die einfache Automatisierung des Materialtransports in der Produktion und lässt sich je nach Einsatz um individuelle Aufbauten ergänzen. Das LEO-System ist in allen Ausführungen ein unkomplizierter Schritt in Richtung Industrie 4.0. Es funktioniert ohne W-LAN und IT und kann vom Nutzer problemlos selbst installiert und in Betrieb genommen werden. Auf der LogiMAT 2022 stellt BITO-Lagertechnik die neuesten Weiterentwicklungen der LEO-Familie vor und zeigt, wie sich das System unkompliziert in unterschiedliche Prozesse einbinden lässt.

Die TGW Logistics Group (Halle 5 / Stand C13) hat sich für das digitale Zeitalter mit modernen Technologien aufgestellt und zeigt als Systemintegrator das Spektrum seiner digitalen Services. Es umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Anlage: von der Planung über die Realisierung bis zum laufenden Betrieb. Dabei stehen Innovationen im Fokus, die Unternehmen helfen, wettbewerbsfähiger zu werden.Der TGW-Stand setzt auf ein offenes Kommunikationskonzept. Neben Modulen, Systemen und Lösungen rücken auch Referenzprojekte mit namhaften Kunden in den Fokus, bspw. Coop, PUMA, Fource, Engelbert Strauss.

SSI Schäfer deckt diese komplexe Bandbreite ab und präsentiert auf der LogiMAT 2022, wie seine Kunden mit zukunftsfähiger Intralogistik einen Wettbewerbsvorteil erzielen. Auf dem Messestand in Halle 1 zeigt SSI Schäfer, wie kleinere und mittelständische Unternehmen Abläufe teilautomatisieren können – auf einfache Weise im Sinne von „Plug & Play“ und zu attraktiven Kosten. Im Ergebnis werden die Lager-, Transport- und Kommissionierprozesse beschleunigt, der vorhandene Raum effektiver genutzt und ergonomische Arbeitsabläufe garantiert. Bausteine dieser Lösungen sind unter anderem Fahrerlose Transportsysteme, Verschieberegalsysteme, Kanallager- Applikationen mit dem SSI ORBITER® und der Lagerlift SSI LOGIMAT®, die auf der Messe ausgestellt werden. Ein besonderes Highlight auf dem Messestand ist das Exponat zur Vertical Farming Lösung, die SSI Schäfer (Halle 1 D21) als offizieller Partner des Konsortiums des Deutschen Pavillons gerade erst auf der Expo 2020 in Dubai vorstellte. Die innovative wie nachhaltige Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Infarm, dem schnell wachsenden Urban Farming Unternehmen mit weltweiter Präsenz, entwickelt und wird nun in Europa präsentiert.

Innovation ist nicht länger eine Option. Es ist eine Notwendigkeit, BEYOND zu gehen. Wir als Dematic freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass wir auch in diesem Jahr wieder an der führenden EMEA-Messe Logimat 2022 teilnehmen werden, die vom 1. März bis zum 2. Juni in Stuttgart, Deutschland, stattfindet. Zusammen mit einem neuen Standkonzept und spannenden Showcases werden wir in Halle 1, Stand 1B37 zu finden sein. Als Unternehmen mit einem starken sustainable und sehr digitalen Mind-Set, werden wir uns im Jahr 2022 auf den ganzheitlichen Ansatz unserer Lösungen > Services > Software konzentrieren, um die Zukunftsmärkte F&B, Grocery, General Merchandise, e-Com/e-Grocery und Durable Manufacturing fokussieren.

Seit 2003 ist Element Logic (Halle 1, Stand 1H21) AutoStore-Partner. Als weltweit erster offizieller AutoStore-Integrator hat Element Logic seither mehr als 150 AutoStore-Lager installiert und ist europaweit Marktführer für AutoStore-Lösungen in Europa. Element Logic, der weltweit erfolgreichste AutoStore-Distributor des vergangenen Jahres, präsentiert innovative Neuentwicklungen auf Basis bewährter Standards mit individuellem Zuschnitt. Das in Stuttgart vorgestellte Produkt- und Leistungsspektrum reicht ausgehend von einer kompletten AutoStore-Anlage mit automatisierter Behälterandienung über integrierte Einzelstückkommissionierung per Roboter bis hin zu Peripheriegeräten, Lagerverwaltungs- und Steuerungssoftware sowie umfassenden After-Sales-Services.

Das Unternehmen AM Logistic Solutions GmbH (Halle 1 / Stand B31) konzipiert und realisiert als Generalunternehmer Logistikprojekte, die sämtliche am Markt verfügbaren Intralogistiksysteme integrieren: Automatische Kleinteilelager (AKL), AutoStore, Co-Bots, autonome mobile Roboter (AMR), Regalbediengeräte und Shuttle. Fördertechnik, IT-Lösungen, Retrofit-Sanierungen sowie 24/7-Anlagenservice und Wartung runden das Leistungsportfolio ab. Die AM Logistic Solutions ist ein Tochterunternehmen der niederländischen Royal Reesink Gruppe und Teil der Reesink Logistic Solutions Division.

Wir bei Vanderlande kennen die Lagerautomatisierung in- und auswendig. Unser Fachwissen und unsere Erfahrung, die wir in den letzten 70 Jahren gesammelt haben, sind schlichtweg unübertroffen. Und all dieses Know-how steht Ihnen zur Verfügung. Lassen Sie sich von unseren Ingenieuren auf der LogiMAT von unseren Robotik- und autonomen Fahrzeuglösungen inspirieren und finden Sie heraus, warum wir der Meinung sind, dass diese innovative Technologie nicht isoliert funktionieren sollte, sondern wirklich in den Lagerfluss eingebettet werden muss. Entdecken Sie die neuesten Erkenntnisse über die einzigartige ADAPTO-Shuttle-Technologie von Vanderlande – unser automatisches 3D-Ein-/Auslagersystem mit integrierten Sortier- und Sequenzierungsfunktionen. Oder erfahren Sie, warum unsere adaptiven Taschensysteme, wie AIRPICK, die beste Lösung für Ihre Anforderungen sein könnten.

Die Fluxus Solutions GmbH (Halle 5, Stand C01) präsentiert auf der LogiMat 2022 zum ersten mal Lösungen und Dienstleistungen rund um die Themen Intralogisitk und Materialfluss. Zum Produktportfolio gehören das Paletten-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics PFS, Paletten-Einschubregalsysteme FXS Dynamics PPS & FXS Dynamics TSS, Gefällerollenbahnen FXS Dynamics GRC, Karton-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics CFS sowie das Shuttleregalsystem FXS Automation GRC und ein automatisches Palettenregalsystem FXS Automation APS.

Die IGZ Ingenieurgesellschaft für logistische Informationssysteme mbH untermauern ihre Intralogistik-Kompetenz für hochautomatisierte SAP-gesteuerte Intralogistik-Anlagen. So beteiligt sich IGZ an dem „LogiMAT Digital“-Event am 12. Mai mit dem Vortrag „Logistikplanung mit SAP Fokus“. Ebenso sind die SAP Ingenieure in Stuttgart vertreten in Halle 1 (Stand B25) und Halle 8 (Stand B47).  (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT: Geballte Fachkompetenz rund um Stapler und Co.

Auf der Internationalen Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement präsentieren die weltweit führenden Flurförderzeuge-Hersteller dem internationalen Fachpublikum die aktuellsten Neuentwicklungen und Produktinnovationen im Bereich der mobilen Lagertransporte. Der kompakte Überblick mit zahlreichen Premieren untermauert den Stellenwert der LogiMAT als international bedeutendste Fachmesse der Branche.

Mit den Exponaten, die die Aussteller der Flurförderzeuge-Branche auf der LogiMAT 2022 vorstellen, unterstreicht die Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement aktuell prägende Branchentrends. Hintergrund: Der globale Material-Handling-Markt hat im Jahr 2021 erneut die Dynamik der Vorjahre übertroffen. Alle namhaften Hersteller weisen in ihren Jahresbilanzen ein deutlich zweistelliges Wachstum aus. Jungheinrich etwa verzeichnet für 2021 „das erfolgreichste Geschäftsjahr in seiner Unternehmensgeschichte“. Der Auftragseingang stieg um 45 Prozent. Die Kion Group, unter anderem mit den Konzerntöchtern Linde Material Handling, Still GmbH und Baoli EMEA S.p.A. auf der LogiMAT 2022 vertreten, vermeldet für das abgelaufene Jahr im Bereich Industrial Trucks & Services (ITS), zu dem die Flurförderzeuge und verbundenen Dienstleistungen in der Group zählen, beim Neufahrzeuggeschäft ein Plus von 40,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt legte die Zahl der Neubestellungen im Vorjahresvergleich um 51,0 Prozent zu. Größtes Wachstum bei den Auftragseingängen weisen dabei die Gegengewichtsstapler auf – mit einem spürbaren Trend Richtung Elektrostapler.

Diese positiven Bilanzen, das belegen die Aussteller der FFZ-Branche mit ihren Exponaten auf der LogiMAT 2022, bilden zugleich mehrere aktuelle Trends im FFZ-Segment ab. Zum einen sind Mobilität und Materialflüsse im Lager offenbar weiterhin gestützt auf den Einsatz von Flurförderzeugen: Geräte der Klassen 1 bis 3 wie etwa Hubwagen, Routenzüge, Gegengewichts-, Deichsel-, Gelenk- und Schubmaststapler oder Fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF). Zweitens werden sie technologisch, über die unterschiedlichen Handlings- und Staplerprozesse hinweg, elektromotorisch unterstützt und zunehmend automatisiert. Ein dritter, perspektivisch ausgerichteter Trend, der sich mit Blick auf die Exponate daraus indirekt ablesen lässt, ist das hohe Engagement und wirtschaftliche Interesse der Hersteller im Bereich von FTF und Automatisierten Mobilen Robotern (AMR).

Nahezu alle FFZ-Hersteller sind in diesem Segment bereits im Markt vertreten. Unter Einbindung von Sensorik sowie Methoden und Verfahren Künstlicher Intelligenz (KI) wird dabei die Entwicklungen Richtung autonom agierender Transportfahrzeuge verfolgt. So arbeitet etwa Still (Halle 10, Stand B41) auf Basis des Kommissionierers OPX iGo neo, der bereits autonom im Regalgang unterwegs ist, als deutscher Vertreter im europäischen Forschungsprojekt IMOCO (Intelligent Motion Control) mit, um FTF und AMR zu gänzlich autonom fahrenden Fahrzeugen weiter zu entwickeln. An ähnlichen Entwicklungen arbeitet die Jungheinrich AG (Halle 9, Stand B05).

Neben Exponaten auf den Ständen der FFZ-Hersteller ist das FTF- und AMR-Segment auf der LogiMAT 2022, erstmals insbesondere in der gesamten Halle 2 nebst Foyer konzentriert. Mehr als 80 Aussteller zeigen dem internationalen Fachpublikum dort ihre jüngsten Entwicklungen für FTF- und Roboter-basierte Automatisierung in der Intralogistik.

 

Plattformtransporter mit bis zu 65 Tonnen Traglast.
Auf der LogiMAT 2022 sind die internationalen FFZ-Hersteller aber vor allem im Segment der manuell geführten Flurförderzeuge mit den jüngsten Neuentwicklungen ihrer Geräte und deren Ausstattung vertreten. Mit zahlreichen Premieren präsentiert neben allen führenden Marktplayern nahezu die komplette Riege der internationalen Flurförderzeuge-Hersteller in den Hallen 9 und 10 ihr aktuelles Produkt- und Leistungsspektrum. Die Neuvorstellungen reichen von Geräten der Klassen 1 bis 3 über Zubehör und Anbaugeräte, Fahrerassistenz- und Flottenmanagementsystemen bis zu den jüngsten Lösungsangeboten in den Bereichen Antriebsalternativen, Batterie- und Energiemanagement. „Wir freuen uns darauf, auf der LogiMAT unsere Freunde endlich wieder bei einer physischen Veranstaltung auf unserem Stand zu treffen und wieder mit ihnen in Kontakt treten zu können“, charakterisiert Blade Feng, Forklift Business Unit Director, BYD Europe BV (Halle 10, Stand G61), die Stimmung unter den Herstellern. „Wir können es kaum erwarten, allen Besuchern unsere erweiterten alternativen Materialien und Handhabungslösung vorzustellen.“

Der Rothauspark und die Außenflächen zwischen den Hallen bieten Herstellern wie Jungheinrich und Linde zudem die Möglichkeit dem internationalen Fachpublikum ihre neuesten Stapler der Klassen 4 und 5 mit Verbrennungsmotor, ausgelegt auf die Abgasstufe 5, in Live-Demonstrationen vorzustellen. „Das zusätzliche Outdoor-Areal auf dem Messegelände ist der perfekte Ort, um die zahlreichen Verbesserungen und Vorteile der neuen Shooting-Stars mit ihren verschiedenen Antriebsarten Diesel, Treibgas, Elektro erlebbar zu machen und in Aktion zu zeigen“, urteilt Stefan Prokosch, SVP Brand Management Linde Material Handling (Halle 10, B21).

Die Jungheinrich AG, die sich inzwischen deutlich auch im Bereich der Lagertechnik und automatisierten Lagersysteme engagiert, hat bereits die Präsentation mindestens einer Premiere und mehrere Neuheiten angekündigt. Sicher wird darunter der wendige, kompakte Routenzug LiftLiner® für die Jungheinrich Elektro-Schlepper der EZS-Baureihen 1, 3 und 5 zu sehen sein. Überdies hat der Hamburger Hersteller zu Jahresbeginn als Neuheit einen Schmalgangstapler vorgestellt, der auf fahrerlose Einsätze als autonom fahrendes Flurförderzeug ausgelegt ist. Auch mit dessen Vorstellung kann man wohl rechnen.

Die Hubtex Maschinenbau GmbH & Co. KG (Halle 10, Stand D05) zeigt dem Fachpublikum erstmals einen selbstfahrenden Plattformtransporter aus dem „SFX“-Baukasten mit Traglastvarianten von 25 Tonnen, 40 Tonnen und 65 Tonnen. Der Transporter ist für manuelle Anwendungen im Innen- und Außenbereich konzipiert und lässt sich in modularer Bauweise mit verschiedenen Lenksystemen und einem Plattformhub ausstatten oder als FTF auslegen. Still fokussiert sich beim Messeauftritt in Stuttgart auf die Präsentation von AMR-Fahrzeugen aus der neuen ACH-Baureihe, die erstmal öffentlich zu sehen sein wird. Die AMR werden den Fachbesuchern in Symbiose mit automatisierten Vertikalförderern wie Schubmast- oder Schmalgangstaplern vorgestellt. Zudem wird der Hersteller auf der LogiMAT 2022 sicher die neuen Baureihen „LXT 120-350“ und „LXW 20-30“ seiner elektrisch angetriebenen Schlepp- und Transportfahrzeuge vorstellen. Als Assistenzsystem kommt dabei die „Descent Speed Regulation (DSR)“ zum Einsatz. Die last- und neigewinkelabhängige Geschwindigkeitsregulierung soll mehr Sicherheit bieten und eine erhöhte Umschlagleistung bei Rampenfahrten unterstützen.

 

Premiere neuer Elektro-Gegengewichtsstapler.
Hyster Europe (Halle 10, Stand C10) rückt mit der Vorstellung emissionsarmer und emissionsfreier Stapler das Thema „Powering YOUR Possibilities” in den Mittelpunkt des Messeauftritts in Stuttgart. Dabei bieten etwa die neuen Hyster®“J10-18XD“-Modelle mit Lithium-Ionen-Batterie eine Tragfähigkeit von bis zu 18 Tonnen. Die emissionsfreien Elektrostapler sollen in ihrer Leistung dem Vergleich mit Verbrennungsmotoren standhalten. Die Besucher der LogiMAT 2022 werden zudem zu den ersten Interessenten in Europa gehören, die das Debüt des neuen BYD-Gabelstaplers „ECB20S“ und der neuen „SEF“-Gegengewichtsserie des Herstellers miterleben können. Der Dreirad-Gegengewichtsstapler ECB20S bietet eine elektrische Feststellbremse, das neueste energiesparende Batteriemanagementsystem des Herstellers sowie ein überarbeitetes Hydrauliksystem und ist mit zwei Batterieoptionen verfügbar. Weitere Exponate zielen mit Tools auf Transparenz im Flottenmanagement sowie die Optimierung von Energieverbrauch und Batteriemanagement über Ferndiagnosen.

Dem Herstellernamen alle Ehre macht ein neuer Gegengewichtsstapler des schwedischen Herstellers Semax Material Handling AB (Halle 10, Stand G75), der erstmals auf der LogiMAT zu sehen ist. „Se max“ heißt ins Deutsche übersetzt „maximal sehen“. Das ist Programm für den neuen, kompakten Stapler, der mit dem Mast hinter der Kabine den Fahrern viel freie Sicht und ein smartes Handling transportempfindlicher Güter ermöglicht. Integrierter Teleskopvorschub, 0-900 mm (Option), schafft dabei eine markante Reichweite für präzises Warenhandling.

 

Nachrüstbares Assistenzsystem.
Mit Neuentwicklung bei den Zusatzausstattungen und Anbaugeräten sind überdies beispielsweise die PowerFleet GmbH (Halle 10, Stand C77), die Abertax Technologies Ltd. (Halle 10, Stand C29) und die Durwen Maschinenbau GmbH (Halle 10, Stand B39) in Stuttgart vertreten. PowerFleet zeigt mit der Messeneuheit „VAI-100“ ein kamerabasiertes Personen- und Fahrzeug-Warnsystem. Das nachrüstbare Assistenzsystem für Flurförderzeuge nutzt Künstliche Intelligenz (KI) zur Erkennung von Personen, Fahrzeugen und Hindernissen in seinem Arbeitsumfeld. Bei Unterschreitung eines konfigurierten Sicherheitsabstandes wird der Staplerfahrer unmittelbar visuell und akustisch vor Objekten in der Nähe gewarnt. Gekoppelt mit Flottenmanagement-System „VisionPro“ können Auswertungen über die Verletzung von Sicherheitszonen vorgenommen und im Visibility-Tool der Software angezeigt werden.

Abertax Technologies präsentiert mit der „Non-Metallic Liquid Level Sensor Electrode“ eine neuartige patentierte, metallfreie Sonde zur Füllstandsmessung von Batterieelektrolyt bei elektronischen Produkten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sonden auf Stahl- oder Bleibasis sind die neuen Füllstandsmesser korrosionsfrei und ermöglichen die unkritische Handhabung bei der Installation. Durwen stellt auf der LogiMAT 2022 eine repräsentative Auswahl ihrer wichtigsten Anbaugerätevor. Dazu zählen etwa Zinkenverstellgeräte mit SmartForks als Plug-in-Play-Lösung, eine Papierrollenklammer in 180°-Ausführung und Zinkenverstellgeräte in Kombination mit Teleskopgabelzinken. Als Innovationen wertet der Hersteller einen neuartigen Klemm-/Abschieber und eine neue Schneidballenklammer zum automatisierten Entdrahten. An unterschiedlichsten Ballen beispielsweise in der Altpapier- und Recyclingindustrie kappt die Neuentwicklung die Transport-Haltedrähte. Dabei fällt das Ballenmaterial nach dem Öffnen der Klammerfunktion in die vorgesehenen Lade- und Transporthilfsmittel. Die Drahtreste bleiben in der Greifeinheit stecken und können materialrein entsorgt werden.

„Mit den präsentierten Messepremieren innovativer Neuentwicklungen bietet die LogiMAT 2022 erneut den wohl umfassendsten Überblick über die aktuellen Geräte und Lösungsangebote der internationalen Flurförderzeug-Branche“, resümiert Messeleiter Michael Ruchty, EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH München. „Mit den Exponaten ihrer jüngsten Entwicklungen im Hardware-Bereich wie auch bei den Fahrerassistenz- und Flottenmanagementsystemen machen die Hersteller die Präsentationsplattform und Arbeitsmesse LogiMAT für die Fachbesucher zugleich zur wichtigsten Informationsbörse für zukunftsfähige Investitionsentscheidungen im Bereich der Flurförderzeuge. Ein Mehr an geballter Fachkompetenz wird ihnen nirgendwo geboten.“

 

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München
Tel.: +49 (0)89 32391-259 | Fax: +49 (0)89 32391-246
www.logimat-messe.de | www.logimat.digital

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Unsichere Zeiten stellen die Logistik vor besondere Herausforderungen

Kaum scheint die unsägliche Pandemie halbwegs überstanden, sehen wir uns mit anderen Hiobsbotschaften konfrontiert: der Krieg in der Ukraine, ausufernde Energiepreise, Lieferengpässe, Containermangel, Klimaziele und das neue Lieferkettengesetz sind nur einige der Punkte, die die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich bedrohen – von menschlichen Tragödien ganz abgesehen. Über Lösungswege und Prognosen sprach Logistik express mit Dipl.-Ing. Dr. Roman Stiftner.

Redaktion: Angelika Gabor.

Dipl.-Ing. Dr. Roman Stiftner ist nicht nur Präsident der BVL – Bundesvereinigung Logistik Österreich und Aufsichtsratsmitglied des European Shippers’ Council (ESC), sondern auch CEO & Generaldirektor bei Eumicon, Vizepräsident von Euromines sowie Geschäftsführer der Fachverbände Bergbau-Stahl und NE-Metalle in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Langweilig wird ihm aktuell noch weniger als sonst – es gilt, jede Menge Brandherde zu löschen, sowohl national, als auch international. Präsentestes Thema ist natürlich die Ukraine-Krise. Wenngleich sie ihren Anfang schon im Jahr 2014 nahm, als am 1. März das Oberhaus des russischen Parlaments der Entsendung von Truppen in die Ukraine zustimmte
und damit die Weichen für die Annexion der Halbinsel Krim stellte. Stiftner selbst kennt die Situation aus erster Hand, schließlich hat er jahrelang dort gelebt und gearbeitet.

„In der Ukraine gibt es einen starken Unterschied zwischen dem pro-westlichen und dem pro-russischen Teil im Osten. Donezk ist historisch russisch, die dort lebende Mehrheit fühlt sich Russland verbunden und die ukrainische Minderheit wird unterdrückt. Die Region ist im Gegensatz zum landwirtschaftlich geprägten Westen stark industrialisiert, und Russland hat großes Interesse daran, die Krim auch über den Landweg anzubinden.“

Der Donbass, zu Sowjetzeiten die größte Industrieregion der Sowjetunion, ist schon seit Jahren besetzt. „Dieser Konflikt wird meiner Meinung noch lange anhalten. Die Region könnte stabilisiert werden, wenn sich die Ukraine eine Anleihe an der österreichischen Geschichte nimmt.“ Auch Österreich befand sich einst in einer geopolitisch schwierigen Lage als Pufferstaat – ohne die Unterzeichnung der Neutralitätserklärung nach dem 2. Weltkrieg hätte die Besatzung wohl nicht so schnell geendet. „In diesem Konflikt muss mit Augenmaß agiert werden. Natürlich ist die Lage für die Bewohner furchtbar. Aber Sanktionen führen zu Gegenmaßnahmen, und die Abhängigkeit von russischem Erdgas ist hoch. Schon jetzt sind die hohen Energiepreise eine Gefahr für den Standort und haben massive Auswirkungen auf die Produktion und die Handelswege.“ Weitere Gefahr: die Bahntrassen zwischen Europa und Asien führen durch Russland, als Ausweichoption gibt es nur den Seeweg…

Wenige Tage nach diesem Gespräch marschierte Russland in der Ukraine ein.

 

Wie sehen Sie die aktuelle Lage bei der Containerschifffahrt?

„Hinsichtlich der Containerknappheit ist keine kurzfristige Entspannung zu erwarten, trotz etlicher Einschleifmaßnahmen. Man muss bedenken, dass rund 90 Prozent aller Güter in Österreich einen maritimen Transportanteil haben.“ Die Gründe für den Engpass sind vielfältig, aber hauptsächlich der Pandemie geschuldet. Durch den Rückgang der weltweiten Warenströme während der Lockdowns reduzierten Reedereien ihren Bestand, gleichzeitig landeten viele Container an ungeeigneten Standorten. Zudem kam es zu Staus in den Häfen und einer verringerten Hafenumschlagskapazität durch Personaleinsparungen. Das Resultat sind massiv gestiegene Kosten und unzuverlässige Fahrpläne. „Natürlich wünscht sich jeder stabile und planbare Logistikketten. Der weltweite Handel vor der Pandemie funktionierte so gut, weil die Logistikkosten niedrig waren. Doch bei zu hohen Containerkosten ergibt sich für Güter mit niedrigem inneren Wert kein Businesscase mehr, Wettbewerbsvorteile gehen verloren. Es kommt zu einer Verschiebung in der Wertschöpfungskette, „Nearshoring“ erfährt eine neue Bedeutung.“

Die engere Kooperation mit nähergelegenen Lieferanten bringt gleichzeitig auch ökologische Vorteile. „Der Verband erwartet keine Rückkehr zu den Containerpreisen zum Vorkrisenniveau, aber sie werden sich auf einem hohen Niveau stabilisieren.“ Aktuell würden die Reedereien hohe Profite erwirtschaften und er erhofft sich daher Investitionen in neue Schiffe. Bei neuen Schiffen könnte auch die Umweltbilanz verbessert werden: „Der Treibstoff der Hochseeschiffe ist eine Resteverwertung von Kohlenwasserstoffen. Leider verfügen noch nicht alle Frachter über entsprechende Filtersysteme, um die Rußpartikel aufzufangen. Das ist natürlich sehr unangenehm, aber umgerechnet auf die Tonne transportierter Güter sind die Emissionen unbedeutend. Der Schiffsverkehr hat einen Anteil von etwa drei Prozent an den Gesamt-CO2-Emissionen.“

Stichwort Treibstoff: Was erwarten Sie für die Zukunft?
„Meiner Meinung nach könnte Wasserstoff das Element der Zukunft sein, auch für schwere Trucks. Dafür müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein, nämlich eine passende Infrastruktur und eine kostengünstige Produktion von Wasserstoff. Zumindest entlang der Güterkorridore müsste ein Wasserstoff-Tankstellennetz errichtet werden.“ Solarantriebe spielen für ihn im Güterverkehr aufgrund der nicht gegebenen Fläche auf LKW keine Rolle. „Für Klein-LKW ist Elektromobilität gesellschaftlich erwünscht, also wird die Branche diesen Wunsch auch umsetzen.“

Ein Problem stellt hier nach wie vor die Batterie dar: rund 60 % des weltweit geförderten Kobalts stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, mit teilweise horrenden Arbeitsbedingungen. Auch der Lithium-Abbau steht stark in der Kritik, insbesondere aus Umweltschutzgründen. Hinzu kommt, dass das Batterie-Recycling nicht geklärt ist. Stiftner: „Hier ist noch viel Forschung nötig, um eine sinnvolle Wiederverwertung der E-Autobatterien zu entwickeln.“ Schließlich muss das Elektrofahrzeug auch mit grünem Strom betankt werden, um tatsächlich als nachhaltig zu gelten.
„Die öffentliche Hand ist gefordert, die Infrastruktur entsprechend flächendeckend auszubauen. Bezogen auf Europa sind hier Investitionen in Billiardenhöhe nötig, denn auch die Hub-Infrastruktur ist schon lange nicht mehr aktuell.“

Wie sieht es mit dem Schienengüterverkehr aus Ihrer Sicht aus?
„Der Güterverkehr wird insgesamt in Zukunft noch stark wachsen. Wenn wir diese Mengen bewältigen wollen, sind technologische Investitionen in Bahn und Straße nötig. Leider verliert der Schienengüterverkehr aktuell Anteile. Hier muss man sich Strategien überlegen, die Flexibilität und damit auch die Attraktivität zu steigern. Ein Ansatzpunkt ist die Optimierung der Zugsteuerung durch Digitalisierungsmaßnahmen.“ Derzeit präsentiert sich die Bahn im internationalen Güterverkehr durchwegs unflexibel, und das liegt längst nicht nur an unterschiedlichen (militärisch begründeten) Spurweiten: verschiedene Normen selbst innerhalb Europas, verschiedene Strom-Spannungen, abweichende Prüfungsvoraussetzungen für Fahrer, nötige Zugführerwechsel an der Grenze und unvermeidbare Umladeprozesse machen den Schienentransport langsam. „Im Gegensatz dazu fährt ein LKW mit einem Fahrer ungebunden durch ganz Europa. Hier ist dringend eine Harmonisierung nötig. Wir brauchen die Frachtkapazitäten, und aus Sicht der Verlader müssen alle Modalitäten attraktiviert werden.

Die Logistikbranche sieht sich mit enormem Preisdruck konfrontiert. Was kann man hier tun?
„Solange der Preisdruck für alle gleich ist, ist es kein Wettbewerb, sondern Inflation. Aus logistischer Sicht ist es nötig, die Lieferketten durch Datenaustausch transparenter zu gestalten und für die Routen mit möglichst wenigen Umladestellen auszukommen. Was ein Mal auf der Straße transportiert wird, kommt nicht zurück auf die Schiene, darum ist ein Ausbau der Anschlussbahnen zu vernünftigen Kosten so wichtig.“ Eines scheint klar: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Preise höher bleiben als vor der Pandemie. Nicht nur haben sich Kapazitäten verändert, auch die Lieferketten sind andere geworden.“

Fast alle Branchen klagen über Personalmangel, aber der Fahrermangel ist besonders ausgeprägt. Wie kann man dem entgegenwirken?
„Aus meiner Sicht ist auch in diesem Bereich die fortschreitende technologische Entwicklung die Lösung. So könnten beispielsweise autonome Fahrsysteme zu einer Effizienzsteigerung beitragen, die Fahrzeuge könnten knapper auffahren. Aber dafür sind massive Investitionen in die Digitalisierung nötig.“ Der Fahrermangel zeige deutlich, dass der Job nicht mehr attraktiv sei. „Es gibt eine sehr starke Reglementierung bei den Fahrern, etwa bei den Ruhezeiten. Wer verbringt schon gerne sein Wochenende auf einem Parkplatz?“

Welche Erkenntnis konnten wir als Gesellschaft aus der Pandemie gewinnen?
„Durch die Pandemie ist die Logistik sichtbar geworden. Man musste erkennen, dass manche Güter plötzlich nicht ständig verfügbar sind. Dadurch ist beim Endkunden ein Bewusstsein für die Leistungen der Logistik entstanden und auch mehr Wertschätzung. Schon vor der Pandemie haben Menschen gerne etwas bestellt, wollten aber für die Zustellung nichts bezahlen. Das hat sich geändert. Um auch in Zukunft die steigenden Mengen bewältigen zu können, ist dringend eine Effizienzsteigerung nötig, etwa auch bei Antriebssystemen. Ein weiterer Punkt, der deutlich geworden ist: Europa muss darüber nachdenken, wie wir in Summe die Abhängigkeiten reduzieren können, beispielsweise von China. Wenn es in
Asien Konflikte gibt, steht in Europa die Automobilproduktion still. Natürlich sind wir an dieser Abhängigkeit selbst schuld, denn früher gab es durchaus Chiphersteller in Europa. Aber diese Produktionsstätten gingen aufgrund unterpreisiger Angebote aus anderen Regionen verloren. Das politische Ziel ist daher klar die strategische Autonomie. Was jetzt noch fehlt, ist, dieses Ziel zu leben und konkrete Maßnahmen für die Industrie umzusetzen. Eine entsprechende Handelsverteidigungspolitik, beispielsweise durch Strafzölle, wird dabei helfen, essenzielle Industrie wieder regional zu etablieren. Aber hier sind Ambition und rasches Handeln nötig.“

Was sagen Sie zum gerade eben veröffentlichten Richtlinienentwurf zum Lieferkettengesetz?
„Der von der EC vorgelegte Entwurf des europäischen Lieferkettengesetzes geht weit über die Regelungen des deutschen und französischen Gesetzes hinaus. Es soll praktisch alle Unternehmen über 500 Beschäftigte rechtlich verbindlich verpflichten, ihre gesamte Lieferkette daraufhin zu kontrollieren, ob die Zulieferer gegen Umwelt-, Klima- und Menschenrechte verstoßen. Mehr noch: Sie sollen unter bestimmten Umständen auch für Verstöße der an ihrer Lieferkette beteiligten Unternehmen haften, und zwar nicht nur für direkte (unmittelbare) Lieferanten, sondern allen entlang der Wertschöpfungskette. Wenn man weiß, dass Produkte oft aus mehreren hundert und mehr unmittelbaren Zulieferteilen bestehen, wird klar, dass diese Forderung exponentiell steigende Bürokratie verursacht und für Unternehmen praktisch auch nicht erfüllbar ist. Es stellt auch eine weitere Benachteiligung im internationalen Wettbewerb dar, der vom europäischen Gesetzgeber für europäische Unternehmen geplant ist.

Mit dem Entwurf wird nicht das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens abgesichert, sondern der europäische Wirtschaftsstandort und Millionen von Arbeitsplätzen gefährdet. Korrekturen sind daher unumgänglich, wobei das deutsche Lieferkettengesetz als grobe Leitlinie herangezogen werden kann.“ (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Die Welt ist im Umbruch, das betrifft besonders die Logistikbranche

Logistik express hat nachgefragt, welche Herausforderungen zu meistern sind und wie die Zukunft aussehen könnte.

Redaktion: Angelika Gabor.

Die Welt ist im Umbruch, das betrifft die Logistikbranche mehr als viele andere Bereiche. Logistik express hat sich umgehört, wie es bei den Unternehmen aussieht, welche Herausforderungen zu meistern sind und wie die Zukunft aussehen könnte.

Mit welchem Treibstoff werden Güter in den nächsten 5/10/20 Jahren Ihrer Meinung nach bewegt werden und warum? Welche Technologie wird sich durchsetzen?

„In den nächsten 5-10 Jahren werden Benzin und Diesel die dominierenden Treibstoffe bleiben. Der Gütertransport auf Schiene wird nicht den gewünschten, fast doppelt so hohen Anteil im Bereich der Güterbeförderungen erzielen, so lange keine Länderübergreifenden Konzepte beschlossen werden. Elektromobilität und Biokraftstoffe, auch Wasserstofftechnik und die Brennstoffzelle werden sich ergänzend im Bereich des Gütertransport verstärken, vor allem im Städte-Bereich wird der Einsatz von E-Mobilität zwingend erforderlich sein, um Emissionen und CO2 Ausstoß zu reduzieren“, meint Winter. Krauter: „Ich sehe im Nah- und Stadtverkehr die Nutzung von Batterien als Antriebstechnologie im Vorteil.

Beim Langstrecken-Schwerverkehr wird sich aber der Antrieb mit Wasserstoff durchsetzen, ist der Batterie-Antrieb maximal eine teure Übergangstechnologie. Zum wirtschaftlich günstigen und technisch leicht bewältigbaren Einsatz von Wasserstoff als Treibstoff sind aber noch eine Reihe von technischen Verfeinerungen zu entwickeln und Investitionen zu tätigen. Ich hoffe daher, dass die staatlichen Förderungen überwiegend dem Aufbau eines Tankstellen-Netzes für Wasserstoff zugutekommen werden.“

Ähnlich sieht es Hirschbeck: „Der vollständige Wandel hin zu Null-Emissions-Fahrzeugen wird kommen, der politische Rahmen dafür ist gesetzt. Gemäß der festgelegten Definition von Null-Emissions-Fahrzeugen – keinerlei Emissionen von CO2 und Luftschadstoffen am Auspuff der Fahrzeuge – wird dies aus heutiger Sicht vor allem mit batterieelektrischen LKW und Wasserstoff-Brennstoffzellen-LKW möglich sein. Vielleicht noch auf ausgewählten Strecken mit Oberleitungs-LKW. Mindestens bis zum Ende dieses Jahrzehnts wird aber der Diesel-LKW noch eine sehr wichtige Rolle in der Logistik spielen.“

Einen Mix sieht Schachinger: „Das Pariser Klimaabkommen hat die Klimaneutralität bis 2040 zum Ziel, allerdings ist dieses Ziel nur zu erreichen, wenn sowohl auf europäischer Ebene als auch in Österreich alle Akteurinnen und Akteure an einem Strang ziehen. Ein möglicher Lösungsansatz ist dabei ein sinnvoller Mix aus Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Effizienzverbesserung bei den einzelnen Verkehrsträgern. Leider haben Infrastrukturprojekte lange Vorlaufzeiten und ökologische Grenzen, beispielsweise den Flächenverbrauch. Zudem ist die Verlagerung zwischen den Verkehrsträgern nur begrenzt möglich.

Hinsichtlich Elektromobilität wird die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien in Zukunft ein entscheidender Faktor sein, um die Klimaneutralität im Verkehrssektor zu erreichen, denn die regional nachhaltig und CO2-frei bereitgestellte Primärenergiemenge ist begrenzt. Es braucht somit Änderungen in allen Bereichen des Verkehrssystems: in der Infrastruktur, den Verkehrsmitteln, der Raumstruktur, unserem Verhalten und unseren Einstellungen.“

Was unternimmt Ihr Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit – wie sieht Ihre Klimastrategie aus?

„Logwin setzt in den nächsten Jahren im Bereich der LKW und PKW gezielt auf Elektromobilität und CO2 neutralen Transport. Seit vielen Jahren schon setzen wir auf den technologischen Fortschritt und erneuern unseren Fuhrpark alle 3 Jahre, unsere LKW werden mit Biodiesel betrieben und wir beziehen soweit es europaweit möglich ist, nur Ökostrom. Durch unsere fortgeschrittene Digitalisierung in allen Geschäftsbereichen sind wir in der Lage Touren Länder- und Kundenübergreifend effizient zu planen und Leerfahrten zu vermeiden, dadurch können wir bereits einen Teil der CO2-Emissionen im Transport von Gütern reduzieren. Eine vollständige Vermeidung von Emissionen ist weder finanzierbar noch aktuell technisch möglich“, so Winter.

„SCHACHINGER Logistik gilt in der Branche seit Jahren als Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit und so ist es nicht überraschend, dass unsere Klimastrategie „ZERO EMISSION“ eine unternehmensweite CO2-Neutralität zum Ziel hat. Jene Dachflächen im Bestand, die es derzeit technisch ermöglichen, sind bereits flächendeckend mit PV-Anlagen ausgestattet, unsere mehrfach ausgezeichnete & modernste multimodale Logistikhalle „LT1“ am Firmensitz in Hörsching ist als green-blue-building zertifiziert und gilt als energieautark.

Der PKW-Eigenfuhrpark ist bereits zu 40% elektrifiziert und wird weiter ausgebaut, im Bereich der Vans entspricht der derzeitige Status quo einem Mix bei den Antrieben zwischen Elektro-,Gas- und Verbrennungsmotoren. Auch hinsichtlich Forschung und Förderung von E-LKW bzw. alternativen-Antriebkonzepten zählen wir zu den „First Movern“, erläutert Schachinger.

Hischbeck: „Unsere langfristig angelegte Klimaschutzstrategie basiert auf den Grundpfeilern Effizienz, Innovation und integrative Verantwortung. Unsere Initiativen zielen auf effiziente Logistikprozesse, Energieeinsparungen und technische Innovationen, um die Treibhausgasemissionen im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens sowie den Klimaschutzzielen der Europäischen Union und vieler weiterer Staaten zu verringern.

Dachser arbeitet dazu mit Kunden und Partnern zusammen, die ebenfalls aktiv den Wandel der Logistik hin zu Niedrig- und Null-Emissionstechnologien gestalten wollen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden eng in die Klimaschutzaktivitäten einbezogen. Hinzu kommt das soziale und gesellschaftliche Engagement jenseits der direkten geschäftlichen Interessen des Unternehmens. Um den Laderaum so effizient wie möglich auszulasten, nutzen wir seit Jahren Doppelstockverladungen. Zudem stellen wir in den kommenden Jahren europaweit auf Megatrailer um. Diese haben bei gleicher Länge und Breite einen tiefer gelegten und damit etwas höheren Laderaum und können somit 8 Kubikmeter mehr Ware aufnehmen als die Standard-Auflieger. Damit wird die Auslastung optimiert und die Klimabilanz der Transporte gleichzeitig verbessert.“

„Bei cargo-partner setzen wir viele, auch kleinere Maßnahmen. Im Grunde geht es in drei verschiedene Richtungen. Zunächst kann nur ein fundamentaler Technologiewandel die Klimakatastrophe mildern. Daher fördern wir diesen schon seit längerer Zeit Projekte in die richtige Richtung. Da ist über eine Million EUR in die Förderung von umweltfreundlicherem Antrieb von Flugzeugen und die Konfiguration von Nurflügel-Flugzeugen gegangen. Wir sagen dem Open Rotor, also dem guten alten Turboprop Propeller eine Renaissance auf kürzeren Strecken und für leichtere Flugzeuge mit Elektro- oder Wasserstofftreibstoffzellenantrieb voraus.

Im Lagerbereich haben wir in der Vergangenheit ein 220.000 m3 großes Speditionslager in Form eines 20 m hohen Holzhochbaus errichtet, wobei uns gleich mehrere Nachweise gelungen sind, z.B. über die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber konventionellen Stahlbeton- und Stahlhallen. In unserem Tagesgeschäft (überwiegend Luft- und Seefracht, Anm.) sehen wir eine große Möglichkeit, eine Entwicklung in die richtige Richtung zu fördern. Wir arbeiten daran, bei Offerten und Rechnungen alternative Varianten nicht nur geldmäßig, sondern auch in Bezug auf den zu erwartenden Treibhausgas Footprint auszupreisen. Dadurch können unsere Kunden motiviert werden, im Zweifelsfall die umweltschonendere Alternative zu wählen, wodurch es für die Frachtführer in Luft- und Seefracht attraktiver wird, ihre Leistungen umweltschonender zu produzieren“, erklärt Krauter.

Wie bewerten Sie die RoLa als Beitrag zur grüneren Logistik und wie die Marktanteilschancen?

Krauter: „Die RoLa steht für einen sehr großen Beitrag zu einer grüneren Logistik und das wird sich kaum ändern. Natürlich lasten reine Containerverkehre oder Verkehre mit Wechselbrücken die Züge gewichtsmäßig besser aus. Über die Wahl des Transportweges entscheiden aber letzten Endes die Kunden und die wollen keinen Aufenthalt in Terminals und ein Andocken von sicher zu disponierenden LKW oder Trailern.“ „Aus unserer aktuellen Sicht ist die RoLa vor allem für das Geschäftsfeld Air & Sea Logistics interessant. Hier gibt es kombinierte Vor- und Nachläufe, bei denen der Schienenverkehr oft genutzt wird. Für unsere Europalogistik nutzen wir die RoLa derzeit nicht“, meint Hirschbeck. „Auch das Thema Intermodale Transporte im Landverkehr (teilweise Schienentransport) ist Teil unserer Produktstrategie, dafür evaluieren wir noch unsere Marktchancen“, fasst Winter zusammen.

Inwieweit betrifft Sie der Personal- und Fahrermangel?

„Die anhaltende Omikron-Welle macht vor allem der deutschen und in etwas kleinerem Ausmaß der österreichischen Wirtschaft zu schaffen. SCHACHINGER Logistik ist bis dato aufgrund der Corona-Pandemie von einem Personalmangel in keinem nennenswerten Ausmaß betroffen. Anders sieht die Situation im Bereich der LKW-Fahrer aus! Hier hat die COVID Pandemie einen strukturellen Mangel an LKW-Fahrern in ganz Europa beschleunigt und erheblich verstärkt. Eine deutliche Reduktion des Angebotes am Markt, gepaart mit erheblicher Verteuerung von Frachtraum ist bereits seit dem letzten Jahr zu bemerken, wobei eine Trendwende bis dato nicht absehbar ist“, bedauert Schachinger. Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Winter: „Personal- und Fahrermangel ist in ganz Europa zu spüren. Das betrifft uns in allen Bereichen: Fahrer-, Lagerpersonal, operative Mitarbeiter, aber auch im administrativen Bereich (v.a. in DE und AT).“ „In Europa fehlen viele Fahrer, angeblich eine halbe Million!

Der Zugang zu LKW am freien Markt ist daher schwieriger, der Frachtraum teurer. Viele Jahre wurde stereotyp Stimmung gegen die LKW gemacht. Ich wünschte, diese Energie wäre in Aktionen geflossen, den LKW-Verkehr umweltfreundlicher zu machen. Das ist mit ein Grund, warum das Durchschnittsalter der Fernfahrer so hoch ist und nicht annähernd der Bedarf der Wirtschaft nach Berufsanfängern gedeckt werden kann. Ich kenne österreichische Frachtführer, bei denen brandneue LKW am Hof stehen, weil sie nicht genug Fahrer haben“, stimmt Krauter zu.

Auf interne Fahrerausbildung setzt Dachser: „Logistik wird von Menschen gemacht. Der Fahrer- und Fachkräftemangel ist und wird in den kommenden Jahren eine der entscheidendsten Herausforderungen in der Branche bleiben. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und um eine nachhaltige Mitarbeiterbindung zu erreichen, investiert Dachser intensiv in die Aus- und Weiterbildung und Übernahme von Nachwuchskräften und fördert Mitarbeitende über alle Altersstufen hinweg. Hier setzen wir auf die Ausbildung im eigenen Unternehmen, in der DACHSER Service und Ausbildungs GmbH“, so Hirschbeck.

Wie stark ist der Preisdruck, hat er durch die Pandemie zugenommen, oder ist mehr Verständnis da für Kosten?

Hirschbeck: „Angesichts der spürbaren Kapazitätsengpässe hat sich die Logistik 2021 von einem Kostenfaktor, der mehr oder weniger geräuschlos zu funktionieren hat, zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickelt. Die Kunden sind angesichts massiver Sorgen um ihre Produktionsversorgung oder Lieferfähigkeit näher an Dachser herangerückt. Verlässlichkeit, Planbarkeit und Vertrauen machen mehr denn je den Kern der Zusammenarbeit aus – und das drückt sich auch in auskömmlichen Preisen und einer gegenseitig langfristigen Gestaltung der Zusammenarbeit aus.“

Etwas pessimistischer formuliert es Winter: „Wie immer besteht für Preiserhöhungen im Privatbereich viel mehr Verständnis europaweit, als in Geschäftsbeziehungen. Der Druck auf unserer Seite ist groß: Dieselpreis, Strompreise, Mehrkosten im Leasing von Fahrzeugen, Mehrkosten durch das Mobilitätspaket, erhöhte Personalkosten aufgrund Personalmangel etc. Wir wollen nicht die Pandemie als Preistreiber bezeichnen, dies ist für Regierungen und Großkonzerne eine „praktische“ Erklärung, um Preise anzuheben, da können wir als Unternehmer leider nichts daran ändern.“

„Die Preise sind im Übersee-Verkehr extrem in die Höhe geschossen, ganz einfach weil Schiffsraum, Container und Flugtonnage derzeit ein sehr knappes Gut sind. Die Wirtschaft hatte jahrelang die Transportpreise für die mit hohen Fixkosten belasteten Frachtführer in den Keller gedrückt. Die Supply-Chains wurden bis ins Letzte eingetaktet, wobei der Faktor „Risiko“ oft nicht mehr Eingang in die Kalkulation gefunden hat. Jetzt ist das Pendel in die andere Richtung ausgeschwungen und die meisten Kunden sind sich dessen bewusstgeworden, welch hohen Wert gutes und verlässliches Service hat“ fasst Krauter zusammen.

Sehen Sie einen Trend hin zu regionalem Einkauf/Insourcing bei Ihren Kunden? Gibt es Auswirkungen auf Ihre Transportrouten?

Winter: „Ja teilweise – das finden wir sehr positiv, weswegen wir auch selbst regional unsere Kapazitäten verstärken, vor allem in Österreich.“ „Natürlich reagieren die Kunden auf die Verzögerungen und Verteuerungen, aber teilweise auch auf die Unverlässlichkeit, vor allem im Übersee-Verkehr. Was, wenn der Hafen wegen eines Corona-Ausbruches gesperrt wird, ein Ersatzhafen angelaufen werden muss? Was, wenn sich die Luftfrachtraten über Nacht stark verteuern? Die meisten Kunden haben aber Konkurrenten, die ziemlich ähnliche Produkte anbieten und auch ziemlich ähnliche Schwierigkeiten in der Supply Chain haben. Außerdem ist die Produktion in Asien mit einem 7 bis 8 Mal größeren Konsumentenpotential gegenüber Europa einfach näher und sie haben kaum die Wahl, die Produktion von dort wieder abzuziehen“, erklärt Krauter.

„Die Kunden agieren derzeit im Krisenmodus. Ihr Fokus liegt darauf, Kapazitäten zu bezahlbaren Raten zu beschaffen und gemeinsam mit dem Logistikpartner Lösungen zu finden, um die Lieferketten aufrecht zu erhalten. Mittel- oder langfristig werden die Unternehmen aber eine strukturelle Veränderung ihrer Supply Chains anstoßen. Eine Dachser-interne Umfrage, die wir im vergangenen Sommer durchgeführt haben, hat gezeigt, dass 70 Prozent der befragten Großkunden in Europa über eine Regionalisierung der Lieferketten nachdenken. Entscheidend ist aber nicht rein die Regionalität. Um die Stabilität logistischer Netzwerke und unterbrechungsfreie Supply Chains zu sichern, sind flexibel strukturierte Logistiknetzwerke gefragt. Als Logistikdienstleister müssen wir reagieren, Alternativen aufzeigen und auch eigene Transportkapazitäten, z. B. über Luftfracht-Charter, aufbauen“ berichtet Hirschbeck.

Für Schachinger wäre regionalerer Einkauf eine logische Konsequenz: „Das Gesamtziel des Pariser Klimaabkommens die CO2-Neutralität kann nur durch das aktive Mitwirken des Sektors Transport und Verkehr erreicht werden. Jedes Teilsegment der Lieferkette muss neu überdacht werden, um CO2 zu senken. Lieferketten müssen zwecks Verkehrsvermeidung verkürzt und Transportwege ebenso wie die Verkehrsträger überdacht werden, auch hier sprechen viele Argumente für die Erhöhung von Lagerreichweiten. Können wir uns – im Angesicht der Klimakrise – den stets „billigsten“ Anbieter noch „leisten“? Oder betrachten wir Zusammenhänge künftig gesamthafter und wählen qualitativ-hochwertige, CO2-arme/-neutrale Lieferanten /Produzenten, und setzen auf partnerschaftliche Zusammenarbeit mit nachhaltiger & langfristiger Ausrichtung? Das deutsche bzw. auch das von der EU-Kommission geplante Lieferkettengesetz ist hier schon als einer von vielen Meilensteinen zu sehen.“

Wie ändern sich die Lieferketten im Angesicht der Pandemie, aber auch der Klimakrise?

„Das geht nur sehr langsam und betraf zunächst in erster Linie Produkte mit einem hohen Transportpreisanteil. Ein zweiter und wachsender Trend betrifft Produkte, wo die bloße Verfügbarkeit der Ware zur Aufrechterhaltung der Produktion ein Near-shoring notwendig macht. Einige cargo-partner Kunden haben Teile der Produktion wieder ins Mutterwerk in Österreich oder Deutschland geholt, ihre Produktion nach Osteuropa oder die Türkei zurückverlegt oder einen Teil ihrer Einkäufe nach Europa zurückverlegt. Das hält sich aber bisher ziemlich in Grenzen“ so Krauter.

Welches sind die größten Herausforderungen für Ihre Branche – und welche für Ihr Unternehmen?

„Das ist schnell erklärt: Fahrer- und Fachkräftemangel, sowie die Preiserhöhungen in allen Bereichen“, resümiert Winter. Einen interessanten Aspekt nennt Schachinger: „Neben der Klimakrise sehen wir bei SCHACHINGER Logistik den generellen Mangel an Fachpersonal als eine der großen Herausforderungen der Logistikbranche und der Wirtschaft allgemein. Unternehmen beschäftigen heute Mitarbeiter aus bis zu vier Generationen und jede für sich hat ganz unterschiedliche Anforderungen an ihr Arbeitsumfeld. Als Arbeitgeber müssen wir uns Fragen stellen: „Was sind die Ansprüche der Generationen Z & Alpha, wie können wir ihre Bedürfnisse abdecken? Wie binden wir Mitarbeiter an uns?“ Denn als treibende Kraft hinter der Motivation dieser Generationen gelten Sinnstifung, Nachhaltigkeit und Karriereförderung, mehr noch als bei den Generationen vor ihnen. Sie wollen Sicherheit und finanzielle Stabilität, aber auch deutlich mehr Freizeit und auch eine klare Trennung von Privatleben und Beruf.

In Zeiten von generellem Personalmangel müssen Unternehmen mehr bieten als Homeoffice, Obstkörbe und flexible Arbeitszeiten. Junge Menschen wechseln häufiger den Job als die Generationen vor ihnen, oft, weil sie sich nicht mit dem Unternehmen identifizieren. Um diese neuen Arbeitskräfte zu motivieren, müssen Unternehmen also nicht nur besondere finanzielle Anreize und karrierefördernde Maßnahmen bieten. Sie müssen vor allem auch darauf achten, eine Unternehmenskultur zu schaffen und permanent weiterzuentwickeln, die allen Generationen gerecht wird.“

„Digitalisierung, Nachhaltigkeit und der Fahrer- bzw. Fachkräftemangel sind die zentralen Herausforderungen, die die Logistikbranche in den kommenden Jahren bewältigen muss. Um diese zu meistern, gilt es, Effizienz und Bündelungsrate zu steigern, LKW-Kapazitäten voll auszulasten, Leerfahrten zu vermeiden und die Attraktivität der Logistikberufe zu erhöhen. Speziell für Dachser liegt der Fokus auf durchgängigen, globalen End-to-End-Lösungen. Die COVID-19-Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht, welchen Mehrwert diese generieren können. Da geht es zum Beispiel darum, Masken, Schutzausrüstung oder Test-Kits, die per Luftfracht aus China kommen, möglichst schnell in unser europäisches Stückgutnetz einzuspeisen und an medizinische Einrichtungen und Krankenhäuser zu verteilen.

Das gleiche gilt für LCL-Sendungen in der Seefracht. Angesichts der globalen Lieferkettenstörungen sind solche integrierten Lösungen für viele Kunden hoch attraktiv. Der allgemeine Trend zu kleinteiligeren Sendungen jedenfalls kommt Dachser mit seinem ausgefeilten Stückgutnetz und -knowhow entgegen“, führt Hirschbeck aus. „Die Belastung der Mitarbeiter in unserer Branche ist teilweise sehr groß und Home-Office funktioniert vor allem dann, wenn die Teams gut eingespielt sind. Die Herausforderungen bieten aber natürlich auch Chancen“, ergänzt Krauter.

Was ist Ihr Wunsch an die Regierung?

„Wenn ich eine Bitte deponieren dürfte: Fördern Sie bitte die Infrastruktur für einen Schwerlast-Verkehr mit Wasserstoff-Antrieb“, so Krauter. In eine andere Richtung geht Winter: „Mein Wunsch: Experten aus der Branche hinzuziehen, wenn Dinge wie das neue Mobilitätspaket beschlossen werden.“ Etwas ausführlicher wird Hirschbeck: „Wir alle wissen, dass der Klimaschutz eine hohe Bedeutung hat, aber er ist auf eine gewisse steuernde Regulatorik angewiesen; diese muss klar und prognostizierbar sein. Auch die Infrastruktur ist ein riesiges Thema – hinsichtlich der Straßen und der Digitalisierung. Wir können nicht von Digitalisierung sprechen, wenn uns die nötige Infrastruktur fehlt – da haben wir einen riesigen Nachholbedarf, den es zu decken gilt.“ Auch Schachinger denkt in erster Linie an das Klima und die Infrastruktur: „Vor dem Hintergrund der Nutzungsdauer eines LKW von etwa acht Jahren benötigt die Transport- und Logistikbranche möglichst bald einen fest kalkulierbaren Zeit- und Förderungshorizont, auf dessen Grundlage sie die Umstellung auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge rechtzeitig einleiten kann.

Die mit der Umstellung auf alternative Antriebstechnologien verbundenen erheblichen Zusatzinvestitionen kann aber die Branche nur schwer/nicht allein tragen. Eine rasche Dekarbonisierung des Güterverkehrs ist in unser aller Interesse. Wenn wir in absehbarere Zukunft keine Diesel-LKW mehr einsetzen wollen/können, dann brauchen wir angesichts des langen Vorlaufes und der hohen Investition möglichst bald klare Perspektiven hinsichtlich der Förderung und Verfügbarkeit von emissionsfreien Nutzfahrzeugen und der dazu erforderlichen Lade- und Tankstelleninfrastruktur.“

Planbarkeit ist also das, was aktuell am meisten gewünscht wird – sei es bei Investitionen, Restriktionen, Preisen oder auch Routen. Es ist dringend an der Zeit, dass die Politik in die Gänge kommt und Ziele auch in klare Regeln gießt, und zwar schnell. In diesem Artikel kamen – wie so oft in der Logistik – nur Männer zu Wort. Geht es nach Schachinger, sollte sich das ändern: „Mein Herzenswunsch ist, auch Damen in die Führungsrollen zu bekommen, denn die Unterschiedlichkeit macht uns stärker.“ Wir werden sehen, wann und ob sich der Wunsch erfüllt. (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Unsere Zukunft wird echt abgefahren

Als sechstgrößter Wirtschaftszweig Österreichs beschäftigt die Automotive-Branche rund 71.000 Personen. Die Halbleiterkrise und der forcierte Umstieg auf Elektromobilität führen zu heftigen Umbrüchen und verstärken die Abhängigkeit Europas. Doch das weitaus größere Problem: die vermeintliche Umweltfreundlichkeit ist reine Augenauswischerei.

Redaktion: Angelika Gabor.

Geht es um die Klimakrise, ist zu 99% von CO2 Reduktion die Rede – oder moderner: Reduktion des COXNUMX-Fußabdrucks. Dieser
umfasst den gesamten Kohlenstoff, der während des Herstellungsprozesses und Verbrauchs eines Produktes emittiert wird. Immerhin stammte im Jahr 2018 – leider ist kein aktuelleres Zahlenmaterial verfügbar – rund ein Viertel sämtlichen weltweit emittierten CO2s aus dem Transportsektor, stolze 6,09 Milliarden Tonnen davon entsprangen dem Straßenverkehr (privat und gewerblich).

Könnte man diese Menge komplett einsparen, wären wir dem Stoppen der Erderwärmung einen gewaltigen Schritt nähergekommen. Darum wird oft im selben Atemzug der Umstieg auf Elektromobilität (auch im Güterverkehr) als der Weisheit letzter Schluss gepriesen. Es stimmt: ausgehend von einem Strommix auf Basis der EU-Klimapläne berechnete das International Council on Clean Transportation (ICCT), dass ein mittelgroßes Elektrofahrzeug im Betrieb rund zwei Drittel weniger schädliche Treibhausgase freisetzt als ein Verbrennungsmotor.

Eine Bilanz des deutschen Automobilclubs ADAC ergab, dass ab Fahrleistungen von 50.000 bis 100.000 Kilometern der CO2-Nachteil von Batterieautos ausgeglichen sein soll. Die Analyse der Umwelt-Dachorganisation Transport & Environment (T&E) im Jahr 2020 ergab sogar, dass ein Elektroauto in Europa über seinen Lebenszyklus hinweg rund zwei Drittel weniger CO2 verursacht als ein vergleichbares Diesel- oder Benzinfahrzeug. Ähnliche Ergebnisse erzielte auch das Fraunhofer-Institut für Innovations- und Systemforschung im Jahr 2019, wobei hier Autos mit Akkus über 80 kWh und geringer Fahrleistung deutlich schlechter abschnitten. Allerdings greift jede Bilanz zu kurz, wenn nur die lokalen Emissionen beim Antrieb inkludiert werden, nicht allerdings jene Schadstoffe, die in der Produktion sowie beim Abwracken bzw. Recycling entstehen. Hinzu kommt, dass die tatsächliche Lebensdauer eines E-Auto-Akkus und die Anzahl der möglichen Ladezyklen sehr individuell sind. Welchen Wert nimmt man also zur Berechnung?

Problem #1: Batterien.
Der andere Grund, warum Elektromobilität aus meiner Sicht nicht der heilige Gral der CO2-Problematik ist: Lithium-Ionen-Batterien bestehen aus Rohstoffen wie Lithium (nomen est omen), Nickel, Kobalt, Aluminium, Kupfer, Zinn, Graphit und Mangan. In heute verwendeten E-Autobatterien kommen vornehmlich Nickel-Kobalt-Aluminium (NCA) und Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) Modelle zum Einsatz. Als Beispiel: die Kathode der in Mittelklassewaren üblichen NMC111-Batterie mit 30 kWh Leistung besteht aus 11 Kilogramm Mangan, 4,5 Kilogramm Lithium und jeweils 12 Kilogramm Kobalt und 12 Kilogramm Nickel.

Mit Ende 2020 gab es weltweit 7,2 Millionen Elektroautos, die natürlich alle zumindest eine Batterie besitzen. Sehen wir uns das namensgebende Lithium genauer an, so befinden sich die größten (bekannten) natürlichen Vorkommen in Chile (8 Mio. Tonnen) gefolgt von Australien, Argentinien und China. In Europa finden sich lediglich in Portugal kleine Abbaugebiete.

In Australien, Nordamerika, China und Europa findet sich das Lithium in sogenannten Pegmatiten, also Lavagestein. Für die Gewinnung eines Kilos Lithium müssen etwa 100 Kilo Gestein abgebaut und verarbeitet werden. So soll beispielsweise in Portugal ein oberirdischer Tagebau errichtet werden. Die Tagebaulöcher haben einen Durchmesser von bis zu 800 Metern und sind bis zu 300 Meter tief, macht sich toll in der Landschaft, hat bestimmt Potential als Touristenattraktion. Im Unterschied dazu wird das Material in Nord-Chile im Salar der Atacama gefördert. Hierbei wird das stark mineralhaltige Grundwasser der Salzseen in riesige künstliche Becken gepumpt, wo es verdunstet und das Lithium zurückbleibt.

Pro Jahr werden aktuell mehr als 63 Milliarden Liter Salzwasser hochgepumpt. Das Problem: Süßwasser, das von der Bevölkerung, Flora und Fauna dringend zum Überleben gebraucht wird, sickert dadurch nach und geht verloren. Laut Bergbau-Kommission der chilenischen Regierung wurde der Atacama in den Jahren 2000 bis 2015 viermal so viel Wasser entzogen, wie auf natürliche Weise in Form von Regen- oder Schmelzwasser in das Gebiet gelangte. Morgan Stanley prognostiziert einen Lithiumcarbonat-Weltbedarf von einer Million Tonnen bis zum Jahr 2025, aktuell werden jährlich 350.000 Tonnen produziert. Eine Verdreifachung innerhalb von 4 Jahren wäre der Todesstoß für die Landwirtschaft und die Bevölkerung in den Abbaugebieten. Doch nicht nur der Wasserverbrauch ist ein schwieriges Thema, auch Kinderarbeit ist eng mit den Batterien verknüpft. So kommt beispielsweise Kobalt in großer Menge aus der Demokratischen Republik Kongo.

Dass die Führungsriege dort nicht unbedingt das gleiche Demokratieverständnis hat wie hierzulande, dürfte inzwischen weithin bekannt sein. Auch sind die Sicherheitsstandards im Bergbau nicht überall gleich hoch, wenngleich es nicht jedes „kleine“ Unglück in die internationalen Schlagzeilen schafft. Doch keine Sorge, die Lösung naht: die Global Battery Alliance (GBA), die immerhin 70 internationale Mitglieder zählt, plant bis Ende 2022 die Entwicklung und Einführung eines Qualitätssiegels für faire Batterien – den „Battery Pass“. Dieser soll die Einhaltung festgelegter Umwelt-, Sozial-, Governance- und Lebenszyklusanforderungen beweisen. Bestechung natürlich ausgeschlossen.

Problem #2: Halbleiter.
Wer noch nicht von der Problematik der weltweit mangelnden Halbleiter/Chips gehört hat, lebt entweder unter einem Stein oder hat eine Wahrnehmungsstörung. Halbleiter sind Hauptbestandteil von Mikroprozessoren, die in Autos beispielsweise dem Steuern von Antrieb, Airbags oder Assistenzsystemen dienen. Gibt es keine Chips, steht also die Automobilproduktion und mit einer Entspannung ist Brancheninsidern zufolge erst in 2023 oder 2024 zu rechnen. Aber warum eigentlich?

Es gibt mehrere Gründe. Chips braucht man nicht nur für Autos, sondern auch für andere Elektrogeräte. Dank Corona-Pandemie kauften Menschen vermehrt Unterhaltungselektronik und machten so der Automobilbranche Konkurrenz, die teilweise zu voreilig Bestellungen stornierte. Hinzu kommt, dass die kleinen Teile (man glaubt es kaum) eine Art MHD besitzen und darum nicht auf Vorrat gehalten werden. Fehlt noch ein geopolitisch besonders brisanter Grund: einer der größten Chipproduzenten sitzt in Taiwan. Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) ist weltweit die Nummer drei hinter Samsung und Intel und gleichzeitig der größte Auftrags-Fertiger von Chips und Wafern (Grundplatten für elektronische Halbleiter, Anm.) weltweit. Das international noch immer nicht anerkannte Taiwan durfte auf Betreiben Chinas keine eigenen Lieferverträge für Covid-Impfstoffe abschließen und kämpft daher mit den Folgen der Pandemie. Um international Druck aufzubauen, kündigte das Unternehmen an, keine Aufträge mehr annehmen zu können…

Zwar wurde inzwischen eine Lösung auch ohne Zustimmung Festland-Chinas für die Lieferung von Impfstoffen nach Taiwan gefunden, die Produktionsausfälle wirken aber noch nach. Die Konsequenz des Chipmangels: das globale Beratungsunternehmen AlixPartner prognostiziert einen Rückgang der internationalen Automobilproduktion um vier Millionen Fahrzeuge fürs Jahr 2021. Aus Klimapolitischer Sicht eine gute Nachricht – aus wirtschaftlicher natürlich ein herber Verlust. Immerhin lag der Branchenumsatz bei den Halbleitern im Jahr 2019 bei rund 412
Milliarden US-Dollar.

Chips aus Europa?
Niemand ist gerne abhängig, und die Pandemie hat deutlich gemacht, dass Produzenten in Österreich, Deutschland – eigentlich ganz Europa – ohne Lieferungen aus Asien und den USA „aufgeschmissen“ sind. Das möchte die Europäische Union natürlich nicht auf sich sitzen lassen und treibt die digitale Unabhängigkeit im Zuge ihres „2030 Digital Compass“ voran. Das ambitionierte Ziel: bis 2030 ein Fünftel der weltweiten Halbleiter zu produzieren und zudem binnen der nächsten fünf Jahre einen eigenen Quantencomputer zu entwickeln. Quantentechnologie gilt u.a. als Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und schnellerer Genomsequenzierung. So kündigte am 15. September 2021 EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Aufbau eines eigenen europäischen Wirtschaftssystems für Mikrochips an, um den Mangel auszugleichen und die Unabhängigkeit zu stärken.

In Zukunft fahren wir also Elektroautos mit Chipbauteilen aus Europa und zertifizierter Batterie aus kinderarbeitsfreien Rohstoffen. Zumindest bis zum nächsten Supermarkt, denn so wie der Ausbau der nötigen Lade-infrastruktur voranschreitet, sollte man von einer Spritztour quer durch die EU eher absehen. Aber das ist wieder ein ganz anderes Kapitel…. (AG)

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

Fronius: Elektrisch unterwegs ohne Lastspitzen

Um seine Kunden zeitnah und zuverlässig zu beliefern, ist eine reibungslose Intralogistik für den Holzgroßhändler Behrens-Wöhlk unverzichtbar – auch und gerade im Zentrallager im nordrhein-westfälischen Drensteinfurt.

Beitrag: Redaktion.

Elektrische Flurförderzeuge sorgen dort für einen effizienten und emissionsfreien Warentransport – Probleme bereitete in der Vergangenheit jedoch die Batterieladetechnik, die mit unerwünschten Lastspitzen regelmäßig Störungen im Betriebsablauf und somit hohe Kosten verursachte. Fronius Perfect Charging bekam mit seinen Selectiva Ladegeräten nicht nur diese Herausforderung in den Griff, sondern ermöglichte der Behrens-Gruppe damit auch deutliche Kosteneinsparungen und eine längere Lebensdauer der Antriebsbatterien.

Arbeitsplatten und Türen, Treppenstufen, Wand- und Deckenelemente, Dielen und Parkett: Im Zentrallager der BERO Holzhandelsgesellschaft mbH in Drensteinfurt bei Münster stapeln sich unzählige Holzprodukte, so weit das Auge reicht. Am nahegelegenen Standort der Seiling GmbH & Co. KG in Ahlen lagern Bau- und Dämmstoffe, Fußböden sowie Zimmereibedarf und ein umfangreiches Zubehörsortiment.

Was an beiden Standorten auffällt? Der charakteristische Geruch des Werkstoffs liegt in der Luft. Außerdem auffällig: der niedrige Geräuschpegel. Obwohl pausenlos zahlreiche Flurförderzeuge in und zwischen den Gängen der Hochregallager hin- und herfahren, ist es angenehm ruhig. Der im Outdoor-Bereich vielerorts typische Dieselgestank? Ebenfalls Fehlanzeige.

Beide Unternehmen sind Teil der Behrens-Gruppe, die mit insgesamt 14 Standorten zu den führenden Großhändlern für Holz und Bauelemente in Deutschland zählt. Das Versorgungsgebiet deckt weite Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen ab.

Mit rund 850 Mitarbeitern erwirtschaftet die Behrens-Gruppe einen Umsatz von etwa 250 Millionen Euro pro Jahr. Die Branche boomt – auch in Corona-Zeiten, berichtet Andreas Jedamzik: „Einen Umsatzeinbruch haben wir seit Beginn der Krise nicht verzeichnet.“ Gebaut werde schließlich immer, und renoviert in Zeiten von Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen sogar mehr als sonst.

Der Holzgroßhändler setzt konsequent auf Nachhaltigkeit.
Andreas Jedamzik ist bei der Behrens-Gruppe als Fuhrparkmanager verantwortlich für die LKW- und Flurförderzeug-Flotte. In der Gruppe werden 115 Flurförderzeuge eingesetzt. Davon sind in Drensteinfurt 16 elektrische Seitenstapler und Sondergeräte für die Kommissionierung im Einsatz, um die teils tonnenschweren Waren effizient und zuverlässig vom Wareneingang ins Lager und von dort zum Versand zu transportieren. „Das Thema Nachhaltigkeit nimmt für uns einen besonders hohen Stellenwert ein“, beschreibt Jedamzik. „Bei unseren LKWs setzen wir auf moderne und sparsame Antriebe, ein Umstieg auf Wasserstoff-Technologie ist in naher Zukunft auch möglich.“ Und die Mitnahmestapler? „Hier betreiben wir unseren Fuhrpark zu 40 Prozent elektrisch. Wir investieren nur noch in E-Mitnahmestapler und werden diese bis 2022 zu 90 Prozent elektrisch betreiben – als erster Holzgroßhändler in Deutschland überhaupt.“ Somit ist die Behrens-Gruppe auch hier als Vorreiter in der Branche zu verstehen.

Ob in der Lagerhalle in Drensteinfurt oder im Außenbereich, wie zum Beispiel am wenige Kilometer entfernten Handelsstandort in Ahlen: Bei der Behrens-Gruppe beziehen alle Elektrostapler ihre Energie aus Blei-Säure-Batterien. „Das hat für uns gleich mehrere Vorteile“, erläutert Marcel Gerwin, Standortleiter in Ahlen: „Die Flurförderzeuge sind schnell, leistungsfähig und verursachen weder Lärm noch Abgase. Dieselmotoren können zum Beispiel Rußpartikel freisetzen, die sich auf dem Holz ablagern und es verschmutzen.“ Auch mit der Verfügbarkeit seiner Flotte ist Gerwin vollauf zufrieden: „Die Elektrostapler halten bei uns problemlos einen Arbeitstag durch, werden über Nacht geladen und am nächsten Tag sind sie wieder einsatzbereit.“

Etwas anders ist der Ablauf im Zentrallager in Drensteinfurt: Aufgrund der langen Einsatzzeiten und der hohen Auslastung benötigen viele der Fahrzeuge Wechselbatterien. Auf die 16 Stapler kommen so etwa 31 Batterien, die je nach Bedarf ausgetauscht werden. Die Ladestationen der Behrens-Gruppe wurden komplett mit Batterieladetechnik des österreichischen Spezialisten Fronius ausgerüstet: Insgesamt 101 Ladegeräte vom Typ Selectiva 8120 und zwei vom Typ Selectiva 8160 versorgen die Flurförderzeug-Flotte des Holzgroßhändlers effizient und zuverlässig mit Energie. „Damit sind sie ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil unserer Intralogistik“, betont Jedamzik.

Frequenzstörungen durch die alte Ladetechnik sorgten für Ärger.
In der Vergangenheit hatte das Unternehmen verschiedene Hochfrequenz (HF)-Ladegeräte anderer Hersteller im Einsatz – doch das sorgte mitunter für gewaltige Probleme: „Wir hatten dadurch starke Frequenzstörungen in unserem Stromnetz“, erinnert sich Jedamzik. „Der Grund waren Lastspitzen und Oberwellen, die unter anderem dann auftraten, wenn wir mehrere Stapler gleichzeitig zum Laden an die Geräte angeschlossen haben. Der hohe Strombedarf zu Beginn der Ladephase führte sogar dazu, dass unsere IT regelmäßig abstürzte und wir unsere Techniker immer wieder zu Sondereinsätzen rufen mussten.“ Das Ergebnis waren erhebliche Einschränkungen im Betriebsablauf und unnötige Kosten – ein Zustand, den der Fuhrparkmanager nicht länger hinnehmen konnte und wollte.

Jedamzik hatte von der besonders kosteneffizienten und stabilen Fronius-Ladetechnik erfahren, die hierzu technisch eine sehr gute Lösung bietet, und entschied, diese zu testen. Schon in der Testphase mit den ersten Selectiva-Geräten ließen sich die Störungen deutlich reduzieren. Verantwortlich hierfür ist der eigens entwickelte Ri-Ladeprozess, über den die Fronius-Ladegeräte verfügen. Dieser ermöglicht im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren eine gleichmäßigere Verteilung des Energiebedarfs über die gesamte Ladedauer. Zudem verfügen die Geräte über eine spezielle Kalenderfunktion, mit welcher sich der Ladestart auf eine definierte Uhrzeit festlegen lässt. „Die Fronius-Ladetechnik ermöglicht es dem Kunden, Stapler zeitlich versetzt zu laden und die gefürchteten Stromspitzen zu vermeiden, auch wenn nach Feierabend mehrere Fahrzeuge gleichzeitig angeschlossen werden“, erklärt Matthias Leibold, Technical Support Experte bei Fronius Perfect Charging. Diese Lösung überzeugte auf ganzer Linie, und die gesamte Behrens-Gruppe wurde auf Fronius-Ladetechnik umgestellt.

Geringerer Stromverbrauch und längere Lebensdauer.
Die Selectiva-Ladegeräte bieten noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile: Mit dem Ri-Ladeprozess können nicht nur Lastspitzen reduziert werden, sondern die innovative Ladetechnik ermöglicht auch einen sehr energieeffizienten Betrieb. Anders als andere Verfahren richtet er sich am Innenwiderstand (Ri) der jeweils angeschlossenen Batterie aus und passt die Kennlinie entsprechend an. „Jeder Ladevorgang ist damit ein Unikat, die Batterie-Charakteristiken werden automatisch erkannt. Somit erhält jede Batterie genau die Menge an Energie, die sie benötigt“, weiß Leibold. „Das senkt zum einen den Stromverbrauch, reduziert die schädliche Erwärmung der Batterien beim Laden und verlängert somit die Lebensdauer der Batterie um bis zu 30 Prozent. Zudem bleibt die Kapazität länger erhalten.“ Die Behrens-Gruppe kann dadurch Energiekosten einsparen und muss die teuren Antriebsbatterien seltener ersetzen – für das auf Nachhaltigkeit bedachte Unternehmen ein wichtiger Pluspunkt. „Außerdem können wir dank der automatischen Spannungserkennung jede Batterie an jedes beliebige Ladegerät anschließen“, ergänzt Herr Jedamzik. „Das reduziert die Komplexität im Handling und stellt, gepaart mit der besonders hohen Qualität und niedrigen Ausfallquote der Selectiva-Ladegeräte, eine besonders hohe Verfügbarkeit unserer Staplerflotte sicher.“

Auch die Elektrolytumwälzung (EUW), mit denen die früheren Batterieladegeräte ausgestattet waren, ist mit der neuen Fronius-Technologie nicht mehr vonnöten. „Viele Hersteller bieten die EUW als Zusatzausrüstung an, um die Temperatur beim Laden zu reduzieren und so die Lebensdauer der Batterien zu verlängern, den Energieverbrauch zu verringern und die Verfügbarkeit zu erhöhen“, erklärt Matthias Leibold. „Der Ri-Ladeprozess bietet all diese Vorteile in einem – und das ohne die hohen Anschaffungs- und Laufzeitkosten einer Umwälzpumpe.“ Der schonende Ladevorgang sorgt außerdem dafür, dass die Mitarbeiter seltener Batteriewasser nachfüllen müssen. „Wir sparen damit Zeit und über Jahre gerechnet bares Geld. Zudem sind die Batterien besser vor dem Austrocknen geschützt“, bringt es Jedamzik auf den Punkt. „Die Fronius-Geräte haben uns wirklich rundum überzeugt – und zwar so sehr, dass wir sie mittlerweile an allen unseren Standorten ausschließlich einsetzen.“

Der Strom für die Stapler kommt vom Dach
Die Zusammenarbeit zwischen der Behrens-Gruppe und Fronius geht weiter: Der Spezialist für Holzwerkstoffe hat einige seiner Standorte bereits mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. „Unser Ziel ist es, einen relevanten Teil der benötigten Energie selbst erzeugen zu können – ein weiterer wichtiger Punkt unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärt Jedamzik. Die eingesetzten Wechselrichter, die den in den Solarpaneelen produzierten Gleichstrom in nutzbaren Wechselstrom umwandeln, stammen ebenfalls aus dem Hause Fronius. „Hier in Drensteinfurt beschäftigen wir uns im Rahmen der Standortentwicklung auch mit der Errichtung einer Photovoltaikanlage“, gibt Jedamzik einen Einblick in die nahe Zukunft des Unternehmens. „Ausgerüstet wird diese dann mit Fronius-Wechselrichtern.“

Der Clou: Den selbst erzeugten Sonnenstrom kann BERO dann direkt für den Betrieb der Staplerflotte verwenden und so zusätzlich die Energiekosten senken. „Die intelligente Lösung aus einer Hand, mit der wir gleichzeitig Kosten einsparen und unseren ökologischen Fußabdruck verringern können, hat uns ganzheitlich überzeugt“, zeigt sich der Fuhrparkleiter äußerst zufrieden. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

Es ist längst höchste Eisenbahn!

Österreich hat freiwillig erklärt, die EU-Klimaziele schon bis 2040 erreichen zu wollen. Warum das unmöglich ist, welche heißen Eisen die Politik endlich schmieden muss, wie es der Branche mit Corona geht und wie es um die Digitalisierung steht, erklärte Mag. Oliver Wagner, Geschäftsführer des Zentralverbandes Spedition & Logistik, im Gespräch mit Logistik express.

Redaktion: Angelika Gabor.

Seit über einem Jahr hat die Corona-Pandemie die Welt im Würgegriff. Ein ständiges Auf und Ab, Lockdowns und Lockerungen, Grenzschließungen und Öffnungen machen den „Reisebüros des Güterverkehrs“ – also den Speditionen – das Leben schwer. Natürlich ist es für alle Branchen eine große Herausforderung, die Krise zu bewältigen. Dessen ist sich auch Wagner bewusst.

„Trotz aller Widrigkeiten ist es gelungen, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Teilweise gab es täglich, wenn nicht sogar stündlich Änderungen bei den Grenzübergängen. Der freie Warenverkehr, ein Markenzeichen der Europäischen Union, war und ist zeitweilig einfach nicht gegeben. Zum Glück ist es ein Kerngeschäft der Logistik, solche Aufgaben zu lösen. Insgesamt waren diese Probleme für den Endverbraucher kaum spürbar.“ So habe es besonders nach dem ersten Lockdown Probleme gegeben, die es zu meistern galt. Generell sei ein Umdenken zu bemerken: „Die Industrie überdenkt die Just-in-Time-Konzepte, die Logistikstandorte rücken wieder näher an die Produktion“, so Wagner. Es gilt, Ausfallsicherheit zu erreichen und das geht nun mal besser, wenn die Ersatzteile oder benötigte Bauteile nicht vor verschlossenen Grenzen oder gar auf anderen Kontinenten stehen.

Fahrermangel als Problem?
Schon lange kämpft die Transportbranche mit dem Problem des Fahrermangels. So appellierte auch Ende 2020 Alfred Wolfram, Obmann des Fachverbandes Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Österreich, an die Politik, die Rahmenbedingungen und das Image für den wichtigsten Partner der Speditionsbranche zu verbessern. Wagner sieht das genauso: „Besonders im ersten Lockdown gab es massive Probleme, weil Flotten und Fahrer aus Osteuropa und anderen Ländern sich natürlich ebenso im Lockdown befanden. Zwar hat sich die Situation gebessert, allerdings führen wir ständige Diskussionen, beispielsweise über Testmöglichkeiten für einpendelnde Fahrer“. Denn schon lange nimmt der Anteil ausländischer LKW-Fahrer in Österreich mangels österreichischen Fahrernachwuchses zu. Fällt Frachtraum weg, hat das natürlich negative Auswirkungen auf die gesamte Logistikkette. „Ein interessanter Nebeneffekt der Situation ist das Bemühen um Fahrerplattformen. Viele Busfahrer besitzen auch den LKW-Führerschein, und durch den Ausfall der Busreisen konnten etliche Busfahrer spontan zum Umstieg bewegt werden, um einen Job zu haben“, so Wagner. Leider sei die Position des Berufskraftfahrers durch die vielen Behinderungen nicht attraktiver geworden. Insgesamt sei die Logistikbranche bezüglich des Personalstandes gut durch die Krise gekommen, wenngleich es im Bereich der Industrielogistik Rückgänge gegeben habe. „Durch den enormen Zuwachs bei Onlinebestellungen hat es natürlich starke Steigerungen bei den Lieferdiensten gegeben. Das nötige Personal wurde auch hier vermehrt durch Branchenwechsler aufgestockt.“

Veränderte Wahrnehmung.
„Noch nie war so sichtbar, was die Logistik leistet, als jetzt“, freut sich Wagner. Durch die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit auch in der Krise fand sich die Branche plötzlich in einer Alltagshelden-Rolle wieder. Durch die Verlagerung vieler Einkäufe in den Onlinehandel wurde die Logistik stärker und – das ist der wesentliche Unterschied –  positiv wahrgenommen. „Durch die starke mediale Aufmerksamkeit wurden wir auch von der Politik vermehrt in Entscheidungen und Konzepte eingebunden. Es wäre wünschenswert, dass das so bleibt“, hofft der Logistikfachmann.

Digitalisierungs-Boost.
Wagner stellt der Branche ein durchaus gutes Zeugnis hinsichtlich der Digitalisierung aus: „Die österreichischen Unternehmen sind sehr high-tec-affin. Das reicht vom genauen Tracking und Liefer-Forecast bis zur automatischen Routen- und Warenstromoptimierung. Beim Besuch unserer Mitglieder sehe ich, dass Artificial Intelligence längst Einzug gehalten hat.“ Da entsprechende Software teuer sei, bestünde aber noch Luft nach oben – insbesondere bei kleineren Unternehmen. „Hier wäre Unterstützung von Seiten der Politik sicher wünschenswert. Eine bessere Steuerung des Verkehrs und der Warenströme wäre auch aus ökologischer Sicht sinnvoll“ stellt Wagner fest.

Mitte April hat Österreich endlich seine Pläne an die EU übermittelt, was mit den uns zustehenden Geldern des Corona-Wiederaufbaufonds geschehen könnte. Gerade noch rechtzeitig, denn mit 30. April endet die Einreichfrist. Insgesamt macht die EU-Kommission 750 Milliarden Euro für den Wiederaufbau locker. Die Aufbau- und Resilienzfazilität (Kernstück von NextGenerationEU, Recovery and Resilience Facility) ist dabei 672,5 Milliarden Euro schwer. Die EU-Mittel sind ausdrücklich dafür gedacht, Klimaschutz, Forschung, Innovation, Krisenfestigkeit und Vorsorge der EU-Volkswirtschaften zu unterstützen. Die 500 Seiten umfassenden Pläne, die nicht öffentlich präsentiert wurden, sehen ein 4,5 Milliarden Euro großes Kuchenstück für uns vor. Knapp die Hälfte davon soll in den Bereich Klimaschutz mit Schwerpunkt Verkehr fließen: Elektrifizierung von Busflotten, emissionsfreie Nutzfahrzeuge, Infrastruktur und auch eine Wasserstoffinitiative. Stolze 542,6 Millionen Euro sind für den Ausbau und die Erneuerung der Schieneninfrastruktur samt Elektrifizierung eingeplant. Weitere Punkte sind unter anderen die Ökologisierung der Industrie, Sanierungsoffensive, Aufstocken des Biodiversitätsfonds, Quantenwissenschaft, Präzisionsmedizin und ein elektronischer Mutterkindpass. Mit 891 Millionen Euro Fördergeld soll der Breitbandausbau vorangetrieben werden.

„Leider hat es im Vorfeld keinen Dialog über die eingereichten Projekte gegeben“, bedauert Wagner. Und das, obwohl die EU explizit die Einbindung von Sozialpartnern, Gebietskörperschaften und Interessensvertretern vorgegeben hat… übrigens soll der Fonds über Geldmarktpapiere und Anleihen der EU-Kommission finanziert werden. Der dazu nötige Beschluss muss zuvor jedoch von allen 27 EU-Staaten ratifiziert werden – Österreich fehlt noch.

Gigaliner als ökologische Alternative?
Wie sieht der Zentralverband das Thema Gigaliner? Wagner: „Das Thema ist medial vermint, es gibt wenig sachliche Diskussion. Wohingegen andere Länder zeigen, wie es funktionieren kann: Deutschland hat die Fahrzeuge getestet, den Test wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Mit dem Ergebnis, dass die 25,25 Meter langen Lkw seit 1. Jänner 2018 dort im Regelverkehr unterwegs sind. Natürlich sind überlange Fahrzeuge im innerstädtischen Verkehr nicht sinnig, aber beispielsweise zwischen zwei Hubs können durch das größere Volumen zwei Lang-LKW die Fracht von drei konventionellen LKW übernehmen, und das ist durchaus sinnvoll.“ Es habe sich in der Testphase auch gezeigt, dass die Sorge um die Verlagerung der Verkehre von der Schiene auf die Straße durch die Zulassung der Gigaliner unbegründet sei. Laut Abschlussbericht der Deutschen Bundesanstalt für Straßenwesen betragen die Effizienzgewinne und Kraftstoffersparnisse durch den Volums-Vorteil bei optimaler Beladung zwischen 15 und 25 Prozent. Auch die Angst, dass Straßenbeläge und Brücken übermäßig belastest würden, widerlegte der Feldversuch: schließlich blieb die Maximal-Masse gleich, verteilte sich je nach Modell sogar auf mehr Achsen als bei konventionellen LKW, wodurch die Punktbelastung geringer ist. Bezüglich der Sicherheit konnte in der fünfjährigen Versuchsphase keine erhöhte Unfallgefahr festgestellt werden, und auch der Bremsweg ist durch die gleiche Masse vergleichbar lang. In Schweden, Finnland und den Niederlanden gehören die Megatrucks schon länger zum Straßenbild. Im Australischen Outback sind sogar 100 m lange „Road Trains“ mit Schüttgut unterwegs, das ist für Europa natürlich undenkbar.

Baustelle Mobilitätsmasterplan.
Aktuell arbeitet das Bundesministerium für Klimaschutz (BMK) an der Erarbeitung des Österreichischen Mobilitätsmasterplans 2030, der im zweiten Quartal 2021 präsentiert werden soll. Während die EU sich für das Ziel des CO2-freien Verkehrs bis 2050 Zeit lassen möchte (was angesichts aktueller Emissionswerte durchaus ambitioniert ist), hat Österreich erklärt, schon bis 2040 diese Werte erreichen zu wollen. Sieht man sich die bisher umgesetzten oder geplanten Maßnahmen an, ist dieses Vorhaben wohl zum Scheitern verurteilt. Wagner: „Der Verkehr ist ein großer CO2-Verursacher, sowohl der Güterverkehr als auch der Individualverkehr. Die Logistikbranche ist aus meiner Sicht hier schon weiter in der Entwicklung als der Individualverkehr, aber auch wir werden mit den derzeitigen Maßnahmen dieses Ziel niemals erreichen.“ Untermauert wird seine Ansicht durch die Ergebnisse der Studie zur Ökologisierung des Straßengüterverkehrs, die die Zentrum für Transportwirtschaft und Logistik Schulungs- und Beratungs GmbH im Auftrag des Zentralverbands durchführte. Denn die Corona-Krise wird nicht ewig andauern, in absehbarer Zeit werden die europäische und österreichische Wirtschaft wieder wachsen. Die Folge: ein erwartetes Plus von 49 Prozent beim Straßen-Transportvolumen bis 2040 – das entspricht ohne Maßnahmen 20 Millionen Tonnen mehr Co2 pro Jahr.

Um die EU-Ziele der Klimaneutralität zu erreichen, muss der Straßengüterverkehr effizienter, moderner und ökologischer werden. Und zwar besser gestern als heute. Wagner: „Es ist ein Irrglaube, dass die Verlagerung von der Straße auf die Schiene all unsere Probleme lösen kann. Nicht nur sind die dafür nötigen Kapazitäten unerreichbar, es fehlen auch multimodale Verladeterminals und die Schieneninfrastruktur. Hinzu kommt der Vorrang für den Personenverkehr, und die letzte Meile kann ohnehin nicht über die Schiene abgewickelt werden.“ Bedenkt man, dass der Individualverkehr ein großer CO2-Emittent ist, erscheint der Vorrang für den Personenverkehr durchaus sinnvoll – dessen ist sich der Logistiker durchaus bewusst. „Oder nehmen wir als Beispiel den Brenner Basistunnel (längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt für Personen- und Güterverkehr, Anm.). Das Projekt verzögert sich und verursacht immense Kosten. Aber ohne Zulaufverkehre aus Deutschland ist er aus Sicht der Logistik unnötig.“ Wichtig sei es, jetzt sofort Maßnahmen zu setzten, für die schon Lösungen parat lägen: „Wir müssen jetzt die Weichen für Wasserstofftechnologie setzen und uns ein Beispiel an der Schweiz nehmen.  Auch wenn das dann vielleicht nicht die endgültige technologische Lösung ist, so ist zumindest ein Schritt gesetzt. Vor allem muss der Weg definiert werden, nicht nur das Ziel“, meint Wagner ernst. Laut Studienergebnissen bietet sich der Einsatz sofort verfügbarer Brückentechnologien wie LNG-Antriebe (liquified natural gas, flüssiges Erdgas, Anm.) an, unterstützt durch bessere Aerodynamik, flexiblere Längenmaße und Gewichte.

Utopie und Machbarkeit.
Die Studie besagt, dass aktuell mit den kumulierten Einsparungspotenzialen von Batterieelektrik (-34 %), LNG/flüssiges Erdgas (-17 %), Wasserstoff (-9 %), Ladekapazitätssteigerungen (-4 %), angepassten Fahrverboten (-3 %) sowie Leichtbau und Aerodynamik der Zielwert bis 2030 unerreichbar ist, und auch das Österreichische Null-Emissions-Ziel bis 2040 ist unter den derzeit gegebenen Bedingungen Utopie. Bezüglich des Null-Emissions-Ziels 2050 der EU hingegen stimmen die Ergebnisse vorsichtig optimistisch, durch einen Anstieg der Effekte von Wasserstoff und Batterieelektrik sowie einen Mix an schon heute verfügbaren Technologien könnte es erreichbar sein. „Die Kernkompetenz der Logistikbranche ist, Abläufe so zu gestalten, dass Waren so effizient wie möglich transportiert werden können. Dieses Wissen können und wollen wir auch nützen, um die Umwelteffekte des Straßenverkehrs zu minimieren. Wir brauchen jetzt eine gut geplante Klima-Kehrtwende im Güterverkehr. Ohne den Beitrag der Politik wird das aber nicht gehen“, meint Alexander Friesz, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik. Er sieht die Regierung, insbesondere die zuständige Verkehrsministerin Leonore Gewessler, dringend in der Pflicht, nachhaltige Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit für die Logistikwirtschaft zu schaffen. „Denn durch die Einführung neuer Technologien, einen Mix unterschiedlicher Antriebsformen, bessere Aerodynamik, den Ausbau der Intermodalität und die Reduktion von Umwegverkehren könnten wir ab sofort sehr viel erreichen“, bekräftigt Friesz. Weitere Vorschläge in Richtung CO2-neutraler Güterverkehr: eine Mautbefreiung klimafreundlicher Fahrzeuge, steuerliche Anreize und Förderungen, eine Anpassung von Fahrverboten, die Zulassung längerer Fahrzeuge und zusätzliche Fahrzeugeinheiten. Friesz: „Autotransporter könnten mit der gleichen Zugmaschine mehr Autos transportieren, aerodynamische Aufbauten den Energieverbrauch stark verringern oder auch Lang-LKW viel Energie und damit Emissionen einsparen.“ So seien in Summe allein hierdurch Emissionsverringerungen im zweistelligen Prozentbereich möglich.

Der Einsatz von Elektrofahrzeugen auf Kurzstrecken birgt ein Einsparungspotenzial von rund einer Million Tonnen CO2-Äquivalent bis 2030, bis 2050 sogar über 3,3 Millionen Tonnen – bei bekannten Nachteilen wie langen Ladezeiten und der Umweltbelastung durch die Batterie in der Erzeugung und Entsorgung.  Zudem müsste viel Geld für den Infrastrukturausbau – Ladestationen, Stromnetz und nachhaltige Stromerzeugung – in die Hand genommen werden. Dass es funktionieren kann, weiß Peter Umundum, Vizepräsident des ZV Spedition & Logistik: „Die Paketdienstleister beweisen, wie rasant sich eine Branche auf neue Herausforderungen einstellen und diese meistern kann, wenn Technologie und Rahmenbedingungen stimmen. Dabei zeigen wir als Branche heute schon, was mit dem Ausbau der E-Flotte in puncto CO2-Einsparung alles möglich ist.“

Für die Langstrecke im Güterverkehr ist Elektromobilität aus heutiger Sicht ungeeignet. Die Hoffnungen ruhen auf Wasserstoffantrieben, wobei es hier hauptsächlich noch an der wirtschaftlichen Herstellung und Speicherung grünen Wasserstoffs hapert. Trotzdem sehen die Studienautoren in diesem Bereich bei entsprechender Forschung und Entwicklung (und Förderung) die Zukunft und ein Einsparungspotenzial von 3,3 Millionen Tonnen Co2-Äquivalent bis zum Jahr 2050 – und schlagen Pilotprojekte für den Schwerverkehr vor. Dieser Meinung ist auch ZV-Vizepräsident Wolfram Senger-Weiss: „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und warten, bis ausschließlich sauberer, grüner Wasserstoff vorhanden ist. Es gilt, jetzt zu handeln und in den kommenden Jahren den Boden für diese Technologien aufzubereiten.“

Klar ist, dass der Hut brennt, der Klimawandel ist kaum noch zu stoppen. Wagner: „Ich wünsche mir endlich klare Signale aus der Politik, mehr Rationalismus und einen Fokus auf die Zukunft sowie dass Entscheidungen auf der Basis von Fakten getroffen werden. Denn uns läuft die Zeit davon.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

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