Tag des Handels 2021: EU-Kreislaufwirtschaftspaket

Vorgeschmack Podiumsdiskussion „Circular Packaging im Handel“ mit Spitzenbesetzung im Podium.

Beitrag: Julia Gerber.

Bis 2025 muss von vielen Ländern noch einiges getan werden, um die Ziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakets zu erreichen. Ein Kernelement der neuen Richtlinie sind Recyclingquoten für Verpackungsabfälle. Bis 2025 müssen alle EU-Mitgliedstaaten mindestens 65 Prozent ihrer Verpackungsabfälle recyceln.Österreich erfüllt bereits heute sämtliche EU-Vorgaben bis 2025. Lediglich beim Recycling von Kunststoff haben wir noch Luft nach oben. Um auch dieses Ziel zu erreichen, ist der einzige Weg, auf innovative Verpackungen, Verpackungsreduktion und – wo möglich – 100 Prozent Recyclingfähigkeit bei Kunststoffverpackungen zu setzen. Fest steht, das Recycling von Kunststoffverpackungen in Österreich muss in den nächsten vier Jahren verdoppelt werden, um die EU-Ziele 2025 zu erfüllen.

Über die Circular Economy und ihren Mehrwert für Handelsunternehmen.
Die Circular Economy beschäftigt sich mit neuen Anforderungen an Produktion, Produktgestaltung und Verpackungen. Optimales Verpackungsdesign bezieht auch die Recyclingfähigkeit der Verpackungen mit ein und da kommen wir zum Circular Packaging Design, welches die Grundlage für die Erreichung der vorgegebenen Recyclingquoten bildet. Ziel ist es, Design for Recycling mit Design from Recycling zu verbinden.
Circular Design bietet Händler:innen folgende Vorteile:

• Ressourcen können eingespart werden.
• Prozess- und Kosten werden optimiert.
• Ökologischer Fußabdruck verbessert sich.
• Positionierung als nachhaltiges Unternehmen.
• Stärkung der Akzeptanz von Verpackungen bei Konsument:innen.

Ressourceneffiziente Verpackungen nutzen hochwertige Sekundärrohstoffe aus dem Recycling in größtmöglichem Ausmaß. Nur so kann der Verpackungskreislauf geschlossen werden. Ganz im Sinn des EU-Kreislaufwirtschaftspakets, das gezielt auf verstärktes Recycling und die ressourcenschonende Gestaltung von Verpackungen setzt.

Auf der Website der ECR Austria gibt es einen kostenlosen Leitfaden zum Packaging Design for Recycling zum Download! Hier erfährst du alles über die Gestaltung einer Produktverpackung, um eine optimale Zirkularität zu erreichen. Auch der FH Campus Wien hat eine Circular Packaging Design Guideline entwickelt, die kostenlos downgeloadet werden kann. Du möchtest mehr über „Circular Packaging im Handel“ erfahren? Am 23. September findet im Rahmen des „Tag des Handels“ eine großangelegte Podiumsdiskussion zum Thema statt.

Dabei werden sich Leonore Gewessler, Bundeministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Horst Leitner (Hofer), Alessandro Wolf (Lidl) und Harald Mauke (ARA) mit der Kreislaufwirtschaft und dem Verpackungsmanagement auseinandersetzen. Es wird über die Rolle des Handels im Verpackungsdschungel gesprochen sowie gemeinsam mit den Teilnehmer:innen Zukunftsperspektiven der Verpackungswirtschaft diskutiert werden. Diesen spannenden Programmpunkt solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Tickets für den Tag des Handels – eines der spannendsten Events des Jahres – kannst du dir noch online bis zum 16. September 2021 sichern. (JG)

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

Der Weg zurück wird für viele Unternehmer ein steiniger werden

1,5 Jahre sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie vergangen. Mittlerweile – nach vier harten Lockdowns und einem BIP-Rückgang um 6,6% – wird die langersehnte Erholung der Wirtschaft spürbar. Die Verbraucherstimmung ist laut HV Konsumbarometer so gut wie zuletzt im Sommer 2020, die Sparneigung geht zurück und die Konjunkturerwartung hat sich stabilisiert. Nur die Einkommenserwartung ist aufgrund der Jobunsicherheit noch im Keller. Der Weg zurück wird für viele Unternehmer ein steiniger werden, doch zumindest die Richtung stimmt.

Beitrag: Rainer Will.

Keine Regierung der Welt wusste am Beginn der Pandemie, wie man mit diesem neuartigen Virus am besten umgehen soll. Die politischen Entscheidungsträger haben ihr Bestes gegeben, um die Situation schnellstmöglich unter Kontrolle zu bringen und Menschenleben zu schützen. Dafür gebührt ihnen Dank. Natürlich ist nicht alles optimal gelaufen. Die EU hat etwa durch zögerliche Entscheidungen beim Impfdosenankauf viele Chancen verspielt und muss sich nun selbst rechtfertigen.

Der “Grüne Pass” wird die nächste Bewährungsprobe. Die Aussicht auf einen Fleckerlteppich an einzelstaatlichen Regulierungen erzeugt bei vielen Menschen Unsicherheit. Daher braucht es ein “Klima der Zuversicht” nicht nur für die Österreicherinnen und Österreicher, sondern auch für alle Menschen, die unser Land als Touristen besuchen wollen. Eine entscheidende Frage ist jetzt, wie wir möglichst viele Arbeitsplätze sichern und neue Jobs schaffen können.

Der Handelsverband empfiehlt hierfür einen Arbeitsplatz-Sicherungsbonus. Die jüngsten Öffnungsschritte stimmen optimistisch. Am 3. Mai durften alle Geschäfte in ganz Österreich ebenso wie die körpernahen Dienstleister ihre Pforten wieder öffnen. Am 19. Mai folgten die Gastronomie, Hotellerie, Kunst-, Kultur- und Sportstätten. Ab 10. Juni wurde u.a. die Sperrstunde in der Gastro von 22 auf 24 Uhr ausgeweitet, der Mindestabstand von 2 auf 1m reduziert sowie die Quadratmeterregel in den Geschäften von 20 auf 10 m2 pro Kunde halbiert. Bei aller Euphorie über die Lockerungen im Inland darf aber nicht die Abhängigkeit von der Außenwirtschaft übersehen werden. Mehr denn je spüren wir die Auswirkungen der Lockdowns durch stotternde globale Lieferketten und
Produktionskapazitäten.

Egal ob Autoteile, Waschmaschinen oder Baustoffe – vieles ist derzeit nur schwer nach Österreich zu bekommen. Auf manche E-Bikes gibt es bis zu zwei Jahre Wartezeit. Einer aktuellen Befragung des Handelsverbandes zufolge sind 75% aller heimischen Einzelhändler von Lieferengpässen betroffen und gar 93% aller heimischen Großhändler.

Der Auslöser für diese Beschaffungskrise war – natürlich – Corona. In Europa läuft die Produktion teilweise noch immer nicht auf Hochtouren, auch aus Asien kommt noch nicht so viel Nachschub wie üblich, weil die Produkte zuerst im eigenen Land verkauft werden und die internationalen Zentrallager leer sind. Chinas Fabriken laufen wieder auf Vollbetrieb, auch um medizinische Güter wie Corona-Tests und Schutzmasken in alle Welt zu exportieren. Auch Laptops und andere Ausstattung für das Home Office kommen aus dem Reich der Mitte.

Die Industrieproduktion hat im ersten Quartal 2021 um ein Viertel angezogen, gleichzeitig erlebt China zurzeit das stärkste Wirtschaftswachstum seit 30 Jahren. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde ist im ersten Quartal um mehr als 18 Prozent gewachsen. In den meisten europäischen Ländern konnte die Produktion zuletzt ebenso wie in Asien wieder halbwegs auf Normalbetrieb hochgefahren werden. Allerdings ist eine Ausweitung der Produktionskapazitäten in so kurzer Zeit schwer möglich. Überdies müssen die Mitarbeiter in den Industriebetrieben weiterhin Abstandsregeln einhalten bzw. Maske tragen. Viele Betriebe mussten im Zuge der Krise auch Personal abbauen, Leiharbeitsverträge auslaufen lassen und viele Arbeitskräfte in Kurzarbeit schicken. Das alles summiert sich und die Betriebe können nicht einfach in ein paar Tagen von 0 auf 150 Prozent hochfahren.

Darüber hinaus verzeichnen wir seit Jahresbeginn stark steigende Rohstoffpreise bei Metall, Holz und Kunststoff, Engpässe bei Vorlieferanten, Verzögerungen durch die Einführung der neuen EU-Energie-Labels sowie covidbedingte Ausfälle bei internationalen Fabriken und jüngst den Rückstau im Suezkanal. Schön langsam zahlt Europa auch den Preis für die schleppenden Impfprogramme. Die Wirtschaft ist nämlich in Asien und in den USA um ein paar entscheidende Monate früher angesprungen. Wie bei den Impfstoffen haben diese Länder nun auch bei der Beschaffung von Rohstoffen die Nase vorn. Hinzu kommt eine enorm gestiegene Nachfrage der Kunden nach Unterhaltungselektronik, Fitnessgeräten, Küchen und Möbel. Die Verbraucher können ihr Geld während der Pandemie nicht für Auslandsreisen, Restaurantbesuche oder Hotels ausgeben, daher investieren sie es in die Verschönerung der eigenen vier Wände. Wo das Angebot gering, die Nachfrage aber hoch ist – dort steigt der Preis. Die Kosten für Container haben sich teilweise verachtfacht. Bis sich alles wieder normalisiert hat, wird es noch dauern.

Das letzte Jahr hat gezeigt, wie stark die globale Vernetzung inzwischen ist und wie schnell die Lieferketten aus dem Gleichgewicht geraten und sich vereinzelte Störungen über die unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen bis zum Verbraucher durchschlagen. Wer jetzt lieferfähig ist das Geschäft. Das bewegt einige Unternehmen zum Umdenken – weg von der möglichst kostengünstigen Beschaffung hin zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit in den einzelnen Märkten. Und dies bedeutet hoffentlich am Ende eine Neuausrichtung der Wertschöpfungsketten und eine Reallokation der Produktion. (RED)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Nachhaltige Verpackungslösungen

Konsumenten fordern von Händlern nachhaltige alternative Verpackungslösungen, Händler wollen dem Rechnung tragen. Immer im Blick: die Wirtschaftlichkeit. Dabei gibt es durchaus bereits etliche, für Retailer praktikable, Lösungen. Ein kleiner Überblick über derzeitige Ansätze.

Beitrag: Dunja Koelwel.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Themen, an denen auch Onlinehändler Zalando nicht vorbei kommt: Anhand eines Piloten experimentiert das Unternehmen seit Herbst 2019 mit alternativen Verpackungsmethoden. Seit September erhielten rund 10.000 zufällig ausgewählte Testpersonen in Finnland, Norwegen, Schweden sowie Dänemark ihre Ware von Zalando nicht mehr im Pappkarton, sondern in einer bunten Kunststofftasche des Dienstleisters RePack.

Kunden müssen die Tasche an Zalando zurücksenden, sobald sie ihre Bestellung erhalten haben – selbst, wenn sie alle Artikel behalten wollen. Nach einiger Zeit wurde der Pilot sogar auf 40.000 Sendungen erweitert. Noch stehen die ersten Erkenntnisse aus dieser Pilotphase aus, aber eines wird schon jetzt deutlich: Die Diskussion und das Vermeiden von Verpackungsmüll wird auch für Onlinehändler eines der wichtigen Themen der kommenden Jahre, mit dem sich Unternehmen frühzeitig beschäftigen sollten.

Verpackungsweltmeister – unrühmlicher Titel.
Und das ist auch dringend geboten, denn laut dem Statistischen Amt der EU wirft jeder Deutsche pro Jahr rund 220 Kilo an Verpackung weg. Wir sind hier unrühmliche Europameister, obwohl die Bereitschaft zur Veränderung gegeben ist. Eine Befragung im Auftrag des Beratungshauses PWC ergab, dass der großen Mehrheit der deutschen Verbraucher die Nachhaltigkeit von Verpackungen wichtig ist und den Einsatz von recyclebarem Material begrüßen. Ein vielversprechender Ansatz, um Verpackungen im Handel nachhaltiger zu gestalten, ist das Konzept der Kreislaufwirtschaft. Der Kern besteht darin, die eingesetzten Rohstoffe länger und häufiger zu nutzen. Die sogenannte „Circular Economy“ ermöglicht es, den Lebenszyklus durch Wiederverwertung, Wiederverwendung, Demontage oder Wiederaufbereitung eines Produktes zu verlängern. Erfolgreiche Beispiele in verschiedenen Verpackungsbereichen gibt es bereits.

Zwei Dekaden Erfahrung: Mehrweg-Versandsystemen.
Als Versandhändler verkauft die memo AG ihr Sortiment, bestehend aus Bürobedarf und –möbeln, Werbeartikeln sowie Alltagsprodukten, über drei Onlineshops sowie Kataloge und Werbemedien. In allen anderen Geschäftsbereichen, berücksichtigt memo seit Gründung die Kriterien der Nachhaltigkeit. Lothar Hartmann, Leitung Nachhaltigkeitsmanagement bei memo, erzählt von den Anfängen: „Bereits im Jahr 1998 war memo Pilotpartner bei der Einführung der „Postbox“, einem Mehrweg-Versandsystem der Deutschen Post. Als dieses System Ende 2008 eingestellt wurde, entwickelte memo auf dieser Basis das Mehrweg-Versandsystem „memo Box“. Mittlerweile ist die „memo Box“ seit über zehn Jahren im Einsatz und setzt im Branchenvergleich ökologische Maßstäbe – etwa 25 Prozent der Paketsendungen werden damit versendet.

Die Kunden von memo finden diesen Einsatz gut: „Mittlerweile versenden wir etwa 25 Prozent unserer Paketsendungen mit der „memo Box“. Das Feedback der Kunden dazu ist seit Beginn an positiv. Und natürlich stehen auch unsere Mitarbeiter voll hinter dem Mehrweg-Versandsystem“, so Lothar Hartmann.

Alternative Optionen bei Verpackungen.
Wie Kreislaufwirtschaft in einem Unternehmen in der Praxis funktioniert, beweist auch Reinhard Schneider, Öko-Pionier, Inhaber und Geschäftsführer der Werner & Mertz-Gruppe. Das Mainzer Familienunternehmen in vierter Generation und Hersteller der Marke Frosch setzt sich gemeinsam mit seinen Partnern in der Recyclat-Initiative für einen echten Kreislauf des Verpackungsmülls ein, in welchen auch Kunststoff-Verpackungen aus dem Gelben Sack eingebunden werden. Statt eines Downcyclings des Plastiks zu minderwertigen Materialien oder gar dessen Verbrennung, können durch den Einsatz modernster Sortiertechnik hochwertige Recyclate ohne den Einsatz von Rohöl hergestellt werden. Ein weiteres Beispiel ist auch Tetra Pak, das auf Zuckerrohr bei der Herstellung biobasierter Verpackungen setzt. Tetra Rex Kartons für gekühlte Milchprodukte bestehen ausschließlich aus zuckerrohrbasiertem Kunststoff und Karton.

Noch in der experimentellen Phase sind auch Wasserflaschen, die in Zukunft aus biologisch abbaubarem Material sein könnten: So hat beispielsweise ein isländischer Produktdesign-Student eine Flasche entworfen, die – solange sie gefüllt ist – ihre Form behält. Danach beginnt der Abbauprozess. Das zugrunde liegende Material ist Agar, einer aus Algen gewonnen Substanz. Zu derzeit ebenfalls getesteten Verpackungsoptionen gehört eine strapazierbare Folie aus in Milch enthaltenen Casein-Proteinen, die luftundurchlässiger und haltbarer als Plastik ist – und essbar. Sie könnte beispielsweise bei Pizza Kartons oder Cornflakes zum Einsatz kommen.

Back to the roots – Füllmaterial.
Füllmaterial hat nur eine Aufgabe: Pakete füllen und Leerräume beseitigen. Nachwachsende Rohstoffe werden auch hier immer gefragter und zeigen Konsumenten, dass man als Händler die Themen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ernst nimmt. Das wohl hier verbreitetste Material ist Holzwolle. Das Material ist nicht nur dekorativ, sondern umhüllt auch empfindliche Artikel bestens. Ein weiterer Vorteil: Sie ist leicht und 100 Prozent biologisch abbaubar. Aber auch nachhaltig hergestellte Verpackungs-Chips, die Flocken, erfreuen sich zunehmender Akzeptanz. Aus Maisstärke hergestellt sind sie eine umweltfreundliche Variante zu Verpackungs-Chips aus Polystyrol. Ganz natürlich geht es auch beim Startup Landpack zu, das für den Kühlversand Stroh statt Styropor nutzt, denn Stroh hat ebenso gute isolierende Eigenschaften wie Styropor. Der Handel greift diese Optionen bereits auf, etwa Alnatura oder Feinkost Käfer.

Avery Dennison geht noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen hat zuletzt eine biobasierte PE-Folie vorgestellt, die aus Zuckerrohr-Ethanol hergestellt wird. Damit lässt sich dann eine weiße oder transparente Variante für den Etikettendruck herstellen.

Alles im Lot? Anregungen und Kritikpunkte.
Die Verbraucher fordern es, Hersteller und Händler könnten es – ist damit also der Weg frei zu künftig mehr nachhaltigen Lösungen rund um das Thema Verpackung? Lothar Hartmann von memo spricht offen über die Schwierigkeiten: „Die größte Herausforderung bei der Implementierung des Mehrweg-Versandsystems war die organisatorische und technische Integration in die Unternehmensprozesse. Für einen erfolgreichen Betrieb ist es beispielsweise unabdingbar, die Abwicklung über das ERP-System zu steuern und entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Darüber hinaus entstehen Mehrkosten, zum Beispiel für die Retourenabwicklung, die wir nicht an unsere Kunden weitergeben.“

Auch die stetige Weiterentwicklung des Systems erzeugt Mehraufwand. So besteht die „memo Box“ seit Herbst 2016 aus Recyclingkunststoff aus Haushaltsabfällen. „Durch diese Maßnahme konnten wir die Treibhausgasemissionen bei der Herstellung der Box um bis zu 30 Prozent verringern. Gleichzeitig sind jedoch auch die Herstellungs-kosten für die Box gestiegen“, so Hartmann. Er rät daher Händlern: „Es lohnt sich auf jeden Fall, über ein Mehrweg-Versandsystem nachzudenken. Allerdings kann ein derartiges System in der Regel nicht eins zu eins auf jedes andere Unternehmen übertragen werden. Neben dem bereits erwähnten finanziellen Aufwand ist die technische und organisatorische Anbindung an bestehende Logistiksysteme nicht zu unterschätzen.“  (DK)

(AM)

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/

 

«Grüner» Treibsand bremst Außenhandel

Die Streitigkeiten im Außenhandel nehmen zu. Bei den Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit den ASEAN-Ländern bieten Palmöl und Recyclingmüll viel Zündstoff.

Beitrag: Arne Mielken.

Ob Umweltschutz getriebene, protektionistische Maßnahmen etwas Gutes oder Schlechtes sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Jedes Wirtschaftsabkommen enthält gewisse Klauseln zum Schutz der eigenen Wirtschaft, insbesondere der Landwirtschaft. Doch insgesamt sollen Freihandelsabkommen (kurz FHA) Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse beseitigen und den Export von Waren und Dienstleistungen fördern.

Seit 2013 unterliegt der Import von Tropenholz in die EU strengen Beschränkungen. Die europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) schreibt ausdrücklich eine Prüfung der Legalität von Holz aus Quellen außerhalb der EU vor. Die betroffenen südasiatischen Länder haben sich mit dieser Vorgabe inzwischen arrangiert. Jetzt aber treiben Pläne für die Ausmusterung von Palmöl als Biokraftstoff in der EU bis 2030 sowie Vorwürfe über illegale Abholzungen von Tropenwäldern für den Anbau von Palmöl die beiden Hauptproduzenten, Indonesien und Malaysia, sprichwörtlich auf die Palme. Das Einkommen von mehr als 13 Millionen Menschen hängen vom Palmöl ab. Die südasiatischen Länder wittern Protektionismus zugunsten von Soja- und Rapsöl und wehren sich. Sie drohen mit einem Abbruch der Partnerschafts-Verhandlungen und Zöllen auf EU-Importwaren.

Lösungsansätze.
Die Schweiz hat sich große Mühe gegeben, den Stolperstein Palmöl bei ihren Verhandlungen über ein FHA aus dem Weg zu räumen. Sie unterzeichnete im Dezember 2018 einen Vertrag mit Indonesien mit speziellen Vorschriften für eine einzelne Produktegruppe: die Pflanzenöle. Zum einen sieht der Vertrag Kontingente für den Import von Palmöl vor, zum anderen ist der Import nicht zollfrei. Damit ist die Regierung den Schweizer Bauern entgegengekommen, die ihre eigenen Pflanzenöle schützen wollen. Über Jahre verhandelte die EU erfolglos mit dem ASEAN-Staatenbund (Vietnam, Singapur, Sri Lanka, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Indonesien, Brunei, Laos, Myanmar, Philippinen) über ein Präferenzabkommen. 2009 wurden die Gespräche ausgesetzt. Bilaterale Konsultationen schienen vielversprechender. Mit Indonesien wird seit 2016 neu verhandelt. Im Dezember dieses Jahres steht die 9. Verhandlungsrunde an. Doch ein Vertragsabschluss liegt noch in weiter Ferne, nicht zuletzt wegen des Palmöls.

Müll-Importstopp.
Nachdem China 2018 den Import von Plastikabfall u.a. aus Europa gestoppt hatte, haben auch einige asiatische Länder wie Indonesien, Malaysia und die Philippinen nachgezogen. Zumal vermehrt Material, das bis anhin nach China ging, bei ihnen landete. 2018 stiegen beispielsweise in Indonesien, laut Angaben des Handelsministeriums, die Importe von Kunststoffabfällen im Vergleich zum Vorjahr von 128 800 auf 320 400 Tonnen.

Alle asiatischen Länder verlangen nun, dass die Absender der Recyclingmüll wieder zurücknehmen. Abhilfe verspricht außerdem eine Ergänzung des sogenannten Basler Übereinkommens, das den Handel mit gefährlichen Abfällen regelt. Mitte Mai d.J. einigten sich mehr als 180 Staaten darauf, dass Exporteure ab 2021 die Zustimmung von Empfängerländern einholen müssen, bevor sie kontaminierten, gemischten oder nicht rezyklier-baren Plastikabfall verschiffen. Das Abkommen dürfte den globalen Abfallhandel weiter einschränken.

Licht und Schatten.
Bei den FHA-Verhandlungen gibt durchaus auch Erfolgsmeldungen. Das zwischen Singapur und der EU unterzeichnete Freihandelsabkommen wurde im Februar d.J. im Europäischen Parlament positiv behandelt und muss nun nur noch von der singapurischen Seite ratifiziert werden. Dieser Prozess sollte bis Jahresende abgeschlossen sein. Die Verhandlungen mit Vietnam konnten ebenfalls erfolgreich beendet werden. Am 30. Juni 2019 wurde sowohl ein Freihandels- als auch ein Investitionsschutzabkommen in Hanoi unterzeichnet. Jetzt fehlt nur noch die Ratifizierung durch die Parlamente.

Mit den Philippinen sind seit 2016 Konsultationen im Gang. Nach der zweiten Verhandlungsrunde im Februar 2017 wurden erste Verhandlungstexte online gestellt. Es bleibt abzuwarten, ob und wann es zu einer Vertragsunterzeichnung kommt. 2013 hatte die Europäische Kommission offiziell Verhandlungen mit Thailand aufgenommen, die jedoch ein Jahr später stoppten. Seit Dezember 2017 strebt die EU eine Wiederaufnahme der Verhandlungen an, bisher ohne Erfolg. Die Verhandlungen mit Malaysia (seit 2010) liegen ebenfalls seit 2012 auf Eis. Die Friktionen haben sich durch den Streit um Palmöl und Plastikmüll noch verschärft.

Digitalisierungsopportunitäten.
Zollfreiheit bietet Chancen für den Außenhandel. Doch es gibt sie nicht gratis. Jedes Freihandelsabkommen (kurz FHA) ist das Ergebnis komplizierter Verhandlungen. Es gewährt Zollreduktionen, zum Teil zeitlich gestaffelt, doch dafür müssen Unternehmen ganz bestimmte Ursprungsregeln beachten. Und jedes FHA unterscheidet sich von anderen in gewissen Details. Die Anforderungen an die Unternehmen sind hoch, wenn sie von FHA profitieren wollen. Sie müssen daher genau Aufwand und Gewinn abwägen. Dies trifft auch auf die FHA mit Vietnam und Singapur zu.

Die digitale Transformation bietet Unternehmen jedoch die Chance, ihre Wertschöpfungsprozesse transparenter zu gestalten, die Ausfuhrabwicklung zu beschleunigen und Vorteile von FHA kosteneffizient auszuloten. Die Automatisierung von Prozessen von der Warenklassifizierung und Tarifierung, übers Compliance-, Lager- und Transportmanagement bis zur Import-/Exportverzollung reduziert die Komplexität, verhindert Fehler, senkt Kosten und erhöht die Wertschöpfung. Innovative Cloud-basierte Global-Trade-Management (GTM)-Anwendungen ermöglichen eine schnelle Einbindung von Lieferanten und Kunden in Supply-Chain-Ökosysteme. E2opens intelligente GTM-Applikationen greifen auf eine Datenbank mit Handels- und Zollinformationen aus 170 Ländern zu. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen zeitnah auf Veränderungen im Außenhandel reagieren, sollten beispielsweise Indonesien und Malaysia Zölle auf bestimmte EU-Waren erhöhen. (AM)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

Aussichtsreiche Exportmärkte auf dem indischen Subkontinent

Bangladesch, Indien und Sri Lanka bieten gute Absatzchancen für die deutsche Maschinenbau-, elektrotechnische und chemische Industrie. Infrastrukturmängel, Bürokratie und Korruption bremsen jedoch die dynamische Entwicklung des Außenhandels mit diesen Ländern.

Beitrag: Arne Mielken.

Der indische Subkontinent hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt – trotz politischer und sozialer Unruhen, politisch und religiös motivierter Terroranschläge sowie immer wieder aufflammenden Kämpfen zwischen Indien und Pakistan. Die Wirtschaft dieser Länder profitiert von kostengetriebenen Produktionsverlagerungen, dem steigenden Lohnniveau in der VR China sowie den Spannungen zwischen den USA und China. Der Mittelstand und die Nachfrage nach Qualitätsprodukten wachsen.

Gigant Indien.
Rund 1,2 Milliarden Menschen leben in Indien. Davon werden je nach Bemessungsgrenze 10 – 30% dem Mittelstand zugerechnet. Dies ist ein riesiger Markt, aber mit großen Herausforderungen. Dazu gehören das komplexe indische Zoll-, Steuer- und Rechtswesen, eine Vielzahl nichttarifärer Handelshemmnisse, einschließlich komplizierter Kennzeichnungspflichten, Patentrechtsprobleme, die ausufernde Bürokratie und die Korruption sowie eine zum größten Teil marode, überlastete Verkehrsinfrastruktur.

Der Zolltarif (Customs Tariff Act 1975) basiert grundsätzlich auf der Brüsseler Nomenklatur (Harmonisiertes System), unterscheidet sich aber in manchen Bereichen. Sowohl die Zentralregierung als auch die Regierungen der Bundesstaaten verfügen über Steuerhoheit und je nach Bundesstaat gibt es unterschiedliche Regelungen und Steuersätze.

Mit Einführung eines landesweiten Umsatzsteuersystems (Goods and Services Tax, GST) im Juli 2017 wurde eine Harmonisierung angestrebt. Diese ist aber aufgrund der Vielzahl der Steuersätze und der komplexen Verfahrensstruktur nur partiell gelungen.

Seit 2007 verhandelt die EU mit Indien über ein Freihandelsabkommen, um den Warenaustausch zu vereinfachen. Bis heute zeichnet sich kein konkretes Ergebnis ab. Seit 2008 gibt es jedoch mehrere Verträge zur wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technologischen und militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien.

Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU und sechstwichtigster Handelspartner im weltweiten Vergleich. Seit Beginn der indischen Reformpolitik und Öffnung der indischen Wirtschaft 1991 hat das bilaterale Handelsvolumen stark zugenommen. 2018 standen deutschen Ausfuhren im Wert von 10,5 Mrd. Euro Einfuhren aus Indien im Wert von etwa 8,5 Mrd. Euro gegenüber. Es besteht eine hohe indische Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern (Maschinen, die etwa ein Drittel am Gesamtexport nach Indien ausmachen) sowie Elektrotechnologie, Metallwaren, Chemie, Automobile und Automobilteile. Indien exportiert vor allem Textilien nach Deutschland, gefolgt von chemischen Erzeugnissen, Elektrotechnologie, Metallwaren, Leder und Nahrungsmitteln.

Wachstumsmarkt Bangladesch.
Neben politischen und sozialen Unruhen gefährden vor allem Wetterereignisse Supply Chains von/nach Bangladesch. Die rund 163 Millionen Einwohner leben in einem Gebiet, das von circa 400 Flüssen durchzogen ist und zu dem eines der größten Flussdeltas der Welt gehört. Jährliche Überschwemmungen und Infrastrukturmängel erschweren just-in-time Lieferungen und belasten die Wirtschaft.Diese ist zwar in den letzten Jahren dynamisch mit jeweils über 7 % gewachsen, das Land zählt jedoch mit einem Pro-Kopf-Einkommen von USD 4,176 immer noch zu einem der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Wichtigster Exportzweig ist die Bekleidungsindustrie mit einem sehr niedrigen Lohnniveau. Trotzdem wächst auch in Bangladesch ein gut ausgebildeter Mittelstand mit steigender Kaufkraft heran.

Deutschland ist der zweitgrößte Exportmarkt für Bangladesch nach den USA. Das bilaterale Handelsvolumen steigt kontinuierlich und erreichte 2017 6,08 Milliarden Euro. Dabei exportierte Bangladesch Waren im Wert von rund 5,4 Milliarden Euro nach Deutschland. Der Import belief sich auf magere 0,7 Milliarden Euro. Deutsche Exporte bestehen hauptsächlich aus Maschinen (55 %) sowie chemischen (20 %) und elektrotechnischen Erzeugnissen (9 %). Deutsche Reeder lassen außerdem seit einigen Jahren Schiffe in Bangladesch bauen.

Kleines Sri Lanka.
Nach dem Ende des von 1983 bis 2009 dauernden, blutigen Bürgerkriegs befindet sich Sri Lanka wieder im Aufschwung. Die Terroranschläge im April werden diesen jedoch wieder empfindlich bremsen. Das Land kann mit seiner Lage an der maritimen Seidenstrasse, einer hohen Alphabetisierung (91%) und niedrigen Löhnen punkten. Negativ wirken sich allerdings die sozialistisch geprägte Arbeitsgesetzgebung und unklare bürokratische Entscheidungsabläufe aus. Mit einem pro Kopf Einkommen von 4,065 USD zählt Sri Lanka mit seinen 21 Mio. Einwohnern zu den ärmsten Ländern der Welt.

Deutschland ist der zweitwichtigste Investor aus der EU in Sri Lanka. Zahlreiche Unternehmen, vor allem aus der Textilbranche, haben sich hier angesiedelt. Der Handel mit dem Inselstaat bewegt sich allerdings auf niedrigem Niveau. 2018 exportierte Deutschland Waren im Wert von 351 Mio. Euro nach Sri Lanka und importierte im Gegenzug Waren im Wert von 701 Mio. Euro. Deutschland ist damit der drittwichtigste Absatzmarkt für Sri Lanka. Neben Bekleidung werden Gummi- und Kunststoffwaren, Nahrungsmittel und Futtermittel sowie Erzeugnisse der Landwirtschaft und Fischerei exportiert. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Sri Lanka sind Fahrzeuge, Maschinen, chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse. Seit den 1950er Jahren wurden diverse Handelsabkommen zwischen Deutschland und Sri Lanka abgeschlossen, welche als Grundlage für die wirtschaftliche Kooperation dienen. Wichtigster Handelspartner und Investor der Inselrepublik ist China.

Schritt für Schritt zum Erfolg.
Der indische Subkontinent bietet deutschen Exporteuren interessante Absatzmöglichkeiten. Die Länder haben in vielen Bereichen Aufholbedarf, u.a. bei der Energie- und medizinischen Versorgung, im Umwelt- und Klimaschutz. Das Marktumfeld ist jedoch schwierig. Dazu tragen eine ausgeprägte Bürokratie, Korruption und komplexe regulative Hürden bei. Es gibt keine Freihandelsabkommen mit der EU.

Auf dem indischen Subkontinent herrscht zudem ein anderes Qualitätsverständnis. Im B2C-Bereich begnügt sich der Kunde gerne mit mehr Schein als Sein. Gleichzeitig erwartet er im B2B-Bereich, dass der Lieferant rund um die Uhr erreichbar ist. Es ist daher empfehlenswert, einen lokalen Partner zu engagieren. Facharbeiter sind Mangelware, da ein entsprechendes Ausbildungssystem fehlt. Eine Wartung oder Reparatur vor Ort ist so oft eine große Herausforderung.

Verschiedene Software-Häuser bieten IT-Lösungen an, die die Abwicklung von Exporten in die Region wirkungsvoll unterstützen. Sie helfen bei der Suche nach der richtigen Zolltarifnummer und Exportkontroll-Güterlistennummer. Sie informieren, welche Vorschriften tagesaktuell bei der Ausfuhr respektive Einfuhr in Bangladesch, Indien oder Sri Lanka zu beachten sind, welche Dokumente (Handelsrechnung, Ursprungszeugnisse, Konnossemente, Inspektionszertifikate, Packlisten, Zollerklärung) notwendig sind und welche Handelsabkommen ggfs. genutzt werden können. Sie dokumentieren Behördenkontakte und lassen sich in CRM-, ERP- und Logistik-Systeme integrieren.

Fazit:
Ein wachsender Mittelstand mit steigenden, verfügbaren Einkommen, eine zunehmende Industrialisierung, mehr Umweltbewusstsein sowie geplante Infrastrukturinvestitionen in Indien, Sri Lanka und Bangladesch bieten deutschen Unternehmen interessante Absatzchancen. Für den Erfolg in diesen Märkten braucht es ein pro-aktives Vorgehen, um eine rechtskonforme, kosteneffiziente Lieferfähigkeit zu gewährleisten. Reaktives Risikomanagement reicht nicht aus. Durch Digitalisierung und Prozessautomatisierung können die Außenhandelsrisiken und der administrative Aufwand bei Exporten erheblich verringert werden. (AM)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 3/2019

 

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