LogiMAT 2022 Fachmesse mit Vorlauf: Intralogistik aus erster Hand

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Start der Intralogistikmesse LogiMAT, die vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Stuttgart stattfindet. Auch im zweiten Teil der dreiteiligen Serie präsentiert Logistik Express vorab die interessantesten Exponate aus zentralen Ausstellungsbereichen.

Die langjährigen Besucher der LogiMAT werden in diesem Jahr feststellen, dass sich der Charakter des Branchen-Events leicht verändert hat. Anders als früher finden die beliebten Foren nicht mehr in den Hallen, sondern ausschließlich im Eingangsbereich statt. Diese Corona-Schutzmaßnahme hat zur Folge, dass die Zahl der Fachvorträge während der drei Messetage deutlich gesunken ist.

Aus dieser Not machte der Veranstalter, die Münchner Euroexpo GmbH, eine Tugend.
Etliche Vorträge finden nun im Vorfeld der LogiMAT auf der digitalen Plattform LogiMAT.digital statt, die damit spürbar an Attraktivität gewonnen hat. Am 5. April stand zum Beispiel der LogPR-Thementag auf dem Programm. Hier ging es in zwölf moderierten Vorträgen um die Themen Automatisierung, Warehousemanagement und Disposition. Für potenzielle Besucher war das eine von vielen Möglichkeiten, sich gezielt auf die Messe vorzubereiten und einige der Top-Lösungen im Vorfeld zu betrachten. Apropos Top-Lösungen: Auch im zweiten Teil des Vorberichts stellen wir einige der herausragenden Exponate vor.

Handheld Germany stellt den neuen SP500X ScanPrinter vor. Die tragbare Scan-und-Druck-Lösung vereint 2D-Imaging, Tintenstrahldruck und drahtlose Kommunikation in einem Gerät. Der SP500X wurde für Logistikanwendungen mit hohen Volumina entwickelt, bei denen bei der Sortierung von Paketen manuell gescannt und etikettiert wird. Mit dem integrierten Drucker und Wi-Fi ist der SP500X echt mobil. Der SP500X verwendet eine patentierte Technologie von HP und druckt direkt auf Pakete und andere Oberflächen. Der leichte SP500X kann über 1.250 Scans und Ausdrucke pro Stunde erstellen. Er hat eine Lithium-Ionen-Batterie, die bis zu 5.000 Scans und Ausdrucke pro Ladung schafft. Die Druckerpatronen reichen für Tausende Ausdrucke. Die Batterie kann im laufenden Betrieb gewechselt werden, sodass Ausfallzeiten minimiert werden können. Durch die Wi-Fi-Kompatibilität lässt sich der SP500X ScanPrinter nahtlos in bestehende IT-Umgebungen integrieren und kommuniziert direkt mit den vorhandenen Back-End-System.

Das Supply Chain Technologieunternehmen Zetes präsentiert auf der LogiMAT in Halle 8, Stand A41 Innovationen für eine digitalisierte, vernetzte Lieferkette. Messebesucher erleben anhand von praxisnahen Anwendungsszenarien Supply Chain Management 4.0 zum Anfassen. So wird die Logistic Execution-Lösung ZetesMedea zur Digitalisierung von Lagerprozessen inklusive Voice-Kommissionierung und das RFID-/ImageID-Gate für eine kamerabasierte Palettenprüfung des Wareinein- und ausgangs zu sehen sein. Darüber hinaus sind Live-Demos des druckluftfreien Hochleistungs-Applikators MD 5000E zum ein-, zwei- oder dreiseitigen Etikettieren von Paletten in Kombination mit dem Packaging Execution System (PES) ZetesAtlas, des IND-Staplerterminals sowie der topaktuellen Mobilcomputer und Wearables führender Hersteller geplant.

Der Pick-by-Light-Spezialist KBS Industrieelektronik GmbH präsentiert ein neu entwickeltes Modul für die elektronische Füllstandüberwachung. Damit werden die Einsatzmöglichkeiten des KBS Systems um die elektronische Nachfüllsteuerung von Bereitstellregalen (e-Kanban) erweitert. Um die elektronische Nachschubermittlung zu erleichtern hat KBS einen Sensor entwickelt, der eine automatische Füllstanderfassung nahtlos in bestehende oder neue Pick-by-Light-Systeme integrieren kann. Die hierbei eingesetzte Technologie ermöglicht es, dass nur noch ein Sensor je Durchlaufkanal zur Füllstanderfassung erforderlich ist und Kabelführungen innerhalb des Durchlaufkanals entfallen. Der Behälter-Füllstand wird dabei durch den Sensor kontinuierlich berührungslos überwacht. Sobald sich nur noch eine definierbare Mindestanzahl an Behältern im Regal befindet, meldet dies der Sensor an die Nachschubsteuerung. In Kombination mit einem Put-to-Light-Modul kann der aktuelle Status angezeigt und der Nachfüllprozess optimiert werden, indem die leucht-
starke Blickfangleuchte visuell unterstützt und so den Nachfüllprozess beschleunigt und
Beschickungsfehlern vorbeugt.

Das Schweizer Familienunternehmen Kern AG hat sich dem leidigen Thema der übergroßen Pakete und dem Füllmaterial aus Plastik im Onlinehandel gewidmet und ein umweltschonendes Verpackungssystem entwickelt: PackOnTime 2box stellt maßgeschneiderte Pakete her, die ganz ohne Verpackungsmaterial auskommen. In einem vollautomatisierten Prozess wird die Ware ausgemessen und die Daten weitergeleitet. Aus recycelter Wellpappe stellt die Maschine ein passendes Paket her – und das im Sieben-Sekunden-Takt. Der nachhaltige Nutzen liegt auf der Hand: kleinere Pakete, weniger Volumen, weniger Lastwagen auf der Straße.

Das Robotikunternehmen Magazino zeigt erstmals öffentlich die serienreife Version des mobilen Roboters SOTO. Der vollständig autonom arbeitende Roboter automatisiert die Materialversorgung in der produzierenden Industrie und bringt Kleinladungsträger (KLT) vom Lager bis zur Montagelinie – ganz ohne manuelle Zwischenschritte. Der Roboter ist bereits in mehreren Pilotprojekten im Einsatz. SOTO kombiniert die elementaren Prozessschritte in einer einzigen, vollständig autonomen Lösung: die Aufnahme von unterschiedlich großen KLT, der autonome Transport von mehreren KLT von Quelle zu Senke sowie die Abgabe in Durchlaufregale auf unterschiedlichen Höhen. Das Einsammeln von Leergut sowie die Rotation von Kleinladungsträgern um 90° bis 180° gehören ebenfalls zum Fähigkeiten-Repertoire des neuen Roboters.

Mettler Toledo stellt erstmalig in Deutschland die Lösung TLD970 vor, mit der während der Fahrt die Abmaße von Paletten am Gabelstapler gemessen werden können. In Kombination mit der Waage TLF820, welche am Gabelstapler angebaut wird, entsteht so eine dynamische Messlösung für Volumen, Gewicht und ID. Damit können Spediteure ohne Zeitverlust während der Lagerumschlags prüfen, ob die vom Kunden angegebenen Maße und Gewichte stimmen. Denn mit jeder Palette, die ohne Kontrolle transportiert wird, können Umsatzverluste entstehen. Selbst kleinste Übermaße von Paletten können bei der Beladung von LKWs große Probleme hervorrufen und die gesamte Lade- und Routenplanung gefährden.

Das TLD970 von Mettler Toledo ist ein an der Hallendecke montiertes Messystem, dass die Abmaße von Paletten am Gabelstapler mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h messen kann. Die Lösung ist so unauffällig integriert, dass man sie kaum bemerkt. Eine am Gabelträger montierte Waage vom Typ TLF820 und das Handscannersystem liefern zur Vervollständigung des Datensatzes das Gewicht und die ID der Palette. Ein optionales Staplerterminal führt den Fahrer durch den Messprozess und überträgt den Datensatz per WLAN an das übergeordnete IT-System des Anwenders.

Der Pick-by-Vision-Spezialist Picavi stellt den Lager-Mitarbeiter in den Fokus. Kernthema am Messestand ist neben neuen Funktionalitäten im Picavi-Ökosystem die Entwicklung einer intelligenten Analytik mit Hilfe neuronaler Netze zur Echtzeit-Optimierung im Lager. Die Lösung basiert auf einer Echtzeit-Datenerfassung mittels Datenbrille und der Nutzung dieser Daten zur Optimierung von Lagerprozessen und der Arbeitsplatzergonomie der Mitarbeiter. Picavi führt die Auswertung mit neuronalen Netzen durch. Auf dieser Basis erkennt das System eigenständig Optimierungspotenziale und schlägt konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vor. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erfassung von Bewegungsmustern und deren Optimierung für eine bessere Ergonomie im Lager. So können beispielsweise wiederkehrende Bewegungen, wie z.B. häufiges Bücken, erkannt und anschließend Maßnahmen zur gesundheitsfördernden Optimierung ergriffen werden.

Die KNAPP AG (Halle 3 auf Stand B05) zeigt neueste Technologien für die Automatisierung und Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen Bedarf maßgeschneidert und basieren auf innovativen Technologien und modernster Software. Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile zu generieren und auszubauen. KNAPP versteht sich als Technologiepartner und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette die richtige Automatisierung, Informationen und Serviceleistungen. Innovative Roboter und Software-Tools: KNAPP zeigt die neueste Generation seines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot, Neuheiten rund um die autonomen mobilen Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige Taschensorter-System AutoPocket, das erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten Systemen verbindet, und innovative Software-Tools zur Analyse und Optimierung des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt ab.

Seit September 2021 trägt BITO-Lagertechnik (Halle 6 / Stand C31) die TÜV-Zertifizierung „Klimaneutralen Unternehmen“ und stellt auf der LogiMAT ihre hohen Grundsätze hinsichtlich Umweltschutz bzw. nachhaltiger Ressourcenschonung vor. Mit dem Fahrerlosen Behältertransporter LEO Locative ermöglicht BITO-Lagertechnik den Anwendern, den innerbetrieblichen Transport von Behältern oder Waren auf ganz einfache Art und Weise zu automatisieren, ohne dafür die komplette Infrastruktur verändern zu müssen. Die LEO-Produktfamilie wächst und passt sich den verschiedenen Marktrends an. LEO custom beispielsweise eignet sich als variable FTS-Lösung für die einfache Automatisierung des Materialtransports in der Produktion und lässt sich je nach Einsatz um individuelle Aufbauten ergänzen. Das LEO-System ist in allen Ausführungen ein unkomplizierter Schritt in Richtung Industrie 4.0. Es funktioniert ohne W-LAN und IT und kann vom Nutzer problemlos selbst installiert und in Betrieb genommen werden. Auf der LogiMAT 2022 stellt BITO-Lagertechnik die neuesten Weiterentwicklungen der LEO-Familie vor und zeigt, wie sich das System unkompliziert in unterschiedliche Prozesse einbinden lässt.

Die TGW Logistics Group (Halle 5 / Stand C13) hat sich für das digitale Zeitalter mit modernen Technologien aufgestellt und zeigt als Systemintegrator das Spektrum seiner digitalen Services. Es umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Anlage: von der Planung über die Realisierung bis zum laufenden Betrieb. Dabei stehen Innovationen im Fokus, die Unternehmen helfen, wettbewerbsfähiger zu werden.Der TGW-Stand setzt auf ein offenes Kommunikationskonzept. Neben Modulen, Systemen und Lösungen rücken auch Referenzprojekte mit namhaften Kunden in den Fokus, bspw. Coop, PUMA, Fource, Engelbert Strauss.

SSI Schäfer deckt diese komplexe Bandbreite ab und präsentiert auf der LogiMAT 2022, wie seine Kunden mit zukunftsfähiger Intralogistik einen Wettbewerbsvorteil erzielen. Auf dem Messestand in Halle 1 zeigt SSI Schäfer, wie kleinere und mittelständische Unternehmen Abläufe teilautomatisieren können – auf einfache Weise im Sinne von „Plug & Play“ und zu attraktiven Kosten. Im Ergebnis werden die Lager-, Transport- und Kommissionierprozesse beschleunigt, der vorhandene Raum effektiver genutzt und ergonomische Arbeitsabläufe garantiert. Bausteine dieser Lösungen sind unter anderem Fahrerlose Transportsysteme, Verschieberegalsysteme, Kanallager- Applikationen mit dem SSI ORBITER® und der Lagerlift SSI LOGIMAT®, die auf der Messe ausgestellt werden. Ein besonderes Highlight auf dem Messestand ist das Exponat zur Vertical Farming Lösung, die SSI Schäfer (Halle 1 D21) als offizieller Partner des Konsortiums des Deutschen Pavillons gerade erst auf der Expo 2020 in Dubai vorstellte. Die innovative wie nachhaltige Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Infarm, dem schnell wachsenden Urban Farming Unternehmen mit weltweiter Präsenz, entwickelt und wird nun in Europa präsentiert.

Innovation ist nicht länger eine Option. Es ist eine Notwendigkeit, BEYOND zu gehen. Wir als Dematic freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass wir auch in diesem Jahr wieder an der führenden EMEA-Messe Logimat 2022 teilnehmen werden, die vom 1. März bis zum 2. Juni in Stuttgart, Deutschland, stattfindet. Zusammen mit einem neuen Standkonzept und spannenden Showcases werden wir in Halle 1, Stand 1B37 zu finden sein. Als Unternehmen mit einem starken sustainable und sehr digitalen Mind-Set, werden wir uns im Jahr 2022 auf den ganzheitlichen Ansatz unserer Lösungen > Services > Software konzentrieren, um die Zukunftsmärkte F&B, Grocery, General Merchandise, e-Com/e-Grocery und Durable Manufacturing fokussieren.

Seit 2003 ist Element Logic (Halle 1, Stand 1H21) AutoStore-Partner. Als weltweit erster offizieller AutoStore-Integrator hat Element Logic seither mehr als 150 AutoStore-Lager installiert und ist europaweit Marktführer für AutoStore-Lösungen in Europa. Element Logic, der weltweit erfolgreichste AutoStore-Distributor des vergangenen Jahres, präsentiert innovative Neuentwicklungen auf Basis bewährter Standards mit individuellem Zuschnitt. Das in Stuttgart vorgestellte Produkt- und Leistungsspektrum reicht ausgehend von einer kompletten AutoStore-Anlage mit automatisierter Behälterandienung über integrierte Einzelstückkommissionierung per Roboter bis hin zu Peripheriegeräten, Lagerverwaltungs- und Steuerungssoftware sowie umfassenden After-Sales-Services.

Das Unternehmen AM Logistic Solutions GmbH (Halle 1 / Stand B31) konzipiert und realisiert als Generalunternehmer Logistikprojekte, die sämtliche am Markt verfügbaren Intralogistiksysteme integrieren: Automatische Kleinteilelager (AKL), AutoStore, Co-Bots, autonome mobile Roboter (AMR), Regalbediengeräte und Shuttle. Fördertechnik, IT-Lösungen, Retrofit-Sanierungen sowie 24/7-Anlagenservice und Wartung runden das Leistungsportfolio ab. Die AM Logistic Solutions ist ein Tochterunternehmen der niederländischen Royal Reesink Gruppe und Teil der Reesink Logistic Solutions Division.

Wir bei Vanderlande kennen die Lagerautomatisierung in- und auswendig. Unser Fachwissen und unsere Erfahrung, die wir in den letzten 70 Jahren gesammelt haben, sind schlichtweg unübertroffen. Und all dieses Know-how steht Ihnen zur Verfügung. Lassen Sie sich von unseren Ingenieuren auf der LogiMAT von unseren Robotik- und autonomen Fahrzeuglösungen inspirieren und finden Sie heraus, warum wir der Meinung sind, dass diese innovative Technologie nicht isoliert funktionieren sollte, sondern wirklich in den Lagerfluss eingebettet werden muss. Entdecken Sie die neuesten Erkenntnisse über die einzigartige ADAPTO-Shuttle-Technologie von Vanderlande – unser automatisches 3D-Ein-/Auslagersystem mit integrierten Sortier- und Sequenzierungsfunktionen. Oder erfahren Sie, warum unsere adaptiven Taschensysteme, wie AIRPICK, die beste Lösung für Ihre Anforderungen sein könnten.

Die Fluxus Solutions GmbH (Halle 5, Stand C01) präsentiert auf der LogiMat 2022 zum ersten mal Lösungen und Dienstleistungen rund um die Themen Intralogisitk und Materialfluss. Zum Produktportfolio gehören das Paletten-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics PFS, Paletten-Einschubregalsysteme FXS Dynamics PPS & FXS Dynamics TSS, Gefällerollenbahnen FXS Dynamics GRC, Karton-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics CFS sowie das Shuttleregalsystem FXS Automation GRC und ein automatisches Palettenregalsystem FXS Automation APS.

Die IGZ Ingenieurgesellschaft für logistische Informationssysteme mbH untermauern ihre Intralogistik-Kompetenz für hochautomatisierte SAP-gesteuerte Intralogistik-Anlagen. So beteiligt sich IGZ an dem „LogiMAT Digital“-Event am 12. Mai mit dem Vortrag „Logistikplanung mit SAP Fokus“. Ebenso sind die SAP Ingenieure in Stuttgart vertreten in Halle 1 (Stand B25) und Halle 8 (Stand B47).  (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Der letzte macht das Licht aus! Innovationen in der Intralogistik.

Sprechen wir von Innovationen in der Logistik, dann geht es in der Regel um das Transportwesen. Platooning, Autonomie, Echtzeit-Daten zur besseren Auslastung von LKWs, Containern und Schiffen. Im Schatten disruptieren neue Technologien Terminals, Warenhäuser, die Intralogistik – die neuen großen Innovationsfelder.

Gastbeitrag: Henry Palmer, Partner bei Amplifier Ventures.

Nein, die Logistik besteht nicht nur aus dem Transportwesen. Nicht nur aus Trucks, Flugzeugen, dem Schienenverkehr oder der Schifffahrt. Branchenkennern muss man das sicher nicht erklären. Der Öffentlichkeit scheinbar schon. Denn horchen wir in die öffentlichen Debatten rund um Innovationen in der Logistik, riskieren wir einen Blick in die Zeitungen und die Meinungsartikel, erhält man den Eindruck Innovation und Disruption entstünden hauptsächlich im Transport. Doch heimlich, still und leise haben sich Warenhäuser und Terminals – die Intralogistik
– zu den großen Innovationstreibern aufgeschwungen. Sie profitieren von enormen Fortschritten in der Robotik und der Künstlichen Intelligenz. Genauer gesagt: In den Bereichen Neural Technology und Computer Vision.

Kurzum: Roboter und autonome Technologien können immer komplexere und kleinteiligere Aufgaben übernehmen. Ein Beispiel dafür sind Cobots; kleine, kompakte Roboter, die Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten können. Durch den technologischen Fortschritt beobachten wir außerdem einen Demokratisierungsprozess in der Robotik. Die Anwendungsgebiete werden einfacher, die Technologie verständlicher für den Otto Normalverbraucher.

Mehr Unternehmen nutzen Roboter und autonome Technologien, mehr Unternehmen produzieren sie. Dies senkt den Preis und steigert die Verfügbarkeit. Diese Demokratisierung von Technologie ist ein in der Geschichte immer wieder vorkommender Vorgang. Das Internet oder sogar Elektrizität waren irgendwann mal ebenfalls nur für eine handvoll an Menschen zugänglich. Auf dem freien Markt erreichten technologische Erfindungen jedoch immer irgendwann einen Wendepunkt, der die ersehnte Innovation für die breite Masse öffnete.

Vergangene Hürden in der Robotik werden übersprungen.
Durch die fortschrittlichere und kostengünstigere Technologie werden drei große Hürden für die Anschaffung von Robotern oder autonomen Technologien übersprungen.

Namentlich: Vertragslängen und Break Even. 3PL Verträge in der Logistik laufen für gewöhnlich über drei Jahre. Bis vor kurzem waren es im Durchschnitt noch fünf Jahre. Angesichts der geringen Margen und der Tatsache, dass der Break-Even in der Regel erst am Ende des zweiten Jahres erreicht wird, war die Einführung und Integration neuer Robotik und autonomer WMS eine große finanzielle Herausforderung. Jetzt beschleunigen günstigere Technologien sowohl Break-Even als auch den Return on Investment.

Anwendungsgebiete: Gerade in Lagerhäusern variieren die Aufträge für Maschinen von hochkomplexen Manipulationsaufgaben bis hin zu Transportaufgaben mit begrenzter Variabilität. Ein Beispiel: Eine Manipulationsaufgabe könnte die Konfiguration von Kisten auf eine Palette sein, aber auch die Identifizierung und Sortierung ähnlicher, aber unterschiedlicher Gruppen von Gegenständen in einem Behälter.

Früher war dies für Roboter nur schwerlich möglich, doch inzwischen können sie auch solche Aufgaben erfüllen. Setup- und Trainingskosten: 70 Prozent der Kosten im Lebenszyklus eines Roboters fallen durch das Setup, die Programmierung und das Training an. Insbesondere in den Bereichen der künstlichen Intelligenz und im Verstärkungslernen kann der technologische Fortschritt diese Anfangskosten reduzieren. Dadurch haben Unternehmen insgesamt viel niedrigere Gesamtkosten bei der Integration von Robotersystem und profitieren von erhöhter Anpassungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit.

Das Lights-Out-Lagerhaus.
Mit dem technologischen Fortschritt, insbesondere im Bereich Autonomie, bewegen wir uns weiter in Richtung des Lights-Out-Lagerhauses. Doch warum der plötzliche Innovationsanstieg in Lagerhäusern und Terminals? Arbeitskräftemangel und Personalkosten: In der Logistik sind Personalkosten und Treibstoff die größten Kostentreiber (zwischen 30 und 75% der Betriebskosten). Zeitgleich fehlen Arbeitskräfte aufgrund des eCommerce-Booms und dem damit einhergehenden Bedarf an neuen Arbeitskräften.

Arbeitssicherheit: Der Konkurrenz- und Zeitdruck durch das Online-Geschäft provoziert Fehler in den Warenhäusern und der Auslieferung. 2017 verursachten Unfälle und Verletzungen am Arbeitsplatz Kosten von 476 Milliarden Euro in der EU (EU-OSHA).

Der Amazon-Effekt: Der e-Commerce-Boom überstieg alle Prognosen. Inzwischen hat das e-Commerce-Handelsvolumen die 3-Billionen-Dollar-Marke geknackt. Der Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten in Lagerhäusern und einer schnellen Verarbeitung der Bestellungen – inklusive raschem Versand und Same-Day-Delivery – ist höher denn je.

Den Transport in den Schatten stellen.
Die Fakten sprechen für sich: Als wichtiges Bindeglied im Logistik- und Transportsektor treibt die Intralogistik die Förderung von Innovationen im gesamten Bereich voran. Der rasche Fortschritt der Robotik und der künstlichen Intelligenz haben es ermöglicht, Lagerhäuser und Terminals zu bauen, die in der Lage sind, immer größere Volumen und Abweichungen in SKUs (Stock Keeping Units) zu bewältigen. So können Einzelpersonen und Unternehmen Bestellungen schneller als je zuvor erhalten. Natürlich gibt es ein Limit, wie viel schneller der Transportweg über Land, zu Wasser oder in der Luft noch werden kann. Dennoch: Die Effizienzsteigerung der Warenhäusern und Terminals bringt massive Vorteile für die gesamte Lieferkette mit sich. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Abläufe an fortgeschrittenen Standorten verdeutlicht dies bereits jetzt. (HP)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

Innovationen in der Nassen Logistik

„Am Anfang war das Wasser – in ihm schwimmen kann das Schiff in der heutigen Zeit jedoch erst, wenn die Randbedingungen aus Politik, Wirtschaft und Finanzen erfüllt sind.“ (Prof. Dipl.-Ing. K.W. Wietasch, Studiengang Schiffstechnik/Uni Duisburg-1987).

Redaktion: Peter Baumgartner.

In der Binnenschifffahrt gibt es derzeit zwei zentrale Innovationsschienen, auf denen sich die geballte FTI-Intelligenz fokussiert: Der umweltfreundliche Antrieb und Digitalisierung. Beide Ziele werden mit unterschiedlichem Zugang verfolgt, wobei nahezu alle vorgeschalteten Forschungen von der Dotierung öffentlicher Fördertöpfe abhängig sind. Unternehmensforschung mit eigenen Ideen und Risiko findet kaum statt. Dies hat auch zur Folge, dass der Wettbewerbsnachteil der Binnenschifffahrt gegenüber anderen Transportmitteln nicht sinkt, sondern sogar steigt. Oft entsteht der Eindruck, dass FTI in der Nassen Logistik nur für die Dauer des Förderzeitraumes durchgeführt wird und Projekte nach dem Auslaufen der Förderung wieder in der Schublade verschwinden.

In Österreich decken sich die zentralen Herausforderungen der Binnenschifffahrt – Antrieb und Digitalisierung, durchaus mit den prioritären Handlungsfeldern Umwelt – und Klimaschutz. Auch auf europäischer und globaler Ebene spielen diese Aspekte eine übergeordnete Rolle. Die EU empfiehlt daher eine deutliche Forcierung von klima – und umweltrelevanten FTI-Aktivitäten. Wichtig dabei ist jedoch, dass sich diese nicht allein auf öffentliche Förderungen stützen, sondern zum Beispiel verstärkt Anreize von nachhaltigen Patentaktivitäten stimulieren. Der Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs-2020, herausgegeben vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung, kommt zum Schluss, dass Österreich insgesamt bei technologiebezogenen Umweltindikatoren in Relation zu den führenden Ländern schlecht abschneidet.

Ob die Binnenschifffahrt hinsichtlich der umweltrelevanten Verkehrsprobleme tatsächlich Teil des Problems ist und erhöhter Forschungsbedarf besteht, ist umstritten. Allein die Transportleistung von weniger als 10 Mio. Tonnen pro Jahr in Österreich zeigt, dass hier nicht die ganz großen Schrauben sind, an denen unbedingt gedreht werden muss. Dennoch, im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit, ist jedes Verbesserungspotential zu nützen. Es darf aber nicht so sein, dass vermeintlich umweltfreundliche Innovationen, öffentlich gefördert, allein dem Selbstzeck dienen und unter dem Strich der Umwelt mehr schaden, als nützen. Beispiel: Wenn eine Motorenförderung für umweltfreundlichere Motoren dazu führt, dass die eingebaute Leistung von 2550 PS auf über 5000 PS angehoben wird. Skurril wirkt in diesem Zusammenhang auch eine Forderung, die tatsächlich gestellt wurde, man möge eine Energieberatung für die Schifffahrt fördern. Damit wird jede Eigenverantwortung an den Steuerzahler delegiert oder gar absichtlich zum Schaden der Öffentlichkeit agiert. Denn wenn nämlich ein Kapitän nicht weiß, wie er energiesparend arbeiten kann, muss man eher die Ausbildungsqualität in die Pflicht nehmen.

Horizon 2020 ist das derzeit größte EU-Forschungs- und Innovationsprogramm aller Zeiten mit fast 80 Mrd. Euro an verfügbaren öffentlichen Finanzmitteln, die über einen Zeitraum von 2014-2020 zur Verfügung stehen. Die Ziele sind, auch im Bereich der Nassen Logistik, weitere Durchbrüche und Entdeckungen zu erreichen, sowie Weltneuheiten durch großartige Ideen auf den Markt zu bringen.

Im Rahmen von Horizon 2020 wurde im Mai ein neues EU-Projekt ins Leben gerufen: IW-NET, „Innovation-driven Collaborative European Inland Waterways Transport Network”, soll einen multimodalen Optimierungsprozess im gesamten EU-Verkehrssystem bewirken und den schwachen Anteil der Binnenschifffahrt am Modal Shift erhöhen. Ganz im Sinne der prioritären Handlungsfelder, soll IW-NET auch dazu beitragen, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Inhaltlich ist das Innovationsprogramm sehr breit angelegt. Im Bereich Digitalisierung geht es um Optimierung der Planung von Binnenschifffahrtsoperationen. Nachhaltige Infrastruktur und intelligentes Verkehrsmanagement sind weitere Forschungsvorhaben. Ein zentraler Punkt ist die Suche nach einem optimalen Schubschiff für Niederwasserperioden auf der Donau. Erreicht werden soll durch die Forschung ein Schiffstiefgang von 1,50 Meter. Das gesamte Projekt steht unter der Koordinierung des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen. Kosten wird das auf 3 Jahre ausgelegte Projekt auf 26 Partner aufgeteilt 8 302 733,75 Euro, die zur Gänze von der EU finanziert werden. Vier österreichische Partner im Projekt werden in Summe 783.900 Euro aus dem Fördertopf erhalten. Flankierende Aktivitäten sind die Einbeziehung von Interessengruppen, der Aufbau von Kapazitäten und die Erstellung eines europäischen Entwicklungsfahrplans für die Binnenschifffahrt mit politischen Empfehlungen zur Erhöhung des Anteils der Binnenschifffahrt am Gesamtverkehr.

Große Pläne also, wobei die größte Herausforderung wohl die Koordinierung von 26 Partner als Teilnehmer im Projekt und die gerechte Aufteilung der Fördersumme sein dürfte. Sachlich geht es um Themen, die bei strenger Auslegung des Begriffes Innovation wenig mit Erneuerung oder neuen Ideen zu tun haben. Zum Teil befinden sich geplante Forschungen bereits in Anwendung (River Information
Services – RIS). Auch die Suche nach einem geeigneten Niederwasser-Schubschiff könnte auf Google Suche beschränkt werden. Insofern ist der Plan, mit altem Wissen politische Entscheider zu füttern, vielleicht eher nicht zweckdienlich. Zum Beispiel werden die angestrebten Projektziele von der DDSG schon seit vielen Jahren angeboten:

The company has shallow-water draft pushers and tug-pushers at its disposal, ensuring lighterage of barges up to permissible possible draughts as well as their safe passage in autumn or winter time with low water levels. So when our competitors stop their navigation, DDSG is still able to continue to operate. Powerful pushers – m/v “Gerdi”, m/v “Denija” (1 570 HP) with a draft up to 130 cm, tug-pushers m/v “Miskolc” (2 100 HP) and m/v “Krems” (1400 HP) with a draft up to 160 cm are equipped with towing winches, allowing for a passage of barges through shallow-water parts using two vessels. Upon necessity, even rescue activities are carried out to bring vessels and barges afloat.

Thecla Bodewes Shipyard in Kampen hat gerade ein Flachwasserschubschiff für die französische Reederei CFT gebaut. Auch dieses Schiff hat 1,50 Meter Tiefgang und wird vielleicht im Donauraum schon im Einsatz sein, bevor das Projekt IW-NET eine Zeichnung vom Projektschiff anbieten kann. Für die Kunden von TBS ist auch längst klar, welche Ladung sie transportieren werden, denn von diesem Typ Flachwasserschubschiff sind bereits sechs Stück geordert.

DAMEN Shipyards baut Schubschiffe mit ge-ringem Tiefgang schon fast wie am Fließband seit 2015. 2018 wurden mehrere Flachwasserschubschiffe nach Russland geliefert, wo sie auf den besonders seichten Flussgebieten am Amur und Zeya-Fluss eingesetzt werden. Das besonders leistungsstarke Schubschiff „2611“ hat einen Tiefgang von nur 1,65 Meter.

Vielleicht weil noch etwas Geld in der Kassa übrig ist, wurde im Juni 2020 gleich noch ein „innovatives Projekt“ gestartet: Novel inland waterway transport concepts for moving freight effectively (NOVIMOVE). Dieses Projekt (2020-2024) kostet fast 9 Mio. Euro an EU Geldern und wird sich mit ähnlichem Inhalt wie IW-NET – aber mit Schwerpunkt Rhein beschäftigen.

In Erinnerung gerufen sei auch das Forschungsergebnis über „Technische und wirtschaftliche Konzepte für flussangepasste Binnenschiffe“ aus dem Jahr 2004, mit weiterhin gültigen Erkenntnissen. Darüber hinaus gibt es noch unzählige laufende und längst abgeschlossene Forschungsprojekte, die die Ziele von IW-NET und NOVIMOVE schon vorweggenommen haben.  Zum Beispiel: IMPALA-Urbane Logistik 2013; das innovative Donauschubschiff 2014; umweltfreundliches Binnenschiff-2014; NEWS-Development of a Next Generation European Inland Waterway Ship and Logistics System (2012); Green-Danube (2017); NOVIMAR-2020; GRENDEL-2018, Flagships project-2020 usw.

Und wenn dann 2023 oder spätestens 2024 das perfekte Schiff für alle Wasserstraßen gefunden wurde, wird die Crew von Bord verdammt. Parallel laufen nämlich zahlreiche Forschungen, wie es gelingen kann, dass Binnenschiffe autonom – also ohne Besatzung, fahren können (siehe Ausgabe 2 des Binnenschiff Journal).

Ein Projekt wurde gerade in Duisburg gestartet. „FernBin“ kostet nur schlappe 6 Mio. Euro, verspricht aber schon 2023 erste Testfahrten ohne Kapitän an Bord zu starten. Es zeigt sich erneut, am Förderwesen wird die Innovation der Nassen Logistik und der Binnenschifffahrt nicht genesen. Aber die Binnenschifffahrt ist, dank Füllhorn der EU, seit geraumer Zeit eine wunderbare Spielwiese für Forscher aus den unterschiedlichsten Fachgebieten. (PB)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2020

 

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