Ukraine-Krieg wirbelt Lieferketten durcheinander

Die Welt ist seit der Invasion Russlands in die Ukraine schlagartig eine andere geworden. Und damit auch die Welt der Logistik.

Beitrag: Redaktion.

Am 24. Februar 2022 trat in Europa eine Zeitenwende ein, wie es Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz in Reaktion auf die Invasion Russlands in die Ukraine formulierte. An diesem Tag brach in Europa Krieg aus, dessen Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens noch nicht abschätzbar sind. Hält schon die Corona-Pandemie die Welt seit zwei Jahren in Atem so verschärft der Krieg die Krisensituation noch einmal mehr. Praktisch über Nacht hat sich auch die Welt für die globale Logistik und Rohstoffversorgung grundlegend verändert. Eingespielte Logistikketten funktionieren nicht mehr, Transporte planen war gestern, improvisieren steht heute auf der Tagesordnung. Gütertransporte per Schiff sind genauso nicht mehr planbar wie jene auf Straße, Schiene oder in der Luft. Beim genauen Hinschauen auf das Thema werden die massiven Einschläge sichtbar.

Ein Beispiel dafür ist der Hamburger Hafen, der wichtigste Container-Exporthafen für Österreich. 5,6 Mio. t Fracht aus und für Österreich wurden im Vorjahr via Hamburg umgeschlagen, ein schönes Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020. Und doch ist die Freude im Elbe-Hafen betrübt denn immerhin 337.000 Container wurden bisher jährlich von und für Russland via Hamburg umgeschlagen. Mit elf Liniendiensten wurden von Hamburg aus verschiedene russische Häfen bedient, das alles geht derzeit nicht, weil Russland mit EU-Sanktionen belegt ist und praktisch kein Warenverkehr zwischen EU und Russland stattfindet.

In Hamburg staut sich russische Ladung und Axel Mattern, Vorstand von Hamburg Hafen Marketing, wagt derzeit keine Prognose, wie es künftig mit dem Russland-Handel weitergehen wird. Faktum ist, dass bekannte Reedereien wie Maersk, CMA CGM, MSC oder Hapag Lloyd keine Buchungen mehr für Russland und Ukraine akzeptieren.

Massiv zu spüren bekommt den Ukraine-Krieg der maritime Terminalbetreiber HHLA mit Sitz in Hamburg. Im ukrainischen Hafen Odessa betreibt HHLA einen Containerterminal, der am 24. Februar behördlich geschlossen wurde und seither ruht hier die Arbeit und sind viele von den 450 HHLA-Mitarbeitern in alle Winde verstreut sind, Männer an der Waffe, Frauen und Kinder auf der Flucht. Entlang der ukrainischen Schwarzmeerküste wurden bisher fünf Schiffe Opfer von kriegerischen Angriffen. Weshalb Reedereien mit ihren Schiffen das Schwarze Meer meiden und sich Ladung in anderen Häfen staut, weil das Fahrtgebiet derzeit zu gefährlich ist, weil Seeminen im Meer herumschwimmen und eine große Unfallgefahr für die Schiffe und deren Besatzung darstellen.

Dem Geschäft mit der Luftfracht geht auch die Luft aus. Alle russischen Flugzeuge sind aus dem EU-Luftraum verbannt, umgekehrt können westliche Airlines das weltgrößte Land Russland derzeit nicht überfliegen, geschweige denn anfliegen, weil Russland den Westen das verboten hat. Flüge von Europa nach Asien müssen Russland umfliegen, das dauert nicht nur länger, sondern verursacht auch höhere Kosten und die Flugzeuge müssen die Frachtkapazitäten um 20 Prozent reduzieren. Das wiederum treibt wiederum die Frachtraten in die Höhe. Auch die Bahnen haben das Nachsehen. In den vergangenen Jahren hat sich die eiserne Seidenstraße als Alternative zum doch langen Seeweg im Fernost-Trade etabliert und wurde auf der Schiene immer mehr Fracht von China via Russland nach Europa und vice versa gefahren. Die Nachfrage nach dem Bahntransport durch Russland ist schlagartig eingebrochen, was für Logistiker einen harten Einschlag bedeutet. In „normalen“ Zeiten wurden rund eine Mio. Container pro Jahr auf dem Landweg von Fernost nach Europa und retour befördert. Alle diese Behinderungen führen dazu, dass sich Logistiker derzeit in der Ukraine und Russland geschäftlich nicht präsent sind.

Lieferketten werden durcheinander gewirbelt, Produktionen gedrosselt, weil Rohstoffe oder Komponenten nicht verfügbar sind. Die Versorgung mit Waren und Rohstoffen für Österreichs Handel und Industrie war schon während der Corona-Pandemie auf unterschiedliche Weise gefährdet, der Krieg markiert eine weitere Eskalationsstufe. Die Störungen in den Lieferketten führten zu Beginn der Corona-Krise zu erheblichen Preissteigerungen bei begehrten Rohstoffen. Die globalen Lieferengpässe haben Österreichs Wirtschaft in zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres 750 Mio. Euro gekostet, wie die Österreichische Nationalbank kürzlich vorrechnete. Was also tun in unsicheren Zeiten. Eine der Antworten lautet: Weg vom Single Sourcing, also Abhängigkeit von nur einem Lieferanten, hin zum Dual Sourcing, ja zum Multiple oder sogar Global Sourcing.

Mit mehr Lieferanten lassen sich Ausfälle.
besser ausgleichen. Dual Sourcing erweist sich in Krisenzeiten als Retter in der Not. Diese Erkenntnis wird in Österreichs Handel und Industrie gerade populär. Bricht ein Lieferant ganz oder vorübergehend weg, springt ein zweiter für ihn ein. Das macht die Supply Chain wesentlich resilienter als beim Single Sourcing. Aus eins mach zwei – das ist das Prinzip von Dual Sourcing im Einkauf. Bei zwei Lieferanten muss es aber nicht bleiben. Je nach Branche und Marktumfeld lässt sich die Versorgung auf weitere Schultern verteilen. In diesem Fall spricht man von Multiple Sourcing.

Als Einkäufer in Handel und Industrie sollte man nicht alle Eier in einen Korb zu legen, hält Oliver Wagner, Geschäftsführer des österreichischen Zentralverbandes Spedition & Logistik in Zeiten wie diesen für unabdingbar: „Die Abhängigkeit von einem einzigen Partner in der Supply Chain war niemals eine resiliente Lösung, da Probleme bei diesem Partner sofort auf die gesamte Lieferkette durchschlagen.“ Deshalb hoffen Österreichs Logistiker, dass ihre Kunden künftig stärker das Multiple- und Global
Sourcing forcieren. Nicht nur in Pandemie-Zeiten kann Dual oder Multiple Sourcing beim Einkauf helfen. Es wappnet Lieferketten auch gegen Naturkatastrophen wie eben Kriege, Vulkanausbrüche, Naturkatastrophen oder unerwartete Veränderungen im Beschaffungsprozess wie beispielsweise Insolvenzen, Produktwechsel oder Preiserhöhungen.

In unsicheren Beschaffungszeiten hilfreich ist Rohstoffe auf Vorragt zu lagern, sprich Pufferlager für den Fall der Fälle aufzubauen. Solche seien klar zu forcieren, betont Wagner und rechnet mit einer Rückverlagerung von Produktionen nach Europa und den Aufbau von Pufferlagern. Corona und der Krieg in der Ukraine könnten eine „Deglobalisierung“ bewirken. Das würde bedeuten, dass der Handel zwischen dem Westen und China und Russland relativ zum Bruttoinlandsprodukt abnehmen wird, schätzen Experten die Entwicklung ein. Denn Faktum ist: Politische motivierte Handelshemmnisse verbunden mit geopolitischen Risiken belasten die internationale Arbeitsteilung massiv und begünstigen die Ausbildung eines wirtschaftlichen Nationalismus. (RED)

 

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Dematic automatisiert Palettenhochregallager von pgb-Europe

Seit seiner Gründung als Einmannbetrieb vor mehr als 50 Jahren hat sich die pgb-Europe NV zu einem international tätigen Unternehmen entwickelt und das mit Erfolg.

Beitrag: Redaktion.

In seinem Herkunftsland Belgien zählt der Lieferant von Befestigungsmaterialien und Handwerkzeugen zu den Marktführern. Um eine hohe Servicequalität zu gewährleisten und gleichzeitig dem Unternehmenswachstum Rechnung zu tragen, setzt das Unternehmen auf ein modernes Logistikmanagement. Im Fokus steht dabei der vollautomatische Materialfluss zwischen dem Kommissionierlager und dem neuen Palettenhochregallager am Hauptsitz in Melle in Ostflandern. Für optimal aufeinander abgestimmte Prozesse sorgt dabei eine Lösung von Dematic. Der Intralogistikspezialist installierte zwei Regalbediengeräte, ein Fördersystem für Paletten mit automatischer Präzisionsmessung und Steuerung sowie drei fahrerlose Transportsysteme (FTS).

Das maßgeschneiderte System ermöglicht es pgb-Europe nun, zehn Prozent mehr Gewicht pro Tag zwischen seinen Lägern zu bewegen und somit seine Effizienz deutlich zu steigern.
Nicht nur das reichhaltige Sortiment von pgb-Europe bestehend aus mehr als 100.000 kleinteiligen Artikeln wie Schrauben, Muttern oder Bolzen stellt hohe Anforderungen an die Logistik. Auch das Unternehmenswachstum in den vergangenen Jahren brachte neue Herausforderungen mit sich. Um seine Aufträge schneller und effizienter abzuwickeln, sah der Lieferant von Befestigungsmaterialien und Handwerkzeugen vor allem bei seinen intralogistischen Prozessen Handlungsbedarf – insbesondere auch deshalb, weil er vor drei Jahren die Möglichkeit hatte, ein angrenzendes Grundstück an seinem Hauptsitz in Melle zu erwerben und dort ein zweites Hochregallager mit bis zu 13.400 Palettenstellplätzen für Bulkware zu installieren. Dieses musste nun an das bestehende Kommissionierlager angeschlossen werden. „Nur, wenn der Materialfluss zwischen beiden Lägern vollautomatisch erfolgt, können wir schnelle und problemlose Lieferungen garantieren“, erklärt Vincent Pennoit, Logistikmanager bei der pgb-Europe NV.

Dematic entwickelte daraufhin eine maßgeschneiderte Automatisierungslösung, die beide Bereiche miteinander verbindet. Sie besteht aus zwei kurvengängigen 15 Meter hohen Regalbediengeräten, einem Palettenfördersystem mit automatischer Präzisionsmessung und Steuerung sowie drei fahrerlosen Transportsystemen. „So sind wir in der Lage, heute alles jederzeit zu liefern”, freut sich Pennoit. Noch vor der Inbetriebnahme bot Dematic die Möglichkeit, sich die Lösung aus der Nähe anzusehen. „Wir haben im Vorfeld drei Standorte besucht, um die FTS und Regalbediengeräte live in Aktion zu sehen. Das hat uns die Entscheidung erleichtert“, erinnert sich Pennoit.

Zwei logistische Vorgänge.
Nun erfolgt der Materialfluss bei pgb-Europe vollständig automatisch. In der Regel laufen dort zwei logistische Abläufe statt: Zunächst werden die von den Produktionsstätten in Polen und Vietnam angelieferten Paletten auf den Dematic-Rollenförderer platziert, wo Höhen-, Gewichts- und Präzisionsmessungen durchgeführt werden. Hierbei dürfen die Kartons die Palette nur um maximal fünf Zentimeter überschreiten. Auch die Palette selbst wird einer Kontrolle unterzogen. Anschließend wird sie von den FTS ins Palettenhochregallager transportiert.

In einer zweiten Phase berechnet die Lagerverwaltungssoftware automatisch, wann die FTS die Bestände im Kommissionierlager auffüllen müssen. Zu diesem Zweck verwendet pgb-Europe eine ABC-Analyse. Da der Lagerbestand immer mindestens für zwei Wochen ausreichen muss, führt eine Software alle zwei Wochen eine Analyse der bisherigen Kommissionieraufträge durch und berechnet die ABC-Klassifizierung neu. Droht der Bestand eines bestimmten Produkts in der Kommissionierzone auszugehen, bekommen die Regalbediengeräte von der Lagerverwaltungssoftware unmittelbar den Befehl, neue Kartons auf Paletten aus dem Schüttgutbestand anzuliefern.

An einer Pick & Drop-Station übergeben die Regalbediengeräte die ausgewählte Palette an eines von drei Dematic FTS mit Hubgabel, das diese zum Kommissionierlager transportiert. Dank der FTS gewinnt pgb-Europe deutlich an Effizienz, wie Pennoit bestätigt: „Der große Vorteil ist, dass wir die Ware nicht mehr vom Versandlager abholen müssen. Die Mitarbeiter müssen nicht mehr nach Material suchen, es wird ihnen nun automatisch zur Verfügung gestellt.“

Effizienzgewinn von zehn Prozent.
Bis vor drei Jahren hatte das Familienunternehmen noch ein Lager im gut 30 Kilometer entfernten Aalter gemietet. Produkte, die in Melle nicht vorrätig waren, mussten von dort aus angeliefert werden. Dies bedeutete eine Verzögerung von bis zu 24 Stunden. Mit dem Bau des zweiten angrenzenden Palettenlagers sind nun alle Artikel an einem Ort verfügbar. Zusätzlich entfallen die Arbeits-stunden für den Transport wie auch die Mietkosten. Da pgb-Europe nun Aufträge schneller bearbeitet und versendet, ist vor allem die Zufriedenheit der Kunden gestiegen. Zu diesen zählen Kaufhäuser, Metallbetriebe, Baumärkte und Industriekunden in ganz Europa. „Wir sind in der Lage, zehn Prozent mehr Gewicht zwischen unserem Lager- und Kommissionierlager zu bewegen, insgesamt bis zu 65 Tonnen pro Tag. Und das alles bei gleicher Mitarbeiterzahl. Mission erfüllt, dank Dematic”, resümiert Pennoit.

Zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten.
Die Implementierung der Automatisierungslösungen verlief dabei reibungslos. Nach einer kurzen Testphase nahm pgb-Europe die Anlage in Betrieb. Zu Spitzenzeiten stellen die Regalbediengeräte nun 40 Paletten pro Stunde bereit. Dabei bietet sich für die Zukunft noch genügend Spielraum, um den Durchsatz zu erhöhen. „Momentan ist die Geschwindigkeit mehr als ausreichend, um unsere Kommissionierprozesse zu unterstützen. Deshalb müssen sie auch nicht nachts laufen. Die Regalbediengeräte arbeiten von sechs bis 23 Uhr, genau wie die FTS“, berichtet Pennoit. Technische Variationen sind jederzeit möglich. „Da kommt uns auch die räumliche Nähe zugute. Benötigen wir Kapazitätsanpassungen oder weitere Unterstützung, können schnell und einfach Mitarbeiter vom Dematic-Standort in Zwijndrecht für uns abgestellt werden“, erklärt Pennoit. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

EU MwSt. Paket

Am 30. September veröffentlichte die Kommission Erläuterungen zu den neuen E-Commerce-Vorschriften für die Mehrwertsteuer.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Erläuterungen enthalten ausführliche Erklärungen und Richtigstellungen zu diesen neuen Regeln, einschließlich praktischer Beispiele zur wie die gesetzlichen Vorgaben anzuwenden sind, wenn Sie etwa ein Lieferant sind, oder eine elektronische Schnittstelle (z.B. Marktplatz, Plattform) betreiben, die an E-Commerce-Transaktionen beteiligt ist.

Diese Erläuterungen sollen Online-Unternehmen und insbesondere KMU helfen, ihre Mehrwertsteuerpflichten zu verstehen, die sich aus grenzüberschreitenden Lieferungen an Verbraucher in der EU ergeben. Die von der Generaldirektion Steuern und Zollunion der Europäischen Kommission entwickelten Erläuterungen zur Mehrwertsteuer werden in Kürze in alle offiziellen EU-Sprachen sowie in Chinesisch und Japanisch übersetzt. Die Erläuterungen werden von der Aktualisierung des Leitfadens für den One-Stop-Shop und von Leitlinien im Zollbereich begleitet. Mehr als 400 Kommentare wurden von EU Interessenträgern eingereicht und werden derzeit geprüft. Das Zollleitliniendokument wird derzeit abschließend überarbeitet.

Aufgrund der praktischen Schwierigkeiten, die durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie entstehen, wird die Anwendung der neuen E-Commerce-Vorschriften für die Mehrwertsteuer (s.g. EU-MwSt. Paket) um sechs Monate verschoben. Daher gelten die Vorschriften ab dem 1. Juli 2021 anstelle des 1. Januar 2021, so dass die Mitgliedstaaten und Unternehmen zusätzliche Zeit für die Vorbereitung haben und es zu einer einheitlichen, flächendeckenden Einführung in der gesamten EU kommen kann.

Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Mehrwertsteuerpflichten für Unternehmen, die grenzüberschreitende Verkäufe von Waren oder Dienstleistungen (hauptsächlich online) an Endverbraucher tätigen, zu vereinfachen und sicherzustellen, dass die Mehrwertsteuer auf solche Lieferungen korrekt an den Mitgliedstaat gezahlt wird, in dem die Lieferung erfolgt, dem Grundsatz der Besteuerung im Bestimmungsmitgliedstaat folgend. Die Kommission schlug in zwei Schritten EU-Rechtsvorschriften in diesem Bereich vor.

Die ersten Maßnahmen traten 2015 in Kraft und betrafen Telekommunikation, Rundfunk und elektronische Dienste für Verbraucher. Das zweite Maßnahmenpaket wurde vom Rat im Dezember 2017 verabschiedet und hat die Vereinfachungen auf den Fernabsatz von Waren, sowie auf alle Arten von grenzüberschreitenden Dienstleistungen für Endkunden in der EU ausgeweitet. Die letztgenannten Maßnahmen, auch als „EU Mehrwertsteuer Paket“ bezeichnet, gelten ab dem 1. Juli 2021. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

Vom Risiko zur Chance – Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum

Die politischen Turbulenzen in Vorderasien und im Mittleren Osten haben die Compliance-Herausforderungen beim Export in diesen Wirtschaftsraum enorm in die Höhe geschraubt. Mit IT-Unterstützung lassen sich die Risiken jedoch gut managen.

Redaktion: Arne Mielken.

Bürgerkrieg in Syrien, Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien, Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran im Irak und in Syrien, iranischen Angriffe auf Schiffe in der Strasse von Hormoz und auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien, Stellvertreterkrieg im Jemen – alle diese Ereignisse sprechen gegen Exporte in diese Region.

Tor zum Mittleren Osten.
Der Handel mit der Türkei leidet zudem unter der schrumpfenden Wirtschaftsleistung, der hohen Inflationsrate, hohen Zinsen und dem Wertverlust der türkischen Währung. Produkte aus Deutschland und Österreich sind dadurch z.T. sehr teuer geworden. Die Euphorie nach Abschluss der Zollunion zwischen der EU und der Türkei im Jahr 1996 ist längst verflogen. Trotzdem schätzen Experten die mittel- bis langfristigen Exportchancen für deutsche und österreichische Unternehmen in der Türkei als gut ein.

Das Land mit über 80 Mio. Einwohnern hat eine junge, recht gut ausgebildete Bevölkerung und vor allem viele unternehmerisch denkende Menschen, die die Möglichkeiten, die sich der Türkei als Tor zum Mittleren Osten und zu den Stan-Ländern bieten, kreativ ausschöpfen. Im konsumfreudigen Mittelstand wächst zu dem die Nachfrage nach Qualitätsprodukten und -dienstleistungen. In Industrie und Handel sind innovative Technologien (Maschinen, IT, Infrastruktur, Transportwesen, Medizintechnik) gesucht.  Die EU ist mit Abstand der grösste Exportmarkt der Türkei (mit rund 50 Prozent), während die Türkei der fünftgrösste Import- und Exportmarkt der EU ist.

Chancen in Arabien.
Der niedrige Ölpreis und die politische Instabilität in der Region haben zahlreiche Investitionsvorhaben im Nahen Osten und auf der arabischen Halbinsel im letzten Jahr ausbremst. Trotzdem werden die Exportchancen für deutsche und österreichische Unternehmen z.B. in Saudi-Arabien mittel- und langfristig mit gut beurteilt. Dazu beigetragen haben u.a. die internen Reformen im Rahmen der „Saudi Vision 2030“.

Saudi-Arabien ist ein interessanter Absatzmarkt.
für Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge, chemische, elektrotechnische, feinmechanische und optische Er¬zeug¬nisse, Pharmaprodukte, Luxusgüter und Lebensmittel. Als problematisch gelten Rüstungsexporte, insbesondere nach dem Mord an dem Journalisten Kashoggi. Noch bedeutsamer sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Absatzmarkt für Flugzeuge, PKW, Maschinen sowie elektrotechnische und chemische Erzeugnisse. Auch als Knotenpunkt für den Handel und den Transport nach Ostafrika und den indischen Subkontinent sind die VAE nicht zu unterschätzen.

Der Handel mit dem Irak, Syrien und Jemen ist sehr intransparent und bewegt sich kriegsbedingt seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau. Hoffnungen für einen Aufschwung verbinden sich immer mal wieder mit Grossprojekten, wie den Bau neuer Raffinerien und einer Ölpipeline von Basra nach Aqaba. In wieweit sich diese realisieren lassen, bleibt abzuwarten.

Zollunion, aber kein modernes Assoziierungsabkommen.
Das seit 1996 bestehende Abkommen der Türkei mit der EU sichert den freien Warenverkehr (keine Ein- und Ausfuhrzölle und Beschränkungen) für Industriegüter und bestimmte landwirtschaftliche Verarbeitungserzeugnisse. Darüber hinaus wird durch die Zollunion ein gemeinsamer Außenzolltarif für diese Waren festgelegt und die Angleichung des Zollrechts, der Handelspolitik und einiger damit verbundene Wirtschaftsgesetzgebungen sichergestellt. Allerdings sehen sich Exporteure seit 2011 immer häufiger mit neuen Importbestimmungen, sich ändernden Einfuhrkontrollen, Dumping-, Zusatz-, und Ausgleichszöllen sowie schwierigen Registrierungs- und Dokumentationspflichten konfrontiert. Dazu gehören auch Ursprungsnachweise in Form eines IHK-Ursprungszeugnisses, einer Lieferantenerklärung oder einer sog. Exporter’s Declaration. Die im Dezember 2016 begonnen Verhandlungen über eine Modernisierung des Handelsabkommens – analog den Assoziierungsabkommen mit Japan, Kanada und Mexiko – liegen seit Juni 2018 aus diversen politischen Gründen auf Eis.

Abkommen, aber kein Freihandel.
Mit Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und den VAE, den Mitgliedern des Golfkooperationsrates – GKR (Gulf Co-operation Council – GCC), hat die EU 1989 ein Kooperationsabkommen abgeschlossen. Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FHA) wurden 2008 seitens des GKR ausgesetzt und bisher nicht wieder aufgenommen. Der GKR hat allerdings inzwischen ein FHA mit der EFTA und Singapur unterzeichnet. 2014 strich die EU den Mitgliedern des GKR die Zollvergünstigungen für Entwicklungsländer.

Bedeutsam für deutsche und österreichische Exporteure ist der einheitliche Aussenzollsatz im 2008 vom GKR etablierten gemeinsamen Markt (Gulf Common Market-GCM), der für die meisten Waren 5% beträgt. Der Warenhandel innerhalb des GCM ist zollfrei. Zollanmeldung und Abgabenerhebung werden grundsätzlich in dem Mitgliedstaat durchgeführt, in dem die einzuführende Ware erstmals das Zollgebiet der Zollunion erreicht. Bei der anschliessenden Weiterversendung innerhalb der Zollunion sind in der Regel keine weiteren Zollmassnahmen (Abfertigung, Abgaben) erforderlich. Im Exportland innerhalb des GCM ist lediglich eine Erklärung für statistische Zwecke auszufüllen, die beim Import in einen anderen GKR-Staat vorgelegt werden muss. Die Zollanmeldungen im Emirat Dubai müssen elektronisch abgegeben werden. Für die Wareneinfuhr in die VAE ist ausserdem eine Legalisierung der von der zuständigen IHK/Wirtschaftskammer bescheinigten Ursprungszeugnisse und Handelsrechnungen durch die Konsularabteilung der Botschaft der VAE erforderlich.

Sanktionsbestimmungen beachten.
Mit dem Irak besteht seit dem 1. August 2018 ein nichtpräferenzielles Handelsabkommen, das (auch wenn der Irak noch kein Mitglied der WTO ist) die grundlegenden WTO-Regeln sowie einige wichtige Präferenzklauseln (insbesondere in Bezug auf das öffentliche Beschaffungswesen, Dienstleistungen und Investitionen) enthält. Mit dem Jemen wurde bereits 1998 ein nicht-präferenzielles Kooperationsabkommen abgeschlossen. Beide Länder unterliegen Exportverboten in Bezug auf Rüstungs- und bestimmten Dual-Use-Güter sowie Finanzkontrollen. Die EU-Mitgliedstaaten sind angehalten alle Ladungen auf dem Weg nach dem Jemen bei Verdacht einer verbotenen Sendung zu kontrollieren und verbotene Lieferungen zu beschlagnahmen und zu entsorgen. Ein Waffenexportverbot gilt auch für den Libanon.

Der Handel mit Syrien unterliegt seit Beginn des Bürgerkriegs umfangreichen Sanktionsbestimmungen seitens der EU, aber auch der USA. Diese umfassen nicht nur Öl- und Ölprodukte sowie Ausrüstung für die Öl- und Gasindustrie, Kraftwerke, Rüstungsgüter, Flugzeugteile, sondern auch Luxusgüter, Maschinen und diverse andere Waren. Unternehmen, die mit US-Firmen Handel betreiben, sollten sich besonders genau über die Sanktionsbeschränkungen informieren. Das 1977 abgeschlossene Kooperationsabkommen zwischen der EU und Syrien wurde 2011 respektive 2012 teilweise suspendiert. Die Unterzeichnung eines 2008 ausgehandeltes Assoziierungsabkommen liegt aus politischen Gründen auf Eis.

Risiken mit IT-Lösung vermeiden.
KMU können sich bei ihrer Handels- respektive Wirtschaftskammer über die aktuellen Bestimmungen im Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum informieren. Bei grösseren Warenvolumina und in Anbetracht der volatilen und komplexen Im- und Exportbestimmungen empfiehlt es sich jedoch, eine SaaS IT-Lösungen mit kontinuierlich aktualisierter Datenbank einzusetzen. Mit IT-Unterstützung lassen sich multinationale Sanktionslistenprüfungen, Lieferantenerklärungen, komplexe Ursprungsregeln und allfällige Risiken relativ einfach managen, ebenso die Suche nach der richtigen Zolltarifnummer und Exportkontroll-Güterlistennummer. Innovative, ausgefeilte Systeme informieren Unternehmen ausserdem, welche Vorschriften bei der Ausfuhr aus Deutschland/Österreich und der Einfuhr in das Bestimmungsland zu beachten, welche Dokumente notwendig und wie hoch die Zoll- und Mehrwertsteuersätze sind.

Sie zeigen dem Nutzer, wo für ihn als Industrie- und Handelsunternehmen oder Logistikdienstleister Risiken bestehen. Und sie dokumentieren firmeninterne Exportkontrollen für Behördennachfragen. Mit einer solchen Management-Software können Exporteure durch die Automatisierung ressourcenintensiver Schritte die Zeit für die Qualifizierung von Waren deutlich reduzieren: Einholung von Lieferanteninformationen, Einhaltung der Ursprungsregeln und Analyse der Stücklisten (Bill of Material/BOM). So können Verwaltungskosten gesenkt, Zölle und Transportkosten minimiert werden. Auch die Compliance wird verbessert. Da falsche oder nicht gerechtfertigte Ursprungsangaben auf präferenziellen Ursprungsnachweisen nicht nur wirtschaftliche Einbussen zur Folge haben, sondern auch strafrechtliche Zollverfahren für den Exporteur und den Empfänger auslösen können, sollten Firmen alle Prozesse automatisch, auditierbar dokumentieren.

Fazit:
Der Export in die Türkei und den arabischen Raum ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Neben zolltariflichen und nicht-tarifären Hürden und Hemmnissen ist die Geschäftskultur eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. So fliessen in diesen Ländern kulturelle und religiöse Regeln viel stärker ins Geschäftsleben ein, als das in westeuropäischen Staaten der Fall ist. Doch für den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automotive- und Pharmaindustrie bieten sich durchaus lukrative Chancen. Ein gutes, IT-gestütztes Trade Compliance-Management erlaubt Unternehmen trotz Risiken, Chancen in diesem Wirtschaftsraum voll auszuschöpfen.
(AM)

 

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
#politics #management

Komplettlösung für ein nachhaltig ausgezeichnetes Logistikzentrum

DeLaval ist weltweit führender Anbieter von Produkten und Lösungen für die Milchwirtschaft, die hohe Milchqualität und gute Tiergesundheit gewährleisten und täglich von Millionen von Milchviehbetrieben rund um den Globus eingesetzt werden. Das Unternehmen entwickelt, produziert und liefert Ausrüstung und Komplettsysteme im Bereich der Milchproduktion und Tierhaltung für Milchviehbetriebe, beschäftigt 4.500 Mitarbeiter und ist in mehr als 100 Ländern vertreten.

Beitrag: Redaktion.

Im Mecklenburg-Vorpommerschen Gallin hat DeLaval ein neues Logistikzentrum für den europäischen Markt bauen lassen, in dem das gesamte Artikelsortiment gelagert und von dort aus distribuiert wird. Es sollte ebenso nachhaltig werden, wie es Vision und Ziel des Unternehmens ist, nachhaltige Lebensmittelproduktion möglich zu machen. Das neue Logistikzentrum wurde dann auch mit dem Nachhaltigkeitszertifikat LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) Gold als anerkanntes internationales Nachhaltigkeitssiegel für Immobilien ausgezeichnet.

Die BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH hat das neue DeLaval-Logistikzentrum mit einer Lagersystem-Komplettlösung ausgestattet. Zum Einsatz kommt fast das komplette Regalanlagen-Sortiment der BITO-Lagertechnik: Palettenregale, Paletten-Durchlauf-Systeme für Schnelldreher, Kragarmregale für Langgutlagereinheiten bis 800 kg/qm Last, eine dreigeschossige Fachbodenregalanlagen zur Kleinteilelagerung mit Stahlbaubühnen in den Vorzonen sowie einige Stückgut-Durchlauf-Regale.

Neues Logistikzentrum mit viel Platz und höchster Flexibilität.
Ralf Sundaram Pillai, Warehouse Manager bei der DeLaval Services GmbH: „Unser alter Standort wurde zu klein und mit der Zeit auch zu ineffizient. Daher haben wir uns für den Bau eines komplett neuen Logistikzentrums entschieden. Hier steht uns nun eine Lagerfläche von 52.000 qm plus 4.000 qm für Büroräume zur Verfügung. Unser Ziel ist es, mit der neu geschaffenen Fläche und einer Ausstattung nach modernsten und besonders nachhaltigen Richtlinien, für mehr Effizienz und Flexibilität zu sorgen, um Kosten zu sparen und darüber hinaus Raum für weiteres Wachstum zur Verfügung zu haben.

Wir haben mehrere 10.000 Artikel im Portfolio wie Melksysteme, Melkausrüstung, Kuhkomfort, Herdenmanagement, Fütterung sowie Entmistung. In unserem neuen Logistikzentrum benötigen wir geeignete Lagermöglichkeiten für unser ganzes Sortiment. Hier müssen sowohl Kleinteile als auch Großteile, Langgut und Schwergut gelagert, aber auch Elektronikteile und Gefahrenstoffe, wie chemische Reinigungsmittel, sicher aufbewahrt werden können. Daher haben wir nach einer kompletten Lagerausstattung gesucht, um die große Menge an Artikelvarianten verschiedenster Größenordnungen, die wir unseren Kunden anbieten, fachgerecht, sicher und gut sortiert zu lagern.“ Das ganze Sortiment wird nun zentral gelagert und das neue Logistikzentrum ist so geplant und eingerichtet, dass kurze Wege effizientes Wirtschaften ermöglichen. Alle Artikel können nicht nur nach ihrer Beschaffenheit sondern auch analog der Bestellhäufigkeit der Produkte im Lager positioniert werden.

Planung und Umsetzung einer Gesamt-Logistiklösung.
Das Ingenieurbüro „Logistikplanung Rusche“ aus Hamburg erhielt von der konzeptionellen Entwicklung bis hin zur kompletten Realisierung sämtlicher logistischer Einrichtungen den Gesamtplanungsauftrag für das Logistikzentrum. Das sogenannte „Europa-Distributioncentrum“ (EDC) besteht aus vielen unterschiedlichen Lagerbereichen und wurde gemeinsam mit dem DeLaval-Projektteam klassisch von innen nach außen entwickelt und geplant, wobei bei der Planung der jeweiligen Lagerbereiche die Verantwortlichen großen Wert auf eine hohe Flexibilität und ständige Erweiterungsmöglichkeiten der Lagereinrichtung  und der eingesetzten Lagersysteme gelegt.

BITO-Lagertechnik hat im Rahmen einer sehr komplexen Ausschreibung den Auftrag für die Lieferung und Montage der wesentlichen Regalanlagen des Logistikzentrums erhalten. Die Ausschreibung der Regalanlagen enthielt die entsprechenden Übersichtszeichnungen der verschiedenen Lagerbereiche und basierte zudem auf ein zuvor erstelltes detailliertes Leistungsverzeichnis, in dem alle Anforderungen und Bedingungen der unterschiedlichen Regalanlagen gelistet waren.

Die Montage von ca. 25.000 Europool-Palettenstellplätzen, ca. 7.000 laufenden Metern Kragarmregalebenen und einer dreigeschossigen Fachbodenregalanlage  erfolgte in enger Abstimmung zwischen der DeLaval-Services GmbH, dem Planungsbüro „Logistikplanung Rusche“ und BITO-Lagertechnik. „Von Artikeln in mm-Größe bis hin zu Langgut, das mehrere Meter misst, haben wir alles im Sortiment. Aufgrund der Artikelvielfalt und der zudem sehr unterschiedlichen Beschaffenheit der zu lagernden Artikel in Größe, Gewicht, Stückzahl und Art wollten wir gerne mit einem Lieferanten zusammenarbeiten, der das gesamte Spektrum einer für uns sinnvollen, nachhaltigen Lagersystem-Lösung anbieten kann. (RED).

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
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Sind Ihre Mitarbeiter fit im US – Außenhandelsrecht?

Sie exportieren in die USA? Sie importieren Teile oder technisches Know-how aus den USA? Dann sollten sich Ihre Mitarbeitenden gut im US-Außenhandelsrecht auskennen. Verstöße können teuer werden. Regelmäßige Schulungen sind unumgänglich.

Beitrag: Redaktion.

Trump ist Ihr Albtraum oder Sie sind ein Trump-Fan? Wie auch immer. Falls Sie Handel mit den USA treiben, müssen Sie sich mit den Auswirkungen seiner Politik arrangieren. Und dies betrifft Hunderte von Firmen in Deutschland. Die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer von Waren «Made in Germany». 2018 erreichten die Ausfuhren einen Rekordwert von 113,5 Milliarden Euro. Auch die Importe aus den USA sind mit 64,6 Milliarden Euro bedeutsam. Doch wie gut kennen sich Ihre Mitarbeitenden im hoch komplexen US-amerikanischen Handels- und Zollrecht aus? Alles dem Zollspediteur zu überlassen ist für Industrie und Handelsorganisationen nicht ratsam. Denn Rechtsverstöße werden in den USA mit hohen Strafen belegt.

Exterritoriale Geltung.
Einer der Gründe, warum Sie ihre Mitarbeiter kontinuierlich schulen sollten, ist die exterritoriale Geltung des US-Exportkontrollrechts. Während in EU-Staaten, einschließlich Deutschland, der Grundsatz des freien Warenverkehrs gilt, sind bewilligungsfreie Exporte aus den USA eher die Ausnahme. Zudem kontrollieren die USA ihre Güter im Handelsverkehr auch außerhalb des eigenen Territoriums, wo auch immer sich diese in der Welt bewegen.

Das US-Exportkontrollrecht findet u.a. Anwendung auf Güter, die außerhalb der USA produziert werden, in denen aber US-Vorprodukte enthalten, oder die das Resultat von US-Technologien, Blaupausen u.ä. sind. Je nach Empfangsland bzw. Empfängerperson wird zum Teil bereits ab einem wertmäßigen US-Anteil von 10% ein Gut als US-Gut betrachtet und entsprechend durch US-Recht kontrolliert. Das US-Recht folgt der Ware. Damit müssen US-Regularien auch von Unternehmen beachtet werden, die keine Niederlassung in den USA haben, aber direkt oder indirekt mit US-Produkten zu tun haben.

Die De-Minimis-Regel gilt nur bei (Re-) Exporten von Dual-Use-Gütern. Für Rüstungsgüter oder Luft- und Weltraumtechnologie, die nicht durch die EAR (Export Administration Regulations), sondern durch ITAR (International Traffic in Arms Regulations) kontrolliert werden, genügt bereits der Einbau einer einzigen ITAR-kontrollierten Komponente, um das Gesamtgut der Kontrolle der ITAR zu unterwerfen, sog. see-through-rule.

Aufmerksamkeit verlangt auch die Vielzahl der Sanktionslisten bezüglich Länder, Organisationen und Personen der US-Behörden. Für Kundenunternehmen, Lieferanten oder Geschäftspartner, die in diesen Listen aufgeführt sind, besteht entweder eine Meldepflicht an die US-Behörde, eine Bewilligungspflicht oder sogar ein Verbot des Geschäfts.

Das US-Exportrecht gilt unter Umständen auch, wenn ein Unternehmen Standorte oder Beteiligungen in den USA unterhält, wenn ein US-Unternehmen an der Gesellschaft beteiligt ist oder wenn ein Unternehmen US-Staatsbürger oder auch nur Inhaber einer “US-Greencard” beschäftigt. So kann z.B. ein Vortrag im Ausland über bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse durch einen US-amerikanischen Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens eine Exportlizenz benötigen („deemed export“).

Ebenso das Ausstellen eines Produkts im Rahmen einer Messe außerhalb Deutschlands. Auch der grenzüberschreitende Versand von Produktbeschreibungen oder die Information eines ausländischen Staatsangehörigen über Merkmale des Produkts können einen Export nach US-Recht darstellen. Die Verpflichtungen betreffen auch deutsche Unternehmen, die lediglich Produkte und Dienstleistungen in andere EU-Länder verbringen. Besondere Regeln sind ebenfalls bei den internen Abläufen innerhalb exportierender Unternehmen zu beachten. Unter anderem müssen bei der Produktion bestimmter in den USA gelisteter Güter besondere Sicherheitsstandards bezüglich Zutrittes, Organisation und Auswahl der Mitarbeiter beachtet werden.
C-TPAT etc.

Aber auch der Export in die USA ist nicht hürdenfrei. Die Bestimmungen des Zollpartnerschaftsabkommens C-TPAT und der elektronischen Voranmeldung von Warenimporten sollten bekannt sein. Die Einfuhr von Lebensmitteln und Pharmaprodukten in die USA stellt hohe Anforderungen. Die Vorgaben der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelaufsicht “Food and Drug-Administration” (FDA) müssen ebenso erfüllt werden, wie die des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) und der amerikanischen Zollbehörde CBP (Customs Border Protection).

Eine richtige, vollständige und schlüssige Dokumentation ist entscheidend für eine schnelle, termingerechte Lieferung und den Zugang zum US-amerikanischen Markt. Bei verschiedenen Waren muss eine Importlizenz ebenso wie Adressen und FDA Registriernummern des Exporteurs, Herstellers, Importeurs und Empfängers vorliegen. Der Warenursprung muss lückenlos belegt
werden.

Drawback-Verfahren:
Interessante finanzielle Vorteile ergeben sich für Exporteure, die Waren in den USA veredeln und dann weiter nach Lateinamerika oder Kanada verkaufen. Das Drawback-Verfahren bietet die Option, bei der CBP die Erstattung von bereits gezahlten Einfuhrabgaben beim Reexport veredelter, nicht benötigter oder defekter Waren („Manufacturing Drawback“, „Unused Merchandise Drawback“, „Substitution Drawback“) zu beantragen. Die Zollbehörde erstattet im Regelfall 99% der gezahlten Einfuhrzölle. Bei „Unused Merchandise Drawback“ werden überdies auch die Zollabfertigungsgebühren (merchandise processing fees) erstattet. Grundsätzlich ist es am Exporteur der Einfuhrwaren oder gleichartiger Waren, die Erstattung zu beantragen.

Spezialschulung tut not.
Zahlreiche Firmen, Institutionen und Verbände bieten in Deutschland Schulungen im Bereich Exportklassifizierung und -verzollung, Compliance, Freihandelsabkommen u.ä. für Fach- und Führungskräfte an. Die Global Trade Academy von E2open (ehem. Amber Road, mit Hauptsitz in New Jersey USA) hat sich vor allem auf USA fokussierte Themen und den globalen Handel mit Dual-Use-Gütern spezialisiert. Kostenlose Webinars zu aktuellen Themen wie neue Gesetzesvorschriften, Sanktionen oder Zölle, Brexit und Incoterms 2020 bieten viel Raum für die Beantwortung individueller Fragen aus dem Berufsalltag.

Seminare und Konferenzen werden in verschiedenen Ländern (in Nordamerika, Asien und Europa) sowie Sprachen zu Themen des internationalen Handels, Außenhandelsmanagement, Supply-Chain- Management, Import- und Exportkontrollen, Zollabwicklung, Freihandelsabkommen, Präferenzabwicklung und Trade Compliance Management angeboten. Darüber hinaus ist die Global Trade Academy seit Jahren erfolgreich mit Online Trainings und Präsenzveranstaltungen, die zum Teil speziell auf individuelle Firmenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Zum Schulungsprogramm gehören auch drei Intensivkurse mit Abschlusszertifikat. Hier liegt der Fokus auf global standardisierter HS-Klassifizierung und Tarifierung, Exportkontrollrecht (USA, EU etc.) und Drawback-Verfahren (USA). Zum Selbststudium dient die Lernplattform „Learning Management System“ (LMS). Sie gewährt Zugriff auf eine Bibliothek mit bereits abgehaltenen Online-Seminaren zum Themenzyklus Handelsrecht Im- und Export. Das gesamte Schulungsprogramm ist auf den Praxisalltag ausgerichtet. Die Kurse kosten zwischen 600 und 3000 USD/Person.

Fazit:
Fundiertes Wissen im internationalen Handelsrecht, insbesondere in Bezug auf Ihre Lieferländer und Absatzmärkte, ist essenziell für reibungslose und rechtssichere Geschäftsabläufe. Angesicht des zunehmenden Protektionismus weltweit und immer mehr Vorschriften und Verordnungen im Welthandel wächst die Bedeutung von Schulungen, Auffrischungskursen und einer generellen Sensibilisierung für Trade-Compliance-Themen. Trade Compliance ist für Firmen Voraussetzung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, bringt aber neben der Strafvermeidung keinen messbaren Wettbewerbsvorteil. Daher tun sich viele Firmen schwer, die notwendigen Mittel für Schulungen bereit zu stellen. Andererseits sind gute Fachkenntnisse Voraussetzung für die anstehende digitale Transformation und Automatisierung aller Geschäftsprozesse. (US)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

 

Vorteile einer automatisierten Kreditorenbuchhaltung

Die digitale Transformation ist unerlässlich für den Geschäftserfolg von morgen. Sie ist keine Option mehr, sondern Notwendigkeit. Alle Geschäftsfelder sind betroffen, insbesondere der Einkauf.

Beitrag: Thomas Kofler.

Als Einstieg in die digitale Transformation eignet sich vor allem die Kreditorenbuchhaltung (AP Accounts Payable), d.h. die Buchführung der Kontokorrentbeziehungen zwischen dem eigenen Unternehmen und externen Lieferanten und Dienstleistungsanbietern. Hier wird das Tagesgeschäft häufig noch immer von Papier und Personal intensiven, manuellen, fehlbehafteten Prozessen bestimmt. Die Kreditorenbuchhaltung zählt in vielen Konzernen zu den ineffizientesten und kostenträchtigsten Abteilungen in einem Konzern. Besonders hoch ist der Verwaltungsaufwand u.a. bei Speditionen und Expressdienstleistern, die meist Hunderte von Lkw-Unternehmen beschäftigen. Durch Automatisierung können Unternehmen den Arbeitsaufwand und Kosten senken sowie Zeit und Personal einsparen. Die Rendite entsprechender Investitionen (ROI = Return on Investment) ist hoch.

Stolpersteine.
Warum kommt die Digitalisierung in diesem Bereich trotzdem nur schleppend voran? Zum einen geniesst die Kreditorenbuchhaltung als Nebenzweig der Finanzbuchhaltung im Bereich Finanzen und Controlling keinen hohen Stellenwert. Entsprechend schwierig ist es für die Verantwortlichen, die nötigen Investitionen bewilligt zu bekommen. Vielen Finanzkontrolleuren ist nicht bewusst, wie viel Geld sie mit einer Automatisierung einsparen könnten und dass die Einsparungen die Investitionen über Zeit weit überschreiten.

Ein weiteres Problem ist das Silodenken in grossen Organisationen und die unsichtbaren Mauern zwischen Buchhaltung, IT und Einkauf. Naturgemäss hat die Kreditorenbuchhaltung einen engen Bezug zum Beschaffungswesen, insbesondere dem Einkauf. Meistens rapportieren die Bereiche jedoch an unterschiedliche
Führungskräfte und sehen sich daher als Konkurrenten mit unterschiedlichen Zielen. Es braucht bei der Einführung von AP-IT-Lösungen einen langen Atem. Viele Lieferanten sträuben sich anfangs gegen einen Systemwechsel hin zu e-Invoicing und e-Payments. Hier sind Fingerspitzengefühl und Überredungskunst gefragt.

Softwarefunktionen.
Das Angebot technischer Lösungen für eine Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung ist gross. Ihre Funktionalität wird ständig verbessert. Waren Supply-Chain-Finance (SCF)-Lösungen anfänglich auf Grossunternehmen ausgerichtet, stehen heute KMU im Fokus. Denn laut Expertenaussagen verfügen erst 52% über eine SCF-Lösung. Laut einem Bericht des McKinsey Global Institute vom Januar 2017 könnte rund die Hälfte aller bezahlten Tätigkeiten von Mitarbeitenden in Wirtschaftsunternehmen mit der heute zur Verfügung stehenden Technologie automatisiert werden.

Wie funktioniert AP Lösungen? Der Prozess beginnt mit der Auftragserteilung und anschliessenden Rechnungsstellung. Akzeptieren Sie nur noch elektronische Rechnungen von Ihren Lieferanten! Durch kostenloses Verknüpfen aller Lieferanten mit einer Multi-User-Plattform erreichen Sie eine hohe Akzeptanz fürs e-Invoicing. Wenn der Lieferant die Plattform auch für eigene Geschäfte nutzen kann, z.B. den Einkauf von Ersatzteilen unteranderem wächst die Bereitschaft, digitale Prozesse zum Standard zu machen.

Mit moderner Software können Sie die gesamte Rechnungsbearbeitung automatisieren. 
Eingehende Rechnungen werden erfasst und automatisch mit Aufträgen, Vertragskonditionen, aber auch gesetzlichen und firmeninternen Compliance-Vorgaben und Zollbestimmungen sowie Wareneingangsbuchungen/Lieferscheinen verglichen. Nach positiver Prüfung werden sie zur Zahlung frei gegeben markiert und gemäss den vorgegebenen Zahlungszielen bezahlt. Die Software erfasst ebenfalls Gutschriften, verwaltet offene Posten, archiviert Unterlagen und füttert Daten in das ERP-System.Die Mitarbeitenden konzentrieren sich allein auf die Problemfälle. So lässt sich die mit Anzahl der mit Rechnungen befassten Personen reduzieren und die Durchlaufzeiten im Rechnungswesen deutlich verkürzen.

Skonti locken.
Eine integrierte Procure-to-Pay-Lösung ermöglicht ausserdem die dynamische Handhabung von Skonti bei Frühzahlungen. Der Einkauf/Financial Controller bestimmt, wie viel Kapital für Frühzahlungen zur Verfügung steht. Die Lieferanten publizieren online ihre Standardkonditionen. Gemeinsam werden dann die anzuwendenden Konditionen beschlossen, die bei früher Zahlung automatisiert angewendet werden. Für Unternehmen die Skonti auf alle Eingangsrechnungen erhalten, ergeben sich signifikanten Einsparungen und höhere Gewinnmargen. Aber auch mehr Transparenz, Imagegewinn sowie langfristig, stabile Partnerschaften mit Lieferanten sind als positive Nebeneffekte nicht zu unterschätzen. Mit kürzeren Zahlungsfristen können Unternehmen eventuell auch deutlich günstigere Konditionen im Einkauf aushandeln. Für langjährige Lieferanten ergibt sich die Möglichkeit, bei den an die Plattform angeschlossenen Banken einen günstigeren Kredit auszuhandeln, da diese den kontinuierlichen Geldfluss sehen.

Tail Spend.
Einkaufsrichtlinien konzentrieren aus Haftungsgründen traditionell den Wareneinkauf auf eine beschränkte Zahl ausgewählter Mitarbeiter. Diese sind für den Einkauf der wichtigsten Rohstoffe und Halbwaren verantwortlich. In manchen Unternehmen werden aber so kaum 10% der Lieferanten erfasst. Mit der Einführung einer digitalisierten Zahlungsabwicklung kann auch anderen Mitarbeitenden Zugang zu Zahlungsmitteln (Unternehmens- oder Kreditkarte/p-Karte) für geringfügigere Ausgaben (Tail Spend) gewährt werden. Dabei mag es sich um Reisekosten, den Einkauf von Dienstleistungen oder Büromaterial, Kleinteile, Ersatzteile, Werkzeuge oder andere Waren handeln.Die Verwaltung solcher Unternehmensausgaben, d.h. nicht-geschäftskritischer Einkäufe, ist gewöhnlich komplex. Moderne Softwarelösungen übertragen die Kontrolle über solche Einkaufsentscheidungen den jeweiligen Budgetverantwortlichen und ebnen den Weg für einen standardisierten Genehmigungsworkflow. Dies erhöht die Transparenz unternehmensweit. Die Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung steigert nicht nur die Kosteneffizienz der Buchhaltung selbst, sondern der gesamten Organisation.

Erfolgreiche Umsetzung.
Eine erfolgreiche digitale Transformation der Kreditorenbuchhaltung gelingt nicht über Nacht. Sie erfordert Veränderungen bei Geschäftsprozessen, Mitarbeitenden und Führungskräften sowie in der Wahrnehmung der Kreditorenbuchhaltung und ihrer Bedeutung für den Einkauf und das Unternehmen als Ganzes auf der Führungsebene. Die Einführung neuer Softwarelösungen ist immer eine Herausforderung. Aber das Durchsetzen von Verhaltensänderungen (Change-Management) ist weitaus anspruchsvoller. Die Software muss einfach in der Handhabung sein, die Geschäftsbanken einbinden und sich problemlos mit ERP-Systemen verbinden lassen. Mit dem Roll-out der Softwarelösung sollten neue Jobbeschreibungen und Zielvereinbarungen für die betroffenen Mitarbeiter einhergehen. Aber auch die Lieferanten benötigen eine Starthilfe.

Mehrwert.
Viele Unternehmen haben den digitalen Wandel inzwischen angestossen und sind überzeugt, dass dieser nicht nur das Kundengeschäft, sondern auch das BackOffice revolutionieren wird. Der erreichbare Mehrwert wird immer offensichtlicher. Gleichzeitig steigt der Bedarf an einer konsistenten Geschäftsstrategie, die mit definierten Zielen und Massnahmen unterfüttert ist. Durch die Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung können Daten bezüglich Einkaufsverhalten, Ausgaben, Lieferfristen, Skonti etc. kosteneffizient und zum Nutzen des Unternehmens ausgewertet werden (Big Data Mining). Die Transparenz steigt. Durch bessere Zahlungsbedingungen avancieren Lieferantenrechnungen vom Kostenblock zum Gewinnbeitrag. Statt sich mit der Rechnungsabwicklung zu befassen, bekommen Mitarbeitende die Möglichkeit, sich auf Gewinn steigernde Tätigkeiten zu konzentrieren. (TK)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

 

Wehkamp – In nur 30 Minuten versandbereit

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Ansprüche der Kunden. Besonders im Onlinehandel ist zu beobachten, dass Besteller ungern bereit sind, länger als einen Tag auf ihre Ware zu warten. Dank des neuen Logistik Service Centers von KNAPP ist der holländische Online-Lifestyle-Shop wehkamp.nl binnen 30 Minuten nach Bestelleingang versandbereit.

Redaktion: Angelika Gabor.

Mit rund 2,7 Millionen Stammkunden und über 30 Millionen versendeten Artikeln pro Jahr ist wehkamp.nl der größte Online-Lifestyle-Shop Hollands. Das 1952 gegründete Unternehmen Wehkamp führt mehr als 430.000 Artikel von 2.000 Marken unterschiedlicher Bereiche und bietet diese bereits seit 2008 ausschließlich online an. Das Versprechen „heute bestellt, morgen geliefert“ ist dabei die oberste Prämisse. „Mit der hohen Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Durchsatzleistung dieser Anlage sorgen wir dafür, dass wir dieses Versprechen erfüllen“, freut sich Sander Bolmer, Director Warehousing & Distribution, wehkamp.nl.

Einfach, aber effizient.
Die von KNAPP für wehkamp.nl entwickelte Lösung unterstützt nicht nur den rasanten Geschäftszuwachs, sondern verbessert gleichzeitig auch den Kundenservice – und ist zudem trotz der komplexen Anforderungen des Online-Handels aus operativer Sicht einfach zu bedienen. Frei nach der KNAPP-Philosophie making complexity simple. Die Lösung lässt notwendige automatische und manuelle Prozesse so harmonisch ineinandergreifen, dass die Bestellungen innerhalb von 30 Minuten nach Auftragseingang für den Kunden versandbereit sind.

Für die Zukunft gerüstet.
Wer heute in die Logistik investiert, möchte damit natürlich auch langfristig gut aufgestellt sein. Das ambitionierte Wachstumsziel von 200 Prozent bis 2020 machte eine Neuausrichtung der Distribution, die bisher über die Lager von Dedemsvaart und Maurik abgewickelt wurde, nötig. Die Lösung: ein maßgeschneidertes Distributionszentrum für das Handling des kleineren Artikelspektrums in Zwolle. Das neue Logistics Service Center (LCS) Zwolle soll das weltweit größte Verteillager werden, das ausschließlich Online-Bestellungen abwickelt.

Im Zuge des großteils bei laufendem Bertrieb stattfindenden Ausbaus 2017 wurde das automatische Shuttle-System um drei zusätzliche Regalgassen und vier Ware-zur-Person-Arbeitsplätze erweitert, um zusätzliche 79.500 Stellplätze sowie eine erhöhte Durchsatzleistung zu schaffen. Das skalierbare Design der Lösung ermöglichte es, solche Erweiterungen bereits in der ersten Entwurfsphase zu berücksichtigen.

Intelligentes One-Touch Handling.
Bei dieser All-In-Lösung werden abgesehen von sperrigen Gütern und Hängeware alle Artikel aus dem OSR Shuttle automatisch ein- und ausgelagert. Mit seiner doppeltiefen Behälterlagerung bietet das OSR Shuttle genügend Lagerkapazität für das umfangreiche Sortiment von Wehkamp. Es umfasst insgesamt 21 Regalgassen mit 26 Ebenen, die insgesamt 546 Shuttles versorgen 556.000 Lagerplätze. Zwei Quergurtsorter verbinden den Lagerbereich mit dem Kommissionierbereich. Die Ware-zur-Person-Arbeitsplätze aus der Pick-it-Easy Serie befinden sich auf zwei Ebenen und werden mit Waren aus dem OSR Shuttle versorgt.

Mit dem All-Aisle-Access-Prinzip von KNAPP kann jeder Auftrag an jedem Arbeitsplatz bearbeitet und fertiggestellt werden. Dieser Designansatz ermöglicht es Wehkamp, seine Systemkomplexität zu reduzieren und Konsolidierung zu vermeiden, da auf jeden Artikel von jedem Kommissionierarbeitsplatz aus zugegriffen werden kann. „Im Gegensatz zu herkömmlichen Distributionszentren ist unsere Anlage nach dem Ware-zur-Person-Prinzip konzipiert, und das macht den entscheidenden Unterschied aus. Wenn ein Kunde hier eine Bestellung tätigt, wird diese einem der 28 Pick-it-Easy-Arbeitsplätze zugewiesen. Das OSR Shuttle bringt die richtigen Artikel automatisch zu den Arbeitsplätzen. Darüber hinaus können unsere Mitarbeiter sechs Kundenbestellungen gleichzeitig bearbeiten, wodurch bis zu 12.300 Artikel pro Stunde kommissioniert werden können“, so Bolmer stolz.

Optimierte Nachhaltigkeit.
Da die automatischen Verpacklinien die Höhe des Versandkartons genau auf den Füllgrad des Artikels anpassen, erübrigt sich der Bedarf an Füllmaterial. Gleichzeitig sind durch die Vermeidung von Hohlräumen die Artikel im Karton geschützt. Bruchsichere Artikel und kleinere Aufträge werden in Plastiktaschen verschickt, wodurch Platz in den Lieferwägen und somit auch CO2 eingespart wird.

„Wonach wir wirklich gesucht haben, war ein Partner und nicht ein weiterer Lieferant. Wir wollten einen Partner, mit dem wir uns über Strategien austauschen und gemeinsam Ideen erarbeiten können, um bestimmt Anforderungen zu erfüllen“, erklärt Bolmer. Und mit KNAPP hat er diesen Partner gefunden. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

«Grüner» Treibsand bremst Außenhandel

Die Streitigkeiten im Außenhandel nehmen zu. Bei den Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit den ASEAN-Ländern bieten Palmöl und Recyclingmüll viel Zündstoff.

Beitrag: Arne Mielken.

Ob Umweltschutz getriebene, protektionistische Maßnahmen etwas Gutes oder Schlechtes sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Jedes Wirtschaftsabkommen enthält gewisse Klauseln zum Schutz der eigenen Wirtschaft, insbesondere der Landwirtschaft. Doch insgesamt sollen Freihandelsabkommen (kurz FHA) Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse beseitigen und den Export von Waren und Dienstleistungen fördern.

Seit 2013 unterliegt der Import von Tropenholz in die EU strengen Beschränkungen. Die europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) schreibt ausdrücklich eine Prüfung der Legalität von Holz aus Quellen außerhalb der EU vor. Die betroffenen südasiatischen Länder haben sich mit dieser Vorgabe inzwischen arrangiert. Jetzt aber treiben Pläne für die Ausmusterung von Palmöl als Biokraftstoff in der EU bis 2030 sowie Vorwürfe über illegale Abholzungen von Tropenwäldern für den Anbau von Palmöl die beiden Hauptproduzenten, Indonesien und Malaysia, sprichwörtlich auf die Palme. Das Einkommen von mehr als 13 Millionen Menschen hängen vom Palmöl ab. Die südasiatischen Länder wittern Protektionismus zugunsten von Soja- und Rapsöl und wehren sich. Sie drohen mit einem Abbruch der Partnerschafts-Verhandlungen und Zöllen auf EU-Importwaren.

Lösungsansätze.
Die Schweiz hat sich große Mühe gegeben, den Stolperstein Palmöl bei ihren Verhandlungen über ein FHA aus dem Weg zu räumen. Sie unterzeichnete im Dezember 2018 einen Vertrag mit Indonesien mit speziellen Vorschriften für eine einzelne Produktegruppe: die Pflanzenöle. Zum einen sieht der Vertrag Kontingente für den Import von Palmöl vor, zum anderen ist der Import nicht zollfrei. Damit ist die Regierung den Schweizer Bauern entgegengekommen, die ihre eigenen Pflanzenöle schützen wollen. Über Jahre verhandelte die EU erfolglos mit dem ASEAN-Staatenbund (Vietnam, Singapur, Sri Lanka, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Indonesien, Brunei, Laos, Myanmar, Philippinen) über ein Präferenzabkommen. 2009 wurden die Gespräche ausgesetzt. Bilaterale Konsultationen schienen vielversprechender. Mit Indonesien wird seit 2016 neu verhandelt. Im Dezember dieses Jahres steht die 9. Verhandlungsrunde an. Doch ein Vertragsabschluss liegt noch in weiter Ferne, nicht zuletzt wegen des Palmöls.

Müll-Importstopp.
Nachdem China 2018 den Import von Plastikabfall u.a. aus Europa gestoppt hatte, haben auch einige asiatische Länder wie Indonesien, Malaysia und die Philippinen nachgezogen. Zumal vermehrt Material, das bis anhin nach China ging, bei ihnen landete. 2018 stiegen beispielsweise in Indonesien, laut Angaben des Handelsministeriums, die Importe von Kunststoffabfällen im Vergleich zum Vorjahr von 128 800 auf 320 400 Tonnen.

Alle asiatischen Länder verlangen nun, dass die Absender der Recyclingmüll wieder zurücknehmen. Abhilfe verspricht außerdem eine Ergänzung des sogenannten Basler Übereinkommens, das den Handel mit gefährlichen Abfällen regelt. Mitte Mai d.J. einigten sich mehr als 180 Staaten darauf, dass Exporteure ab 2021 die Zustimmung von Empfängerländern einholen müssen, bevor sie kontaminierten, gemischten oder nicht rezyklier-baren Plastikabfall verschiffen. Das Abkommen dürfte den globalen Abfallhandel weiter einschränken.

Licht und Schatten.
Bei den FHA-Verhandlungen gibt durchaus auch Erfolgsmeldungen. Das zwischen Singapur und der EU unterzeichnete Freihandelsabkommen wurde im Februar d.J. im Europäischen Parlament positiv behandelt und muss nun nur noch von der singapurischen Seite ratifiziert werden. Dieser Prozess sollte bis Jahresende abgeschlossen sein. Die Verhandlungen mit Vietnam konnten ebenfalls erfolgreich beendet werden. Am 30. Juni 2019 wurde sowohl ein Freihandels- als auch ein Investitionsschutzabkommen in Hanoi unterzeichnet. Jetzt fehlt nur noch die Ratifizierung durch die Parlamente.

Mit den Philippinen sind seit 2016 Konsultationen im Gang. Nach der zweiten Verhandlungsrunde im Februar 2017 wurden erste Verhandlungstexte online gestellt. Es bleibt abzuwarten, ob und wann es zu einer Vertragsunterzeichnung kommt. 2013 hatte die Europäische Kommission offiziell Verhandlungen mit Thailand aufgenommen, die jedoch ein Jahr später stoppten. Seit Dezember 2017 strebt die EU eine Wiederaufnahme der Verhandlungen an, bisher ohne Erfolg. Die Verhandlungen mit Malaysia (seit 2010) liegen ebenfalls seit 2012 auf Eis. Die Friktionen haben sich durch den Streit um Palmöl und Plastikmüll noch verschärft.

Digitalisierungsopportunitäten.
Zollfreiheit bietet Chancen für den Außenhandel. Doch es gibt sie nicht gratis. Jedes Freihandelsabkommen (kurz FHA) ist das Ergebnis komplizierter Verhandlungen. Es gewährt Zollreduktionen, zum Teil zeitlich gestaffelt, doch dafür müssen Unternehmen ganz bestimmte Ursprungsregeln beachten. Und jedes FHA unterscheidet sich von anderen in gewissen Details. Die Anforderungen an die Unternehmen sind hoch, wenn sie von FHA profitieren wollen. Sie müssen daher genau Aufwand und Gewinn abwägen. Dies trifft auch auf die FHA mit Vietnam und Singapur zu.

Die digitale Transformation bietet Unternehmen jedoch die Chance, ihre Wertschöpfungsprozesse transparenter zu gestalten, die Ausfuhrabwicklung zu beschleunigen und Vorteile von FHA kosteneffizient auszuloten. Die Automatisierung von Prozessen von der Warenklassifizierung und Tarifierung, übers Compliance-, Lager- und Transportmanagement bis zur Import-/Exportverzollung reduziert die Komplexität, verhindert Fehler, senkt Kosten und erhöht die Wertschöpfung. Innovative Cloud-basierte Global-Trade-Management (GTM)-Anwendungen ermöglichen eine schnelle Einbindung von Lieferanten und Kunden in Supply-Chain-Ökosysteme. E2opens intelligente GTM-Applikationen greifen auf eine Datenbank mit Handels- und Zollinformationen aus 170 Ländern zu. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen zeitnah auf Veränderungen im Außenhandel reagieren, sollten beispielsweise Indonesien und Malaysia Zölle auf bestimmte EU-Waren erhöhen. (AM)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

Der deutsche Mittelstand – Aufbruch in das digitale Zeitalter

Vernetzte Produktion, Big Data Analytics, Digitale Kommunikation – täglich durchdringen Schlagwörter wie diese die Industrie und verdeutlichen damit den flächendeckenden Präsenz und Relevanz der Digitalisierung. Waren es zu Beginn überwiegend Konzerne, die sich in das digitale Zeitalter aufmachten, so schlagen mittlerweile auch verstärkt mittelständische Unternehmen diesen Weg ein. Während ERP-Systeme immer breitere Verwendung finden, steigt gleichzeitig die Funktionalität der Maschinen. Dass sich daraus ein Konflikt ergibt, ist ein gutes Beispiel für die stetig wachsende Komplexität der IT-Landschaft.

Redaktion: Angelika Gabor.

Um sich den neuen Herausforderungen zu stellen und eine wettbewerbsstarke Position im Zeitalter der Digitalisierung zu schaffen, wird vermehrt in Digitalisierungsvorhaben investiert und digitale Geschäftsmodelle entwickelt. Die Investitionsvolumina sind unermesslich, der Nutzen allerdings nicht absehbar und quantifizierbar. Dabei mangelt es häufig an Know-How und Erfahrung. Beratungsunternehmen empfehlen in diesem Zusammenhang oft nur unklare Maßnahmen und berücksichtigen dabei nicht die speziellen Bedürfnisse des Mittelstands. Vor diesem Hintergrund stellt sich die CONCEPT AG die Forschungsfrage „Was braucht ein mittelständisches Unternehmen, um sich erfolgreich in das digitale Zeitalter aufzumachen?“.

Die CONCEPT AG ist eine unabhängige Management- und Umsetzungsberatung mit Sitz in Stuttgart. Seit über 20 Jahren und mit Standorten u.a. in Türkei und Brasilien, beraten Experten für Operations insbesondere mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung schlanker Prozesse in Produktion und Logistik, Restrukturierung sowie Kosten- und Working-Capital-Optimierung. Um die Forschungsfrage zu beantworten, führte die CONCEPT AG in Kooperation mit sechs Studierenden der ESB Business School in Reutlingen und gemeinsam mit Prof. Dr. Marco Schmäh (Professor am Lehrstuhl für Marketing und Vertriebsmanagement und Mitglied des Instituts PSM) eine Studie durch. Auf Basis erforschter Kerntrends der Digitalisierung war das Ziel, mittels einer quantitativen Umfrage zu ermitteln, wie digitalisiert der Mittelstand derzeit ist, sowie jene Trends zu identifizieren, die den größten Nutzen für den Mittelstand stiften. Das aus den gesammelten Daten abgeleitete Resultat ist eine Digital Roadmap, die mittelständischen Unternehmen den Weg zur digitalen Transformation aufzeigt und als Umsetzungs-Meilensteinplan fungiert.

Vorgehensweise der Forschungsarbeit.
Anhand einer Marktforschung – unterschiedlilche Studien und Berichte aus der Industrie wurden ausgewertet – wurden vorhandene Trends und Technologien und in weiterer Folge treibende Kerntrends identifiziert. Darauf basierend erfolgte eine Feldanalyse mittels einer quantitativen Online-Umfrage bei Unternehmen des produzierenden Mittelstands. In der letzten Projektphase schließlich wurden die gewonnenen Informationen validiert und der Digitalisierungsstand ermittelt. Darüber hinaus lassen sich Rückschlüsse aus Korrelationen zwischen Kerntrends und Nutzenvorstellung des produzierenden Mittelstands ableiten. Eine Digital Roadmap rundet die Studie als Endergebnis des Gesamtvorhabens ab. Basierend auf den ermittelten Erkenntnissen stellt sie einen Leitfaden zur digitalen Transformation für den produzierenden Mittelstand dar.

Marktforschung – Trends der Digitalisierung.
Die Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Gallen aus dem Jahr 2017 sieht insbesondere Cloud Computing und Internet der Dinge als signifikante Treiber der Digitalisierung. Demnach sollen bis 2020 über 20 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein (FHS St. Gallen 2017, S.30ff.). Die Studie “Wirtschaft Digital 2017” des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erkennt insbesondere im Bereich Big Data und Digitale Plattform große und noch ungenutzte Chancen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2017, S.14). Weiterhin spricht das Institut für Mittelstandsforschung der Implementierung einer digitalen Arbeitsumgebung und eines digitalen Geschäftsmodells hohe Bedeutung zu (ifM 2015, S.15ff.). Insgesamt lassen sich aus den Forschungsergebnissen neun wesentliche und treibende Kerntrends der Digitalisierung identifizieren. In Anlehnung an die Quellen und im Austausch mit Experten der CONCEPT AG, wurden zu jedem Kerntrend jeweils vier Reifegrade als Indikatoren für den Grad des Implementierungsstandes definiert. Die identifizierten Kerntrends der Digitalisierung inklusive ihrer Reifegrade sind das Ergebnis der Marktforschungsphase und bilden die Grundlage für die Feldanalyse. Diese neun Trends lauten Cloud-Computing, Digitale Arbeitsumgebung, Digitale Geschäftsmodelle, Digitale Kommunikation, Digitale Plattform, Vernetzte Produktion, Machine to Machine, Big Data Analytics und
Internet der Dinge.

Feldanalyse – Digitalisierung im Mittelstand.
Die Feldanalyse wurde als quantitative Umfrage mittels Online-Plattform (SurveyMonkey) durchgeführt. Im ständigen Austausch mit Experten der CONCEPT AG und mit vorangegangener Pilot-Durchführung, entstand eine Umfrage mit insgesamt 27 (teils offenen) Fragen. Der Befragungszeitraum erstreckte sich über ca. einen Monat zwischen dem 24.04. und 27.05.2018.

Insgesamt wurden über 1.000 Kontakte unterschiedlicher mittelständischer Unternehmen überwiegend per E-Mail sowie per Telefon kontaktiert. Ferner wurde die Umfrage in bestimmten Gruppen sozialer Business-Netzwerke (z.B. Xing und LinkedIn) veröffentlicht. Insgesamt nahmen 61 Personen an der Umfrage teil, nach Abzug nicht auswertbarer Ergebnisse (aufgrund von Unvollständigkeit oder willkürlichen Angaben) verblieben 47 validierbare Umfragen. Von diesen kommen mit 36% die meisten Beantwortungen aus der Branche der Automobilhersteller/-zulieferer, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau mit 26%.

Weitere kommen aus dem Gleisbau, der Filtration und Bauzulieferbranche. 38% der Rückläufe stammen aus Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern, gefolgt von 501-100 und 251-500 mit jeweils 19%. Bei 36% handelt es sich um Antworten von Geschäftsführern, was für eine hohe Repräsentativität der Studie spricht. 64% der Teilnehmer stammen aus der Projektleitung Digitalisierung, dem Business Development oder der Produktion. Durch die Heterogenität der Antworten wird der Mittelstand möglichst breit repräsentiert.

Status Quo – Wo steht der Mittelstand heute?
Um den Digitalisierungsstand gesamtheitlich abzubilden, wurde der Implementierungsstand von Strategien und Investitionen, der Fortschrittsstatus pro Kerntrend anhand der definierten Reifegrade sowie der Fortschrittsstatus pro Operations Bereich ermittelt. Weiterhin vervollständigten Fragen zu den derzeit größten Herausforderungen im Unternehmen die Analyse des Status Quo. Das Thema Digitalisierung ist bei 94% der mittelständischen Unternehmen schon seit mehreren Jahren präsent. Mehr als zwei Drittel (71%) haben bereits eine Digitalisierungsstrategie teilweise oder unternehmensübergreifend implementiert. Obwohl sich viele schon seit mehreren Jahren mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen, besitzt ein Viertel davon keine Digitalisierungsstrategie.

Ein Großteil (77%) hat bereits Investitionen für Digitalisierungsvorhaben getätigt. Erwähnenswert ist weiterhin, dass 15% derer, die keine Strategie besitzen, bereits Investitionen getätigt haben.

Für eine detaillierte Analyse des Status Quo wurde der Entwicklungsstand in den Operations Bereichen Einkauf, Produktion, Qualität und Logistik anhand von vier bis fünf definierten Kriterien abgefragt. Während in den Bereichen Einkauf und Produktion durchschnittlich 60% bzw. 56% der Kriterien umgesetzt sind, sind es bei Qualität nur 37% und bei Logistik sogar nur 33% – allerdings mit sehr unterschiedlich ausgeprägten Kriterien. So nutzen im Einkauf beispielsweise 81% eine „Plattform zur Verwaltung von Lieferantendaten und Aufträgen“ und „identifizieren Teile mit schlechter Lieferperformance“. Jedoch nutzen nur 17% eine „elektronische Verhandlungsführung“. Im Bereich Produktion sind bei 17% die „Produktionsprozesse mit Lieferanten und Kunden vernetzt und Datenbestände werden automatisch synchronisiert“.

Gleichzeitig nutzen mehr als 50% „elektronische Arbeitspläne und Stücklisten am Arbeitsplatz“ und „Dashboards zur Sicherstellung der Transparenz“. Mehr als die Hälfte führt „ABC/XYZ-Analysen“ durch und nutzt ein „automatisiertes Lagerverwaltungssystem“ im Bereich Logistik. Lediglich 9% nutzen hingegen „Pick by Voice“ und nur 11% “ ein „fahrerloses Transportsystem“.

Die Ermittlung des Status Quo bezüglich der neun identifizierten Kerntrends der Digitalisierung erfolgt über vier definierte Reifegrade, wobei die Ergebnisse sehr große Diskrepanzen zwischen sehr stark und weniger fortgeschrittene Kerntrends erkennen lassen. Während Digitale Kommunikation und Vernetzte Produktion mit mehr als 70% 3. bzw. 4. Reifegrad (Selbsteinschätzung) am stärksten ausgeprägt sind, rangieren Big Data Analytics und Digitale Plattformen am anderen Ende der Skala. Bei Digitalen Plattformen hat noch kein Unternehmen den 4. Reifegrad umgesetzt.

Herausforderungen.
Die Umfrageteilnehmer mussten 14 branchen-übliche Herausforderungen nach Rating-Verfahren mit „trifft zu“ bis „trifft nicht zu“ bewerten. Demnach ist die größte Herausforderung das Erfüllen hoher Anforderungen durch individuelle Kundenwünsche, gefolgt von schwankender Kapazitätsauslastung und mangelnder Kommunikation.

Quo Vadis – Wo will der Mittelstand hin?
Zur Ermittlung des Quo Vadis bewerten die Teilnehmer mit „trifft zu“ bis „trifft nicht zu“, inwieweit sie die neun Trends als Kerntrend der Digitalisierung ansehen. Die Auswertung ergibt, dass Vernetzte Produktion, gefolgt von Big Data Analytics und Digitale Kommunikation, als wichtigste Kerntrends gesehen werden. Cloud Computing, Internet der Dinge und Digitale Geschäftsmodelle werden dagegen weniger als Kerntrends angenommen. Bei der Gegenüberstellung von Status Quo und Zielbild zeigt sich, dass die Kennlinien Reifegrad und Wichtigkeit einen ähnlichen Verlauf aufweisen. Lediglich bei Big Data Analytics und Machine to Machine ist eine große Diskrepanz zwischen Reifegrad und Wichtigkeit zu erkennen. Daraus lässt sich schließen, dass die Unternehmen diese zwei Kerntrends als wichtig für die Zukunft sehen, es aber noch nicht geschafft haben, einen entsprechend hohen Reifegrad im Unternehmen zu erreichen. Von 139 Antworten zum Nutzen der Digitalisierung nimmt der Oberbegriff Effizienz mit 38 Nennungen den ersten Platz ein, gefolgt von Datenqualität, -verfügbarkeit bzw. -relevanz. Weitere Themenbereiche sind Produktivitätssteigerung, Zukunftsfähigkeit, Kundenorientierung und Transparenz.

Digital Roadmap als Wegweiser.
Mit der Digital Roadmap wird dem Mittelstand ein Weg zur digitalen Transformation aufgezeigt. Bei der Erstellung werden zuerst bereichsspezifische sowie -übergreifende Herausforderungen des produzierenden Mittelstands (Customer Pains) analysiert. Diesen werden jeweils Nutzen (Customer Gains) zugeordnet, mit welchen die Herausforderungen bewältigt werden. Hierbei handelt es sich um die Nutzen, welche laut Auswertung von der Digitalisierung erwartet werden. Zuletzt werden die Kerntrends zugeordnet, die als Treiber (Enabler) den definierten Nutzen realisieren.

Beispielsweise zeigt sich die am häufigsten erwähnte bereichsübergreifende Herausforderung in den hohen Anforderungen durch individuelle Kundenwünsche. Die Nutzen Kundenorientierung und Flexibilität, welche mit acht bzw. zwei Stimmen genannt sind, adressieren genau dieses Problem. Kerntrend und Enabler ist in diesem Fall eine Digitale Plattform.

Eine mögliche konkrete Lösungsmaßnahme zur Bewältigung individueller Kundenwünsche ist folglich die Implementierung eines Produktkonfigurators. Mit den vorliegenden Customer Pains, Gains und Enabler gilt es im nächsten Schritt eine GapAnalyse für die aufgezeigten, sieben größten Herausforderungen durchzuführen. Von Bedeutung sind hierfür der Ist- und Ziel-Zustand, bei dem sich der Erste aus dem Reifegrad und der Zweite aus der Wichtigkeit des zugewiesenen Kerntrends ergibt. Des Weiteren werden die Herausforderungen und die entsprechenden Lösungsansätze priorisiert. Die Priorisierung wird anhand der mit den Lösungsansätzen verknüpften Nutzen sowie der Wichtigkeit der entsprechenden Kerntrends vorgenommen. Dabei ergibt sich die folgende Lücke zwischen Ist- und Ziel-Zustand sowie Priorisierung der Herausforderungen.

Aus der Berechnung gehen die drei höchst priorisierten Herausforderungen schwankende Kapazitätsauslastung, mangelnde interne und externe Kommunikation sowie geringe Vernetzung mit Lieferanten und Kunden hervor. Die Digital Roadmap definiert für diese drei Herausforderungen konkrete kurz-, mittel- und langfristige Lösungsmaßnahmen. So empfiehlt sich beispielsweise für die schwankende Kapazitätsauslastung die Einführung einer digitalen Plattform zur zentralen Auftragsabwicklung mit Kunden und Lieferanten. Im zweiten Schritt bietet es sich an, diese zu einem gemeinsamen Arbeits- und Marktplatz für Partnerangebote umzufunktionieren.

Fazit:
Big Data Analytics, Machine to Machine, digitale Plattformen – Technologien und Trends, die heute als Enabler der Digitalisierung schon vorhanden sind und in vielen Unternehmen erfolgreich umgesetzt bzw. gelebt werden. Es mangelt folglich weniger an der technischen Realisierbarkeit, sondern an der Kenntnis der Lösungsansätze der Digitalisierung und derer Nutzen. Dabei adressieren die Technologien der Digitalisierung genau die Herausforderungen, mit denen der produzierende Mittelstand häufig konfrontiert ist. Um langfristig und nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben, ist der Aufbruch in die Digitalisierung unumgänglich.

Die aus der Markt- und Feldanalyse resultierende Roadmap dieser Forschungsarbeit bietet mittelständischen Unternehmen einen Leitfaden, um die digitale Transformation einzuleiten und voranzutreiben. Sie stellt in diesem Fall eine konkrete Ausprägung dar, welche sich anhand der größten ermittelten Herausforderungen ableitet. Der Ansatz zur Erstellung einer Digital Roadmap – Customer Pains, Customer Gains, Enabler, Target & Priotization und Implementation – ist allerdings allgemeingültig und wird individuell auf das Unternehmen angepasst. Entscheidend sind die richtige Priorisierung sowie die Definition eines Zielbilds, worauf basierend ein konkreter kurz-, mittel- und langfristiger Implementierungsplan konzipiert wird – die Digital Roadmap. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 3/2019

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