Metaverse schafft neue Möglichkeiten und Anwendungen

In Zukunft wird die reale Welt mit einer virtuellen Welt – genannt Metaverse – verschmelzen. Durch digitale Zwillinge werden reale Objekte im Metaverse repräsentiert. Auch ganze Lieferketten können so repräsentiert und optimiert werden.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Sicher haben Sie schon einmal von Paralleluniversen aus der Quantenphysik gehört. Nach dieser Theorie könnten wir gleichzeitig in unterschiedlichen Welten existieren – genauer gesagt in unendlich vielen. Was kaum fassbar und utopisch erscheint, wird gerade in einer anderen Form durch den Menschen erschaffen. Eine parallele Welt, die über das hinaus geht, was wir bisher kennen. Im sog. Metauniversum (meta = jenseits, darüber hinaus gehend) oder auch Metaverse verschmelzen die physische und die digitale Welt. Es ist ein virtueller Raum in dem wir mittels Avatar miteinander agieren können oder vollständig – wie im richtigen Leben – in ein Event eintauchen können. Es gleicht in gewisser Hinsicht einem dreidimensionalen Videogame. Im Metaversum können Nutzer die Welten mitgestalten und dort leben, lernen, arbeiten und feiern.

Das Metaverse: „Projekt in Progress“.
Allerdings ist bisher noch nicht exakt definiert, was das Metaverse genau sein soll und durch welche Technologien es umgesetzt werden soll. Auch arbeiten verschiedene Firmen wie Facebook, Microsoft, Apple, Google und Firmen aus dem Videospiele-Bereich wie Epic Games (Fortnite) und Roblox an ihrer Version des Metaverse. Diese Metaversen bzw. virtuellen Räume könnten später vielleicht miteinander interagieren. Metaverse-Plattformen sind bisher beispielsweise The Sandbox, Decentraland und Axie Infinity. Die gesamte Idee ist also ein „Projekt in Arbeit“, was durch viele unterschiedliche Parteien entwickelt wird. Wichtige technische Fragen wie z. B. über die Architektur (zentral oder dezentral), Betriebssystem (benötigt oder nicht?), Standards und Protokolle und Besitzstatus (proprietär oder Open Source) müssen noch beantwortet werden. Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz (KI), Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) werden im Metaverse zusammengeführt. Neue Technologien für verschiedene Sinneserfahrungen wie z. B. spezielle Handschuhe zum Erfühlen von Gegenständen und spezielle Nasenklappen an VR-Brillen, um Gerüche zu erzeugen, müssen noch zur Marktreife gebracht werden.

Vor- und Nachteile des Paralleluniversums.
Es existieren viele Vorteile aber auch schwerwiegende Nachteile des Metaverse. In der virtuellen Welt können sich Menschen unabhängig vom Aufenthaltsort via Avatar treffen. Auf diese Art werden Reisekosten sowie Zeit gespart und die Umwelt geschont. Die Arbeitnehmer können von zuhause oder jedem anderen Ort aus arbeiten. Home Schooling und Home Office werden zunehmend realitätsnah. Für Unternehmen ergeben sich neue Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb. Die Kunden können Produkte im 3D-Raum sinnlich erfahren. Es entsteht eine neue Welt in der z. B. Produkte, Grundstücke, Häuser und Unternehmen gekauft und verkauft werden können.

Eine große Gefahr ist der suchtbildende Charakter des Metaverse, der gegenüber Videospielen um ein Vielfaches potenziert wird. Da vollständige Eintauchen in eine Parallelwelt kann zur Abtrennung der Menschen von der realen Welt, der Natur sowie der eigenen realen Persönlichkeit führen. Der Zugang in das Metaverse erfolgt durch aufwändige und teure Technik wie VR-Brillen, spezielle Handschuhe und Schuhe, Simmulationstechnik für den Geruch- und Geschmackssinn, u. a.. Zudem sind fortgeschrittene digitale Kenntnisse notwendig. All das kann dazu führen, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht – nämlich aus Menschen, die sich den Zutritt zum Metaverse leisten können und auch wissen wie man Zugang erhält, und den anderen, die beide Voraussetzungen nicht erfüllen.

Metaverse in der Logistik und Industrie.
Das virtuelle Universum wird Unternehmen aus allen Branchen und insbesondere auch der Logistikbranche viele neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten. Neben der schon erwähnten Möglichkeit sich im virtuellen Raum zu einem Arbeitsmeeting zu treffen, bei dem sich die Teilnehmer real an völlig unterschiedlichen Orten auf dem Globus befinden, bietet besonders auch die Kombination mit KI enorme Potenziale zur Verbesserung. Ganze Städte, Fabriken, Unternehmen, Logistikzentren und auch Lieferketten lassen sich als „digitaler Zwilling“ reproduzieren.

Die Verbindung von digitalem Zwilling und Metaverse kann Systeme wie Supply Chains viel eindrücklicher darstellen und damit die Aufdeckung von Ineffizienzen erleichtern. Dabei werden Echtzeitdaten der realen Objekte via Internet der Dinge (IdD) auf den Zwilling übertragen und können so auch zu Simulationen künftiger Zustände der Lieferkette genutzt werden. Digitale Zwillinge fungieren also als Missing Link, der die Realität mit dem Metaverse verbindet. Auf diese Weise kann eine Supply Chain von den Nutzern (z. B. alle Stakeholder) einer Metaverse-Software virtuell direkt erfahren werden. Dabei erhalten die Nutzer Echzeitdaten z. B. über eine AR-Brille.

Die Technologie schafft also Transparenz über Daten und Zustände der Supply Chain und ermöglicht eine drastische Verbesserung der Funktionsfähigkeit und Effizienz. Die Grundlage für all das ist die exakte Erfassung von Echtzeitdaten aller Objekte in der Supply Chain. Alle Stakeholder erhalten Einsicht auf Lieferzeiten, Transitzeiten, Verzögerungen und Versendungskosten und Bezugsquellen in Echtzeit, was das Vertrauen in die Prozesse der Lieferkette aller Beteiligten stärkt. Mit der Nvidia-Software Omniverse existiert bereits eine Plattform, um digitale Zwillinge für das Metaverse zu erstellen und Teams weltweit zu verbinden. Sie wurde bereits von Firmen wie BMW, Ericsson, Siemens und Lockheed Martin genutzt.

Das Metaverse fördert auch die Verkürzung von Produktzyklen, da alle Stakeholder der Lieferkette an dem Design von neuen Produkten mitwirken können und dieses durch entsprechendes Feedback iterieren können. Zudem könnte die Ausbildung und Schulung der Mitarbeiter via digitalem Zwilling und Metaverse wesentlich einfacher und realitätsnäher gestaltet werden. Für die Kunden würde die Technologie ganz neue Möglichkeiten eröffnen mit dem gewünschten Produkt zu interagieren. In virtuellen Showrooms könnten die Produkte schon vor dem Kauf getestet werden und gewünschte Eigenschaften wie Farbe, Textur, etc. und Ausstattungsmerkmale angepasst werden. Zudem werden dem Kunden entsprechende Produktinformationen in die VR-Brille eingespielt.

Eine weitere interessante Möglichkeit für die Nutzung von Digital Twins, KI, Predictive Analysis und Metaverse besteht in der Bedarfsprognose von Produkten und dem Bestandsmanagement. Durch die Steigerung der Genauigkeit können z. B. Einzelhändler die Lieferkette optimieren und so ihr Endergebnis erheblich verbessern.

Schlüssel-Technologien für das Metaverse.
Die Blockchain gilt als das Rückrad des Metaverse. Durch sie wird der Wertetransfer, die Besitzverifizierung, die gegenseitige Nutzung von digitalen Objekten, die Kontrolle der Prozesse und die Produkthaftung transparent gemacht und gesichert. Zudem kann der Kauf von virtuellem Land und Immobilien durch Kryptowährungen erfolgen und der Besitz gesichert und übertragen werden.

Das Metaverse wird in Zukunft von vielen kreativen Köpfen erschaffen werden – mit teilweise auch geringer technischer Vorbildung. Daher entwickelt sich die Nachfrage nach sog. Low-code- und No-code-Plattformen und Plug-and-Play-Anwendungen wie z. B. Onirix. Für realistische 3D-Darstellungen von Objekten im Metaverse werden zunehmend Firmen für hochauflösende 3D-Foto- und Videografie benötigt. Weiterhin wird sich die Nutzung des IdD enorm ausweiten, um Echtzeitdaten in das Metaverse zu füttern. Zudem bildet das Mobilfunk-Internet 5G mit Bandbreiten im Gigabit-Bereich und geringen Latenzzeiten die Basis für das IdD. Um die umfassende bzw. immersive Sinneserfahrung des Metaverse zu kreieren, werden immer mehr kybernetische Technologien für Sprache, visuelle Wahrnehmung, Bewegung, Erkennung von biometrischen Daten, etc. eingesetzt werden.

Ein weiteres Beispiel ist das Brain-Computer-Interface Neuralink von Elon Musk, das eine symbiotische Beziehung zwischen menschlichem Gehirn und Computer schaffen soll. Mit dem chirurgisch implantierten Chip soll der Nutzer mit Computer und Maschinen kommunizieren und diese kontrollieren können. Die Idee des Metaverse wird zu einem Technologiesprung in vielen Bereichen führen und ebenso die Effizienz von Lieferketten enorm steigern. (DR)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Das war das Handelskolloquium 2022

250 führende Branchenvertreter diskutierten am 21. April beim traditionsreichen Handelskolloquium über den Status Quo und die Zukunft des Handels in Zeiten der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Im Mittelpunkt der bereits 32. Ausgabe des jährlichen Retail-Kongresses standen der Personal- und Fachkräftemangel, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukrainekonflikts auf Handel und Gesellschaft, nachhaltige Standortstrategien sowie neue Trends im Lebensmittelhandel.

Die Riege hochkarätiger Speaker wurde angeführt vom Wiener Stadtrat Peter Hanke, Neos-Gründungsmitglied Matthias Strolz, Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und zahlreichen heimischen Führungskräften des Handels wie Peter Schmid (Metro), Karin Saey (Dorotheum Juwelier), Norbert Scheele (C&A), Dieter Wasserburger (Rewe), Simon Lindenthaler (Lidl), Maurice Beurskens (Gurkerl) und Nikolas Jonas (Mjam) sowie den Experten Heike Haring-Latzke (ePunkt), Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen), Utho Creusen (Universität Münster), Martin Unger (EY), Hannes Lindner und Roman Schwarzenecker (beide Standort+Markt), Mario Schwaiger (EHL), Lili Pajer (Google), Kai Herzberger (Meta/Facebook), Elisabeth Christen (WIFO), Michael Buttkus (Horváth) sowie Stephan Mayer-Heinisch und Rainer Will (beide Handelsverband). Den Entertainment-Part übernahm ORF Mentalist Harry Lucas, moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Cronin.

Die Pandemie als Balance-Akt
“Wir erleben aktuell eine Zeitenwende. Die Pandemie begleitet uns seit mehr als zwei Jahren, seit Februar herrscht noch dazu Krieg in Europa. Diese beiden Faktoren haben eine ganze Reihe von Nebenwirkungen und Kettenreaktionen ausgelöst, die uns zurzeit das Leben schwermachen. Die Inflation ist zuletzt auf 6,8 Prozent geklettert und sie ist gekommen, um zu bleiben”, so Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch in seiner Eröffnungsrede.

Ähnliches gelte für den Personal- und Fachkräftemangel. Zurzeit sind rund 20.000 Stellen im Handel unbesetzt. Generell sei es wichtig, nicht ins Klein-Klein zu verfallen. “Wir müssen endlich den Mut aufbringen, verkrustete föderale Strukturen zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, mit Krisen gut umzugehen. Wir werden auch diese Krisen meistern. Klar ist aber auch: Jetzt sind Schlechtwetterpiloten gefragt, keine Schönwetterpiloten”, ist Mayer-Heinisch überzeugt.

Apropos Schlechtwetter: Der Flächenschwund im Handel von 500.000 Quadratmetern im Vorjahr – umgerechnet rund 80 Fußballfelder – wird sich laut Prognosen des Handelsverbandes heuer fortsetzen. “Sie sagen es ist ein Strukturwandel, wir sagen es sind fehlende oder nicht treffsichere Hilfen. 2022 ist ein entscheidendes Jahr. Im Pandemie-Management und im Umgang mit den Folgen des Krieges vor unserer Tür. Es braucht jetzt einen Master-Plan für den Herbst. Die Politik darf die Fehler der letzten beiden Jahre nicht wiederholen”, appellierte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will an die Bundesregierung. Wie schwierig dieser tägliche Balanceakt zwischen Pandemie und Ökonomie tatsächlich ist, illustrierte Peter Hanke, Stadtrat für Finanzen und Wirtschaft der Stadt Wien, in seiner Keynote. Er versicherte der anwesenden Händlerschaft seine Unterstützung bei der Bewältigung der aktuellen Krisen und versprach: “Wir werden dafür sorgen, dass die Stadt Wien auch in den kommenden 10 Jahren an der Spitze der weltweit lebenswertesten Städte bleiben wird.”

The Great Resignation?
Das erste Podium beim Handelskolloquium 2022 widmete sich dem Thema Personal- und Fachkräftemangel und damit auch der Frage, wie die Arbeitswelt der Zukunft konkret aussehen wird. Dazu diskutierten Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen), Heike Haring-Latzke (ePunkt) und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz mit den beiden Handelsvertretern Karin Saey (Dorotheum) und Peter Schmidt (METRO). Das Fazit? HR ist eine Generationenfrage, die Gen Z tickt völlig anders als die Generation X oder Y. Was alle verbindet, ist der Wunsch nach Wertschätzung und Selbsterfüllung im Job.

And the Winner is…
Ein Highlight des Events war die Verleihung des HV Wissenschaftspreises. Mitinitiator Utho Creusen und HV-Vizepräsident Norbert Scheele (C&A) zeichneten Jana Walch (FH St. Pölten; beste Bachelorarbeit), Katharina Holland (IMC FH Krems, beste Masterarbeit) und Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen; beste Dissertation) aus. Die drei Studentinnen hatten sich unter mehr als 60 Einreichungen durchgesetzt. Der Handelsverband gratuliert herzlich.

Quo Vadis Metaverse
Kaum ein Thema beschäftigt die globale Tech-Community zurzeit stärker als das Metaverse – und kein Unternehmen wird stärker damit verbunden als Facebook, das mittlerweile unter dem Namen Meta firmiert. Kai Herzberger gab einen spannenden Einblick in den Status Quo und die aktuellsten Entwicklungen rund um die virtuelle Realität und appellierte an die Händler, den Einstieg in dieses Abenteuer zu wagen. Denn: Der Handel ist im Wandel und jeder Handelsbetrieb entscheidet selbst, ob er verändert wird oder den Wandel aktiv voran-treibt.

Vom Bären zum Bullen…
Im anschließenden Podium mit Hannes Lindner (Standort+Markt), Markus Mendel (EHL), Michael Buttkus (Horvath & Partners) und Dieter Wasserburger (REWE) standen nachhaltige Standortstrategien im Fokus. Der Tenor: Leerstände und Geschäftsflächenrückgänge bieten immer auch eine Chance. Fünf Faktoren sind laut Wasserburger entscheidend für einen gesunden Handel in der Stadt bzw. im Ort: ein schönes Zentrum (Hauptplatz), eine gute Grundfrequenz (z.B. durch Ämter und Behörden), geeignete Geschäftsflächen, eine hervorragende Erreichbarkeit sowie gute Parkmöglichkeiten. (RED)


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

USMCA in Kraft getreten

Österreichische Exporteure und Produzenten hatten 18 Monate Zeit, sich auf das neue Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada einzustellen. Jetzt wird es Ernst.

Redaktion: Arne Mielken.

Am 1. Juli 2020 ist das United States—Mexico—Canada Agreement (USMCA) in Kraft getreten, nachdem am 13.03.2020 das kanadische Parlament als letzter Partner das Abkommen ratifiziert hatte. Das USMCA ersetzt das North American Free Trade Agreement (NAFTA) aus dem Jahr 1994. Es modernisiert bestimmte NAFTA-Bestimmungen und trägt Entwicklungen in Technologie und Lieferketten Rechnung.

Das USMCA setzt neue Standards für Ursprungsregeln, „de Minimis“ Vorgaben, Zugang zum Agrarmarkt, digitalen Handel und Finanzdienstleistungen und Umweltschutz, während die Arbeitsrechte der Arbeitnehmer in Schlüsselindustrien geschützt und der Schutz der Rechte des geistigen Eigentums gestärkt werden. Es enthält außerdem Klauseln, um marktverzerrende Subventionen und Währungsmanipulationen zu verhindern. Das Abkommen verliert automatisch nach 16 Jahren seine Gültigkeit (Sunset Bestimmung).

Neuer Goldstandard.
Das USMCA muss als Leitplanke für die künftige US-Handelspolitik und Verhandlungen zwischen den USA und der EU gesehen werden. Es weicht von wichtigen Grundsätzen der internationalen Handels- und Herkunftsbestimmungen ab. Es gibt Kanada zum Beispiel Spielraum, um ausländische Technologiegiganten wie Google, Facebook und Amazon für ihre Verkäufe und Dienstleistungen digitaler Anzeigen zu besteuern, obwohl Passagen im Abkommen eine „diskriminierende Behandlung“ digitaler Produkte verhindern sollen.

Das neue Freihandelsabkommen (FHA) ist vor allem für österreichische Unternehmen mit Produktionsstätten in Mexiko und USA relevant, aber auch für Firmen, die mit den USA, Mexiko und Kanada Handel treiben. Betroffen sind insbesondere die Automotive Industrie sowie Exporteure von Lebensmitteln und Getränken. Diese sollten inzwischen geprüft haben, in wie weit bestimmte USMCA-Bestimmungen zu Ursprungsregeln, geografischen Angaben und freiwilligen Ausfuhrbeschränkungen sie negativ tangieren und welche Gegenmaßnahmen sie ergreifen können.

Bei Verstössen gegen die neuen Ursprungsregeln hat US-Präsident Trump bereits vor einiger Zeit Strafzölle angekündigt. Diese sollen vor allem europäische und asiatische Automobilhersteller treffen, die einen Teil der Komponenten für ihre KFZ-Herstellung in den USA oder Mexiko aus Europa bzw. Asien importieren. Die kanadische Automotive Industrie rechnet dagegen mit einer Steigerung bei den kanadischen Zulieferungen für die Automobilproduktion im USMCA-Raum von zusätzlich 8 Milliarden kanadischen Dollar jährlich.

Mit dem in Krafttreten des USMCA steigen für zahlreiche österreichische Unternehmen der bürokratische Aufwand und die Compliance-Anforderungen. Mit sorgfältiger Vorbereitung, einer kontinuierlichen IT-gestützten Pflege der Stammdaten und nachvollziehbaren Präferenzkalkulationen lassen sich die Vorteile des Handelsabkommens jedoch auch durch KMU kosteneffizient ausschöpfen. Zahlreiche Softwarehäuser bieten intelligente Handelsmanagementlösungen, die Unternehmen bei der Produktqualifizierung, dem Einholen und Verwalten von Lieferantenerklärungen und dem Ausstellen von Ursprungszeugnissen unter Einhaltung der komplexen USMCA-Vorgaben unterstützen. (AM)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2020

Hallo Meinung: Die Schande von Brüssel

Was sich Deutschland im Zeichen grundfalsch verstandener „Solidarität“ freiwillig aufbürdete, ist schlimmer als einst Versailles.

Gastbeitrag: Daniel Matissek.

Es war nur eine kurze, entlarvende Bemerkung am Rande des Brüsseler Verhandlungsmarathons über EU-Haushalt und Corona-“Aufbaufonds“, die Angela Merkel im vertraulichen Gespräch mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Marc Rutte fallen ließ, doch die hatte es in sich – sagte sie doch mehr aus über den eigentlichen Charakter der gigantischen EU-Hilfen für Europas „Südstaaten“ als alle wohlfeilen Kommuniquees, Beschlüsse und Schlussnoten: „Wenn die Südländer pleitegehen“, so Merkel, „dann gehen wir irgendwann alle pleite.“ Es ist dieselbe verquere Logik wie schon bei den Griechenland-Hilfen – Deutschland soll für die Defizite und Strukturmängel anderer haften, weil es sonst angeblich selbst in Gefahr gerät. Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus: Deutschland wird irgendwann selbst pleitegehen, gerade weil es jedesmal die unausweichliche Pleiten anderer abwenden muss.

Der Brüsseler Irrsinns-Kontrakt beschert uns den ultimativen Offenbarungseid der EU: Was hier vor allem Deutschland und Frankreich gemeinsam mit anderen Geberländern durchwinkten, kommt der finalen Zerpflückung und Einebnung des ursprünglich angedachten EU-Wirtschaftssystems gleich, für das sowohl Maastricht als auch Lissabon standen. Denn dieses sah eben keine Verschuldungs- und Haftungsunion zu Lasten der fleißigen, erfolgreichen Mitgliedsstaaten vor, sondern eine nicht delegierbare, residuale Eigenverantwortung der Staaten. Nichts davon ist übriggeblieben; für die Misswirtschaft anderer haften die Deutschen – gefügig gemacht mit dem Totschlagargument der ansonsten drohenden Gemeinschaftspleite.

Die Corona-Pandemie kommt den Pleitegeiern am Mittelmeer wie gerufen, sich als Hauptbetroffene und Härtefälle einer von außen hereingebrochenen Naturkatastrophe zu inszenieren – denn nun sind die lange erhofften Finanzspritzen plötzlich keine verfemten „Eurobonds“ mehr, sondern kommen als humanitäre, alternativlose Rettungsaktionen daher, die entweder in Form von verlorenen Zuschüssen oder günstigen Rahmenkrediten aus dem „Corona Recovery Fund“ fließen… und die eines gemein haben: Am Ende steht vor allem der deutsche Steuerzahler für den Löwenanteil der Ausfallrisiken ein.

Die „Schäden“, die Italien und auch Spanien wie zuvor jahrzehntelang Griechenland jetzt geltend machen, sind nicht die Folge von Corona, sondern einer schon vor Jahren evident gewordenen Reformverweigerung, von strukturellen Haushaltsdefiziten, eines ausufernden öffentlichem Sektors und von Korruption – und vor allem: von durchgehender Fremdfinanzierung bei gigantischer Staatsverschuldung. All dies war hausgemacht;

Corona hat das Kartenhaus nur endgültig zusammenstürzen zu lassen. Warum wohl ist Deutschland so viel besser durch die Krise gekommen als eben Italien und Spanien, die nun die Opferkarte ausspielen, um im Namen der Corona-Folgenbehebung das zu bekommen, was ihnen bisher verwehrt blieb? Und plötzlich erscheinen rückblickend die dramatischen Infektions- und Opferzahlen ausgerechnet in diesen beiden Ländern in einem ganz anderen, einem fragwürdigen Licht. Gewiss wütete das Virus regional sehr heftig – in Norditalien, in den spanischen Metropolen.

Doch die Frage bleibt: Wurde hier eine Katastrophe womöglich taktisch übertrieben oder zumindest professionell ausgenutzt, um eine möglichst zügige, an keine allzu harschen Bedingungen geknüpfte Nothilfe zu erhalten – die nun tatsächlich kommt und sogar die Dimensionen sprengt, welche sich spanische und italienische Haushaltspolitiker noch vor wenigen Monaten nie hätten träumen lassen? Deutsche Journalisten haben es in ihrer notorischen Regierungsergebenheit leider versäumt, diesen Auffälligkeiten auf den Grund zu gehen.

Die Frage stellt sich in der Tat, ob die verdächtige, inzwischen völlig unverhältnismäßige Dauerbeschwörung der „Corona-Gefahr“ nicht den äußeren Rahmen bildet, um fundamentale Vermögensverschiebungen und Geldtransfers innerhalb Europas durchzuwinken. Doch nicht für unsere Medien.Geradezu berauscht zeigten diese sich stattdessen vom Irrsinns-Deal und zollten Angela Merkel Anerkennung – obwohl diese in Brüssel den ultimativen Nachweis erbracht hat, dass sie und ihre „Mitstreiter“, in deren Hände Schicksal und Zukunft Deutschlands gelegt sind, tatsächlich keine Volksvertreter, sondern Volksverräter sind – jenseits aller Pegida-Platitüden. Einen anderen Begriff gibt es dafür nicht. Denn was uns da Anfang der Woche unter dem sperrigen Titel der “Aufbau- und Resilienzfazilität” als angeblich nutzbringendes Verhandlungsergebnis verkauft wurde, ist nicht weniger als die endgültigen Preisgabe deutscher Interessen und Zukunftssicherung.

Die von Merkeldeutschland zum Auftakt der EU-Ratspräsidentschaft verschenkten Summen im Volumen von 133.000.000.000 Euro (entsprechend einem guten Drittel des gesamten Bundeshaushaltes von 2020, der 362.000.000.000 Euro beträgt) lassen die volkswirtschaftlichen Dauersünder der EU frohlocken – während die Groko dem eigenen Volk Betonklötze auf Jahre hinaus ans Bein bindet und es frech auffordert, gefälligst schneller zu schwimmen.

Exakt das, was die Gründerväter der Gemeinschaft immer verhindern wollten, ist nun bittere Realität: Sozialistische Umverteilung und Belohnung der Verschwender bei gleichzeitiger Bestrafung der Disziplinierten. Deutschland darf als größter Nettozahler nicht nur für das bis 2027 budgetierte, aufgeblähte EU-Haushaltsvolumen von über 1,06 Billionen Euro maßgeblich mit geradestehen, sondern mit dem 750-Milliarden-Aufbaufonds, der am Kapitalmarkt auf Pump finanziert wird, neben seiner eigenen astronomischen Corona-Neuverschuldung für 11-stellige Gemeinschaftsschulden bürgen.

So etwas will an der Heimatfront beredt erklärt, besser: passend „geframed“ sein. Und so versuchen Politik und vor allem Medien hierzulande (wobei sich bei letzteren mittlerweile nicht mehr mit Bestimmtheit sagen lässt, ob die verantwortlichen Journalisten schlicht zu beschränkt sind die Hintergründe zu begreifen, oder ob sie sich freiwillig und wider besseres Wissen an der Regierungs- und EU-Propaganda beteiligen) der unbedarften Masse deutscher Schlafschafe das Märchen zu verklickern, hier sei in einem 90stündigen „Rekord-Marathon“ hart für deutsche Interessen „gekämpft“ worden – ganz so, als sei es eine physische Heldentat, Deutschlands Ruin unter Dach und Fach zu bringen.

Statt in Leitartikeln und TV-Kommentaren die Folgen des EU-Deals kritisch zu hinterfragen, wurde Merkels nächtliche Verhandlungs-Stamina bewundert oder auf die infantilen Spaßbezeichnungen für die einzelnen EU-Interessengruppen abgestellt (“Club Med”, “Sparsame Fünf” und dergleichen. Und gänzlich unkritisch wurde der Zweckoptimismus der politischen Créme nachgebetet; etwa Peter Altmaiers Suada, die Einigung von Brüssel sei „eine gute Nachricht für Millionen von Menschen in Deutschland und darüber hinaus in ganz Europa”. Richtig wäre eher: Sie ist eine schlechte Nachricht für alle Deutschen – und ein Lotteriegewinn für den maroden Süden des Kontinents.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jubelte: “Zum Glück konnte sich Europa einigen. Das neue Finanzpaket ist die entschlossene Antwort auf Corona. Ausdrücklicher Dank an die Bundeskanzlerin für ihren großen Einsatz und Geduld.” Sein CSU-Generalsekretär Markus Blume trompetete im Gleichtakt: “Die europäische Idee lebt! Große Herausforderungen brauchen große Antworten – die EU hat sie heute Nacht gegeben!” Das war das Niveau, auf dem dieser schwarze Tag für Deutschlands Zukunft politisch verklärt wurde.

Tatsächlich sind hier nur die Deutschen die Dummen – und zwar nicht nur die heute hier Lebenden, sondern selbst noch gar nicht geborene Generationen, die hier pränatal enteignet werden und überschuldet zur Welt kommen. Denn als erste Konsequenz dieser “großen Antworten” steht schon jetzt fest, wohin die Reise geht: In Richtung massiver Steuererhöhungen, Vermögensabgaben und letztlich sogar Zwangsenteignungen – denn anders wird sich diese Schuldenlast nie stemmen lassen. Nie zuvor mussten Steuerzahler derartige Summen aufbringen, die nicht dem eigenen Land zugute kommen, sondern ins Ausland fließen.

Erstmals stehen nun auch bislang undenkbare faktische EU-Steuern im Raum: Etwa eine Plastiksteuer über 80 Cent pro Kilogramm Plastik ab kommenden Januar – von der nur ein Viertel in Deutschland verbleibt, während der Rest an die EU-Kommission fließt; oder eine Digitalsteuer auf Online-Geschäfte, mit der IT Konzerne wie Google, Amazon oder Facebook fortan im Land des jeweiligen Kunden zur Kasse gebeten werden (um ihnen so ein Ausweichen in Niedrigsteuer-Länder zu vergällen) – die Erlöse hieraus sollen ebenfalls zweckgebunden zum Abstottern des EU-Corona-Fonds nach Brüssel fließen.

Und noch weitere kreative Grausamkeiten werden den Deutschen zusetzen: Die vorgesehene, massive Ausweitung des Handels mit CO2-Zertifikaten wird ebenfalls nicht etwa der deutschen Industrie zugutekommen, sondern der Kommission. Und das Sahnehäubchen: Schon jetzt steht fest, als weiteres Resultat der finanziellen Selbstentleibung Deutschlands am Brüsseler Verhandlungstisch, dass wir fortan schlappe 10 Milliarden Euro pro Jahr mehr als bislang in den EU-Haushalt einzahlen dürfen. Was sind schon ei paar Milliarden, wo die “Schwarze Null” auf Äonen hinaus Geschichte bleiben wird?

Ihr Glück kaum fassen können die Hauptprofiteure dieser fatalen Übereinkunft, Italien und Spanien: Sie streichen nun den doppelten Lohn dafür ein, dass künftig erst noch sauer zu erwirtschaftende deutsche Milliarden dort hingepumpt werden, wo der Staat – schon fast kulturell-traditionell – als Beute angesehen wird, der munter ausgeplündert wird, dem Steuern vorenthalten und der getrost in die Pleite getrieben werden kann – während die dortigen Bürger vor allem an sich selbst denken und eine gigantische Schattenwirtschaft am Laufen halten: Nicht von ungefähr liegt das durchschnittliche Vermögen pro Haushalt in Italien heute um das Dreifache höher als in Deutschland, auch in Eigenheimquote und Bar-Rücklagen sind uns die Mittelmeer-Anrainer pro Kopf deutlich voraus.

Italien ist pleite, die Italiener sind es nicht. Bei Deutschland ist es eher umgekehrt: Hier, wo es ohne großes Gemotze üblich ist, die Hälfte bis zwei Drittel des Einkommens brav an Fiskus, öffentliche Kassen und Sozialversicherungen abzudrücken, sind die Bürger arm und der Staat fett. Solange die abgepressten Steuern und Abgaben noch ans eigene Volk zurückflossen, wird dieser bedenklich nah am Sozialismus entlangschrammende Umverteilungsgrad noch toleriert; wenn nun aber die den Deutschen aus der Tasche gezogenen Unsummen über den “Umweg Brüssel” direkt nach Südeuropa gelenkt werden, dann ist dies eine Form von moderner Schuldknechtschaft und Ausplünderung der deutschen Volkswirtschaft.

Praktisch alles, was vor der Coronakrise stets verpönt war – Kollektivierung von Schulden, eine Art EU-“Länderfinanzausgleich” mit Deutschland als Zahlesel -, das wird nun durch direkte Transferzahlungen erreicht – soweit es nicht schon durch Target-2 oder die Nullzins-politik der EZB (die die deutschen Kapitalanlagen und Sparguthaben bereits aufgefressen hat) Wirklichkeit wurde.

Wie schnell Deutschland dem Ausverkauf und seiner Enteignung bereitwillig beipflichtete, wie schamlos Merkel einknickte: All das lässt unweigerlich den Verdacht keimen, dass diese Pandemie mehr als gerufen kam. Denn Corona selbst und seine Folgenbeseitigung, jene “Recovery”, sind dabei in Wahrheit absolute Nebensache: Denn ginge es wirklich um die Bekämpfung der Corona-Folgen, dann müsste Deutschland als innerhalb der EU von der Krise als drittstärkstes betroffenes Land besonders von diesem Geld-Topf profitieren – statt ihn aufzufüllen. So jedoch fließen die Gelder hauptsächlich in finanziell angeschlagenen Staaten, wo sie – so wie schon die bisherigen Finanzspritzen ohne Corona – ohne wirtschaftliche Effekte im Staatsbudget versickern werden – und eben nicht für Strukturreformen genutzt werden.

Was jetzt beschlossen wurde, ist für Deutschland noch schlimmer als die Schuldenunion, schlimmer als die noch im Frühjahr als “Corona-Bonds” diskutierten Zuwendungen – und vermutlich sogar schlimmer als der Versailler Vertrag (der vor 100 Jahren bekanntlich nachhaltiges Unglück über Deutschland brachte, indem er zu einer der Ursachen für Hitlerdiktatur, zweitem Weltkrieg und totalem Zusammenbruch wurde). Denn wie bei Versailles werden auch heute wieder Obligationen auf Jahrzehnte festgeschrieben – von denen überhaupt nicht klar ist, ob Deutschland sie jemals wird erfüllen können; diesmal nicht auf 75 Jahre Dauer, sondern auf “nur” 38 Jahre sind die Rückzahlungsverpflichtungen des Aufbaufonds ausgelegt. In einen neuen Krieg wird dies vorerst nicht münden – jedenfalls nicht, solange Deutschland noch Substanz hat, von der es zehren kann. Doch ist diese Substanz aufgebraucht, dann droht auch der zweiten deutschen Demokratie eine Destabilisierung wie Weimar, ganz unabhängig von den bereits in Stellung gebrachten Zeitbomben Migration und Demographie.

Der Hauptunterschied zu 1919 ist allerdings der, dass die Deutschen diesmal ihre eigene Ausblutung – durch Vermögensabfluss und erst noch zu erwirtschaftender Steuern – nicht nur freiwillig absegnen, im Gegensatz zum damaligen Zwangsdiktat. „Novemberverbrecher“ nannte die rechtsnationale Propaganda damals die deutschen Delegierten, obwohl diese in Versailles zur Unterzeichnung des Vertrags gezwungen worden waren. Als „Juliverbrecherin“ bezeichnet Merkel, bislang jedenfalls, noch niemand – obwohl niemand außer ihr selbst es diesmal war, der Deutschlands Ausverkauf besiegelte, dabei aktiv offene Türen einrannte und zu fast nichts genötigt werden musste.

Ein besonderes Ärgernis ist nicht nur die Beschaffung, sondern die Verteilung der gigantischen Hilfsbeträge: Darüber nämlich entscheidet fortan die EU-Kommission unter ihrer – durch die Bundeswehr-Berateraffären für ihre Treusorglichkeit beim Ausgaben ihr anvertrauter öffentlicher Mittel ja bereits bestens qualifizierten – Präsidentin Ursula von der Leyen. Diese hat sich bestimmte Kriterien ausbedungen, von deren Einhaltung der Geldfluss abhängig gemacht werden soll und durch welche sich die begünstigten Empfängerstaaten zunächst qualifizieren müssen. Dabei handelt es sich jedoch gerade nicht um wirtschaftliche oder Strukturreformen, etwa höhere Haushaltsdisziplin, Antikorruptionsmaßnahmen und Austeritätsprinzip (was bei den drei Griechenland-Hilfspaketen 2010-2015 noch zur Auflage gemacht worden war).

Stattdessen ist es diesmal die ideologische Compliance der Profiteure des “Aufbaupakets”, die zum Alleinmaßstab gemacht werden: Klimaschutz, absehbar auch Migration sowie Bereitschaft zur Flüchtlingsaufnahme; vor allem aber die Einhaltung “rechtsstaatlicher Grundsätze” – Letzteres eine klare Breitseite gegen die Visegrad-Staaten, vor allem Polen sowie Ungarn. Deren Widerstand gegen den faktischen Bevölkerungsaustausch, gegen Ausbreitung des Islams, gegen schleichenden europäischen Werte- und Identitätsverlust wird von den linksregierten EU-Leadern, allen voran Deutschland und Frankreich, seit Jahren gezielt als Begleiterscheinung eines angeblichen Renationalisierungs- und völkisch-rechts-extremen Autoritätskurses diskreditiert.

Wer also künftig nicht eifrig gendert, vergrünt, afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge bei sich aufnimmt und ansiedelt, und vor allem: wer nicht supranationale NGO’s im eigenen Land mitreden lässt, der soll aus Brüssel weniger bis gar nichts kassieren. Zwar scheiterten Merkel und von der Leyen mit ihrem Plan, bereits ein echtes Zahlungsveto zu installieren (an seine Stelle soll zunächst eine “Anzeigepflicht” zur Einleitung möglicher Sanktionen treten). Doch der Kurs ist klar: Die EU setzt auf das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche, “Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing”, um ihre globale Agenda durchzusetzen – mit deutschen Steuergeldern als Erpressungsmasse.

Für Deutschland selbst bringt der in Brüssel beschlossene Wahnsinn weitaus mehr Nachteile als Vorteile, woran auch volksverblödende Rechenbeispiele nichts ändern können – wie etwa der „Tagesspiegel“, der die Kanzlerin mit der Schlagzeile lobpries: “Merkel handelt für Deutschland 1,3 Milliarden zusätzlich heraus!” Dies wäre so, wie wenn jemand für eine Bratwurst 100 Euro bezahlt und dann damit prahlt, er habe einen Euro Rabatt rausgeholt. Natürlich bekommt auch Deutschland „Geld zurück” – so wie schon immer Mittel des EU-Haushaltes auch an die Geberländer zurückflossen; doch es bleibt ein riesiges Netto-Defizit zugunsten der Gemeinschaft – und das ist der Nettoüberhang, den Deutschland für diese neue Perversion des Solidaritätsbegriffs entrichten darf. Dies freilich natürlich nur, solange es dazu noch ökonomisch in der Lage ist – und nicht auch hier Massenarmut und Massenarbeitslosigkeit um sich greifen. Dann gibt es nämlich niemanden, der uns helfen kann und will.

Es ist deshalb eine Schande, was in Brüssel zulasten der Deutschen von ihren eigenen Führern beschlossen wurde. Dass ausgerechnet Bundesfinanzminister Olaf Scholz seinem Steuerzahlervolk Sand in die Augen streut und diese wohl verantwortungsloseste historische Veruntreuungsaktion eines Staates auch noch als „Gemeinschaftserlebnis“ feiert, ist kaum mehr rational zu fassen. “Wer zusammen Kredite aufnimmt und sie zusammen zurückzahlt, der erreicht eine neue Dimension der Gemeinsamkeit”, so Scholz wörtlich: “Das verändert die politische Statik auf eine dramatische Weise.” Dramatisch – in der Tat. Denn die Kredite werden eben nicht “zusammen zurückgezahlt”, sondern im Zweifel von Deutschland. Die Umwuchten, die sich aus dieser Zukunftslast ergeben, werden irgendwann den innereuropäischen Zusammenhalt zerbrechen lassen. Den Deutschen wird ein Licht aufgehen, wenn sie selbst pleite sind.

Wer glaubt, Deutschland erkaufe sich mit dieser Schuldverschreibung eine anhaltende Epoche des innereuropäischen Friedens, ist auf dem Holzweg: Ganz im Gegenteil wird so eine Spaltung der Gemeinschaft zementiert, die sie irgendwann zerbrechen lassen wird – und die sich irgendwann auch wieder in militärischen Spannungen entladen können. Dann hätte der Brüsseler Moloch, zu dem die einst große europäische Idee degeneriert ist, exakt das vollbracht, was die Architekten der Nachkriegsordnung eigentlich verhindern wollten. (DM)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2020

Hallo Meinung: Der Feind, den auch Elitesoldaten nicht besiegen können

Die Verteidigungsministerin greift durch. Rechte Umtriebe im KSK werden abgestellt. Und zwar gründlich. Bei der Entlassung, mindestens Versetzung, von Soldaten bleibt sie nicht stehen. Nein, es wird gleich eine der sechs Einsatzkompanien aufgelöst, und es wird die Auflösung des gesamten Kommandos für den Fall angedroht, daß sich die Verhältnisse dort nicht bis Oktober dieses Jahres grundlegend ändern. Und die Truppe wird aus allen Einsätzen zurückgezogen.

Gastbeitrag: Rainer Thesen.

Was muß geschehen sein, daß eine solche Reaktion der obersten Befehlshaberin erfolgt? Hat die Truppe geputscht? Drohte gar die Machtübernahme rechter Revolutionäre? Hitler ante portas?

Eine Bestandsaufnahme.
Mitte Mai dieses Jahres wurde das Hausgrundstück eines offenbar schon längere Zeit vom MAD (Militärischer Abschirmdienst – das ist gewissermaßen der bundeswehreigene Verfassungsschutz) beobachteten Oberstabsfeldwebels in Sachsen von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht. Neben nationalsozialistischen Devotionalien fanden die Ermittler erhebliche Mengen an Munition und Sprengmitteln sowie militärische Waffen.

Zweifellos ein schwerwiegender Fall. Hier ist von Straftaten einer Qualität auszugehen, die mit einer langjährigen Freiheitsstrafe gesühnt werden dürften. Und es wird zu ermitteln sein, ob und in welchem Umfang es Mittäter gibt. Daß dieser Soldat, sollte sich der dringende Tatverdacht vor Gericht bestätigen, keine Minute länger noch Angehöriger der Bundeswehr bleiben kann, steht außer Frage.

Gegen eine Reihe von Soldaten des KSK laufen gerichtliche Disziplinarverfahren. Was ihnen vorgeworfen wird, unterliegt zunächst einmal der Vertraulichkeit des Verfahrens. Spekulationen sollte man nicht anstellen, will man sich nicht dem Vorwurf aussetzen, unseriösen Sensationsjournalismus oder politischen Haltungsjournalismus zu betreiben. Das will ich gerne den Mainstream-Medien wie Bild oder der Arroganzpostille von der Hamburger Relotiusspitze überlassen.

Es gibt aber auch offensichtlich ein gerichtliches Disziplinarverfahren gegen einen Offizier des KSK, das bereits durch ein Urteil des Truppendienstgerichts in I. Instanz abgeschlossen worden ist. Der Offizier war mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert worden, und der Dienstherr hatte ihm verboten, die Uniform in der Öffentlichkeit zu tragen. Seine disziplinarischen Verfehlungen sollen wohl von der Art gewesen sein, die hier in Rede steht – „rechte“ Umtriebe eben.
Das Truppendienstgericht indessen fand das Vorgehen des Dienstherrn rechtswidrig und hob die Disziplinarmaßnahme auf. Ob die Bundeswehr dagegen das zulässige Rechtsmittel eingelegt hat, ist mir nicht bekannt. Zuständig für die Entscheidung wäre das Bundesverwaltungsgericht.

In den Medien ist von Saufgelagen mit merkwürdigen Ritualen wie das Werfen von Schweineköpfen, Absingen „rechter“ Lieder, Hitlergruß und Nazi-Devotionalien die Rede, man raunt sogar von Verschwörungen und finsteren Plänen gegen Politiker bis hin zu deren Liquidierung. Belegt ist davon nichts, jedenfalls nicht so, daß man damit in einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren oder einem Prozeß vor dem Truppendienstgericht etwas anfangen könnte. Und dann gibt es da noch den sogenannten Brandbrief eines Hauptmanns an die Verteidigungsministerin, in dem er sich über rechtsextreme Umtriebe im KSK beklagt, und der wohl mitursächlich für den hektischen Aktionismus ist, der nun im Hause Kramp-Karrenbauer ausgebrochen ist. Nun sollte man wissen, daß es sich bei diesem Offizier nicht um einen Soldaten des KSK handelt, sondern um den Teilnehmer an einem Auswahlverfahren des KSK, der es nicht bestanden hat. Das ist natürlich keine Schande, denn an diesem Auswahlverfahren scheitern die meisten Bewerber, weil die Anforderungen in der Tat extrem hoch sind. Die Kommandosoldaten sollen ja im Einsatz auch extreme Leistungen bringen. Nur fragt man sich doch, wie glaubhaft die Schilderungen eines bloßen Lehrgangsteilnehmers über die Verhältnisse in der Truppe sein können, und wie glaubwürdig ein Soldat ist, dem man soeben bescheinigt hat, den Anforderungen des Dienstes in diesem Eliteverband nicht gewachsen zu sein? Und wie glaubwürdig ist ein Offizier, der in Kenntnis des Beschwerderechts an der Truppenhierarchie vorbei die Ministerin anschreibt, statt sich an den nächsten Disziplinarvorgesetzten zu wenden?

Jeder Staatsanwalt, der in einem solchen Falle nach Bejahung eines Anfangsverdachts, wenn es den denn hier überhaupt gäbe, die Ermittlungen aufnimmt, würde erst einmal umfangreich Zeugen vernehmen, Vorgesetzte befragen und vor allem die Ermittlungen absolut verschwiegen führen. Hier ist das jedoch anders. Der Satz: „Rechte Vorkommnisse in der Bundeswehr“ löst zuverlässig ein gewaltiges Medienecho aus, der Vorwurf rechtsextremer Tendenzen in einem Eliteverband schlägt in der Politik ein wie eine Bombe. Verteidigungsvorbringen der betroffenen Soldaten wird uns weder vom Ministerium noch von seinen Lautsprechern in den Medien mitgeteilt. Braucht man auch nicht. Es geht ja um den „Kampf gegen Rechts“. Da brechen alle rechtsstaatlichen Dämme.

Ein Wort zu den Pflichten eines Vorgesetzten
Das Soldatengesetz ist gewissermaßen die innere Verfassung der Bundeswehr. Es regelt eben die Rechte und Pflichten der Soldaten sowohl untereinander als auch gegenüber dem Dienstherrn. Die Pflichten des Vorgesetzten werden in § 10 geregelt. In ihrem ersten Absatz verlangt die Vorschrift, daß der Vorgesetzte in seiner Haltung und Pflichterfüllung ein Beispiel geben soll. Abs. 3 lautet schlicht: er hat für seine Untergebenen zu sorgen. Man spricht auch von der Fürsorgepflicht des Dienstherrn und des Vorgesetzten. Aus dieser Fürsorgepflicht haben die Gerichte unter anderen abgeleitet, daß der Vorgesetzte Untergebene nicht der Gefahr disziplinarischer oder strafrechtlicher Maßregelung aussetzen darf. Er hat vielmehr den Untergebenen vor der Begehung von Dienstpflichtverletzungen zu bewahren. Das gilt zum Beispiel auch im Falle der Mitgliedschaft des Soldaten in einer rechtsextremistischen Vereinigung.

Im vorliegenden Fall hat man nichts davon gehört, daß Disziplinarvorgesetzte (Kompaniechefs, Kommandeur KSK bzw. Kommandeur Division Schnelle Kräfte) dieser Fürsorgepflicht in der Weise nachgekommen wären, daß sie in verstärktem Maße einzelne Soldaten oder auch Teileinheiten belehrt, ermahnt oder auch schlichtweg auf dem Gebiete der Staatsbürgerkunde besser ausgebildet hätten. Veranlassung dazu hätte ja bestanden, wenn immer wieder derartige Vorfälle in der Öffentlichkeit bekannt werden, zumindest darüber geredet wird. Erst wenn all das keine Änderung zum besseren bringt, haben die Disziplinarvorgesetzten die Mittel der Wehrdisziplinarordnung anzuwenden, die nun einmal vom bloßen Verweis bis zur Entfernung aus dem Dienst reichen.

Im vorliegenden Falle jedoch ist es offenbar so, daß einzelne, vorbehaltlich gerichtlicher Prüfung vermutlich gravierende Fälle die Verteidigungsministerin dazu bewogen haben, den sprichwörtlich ganz großen Hammer zu schwingen und den Truppenteil kollektiv zu bestrafen. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Strafe im juristischen Sinn. Aber es handelt sich um eine Maßnahme, die weit schwerer wiegt. Es wird ein Generalverdacht gegen sämtliche Soldaten des Kommandos Spezialkräfte nicht nur formuliert, sondern auf dieser Basis eine Maßnahme getroffen, die einem öffentlichen Pranger nahe kommt.

Die Auflösung einer Kompanie und Androhung der Auflösung des kompletten Verbandes KSK ist eine Maßnahme, die selbstverständlich weder in der Wehrdisziplinarordnung noch im Wehrstrafgesetz vorgesehen ist. Möglicherweise wird sie genau deswegen ergriffen, denn Rechtsmittel dagegen gibt es nicht. Wie sowohl der Fall des vor dem Truppendienstgericht erfolgreichen Oberstleutnants als auch eine Reihe von Fällen in der Vergangenheit zeigen, die noch unter der Ägide der Vorgängerin von Frau Kramp-Karrenbauer spielten, bringt die gerichtliche Nachprüfung der von der Verteidigungsministerin skandalisierten Vorgänge nicht selten zu Tage, daß an den Vorwürfen nichts dran ist.

Ja, Frau von der Leyen mußte sich ja von einem schwäbischen Staatsanwalt darüber belehren lassen, daß hier voreilig völlig substanzlose Vorwürfe gegen Soldaten erhoben worden seien. Unter anderem hat sich ja der mit großem Aufwand des Ministeriums in den Medien inszenierte Skandal um einen Oberleutnant, der in der Tat kriminelle Handlungen begangen hat, zum Beispiel sich unter Vorspiegelung einer falschen Identität Sozialhilfe erschlichen hat, mehr als Groteske denn als die herbeifantasierte Terrorgefahr erwiesen.

Frau Kramp-Karrenbauer erweist sich hier in der Tat als würdige Nachfolgerin der unsäglichen Ursula von der Leyen. Unsäglich deswegen, weil sie in ihrem Furor der Teufelsaustreibung die gesamte Bundeswehr unter den Generalverdacht nationalsozialistischer Tendenzen gestellt und dann in einer beispiellosen Aktion Truppenunterkünfte nach Wehrmachtsdevotionalien und sonstigen verdächtigen Dingen hat durchsuchen lassen, dabei auch nicht davor zurückgeschreckt ist, Spinde von Soldaten in deren Abwesenheit durchsuchen zu lassen, wobei auch schon mal ein Vorhängeschloss geknackt werden mußte. Für das Klima in der Truppe, für das natürlich die Ministerin verantwortlich ist, ist bezeichnend, daß es in keinem Falle ein Soldat gewagt hat, Strafanzeige gegen unmittelbare Vorgesetzte oder gar gegen die verantwortliche Ministerin zu erstatten.

Wie schwer müssen die Verfehlungen einer Truppe sein, daß man sie nur noch auflösen kann? 
Die Verteidigungsministerin und mit ihr offenbar auch die Kanzlerin und die führenden Repräsentanten unseres Landes, sekundiert von einer Presse, der jegliche Kritik an Regierung und Parlamentsmehrheit fern liegt, ja, die man eigentlich mit Fug und Recht als Abteilung Agitation und Propaganda der Politik bezeichnen kann, sie alle halten die Kollektivstrafe der Auflösung einer Kompanie und nachfolgend des gesamten KSK für die angemessene Reaktion auf, ja was denn? Dazu wollen wir uns ein paar Gedanken machen.

Die offensichtlich auch inmitten liegenden Straftaten einzelner Soldaten müssen hier nicht betrachtet werden. Sie sind und bleiben Straftaten einzelner Soldaten. Dem Verband wird recht unspezifiziert vorgeworfen, „rechte“ Tendenzen bei seinen Soldaten zu dulden, etwa in Form des Absingens „rechter“ Lieder oder Glorifizierung der Wehrmacht. Es ist leicht erkennbar, daß hier schwer greifbare Sachverhalte benannt werden, und noch leichter erkennbar, daß all das weit entfernt von strafbaren Handlungen ist, und auch häufig nicht einmal Dienstvergehen im Sinne des Soldatengesetzes vorliegen. Bei dieser Gelegenheit muß daran erinnert werden, daß auch für die Soldaten unserer Bundeswehr Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetzes gilt. Danach hat jeder das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild zu äußern und zu verbreiten. Das findet seine Schranken nur in den allgemeinen Gesetzen, vor allem im Strafgesetzbuch. In besonderem Maße gilt dies natürlich für die politische Meinungsbildung und sogar die politische Betätigung.

An das Vorliegen eines Dienstvergehens sind dabei sehr hohe Anforderungen zu stellen. Das mußte seinerzeit Rudolf Scharping als Verteidigungsminister offenbar schmerzhaft erfahren. Das Bundesverwaltungsgericht hatte wie schon die Vorinstanz festgestellt, daß ein Major und ein Hauptfeldwebel sich keiner Dienstpflichtverletzung schuldig gemacht hatten, indem sie für die Partei „die Republikaner“ als Funktionäre tätig waren und sogar für Parlamente kandidiert hatten. Denn ungeachtet der damals strittigen Einstufung als verfassungsfeindlich oder nicht mußte man diesen beiden Soldaten zu Gute halten, daß sie sich nach ihrem Vorbringen jeweils für eine gemäßigte Politik ihrer Partei eingesetzt hatten. Der Minister soll nach Lektüre des Urteils einen Wutanfall bekommen haben. Frau Kramp- Karrenbauer wird das wohl erspart bleiben, denn ihre Maßnahmen sind leider nicht gerichtlich nachprüfbar.

Erkennbar ist allerdings, daß das Ministerium die Disziplinarvorgesetzten dazu anhält, alles als Dienstvergehen einzustufen, was vom politischen Mainstream abweicht, allerdings nur nach rechts. Selbst harmlose Dinge wie etwa, daß ein Soldat auf seiner Facebook Seite einen Beitrag „liked“, den die Bundeswehr, natürlich auf Anweisung der politischen Leitung, als „rechts“ einstuft, führen zur disziplinarischen Bestrafung, und zwar im oberen Rahmen. Natürlich kann so etwas vor Gericht keinen Bestand haben.

So hat erst jüngst der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden, daß der Verfassungsschutz einen Kommunalpolitiker nicht deswegen als Rechtsextremisten einstufen und beobachten darf, weil er Facebookbeiträge Dritter, die für sich genommen wohl durchaus als rechtsextremistisch eingestuft werden müssen, „geliked“ hat. Denn wer erklärt, ein Beitrag gefalle ihm, muß deswegen noch nicht die gleichen Bestrebungen verfolgen, wie der Autor. Und es dürfte wohl kaum vor Gericht Bestand haben, einen Soldaten dafür zu bestrafen, daß er anlässlich eines feuchtfröhlichen Kompanieabends Schweineköpfe wirft oder Wehrmachtslieder singt. Wir halten also fest, daß ein Großteil dessen, was nun von der Ministerin unter dem Beifall der Medien als rechtsextreme Umtriebe skandalisiert wird, bei Lichte besehen allenfalls als geschmacklos oder ungehörig eingestuft werden kann. Jedenfalls von Rechts wegen. Das scheint allerdings eine Kategorie zu sein, der sich Politiker nur mit verzogenen Gesichtszügen nähern. Wie gesagt, ist die Auflösung eines Truppenteils als Reaktion auf Fehlverhalten eine ganz außerordentliche, vor allem ganz außerordentlich seltene Maßnahme.

In der Geschichte finden wir diese Kollektivstrafe etwa im alten Rom. So hat Kaiser Vespasian vier Legionen aufgelöst, weil sie in der Schlacht ihre Feldzeichen verloren hatten. Das galt als größte Schande, die über einen Truppenteil kommen konnte. Friedrich der Große hatte dem Regiment Bernburg die Säbel und die Tressen an den Uniformen nehmen lassen und ihm verboten, den Grenadiermarsch zu spielen, weil das Regiment 1760 bei Dresden versagt hatte, als die dort belagerten Österreicher einen Ausfall machten. Er hat also das Regiment nicht aufgelöst, sondern bei seiner Ehre gepackt. Die Wirkung war auch entsprechend. In der nachfolgenden Schlacht bei Liegnitz schlug sich das Regiment derart tapfer, daß der König es in alle seine alten Rechte wieder einsetzte. Charles de Gaulle löste das 1. Fallschirmjägerregiment der Fremdenlegion auf, als es sich während des Putsches von Teilen der französischen Armee im Algerienkrieg 1961, wobei unter anderem ein Attentat auf den Staatspräsidenten inmitten lag, auf die Seite der putschenden Generäle gestellt hatte.

Wir haben also hier in allen historischen Fällen Sachverhalte, die nicht entfernt einen Vergleich mit dem aushalten, was hier beim Kommando Spezialkräfte wirklich oder auch nur vermeintlich vorgekommen ist. Nun zeigt aber auch ein Vergleich der handelnden Personen, nehmen wir etwa Friedrich den Großen und Charles de Gaulle, mit der Kanzlerin und der Verteidigungsministerin, den Unterschied zwischen Staatsmännern historischer Größe und Politikerinnen vom Format einer Sachbearbeiterin in der Führerscheinbehörde. Und sie fallen auch im Vergleich mit Vorgängern durch den Rost, die ihr Amt noch ernst genommen und vor allem vom Wesen des Soldaten etwas verstanden haben, wie etwa Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt, Georg Leber und Manfred Wörner.

Worum es wirklich geht
Die Vorgänge um das KSK sind nur eine weitere Arabeske des allgegenwärtigen „Kampfs gegen Rechts“. Auch hier wird bewußt unscharf formuliert, wenn mal von rechts, mal von rechtsextrem die Rede ist. Das Ziel ist es ja, alles als verfassungsfeindlich, damit unvertretbar und außerhalb der Gemeinschaft der Demokraten angesiedelt zu verteufeln, was rechts vom politischen Mainstream existiert. Eine demokratische Rechte darf es nicht geben, denn diese könnte die de facto Mehrheit des grünlinken Milieus gefährden. Dazu gehört auch die ehemals konservative Union, die heute nur noch den linksgrünen Meinungsführern blöde hinterher dackelt. So lange jedenfalls, bis sie sich selbst in deren Augen überflüssig gemacht hat. Die Medien spielen dabei in der Tat die Rolle der Abteilung Agitation und Propaganda.

Dies zeigt gerade die aktuelle Groteske um das KSK sehr deutlich. Nirgends wird auch nur ein Hauch von Kritik geäußert, wo doch solche Kritik geboten wäre. Schließlich ist es doch Aufgabe der Medien, die Politik, vor allem die Politik der Regierung, kritisch zu begleiten. Stattdessen übt man sich in dem, was früher einmal bildungsbürgerlich Panegyrik genannt wurde, umgangssprachlich eben in Lobhudelei. Leider muß man dies aktuell auch in Texten solcher Journalisten feststellen, die früher einmal durchaus eine scharfe Klinge gegen Frau Merkel und ihren Hofstaat geschlagen haben, wie Klaus Kelle in seinem Kommentar zur KSK-Affäre leider beweist.

Welche Art Bundeswehr will die Politik?
Hört man sich die Statements diverser Politiker zu dieser sogenannten Affäre an, so beschleicht einen doch das Gefühl, daß ein nicht geringer Teil des politischen Spektrums hier eine willkommene Gelegenheit sieht, wenn nicht schon die Bundeswehr insgesamt, so doch ihren militärischen „Spirit“ abzuschaffen. Die linksgrüne Mehrheit in Politik und Medien hält von Militär und Soldaten ohnehin wenig bis nichts. Wenn überhaupt, dann sind linke Revolutionsgarden historische Highlights. Hinzu kommt, daß in der Tat Streitkräfte wie auch die Polizei Angehörige des linksgrünen Milieus weniger anziehen, als eher konservativ geprägte junge Männer und inzwischen auch Frauen. Wer selbst als Soldat gedient hat oder vielleicht auch als Polizeibeamter seine Pflicht tut, der wird aus seiner Erfahrung bestätigen können, daß linksgrün geprägte Kameraden eher die Ausnahme sind.

Der wütende Kampf gegen jegliche soldatische Tradition ist ja auch davon getragen. Es soll eben möglichst nichts an die soldatischen Leistungen früherer Generationen erinnern, denn sie haben aus der Sicht des linksgrünen deutschen Milieus mindestens auf der falschen Seite der Geschichte gestanden, auf jeden Fall jedoch ein Soldatenbild verkörpert, das man heute rundweg ablehnt. Das zeigt sich in der aktuell laufenden Diskussion um die letzten verbliebenen Namen von früheren Soldaten an den Kasernentoren. Gerade solchen Politikern wie etwa der Dame, die Forderungen nach der Abschaffung des KSK vor laufender Kamera über ihre gepiercten Lippen bringt, könnte allenfalls eine Che Guevara Kaserne in ihr Weltbild passen.

Den militärischen Nachwuchs dafür wird sie allerdings nicht bei den Fridays for Future Demonstranten und den sanften Flüchtlingsbetreuern finden, auch wenn sie ein solches Persönlichkeitsprofil des künftigen deutschen Soldaten anstrebt. Daß man mit solchen Soldaten nicht einmal einen Hochwassereinsatz bestreiten kann, von einem Kampfeinsatz gegen Terrorkommandos des IS ganz abgesehen, spielt dabei keine Rolle. Der neue Mensch muß her, auch in den Streitkräften, solange man die überhaupt noch hat.

Empfehlung:
Meine Empfehlung an den mündigen Bürger kann daher nur lauten: Glauben Sie nichts, was aus Berlin und aus den Redaktionsstuben kommt, wenn Sie es nicht selbst überprüft haben. Fehlt Ihnen dazu die Möglichkeit, dann gehen Sie davon aus, daß hier mit großer Wahrscheinlichkeit gelogen wird. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2020

100% Transparenz bei outgesourcter Intralogistik

Der E-Commerce Markt boomt und ein Stillstand ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Die digitale Einkaufswelt wächst in rasantem Tempo weiter und immer mehr Unternehmen wenden sich dem wachsendem Geschäftsfeld B2C E-Commerce zu. Die Abwicklung der intralogistischen Prozesse im E-Commerce Business stellt hierbei ein der wesentlichen Herausforderungen dar. Zunehmend ist der Trend hin zu Outsourcing der Logistik im Online-Handel zu erkennen.

Beitrag: Redaktion.

Die Gründe, warum Online-Händler ihre Versandabwicklung an Fulfiller outsourcen sind vielfältig: begrenzte Lagerflächen, personelle Engpässe, Auslagern von bestimmten Artikeln. Auch gibt es Händler im E-Commerce, die den Fulfillment-Anbieter nur temporär einbinden wollen, um beispielsweise den Neubau einer Lagerhalle im laufenden Betrieb zu ermöglichen.

Die wesentlichen Vorteile des Outsourcings liegen auf der Hand:
• Wachstum oder die Erweiterung des Artikelsortiments sind durch Outsourcing auf der Kostenseite kalkulierbarer.
• Fokus auf Kernkompetenzen: Durch die Auslagerung der logistischen Versandabwicklung bleibt auf Management-Ebene mehr Zeit für die Gestaltung des Online-Shops, Marketingstrategien und strategische Positionierung.

Unabhängig der Gründe für die Entscheidung von Outsourcing steht der Qualitätsanspruch, den Händler an die Fulfillment-Anbieter stellen: Neben einem schnellen Versand der bestellen Ware, erwarten Händler zudem Transparenz über die outgesourcte Logistik zu haben. Fragen, wie „Wie schnell wurde der Artikel durch den Fulfiller versendet?“, „Wo steckt die Bestellung im Versandprozess?“ und „Ist die Retoure optimal verarbeitet worden?“ sollten dem Händler in Echtzeit zur Verfügung stehen.

Per Knopfdruck 100% Transparenz und Einsicht für Fulfiller und Händler.
Descartes pixi hat für diese Herausforderung eine Lösung geschaffen: pixi White Box Fulfillment. Fulfillment-Anbieter haben nun die Möglichkeit, ihren Kunden eine professionelle und starke Auftragsabwicklung zu bieten und ihnen außerdem 100% Einsicht in die Abwicklung ihrer Bestellungen zu ermöglichen – per Knopfdruck.

Das Lager outgesourct – Payment, Einkauf und Kundenservice inhouse.
Zudem können Fulfillment-Anbieter ihren Kunden mit pixi ganz nach ihren Wünschen Module wie den Einkauf, Kundenservice oder die Zahlungsabwicklung freischalten und positionieren sich mit einer einzigartigen Unique Selling Proposition (USP) am Markt gegenüber dem Wettbewerb. Die Lagerverwaltung bietet Fulfillment-Anbietern folglich eine automatisierte Abwicklung aller Versand- und Logistikprozesse für das B2C E-Commerce Business und informiert Kunden und Fulfiller proaktiv über den Status des Versandprozesses.

Online-Händler Twothirds: Hier funktioniert Fulfillment – europaweit, modern, nachhaltig.
Mit dem Slogan “We make goods for a better future” setzt der Online-Händler Twothirds ein klares Statement! Mit strengen Dos and Don’ts in der Produktion und der Verwendung rein organischer und recyclebarer Produkte, hebt sich das Unternehmen deutlich ab von den in der Modebranche gängigen Textilproduktionen.

Die stimmige Verbindung von Perfektion im Design und ökologisch nachhaltiger Herstellung findet beim Endkunden Anklang: Mit bis zu 300 Paketen pro Tag liefert das in Barcelona ansässige Unternehmen seine Produkte nach ganz Europa. Einkauf, Distribution und Produktion kommt aus einer Hand und werden vom Gründer bis ins Detail perfektioniert.

Wie sieht die technische Struktur hinter dem Erfolg aus?
Die Base in Barcelona, die Logistik in Deutschland, die Zielgruppe europaweit auf Instagram, Facebook, Amazon und dem eigenen Shop – um seinen Kunden ein bestmögliches Einkaufserlebnis zu bieten, setzt Twothirds das Shopsystem Shopify ein, mit dem sämtliche Vertriebskanäle bedient werden können.

Aus dem Shopsystem werden alle Bestellungen nahtlos an das Logistiksystem Descartes pixi weitergegeben, welches vom Fulfillment-Dienstleister VDS eingesetzt wird. Die logistischen Prozesse hat Twothirds an VDS outgesourct, um sich zu 100 Prozent um die Produktion und die Kommunikation seines Produktsortiments zu kümmern.

Trotz Outsourcing ist es für die moderne Marke Twothirds zu jeder Zeit möglich, sich einen Überblick über den aktuellen Status einer Bestellung zu verschaffen. So weiß Twothirds trotz der großen Distanz zu jeder Zeit, wo sich die Artikel oder die Bestellung befindet und kann Kunden bei Rückfragen bestmöglich betreuen.

Keine Zeit für aufwendige Kommunikation.
Händler wie Fulfillment-Anbieter arbeiten mit dem gleichen pixi System. So werden Bestellungen aus Verkaufskanälen durch pixi in Echtzeit an den Fulfillment-Anbieter weitergegeben und Artikelverfügbarkeiten im Lager des Fulfillers mit den Beständen in den Vertriebskanälen der Händler automatisiert abgeglichen. Auch sklz.de mit Kunden wie Werder Bremen, profitiert von den Benefits der White-Box-Fulfillment Lösung.

„Wir haben uns 2015 für pixi Fulfillment entschieden, einfach, weil wir Ahnung vom Verkaufen und von Marketing haben, aber die Logistikprozesse unseres E-Commerce Business mussten von allein laufen – ohne dass wir die Transparenz über die Versandabwicklung verlieren“, erzählt Gründer Marcus Voß von sklz.de

Online-Händler wissen somit zu jeder Zeit über die Bestellabwicklung, Lagerbestände, Versandzeiten und vielem mehr bescheid – und das alles ohne zeitaufwendige Abstimmungstermine mit dem Fulfillment-Anbieter.

„Wer als Händler auf Fulfillment setzt, sollte die Transparenz auf die logistischen Prozesse nicht verlieren“, erklärt Dirk Haschke, Vice President E-Commerce Operations bei Descartes pixi. „Daher bieten wir unseren Kunden mit pixi Fulfillment ein System, das ihnen trotz Outsourcing Transparenz und Überblick ermöglicht! Und wenn sich der Händler eines Tages doch für ein eigenes Lager entscheidet, kann pixi auch für dieses verwendet werden. Transparenz und Flexibilität ist bei der Logistikstrategie essenziell – ob inhouse Lager oder Fulfillment Lager“, erklärt Haschke. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 3/2019

Beschaffung in China: Shenzhen – das nächste Silicon Valley?

Shenzhen hat sich rasant zur Welthauptstadt der Elektronik entwickelt. Die Megacity besitzt nicht nur eine exzellente Infrastruktur, sondern auch einen gewaltigen Pool an Talenten. Sie eignet sich sowohl für die Fertigung eigener Produkte, als auch für die Beschaffung.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Es ist nicht besonders neu, eine aufstrebende High-Tech-Region als Silicon Valley zu bezeichnen. Das kalifornische Silicon Valley im südlichen Teil der San Francisco Bay Area fungierte als Inkubator für Unternehmen wie Apple, Intel, Google, AMD, San Disk, Adobe, Symantec, Yahoo und natürlich Facebook. Es existieren weltweit viele High-Tech-Standorte, die aus Marketing- und Identitätsgründen an das kalifornische Silicon Valley anknüpfen wollen. Dazu gehören beispielsweise das indische Bangalore, das israelische Silicon Wadi in Haifa (Tel Aviv), das brasilianische Silicon Valley in Campinas oder auch der deutsche IT-Cluster Rhein-Main-Neckar.

Warum also ist Shenzhen besonders und tatsächlich prädestiniert als neues Silicon Valley bezeichnet zu werden? Was rechtfertigt die Bezeichnung Silicon Valley? Die Bezeichnung Silicon (deutsch: Silizium) wird auf die hohe Anzahl von Industriebetrieben zurückgeführt, die im kalifornischen Silicon Valley Halbleiter und Computer herstellen. Heutzutage wird dieser Begriff generell auf die gesamte Hightech-Branche ausgeweitet. Am Anfang des Silicon Valleys steht zudem die Stanford Universität und die Idee der Ansiedlung von durch Studenten gegründeten Unternehmen auf angrenzenden ungenützten Landflächen (Stanford Industrial Park). Mittlerweile existieren neben der Stanford Universität eine Vielzahl weiterer Schulen und Zweigstellen anderer Universitäten. Laut Stephan Grabmeier, Experte für New York und Innovation bei Kienbaum, existiert ein Masterplan mit sechs Erfolgsfaktoren für das Silicon Valley: vorhandene staatliche Subventionen, großes Flächenangebot, sehr gute Infrastruktur, reichlich Venture-Kapital, Ausnahmetalente sowie ein ausgesprochener Gründergeist (eine Kultur des Gründens und Scheiterns).

Warum also Shenzhen?
Die Megacity, die an Hong Kong angrenzt, hat eine extreme Transformation hinter sich. In den 80er-Jahren war Shenzhen noch ein Fischerdorf mit 30 000 Einwohnern, als es von der chinesischen Regierung (geführt unter Deng Xiaoping) den Status der ersten Sonderwirtschaftszone Chinas erhielt und somit staatlich subventioniert und ebenso ausländischem Kapital geöffnet wurde. Sie gilt heute als eine der schnellst wachsenden Städte der Welt (momentan circa 12,5 Millionen Einwohner) mit mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China. Die Megacity besitzt nicht nur eine exzellente Infrastruktur, sondern auch einen gewaltigen Pool an Talenten. Der Hafen von Shenzhen liegt im Hafen-Ranking des World Shipping Councils mittlerweile auf Platz 3 mit rund 24 Millionen Tonnen jährlichen Umschlagsvolumen. Hong Kong liegt mit knapp 20 Millionen nur noch auf Platz 6. Shenzhen Baoan International Airport ist der viertgrößte Flughafen Festlandchinas. Zudem sind die Verbindungen von und nach Hong Kong optimal ausgebaut. Güter, die in Shenzhen hergestellt werden, können einfach und direkt über den Seehafen und den Flughafen versendet werden.

Die Qualität der Ausbildung hinkt laut dem China Education Newspaper noch um einiges dem Ausbildungsniveau der amerikanischen Talente in der San Francisco Bay Area hinterher. Allerdings wurden in den letzten Jahren einige neue Universitätsstandorte angesiedelt. Dazu gehören SUSTech, die Chinese University of Hong Kong (Shenzhen), die Shenzhen MIS-BIT University, der Sun Yat-Sen University Shenzhen Campus und das Harbin Institute of Technology (Shenzhen). In der ganzen Stadt hat sich eine lebhafte Startup-Kultur ausgebreitet.

Traumwelt für Gründer und Produktentwickler.
Das amerikanische Startup-Magazin Inc. bezeichnet Shenzhen aufgrund billiger Bauteile, günstiger Fertigung und Versendung, billigen Arbeitskräften und Crowdsourcing als Traumwelt für Gründer und Produktentwickler. Es ist sehr einfach Prototypen herstellen zu lassen und direkt danach ein Crowdfunding beispielsweise via Kickstarter ins Leben zu rufen.

Laut dem Magazin sind schon Venture.
Capital-Geber und sog. Tech-Startup-Accelerators (Technologie-Startup-Beschleuniger) aus Kalifornien in Shenzhen präsent. Dazu gehört HAXLR8R, die sich vor allem auf Robotik, Internet der Dinge und tragbare Geräte wie z. B. Fitnessarmbänder und Smartwatches spezialisieren. Der Accelerator bietet ein 111-Tage-Programm für Startups mit anschließender Vorstellung in San Francisco an. Der Hax-Partner Benjamin Joffe bezeichnet Shenzhen als „Silicon Valley für Hardware“. Nachdem das Elektronik-Startup Voltera mit seinem Leiterplatten-3D-Printer in das HAX-Programm aufgenommen wurde, zog es direkt in die chinesische Megacity, um dort die Kontrolle über den Fertigungsprozess und die Supply Chain zu übernehmen. Der Mitbegründer von Voltera bezeichnet Shenzhen als „Welthauptstadt der Elektronik“. Gemäß dem Inc. Magazin sollte man aber bei der Ansiedlung in Shenzhen noch weitere Dinge bedenken. Dazu gehört die weitgreifende Überwachung des Internets in China, Ideenklau und Produktpiraterie, aber auch eine geringe Unternehmenssteuer von 25 Prozent sowie die Vielzahl von vorhandenen Teilelieferanten und Herstellern.

Ideendiebstahl muss eingeplant werden.
Der Diebstahl des geistigen Eigentums an Produktideen ist sehr weit verbreitet und muss eingeplant werden. Ein strenges Immaterialgüterrecht und auch der Vollzug von Gesetzen wie in Amerika oder Europa existieren nicht. Diebstahl des geistigen Eigentums, Wirtschaftsspionage und Produktfälschungen werden vielmehr durch den Staat, Großunternehmen und Hersteller ausgeübt. Manchmal, wie z. B. beim Hoverboard, kopieren die Entwicklungsteams von chinesischen Herstellern neue Produkte im Internet und produzieren nahezu identische Produkte oder die chinesische Partnerfirma stellt nebenbei Produkte für den eigenen Verkauf her, die eigentlich für eine ausländische Firma hergestellt werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die eigenen Produkte schnell bei Aliexpress oder Alibaba wiederfinden ist also groß. Laut dem amerikanischen National Crime Prevention Council stammen acht Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts aus der Fälschung von Software, Konsumgütern und Industrieprodukten.

Beschaffung in Shenzhen.
Nichtsdestotrotz eignet sich die Megacity gut für die Beschaffung von Elektronik- und IT-Produkten. In Shenzhen werden 90 Prozent der weltweit erzeugten Elektronikprodukte hergestellt. Möchte man also Elektronikartikel beschaffen, kommt man kaum um Shenzhen herum. Allerdings sind viele Hersteller in der Stadt nicht ausreichend nach EU-Normen zertifiziert. Eine Überprüfung ist daher dringend notwendig. Die Gewinnmargen sind aber hoch, sodass sich der Aufwand durchaus lohnt. Die Chancen einen vertrauenswürdigen Lieferanten zu finden sind weitaus größer, wenn man schon im Vorfeld einer Chinareise eine Produkt- und Lieferantenrecherche durchführt und ersten Kontakt aufnimmt.

Für die Lieferantensuche eignen sich neben Google auch Alibaba, Aliexpress, DHgate sowie die Verzeichnisse Global Sources und Made in China. Um in Shenzhen Produktideen zu finden, ist der Besuch der Elektronikmärkte im Huaqiangbei-Gebiet zu empfehlen. Dazu gehören der SEG Square, Shenzhen SEG Electronic Market und der Shenzhen New World Communications Electronics Market. Die Geschäfte sind gleichzeitig Vertretungen von Herstellern in Shenzhen. Mit der „Shenzhen Map for Makers“ (s. Download) lassen sich einige dieser Geschäfte bzw. Lieferanten lokalisieren. Sollten Produkte für das Sourcing in Frage kommen, kann man die einzelnen Fabriken besuchen und sich die Produktion zeigen lassen. Da die meisten Händler kein Englisch sprechen, sollte man einen Übersetzer anstellen. Eine weitere Möglichkeit für den Einstieg in das China Sourcing ist die Zusammenarbeit mit einem vertrauenswürdigen Sourcing Agenten. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 3/2019

 

error: Content is protected !!