China Lieferketten – Dürre im Land der Mitte

Nach Lockdowns und Hafenschließungen schädigt nun eine Hitzewelle mit Wasser- und Stromsanktionen die Lieferketten. Besonders die Automobil-, Halbleiter-, Siliziumerzeuger- und Aluminiumindustrie in Sichuan und deren Abnehmer in Südchina sind betroffen.

Redaktion: Dirk Ruppik.

China erfährt laut dem chinesischen Amt für Meterologie zur Zeit die stärkste Dürre seit mehr als sechs Jahrzehnten. Im Bereich des Jangtsekiang fiel so wenig Regen wie noch nie seit dem Beginn der vereinheitlichten Wetteraufzeichnungen in 1961. Besonders betroffen sind die Provinzen Jiangsu, Hubei und Sichuan. Nicht nur die Wasserversorgung wurde reduziert, sondern auch der Stromverbrauch. Die Hitze führte u. a. zu einer reduzierten Erzeugung von Hydroenergie und zur vermehrten Nutzung von Klimaanlagen und damit zu einer Energiekrise.

Weitere Störung von Lieferketten.
Aufgrund der unerbittlichen Null-Covid-Doktrin und strikter Corona-Beschränkungen befanden sich bereits im Frühjahr und nun erneut im August viele Städte in China im Lockdown. Mehrere Großstädte sind betroffen. Im Frühjahr wurde besonders die Megacity Schanghai und der dortige Containerhafen von einem wochenlangen Lockdown getroffen. Es kam zu einem gigantischen Rückstau an unabgefertigten Schiffen und zudem zu Sperrung von Transportwegen auch zum Hafen.

Viele Unternehmen leiden immer noch unter einer Knappheit an Zulieferteilen und auch Rohstoffen. Obwohl sich die Situation im Schanghaier Hafen mittlerweile erholt hat, ist das Land nach wie vor von der rigiden Corona-Politik bedroht, die mittlerweile auch von der WHO verurteilt wird (1). Im August befinden sich wieder zahlreiche Städte in Isolation, so die nordchinesische Hafenstadt Dalian und Shenyang (Liaoning), Chengde und Shijiazhuang (Hebei), Chengdu (Sichuan), Jishui (Jiangxi) sowie Shenzhen und Guangzhou (Guangdong).Abermillionen Chinesen befinden sich erneut im (eigentlichen) Ausnahmezustand. Dies führt zunehmend wieder zu massiven Auswirkungen bei Handel, Reisen und Industrie. Zu den vorhandenen Schwierigkeiten kommen nun noch die Herausforderungen durch die extreme Hitzewelle mit den genannten Wasser- und Stromsanktionen.

Hitzewelle trifft Industrie
Die Rationierung des Stroms hat in Sichuan viele bedeutende Automobilhersteller getroffen – darunter auch Tesla (2, 3). Die Provinzregierung ordnete die Schließung fast aller Fabriken für bislang elf Tage an. Chinas größter Automobilhersteller SAIC und auch Tesla berichten bereits von „zerrissenen“ Lieferketten. Damit ist auch die Autoproduktion in Teslas „Gigafactory“ in Schanghai bedroht. Auch die Produktion von SAIC in drei Fertigungsstätten in der Megacity ist bedroht. Beide Hersteller besitzen ein weit verzweigtes Netzwerk von Automobilzulieferern, die jetzt ebenso von der Energiekrise betroffen sind.

In Sichuan werden überwiegend Halbleiter, Lithiumbatterien und Autoteile hergestellt. Die chinesischen Automobilhersteller waren gerade dabei sich von den monatelangen Lockdowns in Schanghai zu erholen, als sie nun wieder von den Stromeinsparungen, Mangel an Hydroenergie und Fabrikschließungen in Sichuan getroffen wurden. Sichuan exportiert normalerweise die meist aus Wasserkraft gewonnene Energie auch in Industriezentren im Süden und an der Ostküste. Aufgrund des Wassermangels fällt dies nun aus. In der Provinz selbst sind zudem auch die Aluminium und Siliziumproduktion betroffen. Große Silizium und Polysilizium-Hersteller wie Tongwei Solar, Tianqi Lithium und Yahua Lithium haben hier ihre Werke. Rund die Hälfte des chinesischen Lithiums wird in Sichuan abgebaut und vor allem in Batterien für E-Autos verwendet. Die europäische und deutsche Solar- und Automobilindustrie sind stark von Lieferungen dieser Firmen abhängig.

Die deutsche Außenhandelskammer in China berichtet, dass teilweise auch die Produktion deutscher Firmen im Land der Mitte betroffen ist. Viele internationale Halbleiterfirmen haben Werke in Sichuan, darunter Texas Instruments, Intel, Onsemi und ebenso der Apple-Zulieferer Foxconn. Auch der Jangtsekiang, der durch Sichuan fließt, ist trockengefallen. Davon betroffen ist der Drei-Schluchten-Damm mit zugehörigem Kraftwerk (Hubei), das normalerweise eine durchschnittliche Leistung von 9,5 GW besitzt. Das weltgrößte Hydroelektrische-Kraftwerk beliefert Industrien in Ost- und Südchina mit Strom.

Um die Energiekrise zu bewältigen wurden die Kohlekraftwerke hochgefahren, die jetzt 50 Prozent mehr Strom produzieren. Das verärgert Klimaschützer, denn das Land der Mitte ist ohnehin der größte CO2-Emittent der Welt. Durch die krisengeplagte und schwächelnde Wirtschaft im Land der Mitte wackeln nun auch Klimaziele. Das Ausbalancieren von Energiesicherheit und Dekarbonisierung wird zunehmend schwieriger.

Neuer Logistikriese soll Lieferkettenprobleme beseitigen.
Ein staatlicher Logistikkonzern, die China Logistics Group, soll nun die Lieferketten retten. Der am 6. Februar 2022 offiziell gegründete Konzern ist eine Fusion aus fünf Logistik-Unternehmen ¬ darunter die ehemalige China Railway Materials Group (4). Als strategische Investoren sind zudem die China Eastern Airlines, die China COSCO Shipping Group und die China Merchants Group beteiligt. Der neue Logistikriese soll internationale Handelsverbindungen und Frachtdienstleistungen entwickeln und so die globalen Lieferketten (re-)organisieren. Er ist in dreißig chinesischen Provinzen und allen fünf Kontinenten aktiv. Darüber hinaus besitzt China Logistics direkt 120 Eisenbahnlinien, 42 Lagerhäuser, 4,95 Millionen m² Lagerfläche und eine globale Flotte von drei Millionen Fahrzeugen. Allerdings existieren bisher keinerlei Neuigkeiten über konkrete Maßnahmen der China Logistics Group.

Wie kann die Situation verbessert werden?
Die Supply Chain-Krise hat generell viele Ursachen. Dazu gehören natürlich die Pandemie und erneute Produktions- und Hafenschließungen in China. Aber gerade die Erholung und der erneute Konsumanstieg bereiten die größten Probleme. Aber auch fehlende Schiffscontainer, ein Mangel an Fahrern in der Logistik, der Preisanstieg durch erhöhte Nachfrage bei Rohstoffen, die Halbleiterkrise und der Chip-Mangel (der Produktionsprozesse stört) sowie das Fehlen an Lagerfläche für den Anstieg an Bestellungen sind Gründe.

Generell kann die Einführungen neuer Technologien in die Lieferkette wie Künstliche Intelligenz (KI) Herausforderungen lindern. Die Voraussagende Analyse und Voraussagende Nachfrageprognose führen zu einer besseren Planung und Vorbereitung auf künftige Nachfragesituationen und die Bereitstellung von benötigter Transportkapazität. Wichtig sind Plattformen, die die Transparenz der Lieferkette verbessern, wie z. B. Lieferanten-Suchplattformen und Übersichten über die Frachtraten in Echtzeit.

Die gigantische Abhängigkeit der Lieferketten vom Land der Mitte muss verringert werden. Ausweichlieferanten in anderen Ländern müssen gefunden werden. Die Produktion und Beschaffung wird langfristig wohl wieder lokaler werden. Eine Entwicklung die als Glokalisierung (Globalisierung plus Lokalisierung) bezeichnet wird. Die Wertschöpfungs- bzw. Lieferketten werden kürzer und fehlerärmer. Die Sicherheit von Supply Chains wird gegenüber dem chinesischen Preisvorteil priorisiert. Eine aktive Netzwerk- und Supply Chain-Planung, eine digitale Bestandsprognose und -disposition sowie eine umfassende logistische Kapazitätsplanung führen zu einer größeren Krisensicherheit der Unternehmen.

Weitere Maßnahmen, die Unternehmen anwenden können, sind die Wiedereinführung von Pufferlagern, Umstieg vom anfälligen Just-in-Time-Push- auf Pull-Modus in der Produktion und die Sicherung des Cash Flows im Unternehmen. Wenn man die Krise als Chance betrachtet, können durch die Aufdeckung von Schwächen nun Lieferketten resilienter gestaltet werden. (DR)

Literatur:

1 Ausbrüche in mehreren Städten, Corona: Millionen Chinesen im Lockdown, 30. August 2022, ZDF.de

2 Carmakers hit as China’s heatwave forces more power rationing, CNN Buisness, 22. August 2022, Link

3 China places millions into Covid lockdown again as economy continues to struggle, 31. August 2022, The Guardian, Link

4 Chinas Logistikriese wird gegründet! Unterstützen Sie Schifffahrt, Luft- und Landtransport, um ein strategisches Layout zu erstellen, Dayang Welding, Link

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Logistikdienstleister als verlängerter Arm des Onlinehandels

Getreu dem Motto „je näher desto besser“ ermöglicht cargo-partner seinen Kunden, ihren Webshop direkt mit cargo-partner Systemen zu verbinden. Eine eigene Online-
Plattform garantiert volle Transparenz und Echtzeit-Überblick.

Beitrag: Angelika Gabor.

Als internationaler Transport- und Info-Logistik-Anbieter legt cargo-partner einen strategischen Fokus auf die Entwicklung von hochmodernen End-to-End-Lösungen für den B2C- und B2B-Bereich. Schon seit Jahren ist der Online-Handle ein rapide wachsendes Geschäftsfeld, und die COVID-19-Pandemie hat diesen Trend noch zusätzlich verstärkt.

Online-Händler können ihren Webshop direkt mit den Systemen von cargo-partner verbinden oder von bestehenden Anbindungen zu den bekanntesten Verkaufsplattformen profitieren, um Logistikprozesse zu automatisieren und wertvolle Zeit und Kosten zu sparen. „Alle cargo-partner-Kunden haben Zugriff auf die SPOT-Plattform, die volle Transparenz beim Transport sicherstellt und ein einfaches Online-Bestandsmanagement ermöglicht. Dank regelmäßiger Status-Updates wissen die Endkunden immer genau, wann ihre Sendung ankommt“, betont Martin Schenzel, cargo-partner Geschäftsführer Österreich.

Das Parcel-Modul der SPOT-Plattform bietet Online-Händlern eine einfache Übersicht über alle Versandoptionen und Paketdienstleister (inkl. Konditionen und Laufzeiten). Dabei können die Händler ihre bestehenden Verträge mit KEP-Anbietern nutzen oder diese Dienstleistungen von cargo-partner bereitstellen lassen, um von Mengenvorteilen zu profitieren. Zusätzlich ermöglicht das Modul auch einen automatischen Druck von Rücksendeetiketten sowie Handelsrechnungen.

Automatisierung unabdingbar.
Schenzel: „Der Einsatz modernster Technologie an unseren Lagerstandorten hilft uns, Prozesse zu automatisieren und das Risiko menschlicher Fehler zu minimieren. Gleichzeitig können wir mit unserer SPOT-Plattform die Kommunikation mit allen Parteien in der Lieferkette – von den Lieferanten unserer Kunden bis hin zu ihren Endkunden – effizienter gestalten und so „blinde Flecken“ vermeiden. So werden Probleme bereits im Voraus erkannt und eine bessere Lieferkettenplanung ermöglicht.“ Die Vorteile liegen klar auf der Hand: „Per EDI oder API können wir unsere IT-Systeme an jene unserer Kunden anbinden, um die Prozesse auf beiden Seiten zu vereinfachen und Zeit und Kosten zu sparen. Auf der anderen Seite binden wir uns auch mit unseren Carriern und Partnern an, um wichtige Informationen schneller oder sogar in Echtzeit zu erhalten“, erläutert Schenzel.

Seit 2000 bereits ist die SPOT-Plattform im Transport- und Logistik-Management im Einsatz. Die Vorteile: durchgehende Sendungsverfolgung, einfaches Kommunikations- und Dokumentenmanagement, umfassende Reporting-Optionen, Echtzeit-Management der Lagerbestände und integrierten Paketversand. Mit dem SPOT-Modul „Purchase Order Management“ können diese Features auch in den Bereichen Einkauf und Produktion genutzt werden.

Innovative Cloudlösung.
Aktuell arbeitet cargo-partner daran, die Cloud-basierte Logistik-Applikation CargoWise im gesamten cargo-partner-Netzwerk in 40 Ländern einzuführen. „CargoWise ergänzt unsere eigene „Visibility & Collaboration Platform“ SPOT und war ganz klar die erste Wahl für die umfassende Funktionalität, Konfigurierbarkeit und Flexibilität, die wir brauchen, um unsere zukünftigen Wachstumsinitiativen voranzutreiben“, freut sich Schenzel und ergänzt: „Wir sehen unsere zukünftige Rolle in der Digitalisierung der globalen Lieferkette nicht in der Entwicklung eigener Standardsoftware, sondern im Ausarbeiten individueller Kundenlösungen, der tiefen Integration und schlussendlich im Aufbau von Clustern künstlicher Intelligenz gemeinsam mit unseren Kunden, wobei viele dieser Cluster untereinander verbunden sein und miteinander kommunizieren werden.“

Trotz allem zählt der Mensch
Geht es nach dem Geschäftsführer, bleibt auch in Zeiten von Digitalisierung und Automatisierung die persönliche Beziehung und Kommunikation mit dem Kunden weiterhin ein Schlüsselfaktor für effiziente und reibungslose Lieferketten. cargo-partner strebt langjährige Beziehungen mit seinen Kunden an und arbeitet in enger Abstimmung mit allen Partnern entlang der Lieferkette, um Logistikprozesse optimal aufzusetzen und kontinuierlich zu verbessern. Die Prozesse müssen dabei standardisiert und solide genug sein, um Automatisierung zu ermöglichen, und gleichzeitig agil und skalierbar genug, um auf unvorhergesehene Ereignisse schnell reagieren zu können. (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Metaverse schafft neue Möglichkeiten und Anwendungen

In Zukunft wird die reale Welt mit einer virtuellen Welt – genannt Metaverse – verschmelzen. Durch digitale Zwillinge werden reale Objekte im Metaverse repräsentiert. Auch ganze Lieferketten können so repräsentiert und optimiert werden.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Sicher haben Sie schon einmal von Paralleluniversen aus der Quantenphysik gehört. Nach dieser Theorie könnten wir gleichzeitig in unterschiedlichen Welten existieren – genauer gesagt in unendlich vielen. Was kaum fassbar und utopisch erscheint, wird gerade in einer anderen Form durch den Menschen erschaffen. Eine parallele Welt, die über das hinaus geht, was wir bisher kennen. Im sog. Metauniversum (meta = jenseits, darüber hinaus gehend) oder auch Metaverse verschmelzen die physische und die digitale Welt. Es ist ein virtueller Raum in dem wir mittels Avatar miteinander agieren können oder vollständig – wie im richtigen Leben – in ein Event eintauchen können. Es gleicht in gewisser Hinsicht einem dreidimensionalen Videogame. Im Metaversum können Nutzer die Welten mitgestalten und dort leben, lernen, arbeiten und feiern.

Das Metaverse: „Projekt in Progress“.
Allerdings ist bisher noch nicht exakt definiert, was das Metaverse genau sein soll und durch welche Technologien es umgesetzt werden soll. Auch arbeiten verschiedene Firmen wie Facebook, Microsoft, Apple, Google und Firmen aus dem Videospiele-Bereich wie Epic Games (Fortnite) und Roblox an ihrer Version des Metaverse. Diese Metaversen bzw. virtuellen Räume könnten später vielleicht miteinander interagieren. Metaverse-Plattformen sind bisher beispielsweise The Sandbox, Decentraland und Axie Infinity. Die gesamte Idee ist also ein „Projekt in Arbeit“, was durch viele unterschiedliche Parteien entwickelt wird. Wichtige technische Fragen wie z. B. über die Architektur (zentral oder dezentral), Betriebssystem (benötigt oder nicht?), Standards und Protokolle und Besitzstatus (proprietär oder Open Source) müssen noch beantwortet werden. Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz (KI), Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) werden im Metaverse zusammengeführt. Neue Technologien für verschiedene Sinneserfahrungen wie z. B. spezielle Handschuhe zum Erfühlen von Gegenständen und spezielle Nasenklappen an VR-Brillen, um Gerüche zu erzeugen, müssen noch zur Marktreife gebracht werden.

Vor- und Nachteile des Paralleluniversums.
Es existieren viele Vorteile aber auch schwerwiegende Nachteile des Metaverse. In der virtuellen Welt können sich Menschen unabhängig vom Aufenthaltsort via Avatar treffen. Auf diese Art werden Reisekosten sowie Zeit gespart und die Umwelt geschont. Die Arbeitnehmer können von zuhause oder jedem anderen Ort aus arbeiten. Home Schooling und Home Office werden zunehmend realitätsnah. Für Unternehmen ergeben sich neue Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb. Die Kunden können Produkte im 3D-Raum sinnlich erfahren. Es entsteht eine neue Welt in der z. B. Produkte, Grundstücke, Häuser und Unternehmen gekauft und verkauft werden können.

Eine große Gefahr ist der suchtbildende Charakter des Metaverse, der gegenüber Videospielen um ein Vielfaches potenziert wird. Da vollständige Eintauchen in eine Parallelwelt kann zur Abtrennung der Menschen von der realen Welt, der Natur sowie der eigenen realen Persönlichkeit führen. Der Zugang in das Metaverse erfolgt durch aufwändige und teure Technik wie VR-Brillen, spezielle Handschuhe und Schuhe, Simmulationstechnik für den Geruch- und Geschmackssinn, u. a.. Zudem sind fortgeschrittene digitale Kenntnisse notwendig. All das kann dazu führen, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht – nämlich aus Menschen, die sich den Zutritt zum Metaverse leisten können und auch wissen wie man Zugang erhält, und den anderen, die beide Voraussetzungen nicht erfüllen.

Metaverse in der Logistik und Industrie.
Das virtuelle Universum wird Unternehmen aus allen Branchen und insbesondere auch der Logistikbranche viele neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten. Neben der schon erwähnten Möglichkeit sich im virtuellen Raum zu einem Arbeitsmeeting zu treffen, bei dem sich die Teilnehmer real an völlig unterschiedlichen Orten auf dem Globus befinden, bietet besonders auch die Kombination mit KI enorme Potenziale zur Verbesserung. Ganze Städte, Fabriken, Unternehmen, Logistikzentren und auch Lieferketten lassen sich als „digitaler Zwilling“ reproduzieren.

Die Verbindung von digitalem Zwilling und Metaverse kann Systeme wie Supply Chains viel eindrücklicher darstellen und damit die Aufdeckung von Ineffizienzen erleichtern. Dabei werden Echtzeitdaten der realen Objekte via Internet der Dinge (IdD) auf den Zwilling übertragen und können so auch zu Simulationen künftiger Zustände der Lieferkette genutzt werden. Digitale Zwillinge fungieren also als Missing Link, der die Realität mit dem Metaverse verbindet. Auf diese Weise kann eine Supply Chain von den Nutzern (z. B. alle Stakeholder) einer Metaverse-Software virtuell direkt erfahren werden. Dabei erhalten die Nutzer Echzeitdaten z. B. über eine AR-Brille.

Die Technologie schafft also Transparenz über Daten und Zustände der Supply Chain und ermöglicht eine drastische Verbesserung der Funktionsfähigkeit und Effizienz. Die Grundlage für all das ist die exakte Erfassung von Echtzeitdaten aller Objekte in der Supply Chain. Alle Stakeholder erhalten Einsicht auf Lieferzeiten, Transitzeiten, Verzögerungen und Versendungskosten und Bezugsquellen in Echtzeit, was das Vertrauen in die Prozesse der Lieferkette aller Beteiligten stärkt. Mit der Nvidia-Software Omniverse existiert bereits eine Plattform, um digitale Zwillinge für das Metaverse zu erstellen und Teams weltweit zu verbinden. Sie wurde bereits von Firmen wie BMW, Ericsson, Siemens und Lockheed Martin genutzt.

Das Metaverse fördert auch die Verkürzung von Produktzyklen, da alle Stakeholder der Lieferkette an dem Design von neuen Produkten mitwirken können und dieses durch entsprechendes Feedback iterieren können. Zudem könnte die Ausbildung und Schulung der Mitarbeiter via digitalem Zwilling und Metaverse wesentlich einfacher und realitätsnäher gestaltet werden. Für die Kunden würde die Technologie ganz neue Möglichkeiten eröffnen mit dem gewünschten Produkt zu interagieren. In virtuellen Showrooms könnten die Produkte schon vor dem Kauf getestet werden und gewünschte Eigenschaften wie Farbe, Textur, etc. und Ausstattungsmerkmale angepasst werden. Zudem werden dem Kunden entsprechende Produktinformationen in die VR-Brille eingespielt.

Eine weitere interessante Möglichkeit für die Nutzung von Digital Twins, KI, Predictive Analysis und Metaverse besteht in der Bedarfsprognose von Produkten und dem Bestandsmanagement. Durch die Steigerung der Genauigkeit können z. B. Einzelhändler die Lieferkette optimieren und so ihr Endergebnis erheblich verbessern.

Schlüssel-Technologien für das Metaverse.
Die Blockchain gilt als das Rückrad des Metaverse. Durch sie wird der Wertetransfer, die Besitzverifizierung, die gegenseitige Nutzung von digitalen Objekten, die Kontrolle der Prozesse und die Produkthaftung transparent gemacht und gesichert. Zudem kann der Kauf von virtuellem Land und Immobilien durch Kryptowährungen erfolgen und der Besitz gesichert und übertragen werden.

Das Metaverse wird in Zukunft von vielen kreativen Köpfen erschaffen werden – mit teilweise auch geringer technischer Vorbildung. Daher entwickelt sich die Nachfrage nach sog. Low-code- und No-code-Plattformen und Plug-and-Play-Anwendungen wie z. B. Onirix. Für realistische 3D-Darstellungen von Objekten im Metaverse werden zunehmend Firmen für hochauflösende 3D-Foto- und Videografie benötigt. Weiterhin wird sich die Nutzung des IdD enorm ausweiten, um Echtzeitdaten in das Metaverse zu füttern. Zudem bildet das Mobilfunk-Internet 5G mit Bandbreiten im Gigabit-Bereich und geringen Latenzzeiten die Basis für das IdD. Um die umfassende bzw. immersive Sinneserfahrung des Metaverse zu kreieren, werden immer mehr kybernetische Technologien für Sprache, visuelle Wahrnehmung, Bewegung, Erkennung von biometrischen Daten, etc. eingesetzt werden.

Ein weiteres Beispiel ist das Brain-Computer-Interface Neuralink von Elon Musk, das eine symbiotische Beziehung zwischen menschlichem Gehirn und Computer schaffen soll. Mit dem chirurgisch implantierten Chip soll der Nutzer mit Computer und Maschinen kommunizieren und diese kontrollieren können. Die Idee des Metaverse wird zu einem Technologiesprung in vielen Bereichen führen und ebenso die Effizienz von Lieferketten enorm steigern. (DR)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Digitalisierung macht die Lieferketten fit: Planungssicherheit als Schlüssel zum Erfolg

Kaum ein Tag der letzten zwei Jahre verging ohne Störungen in der Lieferkette, aktuelle Entwicklungen lassen darauf schließen, dass das noch länger so bleibt. Unter dem neuen Motto #bringiton möchte Dematic den Kunden signalisieren, dass sie Lösungen für die intralogistischen Herausforderungen parat hat – um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen zu sichern.

Redaktion: Angelika Gabor.

Der Markt und das Verbraucherverhalten haben sich grundlegend verändert. Ginge es nach dem Ideal der Onlineshopper, würde schon wenige Sekunden nach dem Klick der Postbote klingeln. Das ist natürlich utopisch, aber same-day-delivery ist durchaus bereits ein Thema. Die Grundlage dafür bietet eine Hochleistungslogistik: intelligente Logistiksoftware, präzise Intralogistik und skalierbare Systeme von Dematic unterstützen dabei, Kundenbedürfnisse zu antizipieren und so die Voraussetzungen dafür zu schaffen, auf was es wirklich ankommt: ein zufriedenstellendes Kundenerlebnis. Das umfasst beispielsweise auch einfache Rücksendemöglichkeiten und – ganz wichtig – fehlerfreie Lieferungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Skalierbarkeit für Nachfrageschwankungen
Oftmals ist es schwer, exakte Prognosen für den Erfolg eines Produktes zu erstellen. In Zeiten von Social Media und Influencern kann beispielsweise ein Kleidungsstück oder Dekorationsartikel plötzlich extreme Popularität erlangen. Die intelligente Managementsoftware von Dematic erlaubt die rasche und präzise Auftragsbearbeitung. Die Systeme erkennen, wie stark verschiedene Artikel nachgefragt werden. Dementsprechend lassen sich die Lager-Stellplätze dynamisch vergeben, um die vorhandene Infrastruktur stets optimal auszulasten.

Die skalierbaren Systeme wie der Dematic Pouch Sorter ermöglichen maximale Flexibilität und Präzision. Die intelligente Software bietet Echtzeit-Information über den jeweiligen Produktstandort, damit die Kunden so schnell wie möglich beliefert werden können. Darüber hinaus ist natürlich auch ein effektives Retourenmanagement möglich.

Digitalisierungspotential voll ausschöpfen.
Um ein tieferes Verständnis für die Marktbedürfnisse zu bekommen, hat Dematic umfangreiche Befragungen und Analysen durchgeführt. „Die Digitalisierung birgt enormes Potenzial für unsere Kundinnen und Kunden, vor allem daten- und cloudbasierter Lösungen gewinnen an Wichtigkeit. Unser Ziel ist es, die Lieferketten durch intelligente Software und transparente Datenpunkte zukunftsfit zu machen“, erklärt Bernard Biolchini, Executive Vice President EMEA bei Dematic. „Datentransparenz ist zudem der Schlüssel zu einer weiteren Gelegenheit: dem Einhalten von Lieferfristen durch das Schaffen robuster Lieferketten. Zu wissen, welche Bestellung sich wo befindet, und das zu jedem Zeitpunkt, ist ein zentraler Baustein erfolgreicher Unternehmen im E-Commerce.“

Durch die Verbindung aller Punkte in der Lieferkette wird das digitale Umfeld optimiert. Mit Hilfe von Softwarelösungen werden Daten sichtbar, transparent und agil gemacht. Das Ergebnis: ein vollständiges Bild über die Lieferketten bei gleichzeitig steter Kontrolle über alle Prozesse. „Nur mithilfe der perfekten Nutzung der Digitalisierung und Konnektivität lassen sich E-Commerce und Online-Shopping in der von den Kundinnen und Kunden erwarteten Art und Weise realisieren“, weiß Biolchini.

Durch eine nahtlose Verflechtung der Lieferketten kann ein konsistentes Kundenerlebnis erreicht werden. Parallel zu den Wünschen der Kunden müssen auch Agilität und Datenqualität steigen. Informationen über Bestellgewohnheiten sind ebenso wichtige Faktoren wie das Feedback der Kunden. „Unsere Softwarelösungen sind in der Lage, genau das zu tun – indem sie alle Punkte Ihres Ökosystems miteinander verbinden. Somit werden die Teile Ihrer Lieferketten zu einer perfekt synchronisierten Symphonie mit einem allwissenden Dirigenten zusammengeführt“ so Biolchini. Dematic Insights hilft bei der Auswertung und Nutzung des vorliegenden Datenschatzes, um Potenziale zu erkennen. Dematic stellt alle nötigen Werkzeuge zur Verfügung, um Trends frühzeitig zu erkennen und Prognosen zu erstellen.

Maximale Investitionssicherheit.
Ein volatiles Umfeld, steigende Kosten und die Nachwehen der Pandemie sind nur ein paar der Gründe, warum langfristige Investitionssicherheit eine extrem wichtige Rolle bei der Planung von Intralogistikprojekten spielt. Darum setzt Dematic zur Ausarbeitung dieser Lösungen auf ein breit gefächertes Portfolio aus Intralogistik-Hard- und –Software zur Stabilisierung der Supply Chain, um damit eine tragfähige Grundlage für die Abwicklung der Geschäfte zu schaffen – gerade, wenn volatile Märkte wenig Spielraum für Fehler lassen.

Dank ihrer Skalierbarkeit bieten die zuverlässigen Lösungen von Dematic hohe Investitionssicherheit. Die Systeme sind allesamt so konzipiert, dass man die Abläufe nie aus den Augen verliert und trotzdem bei den Gesamtbetriebskosten spart. Dabei helfen auch Energierückgewinnungssysteme und umfassende Stand-by-Modi, wichtige Punkte im Bereich Nachhaltigkeit. Ebenso relevant: mit umfassenden After-Sales-Angebot begleitet Dematic den Anlagenbetreiber über die gesamte Lebensdauer der Lösung – bei voller Kostenkontrolle.

Automatisierung gegen Arbeitskräfte- und Platzmangel.
Ob man es möchte oder nicht, angesichts immer mehr offener Stellen im Lager- und Logistikbereich kommt man um das Thema Automatisierung nicht herum. Saisonale Spitzen tun dann ihr übriges, die Prozesse im Lager unter Druck zu setzen. Die unterschiedlichen Hard- und Softwarelösungen von Dematic helfen dabei, die Möglichkeiten gegebener Logistikinfrastrukturen besser auszuschöpfen. Ein nahtloser, sich selbst erhaltender Prozess bietet eine zuverlässige Basis für den Betrieb. Mittels Automatisierung werden im Optimalfall alle arbeitsintensiven, zeitaufwändigen manuellen Prozesse eliminiert, die Effizienz verbessert. Nicht zu vergessen: auch das Platzangebot kann maximal ausgenutzt werden. Dies ist besonders bei Projekten im Bereich City-Logistik relevant, denn bei Urban Warehouses und Micro-Hubs bedeutet jeder Zentimeter mehr auch höhere Betriebskosten. Die aufeinander abgestimmten Hard- und Softwarelösungen von Dematic lassen sich in bestehende Systeme integrieren. Micro-Fulfillment-Lösungen, wie etwa das automatische Kleinteilelager- und Kommissioniersystem Autostore (Dematic ist hier Distributionspartner) maximieren die Effizienz durch ihre hohe Lagerdichte.

Mit AMR, FTS und automatischen Kommissionierstationen schafft man die Voraussetzungen für einen vollautomatischen Materialfluss – der in wenigen Wochen geplant und umgesetzt werden kann. Biolchini: „Eine State-of-the-Art-Automatisierungslösung ist heutzutage kein Mittel zum Selbstzweck. Vielmehr bietet sie das Potenzial, die mit der Geschäftstätigkeit verbundenen Aufgaben noch besser zu erledigen. Ein Potenzial, das darauf wartet, erschlossen zu werden; quasi der verborgene Schatz der operativen Exzellenz.“

Drohnentechnologie auf dem Vormarsch.
Auf der LogiMAT 2022 präsentierte Dematic einen neuen Service zur visuellen Inspektion intralogistischer Anlagen der Öffentlichkeit: Dematic Drone Inspection Services. Durch den Einsatz von Drohnen werden der Zeit- und Arbeitsaufwand für die Wartung stark reduziert – und das ganz ohne Qualitätsverlust. Die regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen und Sichtkontrollen können so bequem und gefahrlos vom Boden aus durchgeführt werden. Die Drohnen verfügen über hochauflösende Kameras und LED-Scheinwerfer, der Servicetechniker kann daher alles genau überprüfen – live oder im Nachhinein. Bonus: die Standzeit der Anlage wird deutlich reduziert. (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Ukraine-Krieg wirbelt Lieferketten durcheinander

Die Welt ist seit der Invasion Russlands in die Ukraine schlagartig eine andere geworden. Und damit auch die Welt der Logistik.

Beitrag: Redaktion.

Am 24. Februar 2022 trat in Europa eine Zeitenwende ein, wie es Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz in Reaktion auf die Invasion Russlands in die Ukraine formulierte. An diesem Tag brach in Europa Krieg aus, dessen Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens noch nicht abschätzbar sind. Hält schon die Corona-Pandemie die Welt seit zwei Jahren in Atem so verschärft der Krieg die Krisensituation noch einmal mehr. Praktisch über Nacht hat sich auch die Welt für die globale Logistik und Rohstoffversorgung grundlegend verändert. Eingespielte Logistikketten funktionieren nicht mehr, Transporte planen war gestern, improvisieren steht heute auf der Tagesordnung. Gütertransporte per Schiff sind genauso nicht mehr planbar wie jene auf Straße, Schiene oder in der Luft. Beim genauen Hinschauen auf das Thema werden die massiven Einschläge sichtbar.

Ein Beispiel dafür ist der Hamburger Hafen, der wichtigste Container-Exporthafen für Österreich. 5,6 Mio. t Fracht aus und für Österreich wurden im Vorjahr via Hamburg umgeschlagen, ein schönes Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020. Und doch ist die Freude im Elbe-Hafen betrübt denn immerhin 337.000 Container wurden bisher jährlich von und für Russland via Hamburg umgeschlagen. Mit elf Liniendiensten wurden von Hamburg aus verschiedene russische Häfen bedient, das alles geht derzeit nicht, weil Russland mit EU-Sanktionen belegt ist und praktisch kein Warenverkehr zwischen EU und Russland stattfindet.

In Hamburg staut sich russische Ladung und Axel Mattern, Vorstand von Hamburg Hafen Marketing, wagt derzeit keine Prognose, wie es künftig mit dem Russland-Handel weitergehen wird. Faktum ist, dass bekannte Reedereien wie Maersk, CMA CGM, MSC oder Hapag Lloyd keine Buchungen mehr für Russland und Ukraine akzeptieren.

Massiv zu spüren bekommt den Ukraine-Krieg der maritime Terminalbetreiber HHLA mit Sitz in Hamburg. Im ukrainischen Hafen Odessa betreibt HHLA einen Containerterminal, der am 24. Februar behördlich geschlossen wurde und seither ruht hier die Arbeit und sind viele von den 450 HHLA-Mitarbeitern in alle Winde verstreut sind, Männer an der Waffe, Frauen und Kinder auf der Flucht. Entlang der ukrainischen Schwarzmeerküste wurden bisher fünf Schiffe Opfer von kriegerischen Angriffen. Weshalb Reedereien mit ihren Schiffen das Schwarze Meer meiden und sich Ladung in anderen Häfen staut, weil das Fahrtgebiet derzeit zu gefährlich ist, weil Seeminen im Meer herumschwimmen und eine große Unfallgefahr für die Schiffe und deren Besatzung darstellen.

Dem Geschäft mit der Luftfracht geht auch die Luft aus. Alle russischen Flugzeuge sind aus dem EU-Luftraum verbannt, umgekehrt können westliche Airlines das weltgrößte Land Russland derzeit nicht überfliegen, geschweige denn anfliegen, weil Russland den Westen das verboten hat. Flüge von Europa nach Asien müssen Russland umfliegen, das dauert nicht nur länger, sondern verursacht auch höhere Kosten und die Flugzeuge müssen die Frachtkapazitäten um 20 Prozent reduzieren. Das wiederum treibt wiederum die Frachtraten in die Höhe. Auch die Bahnen haben das Nachsehen. In den vergangenen Jahren hat sich die eiserne Seidenstraße als Alternative zum doch langen Seeweg im Fernost-Trade etabliert und wurde auf der Schiene immer mehr Fracht von China via Russland nach Europa und vice versa gefahren. Die Nachfrage nach dem Bahntransport durch Russland ist schlagartig eingebrochen, was für Logistiker einen harten Einschlag bedeutet. In „normalen“ Zeiten wurden rund eine Mio. Container pro Jahr auf dem Landweg von Fernost nach Europa und retour befördert. Alle diese Behinderungen führen dazu, dass sich Logistiker derzeit in der Ukraine und Russland geschäftlich nicht präsent sind.

Lieferketten werden durcheinander gewirbelt, Produktionen gedrosselt, weil Rohstoffe oder Komponenten nicht verfügbar sind. Die Versorgung mit Waren und Rohstoffen für Österreichs Handel und Industrie war schon während der Corona-Pandemie auf unterschiedliche Weise gefährdet, der Krieg markiert eine weitere Eskalationsstufe. Die Störungen in den Lieferketten führten zu Beginn der Corona-Krise zu erheblichen Preissteigerungen bei begehrten Rohstoffen. Die globalen Lieferengpässe haben Österreichs Wirtschaft in zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres 750 Mio. Euro gekostet, wie die Österreichische Nationalbank kürzlich vorrechnete. Was also tun in unsicheren Zeiten. Eine der Antworten lautet: Weg vom Single Sourcing, also Abhängigkeit von nur einem Lieferanten, hin zum Dual Sourcing, ja zum Multiple oder sogar Global Sourcing.

Mit mehr Lieferanten lassen sich Ausfälle.
besser ausgleichen. Dual Sourcing erweist sich in Krisenzeiten als Retter in der Not. Diese Erkenntnis wird in Österreichs Handel und Industrie gerade populär. Bricht ein Lieferant ganz oder vorübergehend weg, springt ein zweiter für ihn ein. Das macht die Supply Chain wesentlich resilienter als beim Single Sourcing. Aus eins mach zwei – das ist das Prinzip von Dual Sourcing im Einkauf. Bei zwei Lieferanten muss es aber nicht bleiben. Je nach Branche und Marktumfeld lässt sich die Versorgung auf weitere Schultern verteilen. In diesem Fall spricht man von Multiple Sourcing.

Als Einkäufer in Handel und Industrie sollte man nicht alle Eier in einen Korb zu legen, hält Oliver Wagner, Geschäftsführer des österreichischen Zentralverbandes Spedition & Logistik in Zeiten wie diesen für unabdingbar: „Die Abhängigkeit von einem einzigen Partner in der Supply Chain war niemals eine resiliente Lösung, da Probleme bei diesem Partner sofort auf die gesamte Lieferkette durchschlagen.“ Deshalb hoffen Österreichs Logistiker, dass ihre Kunden künftig stärker das Multiple- und Global
Sourcing forcieren. Nicht nur in Pandemie-Zeiten kann Dual oder Multiple Sourcing beim Einkauf helfen. Es wappnet Lieferketten auch gegen Naturkatastrophen wie eben Kriege, Vulkanausbrüche, Naturkatastrophen oder unerwartete Veränderungen im Beschaffungsprozess wie beispielsweise Insolvenzen, Produktwechsel oder Preiserhöhungen.

In unsicheren Beschaffungszeiten hilfreich ist Rohstoffe auf Vorragt zu lagern, sprich Pufferlager für den Fall der Fälle aufzubauen. Solche seien klar zu forcieren, betont Wagner und rechnet mit einer Rückverlagerung von Produktionen nach Europa und den Aufbau von Pufferlagern. Corona und der Krieg in der Ukraine könnten eine „Deglobalisierung“ bewirken. Das würde bedeuten, dass der Handel zwischen dem Westen und China und Russland relativ zum Bruttoinlandsprodukt abnehmen wird, schätzen Experten die Entwicklung ein. Denn Faktum ist: Politische motivierte Handelshemmnisse verbunden mit geopolitischen Risiken belasten die internationale Arbeitsteilung massiv und begünstigen die Ausbildung eines wirtschaftlichen Nationalismus. (RED)

 

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

KNAPP: WMS-Retrofit für EGLO Leuchten

Modulare Template-Lösung mit SAP® EWM by KNAPP in vier Zentrallagern.

Text: Redaktion

Lichtgeschwindigkeit. Das ist eine zutreffende Beschreibung für die überdurchschnittlichen  Wachstumsraten von EGLO Leuchten GmbH. Nicht nur das Geschäft und die Anzahl der Mitarbeitenden nehmen rasant zu, sondern auch die Logistikfläche. Um die logistischen Prozesse in einer harmonisierten SAP® End-to-End-Lösung zu vereinen, entschied sich der Weltmarktführer in dekorativer Wohn- und Außenbeleuchtung SAP® EWM by KNAPP in seinen vier Zentrallagern in Europa einzuführen. Die Implementierung des neuen Warehouse Management Systems erfolgte als Template-Lösung, um effizient auch etwaige zukünftige Standorte integrieren zu können.

Die EGLO Leuchten GmbH mit Sitz in Pill in Tirol ist weltweiter Marktführer für dekorative Wohnraum- und Außenbeleuchtung sowie Leuchtmittel mit Schwerpunkt auf LED. Das aktuelle Sortiment umfasst mehr als 4.000 Artikel Tendenz steigend. Knapp alle 2 Stunden wird bei EGLO eine Neuheit entwickelt. In den eigenen Produktionsstätten in China, Indien und Ungarn werden täglich rund 80.000 Leuchten gefertigt. Über die rund 70 Vertriebsgesellschaften und verschiedene Vertriebskanäle wie Baumärkte, Einzelhandel, Möbelgeschäfte, Onlineversandhändler und den eigenen Online-Shop finden sie schließlich ihren Weg zum Kunden.

Andreas Moser, Konzernleitung Logistik, EGLO Leuchten GmbH: Eine tragende Rolle in unserer Organisation und unserem stetigen Wachstum spielt die Logistik. Daher investieren wir laufend in die Optimierung unserer Produktions- und Lieferkette, perfektionieren Prozesse und bauen neue Lager. So haben wir ein durchgängiges Logistiknetzwerk mit hohem Liefer-Service-Grad aufgebaut. Um dafür eine harmonisierte SAP® End-to-End Lösung zu schaffen, haben wir uns für SAP® EWM by KNAPP entschieden. Durch die gemeinsame Realisierungsphase mit KNAPP bekam unser SAP®-Team das notwendige Know-how für den Betrieb und die Weiterentwicklung der Lösung.

Aus 3 macht 4 – Ein modulares SAP® EWM-Template für ein WMS-Retrofit- & Greenfield-Projekt
Im Blickfeld dieser Modernisierung standen zunächst die drei bestehenden Zentrallager in Pill, Österreich, Pásztó, Ungarn, und Oosterhout, Niederlanden. Im Rahmen eines Retrofit-Projektes sollte eine Ablöse von einem nicht von SAP stammenden Lagerverwaltungssystem mit SAP® EWM by KNAPP erfolgen. Ergänzend zu der Integration der Bestandsanlagen von unterschiedlichen Logistikautomatisierungsanbietern in SAP® EWM an den drei Standorten sollte die neue Warehouse Management Lösung auch mittels Prozessoptimierung Lagerplatz-Engpässe bei den Sortimentsumstellungen eliminieren. Der Go-Live der neuen Software musste zudem während des laufenden Betriebs erfolgen und im Zuge der Einführung das SAP®-Team von EGLO geschult werden. Durch die anhaltende überdurchschnittliche Geschäftsentwicklung musste EGLO darüber hinaus sein Lagernetzwerk erweitern. Mit einer Größe von vier Hektar an Lager- und Logistikfläche ist das neue Zentrallager in Magdeburg, Deutschland, das größte Fertigwarenlager des Unternehmens. Das automatische Hochregallager umfasst 66.000 Palettenstellplätze – ebenfalls gesteuert und verwaltet mit SAP® EWM inkl. MFS (Materialflusssteuerung).

Gerald Lassau, Geschäftsführer, KNAPP IT Solutions GmbH: Die logistischen Prozesse und Abläufe für das neue Lager in Magdeburg sowie die drei bestehenden Zentrallager wurden von uns eingehend analysiert. Es bot sich an, SAP® EWM by KNAPP als modulare Template-Lösung bei EGLO auszurollen. Diese Variante ermöglicht nämlich nicht nur eine effiziente Implementierung von SAP® EWM in den aktuellen vier Zentrallagern, sondern ist auch flexible und zukunftssicher, um auf Marktveränderungen sowie etwaige Erweiterungen im Standortnetzwerk von EGLO zu reagieren.

Schwerpunkt E-Commerce.
Das E-Commerce-Geschäft erfordert eine besondere Flexibilität der logistischen Prozesse, denn Versanddienstleister und Onlineshops haben individuelle Anforderungen an die Intralogistik. In der SAP® EWM Template-Lösung sind daher eigens angepasste Prozesse an den Vertrieb der jeweiligen Onlinehändler von der Auftragsanlage über das Kommissionieren bis hin zur Verpackung und den Versand realisiert.

Andreas Moser, Konzernleitung Logistik, EGLO Leuchten GmbH: Wir sehen uns gegenüber unserem Mitbewerb durch schnelle Reaktionen auf Marktveränderungen im Vorteil. Bereits 2017 haben wir eine E-Commerce taugliche Webseite etabliert. Zuerst nur als ein Webschaufenster angelegt, aktivierten wir im Februar 2020 die ersten Online-Shops für unsere Vetriebsniederlassungen. Keine Sekunde zu spät, denn unsere klassischen Hauptvertriebskanäle, der Fach- und Einzelhandel, fielen kurz darauf pandemiebedingt zum Teil für längere Zeit aus. KNAPP IT Solutions reagierte ebenso rasch und integrierte die neuen Prozesse für unsere Onlinevertriebskanäle in der SAP® EWM Template-Lösung.

24/7 Service über den Go-Live hinaus
Nach dem Go-Live der neuen Softwarelösung an den Standorten in Pill, Österreich, im Mai 2020 und Magdeburg, Deutschland, im März 2021, folgen die Niederlassungen in Oosterhout, Niederlanden, und Pásztó, Ungarn, 2022 und 2024. Die Zusammenarbeit mit EGLO endet aber nicht mit der Inbetriebnahme und anschließenden Hypercare-Phase. Alle vier Standorte werden darüber hinaus über den KNAPP 24/7 SAP® EWM Service Desk während der Bereitschaftszeit von 06:00 bis 23:00 durch das KNAPP eigene SAP® EWM Expertenteam in etwaigen Frage- und Problemstellungen betreut und unterstützt. (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT 2022 Fachmesse mit Vorlauf: Intralogistik aus erster Hand

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Start der Intralogistikmesse LogiMAT, die vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Stuttgart stattfindet. Auch im zweiten Teil der dreiteiligen Serie präsentiert Logistik Express vorab die interessantesten Exponate aus zentralen Ausstellungsbereichen.

Die langjährigen Besucher der LogiMAT werden in diesem Jahr feststellen, dass sich der Charakter des Branchen-Events leicht verändert hat. Anders als früher finden die beliebten Foren nicht mehr in den Hallen, sondern ausschließlich im Eingangsbereich statt. Diese Corona-Schutzmaßnahme hat zur Folge, dass die Zahl der Fachvorträge während der drei Messetage deutlich gesunken ist.

Aus dieser Not machte der Veranstalter, die Münchner Euroexpo GmbH, eine Tugend.
Etliche Vorträge finden nun im Vorfeld der LogiMAT auf der digitalen Plattform LogiMAT.digital statt, die damit spürbar an Attraktivität gewonnen hat. Am 5. April stand zum Beispiel der LogPR-Thementag auf dem Programm. Hier ging es in zwölf moderierten Vorträgen um die Themen Automatisierung, Warehousemanagement und Disposition. Für potenzielle Besucher war das eine von vielen Möglichkeiten, sich gezielt auf die Messe vorzubereiten und einige der Top-Lösungen im Vorfeld zu betrachten. Apropos Top-Lösungen: Auch im zweiten Teil des Vorberichts stellen wir einige der herausragenden Exponate vor.

Handheld Germany stellt den neuen SP500X ScanPrinter vor. Die tragbare Scan-und-Druck-Lösung vereint 2D-Imaging, Tintenstrahldruck und drahtlose Kommunikation in einem Gerät. Der SP500X wurde für Logistikanwendungen mit hohen Volumina entwickelt, bei denen bei der Sortierung von Paketen manuell gescannt und etikettiert wird. Mit dem integrierten Drucker und Wi-Fi ist der SP500X echt mobil. Der SP500X verwendet eine patentierte Technologie von HP und druckt direkt auf Pakete und andere Oberflächen. Der leichte SP500X kann über 1.250 Scans und Ausdrucke pro Stunde erstellen. Er hat eine Lithium-Ionen-Batterie, die bis zu 5.000 Scans und Ausdrucke pro Ladung schafft. Die Druckerpatronen reichen für Tausende Ausdrucke. Die Batterie kann im laufenden Betrieb gewechselt werden, sodass Ausfallzeiten minimiert werden können. Durch die Wi-Fi-Kompatibilität lässt sich der SP500X ScanPrinter nahtlos in bestehende IT-Umgebungen integrieren und kommuniziert direkt mit den vorhandenen Back-End-System.

Das Supply Chain Technologieunternehmen Zetes präsentiert auf der LogiMAT in Halle 8, Stand A41 Innovationen für eine digitalisierte, vernetzte Lieferkette. Messebesucher erleben anhand von praxisnahen Anwendungsszenarien Supply Chain Management 4.0 zum Anfassen. So wird die Logistic Execution-Lösung ZetesMedea zur Digitalisierung von Lagerprozessen inklusive Voice-Kommissionierung und das RFID-/ImageID-Gate für eine kamerabasierte Palettenprüfung des Wareinein- und ausgangs zu sehen sein. Darüber hinaus sind Live-Demos des druckluftfreien Hochleistungs-Applikators MD 5000E zum ein-, zwei- oder dreiseitigen Etikettieren von Paletten in Kombination mit dem Packaging Execution System (PES) ZetesAtlas, des IND-Staplerterminals sowie der topaktuellen Mobilcomputer und Wearables führender Hersteller geplant.

Der Pick-by-Light-Spezialist KBS Industrieelektronik GmbH präsentiert ein neu entwickeltes Modul für die elektronische Füllstandüberwachung. Damit werden die Einsatzmöglichkeiten des KBS Systems um die elektronische Nachfüllsteuerung von Bereitstellregalen (e-Kanban) erweitert. Um die elektronische Nachschubermittlung zu erleichtern hat KBS einen Sensor entwickelt, der eine automatische Füllstanderfassung nahtlos in bestehende oder neue Pick-by-Light-Systeme integrieren kann. Die hierbei eingesetzte Technologie ermöglicht es, dass nur noch ein Sensor je Durchlaufkanal zur Füllstanderfassung erforderlich ist und Kabelführungen innerhalb des Durchlaufkanals entfallen. Der Behälter-Füllstand wird dabei durch den Sensor kontinuierlich berührungslos überwacht. Sobald sich nur noch eine definierbare Mindestanzahl an Behältern im Regal befindet, meldet dies der Sensor an die Nachschubsteuerung. In Kombination mit einem Put-to-Light-Modul kann der aktuelle Status angezeigt und der Nachfüllprozess optimiert werden, indem die leucht-
starke Blickfangleuchte visuell unterstützt und so den Nachfüllprozess beschleunigt und
Beschickungsfehlern vorbeugt.

Das Schweizer Familienunternehmen Kern AG hat sich dem leidigen Thema der übergroßen Pakete und dem Füllmaterial aus Plastik im Onlinehandel gewidmet und ein umweltschonendes Verpackungssystem entwickelt: PackOnTime 2box stellt maßgeschneiderte Pakete her, die ganz ohne Verpackungsmaterial auskommen. In einem vollautomatisierten Prozess wird die Ware ausgemessen und die Daten weitergeleitet. Aus recycelter Wellpappe stellt die Maschine ein passendes Paket her – und das im Sieben-Sekunden-Takt. Der nachhaltige Nutzen liegt auf der Hand: kleinere Pakete, weniger Volumen, weniger Lastwagen auf der Straße.

Das Robotikunternehmen Magazino zeigt erstmals öffentlich die serienreife Version des mobilen Roboters SOTO. Der vollständig autonom arbeitende Roboter automatisiert die Materialversorgung in der produzierenden Industrie und bringt Kleinladungsträger (KLT) vom Lager bis zur Montagelinie – ganz ohne manuelle Zwischenschritte. Der Roboter ist bereits in mehreren Pilotprojekten im Einsatz. SOTO kombiniert die elementaren Prozessschritte in einer einzigen, vollständig autonomen Lösung: die Aufnahme von unterschiedlich großen KLT, der autonome Transport von mehreren KLT von Quelle zu Senke sowie die Abgabe in Durchlaufregale auf unterschiedlichen Höhen. Das Einsammeln von Leergut sowie die Rotation von Kleinladungsträgern um 90° bis 180° gehören ebenfalls zum Fähigkeiten-Repertoire des neuen Roboters.

Mettler Toledo stellt erstmalig in Deutschland die Lösung TLD970 vor, mit der während der Fahrt die Abmaße von Paletten am Gabelstapler gemessen werden können. In Kombination mit der Waage TLF820, welche am Gabelstapler angebaut wird, entsteht so eine dynamische Messlösung für Volumen, Gewicht und ID. Damit können Spediteure ohne Zeitverlust während der Lagerumschlags prüfen, ob die vom Kunden angegebenen Maße und Gewichte stimmen. Denn mit jeder Palette, die ohne Kontrolle transportiert wird, können Umsatzverluste entstehen. Selbst kleinste Übermaße von Paletten können bei der Beladung von LKWs große Probleme hervorrufen und die gesamte Lade- und Routenplanung gefährden.

Das TLD970 von Mettler Toledo ist ein an der Hallendecke montiertes Messystem, dass die Abmaße von Paletten am Gabelstapler mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h messen kann. Die Lösung ist so unauffällig integriert, dass man sie kaum bemerkt. Eine am Gabelträger montierte Waage vom Typ TLF820 und das Handscannersystem liefern zur Vervollständigung des Datensatzes das Gewicht und die ID der Palette. Ein optionales Staplerterminal führt den Fahrer durch den Messprozess und überträgt den Datensatz per WLAN an das übergeordnete IT-System des Anwenders.

Der Pick-by-Vision-Spezialist Picavi stellt den Lager-Mitarbeiter in den Fokus. Kernthema am Messestand ist neben neuen Funktionalitäten im Picavi-Ökosystem die Entwicklung einer intelligenten Analytik mit Hilfe neuronaler Netze zur Echtzeit-Optimierung im Lager. Die Lösung basiert auf einer Echtzeit-Datenerfassung mittels Datenbrille und der Nutzung dieser Daten zur Optimierung von Lagerprozessen und der Arbeitsplatzergonomie der Mitarbeiter. Picavi führt die Auswertung mit neuronalen Netzen durch. Auf dieser Basis erkennt das System eigenständig Optimierungspotenziale und schlägt konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vor. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erfassung von Bewegungsmustern und deren Optimierung für eine bessere Ergonomie im Lager. So können beispielsweise wiederkehrende Bewegungen, wie z.B. häufiges Bücken, erkannt und anschließend Maßnahmen zur gesundheitsfördernden Optimierung ergriffen werden.

Die KNAPP AG (Halle 3 auf Stand B05) zeigt neueste Technologien für die Automatisierung und Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen Bedarf maßgeschneidert und basieren auf innovativen Technologien und modernster Software. Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile zu generieren und auszubauen. KNAPP versteht sich als Technologiepartner und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette die richtige Automatisierung, Informationen und Serviceleistungen. Innovative Roboter und Software-Tools: KNAPP zeigt die neueste Generation seines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot, Neuheiten rund um die autonomen mobilen Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige Taschensorter-System AutoPocket, das erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten Systemen verbindet, und innovative Software-Tools zur Analyse und Optimierung des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt ab.

Seit September 2021 trägt BITO-Lagertechnik (Halle 6 / Stand C31) die TÜV-Zertifizierung „Klimaneutralen Unternehmen“ und stellt auf der LogiMAT ihre hohen Grundsätze hinsichtlich Umweltschutz bzw. nachhaltiger Ressourcenschonung vor. Mit dem Fahrerlosen Behältertransporter LEO Locative ermöglicht BITO-Lagertechnik den Anwendern, den innerbetrieblichen Transport von Behältern oder Waren auf ganz einfache Art und Weise zu automatisieren, ohne dafür die komplette Infrastruktur verändern zu müssen. Die LEO-Produktfamilie wächst und passt sich den verschiedenen Marktrends an. LEO custom beispielsweise eignet sich als variable FTS-Lösung für die einfache Automatisierung des Materialtransports in der Produktion und lässt sich je nach Einsatz um individuelle Aufbauten ergänzen. Das LEO-System ist in allen Ausführungen ein unkomplizierter Schritt in Richtung Industrie 4.0. Es funktioniert ohne W-LAN und IT und kann vom Nutzer problemlos selbst installiert und in Betrieb genommen werden. Auf der LogiMAT 2022 stellt BITO-Lagertechnik die neuesten Weiterentwicklungen der LEO-Familie vor und zeigt, wie sich das System unkompliziert in unterschiedliche Prozesse einbinden lässt.

Die TGW Logistics Group (Halle 5 / Stand C13) hat sich für das digitale Zeitalter mit modernen Technologien aufgestellt und zeigt als Systemintegrator das Spektrum seiner digitalen Services. Es umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Anlage: von der Planung über die Realisierung bis zum laufenden Betrieb. Dabei stehen Innovationen im Fokus, die Unternehmen helfen, wettbewerbsfähiger zu werden.Der TGW-Stand setzt auf ein offenes Kommunikationskonzept. Neben Modulen, Systemen und Lösungen rücken auch Referenzprojekte mit namhaften Kunden in den Fokus, bspw. Coop, PUMA, Fource, Engelbert Strauss.

SSI Schäfer deckt diese komplexe Bandbreite ab und präsentiert auf der LogiMAT 2022, wie seine Kunden mit zukunftsfähiger Intralogistik einen Wettbewerbsvorteil erzielen. Auf dem Messestand in Halle 1 zeigt SSI Schäfer, wie kleinere und mittelständische Unternehmen Abläufe teilautomatisieren können – auf einfache Weise im Sinne von „Plug & Play“ und zu attraktiven Kosten. Im Ergebnis werden die Lager-, Transport- und Kommissionierprozesse beschleunigt, der vorhandene Raum effektiver genutzt und ergonomische Arbeitsabläufe garantiert. Bausteine dieser Lösungen sind unter anderem Fahrerlose Transportsysteme, Verschieberegalsysteme, Kanallager- Applikationen mit dem SSI ORBITER® und der Lagerlift SSI LOGIMAT®, die auf der Messe ausgestellt werden. Ein besonderes Highlight auf dem Messestand ist das Exponat zur Vertical Farming Lösung, die SSI Schäfer (Halle 1 D21) als offizieller Partner des Konsortiums des Deutschen Pavillons gerade erst auf der Expo 2020 in Dubai vorstellte. Die innovative wie nachhaltige Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Infarm, dem schnell wachsenden Urban Farming Unternehmen mit weltweiter Präsenz, entwickelt und wird nun in Europa präsentiert.

Innovation ist nicht länger eine Option. Es ist eine Notwendigkeit, BEYOND zu gehen. Wir als Dematic freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass wir auch in diesem Jahr wieder an der führenden EMEA-Messe Logimat 2022 teilnehmen werden, die vom 1. März bis zum 2. Juni in Stuttgart, Deutschland, stattfindet. Zusammen mit einem neuen Standkonzept und spannenden Showcases werden wir in Halle 1, Stand 1B37 zu finden sein. Als Unternehmen mit einem starken sustainable und sehr digitalen Mind-Set, werden wir uns im Jahr 2022 auf den ganzheitlichen Ansatz unserer Lösungen > Services > Software konzentrieren, um die Zukunftsmärkte F&B, Grocery, General Merchandise, e-Com/e-Grocery und Durable Manufacturing fokussieren.

Seit 2003 ist Element Logic (Halle 1, Stand 1H21) AutoStore-Partner. Als weltweit erster offizieller AutoStore-Integrator hat Element Logic seither mehr als 150 AutoStore-Lager installiert und ist europaweit Marktführer für AutoStore-Lösungen in Europa. Element Logic, der weltweit erfolgreichste AutoStore-Distributor des vergangenen Jahres, präsentiert innovative Neuentwicklungen auf Basis bewährter Standards mit individuellem Zuschnitt. Das in Stuttgart vorgestellte Produkt- und Leistungsspektrum reicht ausgehend von einer kompletten AutoStore-Anlage mit automatisierter Behälterandienung über integrierte Einzelstückkommissionierung per Roboter bis hin zu Peripheriegeräten, Lagerverwaltungs- und Steuerungssoftware sowie umfassenden After-Sales-Services.

Das Unternehmen AM Logistic Solutions GmbH (Halle 1 / Stand B31) konzipiert und realisiert als Generalunternehmer Logistikprojekte, die sämtliche am Markt verfügbaren Intralogistiksysteme integrieren: Automatische Kleinteilelager (AKL), AutoStore, Co-Bots, autonome mobile Roboter (AMR), Regalbediengeräte und Shuttle. Fördertechnik, IT-Lösungen, Retrofit-Sanierungen sowie 24/7-Anlagenservice und Wartung runden das Leistungsportfolio ab. Die AM Logistic Solutions ist ein Tochterunternehmen der niederländischen Royal Reesink Gruppe und Teil der Reesink Logistic Solutions Division.

Wir bei Vanderlande kennen die Lagerautomatisierung in- und auswendig. Unser Fachwissen und unsere Erfahrung, die wir in den letzten 70 Jahren gesammelt haben, sind schlichtweg unübertroffen. Und all dieses Know-how steht Ihnen zur Verfügung. Lassen Sie sich von unseren Ingenieuren auf der LogiMAT von unseren Robotik- und autonomen Fahrzeuglösungen inspirieren und finden Sie heraus, warum wir der Meinung sind, dass diese innovative Technologie nicht isoliert funktionieren sollte, sondern wirklich in den Lagerfluss eingebettet werden muss. Entdecken Sie die neuesten Erkenntnisse über die einzigartige ADAPTO-Shuttle-Technologie von Vanderlande – unser automatisches 3D-Ein-/Auslagersystem mit integrierten Sortier- und Sequenzierungsfunktionen. Oder erfahren Sie, warum unsere adaptiven Taschensysteme, wie AIRPICK, die beste Lösung für Ihre Anforderungen sein könnten.

Die Fluxus Solutions GmbH (Halle 5, Stand C01) präsentiert auf der LogiMat 2022 zum ersten mal Lösungen und Dienstleistungen rund um die Themen Intralogisitk und Materialfluss. Zum Produktportfolio gehören das Paletten-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics PFS, Paletten-Einschubregalsysteme FXS Dynamics PPS & FXS Dynamics TSS, Gefällerollenbahnen FXS Dynamics GRC, Karton-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics CFS sowie das Shuttleregalsystem FXS Automation GRC und ein automatisches Palettenregalsystem FXS Automation APS.

Die IGZ Ingenieurgesellschaft für logistische Informationssysteme mbH untermauern ihre Intralogistik-Kompetenz für hochautomatisierte SAP-gesteuerte Intralogistik-Anlagen. So beteiligt sich IGZ an dem „LogiMAT Digital“-Event am 12. Mai mit dem Vortrag „Logistikplanung mit SAP Fokus“. Ebenso sind die SAP Ingenieure in Stuttgart vertreten in Halle 1 (Stand B25) und Halle 8 (Stand B47).  (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT: Innovationen für das Codieren, Erfassen und Vernetzen

Eine Vielzahl von Premieren und innovativen Neuentwicklungen in allen Auto-ID-Technologiebereichen sowie einem ergänzenden Expertenforum zur weiterführenden Informationsvermittlung machen die LogiMAT 2022, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, zur umfassenden Leistungsschau der Auto-ID-Branche.

Zuverlässige Kennzeichnung von Bauteilen für die Produktion, von Behältern im Lager- und Kommissioniersystem oder der Flurförderzeuge im Logistikzentrum – ohne Auto-ID, die Automatische Identifikation und Datenerfassung, geht in der Produktion und Logistik gar nichts. Kennzeichnung & Identifikation, Tracking & Tracing, Bestandsmanagement und Kommissionierung, Echtzeitortung, Condition Monitoring und Predictive Maintenance: Auto-ID-Technologien und ihre Kombination mit komplementären Technologiefeldern unterstützen die Automatisierung von Prozessen sowie eine zunehmend autonome Gestaltung, bei der Objekte jeglicher Art sich wechselseitig einander identifizieren und verifizieren. Für den AIM, Industrieverband für Automatische Datenerfassung, Identifikation (Auto-ID) und Mobile IT-Systeme, sind die Ident-Technologien „Enabling Technologies“ für die digitale Transformation von Supply Chain und Logistik, für die Steuerung, Automatisierung und Optimierung von Unternehmensprozessen und die intelligente Vernetzung von Informationen aus Produktion und Logistik, Transport und Verkehr. Denn Auto-ID-Technologien von der optischen Kennzeichnung und Identifikation über RFID- und RTLS-Lösungen bis hin zu Sensorik, Bluetooth und Vision Systemen ermöglichen alle Anwendungsbereiche, in denen Daten erhoben und ausgewertet werden.

Mit der kontinuierlichen Einbindung technologischer Neuerungen und entsprechender Weiterentwicklung der Produkt- und Lösungsangebote erschließen die Auto-ID-Lösungen Effizienzsteigerungen, steigern Prozesstransparenz und Optimierungspotenziale und unterstützen den technologischen Wandel sowie Entwicklung neuer Geschäftsfelder in den Unternehmen. Vor diesem Hintergrund blicken die Hersteller und Anbieter dieses diversifizierten Branchenspektrums durchweg positiv in die Zukunft. Dem letzten Branchen-Barometer des AIM zufolge erwarten nahezu 85 Prozent der befragten Unternehmen eine bessere oder zumindest gleichbleibende Marktentwicklung. Im zweistelligen Prozentbereich konstatieren die Unternehmen aller Technologiebereiche zudem eine verstärkte Nachfrage – von Unternehmen mit RFID-Lösungen erwarten dies 72 Prozent. Welche Innovationskraft und Lösungskompetenz der Auto-ID-Branche dabei zugrunde liegt, zeigen die internationalen Aussteller vom 31. Mai bis 2. Juni auf der LogiMAT 2022 in den Hallen 4 und 6 auf der Südachse des Stuttgarter Messegeländes. „Die Auto-ID-Branche kommt in diesem Jahr mit so vielen Neuheiten und Premieren zur LogiMAT wie nie zuvor“, sagt Messeleiter Michael Ruchty, EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH München. „In allen Technologiebereichen, von den ORM mit neuen Sicherheitsetiketten, Druckern und Lesegeräten über neue Wearables für RFID- und neue Sensorik für RTLS-Lösungen und Transportüberwachung bis hin zu dynamischen Frachtvermessungslösungen präsentiert die Auto-ID-Branche auf der LogiMAT ein breites Spektrum an Neuentwicklungen für das Codieren, Erfassen und Vernetzen von Informationen.“

 

Digital geführte Kommissionierung mit geographischen Informationen.
Im Bereich der Etiketten stellt die Securikett Ulrich & Horn GmbH (Halle 4, Stand F81) als einen „positiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft“, so das Unternehmen, ihre um neuartige, papierbasierte Sicherheitsetiketten erweiterte Produktpalette vor. Die Plöckl Media Group GmbH (Halle 4, Stand C07) legt den Fokus bei ihren Exponaten neben verschiedenen Kennzeichnungslösungen insbesondere auf die Produktinnovation „InMould on Roll“, bei der die klassische Stapelverarbeitung ihrer patentierten InMould Etiketten durch eine kosten- und zeiteffiziente Lösung auf Rolle erneuert wurde. Für effizienten Etikettendruck „on the fly“ präsentiert die Toko Etikettier- und Drucksysteme GmbH & Co. KG (Halle 4, Stand B05) erstmals die Epson C6000 Serie. Der Inkjet-Drucker mit Etiketten-Spendefunktion (C6000Pe/C6500Pe) ermöglicht in vollautomatisierten Etikettieranlagen mehrfarbigen „just-in-time“-Etikettendruck. Dabei lassen sich fotorealistische Etikettenlayouts mit einer Druckauflösung von bis zu 1200 x 1200 dpi und Druckbreiten von vier und acht Zoll realisieren.

Die Optimierung von Durchlaufzeiten im Prozess bei gleichzeitiger Reduzierung der Fehlerpotenziale im Kommissioniervorgang verspricht die Applikation Digitalpicker, die im Rahmen der LogiMAT 2022 erstmals auf einer Messe gezeigt wird. Bei der Lösung der Indutrax GmbH (Halle 6, Stand D74) ist der Name Programm: Die Applikation ermöglicht eine papierlose und digital geführte Kommissionierung unter Verwendung von geographischen Informationen, eLabel, Pick-to-Light, Wearable-Barcode-Scanner und Tablets. Diese neuartige Form der Prozessunterstützung leitet Kommissionierende einfach und effizient durch die Bearbeitung ihrer Aufträge.

Tablets stehen auch beim Messeauftritt der Advantech Service-IoT GmbH (Halle 8, Stand F10) im Mittelpunkt. Als Produktneuheiten zeigt das Unternehmen das Fahrzeugterminal DLT-V7215 P+ mit unterbrechungsfreier Stromversorgung und Smart Sensor sowie das Industrietablet AIM-75S mit austauschbarem Akku. Das robuste 8“-Tablet ist für den Innen- und Außenbereich geeignete. Zusätzlich zu den WLAN-/LTE-Funktionen, die mobiles Computing ermöglichen, kann das GMS-zertifizierte AIM-75S optional mit Peripheriegeräten wie einem 1D/2D-Barcodescanner, LAN+COM, UHF-RFID und MSR-Modulen ausgestattet werden.

 

Datenerfassung mit Cloud-Anwendungen und KI-Applikationen.
Neue Systeme für effiziente Datenerfassung und -vernetzung stellen unter anderem die Mettler-Toledo GmbH (Halle 6, Stand F27), das Wäge- und Messtechnik-Unternehmen DEW – Waagen & Systeme (Halle 3, Stand D58), die Kaptura GmbH (Halle 6, Stand F68) und die Swiss Sort GmbH (Halle 5, Stand F47) auf der LogiMAT erstmals vor. Mettler-Toledo kommt mit dem neuen Messystem „TLD970“ nach Stuttgart. Das Messystem wird an der Hallendecke montiert und kann die Maße von Paletten messen, die von Gabelstaplern transportiert werden, die sich mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h bewegen. Kombiniert mit einer am Gabelträger montierten Waage „TLF820“ von Mettler-Toledo und einem Handscannersystem entsteht eine dynamische Messlösung für Volumen, Gewicht und ID. Ein optionaler Touch-Screen-PC im Führerhaus des Gabelstaplers führt den Fahrer durch den Messprozess und überträgt den Datensatz per WLAN an das übergeordnete IT-System des Anwenders.

DEW – Waagen & Systeme zeigt als Premiere ein neu entwickeltes Volumen-Messsystem. Das System kombiniert Volumenmessung, Gewichtsmessung und das Abscannen von Artikeldaten, beispielsweise von Etiketten. Die DEW-Waagenanzeige „D 125“ mit Touchbildschirm führt alle erfassten Daten in einem Datensatz zusammen. Im Anschluss wird das Datenpaket in Echtzeit direkt in die Unternehmens-IT übertragen und automatisiert gespeichert, wobei die entsprechenden Datenfelder der Bildschirm-Maske automatisiert befüllt werden.

Die 3D-Laserscanner-Lösung „IMS360“ von Kaptura zielt auf automatisierte Artikelstammdatenerfassung. Dabei ermöglicht die Einbindung von 360°-Produktfotografie eine schnelle Datenerfassung und Wiedererkennung von Artikeln. Swiss Sort stellt mit „Procap“ ein komplettes Soft- und Hardwarekonzept für Sendungserfassung (OCR Maschinen- und Handschrift), Tracking (BCR), Redressbearbeitung und die Irrläuferbearbeitung vor. „Procap“ sorgt nach Herstellerangabe mit Live-Erfassungswerte von bis zu 600 Sendungen pro Stunde für deutliche Arbeitserleichterungen, Zeit- und Kostenersparnisse in der innerbetrieblichen Logistik.

Datenerfassung mit Cloud-Anwendungen und KI-Applikationen präsentieren unter anderem die Denso Wave Europe GmbH (Halle 4, Stand D65) mit komplexen und Cloud-basierten IoT-Datenmanagementsystemen sowie die Panasonic Marketing Europe GmbH (Halle 6, Stand A71). Panasonic kommt mit einer Visual Sort Assist (VSA) Lösung für automatisierte Objekterkennung zur LogiMAT 2022. Das System scannt bei der Warenanlieferung Barcodes oder Lieferantenadressen und projiziert Namen der Lieferanten, Priorität in der Fertigung oder Lagerplatz auf Pakete, die dann auf der Fördertechnik weitergeleitet werden. Parallel erfolgt ein Abgleich der erfassten Anlieferungsdaten mit den im ERP-System oder WMS hinterlegten Informationen. Darüber hinaus ist auf dem Panasonic-Messestand die Tochtergesellschaft Blue Yonder vertreten. Sie präsentiert mit ihrem „Luminate“-Portfolio KI-gesteuerte Supply-Chain-Lösungen aus der Cloud.

 

Neue Transponder für zuverlässige RFID-Anwendungen.
Jüngste Entwicklungen im RFID-Segment werden bei der Neosid GmbH & Co. KG (Halle 4, Stand D05) und bei der Bito-Lagertechnik Bittmann GmbH (Halle 6, Stand C31) gezeigt. Neosid präsentiert mit „NeoTAG“ einen neuen, kleinen Transponder mit hoher Reichweite für zuverlässige RFID-Auslesung selbst in Metallumgebungen. Der gesamte HF-Transponder ist in der Standardausführung als Inlay (ohne Gehäuse) auf einer Größe von 2,6 mm x 2,6 mm x 2,4 mm untergebracht. Zudem werden Versionen als Plug (im Einpressgehäuse), als Flag (zur Befestigung etwa mit Kabelbindern) oder in kundenspezifischen Bauformen angeboten. Bito kommt mit den Startups Tec4Med, TeDaLos und Qbing nach Stuttgart. Gemeinsam mit Bito-Lagertechnik stellen sie auf der LogiMAT 2022 die neuesten Entwicklungen und spannende Innovationen rund um das Thema Intralogistik vor. Entwickelte Lösungen wie intelligente Pharmatransportbehälter, die Möglichkeit zur digitalen Bestandsüberwachung in Kleinteilebehältern oder RFID-basierte Bestandüberwachung am Regal sind Features, die Bito-Lösungen weiter digitalisieren.

Abgerundet wird die Leistungsschau der Auto-ID-Branche auf der LogiMAT 2022 am dritten Messetag durch das Expertenforum „Digital Supply Chain – Gestaltung und Optimierung: AutoID-Technologien als Enabling Technologies“ in der LogiMAT-Arena im Atrium, Eingang Ost, das gemeinsam von der Fachzeitschrift ident und dem Fachverband AIM-D e.V. Das behandelte Themenspektrum für ergänzende Informationsvermittlung stellt die RFID-basierte Automatisierung sowie Transparenz und Digitalisierung der Lieferkette auf Basis von Echtzeitdaten in den Mittelpunkt. Zudem zeigen und erklären die Experten im Zuge des Forums effiziente und nachhaltige Nutzungs- und Businessmodelle mit Mehrwegbehälterlogistik. Ziel ist es, den Fachbesuchern Leistungsvermögen und Einsatzpotenziale der unterschiedlichen AutoID-Technologien für die Digitalisierung von Supply Chain, Logistik und Produktion aufzuzeigen.

„Die Identtechnik ist die unentbehrliche Grundlage für effiziente Lieferketten und Datenvernetzung wie auch für die zukunftsfähige Ausrichtung von Logistik und Produktion“, resümiert Messeleiter Michael Ruchty. „Mit den Exponaten der Aussteller und der fachkompetenten Informationsvermittlung im Expertenforum bietet die LogiMAT 2022 einen kompakten und gleichwohl vollumfänglichen Überblick über den aktuellen Stand der technologischen Entwicklungen im Bereich der Auto-ID und den Mehrwert, den sie im Rahmen der digitalen Transformation bieten. Wer darüber im Bilde sein will, darf einen Messebesuch in Stuttgart nicht versäumen.“

 

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München
Tel.: +49 (0)89 32391-259 | Fax: +49 (0)89 32391-246
www.logimat-messe.de | www.logimat.digital

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Intelligente Lieferroboter lösen Problem der letzten Meile

Die weltweite Nachfrage nach autonomen Lieferrobotern und Drohnen steigt nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie und den stark expandierenden Online-Handel rasant. Im Land der Mitte sind es Alibaba, Meituan, JD die die Entwicklung und den Einsatz von Robotern z. B. im Lebensmittelbereich vorantreiben.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die letzte Meile gilt traditionell als teuerster Teil der Transportstrecke einer Lieferung, da sie extrem ressourcenintensiv ist. Es werden sehr viele Lieferfahrzeuge mit Personal benötigt, die nicht nur die Kosten in die Höhe treiben, sondern auch Ballungsräume verstopfen und zu Umweltproblemen führen. Probleme bei der Lieferung wie Lieferverzögerungen, verlorene oder beschädigte Ware führen zu negativen Kundenerfahrungen, worauf diese von den Kunden dann wutentbrannt und enttäuscht auf Social Media mit anderen potenziellen Kunden geteilt werden. Daher ist es für Transport- und Logistikunternehmen von entscheidender Bedeutung, die größten Probleme der letzten Meile zu kennen und zu lösen. Die Corona-Pandemie hat die kontaktlose Lieferung z. B. von Lebensmitteln oder auch anderen Online-Käufen durch Roboter vorangetrieben. Der Bedarf wird wohl weit über das Ende der Pandemie hinaus bestehen bleiben.

Revolution der Lieferroboter.
Eine Möglichkeit der Lösung sind Lieferroboter, die langfristig günstiger und zuverlässiger sind als menschliches Personal. Auch besteht vielerorts Knappheit bei geeigneten Personal im Expresszulieferbereich. Andere Möglichkeiten sind die Verbesserung der Kommunikation, Transparenz und Organisation entlang der Supply Chain. Zudem wird die Einführung von Blockchain und Künstlicher Intelligenz die Effizienz der Lieferkette enorm erhöhen. In China und Japan werden enorme Anstrengungen unternommen, um die letzte Meile durch Roboter zu automatisieren und effizienter und weniger fehleranfällig zu gestalten. Vorreiter wie die chinesische Meituan Dianping und das japanische Unternehmen ZMP engagieren sich im Bereich der Auslieferung von Lebensmitteln. Zudem investiert die Alibaba Group (Cainiao) zusammen mit der Damo Academy in den Aufbau einer Roboter-Lieferflotte.

Der in Tokio beheimatete Roboterhersteller ZMP hat bereits in 2019 Lebensmittel-Lieferroboter (DeliRo) entwickelt und sie überwiegend in Bürogebäuden, Wohnkomplexen und Universitäten getestet. Die kommerzielle Auslieferung von bestelltem Essen soll schon in 2022 in Tokio beginnen. DeliRo fährt auf Gewegen in Schrittgeschwindigkeit (6 km/ h) und nutzt dabei Kameras sowie Lasertechnik, um Kollisionen zu vermeiden. Er kann mit Menschen via Sprache und Gesichtsausdruck bzw. Mimik kommunizieren.

DeliRo wurde im Rahmen des Konzepts „RoboTown“ entwickelt – eine Stadt in der Menschen und Roboter koexistieren sollen. Künftig soll DeliRo auch Auslieferungen für die Japanische Post übernehmen.  Die japanische Regierung will dafür die Gesetze ändern, damit Roboter künftig legal Gehwege in Schrittgeschwindigkeit und Straßen ohne menschliche Begleitung nutzen dürfen. Die Nachfrage nach kontaktlosen Postlieferungen wird durch die weiterhin bestehende Pandemielage gefördert. Zudem besteht ein akuter Arbeitskräftemangel in der alternden japanischen Gesellschaft.
Die chinesische Shopping-Plattform Meituan hat im April bekannt gegeben, dass es zehn Milliarden US-Dollar (8,8 Milliarden Euro) in die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen und Drohnen für Lieferdienste investieren wird.

Das Unternehmen testet autonome Lieferfahrzeuge (Geschwindigkeit 20 km/ h) in Peking seit Februar 2020. Seither hat es 35000 Bestellungen kontaktlos während der Corona-Pandemie ausgeliefert. Im April 2021 wurde die nächste Generation an Lieferrobotern auf den Markt gebracht, die mit einer Batterieladung 80 km Lieferradius aufweisen. Die Ladekapazität beträgt 150 kg. Die Roboter können Objekte und Menschen im Bereich von 150 m wahrnehmen und Kollisionen verhindern.

Zudem testet Meituan die Auslieferung von Lebensmitteln via Drohne, die Bestellungen zu ausgewählten Straßenkiosken liefern sollen. Allerdings wird für die Drohnenlieferungen nach wie vor Personal benötigt. Ein Kurier holt die Lebensmittel-Bestellung vom Verkäufer ab und bringt sie zum Abflugbereich der Drohnen auf einem Hochhaus. Ein Inspektor packt die Lebensmittel in die Drohne und macht sie startbereit. Diese kann bei 4 kg Eigengewicht 2,5 kg befördern.Dies entspricht ungefähr dem Gewicht von einem Mittagessen für zwei Personen. Falls z. B. nur ein Getränk bestellt wird, wird der restliche Laderaum verschwendet. Ob Drohnenlieferungen wirklich wirtschaftlich sind, muss noch untersucht werden. Die Frage bleibt natürlich, wie die Drohnenlieferung effizienter gestaltet werden kann.

Meituan will die überwiegende Anzahl seiner Lieferboten nicht ersetzen, sondern will eine Kollaboration von Menschen und Robotern. Die überfüllten Straßen von chinesischen Großstädten stellen für Lieferboten eine große Herausforderung dar. Alibabas Ele.me und die Handelsplattform JD.com haben ebenfallls in Drohnen-Lieferdienste investiert.

Alibaba setzt ab 2024 – zehntausend Lieferroboter ein.
Der Tech-Konzern Alibaba Group will eine gigantische Lieferrobotor-Flotte einsetzen, um der gewaltigen Flut an Paketen Herr zu werden, die über die eigenen Handelsplattformen Alibaba, Aliexpress, Taobao und Tmall bestellt werden. Lieferroboter gelten als schnell, zuverlässig und relativ günstig im Vergleich zum Personeneinsatz, um die gewaltige Anzahl an Bestellungen zu erfüllen. Laut Alibabas Leiter der Technologieabteilung Cheng Li gehören autonome Fahrzeuge zu den Schlüsseltechnologien des digitalen Zeitalters. Daher hat der Konzern damit begonnen, zunächst über 1000 Lieferroboter mit dem Namen „Xiaomanly“ (auf Deutsch kleiner Esel) auf Universitätsgeländen und in Stadtgemeinden in China einzusetzen. Bis 2024 sollen rund 10000 Lieferroboter in Dienst gestellt werden, was zu einer täglichen Auslieferkapazität von einer Million Paketen führen würde.

Die Roboter wurden von Alibabas Damo Academy zusammen mit dem eigenen Logistikarm Cainiao entwickelt. Die Kapazität der kleinen Esel liegt bei 50 Paketen pro Fahrt und rund 500 Paketen pro Tag und Lieferroboter. Ende September 2021 hatte die Xiaomanly-Flotte bereits eine Million Pakete seit ihrer Einführung ausgeliefert. Dabei wurden Kunden in 52 Städten in 22 verschiedenen chinesischen Provinzen beliefert.

Die Roboterfahrzeuge werden an lokalen Kurier-Abladestellen beladen und können rund 100 km mit einer Batterieladung zurücklegen. Allerdings können die kleinen Esel bisher noch keine Treppen erklimmen. Die Technologie soll aber schrittweise verbessert werden. Künstliche Intelligenz (KI) plant den kürzesten Weg von der Abholstation zur jeweiligen Kundentür. Xiaomanly kann Bewegungen von Objekten wie Fußgängern und Fahrzeugen durch einen Berechnungsalgorithmus für fünf bis zehn Sekunden voraussagen und dadurch Kollisionen mit einer Genauigkeit von 99,9999 Prozent vermeiden. Dies entspricht einem hohem Automatisierungsgrad von 4 auf einer Skala von 0 bis 5.

Ein Automatisierungsgrad von 5 scheint bisher unerreichbar, da besonders auf stark befahrenen Straßen die Verarbeitung einer unglaublichen Fülle an Daten notwendig wäre. Die kleinen Esel fahren allerdings für die Auftragserfüllung auf der letzten Meile relativ langsam auf Gehwegen und Randstreifen in einer kontrollierbaren Umgebung, daher ist Automatisierungsgrad 4 ausreichend. Zur Navigation nutzen sie GPS, eine Cloud Computing-Plattform, 3D Point Cloud Semantic Segmentation (PCSS) Technology und High Definition Position Technology.

Die Lieferroboter erlernen dabei durch KI schrittweise ihre Umgebung. Zuvor wurden die KI-Algorithmen schon mit 10000 simulierten Szenarien trainiert, wie beispielsweise das Auftreten von Extremwetter und schlechten Sichtverhältnissen. Künftig sollen die kleinen Esel beispielsweise Gabelstapler in Produktionshallen bzw. in Logistikzentren ersetzen, medizinischen Abfall in Krankenhäusern entsorgen und Gepäck auf Flughäfen transportieren. Laut Wang Gang, Leiter des Autonomous Driving-Labors bei der Damo Academy, wird die gleiche Technologie nun für größere autonome Lieferfahrzeuge in Kooperation mit Cainiao eingesetzt. Die größeren autonomen Lkw werden schon ab 2024 Güter über längere Distanzen in kürzerer Zeit ausliefern können und dann zum normalen Straßenbild gehören.

Globale Nachfrage nach Lieferrobotern steigt rasant.
Laut der amerikanischen Fachzeitschrift Robotics 24/7 soll der weltweite Markt für Lieferroboter von 212 Millionen US-Dollar (186 Millionen Euro) in 2021 auf 842 Millionen Euro in 2026 expandieren. Dies entspricht einer jährlichen kumulierten Wachstumsrate von 35,1 Prozent. Große Online-Händler wie Meituan, Alibaba, Amazon und JD entwickeln alle aktiv zusammen mit Technologiefirmen für autonome Systeme Lieferroboter und Drohnen. Andere internationale Firmen, die Lieferroboter entwickeln, sind Daxbot, Eliport, Postmates, Refraction AI, Tortoise und Unity Drive Innovation. (DR)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Unsichere Zeiten stellen die Logistik vor besondere Herausforderungen

Kaum scheint die unsägliche Pandemie halbwegs überstanden, sehen wir uns mit anderen Hiobsbotschaften konfrontiert: der Krieg in der Ukraine, ausufernde Energiepreise, Lieferengpässe, Containermangel, Klimaziele und das neue Lieferkettengesetz sind nur einige der Punkte, die die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich bedrohen – von menschlichen Tragödien ganz abgesehen. Über Lösungswege und Prognosen sprach Logistik express mit Dipl.-Ing. Dr. Roman Stiftner.

Redaktion: Angelika Gabor.

Dipl.-Ing. Dr. Roman Stiftner ist nicht nur Präsident der BVL – Bundesvereinigung Logistik Österreich und Aufsichtsratsmitglied des European Shippers’ Council (ESC), sondern auch CEO & Generaldirektor bei Eumicon, Vizepräsident von Euromines sowie Geschäftsführer der Fachverbände Bergbau-Stahl und NE-Metalle in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Langweilig wird ihm aktuell noch weniger als sonst – es gilt, jede Menge Brandherde zu löschen, sowohl national, als auch international. Präsentestes Thema ist natürlich die Ukraine-Krise. Wenngleich sie ihren Anfang schon im Jahr 2014 nahm, als am 1. März das Oberhaus des russischen Parlaments der Entsendung von Truppen in die Ukraine zustimmte
und damit die Weichen für die Annexion der Halbinsel Krim stellte. Stiftner selbst kennt die Situation aus erster Hand, schließlich hat er jahrelang dort gelebt und gearbeitet.

„In der Ukraine gibt es einen starken Unterschied zwischen dem pro-westlichen und dem pro-russischen Teil im Osten. Donezk ist historisch russisch, die dort lebende Mehrheit fühlt sich Russland verbunden und die ukrainische Minderheit wird unterdrückt. Die Region ist im Gegensatz zum landwirtschaftlich geprägten Westen stark industrialisiert, und Russland hat großes Interesse daran, die Krim auch über den Landweg anzubinden.“

Der Donbass, zu Sowjetzeiten die größte Industrieregion der Sowjetunion, ist schon seit Jahren besetzt. „Dieser Konflikt wird meiner Meinung noch lange anhalten. Die Region könnte stabilisiert werden, wenn sich die Ukraine eine Anleihe an der österreichischen Geschichte nimmt.“ Auch Österreich befand sich einst in einer geopolitisch schwierigen Lage als Pufferstaat – ohne die Unterzeichnung der Neutralitätserklärung nach dem 2. Weltkrieg hätte die Besatzung wohl nicht so schnell geendet. „In diesem Konflikt muss mit Augenmaß agiert werden. Natürlich ist die Lage für die Bewohner furchtbar. Aber Sanktionen führen zu Gegenmaßnahmen, und die Abhängigkeit von russischem Erdgas ist hoch. Schon jetzt sind die hohen Energiepreise eine Gefahr für den Standort und haben massive Auswirkungen auf die Produktion und die Handelswege.“ Weitere Gefahr: die Bahntrassen zwischen Europa und Asien führen durch Russland, als Ausweichoption gibt es nur den Seeweg…

Wenige Tage nach diesem Gespräch marschierte Russland in der Ukraine ein.

 

Wie sehen Sie die aktuelle Lage bei der Containerschifffahrt?

„Hinsichtlich der Containerknappheit ist keine kurzfristige Entspannung zu erwarten, trotz etlicher Einschleifmaßnahmen. Man muss bedenken, dass rund 90 Prozent aller Güter in Österreich einen maritimen Transportanteil haben.“ Die Gründe für den Engpass sind vielfältig, aber hauptsächlich der Pandemie geschuldet. Durch den Rückgang der weltweiten Warenströme während der Lockdowns reduzierten Reedereien ihren Bestand, gleichzeitig landeten viele Container an ungeeigneten Standorten. Zudem kam es zu Staus in den Häfen und einer verringerten Hafenumschlagskapazität durch Personaleinsparungen. Das Resultat sind massiv gestiegene Kosten und unzuverlässige Fahrpläne. „Natürlich wünscht sich jeder stabile und planbare Logistikketten. Der weltweite Handel vor der Pandemie funktionierte so gut, weil die Logistikkosten niedrig waren. Doch bei zu hohen Containerkosten ergibt sich für Güter mit niedrigem inneren Wert kein Businesscase mehr, Wettbewerbsvorteile gehen verloren. Es kommt zu einer Verschiebung in der Wertschöpfungskette, „Nearshoring“ erfährt eine neue Bedeutung.“

Die engere Kooperation mit nähergelegenen Lieferanten bringt gleichzeitig auch ökologische Vorteile. „Der Verband erwartet keine Rückkehr zu den Containerpreisen zum Vorkrisenniveau, aber sie werden sich auf einem hohen Niveau stabilisieren.“ Aktuell würden die Reedereien hohe Profite erwirtschaften und er erhofft sich daher Investitionen in neue Schiffe. Bei neuen Schiffen könnte auch die Umweltbilanz verbessert werden: „Der Treibstoff der Hochseeschiffe ist eine Resteverwertung von Kohlenwasserstoffen. Leider verfügen noch nicht alle Frachter über entsprechende Filtersysteme, um die Rußpartikel aufzufangen. Das ist natürlich sehr unangenehm, aber umgerechnet auf die Tonne transportierter Güter sind die Emissionen unbedeutend. Der Schiffsverkehr hat einen Anteil von etwa drei Prozent an den Gesamt-CO2-Emissionen.“

Stichwort Treibstoff: Was erwarten Sie für die Zukunft?
„Meiner Meinung nach könnte Wasserstoff das Element der Zukunft sein, auch für schwere Trucks. Dafür müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein, nämlich eine passende Infrastruktur und eine kostengünstige Produktion von Wasserstoff. Zumindest entlang der Güterkorridore müsste ein Wasserstoff-Tankstellennetz errichtet werden.“ Solarantriebe spielen für ihn im Güterverkehr aufgrund der nicht gegebenen Fläche auf LKW keine Rolle. „Für Klein-LKW ist Elektromobilität gesellschaftlich erwünscht, also wird die Branche diesen Wunsch auch umsetzen.“

Ein Problem stellt hier nach wie vor die Batterie dar: rund 60 % des weltweit geförderten Kobalts stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, mit teilweise horrenden Arbeitsbedingungen. Auch der Lithium-Abbau steht stark in der Kritik, insbesondere aus Umweltschutzgründen. Hinzu kommt, dass das Batterie-Recycling nicht geklärt ist. Stiftner: „Hier ist noch viel Forschung nötig, um eine sinnvolle Wiederverwertung der E-Autobatterien zu entwickeln.“ Schließlich muss das Elektrofahrzeug auch mit grünem Strom betankt werden, um tatsächlich als nachhaltig zu gelten.
„Die öffentliche Hand ist gefordert, die Infrastruktur entsprechend flächendeckend auszubauen. Bezogen auf Europa sind hier Investitionen in Billiardenhöhe nötig, denn auch die Hub-Infrastruktur ist schon lange nicht mehr aktuell.“

Wie sieht es mit dem Schienengüterverkehr aus Ihrer Sicht aus?
„Der Güterverkehr wird insgesamt in Zukunft noch stark wachsen. Wenn wir diese Mengen bewältigen wollen, sind technologische Investitionen in Bahn und Straße nötig. Leider verliert der Schienengüterverkehr aktuell Anteile. Hier muss man sich Strategien überlegen, die Flexibilität und damit auch die Attraktivität zu steigern. Ein Ansatzpunkt ist die Optimierung der Zugsteuerung durch Digitalisierungsmaßnahmen.“ Derzeit präsentiert sich die Bahn im internationalen Güterverkehr durchwegs unflexibel, und das liegt längst nicht nur an unterschiedlichen (militärisch begründeten) Spurweiten: verschiedene Normen selbst innerhalb Europas, verschiedene Strom-Spannungen, abweichende Prüfungsvoraussetzungen für Fahrer, nötige Zugführerwechsel an der Grenze und unvermeidbare Umladeprozesse machen den Schienentransport langsam. „Im Gegensatz dazu fährt ein LKW mit einem Fahrer ungebunden durch ganz Europa. Hier ist dringend eine Harmonisierung nötig. Wir brauchen die Frachtkapazitäten, und aus Sicht der Verlader müssen alle Modalitäten attraktiviert werden.

Die Logistikbranche sieht sich mit enormem Preisdruck konfrontiert. Was kann man hier tun?
„Solange der Preisdruck für alle gleich ist, ist es kein Wettbewerb, sondern Inflation. Aus logistischer Sicht ist es nötig, die Lieferketten durch Datenaustausch transparenter zu gestalten und für die Routen mit möglichst wenigen Umladestellen auszukommen. Was ein Mal auf der Straße transportiert wird, kommt nicht zurück auf die Schiene, darum ist ein Ausbau der Anschlussbahnen zu vernünftigen Kosten so wichtig.“ Eines scheint klar: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Preise höher bleiben als vor der Pandemie. Nicht nur haben sich Kapazitäten verändert, auch die Lieferketten sind andere geworden.“

Fast alle Branchen klagen über Personalmangel, aber der Fahrermangel ist besonders ausgeprägt. Wie kann man dem entgegenwirken?
„Aus meiner Sicht ist auch in diesem Bereich die fortschreitende technologische Entwicklung die Lösung. So könnten beispielsweise autonome Fahrsysteme zu einer Effizienzsteigerung beitragen, die Fahrzeuge könnten knapper auffahren. Aber dafür sind massive Investitionen in die Digitalisierung nötig.“ Der Fahrermangel zeige deutlich, dass der Job nicht mehr attraktiv sei. „Es gibt eine sehr starke Reglementierung bei den Fahrern, etwa bei den Ruhezeiten. Wer verbringt schon gerne sein Wochenende auf einem Parkplatz?“

Welche Erkenntnis konnten wir als Gesellschaft aus der Pandemie gewinnen?
„Durch die Pandemie ist die Logistik sichtbar geworden. Man musste erkennen, dass manche Güter plötzlich nicht ständig verfügbar sind. Dadurch ist beim Endkunden ein Bewusstsein für die Leistungen der Logistik entstanden und auch mehr Wertschätzung. Schon vor der Pandemie haben Menschen gerne etwas bestellt, wollten aber für die Zustellung nichts bezahlen. Das hat sich geändert. Um auch in Zukunft die steigenden Mengen bewältigen zu können, ist dringend eine Effizienzsteigerung nötig, etwa auch bei Antriebssystemen. Ein weiterer Punkt, der deutlich geworden ist: Europa muss darüber nachdenken, wie wir in Summe die Abhängigkeiten reduzieren können, beispielsweise von China. Wenn es in
Asien Konflikte gibt, steht in Europa die Automobilproduktion still. Natürlich sind wir an dieser Abhängigkeit selbst schuld, denn früher gab es durchaus Chiphersteller in Europa. Aber diese Produktionsstätten gingen aufgrund unterpreisiger Angebote aus anderen Regionen verloren. Das politische Ziel ist daher klar die strategische Autonomie. Was jetzt noch fehlt, ist, dieses Ziel zu leben und konkrete Maßnahmen für die Industrie umzusetzen. Eine entsprechende Handelsverteidigungspolitik, beispielsweise durch Strafzölle, wird dabei helfen, essenzielle Industrie wieder regional zu etablieren. Aber hier sind Ambition und rasches Handeln nötig.“

Was sagen Sie zum gerade eben veröffentlichten Richtlinienentwurf zum Lieferkettengesetz?
„Der von der EC vorgelegte Entwurf des europäischen Lieferkettengesetzes geht weit über die Regelungen des deutschen und französischen Gesetzes hinaus. Es soll praktisch alle Unternehmen über 500 Beschäftigte rechtlich verbindlich verpflichten, ihre gesamte Lieferkette daraufhin zu kontrollieren, ob die Zulieferer gegen Umwelt-, Klima- und Menschenrechte verstoßen. Mehr noch: Sie sollen unter bestimmten Umständen auch für Verstöße der an ihrer Lieferkette beteiligten Unternehmen haften, und zwar nicht nur für direkte (unmittelbare) Lieferanten, sondern allen entlang der Wertschöpfungskette. Wenn man weiß, dass Produkte oft aus mehreren hundert und mehr unmittelbaren Zulieferteilen bestehen, wird klar, dass diese Forderung exponentiell steigende Bürokratie verursacht und für Unternehmen praktisch auch nicht erfüllbar ist. Es stellt auch eine weitere Benachteiligung im internationalen Wettbewerb dar, der vom europäischen Gesetzgeber für europäische Unternehmen geplant ist.

Mit dem Entwurf wird nicht das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens abgesichert, sondern der europäische Wirtschaftsstandort und Millionen von Arbeitsplätzen gefährdet. Korrekturen sind daher unumgänglich, wobei das deutsche Lieferkettengesetz als grobe Leitlinie herangezogen werden kann.“ (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

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