Vom Kataloggeschäft zum Platzhirsch im E-Commerce

Die Otto Group bietet Amazon die Stirn: mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz allein am österreichischen Markt zeigt das Unternehmen, wie man mit vielfältigem Portfolio global erfolgreich sein kann.

Beitrag: Redaktion.

Es ist die Zeit, in der der Vertrag von Maastricht den Weg für eine einheitliche europäische Währung ebnet. Die Zeit, in der erstmals seit zwei Jahrzehnten bei einer großen internationalen Konferenz in einem globalen Rahmen Umweltfragen diskutiert werden. Und es ist auch die Zeit, in der die Otto Group in den österreichischen Markt eintritt: mit der Übernahme des Versandhauses „Moden Müller“ Anfang der 1990er-Jahre, aus dem 1992 OTTO Österreich hervorgehen wird.

Seit drei Jahrzehnten steht die Marke nun auf wirtschaftlich soliden Beinen. Und das trotz der kompletten Änderung des Geschäftsmodells vom Katalogversender zum Onlinehändler: Verzeichnet man beim Onlineumsatz seit 1998 doch ein durchschnittliches Wachstum pro Jahr von 24 Prozent [1]. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) erwirtschaftet man einen Gesamtumsatz von 100 Millionen Euro (IFRS 15).

OTTO Österreich ist aber nur eines von vielen Beispielen, bei denen die Otto Group den Weg in die Welt hinaus ging. Prof. Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Konzern-Aufsichtsrats, über den Beweggrund, aus dem familiengeführten Einzelunternehmen mit Sitz in Hamburg eine global agierende Unternehmensgruppe zu machen: „Wir haben bereits in den 1980ern begonnen, uns zu internationalisieren und zu diversifizieren. So können konjunkturelle und sektorspezifische Schwankungen besser aufgefangen werden.“ Und so ist man heute eine Handels- und Dienstleistungsgruppe, zu der die beiden großen Online-Plattformen OTTO und About You genauso zählen wie Markenkonzepte (Bonprix, Crate and Barrel, Witt) undHandelskonzepte (Baur, Freemans Grattan, Limango). Im stationären Bereich ist man mit Frankonia, Mytoys und Manufactum vertreten. Dazu kommen Services wie von Hermes, Finanzdienstleistungen von EOS und Hunderte von Beteiligungen an Start-ups. Mit 43.000 Mitarbeitenden ist die Otto Group in rund 30 Ländern aktiv und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) einen Umsatz von 16,1 Milliarden Euro (IFRS 15), davon 12,1 Milliarden Euro reinen Onlinehandelsumsatz.

In Österreich gehen die Aktivitäten des Konzerns weit über jene der UNITO-Marken OTTO Österreich, UNIVERSAL, QUELLE und LASCANA hinaus. „Wir sind hier auch mit About You, Bonprix, Frankonia, Mytoys, Witt und Hermes vertreten – und wir sind seit vier Jahren mit dem Warenhaus Manufactum Am Hof in Wien auch stationär präsent. Wir erwirtschaften einen Umsatz von 431 Millionen Euro [2] und haben damit eine gewisse Bedeutung auf dem österreichischen Handelsmarkt“, stellt Prof. Dr. Michael Otto fest. Dass es den einstigen Kataloghändler OTTO im Jahr 2022 noch gibt, hat mit der unternehmerischen Diversität zu tun – aber auch mit der Tatsache, technisch stets am Puls der Zeit gewesen zu sein. Schon in den 1990ern setzte man auf E-Commerce, 1995 brachte man das gesamte Sortiment ins Internet – in einer Zeit, in der in Österreich etwa gerade einmal neun Prozent der Bevölkerung [3] Zugang zum
Internet hatten.

Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Von den früheren großen Katalogversendern ist die Otto Group mit ihren Marken der letzte, der überlebt hat. Ich bin als CEO mit meinem jeweiligen Technikvorstand ab den 1980ern regelmäßig in die USA gereist, um zu sehen, an welchen technologischen Entwicklungen gearbeitet wird. Zentral für unseren Erfolg ist, dass wir Technologie zu einem frühen Zeitpunkt für den Nutzen der Kundinnen und Kunden eingesetzt haben.“

Die Otto Group war und ist aber nicht nur technisch stets am Puls der Zeit, in Bezug auf Nachhaltigkeit war sie der Zeit mitunter sogar voraus. Prof. Dr. Michael Otto, der vielen als Vorreiter unternehmerischer Nachhaltigkeit gilt: „Der erste Bericht des Internationalen Club of Rome, in dem ich heute Mitglied bin, hat mich berührt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe gesagt: Jede Bürgerin, jeder Bürger, jede Unternehmerin, jeder Unternehmer muss erst einmal bei sich anfangen und einen Beitrag leisten.“ Und das tat und tut die Otto Group seit damals: Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden konzernweit nachhaltige Prozesse und Produkte eingeführt. So konnten etwa die CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren halbiert werden. Aber auch für die Zukunft sind die Ziele hochgesteckte:

Bis 2030 strebt man Klimaneutralität an.
OTTO Österreich, das seit Anfang 2021 alle Sendungen CO2-neutral zustellt, ist seit 1. Juli 2022 klimaneutral. „Wir agieren nach dem Grundprinzip Vermeidung, Reduzierung, Kompensation. Sind alle Möglichkeiten, schädliche Klimagase zu vermeiden und zu reduzieren, ausgeschöpft, kompensieren wir unvermeidbare Emissionen mit Projekten höchsten Qualitätsstandards – und das zu zehn Prozent mehr als wir an Emissionen verursachen“, erklärt Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe.

Der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage begegnet man im gesamten Konzern mit Respekt. Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Ich habe in meinen weit mehr als 50 Berufsjahren manche Herausforderung erlebt – aber diese ist eine besondere. Aus der Corona-Pandemie haben wir es noch immer mit Störungen auf der Beschaffungsseite zu tun, die sich durch den Krieg in der Ukraine und die drohenden Auseinandersetzungen mit China erheblich verschärft haben. Der Krieg, die Inflation, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger und die Energiekrise verschärfen die Absatzprobleme. Das alles führt in vielen Ländern Europas zu einer erheblichen, in Deutschland einmalig großen Nachfrageunlust.“ Man sei derzeit aber digital, kund*innenmäßig sowie finanziell sehr gut aufgestellt und halte am Kurs der Investition in Digitales, Logistik und neue Geschäftsfelder fest. Spuren hinterlassen werde die Krise aber dennoch – beim Umsatz und insbesondere beim Ertrag, da man in dieser angespannten Situation höhere Einstandskosten nicht zur Gänze an Kund*innen weitergeben könne.

2023 werde laut Mag. Harald Gutschi auf jeden Fall noch herausfordernd, bei OTTO
Österreich plane man mit einem vorsichtigen Wachstum von fünf bis zehn Prozent statt der ursprünglich anvisierten zehn Prozent. Generell sieht der Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe das Unternehmen aber in einer privilegierten Lage: „Mit unserem Geschäftsmodell ist alles weitestgehend organisierbar. Wir können etwa rasch über Werbekosten entscheiden – diese runterfahren, wenn das nötig ist, und genauso schnell wieder hochfahren, wenn sich die Lage entspannt. Da geht es uns viel besser als anderen Unternehmen.“ (RED)

[1] Betrachtung Onlineumsatz Kalenderjahttps://www.unito.at/presse/hr 1998 (Gründung des Onlineshops ottoversand.at) bis Kalenderjahr 2021

[2] Betrachtung Geschäftsjahr 2021 (1. März 2021 bis 28. Februar 2022), ohne Umsatzangaben der Onlineplattform About You

[3] Quelle: Statista-Dossier, veröffentlicht am 2. März 2022; Basis österreichische Bevölkerung ab 14 Jahre

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Es wird Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen

Der Wohlstand, den wir in Österreich gewohnt sind, mit all seinen Vorzügen, hat möglicherweise ein nahendes Ablaufdatum. Geht es nach Betriebswirt Mag. Harald Gutschi, muss die Regierung besser gestern als heute handeln und vor allem eines: der Bevölkerung endlich den Ernst der Lage bewusst machen. Die Medaille der Globalisierung zeigt nun ihre unschöne Seite.

Redaktion: Angelika Gabor.

In den letzten Jahrzehnten profitierten Österreich, Deutschland und einige andere Hochlohnländer von billiger Energie, womit Rohstoffe und Einzelteile veredelt und dann hochpreisig wieder exportiert wurde. Unsere Industrie profitierte deutlich von der Globalisierung. Doch dieses Modell fällt uns jetzt auf den Kopf: die Lieferketten sind außer Rand und Band. Den Anfang nahm dieser dramatische Absturz wie weithin bekannt in China – die Zero-Covid-Politik mit monatelangen Lockdowns führt zu drastischen Rückstaus bei dringend benötigten Warenlieferungen, egal ob es sich dabei um Verpackungsmaterialien oder Bauteile handelt.

Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO Gruppe (u.a. Universal, OTTO, Quelle, Lascana, Schlafwelt, Ackermann), beobachtet die Entwicklung mit zunehmender Sorge: „Zu Weihnachten werden wir erstmals seit langer Zeit vor dramatisch leeren Regalen stehen. 400 Millionen Chinesen sind oder waren im Lockdown, vieles wurde nicht produziert. Die Situation hat eine Dimension erreicht wie die letzten 50 Jahre nicht mehr. Die Auswahl wird drastisch reduziert sein – man wird zwar natürlich Produkte finden, aber wenn es eine bestimmte Marke oder ein exaktes Modell sein soll, dann wird es schwer. Mein Rat daher: frühzeitig anfangen zu suchen.“

Aktuell werden in China 30 bis 40 Prozent weniger Containerschiffe abgefertigt als vor der Pandemie. Als Folge der globalen Arbeitsteilung fehlen Vorprodukte, weshalb auch im Rest der Welt die Produktionen teilweise stillstehen. Die fehlenden Chips für die Automobilbranche sind nur ein bekanntes Beispiel, aber fast jede Branche ist betroffen. Gutschi: „Aktuell haben wir den Peak erreicht: bei den Lieferproblemen, der Inflation und den gewerblichen Erzeugerpreisen.“ Der Handel hat sich massiv gewandelt: „Früher hatten wir einen Nachfragemarkt – die Kunden hatten eine riesige Auswahl und konnten den Preis mitbestimmen. Jetzt allerdings haben wir einen Angebotsmarkt, die Auswahl ist eingeschränkt und als Kunde muss man teilweise froh sein, überhaupt etwas zu bekommen, und das zu deutlich höheren Preisen.

Notwendiger Staatskommunismus.
Seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 hat sich die Bilanzsumme der EZB mehr als verzehnfacht, insbesondere seit der Finanzmarktkrise 2008 wurden massiv Anleihen zugekauft. Als Nebenwirkung stiegen die Immobilienpreise rasant. Die nunmehrige Anhebung des Leitzinses als Gegenmittel zur Inflation war bereits abzusehen, ebenso wie die damit einhergehende Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien. „Die EZB hat damit gerechnet, dass die hohe Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen ist. Allerdings sind deren Datenmo-delle nicht auf die Situation ausgelegt – sie berechnen und funktionieren nur in einer stabilen Welt. Deshalb lagen die Prognosen komplett daneben“, meint Gutschi.

Frachtraten sinken.
Laut einem Factsheet der DZ Bank steckten noch im Mai 2022 mehr als 11 Prozent sämtlicher global verschiffter Waren in Warteschlangen, im Juli 2021 waren es gar noch rund 14 Prozent.

„Häfen sind gesperrt oder es fehlt an Personal, um die Container zu verladen. Die Transport-raten gehen zwar wieder nach unten, sind aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Ein Beispiel: Früher haben wir Sitzsäcke um 99 Euro verkauft, heute kostet allein der Transport dieses Sitzsackes 200 Dollar. Wer soll denn das kaufen?“, so Gutschi. Lag der aggregierte Frachtmarktpreis für Schiffstransporte aus China im Juni 2018 noch bei etwa USD 2.000, betrug er zum Höhepunkt im September 2021 knapp USD 23.000 – für die gleiche Leistung.

Gaslieferstopp als Schreckgespenst.
Gutschi rechnet fix damit, dass spätestens im Herbst Russland die Erdgaslieferungen nach Österreich ganz einstellt, bereits jetzt sind die Mengen stark gedrosselt. „Sollte der Gashahn zu sein – und die Wahrscheinlichkeit dafür ist deutlich über 50 Prozent – wird es wirklich kritisch“, fürchtet er. „Forscher rechnen mit Minus 2 Prozent des BIP.

Allerdings nehmen die bei ihren Prognosen an, dass das Gas einfach woanders herkommt. Das ist reine Naivität. Wir hängen von Putin ab, nicht umgekehrt.“ Auch die Diskussion um die Verteilung der Gasreserven im Ernstfall versteht er nicht. „Dass den Menschen der Vorzug gegeben wird, ist mir unbegreiflich. Ein paar Grad weniger in der Wohnung halte ich aus, da ziehe ich mich einfach wärmer an. Aber die Industrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft, die Basis unseres Wohlstands – wenn die stillsteht, dann haben
wir wirklich ein gewaltiges Problem.

Stellen Sie sich vor, BASF in Ludwigshafen muss die Produktion einstellen – ohne Chemie können unzählige weitere Produkte nicht erzeugt werden: keine Verpackungen, Klebstoffe, Dämmmaterial, Sportartikel, Arznei-mittel usw. Wir reden hier von einem Einbruch des BIP im zweistelligen Bereich.“ Deshalb müsse nun jeder einen Beitrag leisten, denn auch viele kleine Schritte bringen einen in Summe ans Ziel.

Wohlstandsverlust unvermeidbar.
„Es ist an der Zeit, der Bevölkerung endlich reinen Wein einzuschenken: ein Wohlstandsverlust ist unvermeidbar. Der Staat kann es nicht immer richten, nach der Pandemie sind die Kassen leer. Das 28 Mrd. € schwere Entlastungspaket war ein wichtiger und richtiger Wurf. Wenn es nun wirklich gelingt, die kalte Progession abzuschaffen, dann ist diese Regierung zu etwas fähig, woran bisher alle gescheitert sind. Meiner Meinung nach muss solch eine gravierende Änderung auch in den Verfassungsrang. Jede Partei, die gegen die Abschaffung der kalten Progression ist, leistet einen Affront gegen jeden einzelnen arbeitenden Menschen.“

Eine staatliche Preisregulierung ist für ihn hingegen der falsche Weg. „Der Staat muss über Transferleistungen unterstützen, den Preis bestimmt der Markt.“ Ein wichtiger Faktor ist die Energie, das Energiesparen sollte nicht nur für ÖKO-Aktivisten an erster Stelle stehen. „Ich erwarte eine Aufforderung zum Energiesparen, und zwar jetzt gleich. Parallel muss nach Alternativen gesucht werden. Die Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerks ist ein wichtiger und richtiger Schritt – wenngleich auch ich damals bei der Abschaltung gejubelt habe. Die Versorgung mit Gas hat oberste Priorität“, so Gutschi. Für die zukünftige Strategie sei es auch dringend nötig, die Vertreter der Industrie an einen Tisch zu bringen und Ernstfall-Szenarios zu simulieren – also kein Erdgas mehr zu haben. Gutschi: „Es war naiv zu glauben, dass kein Krieg kommt. Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben.“

Arbeitskraft & Arbeitszeit.
Vor kurzem noch klagten viele Unternehmen über den eklatanten Fachkräftemangel. Heute fehlt Personal an allen Ecken und Enden. „Wo sind nur all die Menschen?“, fragt Gutschi. Eine mögliche Antwort: außer Landes. Denn durch die Pandemie kommen viele Arbeitskräfte, beispielsweis Erntehelfer, nicht mehr nach Österreich. Die Wirtschaftsleistung liegt noch unter dem Niveau von 2019.

Laut Handelsverband rechnen die Unternehmen im Jahr 2022 mit einem Umsatzrückgang von minus 14 Prozent im Vergleich zu 2019. Mitschuld an der Misere ist laut Gutschi die Kurzarbeit. „Dieses Arbeitsmarktinstrument verlängert die Verkrustung und zögert bei manchen Unternehmen nur das Unvermeidliche hinaus. Kurzarbeit sollte auf ein absolutes Minimum reduziert werden, statt dessen ist eine Arbeitsmarktreform dringend nötig – beispielsweise die Senkung der Lohnnebenkosten für Arbeitnehmer. Dies wäre durch die überproportionale Kaufkraftsteigerung ein Lichtblick und die beste Maßnahme, um dem Handel zu helfen“, meint Gutschi.

Fazit: Wir müssen uns auf Einschränkungen einstellen, auch das Angebot frei verfügbarer Waren wird schrumpfen. Aber: „Es hilft nichts, pessimistisch zu sein. Menschen sind kreativ, und wir werden immer eine Lösung finden.“ (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


eCommerce Day 2022 versammelte Retail Rockstars & Gamechanger in Wien

Mehr als 300 Teilnehmer beim Gipfeltreffen der heimischen eCommerce Branche. Austrian Trustmark Awards an Hornbach, Lampenwelt und Julius Meinl am Graben verliehen.

Beitrag: Handelsverband.

Am Mittwoch, 22. Juni, war es wieder soweit: Das Who is Who der heimischen Handelsbranche kam beim eCommerce Day des Handelsverbandes im Nordlicht Wien zusammen. HV-Präsident Stephan Mayer-Heinisch und HV-Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses, Puls4-Anchor Werner Sejka moderierte charmant durch das Tagesprogramm. Die Themenpalette reichte von Influencer Marketing im eCommerce über neue Shopsysteme, Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative Paymentlösungen bis hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement 3.0.Unter dem Kongressmotto #gamechanger sorgten phänomenale Branchenexperten mit ihren Keynotes, Best Practices, im Fireside Chat sowie bei den Podiumsdiskussionen für Begeisterung bei den mehr als 300 Teilnehmer. Live on Stage waren dieses Mal u.a. der YouTube-Star, Influencer und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde spannende Antworten auf die Frage, wie “Rockstar-Marketing” in der Praxis funktioniert.

Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter, shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility), Nick Holscher (Connected Retail by Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria), Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian Steinwender (Concardis Nets Group), Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox) und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria) sowie Isabel Lamotte (Handelsverband) rundeten das erstklassige Lineup ab. In der traditionellen Startup Session durften Franz Tretter (hello again), Markus Fallenböck (Userwerk), Manuel Messner (Mazing), Annabell Ocsofszki (Youbuyda), Bernhard Reiterer (SignD) und Paul Varga (Playbrush) pitchen was das Zeug hält. Ein Highlight der Veranstaltung war die Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark Awards 2022 unter der Schirmherrschaft von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head of Business Development Digital, Mastercard) und Rainer Will für herausragende, innovative eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.

  • Gewinner in der Kategorie “Best Mobile
  • Performance”: Julius Meinl am Graben.
  • Gewinner in der Kategorie “Best
  • Omnichannel Experience”: Hornbach.
  • Gewinner in der Kategorie “Best
  • Online Shop”: Lampenwelt.

Der Handelsverband und Mastercard gratulieren den drei Gewinnern herzlich.

Der eCommerce Day 2022 wurde großzügig unterstützt von den Platin-Sponsoren Österreichische Post, Salesforce, Sintra Consulting, Google & Mastercard sowie den Gold-Partnern Bluecode, Coeo, CRIF, DHL, Fiege, LINK Mobility, MyFlexbox, Nexi, OÖ Nachrichten, Visa und Zalando Connected Retail. (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


eCommerce & Logistik on tour

Die Blogtour des LOGISTIK express hat im Juni zwei wichtige Veranstaltungen besucht: den eCommerce Day 2022 in Wien und das VNL Logistik-Forum Wien. Beide Veranstaltungen hatten Top-Referenten zu bieten und die heimische Logistik-Elite war präsent. Wir haben einige Vertreter vor der Kamera gebeten und befragt.

Redaktion: Peter R. Nestler.

Der Handelsverband bat am 22. Juni zum eCommerce Day 2022 ins Nordlicht im Norden Wiens. Trotz der Hitze ließen sich die Onlinehandelsexperten nicht zwei Mal bitten – der Andrang war enorm. Mehr als 300 Teilnehmer zeigten sich beim Gipfeltreffen der heimischen eCommerce-Branche. Den ganzen Tag über gab es spannende Fachvorträge und Podiumsdiskussionen. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes und dessen Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses, Werner Sejka von Puls4 moderierte durch das Tagesprogramm.

Die Themenpalette war breit gefächert und reichte vom Influencer Marketing im eCommerce über moderne Shopsysteme, das Thema Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative Paymentlösungen bis hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement 3.0. Das Kongressmotto lautete dieses Mal #gamechanger – die Bedeutung von eCommerce ist bei vielen Leuten seit der Pandemie so richtig ins Bewusstsein gerückt. Der eCommerce Day hat das nochmals eindrucksvoll unterstrichen. Wir haben uns wohl gefühlt und sind aus dem Reden mit den Gästen gar nicht mehr nachgekommen. Der LOGISTIK express hat einige Teilnehmer vors Mikrofon gebeten: https://youtu.be/3ntkpoPtgVY

Mitreißend präsentierten sich auf der Veranstaltung der YouTube-Star, Influencer und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde spannende Antworten auf die Frage, wie “Rockstar-Marketing” in der Praxis funktioniert. Unter den prominenten Gästen zu sehen waren: Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter, shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility), Nick Holscher (Connected Retail by Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria), Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian Steinwender (Concardis Nets Group), Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox) und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria) sowie Isabel Lamotte (Handelsverband).

Ein Highlight der Veranstaltung war wieder die Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark Awards 2022 unter der Schirmherrschaft von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head of Business Development Digital, Mastercard) und Rainer Will für herausragende, innovative eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.

Die diesjährigen Award-Gewinner sind:

  • Gewinner in der Kategorie “Best Mobile Performance”: Julius Meinl am Graben.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Omnichannel Experience”: Hornbach.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Online Shop”: Lampenwelt.

 

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) lud am 19. Mai zum 29. Logistik-Forum Wien 2022 ein. Gastgeber war dieses Mal die Österreichische Post AG, das Treffen fand daher auch in der Konzernzentrale der Österreichischen Post in 1030 Wien statt und hatte das Hauptthema „Lieferketten in Turbulenzen: Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?“ Dazu gab es hochinteressante Keynotes: „Turbulenzen in Lieferketten: die volkswirtschaftliche Perspektive“, dargebracht von Stefan Fink, Chief Economist bei KPMG Österreich,

„Die neue österreichische CO2-Steuer“, mit Harald Galla (Steuerberater, Partner LeitnerLeitner), topaktuell: „Geopolitische Einschätzung Russlands und der Ukraine – eine kurz und mittelfristige Perspektive“, mit Univ. Prof. Dr. Gerhard Mangott (Professor für internationale Beziehungen, Universität Innsbruck) sowie „Die aktuelle Lage am Öl- und Gasmarkt“ mit Siegfried Kiss (Head of Business Development, RAG Austria AG).

Abgerundet wurde das VNL Logistik-Forum 2022 mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie bleiben wir wettbewerbsfähig? Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für SCM und Logistik?“. Zur Diskussion versammelten sich: Gerhard Mühlhans (RHI Magnesita), Claes Lindgren (IKEA), Alexander Till (Hafen Hamburg), Niklas Nitsch (Siemens), Stefan Huemer (Rexel); die Moderation übernahm Prof. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien).
Mehr auf www.vnl.at  (PN)

Eine weitere Top-Veranstaltung der Logistik gab es am 23. Und 24. Juni, den 27. Logistik Dialog 2022. Veranstalter BVL Bundesvereinigung Logistik lud diesmal zum Flughafen Wien in die nigelnagelneue Event Location Vienna International Airport City Space und tatsächlich folgten mehr als 800 Branchenvertreter der Einladung. Beeindruckend war gleich einmal die Fülle an Ausstellern, die der BVL rekrutieren konnte. Zu „rekrutieren“ passt auch der Caterer der Mittagsverpflegung, die wurde nämlich von der Bundesheer Logistikschule zur Verfügung gestellt: Gulasch aus der „Kanone“.

BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner wachte wohlwollend über die Veranstaltung mit dem Slogan „Empowerment For Future“ und zeigte sich zufrieden über die zahlreiche Teilnahme. Schön zu sehen waren die viele persönlichen Gespräche zwischen den Keynotes, die sich an den Ständen anbahnten. Nach mehr als zwei Jahren Pause durch die Pandemie trifft sich die Branche wieder live. Wir haben uns wie viele andere auch den Weg durch die vielen Ausstellerstände gebahnt und jede Menge Spannendes gesehen: Menschen, Produkte, Lösungen – insgesamt eine großartige Leistungsschau der österreichischen Logisitikwirtschaft.

An beiden Tagen gab es eine Fülle an großartigen Vorträgen und Panels, der Zuschauerraum war dementsprechend zum Bersten voll. Die Themen reichten dabei von „Supply Chain Fitness Now Europe“ über „Circular Regional Value“, „Infrastruktur Fläche Nutzung“, „Cloud Crowd Share“ bis zum Special „Commerce Trend Service“. Durch die abschließende Fachausstellung „Alles Logistik“ führten schließlich gemeinsam Bundesministerin Dr. Susanne Raab und BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner. Leider konnten wir nicht zur Networkingnight am zweiten Tag bleiben – dem Vernehmen nach war diese aber sehr unterhaltsam.

Die Stimmung in der Branche würden wir nach einer kurzen Befragung einiger Teilnehmer als gespannt, aber zuversichtlich bezeichnen. Dieses Build ergibt auch unsere am BVL Logistik-Dialog 2022 gedrehte Blogtour wieder: https://youtu.be/FPhCX-1KapQ

Zusammengefasst stellen wir fest: Es gibt zahlreiche Probleme – Krieg am Rande Europas, mangelndes Personal insbesondere bei den Frächtern, stark steigende Energie- und Treibstoffkosten, hohe Inflationsraten etc. Aber die Logistikbranche ist sich ihrer Bedeutung mehr denn je bewusst und stark gewillt, Lösungen anzubieten – im Sinne und für das Wohl aller!
Mehr auf www.bvl.at

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022

 


Österreichische Post: Gelber Riese mit grünem Herzen

Die Pandemie hat den Umbau in der Paketlogistik erheblich beschleunigt: Ein deutlicher Zuwachs beim Onlinehandel sorgte für mehr Arbeit bei der Österreichischen Post AG. Diese begegnet den Anforderungen mit Investitionen und einem grüneren Weltbild. Post-Vorstand Peter Umundum beantwortet unsere Fragen.

Redaktion: Peter Nestler.

Der Weg war vorgezeichnet: Zusätzlich zum allgemeinen Anstieg im E-Commerce hat der Onlinehandel nach Ausbruch der Pandemie mit ihren beschränkenden Maßnahmen weltweit im Jahr 2020 stark zugenommen. Die Ausgaben der heimischen Konsumenten im so genannten Distanzhandels wurden auch im Vorjahr überwiegend vom E-Commerce getragen und erreichten 2020 mit 8,7 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert. Von insgesamt 8 Mrd. Euro Online-Umsatz fallen bereits 1,2 Mrd. Euro auf den Mobile Commerce. Das bedeutete im Vorjahr einen massiven Zuwachs von plus 50 Prozent.

Diese Warenströme wollen auch an die Konsumenten gebracht werden. Branchenprimus Österreichische Post AG zeigt sich durchwegs vorbereitet. Als österreichischer Marktführer in der Paketlogistik hat das Unternehmen im Jahr 2020 insgesamt 166 Mio. Pakete transportiert – über 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor (127 Mio. Pakete). Auch heuer für 2021 wird mit einem Mengenzuwachs im zweistelligen Prozentbereich gerechnet. Vorbereitung ist dabei alles. Und die Post ist gut vorbereitet auf das Mengenwachstum. Dafür sorgen Erweiterungen in der Logistik und strategische Partnerschaften beziehungsweise Kooperationen. Seit August 2019 stellt die Post unter anderem auch DHL-Pakete in Österreich zu. Allein das hat der Post noch einmal rund 20 Mio. Pakete mehr gebracht.

Das Briefgeschäft sei dagegen im Zuge der Digitalisierung weiter rückläufig, berichtet Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik bei der Österreichischen Post. Dennoch gebe es auch hier Bereiche, die sogar ein gewisses Wachstum aufweisen. So habe das Volumen an größeren Briefen im Zuge der steigenden E-Commerce-Aktivitäten in Österreich ebenfalls zulegen können.

Der österreichische Handel gehört bei diesen Wachstumstrends im Pakethandel nicht zu den Gewinnern. „Jedes zweite Paket kommt aus dem Ausland und die großen Internethändler haben auch pandemiebedingt ordentlich zugelegt“, weiß Peter Umundum Mit einer Österreichbrille betrachtet, habe der heimische Handel da durchwegs einigen Aufholbedarf, fügt er an. Die Post leistet mit dem Onlineportal shöpping ihren eigenen Anteil dazu. „Wir haben im vergangenen Jahr deutlich über 1000 Anbieter auf shöpping dazugewonnen. Somit sind dort nun insgesamt 1800 Händler und über 3 Millionen Produkte vertreten“, so Umundum. Das über das Portal generierte Umsatzvolumen habe sich 2020 verdreifacht.

Noch ist das 2017 gestartete Projekt der Post im Aufbau : „Wir verdienen derzeit noch nichts damit“ sagt Umundum. Es handle sich um ein klassisches skaliertes Geschäft, das weiteres Wachstum brauche, um für den Betreiber auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Somit müssen weitere Anbieter und auch Abnehmer dazukommen. Ein erfolgreicher Schritt sei die Kooperation mit der 7Ventures, dem Investment-Arm von Österreichs führender Privat-TV-Gruppe ProSieben Sat.1PULS4.

Für den Konzern insgesamt ist Umundum operativ sehr zuversichtlich, ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 abliefern zu können. „Da hilft uns natürlich das Wachstum im Pakethandel im Zuge der Pandemie schon“, sagt Umundum. Gleiches gelte für die Auslandsbeteiligungen der Post, lässt er durchblicken. Eine Erweiterung der Geschäftsfelder sei für die Post derzeit nicht geplant, etwa komme ein Ausbau in den Bereich Supply Chains für die Post aktuell nicht infrage.

Dafür entwickelt die Post neue Modelle gemeinsam mit dem Handel in Österreich. 2020 wurde mit dm drogerie markt eine kombinierte Kommissionierung gestartet. Wenn Kunden beim dm drogerie markt online Produkte bestellen, bietet der Drogerie-händler die Abwicklung der Bestellung seinen Filialen an. Wurde das Paket in der Filiale kommissioniert, so erteilt die Filiale dann der Post einen Abholauftrag, diese holt das Paket in der Früh ab, bringt es in ein nahegelegenes Verteilzentrum und stellt es am nächsten Tag bereits zu.

Alles, was nicht in der Filiale kommissioniert wird, geht in die zentrale Kommissionierung, die die Post Systemlogistik für dm drogerie markt übernimmt. Der Vorteil für die Handelskette ist, dass durch dieses flexible Konzept Online-Bestellungen noch schneller abgewickelt werden und Leerläufe in den Filialen sinnvoll genutzt werden

Ein weiteres spannendes Projekt habe man gemeinsam mit dem Onlinehändler zalando entwickelt. Wenn dort online bestellt wird, gibt zalando die Kommissionierung der Ware teilweise an Handelspartner, die in Österreich sitzen, weiter. Im Grunde laufen diese Prozesse ähnlich ab wie mit dm drogerie markt, „aber sie sind etwas breiter gedacht, weil es ein größeres Produktspektrum und unterschiedliche Handelspartner gibt“, so Umundum. Das klinge einfach, habe aber durchaus seine Herausforderungen in der Mengensteuerung, weil man ja nie wisse, kommen da 10 Pakete daher, 100 oder 500“, beschreibt Umundum die Anforderungen an die Post als Logistikpartner. „Das sind schon Handelskonzepte, die auch für den österreichischen Handel Chancen für die Zukunft eröffnen. Es muss allerdings auch die IT im Zusammenspiel der Lagersysteme gut integriert und entwickelt sein, um mit den Systemen der Post zu harmonieren“, weiß Umundum.

Amazon wird zum Mitbewerber.
Internethandelsriese Amazon knabbert der Post allerdings in Österreich Teile dieses Kuchens wieder weg. Besonders in den Ballungszentren haben die Amerikaner begonnen, die Zustellung mittels eigener Logistik zu erledigen. Zuletzt wurden in Wien gleich zwei Verteilzentren in Betrieb genommen. Amazon ist nach wie vor einer unserer größten Kunden und wird das auch bleiben, davon gehe ich aus. Das Unternehmen wird aber zugleich auch Mitbewerber, nachdem er gerade seine Netze aufbaut“, sagt Umundum. Strategische Überlegungen? Betriebswirtschaftliches Kalkül? Was treibt Amazon bei diesen Überlegungen an? „Ich bin mir gar nicht sicher, ob Amazon da immer ganz genau rechnet“, meint Umundum.

Vielmehr gehe er davon aus, dass dies ein eher strategischer Zugang sei, der in der Konzernzentrale entschieden wurde. Die Eigenzustellung sei ganz einfach ein Trend, der vor einigen Jahren in den USA begonnen habe, dann in Großbritannien nachgezogen wurde und nun schön langsam auch auf andere Länder ausgerollt werde.

Gefährdet sei das Zustellvolumen der Post durch diesen Move von Amazon hin zur Eigenzustellung aber nicht, lässt Umundum durchblicken. Zum einen erledigen die Amazonen dieses Geschäft nur in Ballungsräumen selbst, wo dies einfacher möglich sei. Zum anderen sei so eine Entwicklung bei anderen Versandhändlern nicht absehbar. „Bei anderen großen Händlern sehe ich diese Entwicklung nicht. Die Otto-Gruppe hat Bemühungen in diese Richtungen mit Hermes ja damals nach zwei, drei Jahren wieder eingestellt“, so Umundum.

Anders als in den Auslandsmärkten der Post. So baue in der Türkei ein großer Händler gerade sein eigenes Versandnetz aus. Insgesamt hat die Post die zunehmenden Paketmengen (+30% zum Vorjahr) nach eigenen Angaben gut abgewickelt. „Wir sind im Jahr 2020 auf eine Erstzustellungsquote von 94 Prozent gekommen“, ist Umundum stolz. Das heißt, dass 94 Prozent der gelieferten Pakete beim ersten Zustellversuch tatsächlich an der Zieladresse abgegeben werden konnten. Immerhin konnte diese Quote damit gegenüber dem Vorjahr nochmals um 2,5 Prozentpunkte gesteigert werden.

Um diese Quote weiter hochzuhalten, überlegt sich die Post auch alternative Zustellmethoden. „Wir wollen die Erstzustellquote sukzessive weiter erhöhen“, lässt Umundum durchblicken. Im „Kampf gegen den gelben Zettel“ testet die Österreichische Post einen neuen Service – die Vorzimmer-Zustellung. In Kooperation mit der A1 Telekom Austria AG und Nuki Home Solutions GmbH wird Empfängern erstmals die Möglichkeit angeboten, Pakete auch bei Abwesenheit direkt in die eigenen vier Wände geliefert zu bekommen. „Wir haben sehr gute Vertrauenswerte in der Bevölkerung. Gerade deshalb haben wir auch bereits über 800.000 Abstellgenehmigungen österreichweit, mit der uns die Menschen bereits in ihren Garten oder etwa ihre Garage lassen, um ein Paket abzustellen.

Mit der Vorzimmer-Zustellung gehen wir hier einen Schritt weiter und stellen auch dort zuhause zu, wo eine Abstellgenehmigung nicht möglich ist“, erklärt der Post-Vorstand. Das Pilotprojekt mit 100 Test-Kunden in Wien, Graz und Niederösterreich findet im Zeitraum Juli bis Dezember statt. Dafür wird die Eingangs-tür der Sendungsempfänger mit einem „Nuki Smart Lock“ ausgestattet. Damit erhält der Zusteller die Berechtigung, die Wohnungstür mittels eines mobilen Gerätes zu öffnen. Eine Bodenmatte im Vorzimmer markiert den Platz, an dem das Paket abgestellt werden soll. Hat der Kunde zudem Smart Home Geräte von A1 installiert, kann er , die Zustellung live oder bis zu 72 Stunden im Nachhinein per Video nachverfolgen. Sollte eine Vorzimmer-Zustellung nicht möglich sein, kommt der normale Zustellprozess zur Anwendung – eine Abgabe in einer Post Empfangsbox, eine Hinterlegung in einer Filiale oder bei einem Post Partner. „Während die Erstzustellquote im ländlichen Raum gegen 100 Prozent geht, richtet sich diese neue Zustelllösung vor allem an Interessierte in städtischen Gebieten, wo die Rate noch darunter liegt,“ erklärt Umundum.

Logistikzentren massiv ausgebaut.
„Im Zuge unseres mehrjährigen Ausbauprogramms investieren wir rund eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau unserer Logistikkapazitäten“, so der Post-Vorstand. „Allein bis 2022 schaffen wir damit zusätz-liche 30 Prozent an Sortierleistung.“ 2020 hat die Post insgesamt 143 Mio. Euro (CAPEX) investiert.“ Damit will das Unternehmen mit den zu-nehmenden Mengen Schritt halten und die eigene Leaderposition in Österreich absichern. Die Post als Konzern ist in acht Ländern tätig und das genannte Wachstum findet auch in den anderen Ländern in ähnlichem Ausmaß statt. „In der Türkei hat es sogar ein überdurchschnittliches Wachstum gegeben. Dort ist das Volumen der beförderten Pakete von ebenfalls rund 127 Mio. Paketen auf 188 Mio. angesprungen“, sagt Umundum.

Die neuen, größeren oder ausgebauten.
Logistikzentren der Post sind dabei strategisch über ganz Österreich verteilt. In Allhaming in Oberösterreich entsteht das derzeit modernste Logistikzentrum Österreichs. Die Post erweitert ihr seit 2014 bestehendes Paketzentrum im Bezirk Linz-Land um eine Grundstücksfläche von ca. 125.000 m², mehr als 700 bestehende Arbeitsplätze werden dadurch gesichert, mit Betriebsstart kommen 200 neue dazu.

Die Sorterleistung wird sich dann auf 33.000 Pakete pro Stunde belaufen – bisher waren es 10.500 pro Stunde. Garantiert wird dies durch den Einsatz hochmoderner Quergurtsorter. In Vomp wird inzwischen das Projekt Logistik-zentrum Tirol umgesetzt. Auf einer 100.000 m² großen Grundstücksfläche, von der rund 30.000 m² verbaut werden, entstehen ein Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis sowie Büroflächen für den Overhead. Investor dieses Projekts ist die Firma Derfeser – die Post investiert für Sortiermaschinen bis zu 25 Mio. Euro. Aus heutiger Sicht ist mit einer Inbetriebnahme im Herbst 2021 zu rechnen.

Schon früher wurde das Paketverteilzentrum in Wolfurt in Vorarlberg erweitert, auch damit werden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Etwa 27 Mio. Euro nimmt die Post AG für diesen Ausbau in die Hand. Durch die Erweiterungen sowie Modernisierungen am insgesamt 40.000m² großen Standort, die während des laufenden Betriebes durchgeführt werden, erhöht sich die Verteilkapazität von 4.500 Paketen auf 8.000 Pakete pro Stunde. Die Fertigstellung ist im 4. Quartal 2021 geplant.

Ebenfalls neu in Betrieb genommen wurde im Vorjahr der erweiterte Standort in der Steiermark. Mit Juli 2020 hat das größte Paket-Logistik-zentrum der Österreichischen Post in Kalsdorf bei Graz seinen Betrieb aufgenommen. Auf dem fast 170.000 Quadratmeter großen Grundstück sorgen rund 370 Mitarbeiter für die Verteilung von Paketen. Außerdem erfolgt die Zustellung für den Großraum Graz von hier aus. Die Leistungsdaten des Paket-Logistikzentrums sprechen für sich: In der ersten Ausbaustufe ermöglichen die Anlagen eine Sortierleistung von 13.500 Paketen pro Stunde, dafür sorgt eine Förderanlage mit einer Gesamtlänge von rund zwei Kilometern.

Gelb wird grün.
Der zunehmenden Bodenversiegelung durch große, horizontal angelegte Produktionsanlagen begegnet die Post mit durchwegs ökologischem Antrieb: „Wir haben zum Beispiel gerade für den Standort in Allhaming zwar ein großes Grundstück verwertet, kommen aber dennoch auf eine Aufforstungsquote von 1,3“, ist Umundum stolz.

„Das Logistikzentrum in Allhaming soll auch in puncto Nachhaltigkeit ein Vorzeigeprojekt sein“, so Umundum. Dort setzt die Post insbesondere auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. So wird am Dach des Logistikzentrums eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 500 kWp installiert, die nicht nur das Zentrum, sondern auch die am Standort betriebene E-Flotte der Post versorgt. Für eine möglichst effiziente und nachhaltige An- und Abreise der Mitarbeiter wird ein betriebliches Mobilitätsmanagement umgesetzt, das Werksbusse, Fahrgemeinschaften, die Nutzung von Fahrrädern sowie Stellplätze mit Ladestationen für E-Autos und E-Bikes beherbergt. Die Grünflächen rund um das Logistikzentrum werden mit Fokus auf Biodiversität angelegt und umweltfreundlich bewirtschaftet. Am neuen Areal wird darüber hinaus ein Biotop angelegt, Nistkästen aufgehängt sowie Wildbienen angesiedelt. Zudem kommt die Post in Österreich bereits auf mehr als 20 Prozent des gesamten Fuhrparks mit E-Fahrzeugen. Man sieht: Die Post denkt und agiert durchaus nachhaltig. Die Post bleibt zwar weiterhin gelb, sie wird aber innerlich dennoch grüner. Neben dem Ausbau der Photovoltaikanlangen setze man auf einzelnen Standorten auf Biodiversität. In Wien beherbergt die Post sogar Bienenstöcke und unterstützt deren Lebensraum. Gelb wird also grün.

Bereits seit 2011 stellt die Österreichische Post alle Sendungen innerhalb Österreichs CO2-neutral zu und war damit Vorreiter unter den Postgesellschaften. Das nächste Ziel ist eine CO2-freie Zustellung bis zum Jahr 2030, was bedeutet, dass bis dahin auf der letzten Meile ausschließlich E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz sind. Dieses Ziel wird in der steirischen Landeshauptstadt schon deutlich früher erreicht – bereits ab September 2021 wird die gesamte Postzustellung in Graz emissionsfrei erfolgen. Dann werden auch Pakete im Stadtbereich Graz CO2-frei zugestellt. Gesamt werden dann in Graz rund 160 E-Fahrzeuge für die Post im Einsatz sein.

Post ist ein Jobmotor.
Durch die Ausweitungen der Kapazitäten gilt die Österreichische Post als der größte Jobmotor im Lande in der Logistikbranche. Der Mitarbeiter-Stand betrug am Ende des 1. Quartals im Geschäftsjahr 2021 insgesamt 17.917. Bei der Post läuft eine Joboffensive. Denn der Boom beim E-Commerce sowie die sich verändernden Ansprüche der Konsumenten bringen einen richtigen Job Aufschwung in der KEP-Branche. Als einer der renommiertesten Dienstleister in der Zustellbranche sucht die Österreichische Post, ob in der Zustellung, den Logistikzentren, den Filialen, aber auch in der IT und im Management. Ziel der wirtschaftlichen Anstrengungen der Post mit dem Ausbau von Logistikzentren und Zustellbasen, sei es, „immer stärker integriert zu operieren und zuzustellen“, verrät Umundum. (PN)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

E-Commerce in der DACH-Region überspringt erstmals 100 Mrd. Euro

Erstmals hat der E-Commerce allein mit Waren, die an Endverbraucher verkauft werden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahr 2020 ein konsolidiertes Volumen von mehr als 100 Mrd. Euro inkl. USt erreicht. Der deutschsprachige E-Commerce setzt damit mehr um als jeder andere Sprachraum in Europa.

Beitrag: Rainer Will.

Pro Kopf wurde in den drei Ländern im Mittel etwa für 1000 Euro im Jahr bestellt – deutlich mehr als beispielsweise in Frankreich (67 Mio. Einwohner und etwa 46,4 Mrd. Euro vergleichbares E-Commerce-Volumen), aber noch erheblich weniger als in Großbritannien (82,6 Mrd. Euro Marktvolumen, ca. 1233 Euro pro Kopf und Jahr). Zusammen bringen es die deutschsprachigen Märkte auf ein Viertel des E-Commerce-Warenumsatzes in den USA.

Der Anteil des E-Commerce am Einzelhandel steigt in allen drei Märkten weiterhin konstant an. Prozentual am stärksten fiel das Wachstum 2020 in der Schweiz mit einem Sprung um 27,9 Prozent aus, gefolgt von Österreich (+17,4 Prozent) und Deutschland (+14,6 Prozent). Dabei unterscheiden sich Deutschland,

Österreich und die Schweiz im Einkaufsverhalten durchaus. Um die Unterschiede in den Ländern darzustellen, haben die Branchenverbände Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh), Handelsverband – Verband österreichischer Handelsunternehmen sowie Verband des HANDELSVERBAND.swiss die Zahlen verglichen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Schweiz kauften in 2020 Waren für 13,1 Mrd. CHF (umgerechnet 11,84 Mrd. Euro, +27.2 Prozent) online ein.

Die Onlineeinkäufe haben sich somit innerhalb von sechs Jahren verdoppelt. Die Branche in Österreich konnte im Vorjahr erstmals mehr als 8,5 Mrd. Euro im E-Commerce erwirtschaften. Der über mobile Endgeräte generierte Umsatz hat sich um mehr als 50 Prozent erhöht – mehr als in Deutschland, wo das Volumen nur um 11,1 Prozent stieg.

Allerdings liegt der Anteil des Mobile Commerce am gesamten E-Commerce-Umsatz hierzulande mehr als doppelt so hoch wie in Österreich. In Deutschland liegen die Online-Umsätze mit Waren für 2020 bei 83,3 Mrd. Euro. Dies ergibt einen prozentualen Anstieg von 14,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Obwohl während der gesamten Corona-Krise in allen drei Ländern der Lebensmittelhandel nie geschlossen hatte, legte dieser im Onlinehandel überall prozentual am stärksten zu. Doch noch immer ist der e-Food-Sektor nirgends stärker als in der Schweiz: Mit 1,5 Mrd. Euro liegt er zwar deutlich unter dem deutschen Lebensmittel-Onlinehandel (2,7 Mrd. Euro, +67 Prozent). Aber bei annähernd vergleichbarer Bevölkerungsgröße ist er mehr als doppelt so hoch wie in Österreich (693 Mio. Euro, +20,9 Prozent). Pro Kopf gab jeder Deutsche wiederum nicht einmal 33 Euro für Lebensmittel im Internet aus. In der Schweiz waren es mehr als 175 Euro, in Österreich immerhin mehr als 78 Euro.

“Der Onlinehandel hat 2020 in der Schweiz einen Dreijahressprung gemacht. Wir sind positiv beeindruckt wie Händler als auch die nachgelagerte Zustellung über Monate solche Leistungen auf hohem Niveau erbringen konnte. Selbst während der Weihnachtszeit hat alles fast perfekt funktioniert. Interessant zu beobachten war, dass insbesondere Omni-Channel Anbieter in den Schliessungsphasen Wachstumsquoten von Faktor 5 bis 10 absorbieren konnten”, so Patrick Kessler, Geschäftsführer des HANDELSVERBAND.swiss.

Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbands: “Der Onlinehandel ist im Corona-Jahr 2020 in Österreich mit 17,4 Prozent so stark gewachsen wie nie zuvor. Damit hat die Pandemie den E-Commerce hierzulande noch weit stärker befeuert als in Deutschland. Mittlerweile shoppen alle Altersklassen im Internet und das wird auch nach Covid so bleiben. Der Trend zum ‘regionalen Einkauf hält ebenfalls an – eine große Chance für die Webshops der DACH-Region, mit europäischer Qualität zu überzeugen.”

Während in Deutschland das Fashion-Segment trotz der anfänglichen Schwäche seinen Abstand auf die ehemals führende Haus- und Heimelektronik (Braune und Weiße Ware sowie Telekommunikation) ausbauen konnte, ist in der Schweiz genau der gegenteilige Effekt eingetreten. Erneut wurde in der Schweiz online deutlich mehr in der Kategorie Heimelektronik bestellt.

Ein Umsatzvolumen von über 3 Mrd. CHF (+48 Prozent) macht diesen Bereich umsatzmässig zum beliebtesten Onlinehandels-Sortiment. In Deutschland erreichten die entsprechenden Sortimente ein konsolidiertes Volumen von 20,5 Mrd. Euro, 12,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Bekleidung und Schuhe hingegen wurden in der Schweiz für 2,5 Mrd. CHF (+15 Prozent) online eingekauft. Die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher haben online in 2020 für 21,2 Mrd Euro (+13,2 Prozent) Bekleidung und Schuhe gekauft.

Die großen Online-Pure-Player haben in der Schweiz auf hohem Niveau weiterhin hohe Wachstumsquoten von bis zu 50 Prozent erzielen können. In Deutschland wurde fast jeder zweite umgesetzte Euro in 2020 auf Onlinemarktplätzen und Plattformen getätigt. Hinter dem mit mehr als 20 Prozent besonders ausgeprägten Wachstum dieser Kategorie verbirgt sich ein Zuwachs an großen und kleinen Händlern. Dabei spielten auch Marktplätze wie Amazon, Mercateo, otto.de oder
Zalando eine wichtige Rolle, indem sie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Einstieg in den Online-Handel erleichterten.

“Diese beeindruckenden DACH-Zahlen zeigen, dass – bei allen regionalen Unterschieden im Detail – E-Commerce überall der Motor für den Handel ist. Noch gar nicht enthalten sind hier zahlreiche online eingekaufte Dienstleistungen wie etwa Reisen oder Events; ebensowenig der viel größere E-Commerce zwischen Unternehmen. Die daraus resultierenden Chancen für die Wertschöpfung und das Wirtschaftswachstum gilt es vielfach noch zu heben, wie auch unsere jüngste Studie zur Bedeutung des E-Commerce für die deutsche Wirtschaft gezeigt hat”, so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

Wer hätte das gedacht? E-Commerce ist doch nicht so böse

Viele halten die momentane, Lockdown bedingte Paketflut für einen ökologischen Supergau – schließlich müssen all die Pakete auch zugestellt werden. Studien zeigen jedoch: im Vergleich zum stationären Einkauf entstehen beim Onlineshopping sogar weniger CO2-Emissionen. Best Practice dazu: die UNITO-Gruppe liefert seit 1.1.2021 CO2-neutral.

Redaktion: Angelika Gabor.

Im Übereinkommen von Paris beschlossen knapp 190 Länder, durch eine Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen so stark zu reduzieren, dass der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt wird. Sieht man sich die aktuellen Werte an, sieht die Prognose eher düster aus. Umso wichtiger und richtiger ist es, dass Unternehmen sich selbst ambitionierte Ziele stecken, die Zukunft zu sichern. Die UNITO-Gruppe – hierzu zählen beispielsweise die Marken OTTO Österreich, Universal, Quelle und LASCANA – hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 vollständige Klimaneutralität zu erreichen. Möglich macht dies unter anderem die Partnerschaft mit den Logistikdienstleistern Österreichische Post und Gebrüder Weiss.

Im Kalenderjahr 2020 wurden in Österreich, Deutschland und der Schweiz 6,5 Millionen Sendungen für UNITO bewegt, das entspricht rund 1.500 Tonnen CO2. Alleine zu Weihnachten stieg das Sendungsvolumen um mehr als 30 Prozent. Die Bestellmengen werden auch nach Ende der Corona-Pandemie hoch bleiben, erwartet Mag. Harald Gutschi Sprecher der Geschäftsführung UNITO-Gruppe/Otto Group: „Die Menschen fühlen sich wohl beim Onlineshopping. Sie bestellen mehr und vor allem bewusster, so konnten wir im letzten Jahr 20 Prozent weniger Retouren verzeichnen.“ Einen Grund hierfür sieht er auch in der Qualität des Onlineshops: gute Bilder, ausführliche Beschreibungen und auch die Bewertung andere Kunden würden einen aussagekräftigen Gesamteindruck vom Produkt vermitteln und so die Kaufentscheidung erleichtern. Bei diesen Mengen ist der ökologische Fußabdruck natürlich gewaltig. „Unserem Vorstand (insbesondere Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Michael Otto, Anm.) ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, und mir persönlich ein großes Anliegen. Wir haben keinen Planeten B“, so Gutschi. „Die Welt ist in Bewegung, und auch die Kunden wünschen sich Regionalität und Klimaschutz und langsam steigt auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.“ Darum werden ALLE Bestellungen der Gruppe seit 1. Jänner 2021 CO2-neutral zugestellt.

Stationär vs. Onlinehandel.
Für die Studie „Klimafreundlich einkaufen – eine vergleichende Betrachtung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel“ beleuchtete das DCTI Deutsches CleanTech Institut die Transportwege verschiedener Produkte vom Zentrallager zum Kunden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Käufertypen, die bestimmte Lebens- und Einkommenssituationen haben und sich unterschiedlich verhalten. Das überraschende Ergebnis: durch den verdichteten Transport der Sendungen durch Paketdienstleister entstehen pro Sendung weniger CO2 Emissionen als beim individuellen Einkauf im stationären Handel – schließlich wird je nach Region ein überwiegender Teil der Einkaufsfahrten mit dem Auto getätigt. Sieht man sich als Beispiel den Kleinartikel Handy an, entstehen beim Kauf im Geschäft zumindest 450 g CO2, wohingegen durch die Bündelung bei der Lieferung aus dem Onlineshop maximal 310 g CO2 freigesetzt werden. Auch bei Großartikeln, wie beispielsweise einem Sofa, fällt die Bilanz mit 8,4 kg zu 8 kg CO2 weniger deutlich, aber dennoch positiv für den Versandhandel aus. In Summe gesehen sind die Einsparungen enorm, denn die Österreichische Post stellt derzeit mehr als 700.000 Pakete pro Tag für UNITO zu und im vergangenen Jahr lieferte Gebrüder Weiss rund 540.000 Großartikel wie Kühlschränke oder Möbel an Haushalte in Österreich.

Starke Partner.
Vermeiden, reduzieren und kompensieren – so die Strategie der UNITO. Bei einem Onlinehändler spielt aber auch die Wahl der Logistikpartner eine wesentliche Rolle in der Gesamtbilanz. In Österreich setzt das Unternehmen daher auf zwei Partner, die sich selbst schon lange der Nachhaltigkeit verschrieben haben. So stellt etwa die Österreichische Post AG bereits seit 2011 sämtliche Briefe, Pakete, Zeitschriften und Werbesendungen CO2-neutral zu. „Wir waren weltweit der Vorreiter bei der CO2-neutralen Zustellung, und bis 2030 wollen wir auf der letzten Meile sogar CO2-frei sein“, bestätigt DI Dr. Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Post AG. Derzeit läuft ein massiver Umbau, um dem steigenden Paketaufkommen Herr zu werden: dezentrale Logistikstandorte, eigene Photovoltaikanlagen und die Zusammenführung der Brief- und Paketinfrastruktur helfen, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. „Durch den Einsatz von Elektromobilität konnten wir zwischen 2014 und 2019 bereits 4.396 Tonnen CO2 einsparen, und unser E-Fuhrpark wächst weiter an.“ So wird Graz 2021 als erste Stadt in Österreich mit 100% emissionsfreier Zustellung zum neuen Vorreiter in puncto Klimaschutz bei der Post. Mit Elektrofahrzeugen hat die Post schließlich Erfahrung, denn schon im Jahr 1913 wurde mit dem Daimler-Tudor Elektro-Paketwagen elek-trisch zugestellt. Heute umfasst die E-Flotte bereits mehr als 2.100 moderne Fahrzeuge, die mit Strom aus den fünf hauseigenen PV-Anlagen betrieben werden. „Aktuell nicht vermeidbare Emissionen kompensieren wir durch Zertifikate 72 nationaler und 75 internationaler Klimaschutzprojekte – geprüft und bestätigt vom TÜV AUSTRIA“, führt Pölzl aus.

Für die Auslieferung größerer Artikel vertraut UNITO auf Gebrüder Weiss – das älteste Transportunternehmen der Welt mit mehr als 500jähriger Firmengeschichte. „Gerade im Lockdown konnte man den Stellenwert der Logistiker bei der Versorgungsleistung der Bevölkerung erkennen. Die Fahrer wurden quasi zu den Krankenschwestern der Logistik“, meint Dipl.-Bw. Jürgen Bauer, MBA, Mitglied der Geschäftsführung der Gebrüder Weiss Gesellschaft m.b.H. „Seit jeher ist unsere Kernkompetenz, Transporte effizient zu bündeln, wodurch der Einfluss auf die Umwelt minimiert wird.“ Gezielte Maßnahmen im Rahmen der GWcares Initiative zielen gleichermaßen auf soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ab. „Unser Ziel ist es, unseren CO2-Ausstoß jährlich um 10 Prozent zu reduzieren und bis 2030 komplett CO2-neutral zu agieren“, verkündet Bauer. Während in der letzten Meile bereits E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen, setzt das Unternehmen für die europaweite Hauptlaufüberwindung auf Gas-LKW als Brückentechnologie. „Gemeinsam mit Kunden planen wir, Konzepte für angrenzende Länder mit Elektrofahrzeugen zu erstellen. Momentan scheitert es Großteils an der mangelnden Ladeinfrastruktur.

In der Schweiz machen wir mit Wasserstoff-LKW sehr gute Erfahrungen, aber für Österreich ist das aktuell nicht umsetzbar“, bedauert Bauer. Auch hier fehle es an der Ladeinfrastruktur, rund 15 Wasserstoff-Tankstellen mit ausreichendem Ladedruck für die Betankung eines LKW seien nötig für einen flächendeckenden Einsatz in Österreich. Bis dahin helfen Photovoltaik-Anlagen auf Logistik-Terminals, ein eigener Windpark, Pool-Fahrzeuge und E-Bikes für Mitarbeiter und klimafreundliche Schienentransportlösungen wie der Ganzzug Orange Combi Cargo für die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Auch hier wird der Rest kompensiert, im Falle der UNITO unterstützt Gebrüder Weiss ein zertifiziertes Energieef-fizienz-Projekt in Ruanda. Das langfristige Ziel: bis 2030 auch ohne Kompensation 100 % Klimaneutralität zu erreichen. Auch wenn die Corona-Pandemie momentan die Medien und den Alltag als Thema Nr. 1 beherrscht, so darf trotzdem nicht auf das Klima und die Nachhaltigkeit im unternehmerischen Tun vergessen werden. Die UNITO-Gruppe, Post und Gebrüder Weiss zeigen, dass mit Innovation und Wille ökolo-gische Lösungen umsetzbar sind, die nicht im Widerspruch zum unternehmerischen Erfolg stehen. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Des einen Leid, des anderen Freud: Corona als Digitalisierungs-Push

Mit der Verkündung des zweiten harten Lockdowns Mitte November bis voraussichtlich 6. Dezember 2020 wurden gleichzeitig weitere Unternehmer in den Ruin getrieben. Der Onlinehandel hingegen freut sich kurz vor Weihnachten über noch stärkere Zuwächse. Einer der Gewinner: die UNITO-Gruppe mit ihren bekannten Shops OTTO, Universal, Quelle, LASCANA und mehr.

Redaktion: Angelika Gabor.

Schon beim e-Commerce Logistik Tag im September zeigte sich Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe, sehr zufrieden über die Umsatzentwicklung. Denn nach einem kurzen Einbruch der Bestellungen zu Beginn der Pandemie sind die Umsätze schier explodiert: „Zuerst waren es Kühlschränke, Schreibtische und Laptops sowie Jogginghosen, danach waren Swimmingpools und Fahrräder ausverkauft. Während des Lockdowns hatten wir teilweise kurzfristig Wachstumsraten von 100 Prozent im Vergleich zu 2019.“

Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe im Zeitraum vom 1. März bis 31. August 2020 einen Gesamtumsatz von 201,5 Millionen Euro, ein Plus von 12,8 Prozent. Noch deutlicher der Zugewinn im reinen Warengeschäft: 18 Prozent mehr Umsatz – im Vergleich zu einem Marktwachstum von 7 Prozent laut „E-Commerce-Studie Österreich 2020“der KMU Forschung Austria.

Sieht man sich die Segmente genauer an, muss sich das Umsatzwachstum von 41 Prozent bei den „Stay at home“-Artikeln (Haushaltswaren, Möbel, Heimtextilien) nur jenem von 54 Prozent im Baumarkt-Segment geschlagen geben. Denn wer zu Hause bleiben muss, möchte es zumindest schön und bequem haben. Die Gruppe erntet nun die Früchte davon, sich schon in den letzten Jahren vom Kataloghändler zum Onlinespezialisten gewandelt zu haben. „Etwa alle 100 Jahre gibt es so Einmal-Effekte wie eben jetzt diese Pandemie, die zu einem Umbruch, einer Beschleunigung der gesellschaftlichen Entwicklung führt. Dieser „digitale Arschtritt“ hat uns in der Entwicklung um etwa fünf Jahre nach vorne katapultiert. Die Verlagerung in den Onlinehandel wäre unweigerlich gekommen, aber schrittweise. Die jetzige Änderung ist aus meiner Sicht irreversibel.“ Schließlich würden die Kunden zunehmend die Bequemlichkeit und zeitliche Unabhängigkeit des eCommerce zu schätzen wissen – und zwar alte, wie auch neue.

Die Zuwächse hat das Unternehmen nämlich nicht nur treuen Stammkunden zu verdanken, sondern auch beinahe 400.000 Neukunden, die während des Lockdowns erstmals bei einem der UNITO-Onlineshops bestellt haben. „Besonders erfreulich für uns ist, dass es sich um hochwertige neue Kunden mit gutem Nachfolgeverhalten handelt, es bleibt also nicht bei Einmalbestellungen“, zeigt sich Gutschi begeistert. Gleichzeitig ist die Retourenquote stark gesunken, liegt je nach Produktgruppe zwischen 7 und 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Gründe hierfür sind neben Struktureffekten (weniger Textilien) bessere Produktbeschreibungen und vor allem eine selektivere Bestellung durch die Kunden. Es zeigt sich, dass viele Menschen durch diese erzwungene Pause im stationären Handel auf den Geschmack gekommen sind und etwaige Berührungsängste verloren haben. „Zu Beginn der Krise spürten wie die Dankbarkeit der Kunden für die Versorgungsfunktion während des Lockdowns, doch sehr schnell kristallisierte sich dann ein sehr hohes Anspruchsdenken heraus. Lieferzeiten von mehreren Wochen sind inakzeptabel“, so Gutschi.

Logistik als Lebensader.
Der beste Onlineshop ist nur so gut wie seine Logistik, denn schließlich müssen die Waren auch zum Kunden gebracht werden – und das möglichst schnell und unkompliziert. Die Zuverlässigkeit und damit der Erfolg eines Unternehmens sind untrennbar mit der Zustellung verknüpft. In Österreich setzt UNITO auf die Post und Gebrüder Weiss als Partner bei der Zustellung. Die Logistikstandorte sind dezentral organisierte 24h-Läger. Bei den Zustellungsvarianten fordert Gutschi mehr Mut und Kreativität: „Der Kunde möchte seinen Laptop so schnell wie möglich. Also warum verlange ich nicht 15 Euro extra für Same-Day-Delivery, statt nur gratis Abholung zu bieten? Das Abendessen wird ja auch für zwei Euro extra geliefert. Der Warenrohertrag ist in den letzten Jahren stetig gesunken, da kommen neue Erlösströme genau recht.“ Wichtig sei die Zufriedenheit der Kunden, denn dann würden sie auch öfter kaufen.

Aufschwung durch US-Wahlergebnis.
Die USA sind nach Deutschland der zweitgrößte Exportmarkt für Österreichs Unternehmen, unzählige Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von einem uneingeschränkten Handel mit den USA ab. Handelskonflikte wirken sich negativ auf die Unternehmen und die Beschäftigten und somit natürlich auch unmittelbar auf deren Kaufkraft aus. „Die Welt atmet auf“, fasst Gutschi das Wahlergebnis treffend zusammen. Der unmittelbare Aufschwung an den Börsen war ein deutliches Signal. „Es ist wichtig, dass der amerikanische Präsident als Führer der freien Welt zu seinem Wort steht und verlässlich ist. Biden wird den Freihandel forcieren und es wird wieder ein kultivierterer, zivilisierterer Umgangston herrschen – wenngleich auch er ein durchaus harter Verhandlungspartner sein kann“, meint Gutschi und fügt an: „hätte Trump die Coronakrise besser gemanagt, hätte er vermutlich wieder gewonnen.“ Doch im Coronajahr 2020 ist eben alles anders.

Aktuell blickt Handelsexperte optimistisch in die Zukunft: „Ich erwarte für 2021 eine spektakuläre Wiederauferstehung der Wirtschaft. Nach diesem gewollten Runterfahren werden die marktwirksamen Kräfte wieder greifen. Jammern ist keine unternehmerische Tätigkeit, das kommende Jahr wird super.“ (AG)

Die UNITO-Gruppe ist eine Tochter der Baur-Gruppe und Teil der Otto Group. Marken: Universal, OTTO, Quelle, Lascana, OKO (Österreich) Ackermann, Quelle, Lascana (Schweiz) sowie Quelle (Deutschland). 51.800 Mitarbeiter weltweit mit über 100 Unternehmen.

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 6/2020

Der letzte macht das Licht aus! Innovationen in der Intralogistik.

Sprechen wir von Innovationen in der Logistik, dann geht es in der Regel um das Transportwesen. Platooning, Autonomie, Echtzeit-Daten zur besseren Auslastung von LKWs, Containern und Schiffen. Im Schatten disruptieren neue Technologien Terminals, Warenhäuser, die Intralogistik – die neuen großen Innovationsfelder.

Gastbeitrag: Henry Palmer, Partner bei Amplifier Ventures.

Nein, die Logistik besteht nicht nur aus dem Transportwesen. Nicht nur aus Trucks, Flugzeugen, dem Schienenverkehr oder der Schifffahrt. Branchenkennern muss man das sicher nicht erklären. Der Öffentlichkeit scheinbar schon. Denn horchen wir in die öffentlichen Debatten rund um Innovationen in der Logistik, riskieren wir einen Blick in die Zeitungen und die Meinungsartikel, erhält man den Eindruck Innovation und Disruption entstünden hauptsächlich im Transport. Doch heimlich, still und leise haben sich Warenhäuser und Terminals – die Intralogistik
– zu den großen Innovationstreibern aufgeschwungen. Sie profitieren von enormen Fortschritten in der Robotik und der Künstlichen Intelligenz. Genauer gesagt: In den Bereichen Neural Technology und Computer Vision.

Kurzum: Roboter und autonome Technologien können immer komplexere und kleinteiligere Aufgaben übernehmen. Ein Beispiel dafür sind Cobots; kleine, kompakte Roboter, die Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten können. Durch den technologischen Fortschritt beobachten wir außerdem einen Demokratisierungsprozess in der Robotik. Die Anwendungsgebiete werden einfacher, die Technologie verständlicher für den Otto Normalverbraucher.

Mehr Unternehmen nutzen Roboter und autonome Technologien, mehr Unternehmen produzieren sie. Dies senkt den Preis und steigert die Verfügbarkeit. Diese Demokratisierung von Technologie ist ein in der Geschichte immer wieder vorkommender Vorgang. Das Internet oder sogar Elektrizität waren irgendwann mal ebenfalls nur für eine handvoll an Menschen zugänglich. Auf dem freien Markt erreichten technologische Erfindungen jedoch immer irgendwann einen Wendepunkt, der die ersehnte Innovation für die breite Masse öffnete.

Vergangene Hürden in der Robotik werden übersprungen.
Durch die fortschrittlichere und kostengünstigere Technologie werden drei große Hürden für die Anschaffung von Robotern oder autonomen Technologien übersprungen.

Namentlich: Vertragslängen und Break Even. 3PL Verträge in der Logistik laufen für gewöhnlich über drei Jahre. Bis vor kurzem waren es im Durchschnitt noch fünf Jahre. Angesichts der geringen Margen und der Tatsache, dass der Break-Even in der Regel erst am Ende des zweiten Jahres erreicht wird, war die Einführung und Integration neuer Robotik und autonomer WMS eine große finanzielle Herausforderung. Jetzt beschleunigen günstigere Technologien sowohl Break-Even als auch den Return on Investment.

Anwendungsgebiete: Gerade in Lagerhäusern variieren die Aufträge für Maschinen von hochkomplexen Manipulationsaufgaben bis hin zu Transportaufgaben mit begrenzter Variabilität. Ein Beispiel: Eine Manipulationsaufgabe könnte die Konfiguration von Kisten auf eine Palette sein, aber auch die Identifizierung und Sortierung ähnlicher, aber unterschiedlicher Gruppen von Gegenständen in einem Behälter.

Früher war dies für Roboter nur schwerlich möglich, doch inzwischen können sie auch solche Aufgaben erfüllen. Setup- und Trainingskosten: 70 Prozent der Kosten im Lebenszyklus eines Roboters fallen durch das Setup, die Programmierung und das Training an. Insbesondere in den Bereichen der künstlichen Intelligenz und im Verstärkungslernen kann der technologische Fortschritt diese Anfangskosten reduzieren. Dadurch haben Unternehmen insgesamt viel niedrigere Gesamtkosten bei der Integration von Robotersystem und profitieren von erhöhter Anpassungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit.

Das Lights-Out-Lagerhaus.
Mit dem technologischen Fortschritt, insbesondere im Bereich Autonomie, bewegen wir uns weiter in Richtung des Lights-Out-Lagerhauses. Doch warum der plötzliche Innovationsanstieg in Lagerhäusern und Terminals? Arbeitskräftemangel und Personalkosten: In der Logistik sind Personalkosten und Treibstoff die größten Kostentreiber (zwischen 30 und 75% der Betriebskosten). Zeitgleich fehlen Arbeitskräfte aufgrund des eCommerce-Booms und dem damit einhergehenden Bedarf an neuen Arbeitskräften.

Arbeitssicherheit: Der Konkurrenz- und Zeitdruck durch das Online-Geschäft provoziert Fehler in den Warenhäusern und der Auslieferung. 2017 verursachten Unfälle und Verletzungen am Arbeitsplatz Kosten von 476 Milliarden Euro in der EU (EU-OSHA).

Der Amazon-Effekt: Der e-Commerce-Boom überstieg alle Prognosen. Inzwischen hat das e-Commerce-Handelsvolumen die 3-Billionen-Dollar-Marke geknackt. Der Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten in Lagerhäusern und einer schnellen Verarbeitung der Bestellungen – inklusive raschem Versand und Same-Day-Delivery – ist höher denn je.

Den Transport in den Schatten stellen.
Die Fakten sprechen für sich: Als wichtiges Bindeglied im Logistik- und Transportsektor treibt die Intralogistik die Förderung von Innovationen im gesamten Bereich voran. Der rasche Fortschritt der Robotik und der künstlichen Intelligenz haben es ermöglicht, Lagerhäuser und Terminals zu bauen, die in der Lage sind, immer größere Volumen und Abweichungen in SKUs (Stock Keeping Units) zu bewältigen. So können Einzelpersonen und Unternehmen Bestellungen schneller als je zuvor erhalten. Natürlich gibt es ein Limit, wie viel schneller der Transportweg über Land, zu Wasser oder in der Luft noch werden kann. Dennoch: Die Effizienzsteigerung der Warenhäusern und Terminals bringt massive Vorteile für die gesamte Lieferkette mit sich. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Abläufe an fortgeschrittenen Standorten verdeutlicht dies bereits jetzt. (HP)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

Alles dreht sich um Ihre Sicherheit. Wir schützen Österreich!

Mit diesem aktuellen Slogan, will das Bundesheer seine Bedeutung für die Bevölkerung unterstreichen. Man kann es aber auch wahlweise als Schlachtruf oder als Marketingstrategie verstehen.

Redaktion: Peter Baumgartner.

Im Werbeslogan, der aktuell breit gestreut in den Medien auftaucht, ist ein Militärhubschrauber in der Luft zu sehen. Am Bergeseil hängt ein Soldat. In seinem Arm hält er ein kleines Kind fest, das unzweifelhaft zu der am Boden, unter dem Heli, laufenden Frau gehört. Verdeckt von der Heeres Graphik, kann man die Szene am Boden nur erahnen. Von der jungen Frau mit wehenden Haaren sind auch nur der Kopf und ein Teil des Oberkörpers sichtbar. Sie lässt die Szene in der Luft jedoch nicht aus den Augen. Man erkennt sofort: Das Bundesheer befindet sich in einem Hilfseinsatz. Dafür und für zahlreiche andere Aufgaben ist das Bundesheer da, lautet die Botschaft. Welche Grundvoraussetzungen sind notwendig, damit das Heer seine Aufgaben erfüllen kann „Ich gelobe, mein Vaterland, die Republik Österreich, und sein Volk zu schützen und mit der Waffe zu verteidigen. Ich gelobe, den Gesetzen und den gesetzmäßigen Behörden Treue und Gehorsam zu leisten, alle Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich und genau zu befolgen und mit allen meinen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen.“


Wenn die Wehrpflichtigen in Österreich die Hürde der Wehrtauglichkeit genommen haben, dürfen sie ein Gelöbnis ablegen und damit ihren Dienst für Österreich und dessen Volk antreten. Dieser Dienst umfasst zunächst die im Artikel 9a der Verfassung beschriebenen, umfassenden Landesverteidigung. Ihre Aufgabe ist es demnach, die Unabhängigkeit nach außen sowie die Unverletzlichkeit und Einheit des Bundesgebietes zu bewahren, insbesondere zur Aufrechterhaltung und Verteidigung der immerwährenden Neutralität. Hierbei sind auch die verfassungsmäßigen Einrichtungen und ihre Handlungsfähigkeit sowie die demokratischen Freiheiten der Einwohner vor gewaltsamen Angriffen von
außen zu schützen und zu verteidigen.

Mit der umfassenden Landesverteidigung meint die Verfassung jedoch nicht nur die militärische Landesverteidigung, sondern auch die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Landesverteidigung. „Es gibt immer was zu tun“, könnte man da einen Baumarkt-Slogan abgewandelt anwenden – die zahlreichen Verpflichtungen in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union noch gar nicht miteingerechnet. Damit das Bundesheer diese gewaltige To-do-Liste abarbeiten kann, braucht es ein Grundverständnis für das Heer, das es anscheinend nicht gibt – noch nie gegeben hat. Das ist jedenfalls der Eindruck der entsteht, wenn man die veröffentlichte Meinung zahlreicher Experten wertfrei verfolgt.

An dieser Stelle geht es nicht um Geld und Budget, eigentlich beginnt es ja schon damit, dass die Verpflichtung zur Gehorsamkeit und Befehlsausführung schon von jenen nicht ernst genommen wird, die das auch von Rekruten einfordern. Wenn hohe und höchste Militärs ihren vorgesetzten Ministern über die Medien ausrichten, dass sie alles falsch machen, fehl am Platz sind oder gar als Lügner enttarnt werden. Wenn das Heer insgesamt als desolat, degeneriert und konkursreif dargestellt wird, dann hat die Befehlskette in der Firma Bundesheer ein grundsätzliches Problem. Wenn der Vorarlberger Militärkommandant, bestimmt erfahren in Hüsli bauen meint, das Heer ist eine schiefe Holzhütte und wenn der oberste Offiziersvertreter gar behauptet, das Bundesheer wird verfassungswidrig behandelt, dann sollte eigentlich „Alarmbereitschaft“ herrschen.

Stimmt nur die Hälfte der von Experten erhobenen Vorwürfe, die seit Jahrzehnten über die Medien gespielt werden, stellt sich die Frage, was macht die Parlamentarische Bundesheerkommission, was macht der Nationale Sicherheitsrat, was macht der Oberbefehlshaber des Heeres, um die verfassungsrechtlich verankerten Verpflichtungen des Bundesheeres zu garantieren? Immerhin sind auch sie auf die Verfassung vereidigt. Wie sollen Bürger und insbesondere junge Staatsbürger die geistige Landesverteidigung verinnerlichen, wenn sie tagtäglich aus den Medien hören, wie die militärische und politische Führung des Heeres versagt und die Verfassung mit Füßen getreten wird? Neben dem Grundverständnis, das es braucht, um eine Organisation wie das Bundesheer mit seinen vielfältigen Aufgaben am Leben zu erhalten, braucht es noch lange vor der finanziellen Ausstattung auch eine politische Kontinuität – fernab jeder Parteipolitik. Beides fehlt offensichtlich bis zur Stunde.

Das Bundesheer braucht ein positives Grundverständnis, eine politische Kontinuität und die finanzielle Absicherung – in genau dieser Reihenfolge.

Ein Rückblick: Begonnen hat das schon mit Minister Ferdinand Graf, der trotz Akzeptanz bei den Offizieren an der ersten Bewährungsprobe (Ungarnaufstand) gescheitert ist. Karl Schleinzer, der loyale ÖVP-Parteifunktionär, hat dem „Ruf der Partei Folge geleistet“ und im noch ganz jungen Verteidigungsressort schon die ersten umstrittenen Reformen eingeleitet, bevor er genauso folgsam in das Landwirtschaftsressort übersiedelte und die Stafette seinem Nachfolger Georg Prader übergab. Der Kriegsinvalide, verschaffte sich beim Heer Respekt – und häufte neue Probleme an. Der Brigadier Johann Freihsler konnte mangels politischen Rückhaltes erst gar nicht mit der Arbeit beginnen und musste sich schließlich bereits nach einem Jahr, gesundheitlich den Aufgaben nicht gewachsen, geschlagen geben.

Bei Karl Lütgendorf, der als aktiver General sogar von der SPÖ zum Verteidigungsminister gemacht wurde, machte sich erstmals die wirtschaftliche Bedeutung des Bundesheeres bemerkbar. Als parteiloser Experte hätte der adelige Lütgendorf die besten Voraussetzungen für eine glanzvolle Zukunft als Heeresminister gehabt. Übrig geblieben ist die Steyr-Waffenaffäre und die Lucona-Geschichte. Beides peinliche Erbschaften, die auch international Aufmerksamkeit fanden. Dafür legte Lütgendorf die Budgetlatte so hoch, dass niemand auch nur ansatzweise an eine Zielerreichung glaubte. Lütgendorfs unfreiwilliger und unehrenhafter Abgang, brachte Otto Rösch, ebenso unfreiwillig als Nachfolger. Rösch, der auch Terroristen gegenüber einem freundlichen Auftreten huldigte, scheiterte am Versuch, sich mit den Offizieren auch mit weniger Budgetmittel zu arrangieren.

Mit Friedhelm Frischenschlager kommt dann erstmals ein FPÖ Kandidat in das Heeresministerium, der hauptsächlich mit seiner Jugendlichkeit im Heer punkten konnte. Inhaltlich hatte er als 7. Verteidigungsminister bereits zahlreiche Baustellen und Verlassenschaften zu organisieren – ohne tiefgreifende Erfolge. Frischenschlager wurde von Helmut Krünes abgelöst. Und der konnte gerade feststellen, dass es viele Baustellen gibt. Zum Arbeiten kam er nicht, weil seine Amtszeit bereits nach einem Jahr endete.

Dann folgte „Draken-Robert“ Lichal. In seiner Amtszeit sind die Draken in Österreich gelandet. Er ist der erste Minister, der nie gedient hatte (Weißer Jahrgang). Dafür konnte er aber zahlreiche martialische Titel auf sich vereinen und so Wehrhaftigkeit demonstrieren. Lichal zeichnete für die Verankerung der Milizstruktur in der Verfassung verantwortlich. Genau hier dürfte ein grundlegender Systemfehler liegen, der bis heute andauert und Zündstoff bietet: Wer oder was ist wichtiger, die Armee oder die Miliz? Abgesehen von diesem Sprengstoff hinterließ Lichal den ungeklärten Oerlikon-Skandal. Seinen Nachfolgern attestierte er fortdauernden Verfassungsbruch in Bezug auf das Bundesheer.

Danach folgt der „untaugliche“ Werner Fasslabend (1990) und blieb für zehn (!) Jahre Verteidigungsminister, obwohl oder grade, weil er Gewalt verabscheute. Tatsächlich änderte sich die politische Landkarte in Europa unter seiner Amtszeit wesentlich (Zerfall Jugoslawiens). Der einzige Einsatz für Fasslabend war jedoch nur eine jugoslawische MIG 21, die ein kroatischer Kriegsflüchtling in Klagenfurt landete und in Verwahrung genommen werden musste. Zurückgegeben wurde der Jet übrigens erst wieder unter Minister Kunasek (2019). In seiner langen Amtszeit als Verteidigungsminister hat Fasslabend viel Zeit für Änderungen gehabt (Verwaltungsreform, Anpassung der Heeresgliederung, Ausbildungsreform). Dennoch bestehen heute noch immer die grundlegenden Probleme. Immerhin hat Fasslabend eine Modernisierung des Waffensystems eingeleitet. Sein Wunsch zur Nato-Mitgliedschaft blieb unerfüllt, aber 1995 wurde die Nato-Partnerschaft beschlossen.

Fasslabend, Verteidigungsminister in der ersten EU-Ratsvorsitz Periode Österreichs, setzte sich erstmals für die aktive Beteiligung Österreichs an der Europäischen Sicherheitspolitik ein. Übrigens haben bisher nur die Minister Lichal und Fasslabend den höchsten Militärorden erhalten. Herbert Scheibner übernimmt als nächster das Ministeramt und der FPÖ Mann, innerparteilich Brutus genannt, scheint beste Eigenschaft für strategische (Selbst)Verteidigung zu besitzen. Am 13. November 2000 unterzeichnet Österreich in Marseille ein Memorandum of Understanding mit der Westeuropäischen Rüstungsgruppe (Western European Armaments Group – WEAG). Am 6. Oktober 2000 fällt die Entscheidung für den Ankauf von 9 Black Hawk-Hubschraubern. In Scheibners Amtszeit fällt auch die umstrittene Typenentscheidung für Eurofighter. Dass er nach seiner Amtszeit eine lukrative Geschäftsbeziehung mit dem Konzern hatte, war und ist für ihn kein Problem.

Danach kam Günther Platter (2003-2007) zum Heer. Im Juni 2003 wurde beschlossen, dass 18 Eurofighter angeschafft werden und am 1.7.03 wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Platter legte jedoch nachträglich Wert darauf, dass nicht er, sondern die Experten im Haus alle Verhandlungen geführt haben. Warum auch sollte er sich selber darum kümmern? Ging ja „nur” um zwei Mrd. Euro. Am 22. November 2004 EU-Verteidigungsministertreffen: Minister Platter bekundet die Absicht der Teilnahme an EU-Gefechtsverbänden. Unter seine Führung fällt auch die umstrittene Reduzierung der Wehrpflicht von 9 auf 6 Monate. Ein Ergebnis der, von Platter eingesetzten, Bundesheerreform-Kommission unter Helmut Zilk (Bundesheer 2010).

Der erste Zivildiener als Verteidigungsminister wurde Norbert Darabos (2007-2013). Die erste Eurofigter-Landung in Österreich am 12.7.07 konnte er zwar nicht mehr verhindern, aber der Steuerzahler kann sich bei ihm bedanken, dass von den geplanten 18 Abfangjägern „nur“ 15 gekauft wurden. Darabos, der von sich selber als Störfaktor im Ministerium sprach, machte sich mehrfach unbeliebt. Wenn er zum Beispiel rechtsextreme Tendenzen im Bundesheer bekämpfte oder gar gegen die US-Verteidigungspolitik ins Feld zog. Zu seinem Intimfeind wurde Generalstabschef Edmund Entacher, als Darabos die Abschaffung der Wehrpflicht und Einführung eines Berufsheeres plante. Sein Plan scheiterte nicht nur am fehlenden politischen Rückhalt, sondern letztlich am negativen Ergebnis der entsprechenden Volksbefragung (fast 60 % votierten für die Beibehaltung der Wehrpflicht). Im Tschad leistete das Bundesheer unter Darabos einen humanitären Hilfseinsatz. An der ung./slov. Grenze wird der Grenzeinsatz nach 21. Jahren eingestellt. Ab Jänner 2011 ist das Bundesheer mit rund 180 Soldatinnen und Soldaten für sechs Monate an der EU-Battle Group beteiligt. Dem SPÖ-Parteisoldat Darabos folgt der (SPÖ) Parteisoldat Gerald Klug (2013- 2016). Bisher hauptsächlich durch seine „Situationselastizität“ aufgefallen, wird er von der bereits 2014 einsetzenden Flüchtlingskrise überrascht.

Erst im September 2015 werden 2.200 Soldaten zur Bewältigung der Flüchtlingskrise eingesetzt. Generalstabchef Entacher: Unter Klug werde Österreich „innerhalb der europäischen Sicherheitspolitik unzuverlässig, unbrauchbar und unsolidarisch.“ Im Dezember lässt sich Klug von der Innenministerin zur Errichtung „baulicher Maßnahmen“ überreden. Der „Wehrdienst NEU“ soll eine bessere militärische Ausbildung bringen. Das „Strukturpaket-2018“ ist wieder dem schmalen Budget geschuldet und die Baustellen bleiben offen. Mit der Einsparung bei der Militärmusik unter Minister Klug, schien der Verfall der österreichischen Verteidigungsfähigkeit auf dem Höhepunkt angekommen. Dennoch war Klug überzeugt, dass die Republik „jeden Tag gesichert“ ist. Bestärkt hat ihn die damalige Innenministerin Mikl-Leitner. „Das Bundesheer ist auf der Höhe der Zeit“ befand sie. Wahrscheinlich dachte sie, mit „baulichen Maßnahmen“ kann man nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Kritiker abfangen.

Hans Peter Doskozil (SPÖ-2016- 2017), der als Polizeichef seine Lorbeeren für ein hohes Regierungsamt an der Grenze im Einsatz um die Bewältigung der Flüchtlingskrise gesammelt hat, folgte Klug. Er wollte beim Heer die 30-jährige finanzielle Dürre beenden und zog gegen Airbus in den Krieg. Bevor jedoch die Schlacht begann, zog sich Doskozil ins heimatliche Burgenland zurück und machte von dort aus seinem Nachfolger den Vorwurf, dass das Heer noch immer zu wenig Geld hat. Nach Doskozil wurde es auf der Regierungsebene so richtig turbulent.

Stabsunteroffizier Mario Kunasek, der seinen Vorgängern bei der Entscheidung zum 6-Monate-Grundwehrdienst politisches Versagen vorwarf und Doskozil beschuldigte, nur Luftschlösser gebaut zu haben, blieb wenig Zeit an der Spitze des Heeres vergönnt. Sein eigener Parteichef hatte bekanntlich die gesamte Regierung (aus Versehen) in die Luft gesprengt. Brigadier Thomas Starlinger, der nach Kunasek in der Übergangsregierung das Verteidigungsministerium führte, kam in den sechs Monaten seiner Amtszeit die Aufgabe zu, eine Art Leistungsbeschreibung der Verteidigungsminister in der 2. Republik zu verfassen und eine Gesamtnote auszuweisen. Diese Zäsur war, wie man weiß, katastrophal.

Zusammenfassend: Bevor sich die Truppe ihren Aufgaben widmen kann, sagte der Präsident der Unteroffiziersgesellschaft, kommt wieder ein neues Kabinett mit neuen Strukturen. Mit laufenden Evaluierungen und Effizienzanpassungen hat das nichts zu tun. Jeder neue Kabinettschef kommt mit eigenen neuen Vorstellungen. Die Pläne des jeweiligen Vorgängers waren sowieso Blödsinn.

Der Handlungsbedarf, den Thomas Starlinger in seinem umfassenden Bericht „Unser Heer 2030“ aufgelistet hat, ist seit Jahrzehnten bekannt. Und selbst wenn man einige umstrittene Punkte ausklammert, die tatsächliche Umsetzung der entscheidenden Erfordernisse ist nicht am fehlenden Budget, sondern immer am Grundverständnis und an der politischen Kontinuität für das Heer gescheitert. Dafür gab es jede Menge Selbstdarsteller in maßgeblichen Funktionen, die gleichzeitig als brave Parteisoldaten zwar immer das Gemeinwohl in den Vordergrund stellten, im Rückblick aber offensichtlich nie ein Staatsziel verfolgt haben, sondern Parteiprogramme oder – im Extremfall – persönliche Interessen.

Nicht zu vergessen die Vereinsmacht rund um das Bundesheer. „6000 Mitglieder der Österreichischen Offiziers Gesellschaft (ÖOG) kann die Politik nicht ignorieren und lächerlich machen“, sagte Erich Cibulka vor seiner Ernennung zum Präsidenten des ÖOG. Und weiter: „Die Summe aller Mitglieder in Vereinen rund um das Bundesheer geht in die Hunderttausende. Deren Anliegen kann niemand wegwischen, der sich Wahlen zu stellen hat“. Dabei hat der gute Mann noch untertrieben, denn die österreichischen Vereine sind auch im Dachverband Interallied Confederation of Reserve Officers verankert. Da sind wir dann bei einer meinungsbildenden (Militär)Macht von weit mehr als 1 Mio. Mitglieder. Wie schlagkräftig diese Vereinsmacht ist, hat deren Plattform „Wehrhaftes Österreich“ gezeigt als es darum ging, gegen die ihrer Meinung nach parteipolitisch motivierte „Bundesheerzerstörung“ anzukämpfen. 45.000 Unterschriften sammelte die Organisation 2015 für ein „Stopp der Bundesheer-Zerstörung! Für ein sicheres Österreich“. Das sind mehr Unterstützungserklärungen, als fast bei jedem anderen Volksbegehren, mobilisiert werden konnten. Auch wenn seither angeblich weiterhin an der Bundesheerzerstörung gearbeitet wird, die Vereine haben gezeigt, mit ihrer meinungsbildenden Macht ist zu rechnen.

Am 7. Jänner 2020 machte sich die neue Regierung und mit ihr erstmals eine Verteidigungsministerin ans Werk. Sie verwendete Starlingers Kritik als Blaupause für das neue Regierungsprogramm. Aber es dauerte nach der Wahl nur ein paar Monate, bis sich die alten und neuen Kritiker des Bundesheeres vom Schock erholt und realisiert hatten, dass die neue Ministerin Klaudia Tanner, natürlich auch wieder verdiente Parteisoldatin, genau das umzusetzen gedachte, was Starlinger empfohlen hat und nun im Regierungsprogramm niedergeschrieben steht. Anders als bisher, korreliert das Bedrohungsszenario und der davon abgeleitete Entwicklungsplan für das Heer mit einer internalen Sicht auf die Bedrohungsszenarien. Egal ob es die Sicherheitsforschung KIRAS, die Münchner Sicherheitskonferenz, die UNO, NATO oder der eigene Sicherheitsbericht ist, die Reihung der anstehenden Bedrohungen bestimmt den Handlungsbedarf (und den Finanzbedarf). Da bleibt nicht viel Spielraum für politische Spielchen, wenn man der Realpolitik folgt. Und Zeit bleibt auch nicht viel.

Starlinger wollte das Gesamtproblem bis 2030 vom Tisch haben. Wie das mit der österreichischen Mentalität gehen soll, darüber hat sich Starlinger erst gar keine Gedanken gemacht. Das war vielleicht ein entscheidender Fehler in seiner Arbeit. Innerhalb von 10 Jahren haben wir wahrscheinlich wieder fünf Verteidigungsminister, von denen jeder in seiner eigenen Gulaschkanone rührt und bis zu substantiellen Leistungen kaum vordringen kann. Aber das ist nur eine Vermutung, die jedoch auf Erfahrungen der letzten Jahrzehnte beruht. Warum ist das Bundesheer bei der Bevölkerung derart beliebt, dass man trotz aller unglaublichen Malversationen dennoch von einer unverzichtbaren Institution und Teil der österreichischen Gesellschaft spricht? Zwei große Fragen aus der Heeresgeschichte seit Minister Graf bleiben übrig und es soll an dieser Stelle der Versuch unternommen werden eine Beantwortung zu finden.

Die erste Frage ist relativ leicht zu beantworten: Wenn es quer durch alle Kabinette der 2. Republik andauernd schwere Anschuldigungen, bis hin zum Verfassungsbruch gegeben hat, warum wurde niemand bestraft und warum haben die übergeordneten Stellen nicht eingegriffen? Dazu gibt es eine „österreichische Erklärung“: Minister kommen und gehen, Beamte bleiben.

Daneben gibt es noch die Vierte Gewalt im Staate, nämlich maßgeblichen Medien, deren Medienarbeiter praktischerweise auch gleich die Öffentlichkeitsarbeit des Heeres übernehmen. Sie streben keinen Pulitzerpreis an, freuen sich aber über hohe militärische Ehrungen. Wenn sich das viertgrößte Medienimperium Österreichs auch noch mit dem „Ehrenzeichen in Gold mit Stein“ der Offiziersgesellschaft für besondere Verdienste auszeichnen lässt, stellt sich die Frage, ob die Presse tatsächlich das moralische Werkzeug ist, durch welches mehr Korruption vereitelt wird, als durch die Justiz.

Schwieriger ist die Beantwortung der zweiten Frage: Warum ist das Heer in der Gesellschaft trotz aller unglaublichen Vorkommnisse dennoch so beliebt? Selbst wenn man davon ausgehen kann, dass bestellte Umfragewerte die tatsächliche Stimmung beschönigen, so bleiben immer noch genügend Fakten übrig, die die Frage rechtfertigen. Erfolge in der Förderung der Geistigen Landesverteidigung können es nicht sein. Aber 250.000 Besucher beim AirPower, ein Millionen-Publikum beim Nationalfeiertag und Heeresschau, all das kann kein Zufall sein.

Die Erklärung dafür ist, neben dem sicher auch vorhandenen Reiz, der von Kriegsspielen ausgeht, die tiefe Verwurzelung des Heeres in der Gesellschaft – und zwar nahezu auf allen Ebenen. Unzählige Hilfseinsätze, egal ob Lawinen, Schneechaos, Überschwemmungen, Taucheinsätze, Hagel, Muren, Waldbrand, Entminungen, Erdbeben oder Brückenbau, tagtäglich „lebt“ das Heer mitten unter der Bevölkerung und lindert nach Kräften das Leid. Nicht unwesentlich ist die Bedeutung des Heeres für den Spitzensport – ein sinnstiftender Bereich der österreichischen Seele. Unter den derzeit 450 Personen im Förderprogramm des Heeressports sind die künftigen rot-weiß-roten Olympiasieger und Weltmeister. Bestimmt ist auch die kostenlose Führerscheinausbildung für junge Männer seit jeher eine starke Motivation für das Heer. Immerhin, 4500 Rekruten pro Jahr kommen so zu einem LKW/PKW Führerschein. Manche machen auch den Bootsführerschein und selbst wer wie Tom Cruise in Top Gun die Herzen der Frauen erobern möchte, bekommt beim Bundesheer kostenlos das Rüstzeug dafür. Nicht zu vergessen die gesellschaftliche Bedeutung der Militärmusik. Einsparungen in diesem Bereich unter Faymann/Klug haben einen wahrhaften Shitstorm ausgelöst und den Untergang der Blasmusik in Österreich prophezeit. Auch die arbeitsmarktpolitische Bedeutung des Heeres hat einen hohen Stellenwert.

Allein 35 Lehrberufe und unzählige Beschäftigungsmöglichkeiten im Heer, vermitteln in der Bevölkerung den Eindruck eines guten Arbeitgebers. Mit Corona steigt, wie es scheint, die gesellschaftspolitische Bedeutung des Heeres merklich an und man kann getrost davon ausgehen, dass der Trend anhält. Man muss aber gerade in Krisenzeiten aufpassen, dass sich die Wirtschaft unter dem Deckmantel der „Wirtschaftlichen Landesverteidigung“ nicht auf Kosten der Allgemeinheit bedient. Vor diesem Hintergrund wirkt zum Beispiel das Begehren einer großen Handelskette in Tirol etwas eigenartig. Der Konzern hat Soldaten zur Unterstützung für das Zentrallager angefordert und diese auch bekommen. “Wenn unser Bundesheer angefordert wird, unterstützt es dort, wo schnell Hilfe benötigt wird“, rechtfertigt die Verteidigungsministerin den Einsatz von Lagerarbeitern in Uniform und das klingt wie ein Joker für die Wirtschaft.

Gleichzeitig meldet nämlich das AMS-Tirol (1.9.2020) eine Zunahme an Arbeitslosen um 63 % gegenüber August 2019. Dabei stieg gerade in der vom Handelskonzern nachgefragten Branche Verkehr und Lagerei die Arbeitslosigkeit um 82 Prozent (!). Nach typischen Berufen (Handel, Hilfsberufe) liegt die Zunahme an Arbeitslosen bei 49 Prozent. Vielleicht spielt die wirtschaftliche Bedeutung des Bundesheeres also in der „Beliebtheitsskala“ sogar eine besondere Rolle, weil es auch jenen Gesellschaftsschichten nützt, die nicht unbedingt Panzer bei einer Heeresschau besteigen würden. Kanzler Vranitzky hat schon 1987 auf die „nicht unbeträchtliche wirtschaftspolitische Bedeutung“ des Heeres verwiesen und die heimische Wirtschaft und Industrie eingeladen, mehr davon Gebrauch zu machen. Heute liegt die Wertschöpfung in der Heeresbeschaffung nach allgemeiner  Leseart bei rund 70 Prozent.

Für die heimische Wirtschaft und die Industrie ist das Bundesheer also allemal ein guter und verlässlicher Kunde der Arbeitsplätze sichert. Gelegentlich bekommt man sogar den Eindruck, dass die ständigen Forderungen nach immer mehr Budget allein dem Zweck dienen, dass vordergründig die Bedürfnisse der Wirtschaft und nicht die des Heeres befriedigt werden sollen. Und wenn die finanziellen Wünsche ausgerechnet von einem Raiffeisenchef in Heeresuniform gestellt werden, denkt man unwillkürlich an Boni und Renditen. Noch dazu wird ja neuerdings gerne von einer „Marke Bundesheer“ gesprochen und bestimmte Slogans werden gezielt verwendet. Da bekommt der Begriff „Brand“-Management für ein Heer gleich eine ganz andere Bedeutung. Für viele Unternehmen und damit wieder für viele Menschen ist das Bundesheer eben auch ein Markt, der umso beliebter ist, je mehr er abwirft. Solange das Bundesheer nicht am neoliberalen Altar geopfert wird und die Beschaffungskontrolle funktioniert, ist dagegen auch nichts zu sagen. Wer will schon, dass jede Patrone und jeder Stiefel in Krisenzeiten erst im feindlichen Ausland beschafft werden muss.

Anderseits, wenn sich bestimmte Strömungen in der EU durchsetzen, gibt es vielleicht bald einen Heeresbeschaffungsdienst für ganz Europa, angesiedelt in Brüssel. Dann muss unser Bundesheer die Stiefel Bestellung in Brüssel abgeben und hoffen, dass die dann in Österreich bestellt werden. „Die Europäische Union muss sich noch stärker dafür einsetzen, im Verbund der Nationen eigenständig die Sicherheitsaufgaben der Wertegemeinschaft wahrzunehmen. Dabei geht es auch um personelle und materielle Voraussetzungen:  Wir brauchen bessere Kommunikation und EU-weite Standards in Sachen Rüstung und Beschaffung“, meint der EVP-Abgeordnete Manfred Weber. Was der Bayer und CSU Mann, für den Opposition = Gegner bedeutet, genau damit gemeint hat, erklärt die bayerische Volksseele: “Von Bayern gehen die meisten politischen Dummheiten aus. Aber wenn die Bayern sie längst abgelegt haben, werden sie anderswo noch als der Weisheit letzter Schluss verkauft” (Franz Josef Strauß). (PB)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

 

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