Metaverse schafft neue Möglichkeiten und Anwendungen

In Zukunft wird die reale Welt mit einer virtuellen Welt – genannt Metaverse – verschmelzen. Durch digitale Zwillinge werden reale Objekte im Metaverse repräsentiert. Auch ganze Lieferketten können so repräsentiert und optimiert werden.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Sicher haben Sie schon einmal von Paralleluniversen aus der Quantenphysik gehört. Nach dieser Theorie könnten wir gleichzeitig in unterschiedlichen Welten existieren – genauer gesagt in unendlich vielen. Was kaum fassbar und utopisch erscheint, wird gerade in einer anderen Form durch den Menschen erschaffen. Eine parallele Welt, die über das hinaus geht, was wir bisher kennen. Im sog. Metauniversum (meta = jenseits, darüber hinaus gehend) oder auch Metaverse verschmelzen die physische und die digitale Welt. Es ist ein virtueller Raum in dem wir mittels Avatar miteinander agieren können oder vollständig – wie im richtigen Leben – in ein Event eintauchen können. Es gleicht in gewisser Hinsicht einem dreidimensionalen Videogame. Im Metaversum können Nutzer die Welten mitgestalten und dort leben, lernen, arbeiten und feiern.

Das Metaverse: „Projekt in Progress“.
Allerdings ist bisher noch nicht exakt definiert, was das Metaverse genau sein soll und durch welche Technologien es umgesetzt werden soll. Auch arbeiten verschiedene Firmen wie Facebook, Microsoft, Apple, Google und Firmen aus dem Videospiele-Bereich wie Epic Games (Fortnite) und Roblox an ihrer Version des Metaverse. Diese Metaversen bzw. virtuellen Räume könnten später vielleicht miteinander interagieren. Metaverse-Plattformen sind bisher beispielsweise The Sandbox, Decentraland und Axie Infinity. Die gesamte Idee ist also ein „Projekt in Arbeit“, was durch viele unterschiedliche Parteien entwickelt wird. Wichtige technische Fragen wie z. B. über die Architektur (zentral oder dezentral), Betriebssystem (benötigt oder nicht?), Standards und Protokolle und Besitzstatus (proprietär oder Open Source) müssen noch beantwortet werden. Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz (KI), Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) werden im Metaverse zusammengeführt. Neue Technologien für verschiedene Sinneserfahrungen wie z. B. spezielle Handschuhe zum Erfühlen von Gegenständen und spezielle Nasenklappen an VR-Brillen, um Gerüche zu erzeugen, müssen noch zur Marktreife gebracht werden.

Vor- und Nachteile des Paralleluniversums.
Es existieren viele Vorteile aber auch schwerwiegende Nachteile des Metaverse. In der virtuellen Welt können sich Menschen unabhängig vom Aufenthaltsort via Avatar treffen. Auf diese Art werden Reisekosten sowie Zeit gespart und die Umwelt geschont. Die Arbeitnehmer können von zuhause oder jedem anderen Ort aus arbeiten. Home Schooling und Home Office werden zunehmend realitätsnah. Für Unternehmen ergeben sich neue Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb. Die Kunden können Produkte im 3D-Raum sinnlich erfahren. Es entsteht eine neue Welt in der z. B. Produkte, Grundstücke, Häuser und Unternehmen gekauft und verkauft werden können.

Eine große Gefahr ist der suchtbildende Charakter des Metaverse, der gegenüber Videospielen um ein Vielfaches potenziert wird. Da vollständige Eintauchen in eine Parallelwelt kann zur Abtrennung der Menschen von der realen Welt, der Natur sowie der eigenen realen Persönlichkeit führen. Der Zugang in das Metaverse erfolgt durch aufwändige und teure Technik wie VR-Brillen, spezielle Handschuhe und Schuhe, Simmulationstechnik für den Geruch- und Geschmackssinn, u. a.. Zudem sind fortgeschrittene digitale Kenntnisse notwendig. All das kann dazu führen, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht – nämlich aus Menschen, die sich den Zutritt zum Metaverse leisten können und auch wissen wie man Zugang erhält, und den anderen, die beide Voraussetzungen nicht erfüllen.

Metaverse in der Logistik und Industrie.
Das virtuelle Universum wird Unternehmen aus allen Branchen und insbesondere auch der Logistikbranche viele neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten. Neben der schon erwähnten Möglichkeit sich im virtuellen Raum zu einem Arbeitsmeeting zu treffen, bei dem sich die Teilnehmer real an völlig unterschiedlichen Orten auf dem Globus befinden, bietet besonders auch die Kombination mit KI enorme Potenziale zur Verbesserung. Ganze Städte, Fabriken, Unternehmen, Logistikzentren und auch Lieferketten lassen sich als „digitaler Zwilling“ reproduzieren.

Die Verbindung von digitalem Zwilling und Metaverse kann Systeme wie Supply Chains viel eindrücklicher darstellen und damit die Aufdeckung von Ineffizienzen erleichtern. Dabei werden Echtzeitdaten der realen Objekte via Internet der Dinge (IdD) auf den Zwilling übertragen und können so auch zu Simulationen künftiger Zustände der Lieferkette genutzt werden. Digitale Zwillinge fungieren also als Missing Link, der die Realität mit dem Metaverse verbindet. Auf diese Weise kann eine Supply Chain von den Nutzern (z. B. alle Stakeholder) einer Metaverse-Software virtuell direkt erfahren werden. Dabei erhalten die Nutzer Echzeitdaten z. B. über eine AR-Brille.

Die Technologie schafft also Transparenz über Daten und Zustände der Supply Chain und ermöglicht eine drastische Verbesserung der Funktionsfähigkeit und Effizienz. Die Grundlage für all das ist die exakte Erfassung von Echtzeitdaten aller Objekte in der Supply Chain. Alle Stakeholder erhalten Einsicht auf Lieferzeiten, Transitzeiten, Verzögerungen und Versendungskosten und Bezugsquellen in Echtzeit, was das Vertrauen in die Prozesse der Lieferkette aller Beteiligten stärkt. Mit der Nvidia-Software Omniverse existiert bereits eine Plattform, um digitale Zwillinge für das Metaverse zu erstellen und Teams weltweit zu verbinden. Sie wurde bereits von Firmen wie BMW, Ericsson, Siemens und Lockheed Martin genutzt.

Das Metaverse fördert auch die Verkürzung von Produktzyklen, da alle Stakeholder der Lieferkette an dem Design von neuen Produkten mitwirken können und dieses durch entsprechendes Feedback iterieren können. Zudem könnte die Ausbildung und Schulung der Mitarbeiter via digitalem Zwilling und Metaverse wesentlich einfacher und realitätsnäher gestaltet werden. Für die Kunden würde die Technologie ganz neue Möglichkeiten eröffnen mit dem gewünschten Produkt zu interagieren. In virtuellen Showrooms könnten die Produkte schon vor dem Kauf getestet werden und gewünschte Eigenschaften wie Farbe, Textur, etc. und Ausstattungsmerkmale angepasst werden. Zudem werden dem Kunden entsprechende Produktinformationen in die VR-Brille eingespielt.

Eine weitere interessante Möglichkeit für die Nutzung von Digital Twins, KI, Predictive Analysis und Metaverse besteht in der Bedarfsprognose von Produkten und dem Bestandsmanagement. Durch die Steigerung der Genauigkeit können z. B. Einzelhändler die Lieferkette optimieren und so ihr Endergebnis erheblich verbessern.

Schlüssel-Technologien für das Metaverse.
Die Blockchain gilt als das Rückrad des Metaverse. Durch sie wird der Wertetransfer, die Besitzverifizierung, die gegenseitige Nutzung von digitalen Objekten, die Kontrolle der Prozesse und die Produkthaftung transparent gemacht und gesichert. Zudem kann der Kauf von virtuellem Land und Immobilien durch Kryptowährungen erfolgen und der Besitz gesichert und übertragen werden.

Das Metaverse wird in Zukunft von vielen kreativen Köpfen erschaffen werden – mit teilweise auch geringer technischer Vorbildung. Daher entwickelt sich die Nachfrage nach sog. Low-code- und No-code-Plattformen und Plug-and-Play-Anwendungen wie z. B. Onirix. Für realistische 3D-Darstellungen von Objekten im Metaverse werden zunehmend Firmen für hochauflösende 3D-Foto- und Videografie benötigt. Weiterhin wird sich die Nutzung des IdD enorm ausweiten, um Echtzeitdaten in das Metaverse zu füttern. Zudem bildet das Mobilfunk-Internet 5G mit Bandbreiten im Gigabit-Bereich und geringen Latenzzeiten die Basis für das IdD. Um die umfassende bzw. immersive Sinneserfahrung des Metaverse zu kreieren, werden immer mehr kybernetische Technologien für Sprache, visuelle Wahrnehmung, Bewegung, Erkennung von biometrischen Daten, etc. eingesetzt werden.

Ein weiteres Beispiel ist das Brain-Computer-Interface Neuralink von Elon Musk, das eine symbiotische Beziehung zwischen menschlichem Gehirn und Computer schaffen soll. Mit dem chirurgisch implantierten Chip soll der Nutzer mit Computer und Maschinen kommunizieren und diese kontrollieren können. Die Idee des Metaverse wird zu einem Technologiesprung in vielen Bereichen führen und ebenso die Effizienz von Lieferketten enorm steigern. (DR)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Starkes Team: ek robotics unterstützt die BMW Group

ek robotics freut sich, die Partnerschaft für schlüsselfertige Lösungen mit der BMW Group bekannt geben zu können. Die Zusammenarbeit wurde bei einem Launch Event Ende Mai 2022 offiziell verkündet, bei dem das vollautomatische Intralogistik-System feierlich in Betrieb genommen wurde.

Beitrag: Redaktion.

Mit der Einführung von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) von ek robotics optimiert und automatisiert die BMW Group ihre Prozesse der Produktions- und Lagerlogistik im Werk in Swindon (Großbritannien). Die Implementierung des schlüsselfertigen Lösungspakets umfasst Fahrzeuge der Serien CUSTOM MOVE, VARIO MOVE und SMART MOVE VNA. Im Rahmen des umfassenden Projekts hat ek robotics auch maßgeschneiderte Regale für den Lagerbetrieb entworfen, hergestellt und installiert.

Chris Price, Managing Director von ek robotics UK: „Wir freuen uns sehr, die Partnerschaft mit einem so angesehenen, branchenführenden Kunden wie der BMW Group bekannt geben zu können. Wir haben lange an diesem Projekt gearbeitet, und die gelungene Kooperation ist eine Bestätigung für jeden hier im Team bei ek robotics.“

Umfassende Automatisierung in Swindon komplett
Dank des von ek robotics ausgeführten Projekts wird das neue PGA-Presswerk in Swindon vollautomatisch, von der Anlieferung der Stahlrohlinge bis zum Versand der Karosserieteile an die Produktion. ek robotics hat auch FTS für den Transport der Werkzeuge zur und von der neuen Presse entwickelt und geliefert. „Im Zuge der Installation haben wir eines unserer bisher größten Fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF) in Betrieb genommen, einen CUSTOM MOVE. Das FTF kam per Schwerlasttransport von unserem deutschen Schwesterstandort Reutlingen, Deutschland an und wurde vor Ort endmontiert. Nur fünf Tage nach Lieferung lief die Maschine völlig autonom”, ergänzt Chris Price.

Von der Bestellung bis zur Auslieferung verging nur ein Jahr. Eine kurze Zeit für so ein komplexes Vorhaben, was für die hervorragenden Arbeit des Teams von ek robotics ist. Chris Price: „Wir bedanken uns bei der BMW Group für das Vertrauen, das sie uns bei diesem großen Projekt entgegengebracht hat, und wir freuen uns auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit!” (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


Intelligente effiziente Robotik-Lösung von SSI Schäfer mit IFOY Award ausgezeichnet

Flat Pack Picking ist eine einzigartige, automatisierte und schlüsselfertige Systemlösung aus einer Hand zur effizienten Palettenzusammenstellung für den Möbel Onlinehandel sowie für die Filialbelieferung. Das von SSI Schäfer gemeinsam mit Inter IKEA Group, Supply Chain Development, Intralogistics, entwickelte Konzept wurde bereits in Deutschland umgesetzt und ist erfolgreich im Betrieb.

Beitrag: Redaktion.

Die innovative Lösung überzeugt beim diesjährigen IFOY Award (International Intralogistics and Forklift Truck of the Year Award) und belegt im Marktvergleich in der Kategorie „Integrated Warehouse Solution“ den 1. Platz. Im Rahmen der IFOY Award Night am 30.06.2022 wurde der begehrte IFOY Award in der BMW Welt in München feierlich übergeben.

Mit dem IFOY Award werden die besten Intralogistiklösungen des jeweiligen Jahres gekürt. Anbieter hatten die Möglichkeit, ihre Produkte und Systemlösungen in insgesamt 13 Kategorien online zum Wettbewerb anzumelden. Die von einer internationalen Jury für das Finale nominierten Produkte und Lösungen durchliefen im Rahmen der IFOY Test Days vom 18. – 23.03.2022 verschiedene Tests, darunter das rund 80 Kriterien umfassende IFOY Testprotokoll sowie den wissenschaftlichen IFOY Innovation Check. Insgesamt 25 Jurymitglieder aus 19 Ländern gaben basierend auf den Testergebnissen ihre Bewertung ab. Im Rahmen der IFOY Award Night am 30.06.2022 wurden schließlich die Gewinner in München bekanntgegeben.

Die prämierte Flat Pack Picking Lösung wurde gemeinsam von SSI Schäfer und Inter IKEA Group, Supply Chain Development, Intralogistics, konzeptioniert und im Dortmunder Kundenorder-Distributionszentrum erfolgreich implementiert. Dank der vollautomatisierten Systemlösung aus einer Hand profitiert IKEA nun von der effizienten Palettenzusammenstellung für die Filialbelieferung.

Insgesamt vier Portalroboter übernehmen das Handling schwerer und großer Artikel, entlasten die Mitarbeitenden von wenig ergonomischen Aufgaben und sorgen für konstante, transparente Warenflüsse. Entwickelt wurden die Portalroboter und Greifer von der RO-BER Industrieroboter GmbH, einem Tochterunternehmen von SSI Schäfer. Für die erfolgreiche Umsetzung wurde der Intralogistikspezialist mit dem IFOY Award in der Kategorie „Integrated Warehouse Solution“ ausgezeichnet.

„Das Projekt zeigt, wie wir uns den Herausforderungen unserer Kunden annehmen und gemeinsam mit ihnen innovative Logistiklösungen für eine ergonomischere Arbeitsumgebung und verbesserte Produktivität entwickeln und umsetzen“, so Notker Steigerwald, Head of Business Unit Logistics Solutions bei SSI Schäfer. „Die Auszeichnung mit dem IFOY Award freut uns besonders, denn sie bestätigt die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit unseres Konzepts im Marktvergleich.“

Von der gesteigerten Performance sowie den automatisierten Prozessen profitieren IKEA und die Mitarbeitenden unmittelbar.

„Die Zusammenarbeit mit SSI Schäfer war auch bei diesem Pilotprojekt durchweg positiv“, sagt Julien Weiß, Automation & Design Leader bei Inter IKEA Group, Supply Chain Development, Intralogistics. „Speziell der von beiden Seiten gelebte partnerschaftliche
Ansatz hat zum Gelingen beigetragen.“

Inter IKEA Group behält sich die Option vor, das innovative System auf weitere Standorte und IKEA-Märkte auszurollen. Die Flat Pack Picking Lösung ist grundsätzlich für den Möbel Onlinehandel interessant, lässt sich aber auch auf andere Branchen übertragen, in denen mit großvolumigen und sperrigen Gütern gearbeitet wird, wie beispielsweise Fenster oder Holz-/Metallzuschnitte. (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


LOGISTIK express Journal 3/2022

LOGISTIK express Journal 3/2022

Es wird Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen!
Angesichts der zahlreichen Sanktionen des Westens und Russlands Gasdrosselung nach Europa gehen Experten von Morgan Stanley von einer im vierten Quartal einsetzenden Rezession in der Eurozone aus. Die Ökonomen prophezeien mit Oktober vorab zwei schlechte Quartale und aufgrund der enormen Teuerung könnte eine Zinsanhebung nicht mehr ausreichend sein. Wir gehen so zusagen bewegten Zeiten entgegen. Wir wünschen Ihnen mit unseren zahlreichen Beiträgen und Interviews anregende Diskussionsrunden, inspirierende Ideen und Lösungsansätze.

 

INHALTE
LE 3/2022

03  Inhalt / Editorial / Impressum
04  Umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben
06  eCommerce & Logistik on tour
10  Teuerung: Inflation erreicht im Juni mit +8,7% neuen Höchststand
12  ORI: 60% empfinden Online-Shopping inspirierend
16  Ukraine-Krieg und Inflation lassen Handelsumsätze einbrechen
18  eCommerce Day versammelte Retail Rockstars & Gamechanger
20  Ausgaben im Onlinehandel wachsen und knacken 10 Mrd. Euro
24  Sektorspezifischer Datenschutz für Warenzustellung
26  Messbarer ökologischer Fußabdruck
28  Digitalisierung macht die Lieferketten fit
32  Mit Qualität und Individualität gegen den Einheitsbrei
34  Ein Unternehmen kann man nicht allein mit Technologie führen
38  SmartWatch: Die Hands-free Lösung fürs Lager
40  KNAPP präsentiert sich auf der LogiMAT als Technologiepartner
44  LogiMAT: Anschluss an frühere Erfolge
48  Robotik-Lösung von SSI Schäfer mit IFOY Award ausgezeichnet
50  Starkes Team: ek robotics unterstützt die BMW Group
52  Metaverse schafft neue Möglichkeiten und Anwendungen
56  Es wird Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen
60  Wenn’s wirklich wichtig ist… Post investiert in e-fulfilment
62  Logistikdienstleister als verlängerter Arm des Onlinehandels
64  „Grün“ transportieren kostet Geld
66  Politik verhindert Alternativen
68  Globalisierung: Lieferketten müssen resilienter werden
70  LogParship – Die europäische Verkehrspolitik
74  Internationaler Transport von Gefahrgütern: Dos and Don‘ts
78  Sechs Fehlannahmen zur Cybersecurity im Unternehmen
82  EZB ohne Überzeugung, ohne Mut und ohne Plan
86  Berufsbegleitendes Mentoring: Krisenfester Einkauf
88  Das bringt die Zukunft: Logistik-Jobs 2030
90  Menschen in Bewegung

 


China Elektromobilität: Aufholjagd deutscher Hersteller im Land der Mitte beginnt

China gilt als Leitmarkt für Elektroautos. Das Land fördert auch wegen der Coronakrise die  Elektromobilität noch bis Ende 2022. Um ihre Marktanteile auszuweiten investieren auch Hersteller wie VW, Daimler und BMW verstärkt in China.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die chinesische Regierung will die schlechte Luft in den großen Städten des Landes bekämpfen und weltweit Technologieführer bei der Elektromobilität werden. Daher gilt China als Leitmarkt für Elektroautos. Das Land der Mitte ist mit etwa der Hälfte des globalen Absatzes weltweit der größte Markt für New Energy Vehicles (NEV). In den letzten zehn Jahren hat die Regierung den Aufbau des Marktes für Elektromobilität und der Ladeinfrastruktur in allen Marktsegmenten mit großem Aufwand vorangetrieben.

Auf politischer Ebene sind für die Phase des Marktaufbaus der 13. Fünfjahresplan, die Technologie-Roadmap des Ministry of Industry and Information Technology (MIIT) sowie der NEV-Entwicklungsplan bestimmend. Bis Ende 2020 sollte dadurch der Anteil der NEV-Neuzulassungen sieben Prozent der gesamten Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge betragen. Fünf Millionen NEV sollten bis Ende 2020 die Straßen des Landes befahren. Gleichzeitig waren 50000 öffentliche Ladepunkte geplant. Laut des International Council on Clean Transportation (ICCT) wurde mit 4,92 Millionen NEV auf Chinas Straßen Ende 2020 die Vorgabe fast erreicht.

Auswirkungen der Pandemie auf den NEV-Markt.
Wie vieles andere hat die Coronakrise zu Beginn auch den  Absatz von NEV im Land der Mitte einbrechen lassen. Aber schon ab März 2020 nahmen die Absatzzahlen gemäß Statista wieder zu, um im Dezember mit 199400 (162000 in 2019) einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Davon waren 167000 batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) und 32400 Plug-in-Hybride Elektrofahrzeuge (PHEV). Die chinesische Regierung fördert laut Germany Trade & Invest (Gtai) weiterhin die Elektromobilität und verlängert die Subventionszahlungen auch wegen der Coronakrise bis 2022. Zudem wurde die Kaufsteuer in Höhe von zehn Prozent des Nettoverkaufspreises für NEV bis Ende 2022 ausgesetzt. Dies gilt für alle in China hergestellten Automobile und Importe mit Elektroantrieb, Plug-in-Hybride und Automobile mit Brennstoffzellen (Fuel Cell Electric Vehicle, FCEV).

Laut eines Entwurfs des MIIT zufolge sollen NEV in 2025 ein Viertel aller Neuwagenverkäufe stellen. In 2030 sollen 38 Millionen NEV pro Jahr hergestellt werden, wobei der Anteil der Neuzulassungen dann 40 Prozent betragen wird. Bisher konzentrieren sich die Verkäufe allerdings auf wenige Großstädte mit Zulassungs­beschränkungen für Pkw mit Verbrennungsmotoren sowie zusätzlichen lokalen Anreizen für NEV. In 2018 lagen gemäß einer Studie des ICCT sechs der neun größten städtischen NEV-Märkte weltweit im Reich der Mitte: Shanghai, Beijing, Shenzhen, Hangzhou, Tianjin und Guangzhou. Bisher sind NEV deutlich teurer als Verbrenner und die Nachfrage ohne zusätzliche Anreize und Vergünstigungen ist nicht nachhaltig. Mitte 2020 startete die Regierung aufgrund der Pandemie eine neue NEV-Kampagne für die ländlichen Regionen Chinas. Dadurch wurden insbesondere kleinere und erschwinglichere NEV und die Verkäufe in ruralen Gebieten gefördert.

Erfolgreiche chinesische Produzenten und massenhaft Patente.
Unter den weltweit zehn erfolgreichsten E-Auto-Herstellern sind vier chinesische Autokonzerne – namentlich SGMV, BYD, SAIC, Great Wall –, die durch Massenproduktion eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht haben. Im Mai 2021 rollte mit einem Han EV bei BYD in Shenzhen das ein millionste Electric Vehicle (EV) des Herstellers vom Band. Das Unternehmen, an dem auch Warren Buffets Berkshire Hathaway beteiligt ist, liegt weltweit auf Platz 5 (fünf Prozent Marktanteil) und in China auf Platz 2 (zwölf Prozent Marktanteil) der größten Hersteller. Die Liste der global größten EV-Hersteller führt Elon Musks Tesla an. Darauf folgen SGMV (SAIC-GM-Wuling Automobile), VW, BMW und BYD. Weitere chinesische Hersteller liegen auf folgenden Plätzen: SAIC (Platz 8), Great Wall (Platz 11), NIO (Platz 15), GAC (Platz 18), Chery (Platz 20).

Tesla erreicht mit rund zwölf Prozent Marktanteil im wichtigen chinesischen Inlandsmarkt Platz 1. Danach folgen laut der amerikanischen China-Info-Plattform SupChina BYD, SAIC Motor, SAIC Volkswagen, SGMV, NIO, Xpeng, Li Auto, WM Motor, Geely, Byton, Enovate, Zhiji, Xiaomi, Dongfeng Motor, Chang’an Automobile, GAC, Chery Automobile, FAW Group, FAW-Volkswagen Automobile, Evergrande und BAIC. Mittlerweile tummeln sich im chinesischen EV-Markt auch Immobilien-Unternehmen wie Evergrande und chinesische Technologiekonzerne wie Tencent, Huawei, Baidu und Didi Chuxing. Gemäß SupChina wird der chinesische Markt in 2030 18 Millionen E-Autos und ein Marktvolumen von rund 380 Milliarden US-Dollar (durchschnittliche Kosten pro EV 20000 US-Dollar) umfassen.

Weiterhin wollen laut ADAC auch chinesische Hersteller auf dem europäischen Markt für E-Nutzfahrzeuge Fuß fassen. Elektrisch angetriebene Lkw, auch für den Fernverkehr, sind die nächste Revolution in der Nutzfahrzeugbranche. Ein Beispiel ist die junge Marke Maxus aus dem SAIC-Konzern, die seit Kurzem das Modell EV80 als Kastenwagen, Neunsitzer oder reines Fahrgestell anbietet. Der chinesische Hersteller Geely ist seit Ende 2017 größter Anteilseigner am Lkw-Hersteller Volvo Trucks AB. Mit dem kommenden Elektro-Lkw zielt Geely gemäß dem Magazin Auto Motor und Sport stark auf den Tesla Semi-Truck ab.

China reichte die meisten Technologie-Patente in 2019 bis 2020 im Bereich Schnelllade- und kabellose (Wifi) Ladetechnologie ein. Von über 5000 angemeldeten Patenten im gleichen Zeitraum im Bereich Wireless Electric Vehicle Charging (WEVC)-Technologie hält China 40 Prozent, gefolgt von Japan (20 Prozent), USA (14 Prozent) und Deutschland (14 Prozent). In 2020 befinden sich zudem 14 chinesische Großstädte unter den E-Auto-Hauptstädten der Welt.

Erfolg des NEV-Programms und Zukunft.
China setzte gemäß ICCT schon sehr früh auf die Entwicklung eines Marktes für E-Autos. Die Hauptgründe und Herausforderungen lagen in der bedrohten Versorgungssicherheit mit Öl, der stockenden Entwicklung der Autoindustrie, großer Luftverschmutzung und dem zunehmenden Klimawandel. Der Aufbau eines NEV-Marktes adressierte alle Probleme und führte zur Zusammenarbeit verschiedenster Ministerien, was wiederum entsprechend NEV-förderliche Richtlinien und Gesetze in verschiedensten Bereichen hervorbrachte. Der Erfolg beim Aufbau des NEV-Marktes gründet auf einer klaren Vision, konsistenter Planung, koordinierten Maßnahmen, Innovationen auf Städteebene, der Einführung von Richtlinien und Gesetzen sowie der Anpassung dieser an einen sich wandelnden Markt. Meilensteine waren hier der “Zehn Städte, 1000 Automobile”-Pilotplan in 2009, durch den Kaufanreize, Steuervergünstigungen für E-Autos, staatliche Beschaffungsmaßnahmen und Infrastruktursubventionen eingeführt wurden. Weiterhin sind hier beispielhaft der Auto Industry Ajustment and Revitalization Plan 2012–2020, der Energy Saving and NEV Development Plan, Made in China 2025 und der NEV Industrial Plan 2021-2035 zu nennen. Im 14. Fünfjahresplan (von 2021-2025) wird die chinesische NEV-Vision in Richtung eines vollständig elektrifizierten Straßentransportsektors im Rahmen der langfristigen Verpflichtung zur CO2-Neutralität und zur Verschönerung Chinas angepasst werden.

Deutsche Hersteller nehmen den Kampf um den E-Automarkt in China auf.
Der Volkswagen Konzern will laut Handelsblatt zusammen mit seinen chinesischen Joint-Venture-Partnern trotz der Corona-Pandemie bis 2024 15 Milliarden Euro in Elektromobilität investieren – zusätzlich zu den 33 Milliarden Euro weltweit. Im Mai 2020 hatte VW bereits eine Erhöhung seines Anteils um zwei Milliarden Euro im chinesischen Joint Venture JAC Volkswagen bekannt gegeben. Weiterhin will der Konzern  für rund eine Milliarde Euro 26 Prozent der Anteile am chinesischen Batteriehersteller Gotion High-Tech erwerben. Daraufhin gab Gotion High-Tech Mittte Juli den Bau einer Fabrik für Kathodenmaterialien mit hohem Nickelgehalt in der chinesischen Stadt Hefei bekannt. VW plant 15 NEV-Modelle bis 2025 in China zu bauen, um im stark umkämpften chinesischen Markt mithalten zu können. Das gesamte Produktportfolio soll im Land der Mitte dann zu 35 Prozent aus rein elektrischen Modellen bestehen. Daimler hatte Anfang Juli 2020 ebenso eine Beteiligung an dem chinesischen Batteriezellenhersteller Farasis Energy (Ganzhou) verkündet. Auch BMW gab Mitte September eine Ausweitung seiner Batterieproduktion in Tiexi (China) bekannt. Bisher haben die deutschen Autohersteller laut dem deutschen Automobilverband VDA in China gerade einmal einen Marktanteil von zwölf Prozent. McKinsey schätzt, dass der Anteil an vollelektrischen Fahrzeugen in China bis 2025 auf 14 bis 20 Prozent ansteigen wird. Dies entspricht rund vier bis fünf Millionen verkauften Autos.

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

LOGISTIK express Journal 1/2021

Wir leben in bewegten Zeiten, die Welt ist im Umbruch und es fühlt sich so an, als wären wir in einer Lockdown Schleife. Und nicht auszudenken, welch wirtschaftlichen, als auch gesellschaftlichen Nachwehen uns die Corona Zeit bescheren wird. Bleiben Sie gesund und viel Freude mit unserer umfangreichen und informativen LOGISTIK express Ausgabe 1/2021 mit dem Titel: „Perspektiven in der Krise“.

INHALT 1/2021

02 Werbefenster U2
05 Inhalt / Editorial
06 Jetzt ist guter Rat so richtig teuer
08 Das Versagen der Politik!
12 Einzelhandelsbilanz im Corona-Jahr 2020
14 Jeder fünfte Euro im Non-Food Handel wird online ausgegeben
18 Auswirkungen des Coronavirus auf den E-Commerce in 2020
22 E-Commerce: Ende von Abgabenhinterziehung und illegalem Handel
26 Wer hätte das gedacht? E-Commerce ist doch nicht so böse
30 Internationaler E-Commerce: Stolperfalle Brexit
32 Mercosur-Abkommen mit starkem Gegenwind
34 Corona lässt Regionalität und Bio im Lebensmittelhandel boomen 
38 Amazon: US-Gigant als Segen und Fluch 
44 China nach Covid-19: Pandemie verändert Logistikprozesse 
47 Logistikreise für den eCommerce und Omnichannel-Handel
48 Reesink Logistic Solutions expandiert nach Polen und Österreich
50 Dematic automatisiert Ersatzteillager von Röthlein Logistik
54 Von digital bis nachhaltig. Die sechs wichtigsten Logistiktrends 2021
56 2021 – European Year of Rail
58 Nasse Logistik: Eine Rückschau auf das Corona-Jahr 2020
64 Brexit: Die Krux mit dem Ursprung
66 Brexit-Deal: Was ändert sich für Logistikunternehmen?
68 Corona-Pandemie: Fragen, die sich Logistikkunden stellen
70 BMW Group eröffnet neuen Campus
72 VDE stellt Studie Mobilität, Logistik und Energie 2030 vor
74 Automotive: Überlagerter Wandel
76 Verhandlung: Ich will sehen
78 Wer sich in Gefahr begibt…
82 Risiken & Nebenwirkungen garantiert
87 Werbefenster U4

 

Deep Learning revolutioniert die Logistik

„Tiefes Lernen“ als Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz revolutioniert die Logistik. Durch künstliche neuronale Netzwerke (KNN) können riesige Mengen (Big Data) an unstrukturierten Daten verarbeitet und analysiert werden.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Beim Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ werden bei vielen Menschen Assoziationen zu Science Fiction-Filmen geweckt. Wer denkt da nicht an Cyborgs, Blade Runner und Replikanten? Aber wie weit ist die KI wirklich und wo wird sie in der Logistik bereits angewendet? Was sind die Zukunftsaussichten?

 

Nach dem Gabler Wirtschaftslexikon versteht man unter KI „die Erforschung von intelligentem Problemlösungsverhalten sowie die Erstellung intelligenter Computersysteme. Sie beschäftigt sich mit Methoden, die es einem Computer ermöglichen, Aufgaben zu lösen, die vom Menschen zur Lösung Intelligenz erfordern.“ Zur KI gehören mittlerweile viele Teilbereiche, deren Anzahl beständig wächst: Bots, Predictive Maintenance, Data Mining, Process Mining, Neuronale Netze, Machine Learning, Deep Learning, u.v.m.. Deep Learning mit Hilfe neuronaler Netze ist der derzeit vielversprechendste Ansatz in der künstlichen Intelligenz und wiederum ein Ansatz innerhalb des maschinellen Lernens. Daher soll es hier genauer betrachtet werden.

Wie funktioniert tiefes Lernen?
Beim maschinellen Lernen werden Algorithmen anhand von Daten trainiert. Beim tiefen Lernen werden künstliche neuronale Netze zur selbstständigen Informationsverarbeitung bzw. zur fortgeschrittenen Mustererkennung genutzt. Künstliche neuronale Netze (NN) sind Algorithmen, die nach dem biologischen Vorbild des menschlichen Gehirns modelliert sind. Durch große Datenmengen (Big Data) und stark gewachsene Rechenkraft hat Deep Learning an Relevanz gewonnen. Auch hier füttert man das neuronale System mit Trainingsdaten. Diese laufen dann allerdings durch ein Netzwerk an künstlichen Neuronen, das in Schichten angeordnet ist. Die Daten werden von einer Neuronenschicht zur anderen über sog. gewichtete Kanäle übertragen. Es existiert eine Input-Schicht, dazwischen sog. Hidden Layers und eine Output-Schicht. Man kann sagen, je höher die Anzahl der Hidden Layer ist, desto tiefer ist das Lernen. Durch Aktivierungsfunktionen werden bestimmte Neuronen aktivert, die dann ihre Werte an die jeweils nachfolgende Schicht weitergeben. Durch die Neuronen der Hidden Layers wird den Werten eine jeweilige einzigartige Zahl (Bias) hinzugefügt. Durch Anpassung der Wichtung und die Bias lernt das neuronale Netzwerk.

Tiefes Lernen ist extrem rechenintensiv und das Training kann über Monate andauern, um gute Vorhersagen und Entscheidungen treffen zu können. Deep Learning löst Probleme z. B. im Bereich der Sprach-, Text- und Bilderkennung, was ohne diese speziellen Algorithmen nicht möglich wäre. Gerade bei riesigen Datenmengen funktioniert Deep Learning weit besser als das maschinelle Lernen mit klassischen Algorithmen. Der Hauptunterschied zwischen Deep Learning und klassischem Machine Learning liegt in der Fähigkeit, durch künstliche neuronale Netzwerke (KNN), unstrukturierte Daten zu verarbeiten.

Anwendungsgebiete des Deep Learning in der Logistik.
Neben der Sprach-, Text- und Bilderkennung wird tiefes Lernen in der Logistik beispielsweise bei der Wegeoptimierung eingesetzt. Beim Online-Händler für Mode Zalando werden die Laufwege der Mitarbeiter in den Logistikzentren verkürzt und die Pickrouten so optimiert, dass ein möglichst sinnvoller Weg durch die Regalreihen entsteht. Bei der Kombination aus Pickliste und Wegstrecke handelt es sich im Prinzip um eine komplexere Variante des Traveling-Salesman-Problems.

Nach wie vor stellt die Rechenzeit der Algorithmen die größte Herausforderung für viele Anwendungen dar. Um diese Zeit auf wenige Millisekunden zu reduzieren, wurden bei Zalando eine Million zufälliger Picklisten generiert und mit Hilfe des Algorithmus mit der dafür errechneten Kommissionierzeit gelabelt.

Die Daten wurden dann in ein NN eingespeist. Anhand dieser Informationen wird es trainiert und die Wegezeitenberechnung erreicht schließlich nur eine Fehlerrate von etwas über 32 Sekunden pro Stunde. Ein enormer Beschleunigungsfaktor kann durch Grafikprozessoren (GPUs) erreicht werden. Das Unternehmen nutzt NN (sog. Convolutional Deep Neural Networks) auch zur Extraktion von Merkmalen aus Produktbildern, die für das Bereitstellen von individuellen Empfehlungen an Kunden verwendet werden.

Die BMW Group arbeitet derzeit an der Entwicklung von fünf KI-fähigen Robotern zur Verbesserung der Logistikabläufe. Dies sind einerseits ein Smart Transportroboter (STR) zum autonomen Materialtransport, als auch Logistikroboter zum Auswählen, Greifen und Handling von Bauteilen und Ladungsträgern. Die Roboter verwenden KNN, z. B. zur Wahrnehmung, Segmentierung, Bestimmung der räumlichen Lage und Schätzung der menschlichen Position. Zusätzlich zu realen Daten werden die Logistikroboter mithilfe gerenderter Bilder trainiert, um Bauteile und Ladungsträger unter verschiedenen Sicht- und Lichtbedingungen zu erkennen. Die realen und synthetischen Daten werden anschließend verwendet, um künstliche, neuronale Netzwerke auf den Grafikkarten-basierten Servern zu trainieren. Dadurch sollen Logistikprozesse und -innovationen weiter optimiert werden. Die Roboter wurden auf der vom amerikanischen Grafikprozessor-Hersteller NVIDIA entwickelten ISAAC-Robotics-Softwareplattform entwickelt.

Der amerikanische Logistiker GlobalTranz nutzt Deep Learning um Unternehmen beim Tracking von Finanzprognosen, Produktionstempo- und fluss sowie Auftragsabwicklung zu helfen. Zudem können dadurch bessere Entscheidungen durch die Geschäftsführung getroffen werden. Laut der amerikanischen Computerzeitschrift Wired Magazine erwarten Experten die zunehmende Nutzung von Tiefem Lernen in der voraussagenden Instandhaltung von Maschinen, Ertragsoptimierung, Beschaffungsanalyse und Vorratsoptimierung. Die amerikanische Beraterfirma McKinsey sieht einen Wertezuwachs von Unternehmen durch die Einführung von Deep Learning-Technologien je nach Branche von ein bis neun Prozent der Unternehmenserträge.

Wie KI die Logistik verändern wird.
Besonders auch im Bereich der Lagerverwaltung und -technik wird die Automatisierung mit KI immer weiter Einzug halten. Durch sie wird die Lagerverwaltung agiler und reagiert schneller auf geänderte logistische Anforderungen. Eine wichtige Rolle beim Smart Warehouse spielt dabei das Industrial-Internet-of-Things (IIoT) durch das alle Komponenten miteinander vernetzt werden. KI wird die Kommissionierung durch die Vorberechnung der benötigten Ladungsträger und Packmittel verbessern und die Zeiten verkürzen, Cobots und Fahrerlose Transportsysteme (FTS) steuern, die Bestandsverwaltung optimieren, die Kommunikation von Komponenten durch die Vernetzung stark verbessern, die Produktivität erhöhen u.v.m..

Der effektivere Einsatz von Personal durch KI-gesteuerte Einsatzplanung führt zu geringeren Personalkosten bzw. eine höherer Sicherheit durch Reservenbildungen (z. B für den Krankheitsfall). Das Logistics Trend Radar (2018/ 19) von DHL zeigt zwei übergreifende Trends auf, die durch den Einsatz von KI erst entstehen. Die Antizipatorische Logistik beschäftigt sich mit der Voraussage der Nachfrageentwicklung. „Man muss wissen, dass die simulationsbasierte Planung eines der ganz großen Ziele der Digitalisierung ist, das gilt nicht nur für die Logistik, sondern für alle Branchen. Wenn wir so weit sind, dass wir ganze Lieferketten vorausberechnen und -steuern können, dann kann man die Digitalisierung der Geschäftsprozesse nahezu als abgeschlossen betrachten“, erklärt Thomas Reppahn, Leiter Zentrale Logistics Product and Process Management der Schenker Deutschland AG.

Der zweite Trend sind selbstlernende Systeme durch selbstlernende KI-basierte Algorithmen wie eben KNN. Einige Anwendungen in der Logistik wurden oben schon aufgezeigt. Die selbstlernenden KI-basierte Algorithmen eignen sich zum Erkennen wiederkehrender Ereignisse im Lager oder bei der Kommissionierung, die dann z. B. in bestimmte Kommissionierregeln umgesetzt werden können. Durch selbstlernende Systeme kann u. a. auch die rechtzeitige Nachbestellung von Artikeln in der benötigten Stückzahl automatisiert werden. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2020

Einfach mal die Perspektive ändern

Bei der exklusiven Material Handling & Logistics Conference (MHLC) Europe 2020 in Stuttgart kommen Sprecher zu Wort, die man nicht unbedingt mit Logistik in Verbindung bringt. Aber genau das macht die Veranstaltung so spannend. Das und die Tatsache, dass nicht jeder teilnehmen darf.

Redaktion: Angelika Gabor.

Am 8. und 9. März, im Vorfeld der LogiMAT, findet die MHLC im Goldbergwerk Fellbach und im Mövenpick Hotel Stuttgart Flughafen statt. Zielgruppe: Entscheidungsträger der Intralogistik, die auch über den Tellerrand hinausblicken und kreative Lösungen und Denkanstöße erhalten möchten. Das Besondere an den Vorträgen und Workshops ist ihre Unabhängigkeit.

„Man kann keinen Speaking Slot kaufen“, bestätigt Dominic Fischer, Eventmarketingmanager beim Eventsponsor Dematic. Statt dessen wählt ein Gremium die Themen, die den Kunden wirklich unter den Nägeln brennen – und engagiert dann neutrale Experten aus ganz Europa, die oft aus ganz anderen Themenbereichen kommen. „Wir wollen Antworten auf die Frage, was die Zukunft der Intralogistik beeinflusst“, so Fischer. Maximal 300 Teilnehmer kommen in den Genuss der Veranstaltung – alle auf Entscheiderlevel. Fischer: „Hier zählt nicht das Sehen und Gesehen werden, sondern es geht darum, dass wirklich jeder Teilnehmer etwas lernen und für sich mitnehmen kann. Natürlich bietet die Konferenz auch eine exklusive Networking-Plattform für den europäischen Markt.“ Die Eröffnung der MHLC im Rahmen eines Galadinners am 8. März übernimmt Bruce Dickinson. Während viele ihn nur als Sänger der Band Iron Maiden kennen, ist er auch ein überaus erfolgreicher Unternehmer und Pilot.

Der 9. März ist dann vollgepackt mit teils provokanten Keynotes und Workshops. Den Anfang macht Lars-Johan Jarnheimer, Vorstand der IKEA Gruppe, er spricht über Unternehmensentwicklung, zukünftige Aspekte und den Wandel der Supply Chain. Anschließend finden vier parallele Workshops statt, die sich mit unterschiedlichen Themen befassen: zum Veranstaltungsmotto „MOVE“ und über Riskmanagement inspiriert Dominik Neidhart, erster europäischer Gewinner des Americas Cup. Im zweiten Workshop, „next generation supply chain“ geht es um die Robotik in Zeiten der Digitalisierung. Workshopleiter: Dominic Bösl, Leiter Robotic Future bei Festo und Crystal Parrott, VP Robotic Excellence Center bei Dematic. In Sachen Digitalisierung macht Shivvy Jervis niemand etwas vor, bereits vier Mal wurde die Broadcasterin als Innovations-Futurist ausgezeichnet. Ihr Thema: „Emotive AI’, Hybrid Data, Bio-Security, Cyber Security & Digital Identity – What’s Coming? Forget IoT, it’s the Internet of Everything.“ Beim vierten Parallelworkshop stehen Energieeffizienz und Green Warehouses auf dem Programm. Dr. Jeremy Leggett, Gründer von Solarcentury und SolarAid wird mit Chicco Testa, Vorstandsmitglied der Telit Communications, Optimierungspotenziale identifizieren.

Nach einer kurzen Snack- und Netzwerkpause finden wieder vier parallele Workshops statt. Effy Vayena, Professorin für Big Data und Ethik künstlicher Intelligenz am ETH Zürich thematisiert den Einfluss künstlicher Intelligenz auf Führungsstil und Belegschaft. Im Workshop „Next Generation Supply Chain“ warten gleich vier Experten: Luis Solis, Direktor des Advanced Learning Innovation Programms an der IE Business School, Josh Valman, Gründer und Leiter der RPD International, Phillip Siefer, Gründer des alternativen Start-Ups Einhorn sowie der Digitalisierungsexperte und Start-Up-Investor Uwe Horstmann. Über digitale Störungen und darüber, wie künstliche Intelligenz Technologie verschwinden lässt, sinniert im 3. Workshop der Unternehmer und Analyst Dr. Rand Hindi. Beim vierten Parallelworkshop mit Helmuth Ludwig, CIO der Siemens AG, steht die Transformation eines Unternehmens hin zur digitalen Optimierung im Fokus.

Nach der Mittagspause startet der Nachmittag mit einer Keynote von Porter Erisman. Der ehemalige Vizepräsident der Alibaba Gruppe und Experte für e-Commerce in Asien wird dem Publikum das “Alibaba Concept” und die damit verbundenen Veränderungen des Marktes näherbringen. Anschließend wieder die Qual der Wahl zwischen vier hochkarätigen Workshops mit unterschiedlichen Themenbereichen: der Polarforscher Sir Ranulph Fiennes thematisiert „Marketing for CEOs – Death or Glory in the Digital Age“. José Luis Rodríguez, Logistikleiter, Ahorramas Supermarkt und Thomas Steverding, Senior Group Manager Strategie und Geschäftsentwicklung bei DPD sprechen über Gegenwart und Zukunft von Same Day Delivery und der letzten Meile. Claudia Olsson, Strategin für für digitale Transformation wird Hybrid-Realität und Technologietrends gegenüberstellen.

Den vierten Workshop leitet Tom Purves, ehemaliger BMW Nordamerika und Rolls Royce-CEO. Der nächste Parallelworkshop-Block folgt nach einer weiteren kurzen Pause. Gestärkt muss man sich dann erneut entscheiden. Der führende Motivationstrainer Adrian Webster ruft dazu auf, sich von anderen zu unterscheiden und so erfolgreich zu sein. Der zweite Workshop ist eine von KION gehostete Podiumsdiskussion mit Markus Sontheimer, Vorstandsmitglied der DB Schenker AG.

Titel: „Start-up Hype meets Industry-Change“.
Die Risiken und Chancen von Big Data und Datensicherheit thematisiert der dritte Workshop. Mitwirkende: der führende Datensicherheitsanalyst und Hacker FC sowie Dr. Viktor Mayer-Schönberger, Big Data Experte und Professor für Internet Governance an der Oxford Universität. Last but not least der vierte Parallelworkshop mit Hans-Peter Hiemer, ehemaliger Geschäftsführer von s. Oliver und Inhaber von b4b. Bei ihm geht es um adaptive Produktivität und agile Transformation von Geschäftsmodellen im und für das digitale Zeitalter.

Einen Kracher verspricht die Abschluss-Keynote.
Unternehmer und Ex-Formel 1 Fahrer David Coulthard sowie Unternehmer und Formel 1 Manager Mark Gallagher haben Geschwindigkeit im Blut. In der Motivationsrede gilt daher nur ein Fokus: Speed! Neben den hochkarätigen Sprechern und dem sorgsam zusammengestellten Programm locken noch Aussteller und die „Future Lobby“ mit aufstrebenden, innovativen Start-Ups zu der exklusiven Veranstaltungsreihe. „Die nächsten geplanten Austragungsorte sind England und Spanien“, verrät Fischer. Also am besten dieses Jahr in Stuttgart teilnehmen, denn so nah kommt die MHLC nicht so schnell wieder. (AG)

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
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