Poststandardisierung – eine strategische Priorität nicht nur für die Europäische Union

Das jährliche Arbeitsprogramm der Union für europäische Normung für 2022 definiert Postdienste als strategische Priorität der europäischen Normung.

Gastbeitrag: logistic-natives e.V.

Ref. 11, der am 02. Februar 2022 veröffentlichten EU-Normungsstrategie C(2022) 546, betont die Notwendigkeit, die Dienstqualität zu verbessern und die Interoperabilität zwischen nationalen Postnetzen zu fördern, aber auch einen effizienten Universaldienst innerhalb des EU Binnenmarkts zu gewährleisten. Unter „Neue Maßnahmen“ im jährlichen Arbeitsprogramm der Union für die europäische Normung für 2022 in Ref. 11 der veröffentlichten EU-Normungsstrategie legt die EU ihre Absicht dar, die Ausarbeitung europäischer Normen und Normungsinhalte zur Unterstützung der europäischen Gesetzgebung zu mandatieren, um das Ziel der Schaffung eines gemeinsamen Marktes für Postdienste und grenzüberschreitende Paketzustellung zu erreichen. Dabei ist das Ziel der Schaffung eines gemeinsamen Marktes für Postdienste und grenzüberschreitende Paketzustellung zu erreichen, elementar für einen modernen Handel.

Technische Normung ist unverzichtbar, um die Interoperabilität zwischen nationalen Netzen und einen effizienten Universaldienst zu fördern. Daher wird das Europäische Komitee für Normung (CEN) mit der Ausarbeitung technischer Normen für den Postsektor betraut, nachdem die Kommission ein entsprechendes Normungsmandat verabschiedet hat. Diese Arbeit wird, die auf internationaler Ebene angestoßenen Harmonisierungsmaßnahmen berücksichtigen, insbesondere diejenigen, die innerhalb des Weltpostvereins beschlossen wurden.

Verbesserung der Servicequalitätsstandards.
Aufgrund des internationalen Charakters des Post- und Paketsektors müssen europäische und internationale technische Standards entwickelt werden, um den Nutzern, ausgerichtet auf den Schutz der Umwelt, zu helfen, aber auch die bestehenden Marktchancen für Unternehmen zu erweitern. Darüber hinaus melden Benutzer häufig Probleme mit der Dienstqualität beim Senden, Empfangen oder Zurücksenden von grenzüberschreitenden Paketen. Folglich müssen die Dienstqualitätsstandards und die Interoperabilität grenzüberschreitender Paketzustelldienste verbessert werden.

Einige Standards und Standardisierungserarbeitungen aus früheren Standardisierungsaufträgen müssen überarbeitet werden, um die jüngsten Entwicklungen in der Verordnung (EU) Nr. 910/2014 (eIDAS-Verordnung) widerzuspiegeln. Die Standards und Standardisierungsarbeiten im Zusammenhang mit “Secured Electronic Postal Service (SePS)” müssen von CEN bis zu den in dem geplanten 5. Normungsmandat der EU- Kommission and CEN festgelegten Fristen erarbeitet und angenommen werden.

Zukunft der Märkte.
Der Postsektor widmet sich zunehmend der Dualität von Digitalisierung und dem Green Deal, und daher legt der kommende Arbeitszyklus der europäischen Postnormung einen besonderen Fokus auf dieses Thema. Als internationales Netzwerk unterstützt der logistic-natives e.V. diese Arbeiten aktiv. Wer sich u.a. um eine Ausgewogenheit von Digitalisierung und der Ökologisierung im Postsektor, der Logistik, des Transportwesens und der Infrastruktur im modernen Handel bemühen möchte und Interesse an einer Gestaltung der Zukunft des Marktes hat, meldet sich bitte bei Florian.Seikel@logistic-natives.com oder bei Walter.Trezek@logistic-natives.com. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

Die Zukunft des (E)Commerce als Game-Changer

Die Pandemie hat den E-Commerce beflügelt. Den gesamten E-Commerce? Grenzüberschreitender E-Commerce und digitaler Lebensmittelhandel als Game-Changer.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Pandemie hat das Wachstum des E-Commerce nach Schließungen oder Einschränkungen im stationären Handel weiter beflügelt, davon ausgenommen war der grenzüberschreitende E-Commerce. Vor der Pandemie war der grenzüberschreitende E-Commerce das mit Abstand am schnellsten wachsende Marktsegment mit doppelt so hohen Wachstumsraten wie der inländische E-Commerce. Obwohl die Grenzen innerhalb Europas während der Pandemie weitgehend für Paketdienste offen blieben, lag die Herausforderung in der Einstellung des Flugverkehrs.

Der starke Rückgang des grenzüberschreitenden E-Commerce wurde durch die Postdienste verursacht: Im Gegensatz zu Express- und Paketzustellern waren die Postgesellschaften von Annullierungen der normalerweise für Postsendungen genutzten Passagierflüge betroffen. Die Statistiken des Weltpostvereins (UPU) sprechen eine klare Sprache: der grenzüberschreitende Verkehr zwischen benannten Postbetreibern ist gegenüber 2019 immer noch um ca. 40% zurückgegangen, jener der Express- und Paketzustelldienste stark gestiegen. In der EU wird diese Entwicklung durch neue Regelungen noch verschärft: Während das Import-One-Stop-Shop (IOSS)-Modell für Marktplätze und gewerbliche Paketdienste eine Entlastung zu bieten scheint, sind die Kunden der Postgesellschaften von einer Vielzahl, teils intransparenter, länderspezifischer und oft unerschwinglich hoher Zusatzgebühren, die sich negativ auf das Geschäft auswirken,
betroffen.

Wachstum des digitalen Lebensmitteleinzelhandels, seine Auswirkungen auf E-Commerce, Logistikmodelle und den stationären Handel.
Eine weitere Entwicklung war das starke Wachstum des digitalen Lebensmitteleinzelhandels. Die Lieferung von Lebensmitteln an Endverbraucher und der Ausbau der dazugehörigen Logistikinfrastruktur, für eine schnelle Lieferung, hauptsächlich in städtischen Gebieten, wurde durch Restaurantschließungen weiter stimuliert. Allein in den USA stieg der digitale Lebensmittel- und Getränke- Einzelhandel von 2019 bis 2021 um 2/3 (von 13 auf 21 Milliarden USD). Es wird erwartet, dass der digitale Lebensmitteleinzelhandel das am schnellsten wachsende E-Commerce-Marktsegment bleibt, obwohl der Gesamtanteil des digitalen Lebensmitteleinhandels am gesamten Einzelhandel vergleichsweise gering ist (etwa 5 % in den USA, 2021), sogar weniger als 2 % in Europa.

Neue Herausforderungen für die Geschäftsmodelle der Marktplätze und Zustellung.
Kundenerwartungen wurden durch den marktbeherrschenden online Händler in Europa geprägt. Verbraucher erwarten jetzt von jedem Händler Amazon-Serviceniveau. Dies bleibt eine Herausforderung für viele, insbesondere den stationären Handel, der zunehmen auf online-zu-offline (O2O), besser bekannt als “Omnichannel”, umstellt. Das Kernlogistikprogramm von Amazon – “Prime” – ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und hat die Lieferung am nächsten Tag zum Standard gemacht. Die Logistikinfrastruktur von Amazon ist darauf ausgelegt, dieses Serviceniveau kostengünstig zu erfüllen. Außerhalb Chinas konnte kein Wettbewerber mit diesem Modell mithalten. Das derzeitige Geschäftsmodel des E-Commerce ist durch das exponentielle Wachstum des digitalen Lebensmitteleinzelhandels unter Druck geraten.

Die Kundenerwartungen ändern sich: Lieferung am nächsten Tag reicht nicht mehr.
Die Pandemie hat eine sehr interessante Entwicklung ausgelöst: Im Jahr 2020 wuchs der E-Commerce-Umsatz von Amazon um 21 % lag damit deutlich unter dem Marktdurchschnitt von 32 %. Im Gegensatz dazu erzielte Walmart ein Umsatzwachstum von 44%, unter anderem aufgrund der Nutzung seiner Filialen als Mikrologistik-Hubs. In städtischen Gebieten hat Walmart damit begonnen, seine lokal verfügbaren Produkte (30.000 – 140.000 Artikel, die über 90% des gesamten Online-Bestellvolumens abdecken) innerhalb eines Lieferfensters von 2 bis 3 Stunden an Kunden im Umkreis von wenigen Kilometern, um einen Standort zu liefern. Dazu werden entweder eigene Ressourcen oder Zustelldienste auf der letzten Meile genutzt, die dem Modell der Lebensmittellieferdienste folgen. Der stationäre Einzelhandel hat damit die Liefererwartungen der Verbraucher geändert. Bei diesem O2O-Dienstleistungsangebot können Online-Marktakteure, die sich auf ein Logistikmodell ohne dichtes Netz lokaler Mikro-Hubs verlassen, nicht konkurrieren.

Neue Logistikmodelle revolutionieren Kundenerwartungen.
In der Vergangenheit war die Umsetzung des O2O Modells eher einseitig: Während schnell wachsende, erfolgreiche Online-Händler ihre digitalen Ressourcen, Marketingstrategien und Finanzkraft dazu nutzten, Einzelhandelsgeschäfte zu eröffnen oder zu erwerben (oft nur Showrooms), haben klassische stationäre Händler es bisher weitgehend versäumt, digitale Warenwirtschaft und Kundenservice zu implementieren, um ihre Märkte vor ihren reinen Online-Konkurrenten zu schützen.

Das neue O2O-Logistikmodell für den Einzelhandel verändert Kundenerwartungen.
Die Lebensmittellieferung hat jedoch, stark stimuliert durch COVID, ein neues Logistikmodell hervorgebracht: Stark nachgefragte Produkte werden jetzt online im stationären Einzelhandel bestellt und innerhalb von 60 bis 120 Minuten an die Kunden geliefert. Dieses Modell betrifft nicht den Lebensmittelhandel, das Grundsortiment des Einzelhandels von 4.000 bis 15.000 Artikeln ist betroffen.

Digitalisierung verbindet Intra- und Extralogistik.
Die Filialzustellung war noch nie die Herausforderung für den stationären Handel. Doch während die Intralogistik und Filialversorgung für den stationären Handel vollständig digitalisiert und hocheffizient ist, hinken Kundenservice und Convenience bisher hinterher und erfüllen nicht die Kundenerwartungen, die Online-Marktplätze mit ihren B2C-E-Commerce-Extralogistiklösungen versprechen.

Die Kenntnis der lokalen Kundenpräferenzen, verbunden mit einem lokalen Einzugsgebiet, kann der stationäre Handel auf ein hocheffizientes Extralogistikmodell mit Outlets als Micro-Hubs anwenden, das den B2C-Lieferoptionen reiner Online-Player überlegen ist. Durch die gleichzeitige Umwandlung von Outlets in Micro-Hubs ist ihr Wert massiv gestiegen. Outlets sind kein reiner zusätzlicher Vertriebskanal mehr, sondern ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil des Logistikmodells, um stark nachgefragte Waren über bereits bestehende lokale Lieferstrukturen bereitzustellen.

Diese Entwicklung ist in einigen Märkten, z. B. Südostasien, noch weiter fortgeschritten und wurde von Walmart in den USA erfolgreich übernommen, getestet und ausgerollt. Als Reaktion darauf sind große Logistikanbieter und Marktplätze dabei, städtische Mikro-Hub-Infrastrukturen zu übernehmen, oder auch aufzubauen. Sie könnten aber gegenüber dem stationären Handel, der bereits (theoretisch) die Top-Lagen besitzt, im Nachteil sein. (WT)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Digitalisierung und Reduktion der Treibhausgase ergänzen sich

Der Postsektor mit der Annahme, dem Transport, der Sortierung und der Zustellung von Brief- und Warensendungen an adressierte Empfänger trägt erheblich zur Emission globaler Treibhausgase (THG) bei.

Beitrag: Walter Trezek.

Der Postsektor mit der Annahme, dem Transport, der Sortierung und der Zustellung von Brief- und Warensendungen an adressierte Empfänger, trägt mit seinen mehr als 5 Millionen Postmitarbeiter*Innen, in über 650 000 Postämtern weltweit, heute etwa 450 Milliarden Briefsendungen und bis 2026 220 Milliarden prognostizierten Warensendungen jährlich, verbunden mit einer universellen Reichweite, bis in die entlegensten Gebiete und der transportintensiven täglichen Zustellung auf der letzten Meile, erheblich zur Emission globaler Treibhausgase (THG) bei.

Österreich, Deutschland und Frankreich: Antrag auf weltweite Reduzierung von THG im Postsektor.
Der 27. Weltpostkongress nahm im August 2021 einen Initiativantrag Österreichs, Deutschlands und Frankreichs zur Reduzierung der  Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) aus dem Postbetrieb an. Ziel ist es, freiwillig, verbindliche Ziele auf Basis harmonisierter Messnormen zu erarbeiten. Über die Erreichung der Ziele soll laufend berichtet werden.

Ein weltweiter Wissensaustausch zwischen den benannten Postbetreibern, den Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins und anderen  Wirtschaftsbeteiligten des weltweiten Postmarkts wird unter Aufsicht der 192 Mitgliedsstaaten eingerichtet. Sichergestellt werden damit global einheitliche Strategien zur Reduzierung von CO²-Emissionen, die Finanzierung und eine zeitnahe Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. In den kommenden 4 Jahren werden die Postgesellschaften der 192 Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins CO² und THG neutrale, grenzüberschreitende internationale Postdienste entwickeln. Weltweit einsetzbare Messnormen, die eine reduktionsorientierte Berichterstattung über verursachte Treibhausgasemissionen ermöglichen, die durch die Annahme, das Sortieren, den Transport und die Zustellung von Postsendungen, pro Postsendung in Mitgliedsländern verursacht werden, werden erarbeitet.

Austrian Standards arbeitet an postsektorspezifischer Normung.
Das Europäische Komitee für Normung (CEN) für den Postsektor, in Österreich vertreten durch Austrian Standards, wird in den kommenden vier Jahren, die sektorspezifische Normung für eine klimaneutrale Zustellung von Briefen und Warensendungen in Umsetzung des EU Green Deal unter Einbeziehung aller Wirtschaftsbeteiligten vorantreiben Erarbeitet werden:

Technischer Report über innovative Lösungen bei ökologisch-sauberen und effizienten Zustelllösungen.
Dieser Arbeitsinhalt bietet eine Bestandsaufnahme innovativer Lösungen, die geeignet erscheinen, die Ziele des “Green Deal” der EU im Bereich des Zustellmarktes für Brief- und Paketsendungen zu unterstützen. Dazu gehören auch die Bereiche: Verpackungsmanagement, Retouren, neue Zustelllösungen wie Drohnen, benutzerunabhängige kontaktlose Übergabe, sowie eine klimaneutrale Erhöhung der Transport- und Zustelleffizienz.

Norm zur Umweltbilanz in der Paketzustellung.
Erarbeitet wird die Definition einer Methodik zur Berechnung und Berichterstattung der Umweltbelastung durch eine Anfang-zu-Ende Zustellung von Warensendungen, beginnend von der Abholung bis zur abschließenden Zustellung, unter Berücksichtigung bestehender Umweltnormen aus dem verwandten Bereich des Transports und der Logistik.

Dieser Arbeitsinhalt ergänzt die bestehenden Normen für eine CO²-Bilanzierung. Eine zustellsektorspezifische, detaillierte Methodik zur Messung und Berichterstattung spezifischer, transparenter und konsistenter Informationen zu THG- und Luftschadstoffen, die in der Paketzustellung anfallen, ist das Ziel der Arbeiten. Angesichts der Dringlichkeit und des branchenspezifischen Engagements, sowohl in Europa als auch weltweit, erwarten wir innerhalb der nächsten 6 bis 12 Monate Standards und darauf aufbauend, konforme Produkte und Dienstleistungen.

Digitalisierung der Zustellung von Warensendungen – Eigentum an Klimadaten?
Nur wenn Daten zu jeder Warensendung vor deren Versandt zwischen den Wirtschaftsbeteiligen ausgetauscht werden, ist eine Messung der anfallenden THG-Emissionen möglich. 2021 wurde die Digitalisierung der Daten in der Zustellung von Warensendungen in der EU und weltweit umgesetzt. Die anstehende Gestaltung und Einführung von klimaneutralen Produkten und Dienstleistungen in der Zustellung von Warensendungen, wird zu einer Anpassung der bereits heute harmonisierten Daten, die vorab zwischen den Zustellbetreibern ausgetauscht werden, führen. Für die Wirtschaftsbeteiligten steht damit die Absicherung des Eigentums an den Daten zu jeder Warensendung zunehmend im Mittelpunkt. Neben den Kerndaten – der Zustelladresse, der Sendungskennung, der Warenbeschreibung – fallen immer mehr Sekundärdaten an. Umsatzgenerierung und Kundenbindung führt dazu das elektronische Schnittstellen zunehmend das Management, aber auch das Eigentum an diesen Daten zu übernehmen trachten. Die Daten des Einzelhandels sollten aber dem Einzelhandel vorbehalten bleiben. Nur wenn das Eigentum an den Daten geregelt bleibt, kann der Einzelhandel über Geschäftsprozesse frei disponieren und ungebunden entscheiden.

Wollen Sie weitere Informationen zu dem Thema erhalten? Möchten Sie aktiv Themen wie dieses vorantreiben und interessieren Sie sich daran, Teil eines internationalen Infrastruktur & Logistiknetzwerkes zu sein. Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf!  Der logistic-natives e.V. ist das internationale Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des modernen Handels und repräsentiert über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen wir bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle- & Retourenmanagements und der Kreislauf-logistik. Unser Geschäftsführer Florian Seikel (Florian.Seikel@logistic-natives.com) steht Ihnen sehr gerne zur Verfügung. (WT)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

ECOMLOG21: „Automatisierung in nicht gekanntem Ausmaß“

Der 6. eCommerce Logistik-Day widmete sich wieder der Zukunft des Online-Handels und bot neben spannenden Diskussionen konkrete Lösungsansätze für die Bereiche Intralogistik und den Paketversand. Als Hybrid-Event war er nur für einen exklusiven Teilnehmerkreis in den Räumen des Österreichischen Handelsverbandes live erlebbar. Sämtliche Vorträge und Podiumsdiskussionen wurden jedoch aufgezeichnet und sind in voller Länge abrufbar.

Redaktion: Marcus Walter.

Nur in den Pausen spürte man den Unterschied: Als Hybridveranstaltung zählte der 6. eCommerce Logistik-Day (eComLog21) am 9. September naturgemäß nur wenige Teilnehmer. Corona forderte von dem traditionellen Event in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal seinen Tribut, was der Qualität der gebotenen Inhalte aber nicht schadete. Lediglich das Networking zwischen den spannenden Vorträgen litt aufgrund der geringeren Zahl potenzieller Gesprächspartner. Auf der Bühne zeigte sich hingegen das gewohnte Bild: Wie immer führte Moderator Bernd Kratz mit großem Sachverstand durch den Nachmittag und sorgte vor allem während der zwei Podiumsdiskussionen mit fundierten Fragen für angeregte Gespräche. Der geschäftsführende Gesellschafter der Management-Beratung EMA ist zugleich Mitgesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels IDIH, einem der eComLog-Kooperationspartner.

New Digital Deal für die Zukunft des Handels.
Der 6. eCommerce Logistik-Day beleuchtete die beiden Themenbereiche Online- und Offline-Handel sowie die Intralogistik. In seiner Keynote forderte Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich, einen „New Digital Deal“ als Zukunftskonzept für den Handel nach der Coronakrise. Zu den Megatrends gehören die Sektoren Sicherheit und Gesundheit. Überzeugende Lösungen in der Bekämpfung von Cyber-Kriminalität, mehr Datenschutz, das Verhindern von Blackouts, der Schutz digitaler Identitäten sowie die Blockchain-Technologie werden den Handel stark beschäftigen. Gleiches gilt für die Neo-Ökologie mit ihren Themen Regionalität, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Green Commerce, Zero Waste oder Minimalismus. Als dritten Megatrend nannte Will die Konnektivität. Hierunter versteht er unter anderem die weiter zunehmende Bedeutung des Omnichannel-Vertriebs sowie das konsequente Fokussieren auf den Kunden und die „Customer Journey“.

An die Regierung appellierte Will, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in einigen Punkten angepasst werden müssten. Zu den Forderungen seines Verbands gehören deshalb eine Senkung der Lohnnebenkosten und die Durchsetzung der globalen Mindeststeuer und mehr Steuergerechtigkeit. Als Beispiel für die derzeitigen Missstände nannte er Amazon. Der Konzern habe in den letzten 10 Jahren Steuergutschriften für seine Geschäfte außerhalb der USA in Höhe von 13,4 Mrd. EUR kassiert.

Nachhaltigkeit bleibt Dauerthema.
Im Anschluss startete die erste Podiumsdiskussion: Sie ging der Frage nach, wie sich der Handel vor dem Hintergrund der Pandemie in Zukunft entwickeln wird. Einigkeit herrschte darüber, dass der Wunsch nach Nachhaltigkeit auch nach der Pandemie eine tragende Rolle bei den Verbrauchern spielen wird. „Viele haben geglaubt, das Thema Nachhaltigkeit würde im Zuge der Coronakrise zugunsten der Wirtschaftlichkeit wieder verschwinden“, betonte Roman Stiftner, Präsident der Bundesvereinigung Logistik Österreich. Diese Einschätzung sei jedoch fatal und jedes Unternehmen sei gut beraten, sich ernsthaft mit der Nachhaltigkeit seiner Produkte und Lieferketten auseinanderzusetzen. „Das Thema Nachhaltigkeit wird bleiben,“ so Stiftner.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Krise sei die mangelnde Resilienz der bestehenden Lieferketten, die zum großen Teil von Lieferungen aus China abhängen. Das habe man am Beispiel der Antibiotika gesehen, die überwiegend in China produziert werden und zwischenzeitlich nicht mehr lieferbar waren. In Zukunft müssten die Lieferketten wieder unabhängiger von China werden.

Bezüglich Nachhaltigkeit und Resilienz ist man bei der Modekette C&A schon einen großen Schritt weiter: Norbert Scheele, der bei C&A die Geschäfte in Österreich sowie Ost- und Südeuropa verantwortet, berichtete von einer neuen Produktionsanlage seines Unternehmens für Jeanshosen in Deutschland. „Wir haben uns vor drei Monaten entschlossen, eine Jeans-Fabrik in Mönchengladbach zu bauen“, bestätigte Scheele. Durch die regionale Herstellung verbessere sich zugleich die Zuverlässigkeit und die Ökobilanz, da weite Transportstrecken vermieden werden können.


Verstärkter Einkauf in Europa.

Auch beim weltweit agierenden Möbelhaus IKEA denke man über eine geänderte Einkaufsstrategie nach. „Wir sehen Tendenzen, dass wir verstärkt in Europa einkaufen werden“, erklärte Claes Axel Lindgren, Country Customer Fulfillment Manager bei der IKEA Möbelvertrieb OHG in Vösendorf.

Von einem ähnlichen Vorgehen berichtete Andrea Heumann, Mitglied der Geschäftsleitung der Thalia Buch & Medien GmbH mit Sitz in Linz. Im Buchbereich sei die Lieferkette zwar nicht bedroht gewesen, aber in anderen Sortimentsbereichen wolle man künftig „vermehrt auf Partner in Europa setzen, um die Lieferwege zu verkürzen“, so Heumann. Ziel sei ein guter Lieferanten-Mix, um in Krisensituationen flexibler aufgestellt zu sein.

Simon Hotinceanu, Experte für die Logistik-Steuerung bei der UNITO Versand & Dienstleistungen GmbH aus Salzburg sieht hingegen „eine weitere Zunahme der globalen Verflechtungen“. Dies gelte zumindest für kritische Bereich wie die Produktion von Mikrochips.


Nicht auf einzelne Partner verlassen.

Um die Konsequenzen aus der Corona-Krise ging es anschließend auch im Vortrag von Günter Birnstingl, Managing Director Austria der Berliner Seven Senders GmbH. Der frühere DHL-Manager betonte, dass die europäischen Paketdienstleister durch die rapide Zunahme des Sendungsaufkommens zunehmend unter Druck geraten.

„Dieser Trend ist auch schon ohne Covid dagewesen,“ stellte Birnstingl fest. Umso mehr komme es jetzt darauf an, sich in der internationalen Paketlogistik nicht auf einzelne Dienstleister zu verlassen, sondern mit mehreren Unternehmen zu kooperieren. Hier bietet Seven Senders eine sichere und komfortable Lösung, mit der Versender über eine zentrale Plattform mit vielen Anbietern zusammenarbeiten können.

Seven Senders ermöglicht den Zugang zu mehr als 100 Firmen, so das für jedes Land und jeden Bedarf die jeweils bestmögliche Versandform gewählt werden kann. Zu den Auswahlkriterien gehöre nicht zuletzt auch der CO2-Ausstoß. In diesem Zusammenhang wies Birnstingl darauf hin, dass bereits 57 Prozent der Versender bereit seien, einen Aufpreis für klimaschonende Transportlösungen zu bezahlen.

 

Intralogistik.
Mit seinem Vortrag über „Geschwindigkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit als Wettbewerbsvorteil in einer dynamischen Handels- und Logistikwelt“ wechselte Joachim Kieninger das Thema von der Paket- zur Intralogistik. Der Director Strategic Business Development bei der Element Logic Germany GmbH veranschaulichte am Beispiel des automatischen Lager- und Kommissioniersystem AutoStore, wie schnell sich Versender auf veränderte Marktanforderungen einstellen können. Anhand mehrerer Kundenbeispiele und einem Video machte Kieninger klar, warum im Kleinteilebereich derzeit niemand an einer AutoStore-Lösung vorbeikommt. Zu den Vorteilen der norwegischen gehört die beliebige Skalierbarkeit der Lösung innerhalb kürzester Zeit. Dies kann zum Beispiel durch einen Anbau des Rasters oder durch den Einsatz zusätzlicher Roboter geschehen.


Kapazitäten mieten statt Kaufen.

Dass man diese Roboter nicht gleich kaufen muss, sondern bei saisonalen Spitzen auch mieten kann, erläuterte Markus Grabner in seinem anschließenden Vortrag, bei dem es ebenfalls um die Effizienz und Flexibilität der Auto-Store-Lösung ging. Grabner ist Senior Sales Manager bei der Reesink Logistic Solutions Austria. Reesink ist weltweit der erste von AutoStore lizensierte Distributor, der die flexiblen Roboter von AutoStore offiziell vermieten darf.

Kurzfristig ausgefallen war der Vortrag von Roman Schnabl, Vice President der KNAPP AG. Hier zeigte sich ein großer Vorteil von Hybrid-Veranstaltungen, denn dieser Teil konnte innerhalb der nächsten Tage via Zoom nachgereicht werden. Schnabl berichtete über Trends in der Value Chain und Logistik und beantwortete die Frage, wie KI-basierte Technologie die Welt der intelligenten Logistik verändert. „Schon heute können unsere Pick-it-easy-Robots mit Hilfe künstlicher Intelligenz und einer gemeinsam genutzten Cloud voneinander lernen, um so die Qualität der Prozesse kontinuierlich zu steigern“, berichtete Schnabl. Dabei handele es sich nicht um Zukunftsvisionen, sondern um „reale Lösungen, die bereits weltweit im Einsatz sind“.

Handel in China: Mehr als 50 Prozent digital.
Von der Intralogistik zurück zur Versandlogistik beförderte anschließend der Vortrag von Walter Trezek, der Vorsitzende des beratenden Komitees des Weltpostvereins. Mit Blick auf andere Kontinente prognostizierte Trezek ein weiter anhaltendes starkes Wachstum der Paketlogistik.

„In China werden bereits mehr als 50 Prozent des Einzelhandels digital abgewickelt,“ berichtete Trezek. Alles, was online verkauft und zugestellt werden kann, werde früher oder später über diesen Vertriebsweg laufen. Vor allem wies der langjährige Post-Experte darauf hin, dass sich Versender auf neue gesetzliche Anforderungen einstellen müssen. Konkret gehe es um die verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand, wodurch Zustelleffizienz und Nachhaltigkeit steigen werden.

„Diese Regelung gilt seit Juli 2021 für Warensendungen innerhalb Europas“, betonte Trezek. Als letzter Referent des Tages informierte Florian Seikel, Geschäftsführer der Logistic Natives über ein Pilotprojekt, mit dem osteuropäische Staaten einen vereinfachten Marktzugang zur EU erhalten sollen. Die Logistic Natives haben dafür ein virtuelles Warenhaus konzipiert, mit dessen Hilfe lokale Produkte aus Armenien, Aserbaidschan und Georgien in der EU angeboten und vermarktet werden können.


Mehr Nähe zur EU.

Bei der Pilotlösung handelt es sich um ein virtuelles Lager beziehungsweise einen digitalen Katalog lokaler Waren. „Die Lösung bietet Verkäufern einen zentralen Ort zur Eingabe von Daten, die Zoll- und Transportdienstleiter für den grenzüberschreitenden E-Commerce benötigen“, erklärt Seikel. Nicht zuletzt sollen die genannten Länder Armenien, Aserbaidschan und Georgien durch das Projekt schrittweise an die EU herangeführt werden.

Nach seinem Vortrag stand Seikel gemeinsam mit Kieninger, Grabner und Trezek für die zweite Podiumsdiskussion zur Verfügung. Diese stand unter dem Titel: „Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – wie wird sich die Logistik auf zukünftige Notsituationen vorbereiten“. Moderator Bernd Kratz formulierte daraus die Frage, ob es in der Handelslogistik künftig weniger um Kostensenkungen als vielmehr um das Bewältigen der enormen Sendungsmengen gehen werde. Nach Meinung von Joachim Kieninger träfe diese Einschätzung „den Nagel auf den Kopf“. Der Intralogistik-Spezialist berichtete, dass er für seine Kundenprojekte nur noch selten Amortisationsrechnungen aufstellen müsse. „Treiber sind heute ganz andere Dinge: Da geht es vor allem um die mangelnde Verfügbarkeit von Mitarbeitern oder das Einhalten von Mindestabständen aus Gründen des Infektionsschutzes“, erklärte Kieninger. In beiden Fällen sei Automatisierung die passende Antwort, um nicht zuletzt auch die steigenden Sendungsmengen bewältigen zu können.

30 Prozent Kosteneinsparung auf der letzten Meile.
Auch für die letzte Meile sei eine zunehmende Automatisierung die passende Lösung. „Wir werden eine Automatisierung der letzten Meile in nicht gekanntem Ausmaß erleben“, prognostizierte Walter Trezek. Demnächst würden die Zustellfahrzeuge automatisch vorgeladen vom Fahrer übernommen. Der Zusteller müsse sich im Fahrzeug mit seinem mobilen Datenterminal identifizieren, bevor die dynamische Routenplanung und anschließend die Auslieferung gestartet werde. Außerdem werde der Fahrer durch Roboter unterstützt, die ihm schon das nächste Paket bereitlegen würden. Nach dem Beenden der Tour kann der Fahrer im Hub das nächste vorgeladene Fahrzeug übernehmen und eine zweite Tour beginnen. „Das ist keine Zukunftsmusik“, betonte Trezek, der das enorme Kosteneinsparpotenzial verdeutlichte. „Die letzte Meile verursacht derzeit noch rund 45 Prozent der Zustellkosten. Diese lassen sich um 30 Prozent reduzieren“, ist Trezek überzeugt.

Die weitere Diskussion brachte noch zahlreiche andere Aspekte der notwendigen Automatisierung in den Bereichen Intra- und Zustelllogistik hervor. Bei Interesse können beide Podiumsdiskussion und sämtliche Vorträge des 6. eCommerce Logistik-Days in vollständiger Länge abgerufen werden.
(MW)

Mehr auf https://www.logistik-express.com/ecommerce-logistik-day/

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

Digitalisierung des Einzelhandels: Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1. Juli 2021 Realität

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz, gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.

Beitrag: Walter Trezek.

Mit der Umsetzung des EU MwSt. Ecommerce Pakets (RICHTLINIE (EU) 2017/2455 DES RATES vom 5. Dezember 2017) tritt mit dem 1 Juli 2021 die Digitalisierung des Einzelhandels in eine neue Phase. Das Datenmodel der Finanzbehörden harmonisiert die Art und Weise wie Daten zu Einzelhandelswaren verwaltet und vor jedem Versand ausgetauscht werden müssen. Die Grundlagen der weiteren Digitalisierung des Einzelhandels, weltweiten Normen folgend, wurden festgelegt.

Digitalisierung erfordert eine andere, neue Infrastruktur.
In der EU wird sich der Anteil des digitalen Einzelhandels von heute 15% auf 30% bis 2023 verdoppeln. ¼ des online Handelsvolumens stammt aus EU-Drittstaaten. 4 Marktplätze sind für 2/3 aller Warensendungen, die in die EU importiert werden, verantwortlich. Allein 2019 importierte AMAZON etwa 650 Mio. Warensendungen grenzüberschreitend in die EU. Mehr als ¾ dieser Sendungen waren Warensendungen mit geringem Wert, bei der Alibaba-Gruppe lag das tägliche Importvolumen 2019 bei etwa 2,5 Mio. Warensendungen täglich. Nach Studien der World Free Zone Organisation rechnen die Zollfreihäfen weltweit damit, dass bis 2030 annähernd 80% des Welthandels online abgewickelt werden. Gleichzeitig hat sich der Trend von B2B zu B2C verstärkt. Der digitale Einzelhandel und damit die Warensendungsvolumen werden weiterhin zweistellig wachsen.

Statt weniger Daten zu großen Mengen (B2B) – viele Daten zu Einzelmengen (B2C).
Die Zustellung der digital bestellten Handels-waren wird eine Herausforderung. In der Zukunft können mit der heute, auf analogen Prozessen basierenden Zustellinfrastruktur, die stark wachsenden Paketmengen, nicht nach den Präferenzen der Empfänger zugestellt werden. Auch die geplante Erweiterung der Dichte an Paketstationen der Deutschen Post AG bis 2023, auf ca. 1 Mio. Fächer (2,5-fach zu 2020) wird nur in der Lage sein etwa 5 – max. 7% des Volumens über Pick-up / Drop-off Lokationen zuzustellen zu können.

Was online verkauft und zugestellt werden kann wird zugestellt.
Der Versand von Nahrungsmitteln folgt dem Versand von non-food Einzelhandelswaren. In den kommenden Monaten ist diesem Marktsegment mit einem erhöhten Wachstum zu rechnen. Die notwendige Digitalisierung der Einzelhandelswaren und die damit verbundenen Harmonisierung ist im Nahrungsmittelhandel ist bereits fortgeschritten.

Alles ist mit Allem verbunden.
In der Zustellung der Warensendungen werden die Zeit- und Ortsangaben zum Sendungsverlauf (so genanntes “Track & Trace”) durch die digitale Vorabmeldungen vervollständigt. Die erste und letzte Meile wird durch eine digital gestützte, selbstlernende Infrastruktur ergänzt. Die notwendige Verbesserung der Nachhaltigkeit und Stärkung der Kreislaufwirtschaft wird durch Vorabmeldungen auf eine neue digitale Basis gestellt.

Digitaler Wandel im Handel –> Mengenwachstum -> Infrastrukturevolution.
2019 wurden in europäischen Wirtschaftsraum bereits weniger klassische B2C Briefsendungen zugestellt als Warensendungen. Auf allen Ebenen der postalischen Prozesskette: der Annahme, Sortierung, Transport und auch Zustellung kommt es zu Konsolidierung und Kollaboration der Wirtschaftsbeteiligten.  Kritisch ist, dass die Ausstattung der Marktteilnehmer nicht zur Nachfrage passt. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird eine datengestützte Infrastruktur notwendig, die auch eine betreiberunabhängige und unbeaufsichtigte Zustellung der digital bestellten Einzelhandelswaren benötigt.

Einzelhandel ist beides OFF- / ON-line.
Erfolgreicher Einzelhandel präsentiert, informiert und verkauft seine Einzelhandelswaren off-line im klassischen stationären Handel, digital gestützt aber genauso on-line. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Web-Präsenz, Webshop und Marktplatz. Reine digitale Marktplätze ergänzen ihre Vertriebskanäle durch stationäre Konzepte. Präferenzen von Kunden kann so on-line besser mittels click / call & collect; pick-up; drop-off und micro-fulfilment-centres entsprochen werden.

Digitalisierung der Warenlieferketten.
Was mit dem finanzpolizeilichem Zoll-Datenmodel begonnen hat, führt zu einer Harmonisierung der digitalen Beschreibung der Einzelhandelswaren, als Voraussetzung der Zustellung, aber auch der Transportsicherheit, Produkthaftung und auch der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft:

  1. Warenbeschreibung: Harmonisierung der generischen (Zollkodex) und/oder der produktindividuellen (z.B. “Global Trad Item Number”) Beschreibung;
  2. Namen und Anschriften von Absendern, Empfängern und, soweit abweichend, von denjenigen Personen, welche die jeweilige Postsendung eingeliefert oder entgegengenommen haben;
  3. Art des in Anspruch genommenen Postdienstes (digitale ID);
  4. Maße und Gewicht der jeweiligen Postsendung;
  5. die vom Postdienstleister zugeteilte Sendungsnummer (eindeutige Transport-ID
    der jeweiligen Postsendung sowie, sofern der Empfänger eine Abholstation mit Selbstbedienungs-Schließfächern nutzt (Kennung),dessen persönliche Postnummer („Zugangseröffnung“);
  6. Zeit- und Ortsangaben zum jeweiligen Postsendungsverlauf; sowie
  7. zu Zwecken der Erbringung der Postdienstleistung erstellte Bildaufnahmen von der Postsendung.
  8. Daten zu den Waren sind beim Verkauf vorhanden -> damit Zustellung nach den Präferenzen der Kunden.

Starkes Volumenwachstum erfordert verbesserte Effizienz auf der letzten Meile.
Bis zu 1/3 aller Zustellkosten fallen auf der letzten Meile an. Die Digitalisierung des Einzelhandels erhöht die Effizienz in der Zustellung auf der letzten Meile wesentlich. Das Ziel ist eine „one-stop-delivery“, die ähnlich wie bei der Briefzustellung zu einer gesicherten Abgabe der Warensendungen an jeden Haushalt, über einen für alle Zusteller offenen Zustellkasten führt. Die heute bestehende Zustelladresse wird um eine „Zugangseröffnung“ nach den Präferenzen der Empfänger im Interesse aller erweitert (insb. des Handels, aber auch der Konsumenten). Heute passen nur zu < 50% aller Warensendungen in die bestehenden, normgerechten Postfachanlagen. Damit wird eine Neudefinition der notwendigen Infrastruktur, die jeder Haushalt haben sollte (nach bestehenden europäischen und/oder auf Deutschland zu konkretisierende Normen), oder auch der Allgemeinheit zugänglichen Hinterlegungsorten notwendig.

Daten steuern die Zustellung von Waren – wem gehören die Daten?
Die Sicherheit, damit das Vermeiden von Gefahr für Leib und Leben, und das Unterbinden einer kriminellen und verbrecherischen Nutzung einer solcherart neu aufzubauenden Infrastruktur ist bereits weit vorangeschritten. Der soziale Aspekt ist dringend zu berücksichtigen und damit für eine Barrierefreiheit zu sorgen. Umweltverträglichkeit der Konzepte ist zu gewährleisten. Damit ist die digitale Bemessung des CO² Verbrauchs der individuellen Einzelwarenzustellung, die Nachhaltigkeit und Vermeidung von sekundärem Abhol- oder Zustellverkehr, aber auch drohende Verkehrsbeschränkungen – die in aller nächster Zeit sogar zu Verkehrsverboten werden könnten zu berücksichtigen.

Wettbewerbsgleichheit, das Ende der MwSt.
Hinterziehung und des Zollbetrugs sowie Ende der Verletzung von Eigentumsrechten stehen heute im Vordergrund. Mit der Standardisierung der Daten gewinnt der Einzelhandel wieder die Hoheit über seine eigenen Daten. Diese Daten sind die Daten des Handels und sollten auch allen Wirtschaftsbeteiligten offensteht. Damit sind proprietäre Datensysteme, die heute große Teile des digitalen Handels beherrschen ungeeignet und werden auch durch offene Konzepte wie eben dem EU- Zolldatenmodel abgelöst.

Gesetzliche Vorgaben, Normen.
Seit 1. Jänner 2021: Daten zu Waren-POST-sendungen (grenzüberschreitend) müssen vor dem Versand zwischen Postbetreibern ausgetauscht werden (Transport- und Konsumentenschutz; Zoll- und MwSt.). Seit 15. März 2021: Zu allen Warensendungen (KEP) vorab Datenaustausch bei einer geplanten Flugfracht. Bis 2025 gilt das für alle Transportkanäle. Bis Mitte 2024 Volldigitalisierung aller Frachtinformationen. Mit 1. Juli 2021: Daten zu allen Warensendungen müssen vor dem Versand ausgetauscht werden, trifft Importe in die EU, aber auch Intra-EU versandt. (Zoll- und MwSt.). Mandate der Europ. Kommission ermöglichen allen Wirtschaftsbeteiligten die konkrete Ausgestaltung der Normen (nach den gesetzlichen Rahmenvorgaben). Dazu gehören auch betreiberoffene, kontaktlose Übergabeeinrichtungen, sowie der notwendige Datenaustausch zwischen den Wirtschaftsbeteiligten. (Vermeidung von kriminellen oder verbrecherischen Tätigkeiten). Austrian Standards arbeitet an der Gestaltung der Europäischen Normen, als Spiegelgremium zu CEN und ist Wirtschaftsbeteiligten offen, Normen auch für Österreich zu konkretisieren.

Der logistic-natives e.V. ist das internationale Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des modernen Handels und repräsentiert über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen wir bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle- & Retourenmanagements und der Kreislauf-logistik. (RED)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

E-Commerce: Datengesteuerte Warenzustellung

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz, gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.

Beitrag: Walter Trezek.

Mit der Umsetzung des EU MwSt. E-Commerce Pakets (RICHTLINIE (EU) 2017/2455 DES RATES vom 5. Dezember 2017) beginnt am 1. Juli 2021 ein neues Zeitalter für die Zustellung von Warensendungen in der Europäischen Union. Ziel ist es, die im digitalen Handel bei Distanzkäufen verfügbaren Daten, zwischen den an der Leistungserbringung Beteiligten, vor der physischen Zustellung in harmonisiertem Format auszutauschen.

EU Zolldatenmodel: Ende von Einfuhrumsatzsteuerbetrug und Zollhinterziehung.
Die jetzt umzusetzenden MwSt.- und Zollvorgaben stellen zunächst nur gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen hauptsächlich asiatischen und europäischen E-Commerce Händlern her. Das wird erreicht, indem die Einfuhrumsatzsteuerfreigrenze von EUR 22 / 44 abgeschafft wird. Dazu wird eine verpflichtende digitale Vorab- Zolldeklaration für Waren mit geringem Wert bei Warenimporten in die EU eingeführt.

Abgabe der Zollanmeldung für Sendungen geringen Werts im Bestimmungsland.
Ab 1. Juli 2021 gilt, die Abgabe der Zollanmeldungen für Sendungen geringen Werts hat im Bestimmungsland (gem. Art. 221 (4) UZK-IA) zu erfolgen. Ausnahme dazu ist das Import-One-Stop-Shop System. Es erlaubt, dass die Warensendungen dem Zoll in einem beliebigen EU-Mitgliedsstaat gestellt werden, und dort für die Zustellung in der gesamten EU freigegeben werden können.

Mit der Verwendung des Import-One-Stop-Shop (IOSS) Systems für die genannten Distanzkäufe aus Drittstaaten bei Import in die EU, sind diese Sendungen von der Einfuhrumsatzsteuer (EUSt.) befreit. Die EUSt. wird bereits beim Kauf am Point of Sale (PoS) eingehoben. Notwendig ist dazu eine Fiskalrepräsentanz über einen EU-Mitgliedsstaat nach Wahl des Verkäufers (s.g. Mitgliedsstaat der Identifikation), der sich zur Begleichung der MwSt.-Pflicht monatlich, einer IOSS-MwSt. Identifikationsnummer, gültig für die gesamte EU bedient.

One-Stop-Shop bei EU-weitem Jahresumsatz von mehr als EUR 10K.
Für Warensendungen innerhalb der EU wird das One-Stop-Shop System ausgeweitet. Über dem Schwellenwert von EU-weit EUR 10K Jahresumsatz kommen für die Rechnungsstellung die Regelungen des EU-Mitgliedsstaates des Verbrauchs (d.h. dort wo der Erwerber ist) zur Anwendung. Auch hier wird es möglich mit der MwSt. Identifikationsnummer eines EU-Mitgliedsstaates die MwSt. -pflicht für die gesamte EU, quartalsweise zu begleichen.

EU Zolldatenmodel bestimmt die Datenharmonisierung vom PoS bis zum Empfänger.

Am Point of Sale verfügbaren Daten gewährleisten im digitalen Einzelhandel:

  • die Sicherheit der Produkte – Handelswaren müssen für den online Einzelhandel generisch, mittels des harmonisierten Zollkodes (zumindest mittels HS 6-digit Code) und auch individuell (zumeist geschieht dies über eine international verfügbare “Trade Item Number”) digital beschrieben werden. Freilich diese Beschreibungen umfassen auch die Maße, das Gewicht, Bilder, in dem meisten Fällen auch Herstellererklärungen, Konformitätserklärungen oder bei einzelnen Warenkategorien auch den Verweis auf eine Repräsentanz in der EU.
  • die Sicherheit der Logistik und des Transports – Das mit 15 März 2021 eingeführte Import-Kontroll-System 2 (ICS2) der EU, zunächst für den Flugfrachtverkehr für Post- und Expresssendungen, nutzt die digital verfügbaren Daten, die vorab zwischen den Flugfrachtbetreibern und den EU-Behörden ausgetauscht werden müssen, um die Transportsicherheit zu gewährleisten. Bis 2024 wird es zu einer Volldigitalisierung aller Frachtinformationssysteme der EU kommen, alle Transport- und Logistikkanäle werden umfasst. Auch hier ist das EU Zolldatenmodel der erste Schritt zur Umsetzung des EU-Transportdatenmodells.
  • gleiche Wettbewerbsbedingungen, indem die Zahlung von Steuern und Abgaben gewährleistet wird – Die am PoS verfügbaren digitalen generischen und individuellen Warenbeschreibungen ermöglichen, in Verbindung mit den Zustelldaten (dort wo der Konsument ist) eine genaue Bemessung der Einfuhrabgaben und Zölle. Im besten Fall werden diese Abgaben für den Fall von Warensendungen mit geringem Wert, bereits über den PoS mittels (I)OSS bei Kauf vereinnahmt und monatlich, oder im OSS quartalweise an die zuständigen Behörden abgeführt.
  • die nachhaltige Verwaltung der Verpackung und des Produktlebenszyklus – Das Aktionsprogram der Europäischen Kommission zielt auf eine grundlegende Erweiterung des heute bereits umzusetzenden EU-Zolldatenmodels ab. So werden die genutzten Verpackungen für den Distanzhandel in Registern erfasst. In der Folge werden die EU-Mitgliedsstaaten dazu übergehen, die heute bestehenden Vertriebsverbote durch Verkehrsverbote zu verschärfen. Damit müssen die Meldungen zu den genutzten Verpackungen an die zuständigen Registerbehörden vor einem in den Verkehr bringen erfolgen und auch durch Bevollmächtige der Versender in der EU abgesichert werden. Gleiches gilt für den Lebenszyklus der Waren, und deren nachweislich nachhaltiger Verwertung nach deren Gebrauch.
  • eine individuelle Zustellanweisungen der Empfänger – Wesentlich für die Leistungserbringung im digital gestützten Distanzhandel ist die Zustellung. Dazu wird sich in den kommenden Jahren eine betreiberunabhängige Annahme und Abgabeinfrastruktur etablieren, die den Präferenzen der Empfänger entspricht. Ähnlich wie in den letzten Dekaden die Briefkästen allen Zustellern geöffnet wurden, werden Paketannahme und -abgabesysteme (Boxen, Stationen, auch Drop-off / Pick-up oder auch Click & Collect) allen datengestützt geöffnet.

Jene Länder, die in der Entwicklung der EU voraus sind, wie Singapore, Macau, China, haben dazu bereits die rechtlichen und regulatorischen Grundlagen geschaffen und verabschiedet. Freilich, bei einem Anteil von annähernd 50% des digitalen Einzelhandels und harmonisierter datengestützter Zustellung wäre es nicht anders zu schaffen.

Harmonisierung unter Einbindung aller Wirtschaftsbeteiligten.
Der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörden haben bereits die Weichen gestellt, um alle Betroffenen in die Gestaltung der Rahmenbedingungen mit einzubeziehen. Dazu ist in Österreich das Austrian Standards Institute, in Europa das Europäische Komitee für Normung, neben den Regierungs- und Regulierungsstellen eingebunden.

Ohne digitale ein-eindeutige Kennungen der Wirtschaftsbeteiligen, der Handelswaren, der Art der Verpackungen, der Verfolgbarkeit der Warensendungen und auch dem betreiberunabhängigen Zugang zur Abgabe- und  Hinterlegungsinfrastruktur, werden die bereits dokumentierten Effizienz- und Ökologisierungschritte in den kommenden 3 Jahren nicht umzusetzen sein. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

E-Commerce: Ende von Abgabenhinterziehung und illegalem Handel

So wie die Digitalisierung des Einzelhandels gewachsen ist, wuchs die Abgabenhinterziehung und der illegale Einzelhandel. Der Weltpostverein und die EU setzen Maßnahmen.

Beitrag: Walter Trezek.

Der digitale Einzelhandel über das Internet bestellt boomt. Der Versand der Waren erfolgt über Paketdienste. So schnell wie die Digitalisierung des Einzelhandels gewachsen ist, wuchs die Abgabenhinterziehung und der illegale Einzelhandel. Der Weltpostverein und seine 192 Mitgliedsstaaten, ebenso die EU, setzen weltweit Maßnahmen, die das ändern werden.

Pflicht zur digitalen Vorabmeldung jeder Warenpostsendung.
Seit gut 10 Jahren lässt sich der Umbau des Weltpostnetzes von einem Brief- zu einem Warensendungsnetz beobachten. In dieser Zeit entdeckten weltweit tätige online Händler die papiergestützten, vereinfachten Zollprozesse der Postgesellschaften, um Waren grenzüberschreitend zu versenden. Die Einfuhrumsatzsteuerfreigrenze bis zu einem Warenwert von 22 EUR für Warenpostsendungen, wird häufig genutzt, um fällige Abgaben zu hinterziehen. Der Schaden durch Abgabenhinterziehung in führenden EU-Märkten, wird wohl 2020 die 10 Mrd. EUR Marke deutlich überschritten haben.

Mit 1 Jänner 2021 müssen alle grenzüberschreitenden Warenpostsendungen digital vor deren Versand aus dem Herkunftsland, der Postgesellschaft im Zustellland gemeldet. Die bis Ende 2020 analoge (papiergestützte postalische vereinfachte) Zollerklärung wurde durch eine volldigitale Zollerklärung, die vorab gesendet werden muss, abgelöst.  Was für die Postwarensendung gilt, wird auf alle Päckchen und Paket ausgeweitet. Das Umstellen des vereinfachten Zollverfahrens für Postsendungen von analog zu digital, wurde von der Europäischen Union zum Anlass genommen, alle Zustelldienste im gemeinsamen Markt gleich zu stellen. Das Privileg der Postgesellschaften wird mit 1 Juli 2021 beendet. Für alle Post-, Kurier-, Express- und Paketzustelldiensten, sowie Zollagenturen wird ein einheitliches, vereinfachtes Zollverfahren für grenzüberschreitende Waren-sendungen mit geringem Wert (der Wert der Sendung darf EUR 150 nicht überschreiten) verpflichtend eingeführt. Gleichzeit fällt auch die Einfuhrumsatzsteuerfreigrenze zur Gänze. Jene Staaten, die diesen Schritt schon vollzogen haben (Schweden, Norwegen, Schweiz, Australien, und weitere) waren über die tatsächliche Höhe der zusätzlich eingenommen Abgaben überrascht. In allen Fällen wurden die Erwartungen mehr als übertroffen.

Online Handel wird zunehmend für kriminelle Zwecke genutzt.
Falsche Zolldeklarationen und Abgabenhinterziehung sind eine Herausforderung, der online Handel aber auch vermehrt für kriminelle Zwecke genutzt. Die Delikte sind vielfältig und reichen von einfachen Betrugstaten bis hin zu terroristischen oder sogar staatsgefährdenden Delikten. Auch der – nicht selten anonyme und mittels Krypto-Währungen abgewickelte – Handel mit illegalen Waren wie Betäubungsmitteln, Suchtmitteln, Falschgeld oder Waffen über das Darknet hat dabei erheblich zugenommen. Zudem kommen auch Fälle des Betrugs im Versandhandel, die zuletzt ein bedenkliches Ausmaß erreicht haben.

Briefgeheimnis und der Schutz der Integrität der Sendung werden missbraucht.
Die finanzpolizeiliche und auch strafrechtliche Bekämpfung dieser nur exemplarisch aufgeführten Kriminalitätsphänomene steht vor der Herausforderung, dass die Täter oftmals nicht oder nur schwer identifiziert werden können. Gezielt werden dabei das Briefgeheimnis – es handelt sich ja oftmals um “WarenBRIEFsendungen” – aber auch die Möglichkeiten der Anonymisierung, die das Internet bietet, genutzt.

Daten müssen vor dem Versand verpflichtend ausgetauscht werden.
Erfolgversprechend zur Identifizierung der Tatverdächtigen ist der Austausch von Daten am Übergang von der digitalen in die analoge Welt, nämlich genau jener Daten, die bei der Aufgabe und Annahme der Warensendungen von den Postdienstleistern ab dem 1 Jänner, von allen anderen Kurier-, Express- und Paktdiensten ab dem 1 Juli 2021 festgehalten und vorab mit anderen Dienstleistern und auch den Behörden ausgetauscht werden müssen.

Verfassungs-, finanz- und strafrechtliche Ermächtigungsgrundlagen werden geschaffen.
Jedoch können die Finanzpolizeilichen- und Strafverfolgungsbehörden nach dem verfassungsrechtlichen Prinzip vom Vorbehalt des Gesetzes nur dann Auskunft über diese Daten verlangen, wenn sie dafür auch eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage haben. Unstreitig war dabei bislang, dass die Strafverfolgungsbehörden auf der Grundlage des § 99 StPO in Deutschland oder des § 135 StPO in Österreich – als Minus zur dort geregelten -körperlichen Beschlagnahme – vom Postdienstleister auch Auskunft über an den Beschuldigten gerichtete bzw. von diesen herrührenden Postsendungen verlangen können, wenn diese sich im Gewahrsam des Postdienstleisters befinden. Strittig war dagegen in Rechtsprechung und Literatur die Frage, ob eine solche Auskunft auch dann verlangt werden kann, wenn sich die Postsendung noch nicht oder nicht mehr im Gewahrsam des Postdienstleisters befindet. Dieser Rechtslücke, die von Betrügern und Kriminellen genützt wurde, wird in diesen Tagen durch eine Novelle der Deutschen Strafprozessordnung geschlossen. Gleiche Bestrebungen lassen sich auch in Frankreich und anderen EU-Staaten beobachten.

Digitalisierung der Warenzustellung führt zu Harmonisierung und Standardisierung.
Die EU hat bereits vor 20 Jahren begonnen den Postmarkt, zu dem auch die Zustellung von Päckchen und Paket gehört, allen Dienstleistern zu öffnen. Dazu gehört auch die Begleitung der rechtlichen und regulatorischen Maßnahmen durch technische und nachrichten-spezifische Normen. So haben sich die Wirtschaftsbeteiligten für die eindeutige Kennzeichnung der Warensendungen für den Transport auch über Dienstleistergrenzen hinweg geeinigt. Die jetzt notwendige Verbindung der Einzelsendungen mit Informationen über den Inhalt in den Sendungen, führt zu weiterer Harmonisierung der Daten, die vorab übermittelt werden müssen, die aber auch auf den Etiketten auf den Sendungen präsen-tiert werden müssen, um auch eine Überprüfung unterstützen zu können.

Das Europäische Komitee für Normung, CEN/TC331 “Postal Services” hat dazu die ent-sprechenden Vorarbeiten, unter Mitarbeit der nationalen Normungsorganisationen auch in Österreich (Austrian Standards Institute) und in Deutschland (Deutsches Institut für Normung) geleistet. Jetzt die Arbeiten begonnen, die Arbeiten zur weiteren Digitali-sierung auch auf weitere Transport-, Fracht-, aber auch Verpackungsinformationen zu erweitern. Ziel ist es dabei, das weitere Wachstum des digitalen Handels abzusichern, die Zusammenarbeit zwischen den Marktplätzen, den Herstellern der Handelswaren, den Zustelldiensten, den Konsumenten und den Behörden zu verbessern, und auch die aufgetretenen Risiken soweit als möglich zu begrenzen und Betrug und kriminelle Machenschaften zu bekämpfen.

Der logistic-natives e.V. ist das mittelstandsgeprägte internationale Logistik-Infrastruktur Netzwerk des modernen Handels. Der Verband vertritt aktiv die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen von über 30.000 Branchen-unternehmen. Dabei unterstützt der logistic-natives e.V. überwiegend bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustelloptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle Management, Kreislauflogistik und Retourenmanagement. Das Netzwerk ist mit seiner pragmatischen Expertise Ansprechpartner für Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und andere Institutionen, um nationale und internationale Lösungen für den modernen Handel zu schaffen. Dabei sie sich der logistic-natives e.V. als Querschnittsverband zu veschiedenen Branchen rund um den Handel.

Sie sind herzlich eingeladen, dem Netzwerk beizutreten und sich aktiv zu engagieren. Für Hintergrundinformationen, Details steht Ihnen der Geschäftsführer Florian Seikel (Florian.Seikel@logistic-natives.com) gerne persönlich zur Verfügung. (WT)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Auswirkungen des Coronavirus auf den E-Commerce in 2020

E-Commerce ist für viele traditionelle stationäre Unternehmen, die im “Lock-down” geschlossen werden mussten, zu einer Lebensader geworden, um ihre Geschäftstätigkeiten in der digitalen Welt während gesetzlich vorgegebener Schließungen fortsetzen zu können.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Beschleunigung der Digitalisierung im europäischen Wareneinzelhandel infolge der COVID-19-Pandemie führt zu einem kontinuierlichen Wachstum des E-Commerce-Sektors. Unternehmen und Verbrauchern treiben dieses Wachstum gleichermaßen an. Einer Studie von E-Commerce Europe zufolge erwartet der E-Commerce-Sektor ein weiteres Umsatzwachstum von Einzelhandelswaren und Dienstleistungen 2021, in Abhängigkeit zu COVID-19-Maß-nahmen.

Wahrnehmung des digitalen Einzelhandels während COVID-19 pro Land.
Nach einer Erhebung von Ecommerce Europe, melden alle befragten E-Commerce Verbände eine positive öffentliche Wahrnehmung des Sektors während der COVID-19-Krise. Die politische Bewertung sieht etwas differenzierter aus: Frankreich, Belgien, Österreich und Spanien berichten von einer überwiegend negativen Reaktion auf große, marktbeherrschende E-Commerce-Akteure. Italien berichtet, dass ein Teil der Öffentlichkeit Einwände gegen den zu-
nehmend digitalen Einzelhandel erhoben hat, und zur Verteidigung von Geschäften in der Nachbarschaft aufgerufen hat. Auch von Dänemark wurden ähnliche Entwicklungen berichtet.

Andere Länder berichten über erfolgreiche Erfahrungen im stationären Handel, der online gegangen ist, um weiterhin an Verbraucher zu verkaufen. Dem folgend hat etwa in Frankreich die Krise beispielsweise die Erwartung der Verbraucher gestärkt, dass lokale Geschäfte als Option Online-Shopping bieten sollten, für jene die eine Lieferung nach Hause bevorzugen. Dieser Wunsch der Konsumenten, der seit Beginn der Beschränkungen und wohl auch darüber hinaus besteht, zeigt deutlich das Interesse der Konsumenten an einem Omnichannel-Angebot, das bereits von den führenden digitalen Einzelhändlern angeboten wird und das nun auch vom lokalen Handel in der direkten Nachbarschaft erwartet wird.

Auswirkungen auf die Paketzustellung.
In der Mehrheit der Mitgliedsstaaten der EU kam durch COVID-19 zu Verzögerungen bei der Warensendungszustellung. In 4 Staaten wurden die Verzögerungen als „schwerwie-gend“ eingestuft. Weitere 5 Staaten be-richten, dass Paketzusteller die Verbraucher gebeten haben, ihre Bestellungen an bestimmten Abholorten abzuholen.

Auffallend ist, dass die Verzögerungen bei der Paketzustellung während des zweiten Lock-down” als weniger schwerwiegend als beim ersten bewertet werden. Berichtet wurde auch, dass in mehreren Staaten der EU es aufgrund der strengen Sperrmaßnahmen, sowohl zur Verschiebung des Verbraucherverhaltens in Richtung digitalen Einzelhandel als auch zu einer nochmals gestiegenen Nachfrage in der Weihnachtszeit gekommen ist, was dazu führte das Paketzusteller zusätzliche Abholpunkte eröffnen mussten, um den erhöhten Paketfluss zu bewältigen.

COVID-19 Auswirkungen auf den E-Commerce pro Produktkategorie und Land.
Die nationalen E-Commerce Verbände stellten Unterschiede zwischen der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen in der COVID-19 Krise fest. Mit Bezug auf Produkte zur Freizeitgestaltung berichteten die Mehrzeit der E-Ccommerce Verbände eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 30-40%. Ähnlich in Segment Einrichtungsgegenstände, hier kam es im dritten Quartal 2020 zu größerer Nachfrage, wobei die Niederlande und Schweden einen Anstieg des Online-Umsatzes um 106% bzw. 73% für dieser Kategorie verzeichneten.

Bei Produkten des täglichen Bedarfs, sowie Unterhaltung kam es in dem meisten Mitgliedsstaaten zu einem Umsatzanstieg, ähnlich wie während des ersten Lock-down im Frühjahr 2020. Bei Bekleidung und Schuhen berichten die Hälfte der E-Commerce Verbände einen Anstieg. Klargestellt wird aller-dings, dass sich die Nachfrage hauptsächlich auf Waren konzentrierte, die zuhause getragen werden können, während andere Arten von Schuhen oder Bekleidung einen deutlichen Rückgang der Nachfrage verzeichneten. Der Trend für Dienstleistungen, insbesondere der Verkauf von Reise- und Online-Tickets, geht in die entgegengesetzte Richtung. Eine deutliche Mehrheit der Befragten gibt einen Umsatzrückgang zwischen 40% und 70% angibt. Die Zusammenfassung zweigt, dass E-Commerce während der COVID-19-Krise im Allgemeinen als „Gewinner“ angesehen wird. Tatsächlich aber die Situation jedoch differenzierter ist. Einige Kategorien haben tatsächlich ihren Umsatz gesteigert, während andere bedrohliche Verluste erlitten haben.

Ecommerce Wachstum: Schätzung 2020
Alle E-Commerce Verbände berichten ein positives Wachstum bei den digitalen Wareneinzelhandelsverkäufen im Jahr 2020, das zwischen 5 und 10% in Polen und 60 bis 75% in Finnland liegt. Die Entwicklung beim digitalen Handel von Dienstleistungen ist jedoch nicht so positiv. 6 befragte E-Commerce Verbände (Norwegen, Österreich, Bulgarien, Frankreich, Niederlande und Italien) gaben im Vergleich zu 2019 einen Rückgang an, wobei Norwegen einen Rückgang des Online-Verkaufs von Dienstleistungen von 60% im Vergleich zu 2019 feststellte. Zählt man den digitalen Handel mit Produkten und Dienstleistungen für 2020 zusammen, schätzen die meisten E-Commerce Verbände ein Wachstum des Ecommerce Umsatzes zwischen 44% in Irland und 4% in den Niederlanden. Italien und Norwegen verzeichnen jedoch einen Gesamt-rückgang von 20% bzw. 3% im Vergleich zu 2019, was auf den überwältigenden Rückgang des Online-Umsatzes mit Dienst-leistungen zurückzuführen ist. Während der E-Commerce-Sektor in Europa im Jahr 2020 ein Gesamtwachstum verzeichnen kann, ist dieser Trend nicht universell und hängt von der unterschiedlichen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen während der Pandemie ab.

Erwartung des E-Commerce-Sektors für 2021.
Die Prognose aller E-Commerce Verbände für die Entwicklung des Ecommerce Sektors im Jahr 2021 ist positiv. 11 Verbände fühlen sich „sehr zuversichtlich“ und 8 „ziemlich zuversichtlich“. Ein großer Teil des Wachstums im Ecommerce Sektor wird dauerhaft sein, was auf ein erhöhtes Vertrauen der Öffentlichkeit und Änderungen im Verbraucherverhalten zurückzuführen ist, und nicht nur auf eine vorübergehende Folge der Pandemie.

Wenige Verbände teilen Bedenken hinsichtlich des Wachstums des Sektors nach dem Ende der COVID-19-Beschränkungen. Die Mehrheit der Verbände geht von einem deutlichen Wachstum des Online-Verkaufs von Produkten im Jahr 2021 aus. Das Wachs-tum im digitalen Handel von Dienstleistungen wie Reisen wird davon abhängen, ob es zu einer gewissen Entspannung und einer Rücknahme der bestehenden restriktiven Maßnahmen kommt. Insgesamt stellen die europäischen E-Commerce Verbände fest, dass die COVID-19-Pandemie die Digitalisierung von Unternehmen in Europa beschleunigt hat und zu einem kontinuierlichen Wachstum des E-Commerce Sektors führen wird, das von Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen angetrieben wird.

Der E-Commerce hat sich während der Pandemie zudem zu einer Lebensader für den traditionell, stationären Handel entwickelt und sich auch als widerstandsfähig erwiesen, indem er die gestiegene Nachfrage der Verbraucher befriedigen konnte und die Bereitstellung notwendiger Waren und Dienstleistungen sichergestellt hat.

Der logistic-natives e.V. ist das mittelstandsgeprägte internationale Logistik-Infrastruktur Netzwerk des modernen Handels. Der Verband vertritt aktiv die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen von über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützt der logistic-natives e.V. überwiegend bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustelloptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle Management, Kreis-lauflogistik und Retourenmanagement.

Das Netzwerk ist mit seiner pragmatischen Expertise Ansprechpartner für Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und andere Institutionen, um nationale und internationale Lösungen für den modernen Handel zu schaffen. Dabei sie sich der logistic-natives e.V. als Querschnittsverband zu verschiedenen Branchen rund um den Handel. (WT)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Online Handel: 8 Punkte, die Sie 2021 bedenken sollten

Ohne faire, einfache Besteuerung, sowie der Verwirklichung der EU-Zollunion wird der Binnenmarkt nicht funktionieren.

Beitrag: Walter Trezek.

Nicht nur die Pandemie führt zu einer Digitalisierung des Handels. 2021 ändern sich wesentliche Rahmenbedingungen im grenzüberschreitenden online Handel. Eine digitale Voranmeldung jeder einzelnen Warensendungen wird Pflicht. Das One-Stop-Shop System ermöglicht die Nutzung einer Fiskalvertretung in der EU für die ganze EU.

1. 01. Jänner 2021: Warensendungen müssen im grenzüberschreitenden POST-Versand digital vorangemeldet werden.
Die Postgesellschaften verlangen ab dem 01. Jänner 2020 weltweit, für Sendungen die Waren (mit oder ohne Wert) beinhalten die digitale Vorabmeldung jeder einzelnen Sendung. Anzugeben ist der Name und die Adresse des Versenders, des Empfängers, dessen Telefonnummer oder Emailadresse (wo verfügbar), die Anzahl der Waren in der Sendung, das Gesamtgewicht, Art der Transaktion (Handelsware, Geschenk, etc.), Postgebühren, sowie für jede Ware in der Sendung eine Beschreibung, deren Anzahl, das Einzelgewicht, Wert, Ursprungsland und die harmonisierte Zollkennziffer (zumindest 6-stellig).

2. Digitales Waren- und Bestandsmanagement in Echtzeit.
Voraussetzung für den online Handel ist eine digitale Bestandsführung in Echtzeit, die es erst ermöglicht Handelsware auf verschiedenen Plattformen, Marktplatzen und Webauftritten anbieten und damit auch verkaufen zu können. Dazu werden die Vorgaben der EU – insbesondere die digitalen Vorgaben aus dem EU-Zolldatenmodel, aber auch zunehmend auch das EU-Transportdatenmodel – herangezogen.

3. 15. März 2021: Ausfuhr- und Einfuhr-Sammelerklärungen im Flugfrachtverkehr.
Das neue “Import-Control-System 2” wird mit dem 15 März 2021 umgesetzt. Damit sind für aus der EU abgehende und in die EU kommende Warensendungen im Flugfrachtverkehr entsprechende digitale Vorausmeldungen zu den Warensendungen durch die Kurier-, Express- und Paketdienstleister abzugeben.

4. 01. April 2021: Import-One-Stop-Shop MwSt. Identifikationsnummernvergabe beginnt.
Für all jene online Händler, die Warensendungen aus Drittstaaten in die EU einführen, besteht ab dem 01. April 2021 die Möglichkeit eine Import-One-Stop-Shop ID Nummer in einem Staat der EU anzumelden. Mit dieser IOSS No sind in der Folge Warensendungen mit geringem Wert von der Einfuhrumsatzsteuer in die gesamt EU befreit, die fällige MwSt jenes EU-Mitgliedsstaates (inkl. Norwegen) in dem die Waren verbraucht werden, müssen von dem IOSS Repräsentanten am 16 des Folgemonats an die Finanzbehörde des EU Staates in dem die IOSS angemeldet wurde für alle EU Waren überwiesen werden.

5. 01. Juli 2021: EU MwSt. Paket wird umgesetzt.
Mit dem 01. Juli 2021 gelten neue Regelungen in der EU aber auch für den Import von Warensendungen in die EU. Die Einfuhrumsatzsteuerfreigrenze (s.g. “de-minimis Regel”) von EUR 22 wird gestrichen. Alle Warensendungen werden steuerpflichtig. Für die Mehrwertsteuer ist das System des Bestimmungslandes zu verwenden. Alle Warensendungen von einen EU-Drittstaatenverkäufer oder dessen Mittler, müssen vor deren Freigabe zum freien Verkehr digital vorab bei den Zollbehörden angemeldet werden. Für Sendungen mit geringem Wert (< 150 EUR Warenwert) kann dazu eine reduzierter Datensatz verwendet werden.

Sollte bei der digitalen Vorabmeldung eine IOSS MwSt. ID angegeben worden sein, dann ist die Warensendung mit geringem Wert (nur für diese kann eine IOSS MwSt. Nr. verwendet werden) von der Einfuhrumsatzsteuer befreit, die MwSt. des Bestimmungslandes wird über die Fiskalrepräsentanz im EU-Mitgliedsstaat der Identifikation (dort wo die IOSS MwSt. ID Nr. angemeldet worden ist) abgeführt.

Wir diese Einfuhrregelung nicht in Anspruch genommen, steht eine zweite Vereinfachung für die Einfuhr zur Verfügung. Die Einfuhrumsatzsteuer wird dann durch den Zollanmelder (z.B.: Post, Kurier-, Express-, Paketunternehmen oder Zollagent) vom Endkunden erhoben und monatlich an die Zollbehörde entrichtet.

6. Retourenabwicklung: One-Stop-Shop ermöglicht verbesserte Retourenabwicklung.
Die im Onlinehandel häufigen Retouren können besser digital verwaltet und abgerechnet werden, da des OSS System den Händlern entsprechende Meldungen auch zeitlich versetzt ermöglicht. Damit fallen, heute noch langwierige Prozesse weg, die Transparenz wird erhöht, und Kosten gespart. Zudem sind bereits bei der digitalen Vorabmeldung alle Parameter vorgesehen, die eine eventuelle Teil-Retoure abwickeln lassen.

7. Trennung von Zustellung und Zahlungsflüssen.
Bereits in der Aufbereitung, der für die digitalen Vorabmeldungen (Zollanmeldung, ICS2 Sammelerklärungen, MwSt.-meldungen) kommt es zu einer Trennung zwischen der Zustellung der Warensendungen und der Abgaben. Damit ist es auch folgerichtig gewesen die Disposition wer die einzelnen Prozesse für den Onlinehandel zu trennen und demnach auch, je nach gewähltem Geschäftsmodel unterschiedlichen Akteuren zu überlassen.

8. Weitere Digitalisierung bereits im EU-Aktionsplan bis 2025 vorgesehen.
IOSS ist heute noch optional, sollte aber bis 2025 für Warensendungen von einen EU-Drittstaatenverkäufer oder dessen Mittler verpflichtend werden. (WT)

QuelleLOGISTIK express Ausgabe 6/2020

EU MwSt. Paket

Am 30. September veröffentlichte die Kommission Erläuterungen zu den neuen E-Commerce-Vorschriften für die Mehrwertsteuer.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Erläuterungen enthalten ausführliche Erklärungen und Richtigstellungen zu diesen neuen Regeln, einschließlich praktischer Beispiele zur wie die gesetzlichen Vorgaben anzuwenden sind, wenn Sie etwa ein Lieferant sind, oder eine elektronische Schnittstelle (z.B. Marktplatz, Plattform) betreiben, die an E-Commerce-Transaktionen beteiligt ist.

Diese Erläuterungen sollen Online-Unternehmen und insbesondere KMU helfen, ihre Mehrwertsteuerpflichten zu verstehen, die sich aus grenzüberschreitenden Lieferungen an Verbraucher in der EU ergeben. Die von der Generaldirektion Steuern und Zollunion der Europäischen Kommission entwickelten Erläuterungen zur Mehrwertsteuer werden in Kürze in alle offiziellen EU-Sprachen sowie in Chinesisch und Japanisch übersetzt. Die Erläuterungen werden von der Aktualisierung des Leitfadens für den One-Stop-Shop und von Leitlinien im Zollbereich begleitet. Mehr als 400 Kommentare wurden von EU Interessenträgern eingereicht und werden derzeit geprüft. Das Zollleitliniendokument wird derzeit abschließend überarbeitet.

Aufgrund der praktischen Schwierigkeiten, die durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie entstehen, wird die Anwendung der neuen E-Commerce-Vorschriften für die Mehrwertsteuer (s.g. EU-MwSt. Paket) um sechs Monate verschoben. Daher gelten die Vorschriften ab dem 1. Juli 2021 anstelle des 1. Januar 2021, so dass die Mitgliedstaaten und Unternehmen zusätzliche Zeit für die Vorbereitung haben und es zu einer einheitlichen, flächendeckenden Einführung in der gesamten EU kommen kann.

Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Mehrwertsteuerpflichten für Unternehmen, die grenzüberschreitende Verkäufe von Waren oder Dienstleistungen (hauptsächlich online) an Endverbraucher tätigen, zu vereinfachen und sicherzustellen, dass die Mehrwertsteuer auf solche Lieferungen korrekt an den Mitgliedstaat gezahlt wird, in dem die Lieferung erfolgt, dem Grundsatz der Besteuerung im Bestimmungsmitgliedstaat folgend. Die Kommission schlug in zwei Schritten EU-Rechtsvorschriften in diesem Bereich vor.

Die ersten Maßnahmen traten 2015 in Kraft und betrafen Telekommunikation, Rundfunk und elektronische Dienste für Verbraucher. Das zweite Maßnahmenpaket wurde vom Rat im Dezember 2017 verabschiedet und hat die Vereinfachungen auf den Fernabsatz von Waren, sowie auf alle Arten von grenzüberschreitenden Dienstleistungen für Endkunden in der EU ausgeweitet. Die letztgenannten Maßnahmen, auch als „EU Mehrwertsteuer Paket“ bezeichnet, gelten ab dem 1. Juli 2021. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

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