Die Stadt der Zukunft ist smart und nachhaltig lebenswert

Wachsende Städte und die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns erfordern für moderne Städte neue Konzepte. Smart City ist ein solches – und es sollte auch bei kleinen Städten eingesetzt werden. Österreichische Unternehmen spielen in der Planung und Umsetzung von Smart Cities eine wichtige Rolle. Wir haben die Ideen der A1 Telekom Austria Group unter die Lupe genommen.

Text: Peter Nestler.

Im Grunde sollen die Entwicklungskonzepte für Smart Cities dabei helfen Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, umweltverträglicher und sozial inklusiver zu gestalten – sie stellen die Antwort auf die Herausforderungen einer modernen Stadt dar. Diese Konzepte beinhalten sowohl technische Innovationen aus den unterschiedlichsten Gebieten wie auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Neuerungen. Die technischen Innovationen für Smart Cities stehen großteils im Zusammenhang mit den Internet of Things – damit werden Technologien einer umfassenden Infrastruktur in Informationsgesellschaften zusammengefasst, die es ermöglichen, physische und virtuelle Objekte miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken miteinander kooperieren zu lassen.

A1 positioniert sich bereits seit Jahren im IoT-Bereich. Dabei werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt und zahlreiche innovative Lösungen in diversen Branchen positioniert. Allen ist gemeinsam, dass sie zu mehr Effizienz, Kostenersparnissen und zu mehr Sicherheit beitragen sollen. Eine der Branchen, die A1 als wichtiges Fokusthema sieht ist die Stadt der Zukunft – eine Smart City. Und damit schließt sich wieder der Kreis.

A1 liefert Tools für Smart Cities
Die Experten bei A1 verstehen eine Smart City als Stadt, in der sich die EinwohnerInnen wohl und sicher fühlen, sich Zeit bei Anreisen innerhalb der Stadt sparen und ohne viel Nachdenken nachhaltige Entscheidungen treffen.

Es ist eine Stadt, in der Entscheidungen basierend auf Fakten und Analysen getroffen werden und zum Wohlbefinden aller BürgerInnen beitragen. Die Smart City ist aber für A1 auch eine hochtechnologische Stadt mit optimal gesteuerten Abläufen in vielen Lebensbereichen – von der Müllsammlung über die Luftgütemessung, den Winterräumdienst bis hin zum Asset Management in der modernen Mobilität.

Der Mobilfunkkonzern kann schon jetzt Lösungen für Fragen einer Smart City liefern, von der Basis bis hin zu konkreten Tools. Für die Stadtverwaltung interessant ist A1 City Insights. Dieses Analysewerkzeug soll die umfangreiche Analyse einer Stadt ermöglichen, indem es dabei hilft bestimmte Fragestellungen zu beantworten.

Die Daten werden nach der Erhebung anonymisiert, sie sind also nicht auf einzelne BewohnerInnen einer Stadt zurückzuführen. Als Mehrwert des Tools ergeben sich Antworten auf planerische Aufgaben in einer Stadt: Aufgrund der Analysen können faktenbasierte Entscheidungen getroffen werden – wo soll gebaut werden, welche Transportmittel sollen weiter ausgebaut werden, wo fehlen Transportmittel, wo sollte das Kultur- und Freizeitangebot ausgeweitet werden? Informationen zum zugrundeliegenden Produkt sind im Internet zu finden: www.a1.net/a1-mobilityinsights

A1 City Insights hat zwei Produktgeschwister: A1 Event Insights und A1 Tourism Insights, ebenfalls beides Analysewerkzeuge in spezifischen Themenbereichen. Das erste ermöglicht die Analyse von Events: Woher kamen die Besucher, wohin sind sie danach abgereist, wie lange waren sie bei dem Event vor Ort? Das zweite Tool schafft spezielle Analysen für den Bedarf des Tourismus: Woher kommen die Touristen, wie lange bleiben sie vor Ort, welche Aktivitäten und Attraktionen nehmen sie in Anspruch, von welchen Regionen oder Ländern kommen sie, welches Verkehrsnetz nutzen sie? Gerade nach der aktuellen Pandemie können solche Analysen wertvolle Inputs für die Wiederbelebung und optimale Vermarktung von Tourismus im In- und Ausland liefern.

Ein weiterer Bereich für intelligente Werkzeuge in Smart Cities sind Sensoren und deren entsprechende Konnektivität. Die Sensoren erfassen Daten zu diversen Parametern wie z. B. Luftgüte, Temperatur, Füllstand und senden diese an eine eigene Plattform. Wird der eingestellte Höchst- oder Niedrigstwert über- oder unterschritten, kann ein Alarm und eine Benachrichtigung ausgelöst werden.

Bereits verfügbare Beispiele dazu sind:

  • Müllcontainerfüllstand: Müllcontainer werden mit einer speziellen Sensorik zur Füllstandmessung ausgestattet. Die Müllabfuhr wird über den Füllstand informiert und fährt ausschließlich dorthin, wo die Müllcontainer tatsächlich geleert gehören. So werden einerseits Kosten gespart, weil die Müllabfuhr effizienter wird. Andererseits wird die Umwelt geschont, weil die Müllabfuhr gezielt dort unterwegs ist, wo es tatsächlich notwendig wird – der CO2-Abdruck wird reduziert.
  • Hydranten Sicherheitslösung: Dieses Tool hilft dabei, den nicht autorisierten Zugriff auf die Hydranten in einer Stadt zu identifizieren und bei missbräuchlicher Verwendung umgehend zu melden bzw. einzugreifen.’
  • A1 Asset Insight: Eine Lösung für das Tracking von Fahrzeugen jeder Art, etwa E-Scootern und Fahrrädern. So kann ein Unternehmen all seine mobilen Assets immer im Blick behalten.
  • Luftgütemessung: A1 bietet eine Sensorik an, die die Feinstaubbelastung und die Luftqualität in einem bestimmten Gebiet misst und gemeinsam in einem Dashboard abbildet. Aufgrund dessen können Stadt- und Verkehrsplaner Entscheidungen für die Weiterentwicklung der Stadt treffen (z. B. zusätzliche Grünzonen, Umleitungen oder eine Aufteilung des Verkehrs).
  • A1 Charge App: Damit das Finden, Laden und Bezahlen von Elektrofahrzeugen unterschiedlicher Art noch einfacher wird, bietet A1 eine App an, in der alle Tankstellen von (derzeit) ÖAMTC sowie A1 für Elektroautos abgebildet sind. Verfügbar ist die App für alle Endgeräte. Sie beinhaltet eine Anzeige, ob die ausgewählte Tankstelle zum Zeitpunkt frei ist. Mit einer „Pro Option“ der App wird es den Anwendern auch ermöglicht, Tankstellen von diversen anderen Anbietern einzusehen. (PN)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

BLOGTOUR im Post-Logistikzentrum in Kalsdorf bei Graz

Die Anforderungen an die Paketlogistik sind seit Ausbruch der Pandemie deutlich gewachsen. Der Onlinehandel hat für einen ordentlichen Boom beim Versand von Paketen gesorgt. Auf unserer BLOGTOUR haben wir uns die Antwort der Österreichischen POST AG auf diese Herausforderungen angesehen und waren zu Gast beim neuen Post-Logistikzentrum in Kalsdorf bei Graz.

Beitrag: Peter Nestler.

Der Logistik Express wird künftig bei den Logistikern in Österreich einen Blick hinter den Vorhang wagen. Dazu wurde das Label BLOGTOUR geschaffen, das Informationen aus der Branche aus erster Hand fachlich aufarbeiten und für unsere Leser und Zuseher darstellen wird. Zuseher? Ja! Denn die BLOGTOUR erstellt von unseren fachlichen Logistikreisen auch professionelle Videoblogs. Diese gibt es auf der Website des Logistik Express zu sehen.

BLOGTOUR – bei der Post in Kalsdorf.
Unsere erste BLOGTOUR hat uns zur Österreichischen Post nach Kalsdorf bei Graz geführt. Dort wurde das Logistikzentrum Steiermark in 8041 Kalsdorf bei Graz im Jahr 2020 in Betrieb genommen. Es ist mit einer Fläche 25.000 Quadratmetern das derzeit größte seiner Art beim Branchenprimus Post AG und befindet sich unweit des Flughafens Graz in der Industriezeile 3, Objekt 20. Die Grundstücksfläche beträgt 91.500 Quadratmeter, die Produktionshalle allein nimmt davon 16.000 und die Zustellbasis 7.500 Quadratmeter verbaute Fläche ein. Rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verteilung sowie 190 in der Zustellung verarbeiten täglich rund 130.000 Sendungen. Diese werden im Sortierzentrum mit einer Geschwindigkeit von zurzeit 2,7 Metern pro Sekunde auf insgesamt 260 Sortierziele im Endausbau verteilt.

Logistik ist sauber und nachhaltig.
Angekommen am Standort offenbart sich uns ein sehr geordnetes Bild: Das neue Logistikzentrum der POST AG ist modern, übersichtlich und klar gegliedert. Auffällig ist insbesondere der groß dimensionierte Platz zum Laden von Elektrofahrzeugen, eine Busstation und die groß dimensionierte Photovoltaikanlage am Dach des Hauptgebäudes – alles Zeichen der Nachhaltigkeitsstrategie der Post in Österreich.

Auf unserer BLOGTOUR haben zwei Experten der Post durch die Anlagen geführt: Franz Leitner, Geschäftsfeldleiter Logistikzentren & Transport Matthias Hofmann, Geschäftsfeldleiter Strategische Netzwerkplanung & Steuerung. Sie haben mit uns gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen geworfen und erklären den täglichen Arbeitslauf im Logistikzentrum Kalsdorf. „Es beginnt am Nachmittag, dann füllen sich die Hallen“, weiß Leitner.

Die Arbeit am Standort Kalsdorf beginnt bei der Annahme aller Sendungen. Diese stammen von Postfilialen, individuelle Abholungen bei Kunden oder von Post Partnern. Diese erste Welle heißt Vorlauf und geschieht wochentags bis etwa 18 Uhr. Nach dem Entladen erfolgt bis ca. 22 Uhr die Grobverteilung und der Hauptlauf mit der Verbringung in die österreichweiten Logistikzentren der Post (6 Briefzentren und 9 Paketzentren) bis etwa 2 Uhr früh. Dort geschieht die Feinverteilung bis ungefähr 4 Uhr, danach der Transport im Nachlauf bis etwa 5 Uhr früh. Erst dann erfolgt die Zustellung, die in den meisten Fällen bis 18 Uhr abgeschlossen ist.

„Das alles schaffen wir in einer sehr guten Qualität mit einer Zustellung von 97 Prozent der von uns beförderten Pakete mit Zustellung am nächsten Tag, bei den Spezialprodukten mittels Post Express entsprechend schneller – nämlich bis 13 Uhr am Folgetag“, verrät Leitner. Die Hallengröße der Sortieranlage in Kalsdorf umfasst 23.850 Quadratmeter und beherbergt zwei Quergutsorter Crossorter mit einer Lauflänge von je 1 Kilometer. Aktuell liegt die Systemleistung des Sorters der Firma Vanderlande von 15.000 TE pro Stunde. Der Ausbau auf eine Leistung von 25.000 TE/h ist aber bereits geplant, so Leitner.

Die Fördertechnik hat eine Länge von zwei Kilometer und erlaubt zunächst 12 Eingabelinien für LKW. Der Ausbau sieht noch weitere drei Eingabelinien auf insgesamt 15 vor. Sechs dieser Linien stehen für Kleinfahrzeuge zur Verfügung, zunächst fünf (später acht) Eingabelinien sind für Rollbehälter konzipiert, weiters stehen 24 (später 32) Zielrutschen für LKW als Matrixrutschen zur Verfügung, zusätzlich 57 Zielrutschen für Rollbehälter im Hauptgebäude und noch 27 Zielrutschen im Nebengebäude. Die Zusteller haben 110 (später 144) Pufferendstellen zur Verfügung und es gibt auch einen eigenen Sperrgutkreisel mit drei Eingabelinien.

„Stolz sind wir hier in Graz auch auf unseren Rapid Unloader, den wir mit der TU Graz gemeinsam entwickelt haben“ sagt Leitner. Dieser erhöhe die Effizienz im Logistikzentrum und reduziere die Belastung für Mitarbeiter durch das schwere Heben bei der Entladung der Paketen enorm.

Gelber Riese, ganz grün.
Die Post treibt neben dem Ausbau in der Logistik auch ihre Nachhaltigkeitsstrategie voran. Dazu haben wir uns auf der BLOGTOUR einiges ansehen können. An erster Stelle steht wohl das Herzstück der Strategie: die Photovoltaikanlage am Logistikzentrum in Kalsdorf. Dies sei bereits Standard auf allen Logistikzentren der Post, sagt Leitner. Weitere Eckpunkte dieser Grünen Logistik sind: Forschung für Pufferspeicher mit ausgeschiedenen Batterien der Post-Flotte, Ankauf von grünem Strom nur aus Österreich, aber auch die Errichtung von Fledermausnistplätzen, Krötentunneln, Bienenstöcken etc.

Für einen Logistiker wohl am wichtigsten ist aber der Fuhrpark. Hier geht die Österreichische Post Richtung E-Mobilität, verrät uns Matthias Hofmann. „Bereits heute haben wir etwa 2.000 E-Fahrzeuge auf der letzten Meile im Einsatz. Das reicht von Lastenfahrrädern, E-Mopeds über kleinere Pkw bis hin zu den Pakettransportern.“ Bis 2030 will die Post auf der letzten Meile CO2-frei unterwegs sein. Ab 2024 werden keine Verbrenner mehr neu in den Fuhrpark übernommen. Ende 2022 stehen bereits 3.000 E-Fahrzeuge im Dienst der Post AG. (PN)

Welche Fahrzeuge das sind, sehen Sie im Video zu unserer ersten BLOGTOUR: https://bit.ly/3tYOZ5B

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

IKEA Österreich fährt bald nur noch elektrisch

Der schwedische Möbelhersteller IKEA stellt seine Lkw-Flotte in Österreich schrittweise auf Elektromobilität um. Die EV-Truck-Flotte wurde nun im IKEA Logistikzentrum Strebersdorf vorgestellt – sie ist ein Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Schweden.

Beitrag: Peter Nestler.

Die soeben in Verkehr gebrachte neue Elektro-LKW-Flotte von IKEA besteht zunächst aus 30 Fahrzeugen. Durch den Umstieg auf die Elektrofahrzeuge können bereits im ersten Jahr rund 117.000 Lieferungen komplett emissionsfrei durchgeführt werden. Damit werde der CO2-Ausstoß um mehr als 300 Tonnen verringert, sagte Claes Lindgren, Country Customer Fulfillment Manager bei IKEA Österreich anlässlich der Vorstellung der Fahrzeuge in Wien/Strebersdorf.

Als internationales Unternehmen mit globaler Bedeutung sei sich IKEA seiner unmittelbaren Verantwortung gegenüber seiner Mitarbeitern, Kunden und dem Planeten bewusst. Daher sei das Logistikzentrum Strebersdorf mit modernster und nachhaltigster Technik ausgestattet und weise mit Europas größtem Eisspeicher sowie einer Photovoltaikanlage am Dach des Logistikgebäudes eine Reihe von Nachhaltigkeitsfeatures auf.

IKEA wolle die negativen Auswirkungen der eigenen Tätigkeit auf die Umwelt so gering wie möglich halten, daher der Umstieg auf die Elektrofahrzeug-Flotte. Mit dieser Neugestaltung einer klimafreundlicheren Lieferkette können nicht nur schädliche Emissionen eingespart, sondern auch die Ressourcen des Planeten geschont werden. Maimuna Mosser, Country Commercial Managerin bei IKEA Österreich dazu: „Klimaschutz lässt sich nicht aufschieben, daher arbeitet IKEA konsequent daran, Emissionen einzusparen und klimapositiv zu werden.“

Emissionsfreie Lieferung bei IKEA Österreich.
Bereits im Juni 2021 wurde das erste Quantron Elektrofahrzeug im Logistikzentrum Strebersdorf zur finalen Erprobung eingesetzt. Im Vorfeld wurden die bei Iveco gebauten Trucks in Zusammenarbeit mit der deutschen Quantron AG auf E-Mobilität umgerüstet. Quantron bietet IKEA kompakte EV-Trucks, die sich perfekt für den städtischen Straßenverkehr, aber auch hervorragend für längere Strecken eignen. Mit einer Reichweite von mindestens 170 km, einer Antriebsleistung von 100 kW und einer maximalen Ladeleistung von 70 kW sind die Elektrofahrzeuge ideal für Strecken zwischen dem Logistikzentrum Strebersdorf, anderen IKEA Standorten und Lieferadressen von Kunden ausgerüstet.

Andreas Haller, Vorstandsvorsitzender der Quantron AG über die Zusammenarbeit mit dem Möbelriesen: „Wir freuen uns, dass wir IKEA bei dem wichtigen Schritt in Österreich hin zu einer emissionsfreien Lieferung mit unserem Wissen und unserer Expertise unterstützen können.“

Damit der Beladevorgang so effizient und durchdacht wie möglich abläuft, wurde in Zusammenarbeit mit der österreichischen Firma Klampfer Elektroanlagen GmbH ein spezielles Konzept entwickelt. Am Logistikstandort Strebersdorf werden die LKW beim Beladen nicht nur mit neuer Ware gefüllt, sondern zugleich auch mit Energie für die nächste Tour geladen werden. Die Ladesäulen sind dazu passend jeweils dicht an den Laderampen installiert worden. Dieser Vorgang braucht zwar mehr Ladesäulen, spart aber Zeit und schont mit effizienter Energienutzung auch die Umwelt.

In Strebersdorf wurden insgesamt 28 Ladesäulen mit Schnellladefunktion und einer Leistung von bis zu 75 kW installiert. Mit der vollen E-Ladung kann ein EV-Truck pro Tag rund drei übliche Liefertouren fahren. „Der Strom kommt aus 100 Prozent erneuerbarer Energie sowie aus der Einspeisung der hier am Standort vorhandenen Photovoltaikanlagen,“ erklärt Lindgren.

Elektrokraft in Raum Wien.
IKEA Österreich hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende 2021 in alle 23 Wiener Gemeindebezirken sämtliche seiner Lieferungen emissionsfrei durchzuführen. So wird im ersten Schritt auf die emissionsfreie Zustellmethode durch Elektrofahrzeuge bei Lieferungen vom Logistikzentrum in Wien Strebersdorf in alle 23 Wiener Gemeindebezirke und darüber hinaus im Umkreis von 30 Kilometern vom Logistikzentrum umgestellt. Das führt dazu, dass die emissionsfreie Zustellung auch von den Einrichtungshäusern Wien Nord und Vösendorf erfolgt. Im ersten Jahr handelt es sich somit insgesamt um rund 117.000 Lieferungen von Strebersdorf, die emissionsfrei durchgeführt werden. Das entspräche dann mehr als 65 Prozent aller IKEA-Zustellungen im Raum Wien. Umgerechnet summiert sich damit ein Volumen von 1,5 Millionen Straßenkilometern, das ergibt ein Äquivalent von mehr als 300 Tonnen Reduzierung an CO2-Ausstoß. Mit dieser enormen Einsparung an schädlichen Emissionen kommt IKEA seinem globalen Ziel, bis 2025 alle seine Lieferungen emissionsfrei durchzuführen, immer näher.

Projekte in der genannten Größenordnung, wie es die Umstellung auf eine emissionsfreie Lieferung im vorliegenden Fall ist, sind nur mit verlässlichen Partnern möglich: „Mit der Quantron AG und der G. Klampfer Elektroanlagen GmbH hat IKEA auf langjährige Partner gesetzt, auf die wir bereits jetzt zu 100 Prozent vertrauen können“, erläutert Claes Lindgren. Bereits in der Vergangenheit habe IKEA erfolgreich mit der G. Klampfer Elektroanlagen GmbH bei der Erstellung eines 3D-Gebäudemodells des kürzlich neu eröffneten innerstädtischen Verkaufsstandortes IKEA Wien Westbahnhof durch den gelben Robotorh und „Spot“ zusammengearbeitet. „Die Klampfer Elektroanlagen GmbH steht für eine zuverlässige Ladeinfrastruktur, hohe Ausfallssicherheit und große Witterungsbeständigkeit“, sagt Günther Hinterberger, CEO der G. Klampfer Elektroanlagen GmbH.

Deine Lieferung: 100 % elektrisch.
IKEA hat speziell für die E-Mission das Branding „Deine Lieferung: 100 % elektrisch“ geschaffen, welches auf den Elektrofahrzeugen steht. Damit möchte IKEA auf seine Mission, bis 2030 klimapositiv zu werden, aufmerksam machen. Dies soll auch andere Unternehmen inspirieren, es dem schwedischen Konzern bei den Unternehmenszielen zum Umweltschutz gleichzutun und auf eine umweltfreund-
lichere Zustellungsmethode umzusteigen. „Kunden sollen das Branding auf den Fahrzeugen wiedererkennen und gleichzeitig ein Bewusstsein für das wichtige Thema der emissionsfreien und CO2-neutralen Zustellung bekommen“, erklärt Claes Lindgren.

Über IKEA Österreich:
Seit über 40 Jahren ist das schwedische Möbelunternehmen IKEA mittlerweile auch in Österreich vertreten: In derzeit insgesamt sieben Einrichtungshäusern, einem Planungsstudio, zwei Logistikzentren, acht Abholstationen und diversen Services, wie zum Beispiel Click & Collect, sind zusammen rund 3.600 IKEA Mitarbeiter tätig.

IKEA formuliert seine Vision so: „Wir wollen einen besseren Alltag für die vielen Menschen schaffen, indem wir formschöne, funktionsgerechte, erschwingliche und qualitativ hochwertige Einrichtungsgegenstände anbieten, die mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt produziert wurden. Mit jedem unserer Produkte versuchen wir das Zuhause zu einem noch besseren Platz zu machen.“ Nachhaltigkeit gehört vermehrt zur Firmenphilosophie von IKEA. Dazu gehören auch gesunde und nachhaltige Lebensmittel, die IKEA seinen Kunden und Mitarbeitern in den IKEA-
Restaurants, IKEA-Bistros und dem hauseigenen „Schwedenshop“ anbietet. Von nachhaltig beschafften Zutaten bis hin zu fleischlosen Optionen und lokal angebauten Produkten, die besser für den Planeten sind. (PN)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

Tag des Handels 2021: EU-Kreislaufwirtschaftspaket

Vorgeschmack Podiumsdiskussion „Circular Packaging im Handel“ mit Spitzenbesetzung im Podium.

Beitrag: Julia Gerber.

Bis 2025 muss von vielen Ländern noch einiges getan werden, um die Ziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakets zu erreichen. Ein Kernelement der neuen Richtlinie sind Recyclingquoten für Verpackungsabfälle. Bis 2025 müssen alle EU-Mitgliedstaaten mindestens 65 Prozent ihrer Verpackungsabfälle recyceln.Österreich erfüllt bereits heute sämtliche EU-Vorgaben bis 2025. Lediglich beim Recycling von Kunststoff haben wir noch Luft nach oben. Um auch dieses Ziel zu erreichen, ist der einzige Weg, auf innovative Verpackungen, Verpackungsreduktion und – wo möglich – 100 Prozent Recyclingfähigkeit bei Kunststoffverpackungen zu setzen. Fest steht, das Recycling von Kunststoffverpackungen in Österreich muss in den nächsten vier Jahren verdoppelt werden, um die EU-Ziele 2025 zu erfüllen.

Über die Circular Economy und ihren Mehrwert für Handelsunternehmen.
Die Circular Economy beschäftigt sich mit neuen Anforderungen an Produktion, Produktgestaltung und Verpackungen. Optimales Verpackungsdesign bezieht auch die Recyclingfähigkeit der Verpackungen mit ein und da kommen wir zum Circular Packaging Design, welches die Grundlage für die Erreichung der vorgegebenen Recyclingquoten bildet. Ziel ist es, Design for Recycling mit Design from Recycling zu verbinden.
Circular Design bietet Händler:innen folgende Vorteile:

• Ressourcen können eingespart werden.
• Prozess- und Kosten werden optimiert.
• Ökologischer Fußabdruck verbessert sich.
• Positionierung als nachhaltiges Unternehmen.
• Stärkung der Akzeptanz von Verpackungen bei Konsument:innen.

Ressourceneffiziente Verpackungen nutzen hochwertige Sekundärrohstoffe aus dem Recycling in größtmöglichem Ausmaß. Nur so kann der Verpackungskreislauf geschlossen werden. Ganz im Sinn des EU-Kreislaufwirtschaftspakets, das gezielt auf verstärktes Recycling und die ressourcenschonende Gestaltung von Verpackungen setzt.

Auf der Website der ECR Austria gibt es einen kostenlosen Leitfaden zum Packaging Design for Recycling zum Download! Hier erfährst du alles über die Gestaltung einer Produktverpackung, um eine optimale Zirkularität zu erreichen. Auch der FH Campus Wien hat eine Circular Packaging Design Guideline entwickelt, die kostenlos downgeloadet werden kann. Du möchtest mehr über „Circular Packaging im Handel“ erfahren? Am 23. September findet im Rahmen des „Tag des Handels“ eine großangelegte Podiumsdiskussion zum Thema statt.

Dabei werden sich Leonore Gewessler, Bundeministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Horst Leitner (Hofer), Alessandro Wolf (Lidl) und Harald Mauke (ARA) mit der Kreislaufwirtschaft und dem Verpackungsmanagement auseinandersetzen. Es wird über die Rolle des Handels im Verpackungsdschungel gesprochen sowie gemeinsam mit den Teilnehmer:innen Zukunftsperspektiven der Verpackungswirtschaft diskutiert werden. Diesen spannenden Programmpunkt solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Tickets für den Tag des Handels – eines der spannendsten Events des Jahres – kannst du dir noch online bis zum 16. September 2021 sichern. (JG)

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

Unsere Zukunft wird echt abgefahren

Als sechstgrößter Wirtschaftszweig Österreichs beschäftigt die Automotive-Branche rund 71.000 Personen. Die Halbleiterkrise und der forcierte Umstieg auf Elektromobilität führen zu heftigen Umbrüchen und verstärken die Abhängigkeit Europas. Doch das weitaus größere Problem: die vermeintliche Umweltfreundlichkeit ist reine Augenauswischerei.

Redaktion: Angelika Gabor.

Geht es um die Klimakrise, ist zu 99% von CO2 Reduktion die Rede – oder moderner: Reduktion des COXNUMX-Fußabdrucks. Dieser
umfasst den gesamten Kohlenstoff, der während des Herstellungsprozesses und Verbrauchs eines Produktes emittiert wird. Immerhin stammte im Jahr 2018 – leider ist kein aktuelleres Zahlenmaterial verfügbar – rund ein Viertel sämtlichen weltweit emittierten CO2s aus dem Transportsektor, stolze 6,09 Milliarden Tonnen davon entsprangen dem Straßenverkehr (privat und gewerblich).

Könnte man diese Menge komplett einsparen, wären wir dem Stoppen der Erderwärmung einen gewaltigen Schritt nähergekommen. Darum wird oft im selben Atemzug der Umstieg auf Elektromobilität (auch im Güterverkehr) als der Weisheit letzter Schluss gepriesen. Es stimmt: ausgehend von einem Strommix auf Basis der EU-Klimapläne berechnete das International Council on Clean Transportation (ICCT), dass ein mittelgroßes Elektrofahrzeug im Betrieb rund zwei Drittel weniger schädliche Treibhausgase freisetzt als ein Verbrennungsmotor.

Eine Bilanz des deutschen Automobilclubs ADAC ergab, dass ab Fahrleistungen von 50.000 bis 100.000 Kilometern der CO2-Nachteil von Batterieautos ausgeglichen sein soll. Die Analyse der Umwelt-Dachorganisation Transport & Environment (T&E) im Jahr 2020 ergab sogar, dass ein Elektroauto in Europa über seinen Lebenszyklus hinweg rund zwei Drittel weniger CO2 verursacht als ein vergleichbares Diesel- oder Benzinfahrzeug. Ähnliche Ergebnisse erzielte auch das Fraunhofer-Institut für Innovations- und Systemforschung im Jahr 2019, wobei hier Autos mit Akkus über 80 kWh und geringer Fahrleistung deutlich schlechter abschnitten. Allerdings greift jede Bilanz zu kurz, wenn nur die lokalen Emissionen beim Antrieb inkludiert werden, nicht allerdings jene Schadstoffe, die in der Produktion sowie beim Abwracken bzw. Recycling entstehen. Hinzu kommt, dass die tatsächliche Lebensdauer eines E-Auto-Akkus und die Anzahl der möglichen Ladezyklen sehr individuell sind. Welchen Wert nimmt man also zur Berechnung?

Problem #1: Batterien.
Der andere Grund, warum Elektromobilität aus meiner Sicht nicht der heilige Gral der CO2-Problematik ist: Lithium-Ionen-Batterien bestehen aus Rohstoffen wie Lithium (nomen est omen), Nickel, Kobalt, Aluminium, Kupfer, Zinn, Graphit und Mangan. In heute verwendeten E-Autobatterien kommen vornehmlich Nickel-Kobalt-Aluminium (NCA) und Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) Modelle zum Einsatz. Als Beispiel: die Kathode der in Mittelklassewaren üblichen NMC111-Batterie mit 30 kWh Leistung besteht aus 11 Kilogramm Mangan, 4,5 Kilogramm Lithium und jeweils 12 Kilogramm Kobalt und 12 Kilogramm Nickel.

Mit Ende 2020 gab es weltweit 7,2 Millionen Elektroautos, die natürlich alle zumindest eine Batterie besitzen. Sehen wir uns das namensgebende Lithium genauer an, so befinden sich die größten (bekannten) natürlichen Vorkommen in Chile (8 Mio. Tonnen) gefolgt von Australien, Argentinien und China. In Europa finden sich lediglich in Portugal kleine Abbaugebiete.

In Australien, Nordamerika, China und Europa findet sich das Lithium in sogenannten Pegmatiten, also Lavagestein. Für die Gewinnung eines Kilos Lithium müssen etwa 100 Kilo Gestein abgebaut und verarbeitet werden. So soll beispielsweise in Portugal ein oberirdischer Tagebau errichtet werden. Die Tagebaulöcher haben einen Durchmesser von bis zu 800 Metern und sind bis zu 300 Meter tief, macht sich toll in der Landschaft, hat bestimmt Potential als Touristenattraktion. Im Unterschied dazu wird das Material in Nord-Chile im Salar der Atacama gefördert. Hierbei wird das stark mineralhaltige Grundwasser der Salzseen in riesige künstliche Becken gepumpt, wo es verdunstet und das Lithium zurückbleibt.

Pro Jahr werden aktuell mehr als 63 Milliarden Liter Salzwasser hochgepumpt. Das Problem: Süßwasser, das von der Bevölkerung, Flora und Fauna dringend zum Überleben gebraucht wird, sickert dadurch nach und geht verloren. Laut Bergbau-Kommission der chilenischen Regierung wurde der Atacama in den Jahren 2000 bis 2015 viermal so viel Wasser entzogen, wie auf natürliche Weise in Form von Regen- oder Schmelzwasser in das Gebiet gelangte. Morgan Stanley prognostiziert einen Lithiumcarbonat-Weltbedarf von einer Million Tonnen bis zum Jahr 2025, aktuell werden jährlich 350.000 Tonnen produziert. Eine Verdreifachung innerhalb von 4 Jahren wäre der Todesstoß für die Landwirtschaft und die Bevölkerung in den Abbaugebieten. Doch nicht nur der Wasserverbrauch ist ein schwieriges Thema, auch Kinderarbeit ist eng mit den Batterien verknüpft. So kommt beispielsweise Kobalt in großer Menge aus der Demokratischen Republik Kongo.

Dass die Führungsriege dort nicht unbedingt das gleiche Demokratieverständnis hat wie hierzulande, dürfte inzwischen weithin bekannt sein. Auch sind die Sicherheitsstandards im Bergbau nicht überall gleich hoch, wenngleich es nicht jedes „kleine“ Unglück in die internationalen Schlagzeilen schafft. Doch keine Sorge, die Lösung naht: die Global Battery Alliance (GBA), die immerhin 70 internationale Mitglieder zählt, plant bis Ende 2022 die Entwicklung und Einführung eines Qualitätssiegels für faire Batterien – den „Battery Pass“. Dieser soll die Einhaltung festgelegter Umwelt-, Sozial-, Governance- und Lebenszyklusanforderungen beweisen. Bestechung natürlich ausgeschlossen.

Problem #2: Halbleiter.
Wer noch nicht von der Problematik der weltweit mangelnden Halbleiter/Chips gehört hat, lebt entweder unter einem Stein oder hat eine Wahrnehmungsstörung. Halbleiter sind Hauptbestandteil von Mikroprozessoren, die in Autos beispielsweise dem Steuern von Antrieb, Airbags oder Assistenzsystemen dienen. Gibt es keine Chips, steht also die Automobilproduktion und mit einer Entspannung ist Brancheninsidern zufolge erst in 2023 oder 2024 zu rechnen. Aber warum eigentlich?

Es gibt mehrere Gründe. Chips braucht man nicht nur für Autos, sondern auch für andere Elektrogeräte. Dank Corona-Pandemie kauften Menschen vermehrt Unterhaltungselektronik und machten so der Automobilbranche Konkurrenz, die teilweise zu voreilig Bestellungen stornierte. Hinzu kommt, dass die kleinen Teile (man glaubt es kaum) eine Art MHD besitzen und darum nicht auf Vorrat gehalten werden. Fehlt noch ein geopolitisch besonders brisanter Grund: einer der größten Chipproduzenten sitzt in Taiwan. Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) ist weltweit die Nummer drei hinter Samsung und Intel und gleichzeitig der größte Auftrags-Fertiger von Chips und Wafern (Grundplatten für elektronische Halbleiter, Anm.) weltweit. Das international noch immer nicht anerkannte Taiwan durfte auf Betreiben Chinas keine eigenen Lieferverträge für Covid-Impfstoffe abschließen und kämpft daher mit den Folgen der Pandemie. Um international Druck aufzubauen, kündigte das Unternehmen an, keine Aufträge mehr annehmen zu können…

Zwar wurde inzwischen eine Lösung auch ohne Zustimmung Festland-Chinas für die Lieferung von Impfstoffen nach Taiwan gefunden, die Produktionsausfälle wirken aber noch nach. Die Konsequenz des Chipmangels: das globale Beratungsunternehmen AlixPartner prognostiziert einen Rückgang der internationalen Automobilproduktion um vier Millionen Fahrzeuge fürs Jahr 2021. Aus Klimapolitischer Sicht eine gute Nachricht – aus wirtschaftlicher natürlich ein herber Verlust. Immerhin lag der Branchenumsatz bei den Halbleitern im Jahr 2019 bei rund 412
Milliarden US-Dollar.

Chips aus Europa?
Niemand ist gerne abhängig, und die Pandemie hat deutlich gemacht, dass Produzenten in Österreich, Deutschland – eigentlich ganz Europa – ohne Lieferungen aus Asien und den USA „aufgeschmissen“ sind. Das möchte die Europäische Union natürlich nicht auf sich sitzen lassen und treibt die digitale Unabhängigkeit im Zuge ihres „2030 Digital Compass“ voran. Das ambitionierte Ziel: bis 2030 ein Fünftel der weltweiten Halbleiter zu produzieren und zudem binnen der nächsten fünf Jahre einen eigenen Quantencomputer zu entwickeln. Quantentechnologie gilt u.a. als Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und schnellerer Genomsequenzierung. So kündigte am 15. September 2021 EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Aufbau eines eigenen europäischen Wirtschaftssystems für Mikrochips an, um den Mangel auszugleichen und die Unabhängigkeit zu stärken.

In Zukunft fahren wir also Elektroautos mit Chipbauteilen aus Europa und zertifizierter Batterie aus kinderarbeitsfreien Rohstoffen. Zumindest bis zum nächsten Supermarkt, denn so wie der Ausbau der nötigen Lade-infrastruktur voranschreitet, sollte man von einer Spritztour quer durch die EU eher absehen. Aber das ist wieder ein ganz anderes Kapitel…. (AG)

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

China Elektromobilität: Aufholjagd deutscher Hersteller im Land der Mitte beginnt

China gilt als Leitmarkt für Elektroautos. Das Land fördert auch wegen der Coronakrise die  Elektromobilität noch bis Ende 2022. Um ihre Marktanteile auszuweiten investieren auch Hersteller wie VW, Daimler und BMW verstärkt in China.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die chinesische Regierung will die schlechte Luft in den großen Städten des Landes bekämpfen und weltweit Technologieführer bei der Elektromobilität werden. Daher gilt China als Leitmarkt für Elektroautos. Das Land der Mitte ist mit etwa der Hälfte des globalen Absatzes weltweit der größte Markt für New Energy Vehicles (NEV). In den letzten zehn Jahren hat die Regierung den Aufbau des Marktes für Elektromobilität und der Ladeinfrastruktur in allen Marktsegmenten mit großem Aufwand vorangetrieben.

Auf politischer Ebene sind für die Phase des Marktaufbaus der 13. Fünfjahresplan, die Technologie-Roadmap des Ministry of Industry and Information Technology (MIIT) sowie der NEV-Entwicklungsplan bestimmend. Bis Ende 2020 sollte dadurch der Anteil der NEV-Neuzulassungen sieben Prozent der gesamten Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge betragen. Fünf Millionen NEV sollten bis Ende 2020 die Straßen des Landes befahren. Gleichzeitig waren 50000 öffentliche Ladepunkte geplant. Laut des International Council on Clean Transportation (ICCT) wurde mit 4,92 Millionen NEV auf Chinas Straßen Ende 2020 die Vorgabe fast erreicht.

Auswirkungen der Pandemie auf den NEV-Markt.
Wie vieles andere hat die Coronakrise zu Beginn auch den  Absatz von NEV im Land der Mitte einbrechen lassen. Aber schon ab März 2020 nahmen die Absatzzahlen gemäß Statista wieder zu, um im Dezember mit 199400 (162000 in 2019) einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Davon waren 167000 batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) und 32400 Plug-in-Hybride Elektrofahrzeuge (PHEV). Die chinesische Regierung fördert laut Germany Trade & Invest (Gtai) weiterhin die Elektromobilität und verlängert die Subventionszahlungen auch wegen der Coronakrise bis 2022. Zudem wurde die Kaufsteuer in Höhe von zehn Prozent des Nettoverkaufspreises für NEV bis Ende 2022 ausgesetzt. Dies gilt für alle in China hergestellten Automobile und Importe mit Elektroantrieb, Plug-in-Hybride und Automobile mit Brennstoffzellen (Fuel Cell Electric Vehicle, FCEV).

Laut eines Entwurfs des MIIT zufolge sollen NEV in 2025 ein Viertel aller Neuwagenverkäufe stellen. In 2030 sollen 38 Millionen NEV pro Jahr hergestellt werden, wobei der Anteil der Neuzulassungen dann 40 Prozent betragen wird. Bisher konzentrieren sich die Verkäufe allerdings auf wenige Großstädte mit Zulassungs­beschränkungen für Pkw mit Verbrennungsmotoren sowie zusätzlichen lokalen Anreizen für NEV. In 2018 lagen gemäß einer Studie des ICCT sechs der neun größten städtischen NEV-Märkte weltweit im Reich der Mitte: Shanghai, Beijing, Shenzhen, Hangzhou, Tianjin und Guangzhou. Bisher sind NEV deutlich teurer als Verbrenner und die Nachfrage ohne zusätzliche Anreize und Vergünstigungen ist nicht nachhaltig. Mitte 2020 startete die Regierung aufgrund der Pandemie eine neue NEV-Kampagne für die ländlichen Regionen Chinas. Dadurch wurden insbesondere kleinere und erschwinglichere NEV und die Verkäufe in ruralen Gebieten gefördert.

Erfolgreiche chinesische Produzenten und massenhaft Patente.
Unter den weltweit zehn erfolgreichsten E-Auto-Herstellern sind vier chinesische Autokonzerne – namentlich SGMV, BYD, SAIC, Great Wall –, die durch Massenproduktion eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht haben. Im Mai 2021 rollte mit einem Han EV bei BYD in Shenzhen das ein millionste Electric Vehicle (EV) des Herstellers vom Band. Das Unternehmen, an dem auch Warren Buffets Berkshire Hathaway beteiligt ist, liegt weltweit auf Platz 5 (fünf Prozent Marktanteil) und in China auf Platz 2 (zwölf Prozent Marktanteil) der größten Hersteller. Die Liste der global größten EV-Hersteller führt Elon Musks Tesla an. Darauf folgen SGMV (SAIC-GM-Wuling Automobile), VW, BMW und BYD. Weitere chinesische Hersteller liegen auf folgenden Plätzen: SAIC (Platz 8), Great Wall (Platz 11), NIO (Platz 15), GAC (Platz 18), Chery (Platz 20).

Tesla erreicht mit rund zwölf Prozent Marktanteil im wichtigen chinesischen Inlandsmarkt Platz 1. Danach folgen laut der amerikanischen China-Info-Plattform SupChina BYD, SAIC Motor, SAIC Volkswagen, SGMV, NIO, Xpeng, Li Auto, WM Motor, Geely, Byton, Enovate, Zhiji, Xiaomi, Dongfeng Motor, Chang’an Automobile, GAC, Chery Automobile, FAW Group, FAW-Volkswagen Automobile, Evergrande und BAIC. Mittlerweile tummeln sich im chinesischen EV-Markt auch Immobilien-Unternehmen wie Evergrande und chinesische Technologiekonzerne wie Tencent, Huawei, Baidu und Didi Chuxing. Gemäß SupChina wird der chinesische Markt in 2030 18 Millionen E-Autos und ein Marktvolumen von rund 380 Milliarden US-Dollar (durchschnittliche Kosten pro EV 20000 US-Dollar) umfassen.

Weiterhin wollen laut ADAC auch chinesische Hersteller auf dem europäischen Markt für E-Nutzfahrzeuge Fuß fassen. Elektrisch angetriebene Lkw, auch für den Fernverkehr, sind die nächste Revolution in der Nutzfahrzeugbranche. Ein Beispiel ist die junge Marke Maxus aus dem SAIC-Konzern, die seit Kurzem das Modell EV80 als Kastenwagen, Neunsitzer oder reines Fahrgestell anbietet. Der chinesische Hersteller Geely ist seit Ende 2017 größter Anteilseigner am Lkw-Hersteller Volvo Trucks AB. Mit dem kommenden Elektro-Lkw zielt Geely gemäß dem Magazin Auto Motor und Sport stark auf den Tesla Semi-Truck ab.

China reichte die meisten Technologie-Patente in 2019 bis 2020 im Bereich Schnelllade- und kabellose (Wifi) Ladetechnologie ein. Von über 5000 angemeldeten Patenten im gleichen Zeitraum im Bereich Wireless Electric Vehicle Charging (WEVC)-Technologie hält China 40 Prozent, gefolgt von Japan (20 Prozent), USA (14 Prozent) und Deutschland (14 Prozent). In 2020 befinden sich zudem 14 chinesische Großstädte unter den E-Auto-Hauptstädten der Welt.

Erfolg des NEV-Programms und Zukunft.
China setzte gemäß ICCT schon sehr früh auf die Entwicklung eines Marktes für E-Autos. Die Hauptgründe und Herausforderungen lagen in der bedrohten Versorgungssicherheit mit Öl, der stockenden Entwicklung der Autoindustrie, großer Luftverschmutzung und dem zunehmenden Klimawandel. Der Aufbau eines NEV-Marktes adressierte alle Probleme und führte zur Zusammenarbeit verschiedenster Ministerien, was wiederum entsprechend NEV-förderliche Richtlinien und Gesetze in verschiedensten Bereichen hervorbrachte. Der Erfolg beim Aufbau des NEV-Marktes gründet auf einer klaren Vision, konsistenter Planung, koordinierten Maßnahmen, Innovationen auf Städteebene, der Einführung von Richtlinien und Gesetzen sowie der Anpassung dieser an einen sich wandelnden Markt. Meilensteine waren hier der “Zehn Städte, 1000 Automobile”-Pilotplan in 2009, durch den Kaufanreize, Steuervergünstigungen für E-Autos, staatliche Beschaffungsmaßnahmen und Infrastruktursubventionen eingeführt wurden. Weiterhin sind hier beispielhaft der Auto Industry Ajustment and Revitalization Plan 2012–2020, der Energy Saving and NEV Development Plan, Made in China 2025 und der NEV Industrial Plan 2021-2035 zu nennen. Im 14. Fünfjahresplan (von 2021-2025) wird die chinesische NEV-Vision in Richtung eines vollständig elektrifizierten Straßentransportsektors im Rahmen der langfristigen Verpflichtung zur CO2-Neutralität und zur Verschönerung Chinas angepasst werden.

Deutsche Hersteller nehmen den Kampf um den E-Automarkt in China auf.
Der Volkswagen Konzern will laut Handelsblatt zusammen mit seinen chinesischen Joint-Venture-Partnern trotz der Corona-Pandemie bis 2024 15 Milliarden Euro in Elektromobilität investieren – zusätzlich zu den 33 Milliarden Euro weltweit. Im Mai 2020 hatte VW bereits eine Erhöhung seines Anteils um zwei Milliarden Euro im chinesischen Joint Venture JAC Volkswagen bekannt gegeben. Weiterhin will der Konzern  für rund eine Milliarde Euro 26 Prozent der Anteile am chinesischen Batteriehersteller Gotion High-Tech erwerben. Daraufhin gab Gotion High-Tech Mittte Juli den Bau einer Fabrik für Kathodenmaterialien mit hohem Nickelgehalt in der chinesischen Stadt Hefei bekannt. VW plant 15 NEV-Modelle bis 2025 in China zu bauen, um im stark umkämpften chinesischen Markt mithalten zu können. Das gesamte Produktportfolio soll im Land der Mitte dann zu 35 Prozent aus rein elektrischen Modellen bestehen. Daimler hatte Anfang Juli 2020 ebenso eine Beteiligung an dem chinesischen Batteriezellenhersteller Farasis Energy (Ganzhou) verkündet. Auch BMW gab Mitte September eine Ausweitung seiner Batterieproduktion in Tiexi (China) bekannt. Bisher haben die deutschen Autohersteller laut dem deutschen Automobilverband VDA in China gerade einmal einen Marktanteil von zwölf Prozent. McKinsey schätzt, dass der Anteil an vollelektrischen Fahrzeugen in China bis 2025 auf 14 bis 20 Prozent ansteigen wird. Dies entspricht rund vier bis fünf Millionen verkauften Autos.

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Österreichische Post: Gelber Riese mit grünem Herzen

Die Pandemie hat den Umbau in der Paketlogistik erheblich beschleunigt: Ein deutlicher Zuwachs beim Onlinehandel sorgte für mehr Arbeit bei der Österreichischen Post AG. Diese begegnet den Anforderungen mit Investitionen und einem grüneren Weltbild. Post-Vorstand Peter Umundum beantwortet unsere Fragen.

Redaktion: Peter Nestler.

Der Weg war vorgezeichnet: Zusätzlich zum allgemeinen Anstieg im E-Commerce hat der Onlinehandel nach Ausbruch der Pandemie mit ihren beschränkenden Maßnahmen weltweit im Jahr 2020 stark zugenommen. Die Ausgaben der heimischen Konsumenten im so genannten Distanzhandels wurden auch im Vorjahr überwiegend vom E-Commerce getragen und erreichten 2020 mit 8,7 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert. Von insgesamt 8 Mrd. Euro Online-Umsatz fallen bereits 1,2 Mrd. Euro auf den Mobile Commerce. Das bedeutete im Vorjahr einen massiven Zuwachs von plus 50 Prozent.

Diese Warenströme wollen auch an die Konsumenten gebracht werden. Branchenprimus Österreichische Post AG zeigt sich durchwegs vorbereitet. Als österreichischer Marktführer in der Paketlogistik hat das Unternehmen im Jahr 2020 insgesamt 166 Mio. Pakete transportiert – über 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor (127 Mio. Pakete). Auch heuer für 2021 wird mit einem Mengenzuwachs im zweistelligen Prozentbereich gerechnet. Vorbereitung ist dabei alles. Und die Post ist gut vorbereitet auf das Mengenwachstum. Dafür sorgen Erweiterungen in der Logistik und strategische Partnerschaften beziehungsweise Kooperationen. Seit August 2019 stellt die Post unter anderem auch DHL-Pakete in Österreich zu. Allein das hat der Post noch einmal rund 20 Mio. Pakete mehr gebracht.

Das Briefgeschäft sei dagegen im Zuge der Digitalisierung weiter rückläufig, berichtet Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik bei der Österreichischen Post. Dennoch gebe es auch hier Bereiche, die sogar ein gewisses Wachstum aufweisen. So habe das Volumen an größeren Briefen im Zuge der steigenden E-Commerce-Aktivitäten in Österreich ebenfalls zulegen können.

Der österreichische Handel gehört bei diesen Wachstumstrends im Pakethandel nicht zu den Gewinnern. „Jedes zweite Paket kommt aus dem Ausland und die großen Internethändler haben auch pandemiebedingt ordentlich zugelegt“, weiß Peter Umundum Mit einer Österreichbrille betrachtet, habe der heimische Handel da durchwegs einigen Aufholbedarf, fügt er an. Die Post leistet mit dem Onlineportal shöpping ihren eigenen Anteil dazu. „Wir haben im vergangenen Jahr deutlich über 1000 Anbieter auf shöpping dazugewonnen. Somit sind dort nun insgesamt 1800 Händler und über 3 Millionen Produkte vertreten“, so Umundum. Das über das Portal generierte Umsatzvolumen habe sich 2020 verdreifacht.

Noch ist das 2017 gestartete Projekt der Post im Aufbau : „Wir verdienen derzeit noch nichts damit“ sagt Umundum. Es handle sich um ein klassisches skaliertes Geschäft, das weiteres Wachstum brauche, um für den Betreiber auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Somit müssen weitere Anbieter und auch Abnehmer dazukommen. Ein erfolgreicher Schritt sei die Kooperation mit der 7Ventures, dem Investment-Arm von Österreichs führender Privat-TV-Gruppe ProSieben Sat.1PULS4.

Für den Konzern insgesamt ist Umundum operativ sehr zuversichtlich, ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 abliefern zu können. „Da hilft uns natürlich das Wachstum im Pakethandel im Zuge der Pandemie schon“, sagt Umundum. Gleiches gelte für die Auslandsbeteiligungen der Post, lässt er durchblicken. Eine Erweiterung der Geschäftsfelder sei für die Post derzeit nicht geplant, etwa komme ein Ausbau in den Bereich Supply Chains für die Post aktuell nicht infrage.

Dafür entwickelt die Post neue Modelle gemeinsam mit dem Handel in Österreich. 2020 wurde mit dm drogerie markt eine kombinierte Kommissionierung gestartet. Wenn Kunden beim dm drogerie markt online Produkte bestellen, bietet der Drogerie-händler die Abwicklung der Bestellung seinen Filialen an. Wurde das Paket in der Filiale kommissioniert, so erteilt die Filiale dann der Post einen Abholauftrag, diese holt das Paket in der Früh ab, bringt es in ein nahegelegenes Verteilzentrum und stellt es am nächsten Tag bereits zu.

Alles, was nicht in der Filiale kommissioniert wird, geht in die zentrale Kommissionierung, die die Post Systemlogistik für dm drogerie markt übernimmt. Der Vorteil für die Handelskette ist, dass durch dieses flexible Konzept Online-Bestellungen noch schneller abgewickelt werden und Leerläufe in den Filialen sinnvoll genutzt werden

Ein weiteres spannendes Projekt habe man gemeinsam mit dem Onlinehändler zalando entwickelt. Wenn dort online bestellt wird, gibt zalando die Kommissionierung der Ware teilweise an Handelspartner, die in Österreich sitzen, weiter. Im Grunde laufen diese Prozesse ähnlich ab wie mit dm drogerie markt, „aber sie sind etwas breiter gedacht, weil es ein größeres Produktspektrum und unterschiedliche Handelspartner gibt“, so Umundum. Das klinge einfach, habe aber durchaus seine Herausforderungen in der Mengensteuerung, weil man ja nie wisse, kommen da 10 Pakete daher, 100 oder 500“, beschreibt Umundum die Anforderungen an die Post als Logistikpartner. „Das sind schon Handelskonzepte, die auch für den österreichischen Handel Chancen für die Zukunft eröffnen. Es muss allerdings auch die IT im Zusammenspiel der Lagersysteme gut integriert und entwickelt sein, um mit den Systemen der Post zu harmonieren“, weiß Umundum.

Amazon wird zum Mitbewerber.
Internethandelsriese Amazon knabbert der Post allerdings in Österreich Teile dieses Kuchens wieder weg. Besonders in den Ballungszentren haben die Amerikaner begonnen, die Zustellung mittels eigener Logistik zu erledigen. Zuletzt wurden in Wien gleich zwei Verteilzentren in Betrieb genommen. Amazon ist nach wie vor einer unserer größten Kunden und wird das auch bleiben, davon gehe ich aus. Das Unternehmen wird aber zugleich auch Mitbewerber, nachdem er gerade seine Netze aufbaut“, sagt Umundum. Strategische Überlegungen? Betriebswirtschaftliches Kalkül? Was treibt Amazon bei diesen Überlegungen an? „Ich bin mir gar nicht sicher, ob Amazon da immer ganz genau rechnet“, meint Umundum.

Vielmehr gehe er davon aus, dass dies ein eher strategischer Zugang sei, der in der Konzernzentrale entschieden wurde. Die Eigenzustellung sei ganz einfach ein Trend, der vor einigen Jahren in den USA begonnen habe, dann in Großbritannien nachgezogen wurde und nun schön langsam auch auf andere Länder ausgerollt werde.

Gefährdet sei das Zustellvolumen der Post durch diesen Move von Amazon hin zur Eigenzustellung aber nicht, lässt Umundum durchblicken. Zum einen erledigen die Amazonen dieses Geschäft nur in Ballungsräumen selbst, wo dies einfacher möglich sei. Zum anderen sei so eine Entwicklung bei anderen Versandhändlern nicht absehbar. „Bei anderen großen Händlern sehe ich diese Entwicklung nicht. Die Otto-Gruppe hat Bemühungen in diese Richtungen mit Hermes ja damals nach zwei, drei Jahren wieder eingestellt“, so Umundum.

Anders als in den Auslandsmärkten der Post. So baue in der Türkei ein großer Händler gerade sein eigenes Versandnetz aus. Insgesamt hat die Post die zunehmenden Paketmengen (+30% zum Vorjahr) nach eigenen Angaben gut abgewickelt. „Wir sind im Jahr 2020 auf eine Erstzustellungsquote von 94 Prozent gekommen“, ist Umundum stolz. Das heißt, dass 94 Prozent der gelieferten Pakete beim ersten Zustellversuch tatsächlich an der Zieladresse abgegeben werden konnten. Immerhin konnte diese Quote damit gegenüber dem Vorjahr nochmals um 2,5 Prozentpunkte gesteigert werden.

Um diese Quote weiter hochzuhalten, überlegt sich die Post auch alternative Zustellmethoden. „Wir wollen die Erstzustellquote sukzessive weiter erhöhen“, lässt Umundum durchblicken. Im „Kampf gegen den gelben Zettel“ testet die Österreichische Post einen neuen Service – die Vorzimmer-Zustellung. In Kooperation mit der A1 Telekom Austria AG und Nuki Home Solutions GmbH wird Empfängern erstmals die Möglichkeit angeboten, Pakete auch bei Abwesenheit direkt in die eigenen vier Wände geliefert zu bekommen. „Wir haben sehr gute Vertrauenswerte in der Bevölkerung. Gerade deshalb haben wir auch bereits über 800.000 Abstellgenehmigungen österreichweit, mit der uns die Menschen bereits in ihren Garten oder etwa ihre Garage lassen, um ein Paket abzustellen.

Mit der Vorzimmer-Zustellung gehen wir hier einen Schritt weiter und stellen auch dort zuhause zu, wo eine Abstellgenehmigung nicht möglich ist“, erklärt der Post-Vorstand. Das Pilotprojekt mit 100 Test-Kunden in Wien, Graz und Niederösterreich findet im Zeitraum Juli bis Dezember statt. Dafür wird die Eingangs-tür der Sendungsempfänger mit einem „Nuki Smart Lock“ ausgestattet. Damit erhält der Zusteller die Berechtigung, die Wohnungstür mittels eines mobilen Gerätes zu öffnen. Eine Bodenmatte im Vorzimmer markiert den Platz, an dem das Paket abgestellt werden soll. Hat der Kunde zudem Smart Home Geräte von A1 installiert, kann er , die Zustellung live oder bis zu 72 Stunden im Nachhinein per Video nachverfolgen. Sollte eine Vorzimmer-Zustellung nicht möglich sein, kommt der normale Zustellprozess zur Anwendung – eine Abgabe in einer Post Empfangsbox, eine Hinterlegung in einer Filiale oder bei einem Post Partner. „Während die Erstzustellquote im ländlichen Raum gegen 100 Prozent geht, richtet sich diese neue Zustelllösung vor allem an Interessierte in städtischen Gebieten, wo die Rate noch darunter liegt,“ erklärt Umundum.

Logistikzentren massiv ausgebaut.
„Im Zuge unseres mehrjährigen Ausbauprogramms investieren wir rund eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau unserer Logistikkapazitäten“, so der Post-Vorstand. „Allein bis 2022 schaffen wir damit zusätz-liche 30 Prozent an Sortierleistung.“ 2020 hat die Post insgesamt 143 Mio. Euro (CAPEX) investiert.“ Damit will das Unternehmen mit den zu-nehmenden Mengen Schritt halten und die eigene Leaderposition in Österreich absichern. Die Post als Konzern ist in acht Ländern tätig und das genannte Wachstum findet auch in den anderen Ländern in ähnlichem Ausmaß statt. „In der Türkei hat es sogar ein überdurchschnittliches Wachstum gegeben. Dort ist das Volumen der beförderten Pakete von ebenfalls rund 127 Mio. Paketen auf 188 Mio. angesprungen“, sagt Umundum.

Die neuen, größeren oder ausgebauten.
Logistikzentren der Post sind dabei strategisch über ganz Österreich verteilt. In Allhaming in Oberösterreich entsteht das derzeit modernste Logistikzentrum Österreichs. Die Post erweitert ihr seit 2014 bestehendes Paketzentrum im Bezirk Linz-Land um eine Grundstücksfläche von ca. 125.000 m², mehr als 700 bestehende Arbeitsplätze werden dadurch gesichert, mit Betriebsstart kommen 200 neue dazu.

Die Sorterleistung wird sich dann auf 33.000 Pakete pro Stunde belaufen – bisher waren es 10.500 pro Stunde. Garantiert wird dies durch den Einsatz hochmoderner Quergurtsorter. In Vomp wird inzwischen das Projekt Logistik-zentrum Tirol umgesetzt. Auf einer 100.000 m² großen Grundstücksfläche, von der rund 30.000 m² verbaut werden, entstehen ein Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis sowie Büroflächen für den Overhead. Investor dieses Projekts ist die Firma Derfeser – die Post investiert für Sortiermaschinen bis zu 25 Mio. Euro. Aus heutiger Sicht ist mit einer Inbetriebnahme im Herbst 2021 zu rechnen.

Schon früher wurde das Paketverteilzentrum in Wolfurt in Vorarlberg erweitert, auch damit werden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Etwa 27 Mio. Euro nimmt die Post AG für diesen Ausbau in die Hand. Durch die Erweiterungen sowie Modernisierungen am insgesamt 40.000m² großen Standort, die während des laufenden Betriebes durchgeführt werden, erhöht sich die Verteilkapazität von 4.500 Paketen auf 8.000 Pakete pro Stunde. Die Fertigstellung ist im 4. Quartal 2021 geplant.

Ebenfalls neu in Betrieb genommen wurde im Vorjahr der erweiterte Standort in der Steiermark. Mit Juli 2020 hat das größte Paket-Logistik-zentrum der Österreichischen Post in Kalsdorf bei Graz seinen Betrieb aufgenommen. Auf dem fast 170.000 Quadratmeter großen Grundstück sorgen rund 370 Mitarbeiter für die Verteilung von Paketen. Außerdem erfolgt die Zustellung für den Großraum Graz von hier aus. Die Leistungsdaten des Paket-Logistikzentrums sprechen für sich: In der ersten Ausbaustufe ermöglichen die Anlagen eine Sortierleistung von 13.500 Paketen pro Stunde, dafür sorgt eine Förderanlage mit einer Gesamtlänge von rund zwei Kilometern.

Gelb wird grün.
Der zunehmenden Bodenversiegelung durch große, horizontal angelegte Produktionsanlagen begegnet die Post mit durchwegs ökologischem Antrieb: „Wir haben zum Beispiel gerade für den Standort in Allhaming zwar ein großes Grundstück verwertet, kommen aber dennoch auf eine Aufforstungsquote von 1,3“, ist Umundum stolz.

„Das Logistikzentrum in Allhaming soll auch in puncto Nachhaltigkeit ein Vorzeigeprojekt sein“, so Umundum. Dort setzt die Post insbesondere auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. So wird am Dach des Logistikzentrums eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 500 kWp installiert, die nicht nur das Zentrum, sondern auch die am Standort betriebene E-Flotte der Post versorgt. Für eine möglichst effiziente und nachhaltige An- und Abreise der Mitarbeiter wird ein betriebliches Mobilitätsmanagement umgesetzt, das Werksbusse, Fahrgemeinschaften, die Nutzung von Fahrrädern sowie Stellplätze mit Ladestationen für E-Autos und E-Bikes beherbergt. Die Grünflächen rund um das Logistikzentrum werden mit Fokus auf Biodiversität angelegt und umweltfreundlich bewirtschaftet. Am neuen Areal wird darüber hinaus ein Biotop angelegt, Nistkästen aufgehängt sowie Wildbienen angesiedelt. Zudem kommt die Post in Österreich bereits auf mehr als 20 Prozent des gesamten Fuhrparks mit E-Fahrzeugen. Man sieht: Die Post denkt und agiert durchaus nachhaltig. Die Post bleibt zwar weiterhin gelb, sie wird aber innerlich dennoch grüner. Neben dem Ausbau der Photovoltaikanlangen setze man auf einzelnen Standorten auf Biodiversität. In Wien beherbergt die Post sogar Bienenstöcke und unterstützt deren Lebensraum. Gelb wird also grün.

Bereits seit 2011 stellt die Österreichische Post alle Sendungen innerhalb Österreichs CO2-neutral zu und war damit Vorreiter unter den Postgesellschaften. Das nächste Ziel ist eine CO2-freie Zustellung bis zum Jahr 2030, was bedeutet, dass bis dahin auf der letzten Meile ausschließlich E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz sind. Dieses Ziel wird in der steirischen Landeshauptstadt schon deutlich früher erreicht – bereits ab September 2021 wird die gesamte Postzustellung in Graz emissionsfrei erfolgen. Dann werden auch Pakete im Stadtbereich Graz CO2-frei zugestellt. Gesamt werden dann in Graz rund 160 E-Fahrzeuge für die Post im Einsatz sein.

Post ist ein Jobmotor.
Durch die Ausweitungen der Kapazitäten gilt die Österreichische Post als der größte Jobmotor im Lande in der Logistikbranche. Der Mitarbeiter-Stand betrug am Ende des 1. Quartals im Geschäftsjahr 2021 insgesamt 17.917. Bei der Post läuft eine Joboffensive. Denn der Boom beim E-Commerce sowie die sich verändernden Ansprüche der Konsumenten bringen einen richtigen Job Aufschwung in der KEP-Branche. Als einer der renommiertesten Dienstleister in der Zustellbranche sucht die Österreichische Post, ob in der Zustellung, den Logistikzentren, den Filialen, aber auch in der IT und im Management. Ziel der wirtschaftlichen Anstrengungen der Post mit dem Ausbau von Logistikzentren und Zustellbasen, sei es, „immer stärker integriert zu operieren und zuzustellen“, verrät Umundum. (PN)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

LOGISTIK express Journal 3/2021

INHALT 3/2021

02 Werbefenster [U2)
05 Inhalt / Editorial / Impressum
06 Die Zukunft Europas: nach der Krise ist vor der Krise
08 Die Logistik geht gestärkt aus der Krise hervor
10 Der Weg zurück wird für viele Unternehmer ein steiniger werden
12 Österreichs Handel: Jahresbilanz 2020 & Corona-Prognose 2021
16 Omnichannel Readiness Index 2021: Handel rüstet digital massiv auf
20 Kontrollen der Online-Giganten sind entscheidend für fairen Wettbewerb
22 Handel leidet, doch kein Ende in Sicht beim E-Commerce-Trend
29 Gelber Riese mit grünem Herzen
36 China Elektromobilität: Aufholjagd deutscher Hersteller im Land der Mitte
40 Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1 Juli 2021 Realität
44 ECOMLOG21 – Pandemie als Entwicklungs-Motor für die Logistik
46 Unermüdlich im Einsatz für Obeta – der AI-gesteuerte Roboter von KNAPP
50 SSI Schäfer liefert automatisierte Lösung für Sicherheitsschuh-Hersteller Sievi
52 DEMATIC – Aus dem richtigen Holz geschnitzt
56 Online-Shop und Ladengeschäft versorgt von einem AutoStore-System
60 Das kolossale Versagen der Politik
62 Impfreaktionen…

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

 

Mobilität Journal 1/2020

HJS Media World Group bildet seit Beginn 2020 „Die ganze Welt der Logistik“ thematisch ab. Unter der Gruppe firmieren so bekannte und profilierte Medien wie LOGISTIK-EXPRESS, BUSINESS+LOGISTIC UMWELT JOURNAL, VERKEHRSZEITUNG zusammen, um Ihnen als Kunden und Leserschaft den maximalen Mehrwert bieten zu können. In dieser konzentrierten Form der Informationen in der Fachwelt, darf natürlich der große Bereich der Mobilität nicht fehlen. Das Fachmagazin MOBILITÄT wird versuchen, alle Themen rund um die Welt der angetriebenen Bewegung abzudecken. Die Zeitschrift Mobilität haben wir in unser Informationsportal Umwelt Journal eingegliedert, dass von Peter Nestler (p.nestler@umwelt-journal.at) geführt wird.

INHALT 1/2020

03 Editorial, Impressum, Inhalt
04 Die Mobilität der Zukunft
06 Blue Fair 2020
08 SCHWERPUNKT: Thema Wasserstoff
10 Grüner Wasserstoff für Energiewende
11 Quantron baut Wasserstoff-Transporter
12 Hyundai bringt Wasserstoff-Lkw nach Europa
13 Bayern baut auf Wasserstoff
14 Arval baut in Österreich aus
16 Strategien für die Verkehrsplanung
17 Rückblick INFRAMIX-Testtage
18 “Mobilität der Zukunft” – Fördercall
19 ENGEL erhält JEC Innovation Award 2020
20 Events & Ausbildungen
23 Ausblick MOBILITÄT 2/2020

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