Wie der Computer zum intelligenten Wesen wird

Immer mehr Unternehmen setzten zur Verbesserung ihrer Wertschöpfung auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Doch nach welchen Prinzipien funktionieren eigentlich KI-Programme und für welche Zwecke lassen sie sich nutzen? Aufschluss darüber gibt ein historischer Überblick.

Den Grundstein für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz legte der britische Mathematiker Alan Turing im Jahr 1936. Turing bewies, dass eine Rechenmaschine – eine sogenannte «Turingmaschine» – in der Lage ist, kognitive Prozesse auszuführen. Die Bedingung dafür ist, dass sich diese Prozesse in mehrere Einzelschritte zerlegen lassen und durch einen Algorithmus dargestellt werden können. 1950 entwickelte Turing ein Test-Verfahren, um zu prüfen, ob ein Computer selbständig denken kann. Hierfür führt eine Versuchsperson mit zwei unsichtbaren Gesprächspartnern ein Gespräch. Danach muss die Versuchsperson entscheiden, welcher der beiden Gesprächspartner der Computer war. Wenn mindestens 30 Prozent der Versuchspersonen den Computer nicht erkennen, gilt der Test als bestanden.

Aus Konferenz entsteht erstes KI-Programm.
Der Begriff «Künstliche Intelligenz» trat erstmals im Jahr 1956 am «Summer Research Project on Artificial Intelligence» in Erscheinung. Dies war eine ambitionierte, sechswöchige Konferenz, die am Dartmouth College in New Hampshire in den USA stattfand. Die Konferenz gilt als Geburtsstunde für das Fachgebiet «Künstliche Intelligenz» als wissenschaftliche Disziplin. Die Konferenzteilnehmer waren davon überzeugt, dass Denkprozesse auch ausserhalb eines menschlichen Gehirns möglich sind. Als Resultat der Konferenz entwickelten der Informatiker Allen Newell, der Programmierer Cliff Shaw und der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Simon das Programm «The Logic Theorist». Die Aufgabe des Programms war es, mithilfe von Logik und Vernunft mathematische Theoreme zu beweisen. Es wird als «erstes Programm für künstliche Intelligenz» bezeichnet.

Im Jahr 1966 entwickelte der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum den weltweit ersten Chatbot Eliza. Dieser war so programmiert, dass der Eindruck entstand, er könne die Rolle eines Psychotherapeuten einnehmen. Das Programm reagierte allerdings lediglich auf Schlüsselworte und antwortete häufig mit Fragen oder allgemeinen Phrasen. Auch war der Dialog mit dem Chatbot nur über eine Computertastatur möglich. Weizenbaum war überrascht, mit welch einfachen Mitteln man Menschen die Illusion vermitteln kann, ein Gespräch mit einem Partner aus Fleisch und Blut zu führen. Viele Probanden hatten nämlich den Eindruck, der virtuelle Psychotherapeut hätte Verständnis für ihr Problem.

Wird menschliche Intelligenz überflüssig?
Die 70er-Jahre waren geprägt von einem wissenschaftlichen Streit über das Potenzial von Künstlicher Intelligenz für praktische Anwendungen. Bezugnehmend auf die Arbeiten von Alan Turing waren Allen Newell und Herbert Simon von der Carnegie Mellon University der Ansicht, dass es für den Vollzug von Denkprozessen kein menschliches Gehirn braucht. Denken sei nichts anderes als Informationsverarbeitung und Informationsverarbeitung ein Rechenvorgang, bei dem Symbole manipuliert werden. Eine klare Gegenposition zu dieser Meinung ergriff der Philosoph John Searle. Gemäss der Auffassung von Searle können Maschinen mittels Künstlicher Intelligenz die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zwar simulieren und nachahmen, sie sind aber nicht wirklich intelligent, sondern scheinen lediglich intelligent zu sein.

Als Ergebnis der wissenschaftlichen Auseinandersetzung stehen sich bis heute mit der schwachen und starken Künstlichen Intelligenz zwei konträre Positionen gegenüber. Die Verfechter der starken Künstlichen Intelligenz plädieren dafür, dass KI-Maschinen in demselben Sinn intelligent sind und denken können wie Menschen. Die Vertreter der schwachen Künstlichen Intelligenz sind der Ansicht, dass menschliches Denken gebunden ist an den menschlichen Körper, insbesondere an das Gehirn.

Erstes Expertensystem für medizinische Zwecke.
An der Universität Stanford wurde 1972 der Grundstein für sogenannte Expertensysteme gelegt. Expertensysteme sind Computerprogramme, die Menschen bei komplexen Problemstellungen unterstützen. Entwickelt wurde das System MYCIN, das Künstliche Intelligenz erstmals für medizinische Zwecke einsetzen sollte. Das neue Expertensystem war in der Lage, die Diagnose und Therapie von Infektionskrankheiten zu unterstützen, indem es aufgrund von zahlreichen Parametern geeignete Antibiotika vorschlug. MYCIN wurde allerdings nie in der Praxis eingesetzt. Die Skepsis war zu gross und es mangelte an technischen Möglichkeiten, um das System für eine breite Anwendung verfügbar zu machen.

Bei der historischen Betrachtung der Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wird oft die Auffassung vertreten, dass sich die Forschung in diesem Gebiet wellenartig entwickelte. Eine Periode, in denen es innovative Neuerungen gibt, bezeichnet man als KI-Sommer und für Zeiträume, in welchen die Entwicklung stagniert, verwendet man den Begriff KI-Winter. So werden beispielsweise auch die 80er-Jahre als KI-Winter aufgefasst. Weil die hohen Erwartungen an die KI-Forschung nicht erfüllt wurden, stoppten viele Regierungen, allen voran die USA, ihre Forschungsgelder. Ausgehend von der Zeit des kalten Krieges hatte die USA enorme Geldsummen investiert zur Bereitstellung eines Übersetzungssystems, das Dokumente in Russischer Sprache automatisiert übersetzen sollte. Doch die KI-Forscher hatten die Komplexität der Aufgabe unterschätzt.

In den 80er-Jahren stellten KI-Forscher immer wieder fest, dass Aufgaben, die für Menschen sehr einfach sind, für Computer eine grosse Herausforderung darstellen und umgekehrt. So ist es für Menschen schwierig, komplexe mathematische Probleme zu lösen, während Computer Mühe damit haben, Bilder oder Sprache zu erkennen oder Bewegungen auszuführen. Dieses Prinzip wurde unter anderem von Hans Moravec beschrieben und wird auch als Moravecsches Paradox bezeichnet.

Sprachcomputer auf Basis von neuronalem Netzwerk.
Einen positiven Impuls für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz gab es im Jahr 1986 mit dem Programm «NETtalk». Denn damit brachten Terrence J. Sejnowski und Charles Rosenberg den Computer zum Sprechen. Das Programm konnte Wörter lesen und korrekt aussprechen sowie das Gelernte auf ihm unbekannte Wörter anwenden. «NETtalk» gehörte damit zu den frühen sogenannten neuronalen Netzwerken. Das sind Programme, die mit grossen Datenmengen gefüttert werden und darauf aufbauend eigene Schlüsse ziehen können.

Bei der Betrachtung der historischen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz fällt der Fokus auch auf die beachtliche Leistung von Rechnern, die bei Brett-, Computer- oder anderen Spielen gegen Menschen spielen. Es zeigt sich immer wieder, dass moderne Computer sogar die besten menschlichen Spieler übertreffen können. Bereits 1997 konnte die Weltöffentlichkeit beobachten, wie das IBM-System «Deep Blue» den russischen Schachweltmeister Gary Kasparov besiegte. Und im Jahr 2011 gewann das Computerprogramm «Watson» (ebenfalls IBM) in der amerikanischen Quiz-Show Jeopardy gegen die besten Quizmeister. 2016 übertraf die Deepmind-Software AlphaGo von Google den südkoreanischen Spitzenspieler Lee Sedol bei einer Spielpartie auf dem chinesischen Bettspiel Go. AlphaGo schlug Sedol 4:1. Das Resultat erstaunt angesichts der Komplexität des Spiels. Hat der erste Spieler bei Schach 20 mögliche Züge zur Auswahl, sind es bei Go 361 Züge.

Schnellere Rechner fördern maschinelles Lernen.
Ungefähr ab dem Jahr 2010 begann eine Phase der Kommerzialisierung von KI-Anwendungen. Als besondere Innovationen für den Alltagsgebrauch der Menschen begannen sich die Sprachassistenten Siri und Alexa zu etablieren. Im Geschäftsbereich schritt die Automatisierung von Arbeitsprozessen voran und das Internet der Dinge konnte für immer mehr Anwendungsbereiche genutzt werden. Dank der immer besseren Rechnerleistung konnten die Computer immer besser für das maschinelle Lernen genutzt werden. Beim maschinellen Lernen generiert der Computer selbstständig Wissen aus Erfahrungen. Er kann damit auch eigenständig Lösungen für neue und unbekannte Probleme finden. Auch das Deep Learning erreichte einen neuen Boom. Deep Learning ist ein Teilgebiet des maschinellen Lernens, bei welchem neuronale Netze in mehreren Schichten genutzt werden. Es entsteht eine umfangreiche innere Struktur des Netzes. Deep Learning kann zum Beispiel dafür genutzt werden, Bilder zu erkennen, Texte zu verstehen oder präzise Entscheidungen zu treffen.

Grosse Datenmengen zur Effizienzsteigerung nutzen.
Ab dem Jahr 2020 ergaben sich im Bereich Künstliche Intelligenz viele weitere Trends. Die Unternehmen begannen sich zum Beispiel auf die Machine Learning Operations (MLOps) zu konzentrieren. In einem funktionsübergreifenden und kooperativen Prozess soll das maschinelle Lernen für möglichst viele Anwendungsgebiete in einem Unternehmen produktiv genutzt werden. Die Unternehmen sollen aus ihren Daten wertvolle Informationen gewinnen können, beispielsweise, wenn es um Workflows, Traffic-Muster und das Bestandsmanagement geht. Neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung im Supply Chain Management ergeben sich durch die immer bessere Verfügbarkeit von digitalen Daten über die Kosten und die Lieferbarkeit von Gütern und Ressourcen. Bereits heute stellen die B2B-Plattformen wlw (ehemals «Wer liefert was») und EUROPAGES grosse Mengen solcher Daten zur Verfügung. Das Unternehmen Visable als Träger der beiden Plattformen nutzt selber KI-Programme zur Pflege der Daten, beispielsweise zur Bereitstellung von Schlüsselwörtern für die Datensuche oder zur Eliminierung von Daten-Duplikaten.

 

Über Visable:
Visable unterstützt industriell tätige Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen für Einkäufer international zugänglich zu machen. Als speziell auf Geschäftskunden zugeschnittene Verbindung aus eigenen B2B-Plattformen und Online-Marketing-Services wie zum Beispiel Google Ads und Retargeting bietet das Unternehmen ein breit gefächertes digitales Portfolio zur Reichweiten-Steigerung im Internet.

Zu den von der Visable GmbH betriebenen Plattformen gehören wlw («Wer liefert was»), heute die führende B2B-Plattform in der D-A-CH-Region sowie die europäische B2B-Plattform EUROPAGES, auf der rund 3 Millionen Firmen registriert sind. Zusammen erreichen die Plattformen monatlich bis zu 3.6 Millionen B2B-Einkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen.

Mit seinen Online-Marketing-Services bietet Visable Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, ihre Reichweite im Internet zu erhöhen.

Das Unternehmen Visable entstand als Antwort auf die Herausforderungen der Internationalisierung und Digitalisierung im B2B-Bereich. Visable ist in Hamburg, Berlin, Münster und Paris präsent und verfügt über eine Schweizer Zweigniederlassung in Baar. Insgesamt sind rund 480 Mitarbeitende beschäftigt. Als gemeinsames Dach für die Marken wlw und EUROPAGES baut Visable seine Plattformen und Online-Marketing-Services kontinuierlich aus.

Vom Verlagshaus zur Tech-Company.
Wie wird aus einem ursprünglich traditionell ausgerichteten Unternehmen eine erfolgreich wachsende Tech-Company? Dieser Frage geht Peter F. Schmid, CEO des Unternehmens Visable, in seinem neuen Buch «Mission Wandel» nach. 1932 als Herausgeber des Nachschlagewerks «Wer liefert was» gegründet, hat sich Visable in den vergangenen Jahren von einem Verlag zu einem agilen internationalen Internet-Unternehmen gemausert. Den weitreichenden Change-Prozess beschreibt Schmid in seinem neuen Buch «Mission Wandel: Von einem Old-School-Unternehmen zu einer Tech-Company – die Geschichte einer Transformation». Darin erzählt er von Erfolgen, Wachstumsschmerzen und den Herausforderungen des Online-Geschäfts. «Mission Wandel» ist erhältlich im Springer Gabler Verlag.

LOGISTIK express Journal 4/2022

ÖBB und Hafen Triest bringen Impulse für den Wirtschaftsstandort Kärnten

Um Gütertransporte auf die Schiene zu verlagern und den Wirtschaftsstandort Kärnten noch attraktiver zu machen, wollen die ÖBB in enger Zusammenarbeit mit dem Land Kärnten das Logistik Center Austria Süd (LCA-Süd) in Fürnitz stärken und einen Schienen-Zollfreikorridor zwischen Triest und Fürnitz etablieren. Neben der Erhöhung der Wertschöpfung für das Land Kärnten und seiner Industrie, kann das LCA-Süd damit zur internationalen Logistikdrehscheibe ausgebaut werden, wodurch neue Arbeitsplätze und mehr Wertschöpfung für die Unternehmen am Standort entstehen werden.

Text: PI Redaktion.

Mit dem Schienen-Zollfreikorridor soll zukünftig der Hafen Triest entlastet werden. Ein Teil der ankommenden Container sollen künftig, um die Umschlagshäufigkeit weiter zu erhöhen, in Triest dann direkt ab Schiff auf die Schiene verladen und in Fürnitz von der Zolldeklaration bearbeitet und danach national und international weiterverteilt werden.

Erste Details zur verstärkten Zusammenarbeit zwischen der ÖBB und dem Hafen Triest und dem geplanten Zollkorridor wurden im Congress Center Villach von ÖBB CEO Andreas Matthä, Wirtschafts- und Verkehrslandesrat Sebastian Schuschnig, dem Geschäftsträger a.i. der Italienischen Botschaft in Wien Gabriele De Stefano, dem Präsidenten der Häfen Triest und Monfalcone, Zeno D’Agostino und dem CEO von Adriafer, Maurizio Cociancichvorgestellt.

ÖBB CEO Andreas Matthä unterstrich: „Triest ist für die ÖBB ein bedeutender Knotenpunkt für Verkehre von und nach Österreich sowie in Europas Hinterland. Wir sind mit unserer Güterverkehrstochter ÖBB Rail Cargo Group Marktführer am Hafen Triest. Ich freue mich, dass wir nun unsere Kooperation vertiefen und gemeinsam an einer innovativen und effizienten Lösung für die Wirtschaft Kärntens und für den Klimaschutz arbeiten. Auf diese Art wollen wir die steigenden Gütermengen, die mit dem Schiff in Triest ankommen, künftig unmittelbar auf die Schiene verlagern. Ich bedanke mich beim Land Kärnten und unseren italienischen Partnern für die sehr gute Zusammenarbeit: Denn nur gemeinsam können wir die Verkehrswende von der Straße auf die Schiene schaffen.“

Wirtschafts- und Verkehrslandesrat Sebastian Schuschnig betonte die Chancen, die sich aus der verstärkten Kooperation mit dem Hafen Triest ergeben: „Kärnten kann vom ersten Schienen-Zollkorridor Europas als Wirtschafts- und Industriestandort enorm profitieren! Wir arbeiten seit vielen Jahren konsequent an der Umsetzung dieses europäischen Leitprojekts.

Mit der vertieften Zusammenarbeit zwischen den Adria Häfen, wie insbesondere dem Hafen Triest, der ÖBB und dem Logistik Center in
Villach-Fürnitz schaffen wir eine wichtige Grundlage, damit Kärnten nicht Durchzugsland für Schienentransit wird, sondern Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land geschaffen werden. Ich freue mich, dass wir mit allen Partner den Standort gemeinsam entwickeln und bedanke mich für die gute Zusammenarbeit. Zusätzlich möchte ich noch darauf hinweisen, dass aufgrund der verstärkten Warenströme über die Bahn auch die Lärmschutzmaßnahmen verstärkt werden müssen.“

Der Geschäftsträger a.i. der Italienischen Botschaft in Wien, Gabriele De Stefano führte aus, „Wir blicken mit großem Interesse auf dieses neue grenzüberschreitende Kooperationsprojekt zwischen dem Hafen Triest und dem Bundesland Kärnten, welches heute hier in Villach in einem Rahmen hervorragender bilateraler Beziehungen – mit häufigen und zahlreichen Treffen auf höchster politischer Ebene – vorgestellt wird. Es ist bezeichnend, dass in eben diesen Stunden der italienische Staatspräsident Mattarella den österreichischen Bundespräsidenten Van der Bellen zu einem Besuch in Rom empfängt. Wir unterstützen mit Überzeugung die zukünftige Entwicklung dieser Logistik-Initiative zwischen italienischen und österreichischen Regionen und Bundesländern. Diese Initiative stellt einen innovativen und nachhaltigen Beitrag unserer beiden Länder zur Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der EU dar, wie dies auch bereits durch das Euregio-Projekt und die EU-Alpenstrategie geschieht.

Zeno D’Agostino, Präsident der Häfen von Triest und Monfalcone unterstrich, “Die herausragende Stellung des Hafens von Triest zeichnet aus, dass er ein mit Europa verbundener Eisenbahnhafen ist. Unser Anlaufhafen übertrifft bereits heute die von der EU für 2030 und 2050 gesetzten Ziele für den Schienengüterverkehr: Über 50 % der Container und 41 % der Sattelauflieger werden per Bahn ins Ausland befördert. Diese Zahlen zeigen, dass das internationale Know-how von Triest nicht nur die Fähigkeit betrifft, Seeverkehrsströme abzuwickeln, sondern auch wichtige intermodale Ströme für alle wichtigen Drehkreuze in Mittel- und Osteuropa. Wir wollen daher immer mehr Allianzen mit den wichtigsten Akteuren der europäischen Logistik schließen, und Fürnitz ist einer von ihnen”.

Der Vorstandsvorsitzende von Adriafer, Maurizio Cociancich, bekräftigte: “Das Interesse von Adriafer am Zollfreikorridor ist sehr groß, und wir sind zuversichtlich, dass die gemeinsame Arbeit mit den italienischen und österreichischen Institutionen, der ÖBB und der RCG, zur Schaffung neuer Beziehungen führen wird, die die Attraktivität unserer Knotenpunkte erhöhen und den in unseren Gebieten ansässigen Unternehmen einen Mehrwert bringen. Adriafer stellt sich mit der Verwaltung des Zwischenlagers und seiner Erfahrung im Bereich des Rangierens und der Eisenbahntraktion in den Dienst der Initiative, um deren vollen Erfolg zu gewährleisten”.

Ein Musterbeispiel der länderübergreifenden Kooperation.
Der Hafen Triest sieht sich mit steigenden Gütertransportvolumina konfrontiert. Für den raschen Umschlag der ankommenden Container ist die Etablierung eines Schienen-Zollfrei-Korridors zwischen dem Hafen Triest und dem Logistik Center Austria Süd geplant. Teile der ankommenden Güter können dadurch am Hafen direkt auf die Bahn verladen und umgehend zum LCA-Süd nach Villach transportiert, um hier verzollt und je nach Bedarf zwischengelagert und weiter transportiert zu werden. Der Großteil der Gütermengen, die am Hafen Triest umgeschlagen werden, sind für die Länder Österreich, Deutschland, Ungarn und Tschechien bestimmt.

Etablierung einer regelmäßigen TransFER Verbindung zwischen Hafen Triest und LCA-Süd.
Die bereits jetzt schon mehrmals wöchentlich zwischen dem Hafen Triest und dem LCA-Süd verkehrenden Züge, können mit dem geplanten Schienen-Zollfrei-Korridors mittels Shuttleverkehre ausgebaut werden.

Positive Auswirkungen für Kärnten und Österreich.
Ein Schienen-Zollfrei-Korridor würde Kärnten und dem LCA-Süd die Chance bieten bedeutende wirtschaftliche Impulse im Süden Österreichs zu setzen. Zusätzlich zur Attraktivierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des LCA-Süd wird auch die Wertschöpfung, anstelle der reinen Transitverkehre, in der Region erhöht und neue Arbeitsplätze werden entstehen. Neben der Verzollung können im LCA-Süd auch value-adding Services wie u.a. Reparatur von Waggons und Containern angeboten werden.

Positive Auswirkungen auf die Transport- und Verladewirtschaft.
Am LCA-Süd sind schon jetzt ausreichend Lagerkapazitäten und personelle Ressourcen vorhanden. Sie werden eine rasche Abwicklung der Verzollung und dadurch reduzierte Lagerzeiten und –kosten ermöglichen. Darüber hinaus erfolgt der Informationsaustausch beim Zollverfahren im LCA-Süd vollständig digital. Des Weiteren können die Waren von Fürnitz in unterschiedlichste Destinationen auf der nachhaltigen Schiene weitertransportiert werden.

Die Rolle der italienischen und österreichischen Zollverwaltungen.
Obwohl im Rahmen der Europäischen Zollunion bereits eng zusammengearbeitet wird, ist der beabsichtigten Zollkorridor vom Hafen Triest nach Villach/Fürnitz auch ein Leuchtturmprojekt mit Vorbildwirkung für das gemeinsame Agieren der Zollverwaltungen in der EU. ‘

Die große Herausforderung für die Zollabwicklung auf Wirtschafts- wie Zollseite liegt darin, den Workflow mehrerer verschiedener Mitspieler so aufeinander abzustimmen, dass sowohl ein durchgängiger flüssiger Transport und Verfahrensablauf als auch die Einhaltung der im internationalen Handel erforderlichen Regeln gewährleistet ist. Hinzu kommt die eindeutige Zuordnung der jeweiligen Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Eine wichtige Rolle spielt bei den letztendlich angepeilten umfangreichen Liefermengen auch die Nutzung von IT-Systemen und ein darauf aufbauendes effizientes Risikomanagement.

Daher finden derzeit für die Erreichung dieser Ziele intensive Arbeitsgespräche nicht nur zwischen den Zollverwaltungen, sondern auch unter Einbindung der involvierten Wirtschaftsbeteiligten in Italien und Österreich statt. Die Gespräche zwischen den Zollbehörden laufen in einem sehr positiven, konstruktiven Klima und erzielen gute Fortschritte. Die Zollbehörden beider Länder zeigen sich daher zuversichtlich, die erforderlichen Konsultationen noch in diesem Jahr abschließen zu können.

Logistik Center Austria Süd.
Die Standortagentur LCA Logistik Center Austria Süd GmbH (kurz LCA-Süd) wurde 2017 mit dem Ziel gegründet, den Standort Fürnitz bei Villach zu einem führenden Logistik-Hub im Alpe-Adria-Raum zu entwickeln. LCA-Süd zeichnet verantwortlich für die zielgerichtete Förderung und Entwicklung des Standortes, des erweiterten Standortraumes (Region) sowie der Kooperation der angesiedelten Unternehmen und weiteren interessierten Akteuren. Die LCA-Süd versteht sich als starker Partner der Logistikwirtschaft, der mit optimalen Standortbedingungen, intelligenter Vernetzung und maßgeschneiderten Lösungen die besten Voraussetzungen für effiziente, ressourcenschonende Transportketten schafft. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Vom Kataloggeschäft zum Platzhirsch im E-Commerce

Die Otto Group bietet Amazon die Stirn: mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz allein am österreichischen Markt zeigt das Unternehmen, wie man mit vielfältigem Portfolio global erfolgreich sein kann.

Beitrag: Redaktion.

Es ist die Zeit, in der der Vertrag von Maastricht den Weg für eine einheitliche europäische Währung ebnet. Die Zeit, in der erstmals seit zwei Jahrzehnten bei einer großen internationalen Konferenz in einem globalen Rahmen Umweltfragen diskutiert werden. Und es ist auch die Zeit, in der die Otto Group in den österreichischen Markt eintritt: mit der Übernahme des Versandhauses „Moden Müller“ Anfang der 1990er-Jahre, aus dem 1992 OTTO Österreich hervorgehen wird.

Seit drei Jahrzehnten steht die Marke nun auf wirtschaftlich soliden Beinen. Und das trotz der kompletten Änderung des Geschäftsmodells vom Katalogversender zum Onlinehändler: Verzeichnet man beim Onlineumsatz seit 1998 doch ein durchschnittliches Wachstum pro Jahr von 24 Prozent [1]. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) erwirtschaftet man einen Gesamtumsatz von 100 Millionen Euro (IFRS 15).

OTTO Österreich ist aber nur eines von vielen Beispielen, bei denen die Otto Group den Weg in die Welt hinaus ging. Prof. Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Konzern-Aufsichtsrats, über den Beweggrund, aus dem familiengeführten Einzelunternehmen mit Sitz in Hamburg eine global agierende Unternehmensgruppe zu machen: „Wir haben bereits in den 1980ern begonnen, uns zu internationalisieren und zu diversifizieren. So können konjunkturelle und sektorspezifische Schwankungen besser aufgefangen werden.“ Und so ist man heute eine Handels- und Dienstleistungsgruppe, zu der die beiden großen Online-Plattformen OTTO und About You genauso zählen wie Markenkonzepte (Bonprix, Crate and Barrel, Witt) undHandelskonzepte (Baur, Freemans Grattan, Limango). Im stationären Bereich ist man mit Frankonia, Mytoys und Manufactum vertreten. Dazu kommen Services wie von Hermes, Finanzdienstleistungen von EOS und Hunderte von Beteiligungen an Start-ups. Mit 43.000 Mitarbeitenden ist die Otto Group in rund 30 Ländern aktiv und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) einen Umsatz von 16,1 Milliarden Euro (IFRS 15), davon 12,1 Milliarden Euro reinen Onlinehandelsumsatz.

In Österreich gehen die Aktivitäten des Konzerns weit über jene der UNITO-Marken OTTO Österreich, UNIVERSAL, QUELLE und LASCANA hinaus. „Wir sind hier auch mit About You, Bonprix, Frankonia, Mytoys, Witt und Hermes vertreten – und wir sind seit vier Jahren mit dem Warenhaus Manufactum Am Hof in Wien auch stationär präsent. Wir erwirtschaften einen Umsatz von 431 Millionen Euro [2] und haben damit eine gewisse Bedeutung auf dem österreichischen Handelsmarkt“, stellt Prof. Dr. Michael Otto fest. Dass es den einstigen Kataloghändler OTTO im Jahr 2022 noch gibt, hat mit der unternehmerischen Diversität zu tun – aber auch mit der Tatsache, technisch stets am Puls der Zeit gewesen zu sein. Schon in den 1990ern setzte man auf E-Commerce, 1995 brachte man das gesamte Sortiment ins Internet – in einer Zeit, in der in Österreich etwa gerade einmal neun Prozent der Bevölkerung [3] Zugang zum
Internet hatten.

Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Von den früheren großen Katalogversendern ist die Otto Group mit ihren Marken der letzte, der überlebt hat. Ich bin als CEO mit meinem jeweiligen Technikvorstand ab den 1980ern regelmäßig in die USA gereist, um zu sehen, an welchen technologischen Entwicklungen gearbeitet wird. Zentral für unseren Erfolg ist, dass wir Technologie zu einem frühen Zeitpunkt für den Nutzen der Kundinnen und Kunden eingesetzt haben.“

Die Otto Group war und ist aber nicht nur technisch stets am Puls der Zeit, in Bezug auf Nachhaltigkeit war sie der Zeit mitunter sogar voraus. Prof. Dr. Michael Otto, der vielen als Vorreiter unternehmerischer Nachhaltigkeit gilt: „Der erste Bericht des Internationalen Club of Rome, in dem ich heute Mitglied bin, hat mich berührt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe gesagt: Jede Bürgerin, jeder Bürger, jede Unternehmerin, jeder Unternehmer muss erst einmal bei sich anfangen und einen Beitrag leisten.“ Und das tat und tut die Otto Group seit damals: Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden konzernweit nachhaltige Prozesse und Produkte eingeführt. So konnten etwa die CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren halbiert werden. Aber auch für die Zukunft sind die Ziele hochgesteckte:

Bis 2030 strebt man Klimaneutralität an.
OTTO Österreich, das seit Anfang 2021 alle Sendungen CO2-neutral zustellt, ist seit 1. Juli 2022 klimaneutral. „Wir agieren nach dem Grundprinzip Vermeidung, Reduzierung, Kompensation. Sind alle Möglichkeiten, schädliche Klimagase zu vermeiden und zu reduzieren, ausgeschöpft, kompensieren wir unvermeidbare Emissionen mit Projekten höchsten Qualitätsstandards – und das zu zehn Prozent mehr als wir an Emissionen verursachen“, erklärt Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe.

Der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage begegnet man im gesamten Konzern mit Respekt. Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Ich habe in meinen weit mehr als 50 Berufsjahren manche Herausforderung erlebt – aber diese ist eine besondere. Aus der Corona-Pandemie haben wir es noch immer mit Störungen auf der Beschaffungsseite zu tun, die sich durch den Krieg in der Ukraine und die drohenden Auseinandersetzungen mit China erheblich verschärft haben. Der Krieg, die Inflation, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger und die Energiekrise verschärfen die Absatzprobleme. Das alles führt in vielen Ländern Europas zu einer erheblichen, in Deutschland einmalig großen Nachfrageunlust.“ Man sei derzeit aber digital, kund*innenmäßig sowie finanziell sehr gut aufgestellt und halte am Kurs der Investition in Digitales, Logistik und neue Geschäftsfelder fest. Spuren hinterlassen werde die Krise aber dennoch – beim Umsatz und insbesondere beim Ertrag, da man in dieser angespannten Situation höhere Einstandskosten nicht zur Gänze an Kund*innen weitergeben könne.

2023 werde laut Mag. Harald Gutschi auf jeden Fall noch herausfordernd, bei OTTO
Österreich plane man mit einem vorsichtigen Wachstum von fünf bis zehn Prozent statt der ursprünglich anvisierten zehn Prozent. Generell sieht der Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe das Unternehmen aber in einer privilegierten Lage: „Mit unserem Geschäftsmodell ist alles weitestgehend organisierbar. Wir können etwa rasch über Werbekosten entscheiden – diese runterfahren, wenn das nötig ist, und genauso schnell wieder hochfahren, wenn sich die Lage entspannt. Da geht es uns viel besser als anderen Unternehmen.“ (RED)

[1] Betrachtung Onlineumsatz Kalenderjahttps://www.unito.at/presse/hr 1998 (Gründung des Onlineshops ottoversand.at) bis Kalenderjahr 2021

[2] Betrachtung Geschäftsjahr 2021 (1. März 2021 bis 28. Februar 2022), ohne Umsatzangaben der Onlineplattform About You

[3] Quelle: Statista-Dossier, veröffentlicht am 2. März 2022; Basis österreichische Bevölkerung ab 14 Jahre

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Ein Unternehmen kann man nicht allein mit Technologie führen

ProGlove CEO Andreas König glaubt fest an den Wert der menschlichen Arbeitskraft. Kürzlich nahm er an der Podiumsdiskussion des Weltwirtschaftsforums „The Augmented Workforce Experience“ teil. In diesem Kommentar teilt er einige seiner Erkenntnisse und skizziert einen Weg zur bestmöglichen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Beitrag: Redaktion.

Derzeit sehen wir uns mit vielen.
Herausforderungen konfrontiert. Im anglo-amerikanischen Raum grassiert aktuell eine Kündigungswelle unter dem Schlagwort „The Great Resignation“. Dazu kommen der globale Arbeitskräftemangel und die nicht enden wollenden Unterbrechungen der globalen Lieferketten. Und dennoch scheint es, als wollte man vielerorts einen unserer größten Fehler wiederholen, indem man beim Einsatz von Technologie die menschlichen Arbeitskräfte vergisst.

Robotik, künstliche Intelligenz und Automatisierung sind Geschenke, aber wenn wir sie unseren Unternehmen einfach überstülpen, vergeben wir damit einen Großteil der möglichen Ernte. Stattdessen leisten wir ihrer Verteufelung Vorschub. Um es klar zu sagen: In der heutigen Welt sind vollautomatisierte Arbeitsabläufe eher Science Fiction denn Realität. Diese Technologien sind mit einer Reihe von kritischen Einschränkungen und Grenzen verbunden. Weit sinnvoller wäre es, sie als Ergänzung und damit als Unterstützung für die Mitarbeiter zu betrachten. Dazu muss man Vertrauen schaffen, den Mitarbeitern zuhören und den Wert ihrer tagtäglichen Leistung buchstäblich wertschätzen. Denn andernfalls werden wir am Ende einen hohen Preis zahlen.

Versuchen Sie mal, einem Roboter etwas beizubringen.
Werker einfach durch Roboter zu ersetzen, ist derzeit aus einem einfachen, aber einleuchtenden Grund keine Option: Es ist schlicht nicht möglich. Versuchen Sie einmal, einem Roboter beizubringen, ein einzelnes T-Shirt aus einem Regal zu nehmen, statt des ganzen Stapels! Oder bringen Sie ihn dazu, eine spontane Lösung für einen recht einfachen Fehler zu finden, der in einer vollautomatisierten Umgebung alles zum Stillstand bringen könnte!

Automatisierung ist zudem nicht einfach zu implementieren. Sie erfordert große Investitionen und ist mit hoher Komplexität verbunden. Hinzu kommt, dass das vielfach entfremdende Gerede über Automatisierung das Gefühl erzeugt, dass die menschliche Arbeit in der Fertigung keine Zukunft hat. Wer sollte sich so berufen fühlen, in der Produktion zu arbeiten? Ein derartiges Szenario kann also kaum dazu beitragen, den derzeitigen Arbeitskräftemangel zu beheben.

Während meiner Teilnahme am Podium des Weltwirtschaftsforums „The Augmented Workforce Experience“ erfuhr ich, dass allein in den USA derzeit etwa 800.000 Arbeitskräfte im Bereich Produktion gesucht werden. Und in fünf Jahren wird es dort wohl drei Millionen offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe geben. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass jeder Dollar, der im verarbeitenden Gewerbe ausgegeben wird, seinen Wert für die US-Wirtschaft fast verdreifacht. Ähnliches gilt sicher auch für Zentraleuropa. Dies vermittelt ein Gefühl für den Wert, der entgeht, wenn wir nicht in die Arbeitskräfte des verarbeitenden Gewerbes investieren.

Machen wir uns nichts vor: Die menschliche Arbeitskraft ist wahrscheinlich der am meisten unterschätzte Faktor in den Werkshallen und innerhalb der globalen Lieferketten. Menschen haben nicht nur die Fähigkeit, Probleme schnell zu lösen, sie können auch sofort zusammenarbeiten und haben eine intrinsische – manchmal sogar spielerische – Motivation, zu lernen. All dies ist entscheidend für das Funktionieren von Abläufen, denn wir können Unternehmen nicht nur auf der Grundlage von Technologie führen. Anstatt uns also auf eine ziellose Technologiesuche zu begeben, sollten wir uns auf die Frage konzentrieren, wie die Mitarbeiter besser mit den sie umgebenden Maschinen bidirektional interagieren können. Wir brauchen geführte Arbeitsabläufe, die die Lücken umfassend schließen, mit denen wir derzeit noch konfrontiert sind.

Die Mitarbeiter als Motor der Digitalisierung.
Wie aber können wir dabei vorgehen? Wir müssen uns mit unseren Mitarbeitern auseinandersetzen, ihnen zuhören, sie abholen und ins Bild setzen. Wir müssen ihre Arbeitsabläufe gemeinsam mit ihnen betrachten, Papier zunehmend abschaffen und sie mit einer digitalen Umgebung verbinden. Es ist von entscheidender Bedeutung, mit ihnen zusammenzuarbeiten, um ihren Arbeitsalltag zu erleichtern, sich vielfach wiederholende Aufgaben mithilfe von Technologie zu eliminieren und – zu guter Letzt – genau die Technologie bereitzustellen, die sie benötigen. Mit anderen Worten: Wir können und sollten die Mitarbeiter in den Betrieben maximal einbinden, um die Digitalisierung in unseren Unternehmen voranzutreiben.

Robotik und Automatisierung müssen die menschliche Arbeitskraft ergänzen. Daher brauchen wir „Cobots“, die an der Seite menschlicher Arbeitskräfte operieren. Sie können für Entlastung sorgen und physisch anstrengende sowie sich stets wiederholende Aufgaben weit besser erledigen. Dies erfordert natürlich auch intuitive Werkzeuge, die die Kluft zwischen beiden Welten überbrücken. Das können zum Beispiel auch Industrie Wearables sein, die den Arbeiter unterstützen und gleichzeitig die Erfassung von Datenpunkten ermöglichen, ohne ein Big-Brother-ähnliches Überwachungssystem aufzubauen.

Wir müssen das ewige Technologie-Buzzword-Bingo endlich beenden. Brechen wir die geschlossenen Systeme auf, die uns nur dazu bringen, uns auf Technologien zu stürzen, die letztlich nicht hilfreich sind und zudem einen kontraproduktiven Angstfaktor erzeugen. Vielmehr sollten wir Ökosysteme aufbauen, die menschliche Arbeit fördern und die Mitarbeiter ermutigen, ihre Erfahrungen zu teilen und sich dabei an die übergeordnete Marschroute zu halten. Dies erfordert vor allem eine kulturelle Führung, die menschliche Werte in alle Prozesse einbezieht. Diese Strategie hat alle notwendigen Zutaten, um die Arbeit zu erleichtern, die Löhne anzuheben und die Produktivität zu steigern. Kurz gesagt: Die Nutzung der Technologie dient der Wirtschaft und macht die Arbeitsplätze attraktiver, die wir jetzt besetzen müssen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Nachhaltigkeit gewinnt bei KMUs trotz Krisenzeit an Bedeutung

Trotz Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie gewinnt das Thema Nachhaltigkeit bei österreichischen KMUs an Bedeutung. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage, die vom Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Visable durchgeführt wurde. Gemäß 49 Prozent der befragten österreichischen KMUs hat der Stellenwert von Nachhaltigkeit durch die aktuellen Krisen deutlich (14%) oder etwas (35%) zugenommen.

Beitrag: Christian Iten.

Rund 80 Prozent aller Unternehmen haben laut der Umfrage in den letzten zwölf Monaten Umwelt- und Klimainitiativen umgesetzt. Bei den Maßnahmen setzt sich vor allem das digitale Office immer stärker durch, sicher beschleunigt durch die Notwendigkeiten der Corona-Pandemie. 41 Prozent der befragten KMUs haben in den letzten zwölf Monaten vermehrt auf Home-Office gesetzt. 39 Prozent der Unternehmen haben auf papierlose Prozesse umgestellt. 38 Prozent der Unternehmen haben ihre Meetings bevorzugt online durchgeführt und rund ein Drittel (29%) hat die eigenen Dienstreisen reduziert.

Mehr umweltfreundliche Mobilität.
Es gibt auch Maßnahmen, die wohl völlig unabhängig von der Pandemie vollzogen wurden. So haben 14 Prozent der KMUs die umweltfreundliche Mobilität der Mitarbeitenden gefördert und 13 Prozent haben neu Elektrofahrzeuge eingesetzt. Und nochmals 14 Prozent haben ihre Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umgestellt. Das Ergebnis der Umfrage erstaunt. Hatten die KMUs in Österreich doch seit einiger Zeit mit vielen anderen Herausforderungen zu kämpfen.

„Die aktuellen Krisen stellen Unternehmen auf unterschiedlichsten Feldern vor enorme Probleme: Massiv steigende Energiekosten und unterbrochene Lieferketten sind nur zwei Beispiele. Trotzdem verliert das Thema Nachhaltigkeit dadurch nicht an Bedeutung – ganz im Gegenteil: Gerade die Krisen zeigen den Unternehmen, dass nur nachhaltiges und vorausschauendes Wirtschaften in allen Bereichen ihre Betriebe zukunftssicher macht“, erklärt Visable-CEO Peter F. Schmid. Visable hat als Betreiber der europaweit führenden Online-B2B-Plattformen wlw (früher „Wer liefert was“) und EUROPAGES über das Marktforschungsinstitut YouGov im Zeitraum vom 5. bis 10 April 2022 220 Entscheider aus kleinen und mittleren Unternehmen in Österreich befragt. Die Umfrage fand aus Anlass der „Leaders for Climate Action Week“ statt. Visable unterstützt die Organisation „Leaders for Climate Action (LFCA)“ bei ihrem Ziel, in der Aktionswoche vom 18. bis 24. April 2022 insgesamt 100 Millionen Menschen mit Informationen zum Thema Klimaschutz zu erreichen.

Remote Work verliert nach Pandemie an Bedeutung.
Mit dem erwarteten Abflauen der Pandemie scheint auch der Elan bei der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Remote Work abzuflachen: Für die nächsten zwölf Monate hat ein deutlich geringerer Anteil der Befragten entsprechende Maßnahmen geplant. Doch trotz der bereits jetzt durch zwei Jahre Pandemie radikal veränderten Arbeitssituation wollen immerhin 21 Prozent die Arbeit im Home-Office noch weiter ausbauen. 22 Prozent wollen noch mehr auf Online-Meetings umstellen und 18 Prozent wollen Dienstreisen abbauen. Anderen Maßnahmen wie die Förderung der umweltfreundlichen Mobilität (12%), die Umstellung auf Elektrofahrzeuge (10%) und die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen (13%) bleiben für die nächsten 12 Monate in ihrer Bedeutung einigermaßen unverändert.

Ähnliche Tendenzen im internationalen Vergleich.
Die Online-Befragung wurde neben Österreich auch in Deutschland (505 Teilnehmer), in der Schweiz (220 Teilnehmer) und in Frankreich (530 Teilnehmer) durchgeführt. Der Ländervergleich zeigt, dass die Relevanz nachhaltigen Wirtschaftens durch die aktuellen Krisen nicht nur ungebrochen ist, sondern in Teilen sogar (deutlich) zunimmt: Der Stellenwert von Nachhaltigkeit hat bei 41 Prozent der befragten deutschen KMUs deutlich oder etwas zugenommen. In der Schweiz ist dies bei 46 Prozent der KMUs der Fall. In Frankreich sind es immerhin 36 Prozent. Peter F. Schmid dazu: „Es freut mich zu sehen, dass das Thema in unseren Kernmärkten weiter an Bedeutung gewinnt. Um diese Entwicklung zu fördern, ist es mir persönlich wichtig, das Bewusstsein für klimafreundlicheres unternehmerisches Handeln zu schärfen und natürlich auch im eigenen Unternehmen umzusetzen. Deswegen engagiere ich mich bei den Leaders for Climate Action und wir unterstützen die Leaders for Climate Week als Unternehmen.“ (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Rekordjahr und rosige Zukunft bei Dachser

In einer Video-Pressekonferenz verkündete die Dachser-Führung ein herausragendes Konzernergebnis – und wagte einen Ausblick auf das Jahr 2022 im Angesicht von Krieg und Krise.

Redaktion: Angelika Gabor.

Am 5. April hielt Dachser SE-CEO Burkhard Eling die Jahrespressekonferenz ab, bedingt durch Corona nach wie vor nur online. Kurz: 2021 war das beste Jahr der Firmengeschichte. Ein Grund zu feiern, wäre da nicht die Tragödie vor unserer Haustüre, der Krieg in der Ukraine. Gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern von terre des hommes und anderen Hilfsorganisationen engagiert sich das Unternehmen in der Hilfe für Ukraine-Flüchtlinge.

Wesentliche Kennzahlen des Geschäftsjahres

Dachser verzeichnete im abgelaufenen Jahr einen außergewöhnlichen Wachstumsschub. Der Umsatz stieg von 5,6 Milliarden Euro auf 7,1 Milliarden Euro – dies entspricht einem Plus von 26 Prozent. Zur Erinnerung: Das Jahr 2020 hatte Dachser aufgrund der umfassenden Lockdowns in einigen Ländern Europas mit einem leichten Minus von in etwa einem Prozent abgeschlossen. Die letztjährigen Zugewinne sind also auch im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ein gewaltiger Sprung, wobei diese Entwicklung ohne Akquisitionen, also rein organisch, geschah. Alle Geschäftseinheiten waren in unterschiedlichem Ausmaß an dem positiven Jahresergebnis beteiligt.

2021 markiert in jeglicher Hinsicht ein Rekordjahr in der Geschichte von Dachser. Neben dem Umsatz stiegen auch die transportierten Mengen um 7,7 Prozent auf 42,8 Millionen Tonnen und die Zahl der Sendungen um 6,3 Prozent auf 83,6 Millionen.

Dieses substanzielle Mengenwachstum verzeichnete das Unternehmen in beiden Geschäftsfeldern. Wesentliche Teile der Umsatzentwicklung resultierten darüber hinaus aus den signifikanten Preissteigerungen, die die Logistik im vergangenen Jahr prägten. Frachtraum war extrem knapp, begehrt und daher teuer. Der Brexit, der mitten in einer Pandemie-Welle vollzogen wurde, brachte zu Jahresbeginn erhebliche Turbulenzen mit sich.

Darüber hinaus hatte die Pandemie das öffentliche und wirtschaftliche Leben noch weitgehend im Griff. Eine durchgängig hohe Nachfrage der Kunden aus Industrie und Handel sorgte dennoch für außergewöhnlich hohe Mengen in den Dachser-Netzen. Massive internationale Lieferengpässe, vor allem in der Seefracht, verunsicherten die Unternehmen, sodass Lagerbestände neu bewertet und auch strategische Anpassungen der Supply Chains eingeleitet wurden. Stichworte: Dual Sourcing und Near Shoring.

„Viele Beschaffungsprozesse funktionierten nicht mehr wie gewohnt. Das sorgte für Nervosität bei unseren Kunden. Produkte für das Weihnachtsgeschäft aus Asien beispielsweise kamen erst im Oktober in Europa an. 2021 mussten wir ständig neue Lösungen finden. Die Logistik rückte in den Blickpunkt der Vorstandsetagen mit noch nie dagewesener Priorität und Relevanz. Unser strikter Qualitätsanspruch hat sich ausgezahlt. Wir haben unseren Kunden das Versprechen gegeben, ein Anker der Stabilität in turbulenten Zeiten zu sein. Dieses Versprechen haben wir gehalten“, so Eling. Als Folge dessen konnte Dachser bestehende Kunden fest an sich binden und gerade bei Großkunden die Geschäftsbeziehung gezielt und strategisch ausbauen.

„Unsere Kunden schätzen die hohe Sicherheit, Planbarkeit und Qualität unseres Netzes. Unsere Kunden wissen, sie bekommen auch in Zeiten hoher Nachfrage und Engpässen von uns robuste und resiliente logistische Dienstleistungen“, fährt Eling fort, „angesichts der knappen Kapazitäten hat es sich als richtig erwiesen, dass wir während des Lockdowns 2020 unsere Transportunternehmer aktiv unterstützt und fair behandelt haben. Unser Geschäftsmodell und unser kooperativer Umgang mit unseren Partnern haben sich ein weiteres Mal als krisenfest und anpassungsfähig erwiesen.“

Zahlen im Detail

„Unser Business Field Road Logistics, in dem die europäischen Landverkehre zusammengefasst sind, steigerte seinen Umsatz um 12,3 Prozent von 4,4 Milliarden Euro auf knapp fünf Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 2,2 Prozent verzeichnet wurde. Dabei nahm die Zahl an Sendungen um über 6 Prozent zu, die transportierte Tonnage um über 7 Prozent“, führt der CEO aus.

Die Business Line European Logistics, also das Geschäft mit dem Transport und der Lagerung von Industrie- und Konsumgütern, ist bei Dachser in vier geographische Regionen unterteilt, die allesamt starke Wachstumsraten verzeichneten. So betrug in Deutschland das Umsatzwachstum bei den Landverkehren 12,4 Prozent. Dieses Plus liegt deutlich über den Wachstumsraten der vergangenen Jahre und belegt, dass gerade der Heimatmarkt für das exportgetriebene Geschäft von Dachser ein ganz wichtiger bleibt.

Eling: „Besonders erfreulich war die Entwicklung in den Regionen „France & Maghreb“ sowie „Iberia“. Diese Märkte wurden 2020 durch die harten Lockdowns besonders in Mitleidenschaft gezogen. Beide kehrten 2021 mit Wachstumsraten von 14,4 beziehungsweise exakt 10 Prozent wieder zu alter Stärke zurück und zeugen von der Erholung dieser wichtigen europäischen Volkswirtschaften. Die Region North Central Europe schließlich konnte auch 2021 mit einem Wachstum von 14,1 Prozent an die langjährige starke Entwicklung anknüpfen.“

Die Business Line Dachser Food Logistics, zweites Standbein des Business Fields Road Logistics, schloss das Geschäftsjahr 2021 mit einer deutlichen Umsatzsteigerung von 9,8 Prozent ab. Mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro durchbricht Dachser hier erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro.

„Auch im Krisenjahr 2020 hatte Food Logistics beim Umsatz zugelegt und damit zur Stabilisierung des Gesamtunternehmens beigetragen. Mit dem diesjährigen Wachstum, das wesentlich durch Kundengewinne geprägt ist, liegt Food Logistics über dem langjährigen Mittel – und das trotz der pandemiebedingten Einschränkungen in Deutschland bei Events, Hotellerie und Gastronomie“, so Eling stolz.

„Unser zweites Business Field, Dachser Air & Sea Logistics (ASL), war geprägt von einem knappen Angebot und hoher Nachfrage, was zu einem besonders starken Preisanstieg in diesem Segment beitrug. Diese Sondersituation führte dazu, dass der Dachser-Umsatz im Luft- und Seefrachtgeschäft um 78,3 Prozent von 1,2 Milliarden Euro auf nunmehr über 2,1 Milliarden Euro nach oben schnellte. Die Sendungszahl kletterte um respektable 9 Prozent. Die Luft- und Seefracht war 2021 DER Wachstumstreiber bei Dachser“, fasst Eling zusammen.

Alle drei Dachser-Regionen waren an dem außergewöhnlichen Wachstum beteiligt: ASL Americas legte beim Umsatz um 60 Prozent zu, die Region APAC um 74 Prozent und EMEA um 80 Prozent.

In der Luft- und Seefracht hat sich eine Entwicklung, die sich bereits 2020 angekündigt hatte, nochmals deutlich beschleunigt. Gestörte Lieferketten führten zu immensem Druck, die Systeme zu Luft und zur See am Laufen zu halten – mit enormer Belastung für die Teams.

„Ursächlich für unser Leistungsvermögen in diesem Bereich ist der Umstand, dass Dachser bei Luftfracht zunehmend aus der Rolle des reinen Vermittlers von Transportdienstleistung herausgetreten ist. Wir sind zu einem relevanten Akteur in diesem Markt avanciert. Wir verfügen inzwischen über ein Luftfrachtnetzmit regelmäßigen Verbindungen zwischen Asien, Europa und den USA“, betont Eling. Daher führte Dachser 2021 insgesamt 230 Charterflüge durch. Als Vergleich: das entspricht einem Sprung von der Bundesliga in die Champions League.

Deutlicher Beweis für die Akzeptanz von Dachser auch in puncto Luftfracht sind Großaufträge zur Versorgung mit medizinischem Schutzmaterial. Eling: „Darüber hinaus wird die Ware, die aus Übersee kommt, in unser Landverkehrsnetzwerk eingespeist und in ganz Europa verteilt. Wir wachsen bei Air & Sea Logistics also nicht nur quantitativ als Folge der Pandemie, sondern, und das ist besonders wichtig, auch qualitativ. Unsere Kunden profitieren davon, dass unsere Zahnräder Luft, See und Straße so reibungslos ineinandergreifen.“

Wachstum in allen Bereichen

Eling: „nach dem Lockdown-bedingten Seitenschritt im ersten Corona-Jahr 2020 hat sich unser Wachstumstempo 2021 deutlich erhöht – auch im langjährigen Vergleich. Führen Sie sich die Größenordnungen unseres Geschäfts vor Augen: Dachser macht inzwischen über 7 Milliarden Euro Umsatz, wobei die Luft- und Seefracht grob zwei Milliarden Euro beisteuert. Von den rund 5 Milliarden, die auf den europäischen Landverkehr entfallen, stammt etwa eine Milliarde aus der Nahrungsmittellogistik. Das ist eine gesunde und ausbalancierte Aufstellung, die sich aus meiner Sicht wirklich sehen lassen kann.“

„Grundlage für unsere Fähigkeit, auch erhebliche Umsatzzuwächse zu bewältigen, ist unser exzellentes Netzwerk. In diese Infrastruktur haben wir auch 2021 wieder kräftig investiert. Knapp 100 Millionen Euro flossen im abgelaufenen Jahr in unsere Standorte und Systeme. Dass die Zahl etwas niedriger ist als in den Vorjahren, liegt im Wesentlichen an Bauverzögerungen, die einen Übertrag in 2022 verursachten. Die Umsatzrekorde schlagen sich ebenfalls erheblich in unserem Ergebnis nieder. 2021 war auch in dieser Hinsicht ein außergewöhnlich gutes Jahr. Bei dieser Aussage möchte ich es, wie gewohnt, belassen“, so Eling.

Die Eigenkapitalquote liegt nach Ablauf des Geschäftsjahres bei knapp 60 Prozent. Durch die finanzielle Stabilität ist das Unternehmen in der Lage, alle zur Zukunftssicherung notwendigen Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Ende 2021 zählte Dachser 31.800 Beschäftigte, das sind knapp 1.000 mehr als ein Jahr zuvor. Das zusätzliche Personal betrifft insbesondere das Business Field Road Logistics, um das Mengenwachstum weiterhin mit hoher Qualität bewältigen zu können.

Aufstellung und strategische Zukunftsthemen

Für 2022 gibt es insbesondere vier Themenfelder, die den Konzern prägen:

  • Transition:

Anfang 2021 fand ein umfassender Generationswechsel in der Führung von Dachser statt. Bernhard Simon ist nach 17 Jahren an der operativen Spitze des Unternehmens auf die Position des Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewechselt. Michael Schilling, der an der Seite von Herrn Simon über eine lange Zeit die Geschicke des Unternehmens mitgelenkt hatte, wechselte ebenfalls in den Verwaltungsrat. Damit einher ging ein Generationswechsel im Vorstand. Mit Burkhard Eling als CEO hat ein verjüngtes, weitgehend neues Team die operative Leitung für die nächste Dekade übernommen.

„Nach über einem Jahr der gemeinsamen Arbeit darf ich feststellen: Der Übergang ist abgeschlossen und erfolgreich. Dies ist vor allem der langfristigen und vorausschauenden Nachfolgeplanung des Unternehmens zu verdanken. Der neue Vorstand kann mit der Rückendeckung und in enger Abstimmung mit dem Verwaltungsrat alle strategischen Herausforderungen konzentriert angehen. Es hat sich für den neuen Vorstand als richtig erwiesen, auf den Zweiklang aus bewährter Stärke und Aufbruch zu setzen. Wir haben uns klare Ziele gesetzt und aus ihnen Strategien abgeleitet, die wir nun konsequent umsetzen. Wir werden unser Potenzial weiter entfalten und den Wandel gestalten“, fasst Eling zusammen.

  • Digitalisierung:

Die forcierte Digitalisierung erweist sich als DER Hebel, um Prozesse noch effizienter und leistungsstärker und Kunden- und Partnerbeziehungen noch enger zu gestalten. Eling: „Wir haben den Ehrgeiz, bei der Digitalisierung Maßstäbe in der Logistik zu setzen. Um digitale Technologien im Netz zu etablieren, arbeiten wir eng mit Kunden, Wissenschaft und Partnern zusammen. Ziel ist es, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen in ihren Tätigkeiten zu unterstützen.“

Drei Aktivitätsfelder stehen für Dachser im Vordergrund:

Supply Chain Connectivity & Collaboration

Hier geht es um den digitalen Austausch und die Übermittlung von Informationen innerhalb des Netzes sowie mit Kunden und Servicepartnern. Ziel ist die optimale gemeinsame Steuerung von Logistikprozessen. Dachser setzt hier mit Webservices, APIs oder Open Source auf moderne Technologien. Im Rahmen dieses Aktivitätsfelds wird die Entwicklung eines digitalen Portals für Kunden, Partner und Lieferanten stehen, mit dem Dachser den Anforderungen des Markts entsprechen und gleichzeitig neue Maßstäbe setzen will.

Supply Chain Assistance & Automatization

In diesem Bereich kommen unter anderem Bots für Routine-Arbeiten zum Einsatz, beispielsweise im Umgang mit Zollbehörden. Geplant ist zudem die immer weitere Digitalisierung des Dokumentenmanagements. „Je mehr es gelingt, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von lästiger Routine zu entlasten, desto mehr Zeit bleibt ihnenm wertschöpfende und komplexe Tätigkeiten durchzuführen. Auch eine im Dachser Enterprise Lab entwickelte Anwendung geht in diese Richtung. Ein auf künstlicher Intelligenz basierender Algorithmus prognostiziert Sendungsmengen bis zu 25 Wochen im Voraus. Wir haben dieses Tool in allen deutschen Niederlassungen inzwischen implementiert. Es hilft beim Frachtraumeinkauf und der generellen Ressourcenplanung. Weitere Automatisierungslösungen, wie zum Beispiel autonome Fahrzeuge im Warehouse, testen wir und werden sie in den kommenden Monaten zum Einsatz bringen“, erklärt Eling.

Supply Chain Visibility & Optimization

Beim dritten digitalen Schwerpunktthema geht es darum, mehr Daten zu jeder einzelnen Sendung zu generieren, und diese den Kunden zur Optimierung ihrer Abläufe in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. In der Fachwelt spricht man von der Erstellung eines digitalen Zwillings, also der virtuellen Nachbildung physischer Prozesse.

Ein Beispiel hierfür ist das Dachser-Innovationsprojekt Telematics. Bis zum Sommer werden über 8.500 Wechselbrücken mit solarbetriebenen GPS-Sendern ausgestattet. Diese nutzen 5G / LPWAN und senden im Fünfminutentakt Positionsdaten an eine zentrale Dachser-Plattform. Dort werden ihre Geo-Informationen verarbeitet und visuell dargestellt. Ankunftszeiten lassen sich so genau berechnen. Alle Linienverkehre im Dachser-Netzwerk werden erstmals in Echtzeit sichtbar. Eling: „Das war bisher wirklich keine triviale Aufgabe, da im Stückgutnetz die Wechselbrücken ja auch unabhängig vom LKW genutzt oder bei Begegnungsverkehren ausgetauscht werden.“

Ein weiteres wirklich wegweisendes Projekt aus dem Dachser Enterprise Lab beschäftigt sich damit, wie das Umschlagslager der Zukunft aussehen wird. Hier geht es darum, nahezu sämtliche Packstücke im Umschlagslager automatisch zu identifizieren, zu lokalisieren und zu vermessen. So lassen sich beispielsweise unnötige Scan- und Suchprozesse vermeiden und erstmals die Sendungsströme innerhalb eines Umschlagslagers erfassen und visualisieren.

  • Klimaschutz:

So wie die Digitalisierung ist auch das Thema der ökologischen Nachhaltigkeit von entscheidender Bedeutung für die kommenden Jahre. Dachser hat dazu eine Reihe von konkreten Projekten auf den Weg gebracht:  Seit dem 1. Januar 2022 bezieht Dachser weltweit ausschließlich Öko-Strom, die Grünstromquote wurde von 60 auf 100 Prozent erhöht. Bis zum Jahr 2025 werden in ganz Europa neue Photovoltaikanlagen gebaut, um die Kapazität zu vervierfachen.

„Ich hatte Ihnen letztes Jahr an dieser Stelle vom europäischen Rollout unseres Stadtbelieferungskonzepts DACHSER Emission-Free Delivery berichtet. Hier schreiten wir rasch voran. Mittlerweile ist nach Stuttgart der Start in Freiburg, Prag, Oslo, Straßburg, Paris, Madrid und Porto erfolgt. Bis Ende 2022 werden wir Berlin, München und Kopenhagen ebenfalls in diesen Service einbinden“, verkündet Eling.

Das Unternehmen investiert weiter in alternative Antriebe, um Erfahrungswerte zu sammeln. „Aktuell haben wir rund ein Dutzend batterieelektrischer Fahrzeuge im Einsatz. Bis Ende 2023 werden wir 50 zusätzliche Elektro-LKW anschaffen. Darüber hinaus werden wir Wasserstoff-Brennstoffzellen-LKW im Fernverkehr testen, sobald dies möglich ist“, verdeutlicht Eling.

Es ist geplant, die Firmenwagenflotte so schnell wie möglich auf Elektro-Pkw umzustellen. Der ursprüngliche Plan, 50 Prozent der Flotte bis Ende 2023 zu ersetzen, wird sich auf Grund der aktuellen Lieferschwierigkeiten der Automobilindustrie leider etwas verzögern.

Dachser investiert massiv in die weitere Optimierung des Laderaums, etwa durch die bereits beschriebenen Digitalisierungsmaßnahmen. Je besser und effizienter der Laderaum genutzt wird, desto besser ist das für die Umwelt.

„In diesem Zusammenhang ersetzen wir bis 2027 alle Standard-Trailer in Deutschland durch sogenannte Megatrailer, die acht Kubikmeter mehr Laderaum bieten. Das ist ein sehr effektiver Hebel für mehr Klimaschutz, den wir sukzessive auch in ganz Europa nutzen werden“, verrät Eling.

In einer aktuellen Klimaschutzkampagne werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dachser weltweit einbezogen, um Ideen zu sammeln und zu diskutieren. Es geht dabei ganz dezidiert auch um die vermeintlich „kleinen Ideen“, wie man am eigenen Arbeitsplatz Treibhausgas einsparen kann.

  • Human Resources:

Der letzte thematische Schwerpunkt betrifft die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch die eklatanten Kapazitätsengpässe im vergangenen Jahr trat der Mangel an Fach- und Fahrpersonal noch deutlicher zu Tage.

„Für funktionierende logistische Wertschöpfungsketten brauchen wir qualifizierte und motivierte Menschen. Dafür investieren wir ganz erheblich in ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Für unsere gewerblichen Mitarbeitenden geht es dabei zum Beispiel um Kommunikation, Vergütungsmodelle, Entwicklungspläne, Führungsstrukturen sowie Technologie-Einsatz und Ergonomie in unseren Umschlaglagern und Warehouses. Auch den Berufskraftfahrern bieten wir ein attraktives Umfeld. Wir etablieren für sie ein Gesundheitsmanagement, professionalisieren weiterhin die Ausbildung und investieren in zusätzliche Parkmöglichkeiten für LKW an den Niederlassungen. Am wichtigsten ist aber: Wir bringen den Menschen, die bei oder für Dachser arbeiten, Wertschätzung entgegen. Damit handeln wir im Einklang mit den Werten und der Kultur unseres Familienunternehmens“, gibt Eling einen Einblick in die Firmenkultur.

Im Fokus liegt die Entwicklung einer neuen Personalstrategie, die den Anforderungen der modernen Arbeitswelt wirklich gerecht wird. Dazu gehört es nicht nur, modernste Technologien am Arbeitsplatz bereitzustellen: „Wir werden darüber hinaus eine positive Einstellung zur Digitalisierung, einen sogenannten „Digital Mindset“, im gesamten Unternehmen schaffen. Dieser ist die Voraussetzung, unsere eben dargestellten Digitalisierungsanstrengungen wirklich umsetzen zu können“, ist Eling überzeugt und sagt: „Es geht aber auch darum, unsere Dachser-Kultur überzeugend zu kommunizieren und zu leben, Verantwortung und Kreativität zu ermöglichen und auch das Lernen am Arbeitsplatz und die persönliche Entwicklung zu fördern. Wir werden die Mitarbeitenden noch stärker als bisher ins Zentrum unseres Denkens und Tuns stellen. Denn am Ende sind es gerade die individuellen und alltäglichen Erfahrungen eines jeden einzelnen, die uns zu einem attraktiven und empfohlenen Arbeitgeber machen. Und nur wer die richtigen Menschen findet und langfristig an sich binden kann, wird in der Logistikindustrie bestehen können. Denn, und ich denke das ist für uns klar, Logistik wird am Ende des Tages von Menschen für Menschen gemacht.“

Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr

„Der Krieg in der Ukraine hat uns zutiefst getroffen. Vieles kommt dieser Tage und Wochen ins Wanken, woran wir bislang fest geglaubt haben, und ich bedaure zutiefst diese schreckliche Situation und das menschliche Leid. Doch wie beeinflusst der Krieg Dachser?

In Russland ist Dachser seit 2008 mit einer eigenen Landesgesellschaft vertreten. Wir erbringen dort Transport- und Logistikdienstleistungen in den Business Fields Road Logistics und Air & Sea Logistics. Rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort an sieben Standorten beschäftigt. Unsere russische Landesgesellschaft erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von rund 26 Millionen Euro – das ist weniger als ein halbes Prozent des Konzernumsatzes. In der Ukraine und Belarus ist Dachser nicht mit eigenen Standorten vertreten“, resümiert Eling.

Dachser hat alle Netzwerktransporte nach und aus Russland und Belarus eingestellt. Ein kompletter Übernahme- und Verladestopp gilt auch für interkontinentale Zugverkehre und LKW-Transporte zwischen Europa und Asien, die Russland und Belarus durchqueren.

„Auch wenn vor dem Hintergrund dieser Zahlen und der Größenordnung die direkten Folgen auf unser Geschäft nicht gravierend erscheinen mögen, sind die indirekten Folgen des Krieges umso einschneidender. Der Krieg mitten in Europa führt zu großem humanitärem Leid. Er trifft die Wirtschaft mit hohen Energie- und Kraftstoffkosten, die Auswirkungen von alldem können wir im jetzigen Stadium noch nicht beziffern. Aufgrund der gegenseitigen Sanktionen sind die Luftfrachtkapazitäten um ca. 20 Prozent gesunken. Für die europäische Logistik ist zudem die Fahrerthematik von Relevanz. Wie Sie wissen, stammen viele Kraftfahrer, die zum Beispiel in Polen tätig sind, aus der Ukraine. Das ist ein weiterer Faktor, der den Fahrermangel in Europa verschärfen wird“, befürchtet er.

Eling: „Als Familienunternehmen leisten wir selbstverständlich humanitäre Hilfe. Wir helfen anerkannten Hilfsorganisationen in ganz Europa mit kostenfreien Transport- und Lagerdienstleistungen. Damit werden die Menschen in der Ukraine und die Geflüchteten in den Nachbarstaaten unterstützt. Besonders eng arbeiten wir in dieser Situation mit unserem langjährigen Partner, dem Kinderhilfswerk terre des hommes, zusammen. Neben der logistischen Unterstützung rufen wir ein gemeinsames Projekt ins Leben, das sich um traumatisierte Kinder und Jugendliche kümmern wird.“

Geschäftsverlauf 2022 – Aussichten

Das erste Quartal lief trotz der angespannten Lage gut an. Die transportierten Volumina insbesondere in den grenzüberschreitenden Verkehren waren erfreulich und stützen verhalten optimistische Erwartungen für das laufende Jahr. Auch die Nachfrage nach eigenen Chartern in der Luftfracht ist aktuell unverändert hoch. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich das im Zuge dieses mit vielen Unsicherheiten behafteten Jahres entwickeln wird.

„Wir wissen natürlich, dass 2021 ein Ausnahmejahr war, dessen Resultate durch ein außergewöhnlich positives Marktumfeld potenziert wurden. Das wird sich aller Voraussicht nach so nicht wiederholen. Vorsichtig geschätzt gehen wir deshalb von einem Mengenwachstum in Road Logistics von ca. 3 bis 5 Prozent aus“, prognostiziert Eling.

Das Management von Wachstum einerseits und knappen Ressourcen andererseits wird eine zentrale Herausforderung auch in diesem Jahr bleiben. Auch wenn sich gewisse Preisspitzen des vergangenen Jahres einpendeln werden, bleiben die Kosten in der Logistik auf einem hohen Niveau. Treibstoffpreise, der Fahrer- und Fachkräftemangel, Klimaschutzinvestitionen sowie weitere Faktoren werden die Kosten treiben.

Unabhängig von dieser Entwicklung wird Dachser auch 2022 signifikant in den Ausbau seiner Kapazitäten investieren. Nicht zuletzt aufgrund von Nachholeffekten bei Bauvorhaben ist eine Rekord-Investitionssumme von rund 200 Millionen Euro vorgesehen.

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Konsumausgaben: Schlechte Aussichten für den Handel

Die Corona-Gefahr geht zurück, doch der Ukraine-Krieg, steigende Rohstoffkosten und die ungewohnt hohe Inflation dämpfen die Kauflust… Handelsverband CEO Rainer Will zum Status quo und was nun zu tun ist.

Was jahrzehntelang unvorstellbar war, ist mit dem Ukraine-Krieg bittere Realität geworden. Für uns alle steht jetzt die Bekämpfung der humanitären Katastrophe vor Ort an oberster Stelle. Aus wirtschaftlicher Sicht ist klar, dass der Krieg massiv inflationstreibend und wachstumsabschwächend wirkt, wir bewegen uns laut WIFO Richtung “Stagflation”.

Aktuell steigen die Rohöl- und Gaspreise in historische Höhen, Heizen und Tanken ist in Europa so teuer wie selten zuvor. Auch die Liste der Sekundärfolgen ist besorgniserregend. Schon die Pandemie hat gezeigt, wie fragil die globalen Lieferketten sind. Jeder Strompreisanstieg und jede Treibstoffkostensteigerung führen unweigerlich zu einer Erhöhung der Betriebskosten. Das betrifft alle Wirtschaftsbereiche, von der Industrie über die Landwirtschaft und den Handel bis zum Tourismus.

Die Inflation ist hierzulande im März mit 6,8 Prozent auf den höchsten Wert seit 1984 geklettert, Deutschland hat mit 7,3 Prozent bereits die höchste Teuerungsrate seit 1981 erreicht. Die Preise im Großhandel sind mit 25,6 Prozent regelrecht explodiert.

Die Auswirkungen auf die Konsumausgaben sind gravierend: 53 Prozent der Österreicher haben ihre Ausgaben in den letzten Wochen eingeschränkt, 14 Prozent müssen sich aus finanziellen Gründen auf den Kauf lebensnotwendiger Güter beschränken. Daher ist klar, dass viele Geschäfte des nicht-lebensnotwendigen Handels auch im Sommer 2022 einen Überlebenskampf führen werden, selbst wenn sich die Corona-Fallzahlen deutlich reduzieren. Der Flächenschwund im Non-Food-Handel von zuletzt 500.000 Quadratmetern – umgerechnet rund 80 Fußballfelder – wird sich inflationsbedingt auch heuer fortsetzen. Der Ukraine-Konflikt trübt vor allem die Aussichten für den textilen Einzelhandel ein. Einer brandneuen Studie zufolge könnte der Modehandel heuer in Europa rund 4,85 Milliarden Euro an Konsumausgaben verlieren, allein in Österreich rechnen wir mit einem Minus von 120 Millionen Euro.

Daher braucht es jetzt strukturelle Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft der Bevölkerung. Das 2 Milliarden Euro schwere Energiepaket der Bundesregierung war ein erster wichtiger Schritt. Weitere müssen folgen, insbesondere die Abschaffung der kalten Progression sowie eine substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten.

2022 entscheidet sich, ob und wie unser Land aus der Corona-Krise herausgeführt wird. Wir werden sehen, welche Auswirkungen der Ukraine-Konflikt auf Österreich und ganz Europa haben wird. Ich hoffe, dass dieser Krieg bald zu Ende geht, wir die Pandemie überwinden, den Fachkräftemangel entschärfen und die historischen Energiepreissteigerungen einigermaßen unbeschadet überstehen. Denn die ultimative Jahrhundert-Herausforderung steht uns noch bevor: die erfolgreiche Bekämpfung der Klima-Krise. (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT: Innovationen für Automatisierung und die digitale Transformation

Auf der LogiMAT 2022 belegen die internationalen Aussteller im Bereich Anlagen- und Fördertechnik dreieinhalb von insgesamt zehn Hallen auf dem Stuttgarter Messegelände und präsentieren ein umfassendes Lösungsspektrum für die zunehmenden Anforderungen von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Damit bietet die Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement den Fachbesuchern einen weitreichenden Überblick und entscheidende Orientierungshilfen zur zukunftsfähigen Ausrichtung ihrer Intralogistik.

Der andauernde Fachkräftemangel bei gleichzeitig wachsendem Volumen des Onlinehandels prägen gegenwärtig die Nachfrage und die Entwicklungstrends im Segment der Anlagen- und Fördertechnik. Die aktuellen Lösungsangebote für die Intralogistik, das unterstreichen die Hersteller und Systemintegratoren mit ihren Exponaten auf der LogiMAT 2022, zielen daher auf weitere Automatisierung der Intralogistik-Prozesse, Digitalisierung der Daten und Datenströme sowie Flexibilität durch mitwachsende Lösungen. Hinzu kommt unter dem Stichwort „Green Logistics“ der Trend zu nachhaltigen Lösungen und ressourcenoptimierten Prozessen. Dementsprechend fokussieren die Materialfluss- und Anlagenkonzepte für die Intralogistik kompakte, energieeffiziente Anlagentechnik sowie – mit Blick auf volatile Nachfragesituationen – weitgehende Flexibilität bei Gestaltung und Skalierbarkeit von Systemen und Lösungen. „Die vornehmlichen Treiber für die Weiterentwicklung im Bereich der Anlagentechnik sind bereits aus den vergangenen Jahren bekannt,“, erklärt Messeleiter Michael Ruchty vom LogiMAT-Veranstalter EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH, München. „Die Pandemie hat sie allerdings noch einmal verstärkt und ihre Auswirkungen auf die Anforderungen an Intralogistik sowie auf Hersteller und Anbieter deutlich forciert. Welches aktuelle Lösungsspektrum die internationalen Fördertechnik-, System- und Anlagenbauer für Automatisierung, Digitalisierung und Flexibilität in der Intralogistik bieten, präsentieren sie Interessenten und dem Fachpublikum vom 31. Mai bis 2. Juni auf der LogiMAT 2022 in dreieinhalb Hallen auf dem Stuttgarter Messegelände.“

In den Hallen 1 – nebst Galerie –, 3 und 5 sowie weiten Teilen der Halle 7 veranschaulichen die Exponate der Hersteller und Systemintegratoren eine vermehrte Integration modernster Technologien wie Robotik, Bilderfassung und Minimalisierung bei den System- und Steuerungselementen. Parallel dazu werden zunehmend die Prozesse einer installierten Regal- und Fördertechnik mit mobilen Komponenten wie etwa automatisierten Staplern oder Fahrerlose Transport Fahrzeuge (FTF) vernetzt und miteinander koordiniert. So stellen die Maschinen- und Anlagenbauer, Systemanbieter und -integratoren als stärkste Ausstellergruppe auf der LogiMAT 2022 in Stuttgart unter anderem neue Shuttlesysteme, Carry-Robots, autonom arbeitende Pickroboter und platzsparende Sortierlösungen vor. Sie präsentieren innovative Kommissionierautomaten und Fördertechnik-Komponenten sowie neuartige Taschensorter und Cobots für Picking und Palettierung. Mehrere Systemintegratoren sind zudem mit AutoStore-Anlagen vor Ort und zeigen die jüngsten Komponenten und Ergänzungen für das automatisierte Lagersystem. Weitere Exponate fokussieren IT-gestützte Leistungsoptimierungen durch System- und Datenvernetzung für durchgängigen Datentransfer und umfassende -analysen.

Insbesondere bei Prozesssteuerung, Analysen, Wartung und Services werden dabei immer öfter Methoden und Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI) eingebunden. „Vernetzte Intralogistiksysteme, die lernfähig sind und sich selbst optimieren können, werden schon in naher Zukunft eine große Rolle spielen“, betont Johann Steinkellner, CEO Central Europe bei TGW Logistics Group (Halle 5, Stand C13). Der österreichische Systemintegrator präsentiert auf der LogiMAT 2022 neben aktuellen Entwicklungen bei Modulen, Systemen und Lösungen für automatisierte Anlagen Software-Modelle für die Systemvernetzung. Dabei werden Daten von sämtlichen Anwendungen, Produkten und Lösungen gesammelt und in einem einheitlichen System ausgewertet, visualisiert und für weitere Optimierungen genutzt.

 

Repräsentativer Querschnitt durch das aktuelle Lösungsspektrum.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen investieren viele Unternehmen in die Modernisierung ihrer Intralogistik-Ausstattung und die Optimierung ihrer Prozesse. Entsprechend zeigen sich die Auftragsbücher der Maschinen- und Anlagenbauer gegenwärtig prall gefüllt. Binnen Jahresfrist, so die Zahlen des Branchenverbands VDMA, hat die Branche in Deutschland 2021 einen Auftragszuwachs von real 32 Prozent erzielt. In das laufende Jahr sind die Unternehmen mit einem überdurchschnittlich hohen Auftragsbestand von 10,9 Monaten gestartet – sind also schon zu Jahresbeginn bis November ausgebucht gewesen. Gleichwohl wollen sie dem internationalen Fachpublikum ihre aktuellen Produktentwicklungen präsentieren und weitere Vertragsabschlüsse erzielen. „Wir freuen uns, 2022 endlich wieder live interessante Produktinnovationen zeigen zu können“, so Sebastian Krayenborg, Geschäftsführer Karl-H. Bartels GmbH (Halle 1, Stand B69). Dafür bietet die LogiMAT als bewährte Präsentations-, Informations- und Kommunikationsplattform mit dem Charakter einer Arbeitsmesse das optimale Umfeld.

Die von den Unternehmen auf der LogiMAT gezeigten neuen Einzelkomponenten und jüngst entwickelten vollautomatisierten Anlagen bilden einen repräsentativen Querschnitt durch das aktuelle Lösungsspektrum für effiziente Intralogistik in Industrie und Handel. So kommt etwa die Rocketsolution GmbH (Halle 1, Galerie, Stand OG71) mit ihrem neuen Shuttle-System „RSX1“ nach Stuttgart. Die Technologie-Neuheit zielt auf maximale Verdichtung bei größtmöglicher Leistung automatisierter Lagersysteme. Die Körber Supply Chain Automation GmbH (Halle 1, Stand C34) zeigt in Stuttgart verschiedene Automatisierungs- und Materialtransportlösungen, darunter ein neues Shuttle-System sowie die KI-gestützte „Operator-Eye“-Technologie zur Fehlerbehebung und -vermeidung bei vollautomatisierter Lagenkommissionierung.

Stock Solutions und Streicher Maschinenbau GmbH & Co. KG präsentieren im Eingang Ost, Stand E080, mit ihrem Kooperationsprojekt „iQS“ ein flexibles Shuttle für Standard-Regale sowie Klein- und Großladungsträger. Mit der hoch performanten Lösung sollen sich auch bereits installierte automatische Kleinteilelager nachrüsten lassen. Die Extor GmbH (Halle 5, Stand G69) stellt das kompakte Lagersystem „RoverLog“ aus. Das System stapelt Ladungsträger per Hubtisch in die Höhe, kommt bei der Lagerung mittelgroßer Artikel komplett ohne Stapler, Fördertechnik, Paletten oder Sorter-Anlagen aus und soll manuelle Kommissionierprozesse ebenso wie die Lauf-, Stapler- und Hochkommissionierung im Schmalgang automatisieren oder ersetzen.

 

Roboter für gesteigerte Dynamik.
Neue Lösungen zur Steigerung von Prozesseffizienz und Genauigkeit bei Lagerung und Kommissionierung stellen unter anderem der Cube Storage Pionier AutoStore (Halle 1, Stand B61) und die Element Logic GmbH (Halle 1, Stand H21) sowie die AMI Förder- und Lagertechnik GmbH (Halle 1, Stand C03), die Knapp AG (Halle 3, Stand B05) und der niederländische Systemintegrator Inther Group (Halle 5, Stand B50) auf der LogiMAT vor. AutoStore kündigt neben einem neuen, integrierbaren CarouselPort für die Anlagen unter anderem die Vorstellung verschiedener Branchenlösungen an. Element Logic präsentiert als einer von mehreren Ausstellern mit AutoStore-Anlagen auf der LogiMAT 2022 weitere innovative Neuentwicklungen des kompakten, automatisierten Lager- und Kommissioniersystems. Dazu zählen die neuen „R5+-Robots“ von AutoStore, neue Systembehälter mit bis zu 425 Millimetern Höhe und der AutoStore „Bin-Lift2“, ein neuer robuster Vertikallift für mehrstöckige Lager. Weitere Peripheriegeräte für AutoStore-Anlagen zeigen unter anderem die Picavi GmbH (Halle 7, Stand D08) mit einer assistierenden Pick-by-vision-Lösung zur visuellen Führung und weiteren Steigerung der Kommissionierqualität und die AM Logistic Solutions GmbH (Halle 1, Stand B31) mit dem neuen „RiCO-bot“. Der mit einem Knickarm ausgestattete RiCO-bot orientiert sich über 3D-Optik selbstständig, kann Kleinteile autonom erkennen und handhaben und ist als Ergänzung zu automatisierten Lagersystemen wie AutoStore konzipiert, um deren Systemleistung auf die automatisierten Prozesse in Wareneingang und Versand auszuweiten.

Gesteigerte Dynamik bei Lagerung und Kommissionierung versprechen neben der Einbindung von Roboter-Technologie systemische Neuentwicklungen wie etwa das automatische Lager- und Kommissioniersystem „Smart-Flexdepot“ der AMI Förder- und Lagertechnik GmbH (Halle 1, Stand C03). Nach Aussage des Herstellers bietet der Kommissionierautomat kontinuierlichen Bestandsabgleich mit dem Warenwirtschaftssystem, den „aktuellen Höchstwert für das Lager-Nutzvolumen und damit maximale Verfügbarkeit“. Die Knapp AG (Halle 3, Stand B05) zeigt auf der LogiMAT gleich mehrere Neuheiten. Erstmals präsentiert das Unternehmen mit „AutoPocket“ dem Fachpublikum ein völlig neuartiges Taschensorter-System. Zudem werden Neuheiten rund um die autonomen mobilen Roboter „Open Shuttles“ sowie die neueste Generation des mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kommissionier-Roboters „Pick-it-Easy Robot“ gezeigt.

 

FTF als barrierefreie Alternative zur fest installierten Fördertechnik.
Als einer von weltweit lediglich drei Herstellern der A-Frame-Technologie präsentiert der niederländische Systemintegrator Inther Group auf der LogiMAT 2022 (Halle 5, Stand B50) erstmals das jüngste Modell aus diesem Technologie-Segment für effiziente Intralogistik. Mit der von Inther perfektionierten Technologie bietet der Systemintegrator eine hocheffiziente Lösung mit 1.200 Zugriffen pro Stunde bei der vollautomatisierten Artikelkommissionierung großvolumiger Aufträge im Kleinteilesegment. Als weitere spezielle Produktvorstellung steht der stationäre Einzelstück-Pickroboter „Gripp“ (Gantry Robotic Intelligent Piece Picker) im Fokus.

Weitere Optionen für die Einbindung von Robotern in die Kommissionierprozesse sind bei der J. Schmalz GmbH (Halle 7, Stand C05) zu sehen. Zwei Demozellen mit Cobots für Picking und Palettieren zeigen Anwendungsbeispiele aus dem Bereich Bin Picking und Palettieren/Depalettieren. Eine Neuheit dabei: das Vakuum-Lagengreifsystem „ZLW“ für lageweises Anheben von Paketen, Gläsern oder anderen Werkstücken. In der zweiten Demozelle wird eine kamerabasierte Vision & Handling-Lösung mit Bildverarbeitung für den Griff in die Kiste vorgestellt. Das End-of-Arm-Ecosystem „Match“ ermöglicht dabei schnellen, automatisierten Greiferwechsel. Ebenfalls ausgelegt auf das roboterbasierte Handling von Gebinden sind die neuen Robotersysteme, die die Premium Robotics GmbH (Halle 7, Stand C30) auf der LogiMAT erstmals präsentiert. Die Roboter mit Bildverarbeitung, Sensorik und einem Greifsystem arbeiten ohne Lagen-Depalettierer, Shuttle-Zwischenlager oder Fördertechnik und können beispielsweise instabile Gebinde aus der Konsumgüterindustrie ganz direkt von einer Lagerpalette auf eine Lieferpalette umsetzen.

Neben der Konzentration von Neuentwicklungen im Bereich der Automated Guided Vehicle (AGV) in Halle 2 auf dem Stuttgarter Messegelände stellen auch mehrere Flurförderzeuge-Hersteller sowie zahlreiche Maschinen- und Anlagenbauer ihre Lösungen in den Bereichen autonome mobile Roboter (AMR), Carrybots und Fahrerlose Transport Fahrzeuge (FTF) als barrierefreie Transportalternative zur fest installierten Fördertechnik vor. So präsentiert etwa die Geekplus Europe GmbH (Halle 7, Stand D51) mit dem „RoboShuttle“ ein AMR-System, das durch den Einsatz von Robotern eine deutliche Lagerverdichtung verspricht. Schlüsselkomponente des RoboShuttle-Systems ist der „RS8-DA“, nach Einschätzung des Herstellers der höchste AMR im Markt, der Regale mit einer Höhe von mehr als acht Metern bedienen kann. Die Carrybots GmbH (Halle 5, Stand B67) zeigt in Stuttgart erstmals ihr fahrerloses Transportsystem „Herbie“ im neuen Design. Das FTF mit modular erweiterbarem Systemaufbau wurde als kosteneffiziente Startlösungen speziell für den Transport von Kleinladungsträgern und ähnlichen Transportgütern entwickelt.

 

Einstiegslösungen für durchgängige Prozessautomatisierung und Vernetzung.
Auch im Bereich der stationären Fördertechnik unterstreichen die internationalen Aussteller auf der LogiMAT 2022 mit zahlreichen Exponaten die Innovationskraft und Lösungskompetenz der Maschinen- und Anlagenbauer. Die Gebhardt Intralogistics Group (Halle 5, Stand B71) etwa kommt neben FTF „Karis“ und Shuttlesystem „StoreBiter MLS“ mit der Premierenpräsentation einer neuen Sortiertechnologie speziell für kompakte Lager nach Stuttgart. Die platzsparende „SpeedSorter line“ ist vertikal aufgebaut und bietet an beiden Sorterseiten eine variable Anzahl von Endstellen für hohe Sortierleistung und Flexibilität auf kleinstem Raum. Mit einer neu entwickelten, eigenständigen Behälterfördertechnik, die auf der LogiMAT 2022 erstmals zu sehen ist, stellt die Dambach Lagersysteme GmbH & Co. KG (Halle 1, Stand F41) eine Lösung für den Warenfluss in Vorzonen automatisierter Lagersysteme vor. Die Fördertechnikkomponente, die speziell für Dambach-Anlagen entwickelt wurde, soll künftig mit weiteren Innovationen als systemunabhängige Einzelkomponente angeboten werden.

Mit einer „Revolution unter den Palettenmagazinen“, so Bartels-Geschäftsführer Sebastian Krayenborg, kommt die Karl-H. Bartels GmbH (Halle 1, Stand B69) nach Stuttgart. Neben Treppensteigern zeigt das Unternehmen erstmals das Palettenmagazin „DStacker“. Es ist auf sehr hohen Palettenumschlag in einem Kommissionierlager ausgelegt und gibt alle 10 Sekunden eine von bis zu 55 Paletten aus. Zudem, ein deutlich nachhaltiger Aspekt, kommt der „DStacker“ komplett ohne Stromanschluss, Pneumatik oder Hydraulik aus. Die Schmale Logtec GmbH (Halle 3, Stand C53) präsentiert neben der neu entwickelten Produktlinie „AGV Connect“ als Live-Exponat eine ganzheitlich konzipierte Übergabestation für das Be- und Entladen Fahrerloser Transportsysteme (FTS), die neben Effizienzvorteilen einen komfortablen Einstieg in durchgängige Prozessautomatisierung und Vernetzung bieten soll.

Die internationalen Aussteller aus dem Bereich des Anlagen- und Maschinenbaus, das zeigt diese willkürliche Auswahl von Neuheiten auf der LogiMAT 2022, halten für das Fachpublikum eine Vielzahl an Innovationen und Lösungsoptionen für effiziente Warehousing-Prozesse bereit. Die Systementwickler und Anbieter präsentieren mit kompakten, flexibel skalierbaren Lager- und Kommissioniersystemen einerseits die neusten Komponenten, Geräte und Einzelsysteme in den Bereichen der stationären und fest installierten automatisierten Anlagen- und Fördertechnik. Andererseits stellen sie mit Fahrerlosen Transportfahrzeugen und jüngsten Shuttle-Lösungen mobile Alternativen für die innerbetrieblichen Transporte, für die Produktionsversorgung und eine automatisierte Bedienung von Regalsystemen vor. „Ein umfassender Querschnitt und Überblick über die jüngsten Innovationen und Lösungsangebote, die die Maschinen- und Anlagenbauer, Systemanbieter und -integratoren gegenwärtig für eine zukunftsfähige Ausrichtung der Intralogistik anbieten“, fasst Messeleiter Ruchty zusammen. „Auf der LogiMAT können die Fachbesucher diese Neuheiten und zahlreiche Produktpremieren endlich wieder direkt in Augenschein nehmen, sie miteinander vergleichen und für fachkundige Informationen und Abstimmungen mit den Anbietern vis-a-vis ins Gespräch kommen. Ein Nutzwert von derartiger Quantität und Qualität wird Interessenten und Fachpublikum nirgendwo sonst geboten.“

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München
Tel.: +49 (0)89 32391-259 | Fax: +49 (0)89 32391-246
www.logimat-messe.de | www.logimat.digital


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT Präsentationsplattform für modernste Software-Lösungen

Auf der LogiMAT 2022, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, präsentieren die Software-Entwickler dem internationalen Fachpublikum ihr aktuelles Produktportfolio für zukunftsfähige, effiziente Intralogistik. Prägende Trends sind Cloudlösungen und die Einbindung moderner Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA).

In mitarbeiterintensiven Branchen wie der Logistik erschließen Automatisierung und Digitalisierung neue Möglichkeiten der Prozesseffizienz, Geschäftsentwicklung, Kundenbindung und Skalierbarkeit. Enabler dieser Erneuerungs- und Optimierungspotenziale sind die jeweils steuernden Softwaresysteme. Das Zusammenspiel von digitalen Technologien wie Cloud, Data Analytics, Augmented Reality oder Künstliche Intelligenz ermöglicht dabei die nächsten Schritte intelligenter Prozessautomatisierung, die Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle und zusätzliche Faktoren der Wettbewerbsdifferenzierung. Welche Optionen die Software-Hersteller dabei mit ihrem aktuellen Produktportfolio für Intralogistik und Prozessmanagement bieten, zeigen die IT-Unternehmen auf der LogiMAT 2022 in den Hallen 6 und 8 auf dem Stuttgarter Messegelände. „Applikationen, Module und Systeme für schnelle Datenzusammenführung, -analyse und Prozessoptimierung, die die operativen Prozesse der Intralogistik und der Supply Chain verbessern“, konstatiert Messeleiter Michael Ruchty der EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH aus München. „Intelligente IT-Lösungen zur Bewältigung der aktuellen Marktanforderungen und zukunftsfähigen Ausrichtung der Unternehmen.“

Das nach den Anbietern von Fördertechnik- und Automatisierungssystemen zweitstärkste Ausstellerkontingent auf der LogiMAT 2022 kommt mit einem umfassenden Überblick über die jüngsten Entwicklungen bei Transportmanagement-, Lagerverwaltungs- (LVS) und Warehouse Management Systemen (WMS) sowie bei Zoll-, Versandabwicklungs- und Exportkontroll-Systemen nach Stuttgart. Zudem präsentieren zahlreiche Anlagenbauer, Systemintegratoren und Flurförderzeuge-Hersteller Systeme für das Flotten-, Ressourcen-, Yard- und Zeitfenstermanagement sowie Steuerungssoftware für ihre Geräte, Systeme und Anlagen. Darunter eine wachsende Zahl von Unternehmen, die eigenentwickelte LVS beziehungsweise WMS vorstellen oder sich als SAP-Implementierungspartner positionieren. Als bestimmende Trends für die Exponate, die zugleich den Investitionsbedarf in der Intralogistik markieren, zeigen sich:

  • die Einbindung von Methoden und Verfahren der Künstliche Intelligenz (KI)
  • der Einsatz von Simulationssoftware und Digitalen Zwillingen in unterschiedlichsten Anwendungen
  • Nachhaltigkeit/Ressourceneffizienz
  • Systeme, Module und Applikationen für Big Data und Analytics
  • smarte Lösungen aus der Cloud.

 

Vernetzte Daten analysieren.
Technologien wie Bilderfassung, KI und Robotik werden eingebunden, um durch Automatisierung von Rechenprozessen der Software selbst zur weiteren Optimierung der Systemleistungen beizutragen. So lassen sich durch Nutzung maschineller Lernmechanismen für koordinierte Prozesssteuerung etwa Kommissionierwege und -zeiten um bis zu 30 Prozent reduzieren. Künstliche Intelligenz (KI), Maschinelles Lernen (ML) und Robotic Process Automation (RPA) beschleunigen die Rechenprozesse. Das macht sie zu Technologien, die es Ingenieuren und Data Scientists ermöglichen, die riesigen Datenmengen einer vernetzten, digitalen Transformation zu strukturieren, zu analysieren und auszuwerten. „Vernetzte Intralogistiksysteme, die lernfähig sind und sich selbst optimieren können, werden schon in naher Zukunft eine große Rolle spielen“, betont Johann Steinkellner, CEO Central Europe bei TGW (Halle 5, Stand C13). Spezielle Algorithmen generieren dabei Mehrwert, indem sie etwa durch vorausschauende Analysen und daraus abgeleitete, belastbare Handlungsempfehlungen die operativen Prozesse der Intralogistik wie der Supply Chain optimieren.

So zeigt active logistics (Halle 6, Stand F61) das Tourenplanungssystem active smart tour mit integrierter KI. Das System soll die Tourenplanung beschleunigen. Dabei, so das Unternehmen, stellt die KI sicher, dass Terminzusagen und Kundenprioritäten erfüllt sowie ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird. Sie laste vorhandenen Laderaum effektiver aus, kalkuliere effiziente Routen, verkürze mit ML die Fahrstrecken und verringere damit zugleich den CO2-Ausstoß. Sie überwacht zudem sämtliche Ankunftszeiten und vergibt kurzfristige Abholungen direkt an das naheliegendste Fahrzeug. Arvato Systems GmbH (Halle 8, Stand F55) stellt KI-basierte Anwendungen etwa für das Stammdatenmanagement vor. Zudem stehen smarte Applikationen zur Routenoptimierung oder Belieferungskonzepte mit (teil)autonomen Zustellungen im Fokus, die den CO2-Ausstoß insbesondere auf der letzten Meile reduzieren. Die Setlog GmbH (Halle 7, Stand C61) hat die kompletten Lieferketten im Blick und kommt mit neuen Tools für ihre Supply Chain Management (SCM)-Lösungen nach Stuttgart. Schwerpunkt des Messeauftritts bildet die erweiterte SCM-Software OSCA, die in fünf Lösungen mit erweiterten Tools demonstriert wird.

 

Simulationssoftware und digitale Zwillinge.
Zur Optimierung der innerbetrieblichen Transporte dient das Realtime Location & Recognition System der Logivations GmbH (Halle 8, Stand F05), das mit Machine Learning alle Materialflüsse und Staplerbewegungen tracken, automatisch buchen sowie Scan- und Identifikationsvorgänge automatisieren kann. Fahrerlose Transportsysteme und Staplerleitsystem verschmelzen, autonome Transportsysteme haben völlig neue Möglichkeiten für Navigation, Hindernisvermeidung und die Kollaboration mit Menschen. Auf Basis eines digitalen Zwillings sollen sich zudem vielfältige Anwendungen erstellen lassen. Die Artschwager + Kohl Software GmbH, (Halle 6, Stand D73), präsentiert erstmals auf der LogiMAT ihr Task und Transport Management System TAMAS, das eine Integration autonomer mobiler Transportroboter und Gabelstaplerflotten in den Produktionsbetrieb ermöglicht.

Eine eher ungewöhnliche Entwicklung kann das internationale Fachpublikum bei der e.bootis ag (Halle 8, Stand F41) in Augenschein nehmen: die Abbildung der Intralogistikprozesse in einem ERP-System. Erstmals zeigt das Unternehmen in Stuttgart die modular individualisierbare e.bootis-ERPII Suite. Sie bietet unter anderem mit Transportmittelverwaltung, automatisierter Versandabwicklung, Kommissionierung, Bestandsverwaltung, Fördertechniksteuerung und Nachverfolgung Lösungsbausteine für zahlreiche Anforderungen mittelständischer Unternehmen der Großhandels-, Industrie- und Dienstleistungsbranche. Ziel ist es, Geschäfts- und Logistikprozesse vom Wareneingang bis hin zur Inventur zu digitalisieren und zu automatisieren.

Auch bei der Planung und Leistungsauslegung automatisierter Anlage und den Abläufen im Logistikzentrum kommen vielfach Simulationssoftware und digitale Zwillinge zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich bereits im Vorfeld die Anlagenauslegung und Prozesse exakt abbilden und überprüfen. Gleiches gilt etwa für die Planung und Gestaltung optimaler Lieferketten und alternativer Supply Chains. Dabei unterstützen Softwaresysteme mit umfassenden Analyse- und Simulationsfunktionen das Supply Chain Network Design. So erstellt etwa die Software ipolog (Halle 1, Stand F31) für verbesserte kollaborative Zusammenarbeit bei der Logistik- und Montageplanung ein digitales Modell als digitalen Zwilling der künftigen Anlage, in dem alle notwendigen Daten zusammenfließen. In ipolog werden unterschiedliche Szenarien aufgebaut, simuliert und gegenübergestellt. Das Planungsszenario kann zum besseren Verständnis in 3D visualisiert werden.

 

Cloud-Anwendungen für die digitale Transformation bei KMU.
Zentrale Systeme für die Verwaltung, Prozesssteuerung und Effizienz im Lager bilden die Lagerverwaltungs- und Warehouse Management Systeme. In diesem Softwarebereich sind zahlreiche Entwickler mit Neuerungen in Stuttgart. Parallel zeichnet sich ein Trend ab, die Systeme und Funktionalitäten weiter zu modularisieren und in frei kombinierbaren Zusammenstellungen sowie nach unterschiedlichen Abrechnungsmodellen aus der Cloud anzubieten. IT-Architekturen und -Anwendungen werden für die Cloud umgebaut und in die Cloud migriert oder auf die Nutzung Cloud-nativer Technologien ausgerichtet. Derartig Modelle aus der Cloud ermöglichen auch kleineren und mittelständischen Betrieben (KMU) Modernisierungen, Automatisierung und den komfortablen, finanziell überschaubaren Einstieg in die digitale Transformation.

Vor diesen Hintergründen präsentiert die Andreas Laubner GmbH (Halle 4, Stand B45) Innovationen rund um die automatische Datenerfassung sowie Lösungen für smarte und optimierte Prozesse zur Digitalisierung bei KMUs. Gezeigt wird unter anderem ein Modul mit Hard- und Software, das eine schnelle und unkomplizierte Implementierung von Transportrobotern über eine Cloud-Lösung ermöglicht. Die PureLoX Solutions GmbH (Halle 8, Stand D05) stellt als Neuerung die Warehouse-Management-Software plx.wmx vor. Eine neu entwickelte Software-Architektur auf einer Low-Code-Plattform ermöglicht Cloudfähigkeit sowie eine mobile Nutzung ohne Einschränkungen über Tablet und Smartphone. Gleichzeitig soll der Aufwand für Wartung, Anpassung und Weiterentwicklung gegenüber klassischen monolithischen WMS-Architekturen deutlich sinken. Die ABF GmbH (Halle 8, Stand D57) zeigt mit OneBase®MFT ein Lagerverwaltungssystem mit kontinuierlicher Materialverfolgung über sämtliche Transport- und Fördermittel via Real Time Location System (RTLS) sowie einer vollautomatischen, situationsadaptiven Materialflusssteuerung für innerbetriebliche Logistikprozesse.

Die PSI Logistics GmbH (Halle 8, Stand D70) hat gleich eine komplette Best-Practice-Lösung für den E-Commerce aufgelegt. Neben einem neuen, cloudbasierten Dienst PSIsrs für intelligente, proaktive und effiziente Routenplanung präsentiert das Unternehmen unter anderem eine branchenspezifisch vorkonfigurierte E-Commerce-Lösung des bewährten Warehouse Management Systems PSIwms. Das Best-Practice-Komplettpaket, das erstmals vorgestellt wird, ist cloudbasiert und speziell auf die für den E-Commerce und Omnichannel relevanten Prozesse und Arbeitsanforderungen ausgelegt. Die Branchenlösung erfordert keinen zusätzlichen Programmieraufwand und ermöglicht kurze Projektlauf- und Implementierungszeiten.

 

Sicherheit für die Kollaboration Mensch/Maschine.
Einen weiteren Aspekt für die Optimierung des Materialflusses zeigt die Panasonic Tochtergesellschaft, der Plattformlösungsanbieter Blue Yonder (Halle 6, Stand A71) mit ihrem Luminate-Portfolio. Es bietet KI-gesteuerte Supply-Chain-Lösungen aus der Cloud und soll KI-Supply Chains agiler machen. Die Supply-Chain-Spezialisten der Remira Group GmbH (Halle 8, Stand D17) haben als Exponat die Premiere von Statcontrol Cloud im Gepäck. Die Neuheit aus dem Bereich Warehousing ist nach Herstellerangabe die erste vollständig zertifizierte Software-as-a-Service-Lösung für Stichprobeninventur und soll Anwendern einen sofortigen ROI ab der ersten Inventur ermöglichen.

IT-Lösungen zur gesteigerten Autonomie und Sicherheit von Maschinen und Industrierobotern stehen im Mittelpunkt des Messeauftritts der Blaxtair Arcure S.A. (Halle 10, Stand H30). Das Unternehmen ist auf KI für die Bildverarbeitung in der Industrie spezialisiert. Die neue cloud-basierte Lösung „Blaxtair Connect“ erhöht die Sicherheit von Menschen in der Nähe von Maschinen und hilft Unternehmen dabei, das angestrebte Ziel „Null Unfälle“ zu erreichen, indem sie Kollisionsrisiken proaktiv managen und so drastisch reduzieren können.

„Insgesamt bietet die LogiMAT 2022 damit einen abwechslungsreichen Überblick über die jüngsten Anwendungsoptionen durch Integration modernster Technologien und hilfreicher IT-Werkzeuge in die IT-Infrastruktur der Unternehmen“, resümiert Messeleiter Ruchty. „Der aktuell von Tata Consultancy Services (TCS) und Bitkom Research veröffentlichte Trendstudie ‚Nachhaltig geht nur digital‘ zufolge setzen drei Viertel der Großunternehmen auf Big Data. Das heißt sie nutzen Software-basierte Analyseinstrumente“. Für KMU trifft dies nicht einmal für die Hälfte der Unternehmen zu. Es gibt also noch deutliche Potenziale bei Nutzergruppen und Anwendungen. Die Software-Unternehmen sind gefordert, marktgerechte Lösungen zu entwickeln, die die digitale Transformation und KI-Anwendungen weiter voranbringen. Das wachsende Angebot an Cloud-Lösungen sowie Systemen, Modulen und Applikationen für Big Data und Analytics wie sie auf der LogiMAT 2022 präsentiert werden, zeigt die richtige Richtung auf. Jetzt müssen die Anwender agieren.

 

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München, Tel.: +49 (0)89 32391-259
Fax: +49 (0)89 32391-246; www.logimat-messe.de | www.logimat.digital

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Unsichere Zeiten stellen die Logistik vor besondere Herausforderungen

Kaum scheint die unsägliche Pandemie halbwegs überstanden, sehen wir uns mit anderen Hiobsbotschaften konfrontiert: der Krieg in der Ukraine, ausufernde Energiepreise, Lieferengpässe, Containermangel, Klimaziele und das neue Lieferkettengesetz sind nur einige der Punkte, die die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich bedrohen – von menschlichen Tragödien ganz abgesehen. Über Lösungswege und Prognosen sprach Logistik express mit Dipl.-Ing. Dr. Roman Stiftner.

Redaktion: Angelika Gabor.

Dipl.-Ing. Dr. Roman Stiftner ist nicht nur Präsident der BVL – Bundesvereinigung Logistik Österreich und Aufsichtsratsmitglied des European Shippers’ Council (ESC), sondern auch CEO & Generaldirektor bei Eumicon, Vizepräsident von Euromines sowie Geschäftsführer der Fachverbände Bergbau-Stahl und NE-Metalle in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Langweilig wird ihm aktuell noch weniger als sonst – es gilt, jede Menge Brandherde zu löschen, sowohl national, als auch international. Präsentestes Thema ist natürlich die Ukraine-Krise. Wenngleich sie ihren Anfang schon im Jahr 2014 nahm, als am 1. März das Oberhaus des russischen Parlaments der Entsendung von Truppen in die Ukraine zustimmte
und damit die Weichen für die Annexion der Halbinsel Krim stellte. Stiftner selbst kennt die Situation aus erster Hand, schließlich hat er jahrelang dort gelebt und gearbeitet.

„In der Ukraine gibt es einen starken Unterschied zwischen dem pro-westlichen und dem pro-russischen Teil im Osten. Donezk ist historisch russisch, die dort lebende Mehrheit fühlt sich Russland verbunden und die ukrainische Minderheit wird unterdrückt. Die Region ist im Gegensatz zum landwirtschaftlich geprägten Westen stark industrialisiert, und Russland hat großes Interesse daran, die Krim auch über den Landweg anzubinden.“

Der Donbass, zu Sowjetzeiten die größte Industrieregion der Sowjetunion, ist schon seit Jahren besetzt. „Dieser Konflikt wird meiner Meinung noch lange anhalten. Die Region könnte stabilisiert werden, wenn sich die Ukraine eine Anleihe an der österreichischen Geschichte nimmt.“ Auch Österreich befand sich einst in einer geopolitisch schwierigen Lage als Pufferstaat – ohne die Unterzeichnung der Neutralitätserklärung nach dem 2. Weltkrieg hätte die Besatzung wohl nicht so schnell geendet. „In diesem Konflikt muss mit Augenmaß agiert werden. Natürlich ist die Lage für die Bewohner furchtbar. Aber Sanktionen führen zu Gegenmaßnahmen, und die Abhängigkeit von russischem Erdgas ist hoch. Schon jetzt sind die hohen Energiepreise eine Gefahr für den Standort und haben massive Auswirkungen auf die Produktion und die Handelswege.“ Weitere Gefahr: die Bahntrassen zwischen Europa und Asien führen durch Russland, als Ausweichoption gibt es nur den Seeweg…

Wenige Tage nach diesem Gespräch marschierte Russland in der Ukraine ein.

 

Wie sehen Sie die aktuelle Lage bei der Containerschifffahrt?

„Hinsichtlich der Containerknappheit ist keine kurzfristige Entspannung zu erwarten, trotz etlicher Einschleifmaßnahmen. Man muss bedenken, dass rund 90 Prozent aller Güter in Österreich einen maritimen Transportanteil haben.“ Die Gründe für den Engpass sind vielfältig, aber hauptsächlich der Pandemie geschuldet. Durch den Rückgang der weltweiten Warenströme während der Lockdowns reduzierten Reedereien ihren Bestand, gleichzeitig landeten viele Container an ungeeigneten Standorten. Zudem kam es zu Staus in den Häfen und einer verringerten Hafenumschlagskapazität durch Personaleinsparungen. Das Resultat sind massiv gestiegene Kosten und unzuverlässige Fahrpläne. „Natürlich wünscht sich jeder stabile und planbare Logistikketten. Der weltweite Handel vor der Pandemie funktionierte so gut, weil die Logistikkosten niedrig waren. Doch bei zu hohen Containerkosten ergibt sich für Güter mit niedrigem inneren Wert kein Businesscase mehr, Wettbewerbsvorteile gehen verloren. Es kommt zu einer Verschiebung in der Wertschöpfungskette, „Nearshoring“ erfährt eine neue Bedeutung.“

Die engere Kooperation mit nähergelegenen Lieferanten bringt gleichzeitig auch ökologische Vorteile. „Der Verband erwartet keine Rückkehr zu den Containerpreisen zum Vorkrisenniveau, aber sie werden sich auf einem hohen Niveau stabilisieren.“ Aktuell würden die Reedereien hohe Profite erwirtschaften und er erhofft sich daher Investitionen in neue Schiffe. Bei neuen Schiffen könnte auch die Umweltbilanz verbessert werden: „Der Treibstoff der Hochseeschiffe ist eine Resteverwertung von Kohlenwasserstoffen. Leider verfügen noch nicht alle Frachter über entsprechende Filtersysteme, um die Rußpartikel aufzufangen. Das ist natürlich sehr unangenehm, aber umgerechnet auf die Tonne transportierter Güter sind die Emissionen unbedeutend. Der Schiffsverkehr hat einen Anteil von etwa drei Prozent an den Gesamt-CO2-Emissionen.“

Stichwort Treibstoff: Was erwarten Sie für die Zukunft?
„Meiner Meinung nach könnte Wasserstoff das Element der Zukunft sein, auch für schwere Trucks. Dafür müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein, nämlich eine passende Infrastruktur und eine kostengünstige Produktion von Wasserstoff. Zumindest entlang der Güterkorridore müsste ein Wasserstoff-Tankstellennetz errichtet werden.“ Solarantriebe spielen für ihn im Güterverkehr aufgrund der nicht gegebenen Fläche auf LKW keine Rolle. „Für Klein-LKW ist Elektromobilität gesellschaftlich erwünscht, also wird die Branche diesen Wunsch auch umsetzen.“

Ein Problem stellt hier nach wie vor die Batterie dar: rund 60 % des weltweit geförderten Kobalts stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, mit teilweise horrenden Arbeitsbedingungen. Auch der Lithium-Abbau steht stark in der Kritik, insbesondere aus Umweltschutzgründen. Hinzu kommt, dass das Batterie-Recycling nicht geklärt ist. Stiftner: „Hier ist noch viel Forschung nötig, um eine sinnvolle Wiederverwertung der E-Autobatterien zu entwickeln.“ Schließlich muss das Elektrofahrzeug auch mit grünem Strom betankt werden, um tatsächlich als nachhaltig zu gelten.
„Die öffentliche Hand ist gefordert, die Infrastruktur entsprechend flächendeckend auszubauen. Bezogen auf Europa sind hier Investitionen in Billiardenhöhe nötig, denn auch die Hub-Infrastruktur ist schon lange nicht mehr aktuell.“

Wie sieht es mit dem Schienengüterverkehr aus Ihrer Sicht aus?
„Der Güterverkehr wird insgesamt in Zukunft noch stark wachsen. Wenn wir diese Mengen bewältigen wollen, sind technologische Investitionen in Bahn und Straße nötig. Leider verliert der Schienengüterverkehr aktuell Anteile. Hier muss man sich Strategien überlegen, die Flexibilität und damit auch die Attraktivität zu steigern. Ein Ansatzpunkt ist die Optimierung der Zugsteuerung durch Digitalisierungsmaßnahmen.“ Derzeit präsentiert sich die Bahn im internationalen Güterverkehr durchwegs unflexibel, und das liegt längst nicht nur an unterschiedlichen (militärisch begründeten) Spurweiten: verschiedene Normen selbst innerhalb Europas, verschiedene Strom-Spannungen, abweichende Prüfungsvoraussetzungen für Fahrer, nötige Zugführerwechsel an der Grenze und unvermeidbare Umladeprozesse machen den Schienentransport langsam. „Im Gegensatz dazu fährt ein LKW mit einem Fahrer ungebunden durch ganz Europa. Hier ist dringend eine Harmonisierung nötig. Wir brauchen die Frachtkapazitäten, und aus Sicht der Verlader müssen alle Modalitäten attraktiviert werden.

Die Logistikbranche sieht sich mit enormem Preisdruck konfrontiert. Was kann man hier tun?
„Solange der Preisdruck für alle gleich ist, ist es kein Wettbewerb, sondern Inflation. Aus logistischer Sicht ist es nötig, die Lieferketten durch Datenaustausch transparenter zu gestalten und für die Routen mit möglichst wenigen Umladestellen auszukommen. Was ein Mal auf der Straße transportiert wird, kommt nicht zurück auf die Schiene, darum ist ein Ausbau der Anschlussbahnen zu vernünftigen Kosten so wichtig.“ Eines scheint klar: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Preise höher bleiben als vor der Pandemie. Nicht nur haben sich Kapazitäten verändert, auch die Lieferketten sind andere geworden.“

Fast alle Branchen klagen über Personalmangel, aber der Fahrermangel ist besonders ausgeprägt. Wie kann man dem entgegenwirken?
„Aus meiner Sicht ist auch in diesem Bereich die fortschreitende technologische Entwicklung die Lösung. So könnten beispielsweise autonome Fahrsysteme zu einer Effizienzsteigerung beitragen, die Fahrzeuge könnten knapper auffahren. Aber dafür sind massive Investitionen in die Digitalisierung nötig.“ Der Fahrermangel zeige deutlich, dass der Job nicht mehr attraktiv sei. „Es gibt eine sehr starke Reglementierung bei den Fahrern, etwa bei den Ruhezeiten. Wer verbringt schon gerne sein Wochenende auf einem Parkplatz?“

Welche Erkenntnis konnten wir als Gesellschaft aus der Pandemie gewinnen?
„Durch die Pandemie ist die Logistik sichtbar geworden. Man musste erkennen, dass manche Güter plötzlich nicht ständig verfügbar sind. Dadurch ist beim Endkunden ein Bewusstsein für die Leistungen der Logistik entstanden und auch mehr Wertschätzung. Schon vor der Pandemie haben Menschen gerne etwas bestellt, wollten aber für die Zustellung nichts bezahlen. Das hat sich geändert. Um auch in Zukunft die steigenden Mengen bewältigen zu können, ist dringend eine Effizienzsteigerung nötig, etwa auch bei Antriebssystemen. Ein weiterer Punkt, der deutlich geworden ist: Europa muss darüber nachdenken, wie wir in Summe die Abhängigkeiten reduzieren können, beispielsweise von China. Wenn es in
Asien Konflikte gibt, steht in Europa die Automobilproduktion still. Natürlich sind wir an dieser Abhängigkeit selbst schuld, denn früher gab es durchaus Chiphersteller in Europa. Aber diese Produktionsstätten gingen aufgrund unterpreisiger Angebote aus anderen Regionen verloren. Das politische Ziel ist daher klar die strategische Autonomie. Was jetzt noch fehlt, ist, dieses Ziel zu leben und konkrete Maßnahmen für die Industrie umzusetzen. Eine entsprechende Handelsverteidigungspolitik, beispielsweise durch Strafzölle, wird dabei helfen, essenzielle Industrie wieder regional zu etablieren. Aber hier sind Ambition und rasches Handeln nötig.“

Was sagen Sie zum gerade eben veröffentlichten Richtlinienentwurf zum Lieferkettengesetz?
„Der von der EC vorgelegte Entwurf des europäischen Lieferkettengesetzes geht weit über die Regelungen des deutschen und französischen Gesetzes hinaus. Es soll praktisch alle Unternehmen über 500 Beschäftigte rechtlich verbindlich verpflichten, ihre gesamte Lieferkette daraufhin zu kontrollieren, ob die Zulieferer gegen Umwelt-, Klima- und Menschenrechte verstoßen. Mehr noch: Sie sollen unter bestimmten Umständen auch für Verstöße der an ihrer Lieferkette beteiligten Unternehmen haften, und zwar nicht nur für direkte (unmittelbare) Lieferanten, sondern allen entlang der Wertschöpfungskette. Wenn man weiß, dass Produkte oft aus mehreren hundert und mehr unmittelbaren Zulieferteilen bestehen, wird klar, dass diese Forderung exponentiell steigende Bürokratie verursacht und für Unternehmen praktisch auch nicht erfüllbar ist. Es stellt auch eine weitere Benachteiligung im internationalen Wettbewerb dar, der vom europäischen Gesetzgeber für europäische Unternehmen geplant ist.

Mit dem Entwurf wird nicht das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens abgesichert, sondern der europäische Wirtschaftsstandort und Millionen von Arbeitsplätzen gefährdet. Korrekturen sind daher unumgänglich, wobei das deutsche Lieferkettengesetz als grobe Leitlinie herangezogen werden kann.“ (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

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