Strategie und Planung als Basis erfolgreicher Logistik

Nicht erst seit Corona steht fest, dass eine Optimierung der Logistikprozesse über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden kann. Nur wenige haben selbst die nötige Kompetenz dazu – die Lösung: einen Experten engagieren. Wie beispielsweise die InterLog Management GmbH.

Redaktion: Angelika Gabor.

Beratungshäuser und selbständige Optimierer gibt es wie Sand am Meer. Warum sollte man sich also ausgerechnet für die InterLog entscheiden? Diese Frage stellten wir dem Gründer und einem der drei Geschäftsführer, Eric Gastel: „Im Gegensatz zu den meisten Beratungshäusern sind wir sehr operativ orientiert, wir arbeiten an und mit der Basis. Zudem haben all unsere Mitarbeiter einen sehr hohen Praxisbezug. Zudem sind wir sehr bodenständig und gleichzeitig pragmatisch. Das heißt, wir machen es unseren Kunden leicht, Entscheidungen zu fällen.“

Ein wesentliches Ziel der InterLog ist es, schnell substantielle und vor allem langfristige Lösungen zu präsentieren, die modular aufgebaut sind. Gastel: „Alles soll jederzeit unkompliziert erweiterbar sein, damit das System sich den unternehmerischen Prozessen anpassen lässt. Uns ist es auch wichtig, schon in der Planung auf ökologische Aspekte zu achten.“ Durchaus interessant ist auch die Tatsache, dass Projekte nicht um jeden Preis durchgeführt werden. „Wir stellen in der Planung stets auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Projektes. Es kann vorkommen, dass wir einen Auftrag nicht abwickeln, wenn sich herausstellt, dass die Vorstellungen einfach nicht realisierbar sind. Das teilen wir dem Auftraggeber natürlich mit“, erklärt Gastel.

Learning by doing.
Die Geschäftsführung der InterLog ist sich einig: ohne gute Mitarbeiter geht gar nichts. Darum investiert das Unternehmen auch in den Nachwuchs: „Wir ermöglichen jungen Menschen den Eintritt ins Berufsleben. Dazu holen wir uns Assistenten direkt von der Universität und stellen sie jeweils einem erfahrenen Kollegen zur Seite. Durch diese Durchmischung der Teams und die Kombination aus neuem, frischen Wissen und dem vorhandenen Know-How entstehen innovative Lösungsansätze. Die neuen Kollegen dürfen auch von Anfang an Projekterfahrung sammeln und aktiv mitarbeiten, damit sie rasch wachsen können“, führt er aus. Das reicht allerdings heute nicht mehr aus, um Talente ins Unternehmen zu locken, man müsse sich auch andere Benefits überlegen. „Im Gegensatz zu früher wollen junge Menschen zwar gut verdienen, aber wenig arbeiten. Dabei ist die so genannte „work life balance“ oft nur ein Vorwand, gerade in der Beratungsbranche sind 10-Stunden-Tage keine Seltenheit. So manche Forderung ist einfach nur überzogen“, ärgert er sich. Immerhin bietet das Unternehmen das Urlaubsmodell „30+“: zusätzlich zu den gesetzlichen Urlaubstagen bekommt jeder an Weihnachten, Silvester und drei Fenstertagen frei. Denn die Arbeit ist durchaus anstrengend, das ist klar. Mitarbeiter-Events sorgen daher regelmäßig für gute Laune. Und, ganz wichtig: „Jeder Mitarbeiter muss so viel verdienen, dass er vernünftig davon leben kann. Dazu stehe ich“, so Gastel.

100% digital.
Die InterLog setzt auf modernste Technik zum animieren, simulieren und emulieren in 3D. Die Kunden erhalten das fix-fertige Layout, mit dem sie dann auch arbeiten können. „Wir geben unseren Kunden bewusst unseren Lösungsvorschlag zum intern besprechen mit, das schafft Unabhängigkeit. Wir möchten sie nicht zum Auftrag verpflichten, sondern haben den Anspruch, dass sie uns den Auftrag geben WOLLEN“, so Gastel. Ein gewagter Ansatz – hat er denn keine Angst, dass jemand dann die fertige Lösung von einem billigeren Anbieter umsetzen lässt? „Wir sind überzeugt, dass wir die beste Lösung zu einem fairen Preis anbieten und wir wagen uns auch an scheinbar unmögliche Aufgabenstellungen heran. Bei all unseren Angeboten ist ein Kostendach samt Abweichungsfaktor enthalten, damit die Kunden kalkulieren können.

Für jeden einzelnen Arbeitsschritt gibt es eine offene Kalkulation, gebündelt zu Arbeitspaketen. Reicht das Budget nicht aus, stellen wir das Projekt trotzdem fertig, auf unsere Kosten – die Qualität der Leistung muss stimmen, dafür bürgen wir. Denn InterLog ist vielleicht nicht der günstigste Anbieter, aber auf jeden Fall effektiv. Durch das Kostendach sind wir im Nachhinein betrachtet oft sogar günstiger als ein vermeintlich billigerer Anbieter, der alles einzeln abrechnet. Natürlich zahlen unsere Kunden dann nur den tatsächlichen Aufwand.“ Durch die eigene Digitalisierung gewinnt das Unternehmen nicht nur an Mobilität, auch die Kostenstruktur konnte verschlankt werden.

Dauerbrenner und Trends.
Die Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, von Pharma über Food bis zu Automotive-Unternehmen in der DACH-Region, denn hier ist die Projektabwicklung hinsichtlich des ähnlichen kulturellen Hintergrunds einfacher. Bei der Lösungsfindung setzt InterLog auf erprobte Technologien, Forschungsprojekte kommen nicht in Frage: „Unsere Kunden können keine spacigen Konzepte riskieren, so sind beispielsweise Lösungen mit Drohnen aktuell noch nicht spruchreif.“

Welche Themen sind denn aktuell besonders gefragt? „Wir sehen einen klaren Trend in Richtung Anlagenmodernisierung im laufenden Betrieb. Man merkt auch den Personalmangel, denn viele Anfragen betreffen die Optimierung der Produktionslogistik, etwa durch Verpackungsautomation, Robotik oder Fahrerlose Transportsysteme“, zählt Gastel auf. Auch die Einführung oder Modernisierung von Lagerverwaltungssystemen und die Automation von Hochreagallägern sei sehr gefragt. „Trotz der Rezession merken wir eine starke Bewegung am Markt. Die großen und mittleren Unternehmen wissen, dass sie jetzt investieren müssen,
um mit der Konkurrenz mitzuhalten.“

Die Digitalisierung helfe dabei, die „time to market“ zu verkürzen. Auch gefragt: Maßnahmen, die die Energiekosten reduzieren und Abhängigkeiten verringern, beispielsweise Dachwandverkleidungen mit Solarzellen oder Solarpanels zum Betrieb von Hochregallägern. „Hinsichtlich der Effizienzsteigerung gibt es Anfragen zur Bündelung von Transporten und Containern, um das Volumen besser zu nutzen oder auch die Tourentopologie – alles, was den CO2-Fußabdruck schmälert.

Die Voraussetzung ist oft jedoch, dass sich das Bestellverhalten ändert. Die gesamte Kette muss anders organisiert werden, etwa durch eine Verlängerung der Belieferungszyklen. Wenn eine Filiale nur zwei Mal statt drei Mal pro Woche beliefert wird, dafür jedoch mit mehr Ware, ergibt sich automatisch eine CO2-Einsparung. Bei unseren Konzepten gehen wir daher nicht nur auf den Kunden ein, sondern auch auf dessen Kunden – damit er gleich Argumente hat, um Einwände zu entkräften.“ Um nah beim Kunden zu sein, hat die InterLog derzeit drei Niederlassungen: in Sursee (Schweiz), Dortmund (Deutschland) und Graz (Österreich). Eric Gastel teilt sich die Geschätsführung mit Markus Lanz und Dennis Augustin.

Alle drei sind aktiv im Unternehmen und als Mandatsleiter tätig. Die flachen Hierarchien sind ein Markenzeichen des dynamischen Unternehmens. „Jedes neue Projekt wird unabhängig von seiner Größe einem der drei Geschäftsführer zugeordnet, die dann auch als Coach fungieren. Mir ist es sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter auf Augenhöhe kommunizieren“, meint Gastel. Man darf gespannt sein, welch cooles Projekt als nächstes kommt. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

Mit Qualität und Individualität gegen den Einheitsbrei

Während einer Pandemie ein Unternehmen zu gründen, kann in die Hose gehen – oder aber ein richtiger Erfolg werden. Wie im Falle von Fluxus Solutions: das junge Unternehmen hat gerade erfolgreich ein Logistikprojekt für die DSV (Deutsche Saatveredelung AG) umgesetzt und ist bereit, sich einen größeren Teil vom Kuchen zu holen.

Redaktion: Angelika Gabor.

Anbieter von Lagersystemen gibt es wie Sand am Meer. Warum dann das Risiko eingehen? „Das Unternehmen, in dem ich früher gearbeitet habe, wurde von einem Konzern übernommen und strategisch neu ausgerichtet – allerdings konnte ich mich damit nicht mehr identifizieren. Mit zwei meiner Kollegen hatte ich schon früher über die Gründung eines eigenen Unternehmens gescherzt. Nach dem ersten Lockdown haben wir uns dann aber tatsächlich zusammengesetzt, einen Businessplan erstellt, das Risiko bewertet – und den Schritt gewagt“, erklärt Dominik Neppe, geschäftsführender Gesellschafter und Gründungsmitglied der Fluxus Solutions GmbH. Gemeinsam mit seinen langjährigen Wegbegleitern Gereon Fleck und Jon-Richard Schmitt, die ähnliche Vorstellungen von hochwertigen, effizienten Lagersystemen haben. Der Marktstart fiel mit 4.1.2021 mitten in die Corona-Pandemie, trotzdem konnte schon im ersten Jahr ein Gewinn erzielt werden.

Eines für alle.
Das bisherige Kompaktlagersystem der DSV konnte die Aufgabenstellung nicht erfüllen: die Einlagerung unterschiedlicher Ladungs-
träger – meist Euro-, Industrie- und CP-Paletten mit unterschiedlichen Beladungen, z.B. Sackware oder Big Bags –in ein dynamisches Blocklager. Ein herkömmliches Durchlauf- oder Einschubregal ist damit überfordert – nicht aber das FXS Dynamics TSS-System von Fluxus. Bei diesem verschleißarmen Paletten-Einschubregal (Carrier Push Back) werden Paletten (egal welcher Qualität) auf robusten, mit Rädern versehenen Schlitten abgesetzt, wodurch die Einlagerung der unterschiedlichsten Ladungsträger (Paletten) gewährleistet ist. Das Teleskop-Schlittensystem mit Last in – First out (LiFo) Prinzip arbeitet mit einer Neigung von 2% und macht sich die Schwerkraft zunutze, wodurch gleichzeitig Energie eingespart wird. „Im Gegensatz zu anderen Anbietern von TSS können wir bis zu 9 Paletten pro Kanal realisieren. Das bedeutet eine bis zu 225 % höhere Ausnutzung der vorhandenen Lagerfläche im Vergleich zu einem konventionellen statischen Palettenregal“ freut sich Neppe. Durch die kürzeren Wege für die Flurförderzeuge leistet das TSS einen weiteren Beitrag zur Ökobilanz der Anlage. „Nach einer Präsentation vor Ort anhand einer Testanlage war der Kunde überzeugt und wir erhielten den Zuschlag“, freut sich Neppe über die gelungene Umsetzung.

Partner für Systemintegratoren.
Das TSS-System, das sich übrigens hervorragend für die Pharma- und Chemieindustrie eignet, ist nicht das einzige Steckenpferd des Jungunternehmens. Zum Sortiment zählen auch andere Einschub-, Durchlauf-, Shuttle- und Karton-Durchlaufregalsysteme. Neppe: „Wir sind kein Billigheimer, sondern produzieren Qualität. Aufgrund unserer Fertigungsart können wir flexibel und individuell auf die jeweilige Situation eingehen und unsere Kunden beraten. Da unser Vertrieb gleichzeitig das Produkt designt hat, kann sofort eingeschätzt werden, was technisch möglich ist und was nicht. Dann wird das Produkt den Kundenprozessen angepasst – beispielsweise durch einen stärkeren Rahmen oder mehr Bremsrollen.

Diese Individualisierungsmöglichkeit ist ein großer Vorteil.“ Diesen Vorteil wissen auch namhafte Systemintegratoren und Wiederverkäufer zu schätzen, die bereits auf Fluxus vertrauen. „Wir hatten Bedenken, ob große Player einem neuen Unternehmen ihr Vertrauen
schenken würden, aber wir sind super aufgenommen worden“, so Neppe, zurecht stolz. Aktuell sind bereits weitere große Projekte in Planung, man darf gespannt sein. (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Simply the best. Oder: Wo sind sie nur geblieben?

Im Korruptionsindex rutscht Österreich weiter ab, einst gefeierte Politikfiguren sind unsanft von der Bildfläche gefegt worden und entziehen sich der Öffentlichkeit, in Verfahren wird der Bock zum Gärtner gemacht und sobald jemand sich engagiert und hervorsticht, tauchen Plagiatsvorwürfe irgendwo im Werdegang auf. Ist es wirklich so schwer, qualifizierte Kräfte für die Führung unseres Landes zu finden?

Redaktion: Angelika Gabor.

Im aktuellsten Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International erreicht Österreich mit 74 von 100 Punkten Rang 13, gemeinsam mit Kanada, Estland, Island und Irland. Theoretisch wären wir noch weiter hinten, wenn nicht auch andere Länder vermehrt mit Korruption kämpfen würden. Im Jahr 2017 gab die Staatengruppe des Europarats gegen Korruption (GRECO) 19 Empfehlungen zur Verbesserung der Situation ab – wer errät, wie viele davon umgesetzt wurden? Trommelwirbel… es waren zwei. Hauptkritikpunkte: fehlende Lobbying-Vorschriften, undurchsichtige Parteienfinanzierung, fehlende Antikorruptionsprojekte und – wenig überraschend – die Skandale auf höchster politischer Ebene (und damit ist bei weitem nicht nur die Ibiza-Affäre gemeint).

Wer hat’s geschrieben?
Das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten, beispielsweise für einen Magistertitel, vereinfacht zusammengefasst: lies eine Menge Bücher und zieh daraus deine Schlussfolgerungen. Alles, was beim Niederschreiben nicht von dir ist, ist ein Zitat. Wer etwas zitiert, ohne das zuzugeben, verfasst ein Plagiat. Obwohl das in der Eingangsvorlesung üblicherweise erwähnt wird und man mit seiner Unterschrift bestätigt, dass man gewissenhaft alle Zitate gekennzeichnet hat, scheint das in Echt eine große Schwierigkeit darzustellen. Steht man dann in der Öffentlichkeit, kann es durchaus passieren, dass jemand diese Werke ausgräbt und prüft, ob demjenigen der akademische Titel wirklich zusteht. Berühmte Beispiele finden sich sowohl bei unseren Lieblingsnachbarn – Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Bildungsministerin Annette Schavan oder Familienministerin Franziska Giffey können ein Lied davon singen – als auch hierzulande. So mussten der steirische Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann sowie Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher bekannter Weise aufgrund von Plagiatsvorwürfen zurücktreten. Detail am Rande: das Gutachten von der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) entlastet sie – sie darf den Titel behalten, den Job ist sie trotzdem los. Aktuell auf dem Prüfstand: Frauen-, Integrations- und Medienministerin Susanne Raab und Justizministerin Alma Zadić.

Man fragt sich, wie hoch die Dunkelziffer.
ist – und welche Auswirkungen es hat. Denn abgesehen von der moralischen Verfehlung… ich glaube nicht, dass irgendein Politiker seinen Job besser oder schlechter macht, wenn er in seiner Diplomarbeit 100% richtig zitiert hat – oder eben nicht. Allerdings ist so ein Vorwurf eine perfekte Gelegenheit, durch den Image-Schaden unliebsame politische Gegner loszuwerden und durch die mediale Aufmerksamkeit andere, weitaus wichtigere Themen schön unauffällig unter den Teppich zu kehren oder im stillen Kämmerlein zu beschließen.

Wer darf richten?
Immer, wenn es in Österreich ein Problem gibt, wird entweder eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen oder ein Ausschuss. Besonders beliebt sind Untersuchungsausschüsse: dieses Kontrollinstrument des Parlaments kann nur vom Nationalrat eingesetzt werden und soll Sachverhalte aufklären. Nach dem für viel Aufmerksamkeit sorgenden Ibiza-Untersuchungsausschuss ist es aktuell der ÖVP-Untersuchungsausschuss, der national und auch international für Schlagzeilen sorgt.

Wie oft kommt es schon vor, dass eine ganze Partei unter Korruptionsverdacht gestellt und durchleuchtet wird? Den Vorsitz in solchen Ausschüssen hat für Gewöhnlich der Nationalratspräsident. Dieser heißt derzeit Wolfgang Sobotka – und gehört zur ÖVP. Was bedeutet, dass er auch selbst (wie schon im Ibiza-Ausschuss) als Auskunftsperson geladen sein könnte. Schiefe Optik? Aber nein. Er verspricht, sich streng an die Geschäftsordnung zu halten. Und außerdem sei er als Vorsitzender
ja kein Richter. Na dann…

Wer ist der Richtige?
Ich erinnere mich an kritische Stimmen, als Herbert Haupt zum Frauenminister wurde. Auch ein Zivildiener als Verteidigungsminister klingt nicht unbedingt wie die Idealbesetzung. Nach Wahlen werden Posten in den Ministerien verteilt wie Luftballons in Fast-Food-Restaurants: man sucht sich die Farbe aus und darf sich darüber freuen. Wer sich in der Privatwirtschaft erfolgreich bewerben will, braucht neben der passenden Ausbildung für den gewählten Bereich im Idealfall auch einschlägige Erfahrung, schließlich übernimmt man auch Verantwortung. In der Politik hingegen läuft die Stellenausschreibung anders: wer der „richtigen“ Partei angehört, bekommt die Stelle.

Qualifikation? Nebensächlich – schließlich ist es ein Job mit Ablaufdatum, und wenn man Mist baut, ist nach der nächsten Wahl ohnehin der Nachfolger verantwortlich. Hier liegt das Problem! Es zählt nicht, was langfristig für die Republik und die Bürger am besten wäre, sondern wie man an der Macht bleibt. Immerhin wurde in der jüngsten Vergangenheit eine Rochade gestoppt, die wirklich mehr als zweifelhaft gewesen wäre: die Pharma-Lobbyistin Helga Tieben wird allem Anschein nach doch nicht oberste Medizinmarktaufseherin. Sonst würde wirklich ein Bock zum Gärtner gemacht.

Die Welt befindet sich in einem extremen Umbruch. Wirtschaftswachstum als oberstes Ziel hat sich längst als fatal erwiesen – und wird trotzdem noch verfolgt. Die Inflation ist auf Rekordhoch, die Mittelschicht bricht weg, immer mehr Menschen sind von Armut betroffen – und dazu muss man gar nicht erst frisch aus einem Kriegsgebiet zu uns geflüchtet sein. Die horrenden Kosten der Pandemie müssen irgendwie abgedeckt werden, aber der Regierungsspitze fehlt entweder die Phantasie, oder der Wille, mutige Maßnahmen zu ergreifen. Wo sind sie, die Menschen mit Weitblick, die wir so dringend in der Regierung bräuchten? Bitte melden! (RED)


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

E-Commerce beflügelt

Trotz Corona-Pandemie sind die Ergebnisse der international tätigen Großspedition positiver ausgefallen als erwartet.

Redaktion: Ursula Schmeling.

Deutsche Post DHL,
Der weltweit führende Post- und Logistikkonzern Deutsche Post DHL erzielte 2020 – trotz oder gerade aufgrund der Corona-Pandemie – das beste Ergebnis in seiner Firmengeschichte. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete einen Umsatz von 66,81 Milliarden Euro (+5,5% im Vergleich zum Vorjahr). Das Jahresergebnis stieg vor allem dank des weltweiten Booms der E-Commerce-Branche auf knapp 3,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um 17,4 % auf mehr als 4,8 Milliarden Euro. Damit hat der Konzern sein unterjährig angepasstes Ergebnisziel von 4,1 bis 4,4 Milliarden Euro deutlich übertroffen. Das um Sondereffekte bereinigte EBIT betrug sogar mehr als 5,4 Milliarden Euro.

Weltweit wurden 2020 20’000 neue Arbeitsplätze geschaffen und Brutto-Investitionen von rund 3,4 Milliarden Euro getätigt. Durch ihren Fokus auf das profitable Logistik-Kerngeschäft mit konsequenter Ausrichtung auf E-Commerce und kontinuierlichen Investitionen in das Logistiknetzwerk sowie in die Digitalisierung konnte der Konzern seine Profi-
tabilität und Resilienz trotz weltwirtschaftlicher Turbulenzen steigern.

Für das Geschäftsjahr 2021 erwartet Deutsche Post DHL einen weiteren Anstieg des EBIT auf deutlich über 5,6 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2021 konnte der Logistikriese das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit rund 1,9 Milliarden Euro im Vorjahresvergleich mehr als verdreifachen. Wachstumstreiber bleibt der Onlinehandel (B2B und B2C). Zudem sollte sich der Welthandel im Jahresverlauf 2021 weiter erholen – und damit auch die Volumina in den globalen Logistikaktivitäten. Zugleich wird erwartet, dass die interkontinentalen Transportkapazitäten aufgrund nur langsam zurückkehrender Beiladekapazitäten in Passagiermaschinen und der Containerknappheit weiter eingeschränkt bleiben dürften.

Kühne + Nagel.
Auch Kühne + Nagel erzielte 2020 ein bemerkenswert gutes Ergebnis. Operativ lag es leicht über dem Vorjahr. Der Reingewinn verringerte sich gegenüber 2019 nur wenig. Der Nettoumsatz lag mit CHF 20,4 Mrd. im Gesamtjahr 2020 durch die tieferen Transportvolumina im ersten Halbjahr leicht unter dem Wert von 2019. Der EBIT hingegen war mit CHF 1,1 Mrd. fast einen Prozentpunkt höher. Währungsschwankungen hatten mit jeweils -6% einen deutlich negativen Effekt auf den Nettoumsatz und den EBIT.

Der Bereich Seefracht verzeichnete in der zweiten Hälfte 2020 eine sehr erfreuliche Trendwende gegenüber dem ersten Halbjahr. Besonders im vierten Quartal war die Verbesserung auf die wieder gestiegene Nachfrage von Kunden aus dem Mittelstand sowie auf die Zunahme von Importen aus Asien nach Europa und Nordamerika zurückzuführen. Das Containervolumen betrug im Jahr 2020 4,5 Mio. TEU. Der Nettoumsatz des Geschäftsbereichs lag bei CHF 7,1 Mrd. und der EBIT bei CHF 423 Mio.

In der Luftfracht konnte Kühne + Nagel u.a. aufgrund seiner Expertise in den Bereichen Pharma und systemrelevante Güter zulegen. Im Gesamtjahr 2020 verbesserte sich der Nettoumsatz um 11,6% auf CHF 5,2 Mrd. und der EBIT um 53,5% auf CHF 505 Mio. gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt lag das Luftfrachtvolumen bei 1,4 Mio. Tonnen (12,8% unter Vorjahr) und im vierten Quartal mit 392.000 Tonnen allerdings 7,5% unter der Vorjahresperiode.

In den Landverkehren war das vierte Quartal 2020 von einer deutlichen Steigerung der Sendungszahlen gegenüber dem Vorquartal geprägt. Insbesondere die Nachfrage nach nationalen Transportkapazitäten in Europa lag auf Vorkrisenniveau. In Nordamerika blieb die Nachfrage für sämtliche Produktsegmente, mit der Ausnahme von Pharma & Healthcare
sowie E-Commerce, deutlich hinter dem Vorjahr. Im letzten Quartal war jedoch eine Marktbelebung erkennbar. Der Nettoumsatz des Geschäftsbereichs lag im Jahr 2020 bei CHF 3,2 Mrd. und der EBIT bei CHF 62 Mio.

Die Kontraktlogistik erzielte Marktanteilsgewinne in den Bereichen Pharma & Healthcare sowie im E-Commerce-Fulfilment und Produktivitätssteigerungen. Der Nettoumsatz des Bereichs lag im Geschäftsjahr 2020 bei CHF 4,9 Mrd. und der EBIT bei CHF 80 Mio. Bereinigt um ausserordentliche Effekte in 2019 und 2020 sank der EBIT um 7,6%.

DSV Panalpina.
Die DSV Panalpina Gruppe erzielte 2020 einen Umsatz von DKK 115’932 Mio. (+26.0%), einen Bruttogewinn von DKK 28’534 Mio. (+23.5%) und einen operative Gewinn von DKK 9’520 Mio. (+47.3%). Die Integration von Panalpina konnte nach 15 Monaten 2020 erfolgreich abgeschlossen werden. CEO Jens Bjorn Andersen ist zuversichtlich, dass auch 2021 trotz der enormen Herausforderungen auf Grund der Corona-Pandemie ein erfolgreiches Jahr werden wird und geht von einer Steigerung des EBIT auf DKK 10’500-11’500 Mio. aus. Durch die erfolgreiche Integration der Panalpina und ein strenges Kostenmanagement konnte der Konzern 2020 den EBIT im Bereich See- und Luftfracht um 61% auf DKK 7’026 Mio. steigern. Auch im Landtransport reüssierte das Unternehmen trotz eines Corona bedingten Mengenrückgangs. Der EBIT stieg um 12,3% auf DKK 1’390 Mio. Der Bereich Solutions profitierte vor allem im 2. Halbjahr vom boomenden Onlinehandel, aber auch von Produktivitätssteigerungen, Kostensenkungen und einer Konsolidierung der Lagerkapazitäten. Der EBIT stieg um 18,8% auf DKK 1’161 Mio.

Dachser.
Auch der international tätige Logistikdienstleister Dachser konnte ein befriedigendes Ergebnis für das Jahr 2020 vorlegen. Das Familienunternehmen weist einen konsolidierten Umsatz von 5,66 Milliarden Euro aus, knapp 1% unter dem Vorjahresniveau von 5,61 Milliarden Euro. Der Umsatz des Bereichs Landverkehr, Dachser Road Logistics, schrumpfte Corona bedingt von 4,6 Milliarden Euro auf 4,5 Milliarden Euro (- 2,2%). Dabei waren das Geschäft mit dem Transport und der Lagerung von Industrie- und Konsumgütern mit einem Umsatzrückgang von 3,2 % auf 3,5 Milliarden Euro sowie Verkehre mit Frankreich und Spanien besonders betroffen.

Dachser Food Logistics konnte hingegen seine Umsätze von 964 Millionen Euro auf 982 Millionen Euro (+ 1,9%) steigern. Durch Neukunden und Mengenzuwächse bei Transporten für den Lebensmitteleinzelhandel nahm die transportierte Tonnage um 1,6% zu. Ebenso profitierte das Geschäftsfeld Air & Sea Logistics (ASL) von der Corona-Krise. Die Umsätze stiegen um 5,2% von 1,14 auf 1,2 Milliarden Euro, vor allem auf Grund knapper Kapazitäten und hoher Frachtraten. In der Luftfracht gelang es Dachser nach dem Kollaps der Beiladekapazitäten über Charter-Verkehre verlässliche eigene Kapazitäten zwischen Europa und Asien sowie zwischen Europa und den USA aufzubauen. Insgesamt wurden 150 Frachtflüge selbst organisiert und abgewickelt. Die Sendungszahlen auf Konzernebene verringerten sich um 2,5 % auf 78,6 Millionen, während die Tonnage um 2,9 % auf 39,8 Millionen Tonnen sank.

Dachser investierte 2020 rund 142,6 Millionen Euro ins weltweite Logistiknetzwerk. Für 2021 soll diese Summe auf 190 Millionen Euro erhöht werden. Damit können zusätzliche Kapazitäten in der Kontraktlogistik geschaffen und die Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen weiter vorangetrieben werden. U.a. soll die Integration der Netze, die Einführung neuer Technologien, z.B. für Wechselbrücken-Lokalisierung, und die Einführung emissionsfreier Liefergebiete in Europa sowie die Erforschung und Erprobung von Wasserstoffbrennstoffzellenantrieben für Lkw verstärkt werden.

Fazit:
Die global tätigen Speditionen haben 2020 vom weltweiten Boom im Onlinehandel und der gestiegenen Nachfrage nach Dienstleistungen im Gesundheits-/Pharmabereich profitiert. Auch 2021 werden diese Wachstumstreiber bleiben. Dabei geht es nicht nur um Luft-, sondern auch um Landtransporte, Lagerhaltung und Feinverteilung. Die Impfkampagnen laufen in den meisten Ländern jetzt erst richtig an. Insbesondere für Spezialisten für temperaturgeführte Transporte wie DHL sowie Kühne + Nagel ist das Impfgeschäft profitabel.

Insgesamt wird die Logistikbranche voraussichtlich noch bis Mitte 2022, falls dann eine Herdenimmunität auch in Afrika, Lateinamerika und Asien-Pazifik erreicht sein wird, mehr oder weniger unter der Corona-Pandemie leiden. Die Knappheit von Laderaum in der See- und Luftfracht, aber auch der Lockdown bedingte Nachfragekollaps in Gastronomie und Hotellerie (z.B. bei Krustentieren) haben zu Marktverwerfungen geführt. 90% der Beiladekapazitäten auf Passagierflügen standen 2020 und stehen wohl auch 2021 nicht zur Verfügung. Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung sind und bleiben weit über 2021 hinaus ein wichtiges Thema in der Branche, ebenso wie Nachhaltigkeit und CO2-Bilanzen. Hier ist der wirkliche Nutzen für die Kunden, abgesehen vom Imagegewinn für die Speditionen, jedoch nicht immer ersichtlich. (US)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

Supply-Chains im Stress-Test

Supply-Chain-Transparenz ist wichtig, reicht aber in der heutigen Zeit nicht mehr. Wer auf Supply-Chain-Störungen nur reagiert, hat ein Problem. Vorbeugendes Handeln ist notwendig.

Beitrag: Thomas Kofler.

Der sich rasch verbreitende Coronavirus gefährdet Lieferketten und ganze Supply-Chain-Ökosysteme, führt zu kostenträchtigen Produktionsunterbrüchen und Lieferengpässen in zahlreichen Branchen – von Automotive, Elektronik bis Pharma und Textil. Dabei sind Lieferkettenstörungen – Menschen gemachte wie auch Naturereignisse – kein neues Phänomen. Das Supply Chain Management (SCM) gehört zu den komplexesten Aufgaben in Unternehmen.

Globale Lieferquellen, Einbindung unterschiedlichster Partner, ob Produktionsstandorte, Lieferanten, Lagerhalter, Spediteure, Transporteure, Zollbehörden, Distributoren, unzählige physische und digitale Schnittstellen – es gibt so viele Faktoren, die den Überblick über Supply-Chain-Ökosystem und den Durchblick erschweren. Und die Anforderungen an das SCM steigen stetig weiter. Die Unternehmen müssen immer schneller auf Nachfrageveränderungen reagieren beziehungsweise diese immer besser vorausschauend einschätzen können.

Aufgrund des „Amazon-Effekts“ (günstig und schnell per Mausklick bestellt und morgen geliefert) stehen viele Konzerne unter starkem Wettbewerbsdruck. Der Verbraucher erwartet ein vollendetes, störungsfreies Kundenerlebnis mit einer Echtzeitverfolgung seiner Bestellungen bis zur punktgenauen Lieferung. Dieser Anspruch hat sich inzwischen auch aufs B2B-Geschäft übertragen. Geschwindigkeit, Transparenz und Qualität sind der Schlüssel zum Erfolg.

Systemvielfalt kontra Transparenz.
Seit Jahrzehnten kämpfen Supply Chain Manager für mehr Prozesstransparenz – vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden -, um agiler und nachhaltiger auf Lieferkettenstörungen reagieren zu können. Viele Hoffnungen verknüpften sich mit der Digitalisierung.  Eine Vielzahl an Softwarelösungen ist heute bei Versendern, Spediteuren und Transporteuren im Einsatz: Global-Trade-Management (GTM), Transport-Management- (TMS), Warehouse-Management- (WMS), Enterprise-Ressource-Planning- (ERP) oder Carrier-Dispatch-Systeme, um nur einige zu nennen. Aber alle sind Insellösungen. Auch die von Maersk und IBM gegründete Shipping-Information-Pipeline auf Basis von Blockchain-Technologie.

Immer noch werden viele Informationen manuell, per E-Mail, Fax oder Telefon entlang der Lieferkette ausgetauscht. Der Grund: Zwischen den o.g. Systemen besteht wenig oder keine Interoperabilität. Dies verhindert, dass alle Beteiligten eine ganzheitliche Sicht auf ihre Lieferungen haben. Dadurch ist weder ein schnelles Erkennen noch eine proaktive Kommunikation von Lieferproblemen möglich. Insbesondere, wenn die Probleme bei Tier 2- oder Tier 3-Lieferanten ihren Ursprung haben.

Hinzu kommt, dass sich der Informationsbedarf und die Interpretation einzelner Dateninhalte je nach Supply-Chain-Partner erheblich unterscheidet. Grosse Vielfalt herrscht auch bei Datenstandards, Datenumfang und angewandter Semantik bei der SCM-Software, die sich bei den verschiedenen Parteien im Einsatz befindet. Zudem ist nicht jeder Partner in der Supply Chain bereit oder in der Lage, seine Daten an alle weiterzugeben – wegen unterschiedlicher ERP-Systeme oder eventuell aus Angst, die Daten werden nicht vertraulich behandelt.

Mangelnde Datenqualität.
Eine weitere Schwachstelle sind die riesigen Datenmengen, die durch die Lieferkette fliessen, und die Qualität dieser Daten. Wenn die Verschiffungsdaten- oder Ankunftszeiten (ETA) nicht stimmen oder Transportverzögerungen zu spät vom Transporteur übermittelt werden, können Ausliefertermine beim Endkunden nicht eingehalten werden. Zusätzlich fallen eventuell noch Demurrage, Detention und Storage Charges an. Und die Unternehmen müssen Pufferwarenbestände vorhalten, um eine 100%-ige Lieferfähigkeit sicherzustellen. Die meisten Softwarelösungen basieren auf statischen Rechenmodellen, in die beispielsweise nur die offiziellen Daten des Transporteurs oder Spediteurs einfliessen. Sind diese Daten nicht à jour, entsteht ein falsches Bild. Nur selten hat der Supply Chain Manager einen wirklichen Überblick über die IST-Situation und noch seltener kann er in die Zukunft schauen. Volle Supply-Chain-Transparenz („Visibility“) bleibt so Utopie.

Predictive Supply Chain Visibility.
Nur wenige Software-Anbieter sind in der Lage, die für den Verlader interessanten Daten dynamisch aus verschiedenen Quellen zu schöpfen (Reeder plus Satellitenmeldungen etc.), zu überprüfen, korrigieren, auszuwerten und bereinigt in die Modellrechnung einzuspeisen. Sie haben erkannt, dass die Datenqualität entscheidend für Transparenz und zukunftsorientierte Aussagen ist. Sie setzen auf eine „kontinuierliche“ Methodik und offene Plattform-Technologielösungen unter Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen (ML). In einem solchen selbst lernenden System werden Daten auch extrapoliert. Dadurch können Supply-Chain-Ökosysteme nicht nur in Echtzeit abgebildet, sondern auch mit grosser Präzision Vorhersagen für vorher definierte Ereignisse erstellt (Predictive Supply Chain Visibility) und die Lieferfähigkeit optimiert werden (Continuous Delivery Experience).

Continuous Delivery Experience.
Grosse Kunden in Industrie und Handel erwarten heute von ihrem digitalen Supply Chain Management, eine punktgenaue Lieferung der bestellten Produkte, eine Amazon-ähnliche Lieferfähigkeit und Kundenerfahrung – auch im B2B-Geschäft. Bei Lieferstörungen aus was immer für Gründen erwarten sie eine vorausschauende, schnelle Problembewältigung. Unternehmen wie Lenzing Gruppe, Georgia-Pacific und Koch Industries setzen daher auf innovative, offene Plattform-Technologielösungen, die Lieferketten digital so abbilden, dass eine hohe Kundenzufriedenheit auch im B2B-Geschäft erreicht wird. Für erfolgreiche Firmen steht der Kunde und das Kauferlebnis ganz am Anfang der Prozesskette und diese wird in entgegengesetzter Richtung organisiert wie im Traditionsunternehmen.

Ausblick.
Seit Anfang des Jahres erweist sich die Corona Virus-Epidemie als Stresstest für Lieferketten von/nach China. Die negativen Auswirkungen auf internationale Lieferketten-Ökosysteme, Produktionen und Kundenangebote zeigen sich bereits heute und werden noch zunehmen. Luft- und Seefrachtkrachtkapazitäten werden knapp. Die Frachtkosten steigen. Die Corona Virus-Epidemie fällt unter höhere Gewalt. Zusatzkosten, vor allem im Seeschiffsverkehr anfallende so genannte Detention-, Demurrage- und Storage-Charges, können vom Spediteur dem Verlader weiterberechnet werden.

Die Corona Virus-Epidemie ist auch ein Stresstest für Supply Chain Manager, die schnell und pro-aktiv auf die absehbaren Supply-Chain-Störungen reagieren müssen, um die Lieferfähigkeit des Unternehmens zu erhalten und genügend Waren für den Abverkauf zur rechten Zeit am richtigen Ort zur Verfügung zu haben. Nur eine hohe Datenqualität garantiert wirkliche Transparenz in der Lieferkette und macht zuverlässige Aussagen über Produktlieferungen möglich. Ein positives Kauferlebnis wiederum schafft Kundenbindung. (TK)

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2020

Vom Risiko zur Chance – Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum

Die politischen Turbulenzen in Vorderasien und im Mittleren Osten haben die Compliance-Herausforderungen beim Export in diesen Wirtschaftsraum enorm in die Höhe geschraubt. Mit IT-Unterstützung lassen sich die Risiken jedoch gut managen.

Redaktion: Arne Mielken.

Bürgerkrieg in Syrien, Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien, Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran im Irak und in Syrien, iranischen Angriffe auf Schiffe in der Strasse von Hormoz und auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien, Stellvertreterkrieg im Jemen – alle diese Ereignisse sprechen gegen Exporte in diese Region.

Tor zum Mittleren Osten.
Der Handel mit der Türkei leidet zudem unter der schrumpfenden Wirtschaftsleistung, der hohen Inflationsrate, hohen Zinsen und dem Wertverlust der türkischen Währung. Produkte aus Deutschland und Österreich sind dadurch z.T. sehr teuer geworden. Die Euphorie nach Abschluss der Zollunion zwischen der EU und der Türkei im Jahr 1996 ist längst verflogen. Trotzdem schätzen Experten die mittel- bis langfristigen Exportchancen für deutsche und österreichische Unternehmen in der Türkei als gut ein.

Das Land mit über 80 Mio. Einwohnern hat eine junge, recht gut ausgebildete Bevölkerung und vor allem viele unternehmerisch denkende Menschen, die die Möglichkeiten, die sich der Türkei als Tor zum Mittleren Osten und zu den Stan-Ländern bieten, kreativ ausschöpfen. Im konsumfreudigen Mittelstand wächst zu dem die Nachfrage nach Qualitätsprodukten und -dienstleistungen. In Industrie und Handel sind innovative Technologien (Maschinen, IT, Infrastruktur, Transportwesen, Medizintechnik) gesucht.  Die EU ist mit Abstand der grösste Exportmarkt der Türkei (mit rund 50 Prozent), während die Türkei der fünftgrösste Import- und Exportmarkt der EU ist.

Chancen in Arabien.
Der niedrige Ölpreis und die politische Instabilität in der Region haben zahlreiche Investitionsvorhaben im Nahen Osten und auf der arabischen Halbinsel im letzten Jahr ausbremst. Trotzdem werden die Exportchancen für deutsche und österreichische Unternehmen z.B. in Saudi-Arabien mittel- und langfristig mit gut beurteilt. Dazu beigetragen haben u.a. die internen Reformen im Rahmen der „Saudi Vision 2030“.

Saudi-Arabien ist ein interessanter Absatzmarkt.
für Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge, chemische, elektrotechnische, feinmechanische und optische Er¬zeug¬nisse, Pharmaprodukte, Luxusgüter und Lebensmittel. Als problematisch gelten Rüstungsexporte, insbesondere nach dem Mord an dem Journalisten Kashoggi. Noch bedeutsamer sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Absatzmarkt für Flugzeuge, PKW, Maschinen sowie elektrotechnische und chemische Erzeugnisse. Auch als Knotenpunkt für den Handel und den Transport nach Ostafrika und den indischen Subkontinent sind die VAE nicht zu unterschätzen.

Der Handel mit dem Irak, Syrien und Jemen ist sehr intransparent und bewegt sich kriegsbedingt seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau. Hoffnungen für einen Aufschwung verbinden sich immer mal wieder mit Grossprojekten, wie den Bau neuer Raffinerien und einer Ölpipeline von Basra nach Aqaba. In wieweit sich diese realisieren lassen, bleibt abzuwarten.

Zollunion, aber kein modernes Assoziierungsabkommen.
Das seit 1996 bestehende Abkommen der Türkei mit der EU sichert den freien Warenverkehr (keine Ein- und Ausfuhrzölle und Beschränkungen) für Industriegüter und bestimmte landwirtschaftliche Verarbeitungserzeugnisse. Darüber hinaus wird durch die Zollunion ein gemeinsamer Außenzolltarif für diese Waren festgelegt und die Angleichung des Zollrechts, der Handelspolitik und einiger damit verbundene Wirtschaftsgesetzgebungen sichergestellt. Allerdings sehen sich Exporteure seit 2011 immer häufiger mit neuen Importbestimmungen, sich ändernden Einfuhrkontrollen, Dumping-, Zusatz-, und Ausgleichszöllen sowie schwierigen Registrierungs- und Dokumentationspflichten konfrontiert. Dazu gehören auch Ursprungsnachweise in Form eines IHK-Ursprungszeugnisses, einer Lieferantenerklärung oder einer sog. Exporter’s Declaration. Die im Dezember 2016 begonnen Verhandlungen über eine Modernisierung des Handelsabkommens – analog den Assoziierungsabkommen mit Japan, Kanada und Mexiko – liegen seit Juni 2018 aus diversen politischen Gründen auf Eis.

Abkommen, aber kein Freihandel.
Mit Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und den VAE, den Mitgliedern des Golfkooperationsrates – GKR (Gulf Co-operation Council – GCC), hat die EU 1989 ein Kooperationsabkommen abgeschlossen. Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FHA) wurden 2008 seitens des GKR ausgesetzt und bisher nicht wieder aufgenommen. Der GKR hat allerdings inzwischen ein FHA mit der EFTA und Singapur unterzeichnet. 2014 strich die EU den Mitgliedern des GKR die Zollvergünstigungen für Entwicklungsländer.

Bedeutsam für deutsche und österreichische Exporteure ist der einheitliche Aussenzollsatz im 2008 vom GKR etablierten gemeinsamen Markt (Gulf Common Market-GCM), der für die meisten Waren 5% beträgt. Der Warenhandel innerhalb des GCM ist zollfrei. Zollanmeldung und Abgabenerhebung werden grundsätzlich in dem Mitgliedstaat durchgeführt, in dem die einzuführende Ware erstmals das Zollgebiet der Zollunion erreicht. Bei der anschliessenden Weiterversendung innerhalb der Zollunion sind in der Regel keine weiteren Zollmassnahmen (Abfertigung, Abgaben) erforderlich. Im Exportland innerhalb des GCM ist lediglich eine Erklärung für statistische Zwecke auszufüllen, die beim Import in einen anderen GKR-Staat vorgelegt werden muss. Die Zollanmeldungen im Emirat Dubai müssen elektronisch abgegeben werden. Für die Wareneinfuhr in die VAE ist ausserdem eine Legalisierung der von der zuständigen IHK/Wirtschaftskammer bescheinigten Ursprungszeugnisse und Handelsrechnungen durch die Konsularabteilung der Botschaft der VAE erforderlich.

Sanktionsbestimmungen beachten.
Mit dem Irak besteht seit dem 1. August 2018 ein nichtpräferenzielles Handelsabkommen, das (auch wenn der Irak noch kein Mitglied der WTO ist) die grundlegenden WTO-Regeln sowie einige wichtige Präferenzklauseln (insbesondere in Bezug auf das öffentliche Beschaffungswesen, Dienstleistungen und Investitionen) enthält. Mit dem Jemen wurde bereits 1998 ein nicht-präferenzielles Kooperationsabkommen abgeschlossen. Beide Länder unterliegen Exportverboten in Bezug auf Rüstungs- und bestimmten Dual-Use-Güter sowie Finanzkontrollen. Die EU-Mitgliedstaaten sind angehalten alle Ladungen auf dem Weg nach dem Jemen bei Verdacht einer verbotenen Sendung zu kontrollieren und verbotene Lieferungen zu beschlagnahmen und zu entsorgen. Ein Waffenexportverbot gilt auch für den Libanon.

Der Handel mit Syrien unterliegt seit Beginn des Bürgerkriegs umfangreichen Sanktionsbestimmungen seitens der EU, aber auch der USA. Diese umfassen nicht nur Öl- und Ölprodukte sowie Ausrüstung für die Öl- und Gasindustrie, Kraftwerke, Rüstungsgüter, Flugzeugteile, sondern auch Luxusgüter, Maschinen und diverse andere Waren. Unternehmen, die mit US-Firmen Handel betreiben, sollten sich besonders genau über die Sanktionsbeschränkungen informieren. Das 1977 abgeschlossene Kooperationsabkommen zwischen der EU und Syrien wurde 2011 respektive 2012 teilweise suspendiert. Die Unterzeichnung eines 2008 ausgehandeltes Assoziierungsabkommen liegt aus politischen Gründen auf Eis.

Risiken mit IT-Lösung vermeiden.
KMU können sich bei ihrer Handels- respektive Wirtschaftskammer über die aktuellen Bestimmungen im Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum informieren. Bei grösseren Warenvolumina und in Anbetracht der volatilen und komplexen Im- und Exportbestimmungen empfiehlt es sich jedoch, eine SaaS IT-Lösungen mit kontinuierlich aktualisierter Datenbank einzusetzen. Mit IT-Unterstützung lassen sich multinationale Sanktionslistenprüfungen, Lieferantenerklärungen, komplexe Ursprungsregeln und allfällige Risiken relativ einfach managen, ebenso die Suche nach der richtigen Zolltarifnummer und Exportkontroll-Güterlistennummer. Innovative, ausgefeilte Systeme informieren Unternehmen ausserdem, welche Vorschriften bei der Ausfuhr aus Deutschland/Österreich und der Einfuhr in das Bestimmungsland zu beachten, welche Dokumente notwendig und wie hoch die Zoll- und Mehrwertsteuersätze sind.

Sie zeigen dem Nutzer, wo für ihn als Industrie- und Handelsunternehmen oder Logistikdienstleister Risiken bestehen. Und sie dokumentieren firmeninterne Exportkontrollen für Behördennachfragen. Mit einer solchen Management-Software können Exporteure durch die Automatisierung ressourcenintensiver Schritte die Zeit für die Qualifizierung von Waren deutlich reduzieren: Einholung von Lieferanteninformationen, Einhaltung der Ursprungsregeln und Analyse der Stücklisten (Bill of Material/BOM). So können Verwaltungskosten gesenkt, Zölle und Transportkosten minimiert werden. Auch die Compliance wird verbessert. Da falsche oder nicht gerechtfertigte Ursprungsangaben auf präferenziellen Ursprungsnachweisen nicht nur wirtschaftliche Einbussen zur Folge haben, sondern auch strafrechtliche Zollverfahren für den Exporteur und den Empfänger auslösen können, sollten Firmen alle Prozesse automatisch, auditierbar dokumentieren.

Fazit:
Der Export in die Türkei und den arabischen Raum ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Neben zolltariflichen und nicht-tarifären Hürden und Hemmnissen ist die Geschäftskultur eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. So fliessen in diesen Ländern kulturelle und religiöse Regeln viel stärker ins Geschäftsleben ein, als das in westeuropäischen Staaten der Fall ist. Doch für den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automotive- und Pharmaindustrie bieten sich durchaus lukrative Chancen. Ein gutes, IT-gestütztes Trade Compliance-Management erlaubt Unternehmen trotz Risiken, Chancen in diesem Wirtschaftsraum voll auszuschöpfen.
(AM)

 

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
#politics #management

Sind Ihre Mitarbeiter fit im US – Außenhandelsrecht?

Sie exportieren in die USA? Sie importieren Teile oder technisches Know-how aus den USA? Dann sollten sich Ihre Mitarbeitenden gut im US-Außenhandelsrecht auskennen. Verstöße können teuer werden. Regelmäßige Schulungen sind unumgänglich.

Beitrag: Redaktion.

Trump ist Ihr Albtraum oder Sie sind ein Trump-Fan? Wie auch immer. Falls Sie Handel mit den USA treiben, müssen Sie sich mit den Auswirkungen seiner Politik arrangieren. Und dies betrifft Hunderte von Firmen in Deutschland. Die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer von Waren «Made in Germany». 2018 erreichten die Ausfuhren einen Rekordwert von 113,5 Milliarden Euro. Auch die Importe aus den USA sind mit 64,6 Milliarden Euro bedeutsam. Doch wie gut kennen sich Ihre Mitarbeitenden im hoch komplexen US-amerikanischen Handels- und Zollrecht aus? Alles dem Zollspediteur zu überlassen ist für Industrie und Handelsorganisationen nicht ratsam. Denn Rechtsverstöße werden in den USA mit hohen Strafen belegt.

Exterritoriale Geltung.
Einer der Gründe, warum Sie ihre Mitarbeiter kontinuierlich schulen sollten, ist die exterritoriale Geltung des US-Exportkontrollrechts. Während in EU-Staaten, einschließlich Deutschland, der Grundsatz des freien Warenverkehrs gilt, sind bewilligungsfreie Exporte aus den USA eher die Ausnahme. Zudem kontrollieren die USA ihre Güter im Handelsverkehr auch außerhalb des eigenen Territoriums, wo auch immer sich diese in der Welt bewegen.

Das US-Exportkontrollrecht findet u.a. Anwendung auf Güter, die außerhalb der USA produziert werden, in denen aber US-Vorprodukte enthalten, oder die das Resultat von US-Technologien, Blaupausen u.ä. sind. Je nach Empfangsland bzw. Empfängerperson wird zum Teil bereits ab einem wertmäßigen US-Anteil von 10% ein Gut als US-Gut betrachtet und entsprechend durch US-Recht kontrolliert. Das US-Recht folgt der Ware. Damit müssen US-Regularien auch von Unternehmen beachtet werden, die keine Niederlassung in den USA haben, aber direkt oder indirekt mit US-Produkten zu tun haben.

Die De-Minimis-Regel gilt nur bei (Re-) Exporten von Dual-Use-Gütern. Für Rüstungsgüter oder Luft- und Weltraumtechnologie, die nicht durch die EAR (Export Administration Regulations), sondern durch ITAR (International Traffic in Arms Regulations) kontrolliert werden, genügt bereits der Einbau einer einzigen ITAR-kontrollierten Komponente, um das Gesamtgut der Kontrolle der ITAR zu unterwerfen, sog. see-through-rule.

Aufmerksamkeit verlangt auch die Vielzahl der Sanktionslisten bezüglich Länder, Organisationen und Personen der US-Behörden. Für Kundenunternehmen, Lieferanten oder Geschäftspartner, die in diesen Listen aufgeführt sind, besteht entweder eine Meldepflicht an die US-Behörde, eine Bewilligungspflicht oder sogar ein Verbot des Geschäfts.

Das US-Exportrecht gilt unter Umständen auch, wenn ein Unternehmen Standorte oder Beteiligungen in den USA unterhält, wenn ein US-Unternehmen an der Gesellschaft beteiligt ist oder wenn ein Unternehmen US-Staatsbürger oder auch nur Inhaber einer “US-Greencard” beschäftigt. So kann z.B. ein Vortrag im Ausland über bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse durch einen US-amerikanischen Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens eine Exportlizenz benötigen („deemed export“).

Ebenso das Ausstellen eines Produkts im Rahmen einer Messe außerhalb Deutschlands. Auch der grenzüberschreitende Versand von Produktbeschreibungen oder die Information eines ausländischen Staatsangehörigen über Merkmale des Produkts können einen Export nach US-Recht darstellen. Die Verpflichtungen betreffen auch deutsche Unternehmen, die lediglich Produkte und Dienstleistungen in andere EU-Länder verbringen. Besondere Regeln sind ebenfalls bei den internen Abläufen innerhalb exportierender Unternehmen zu beachten. Unter anderem müssen bei der Produktion bestimmter in den USA gelisteter Güter besondere Sicherheitsstandards bezüglich Zutrittes, Organisation und Auswahl der Mitarbeiter beachtet werden.
C-TPAT etc.

Aber auch der Export in die USA ist nicht hürdenfrei. Die Bestimmungen des Zollpartnerschaftsabkommens C-TPAT und der elektronischen Voranmeldung von Warenimporten sollten bekannt sein. Die Einfuhr von Lebensmitteln und Pharmaprodukten in die USA stellt hohe Anforderungen. Die Vorgaben der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelaufsicht “Food and Drug-Administration” (FDA) müssen ebenso erfüllt werden, wie die des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) und der amerikanischen Zollbehörde CBP (Customs Border Protection).

Eine richtige, vollständige und schlüssige Dokumentation ist entscheidend für eine schnelle, termingerechte Lieferung und den Zugang zum US-amerikanischen Markt. Bei verschiedenen Waren muss eine Importlizenz ebenso wie Adressen und FDA Registriernummern des Exporteurs, Herstellers, Importeurs und Empfängers vorliegen. Der Warenursprung muss lückenlos belegt
werden.

Drawback-Verfahren:
Interessante finanzielle Vorteile ergeben sich für Exporteure, die Waren in den USA veredeln und dann weiter nach Lateinamerika oder Kanada verkaufen. Das Drawback-Verfahren bietet die Option, bei der CBP die Erstattung von bereits gezahlten Einfuhrabgaben beim Reexport veredelter, nicht benötigter oder defekter Waren („Manufacturing Drawback“, „Unused Merchandise Drawback“, „Substitution Drawback“) zu beantragen. Die Zollbehörde erstattet im Regelfall 99% der gezahlten Einfuhrzölle. Bei „Unused Merchandise Drawback“ werden überdies auch die Zollabfertigungsgebühren (merchandise processing fees) erstattet. Grundsätzlich ist es am Exporteur der Einfuhrwaren oder gleichartiger Waren, die Erstattung zu beantragen.

Spezialschulung tut not.
Zahlreiche Firmen, Institutionen und Verbände bieten in Deutschland Schulungen im Bereich Exportklassifizierung und -verzollung, Compliance, Freihandelsabkommen u.ä. für Fach- und Führungskräfte an. Die Global Trade Academy von E2open (ehem. Amber Road, mit Hauptsitz in New Jersey USA) hat sich vor allem auf USA fokussierte Themen und den globalen Handel mit Dual-Use-Gütern spezialisiert. Kostenlose Webinars zu aktuellen Themen wie neue Gesetzesvorschriften, Sanktionen oder Zölle, Brexit und Incoterms 2020 bieten viel Raum für die Beantwortung individueller Fragen aus dem Berufsalltag.

Seminare und Konferenzen werden in verschiedenen Ländern (in Nordamerika, Asien und Europa) sowie Sprachen zu Themen des internationalen Handels, Außenhandelsmanagement, Supply-Chain- Management, Import- und Exportkontrollen, Zollabwicklung, Freihandelsabkommen, Präferenzabwicklung und Trade Compliance Management angeboten. Darüber hinaus ist die Global Trade Academy seit Jahren erfolgreich mit Online Trainings und Präsenzveranstaltungen, die zum Teil speziell auf individuelle Firmenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Zum Schulungsprogramm gehören auch drei Intensivkurse mit Abschlusszertifikat. Hier liegt der Fokus auf global standardisierter HS-Klassifizierung und Tarifierung, Exportkontrollrecht (USA, EU etc.) und Drawback-Verfahren (USA). Zum Selbststudium dient die Lernplattform „Learning Management System“ (LMS). Sie gewährt Zugriff auf eine Bibliothek mit bereits abgehaltenen Online-Seminaren zum Themenzyklus Handelsrecht Im- und Export. Das gesamte Schulungsprogramm ist auf den Praxisalltag ausgerichtet. Die Kurse kosten zwischen 600 und 3000 USD/Person.

Fazit:
Fundiertes Wissen im internationalen Handelsrecht, insbesondere in Bezug auf Ihre Lieferländer und Absatzmärkte, ist essenziell für reibungslose und rechtssichere Geschäftsabläufe. Angesicht des zunehmenden Protektionismus weltweit und immer mehr Vorschriften und Verordnungen im Welthandel wächst die Bedeutung von Schulungen, Auffrischungskursen und einer generellen Sensibilisierung für Trade-Compliance-Themen. Trade Compliance ist für Firmen Voraussetzung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, bringt aber neben der Strafvermeidung keinen messbaren Wettbewerbsvorteil. Daher tun sich viele Firmen schwer, die notwendigen Mittel für Schulungen bereit zu stellen. Andererseits sind gute Fachkenntnisse Voraussetzung für die anstehende digitale Transformation und Automatisierung aller Geschäftsprozesse. (US)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

 

EU und EFTA buhlen um Verbraucher im Mercosur

Am 28. Juni einigten sich die Staaten des Mercosur mit der EU über ein Freihandelsabkommen. Am 23. August konnte die EFTA ihre Verhandlungen erfolgreich abschließen. Allerdings sind beide Verträge noch nicht in trockenen Tüchern.

Beitrag: Arne Mielken.

Nach zwanzig Jahren Verhandlungen mit Unterbrüchen erfolgte am 28. Juni 2019 endlich eine Einigung über ein Freihandelsabkommen (kurz FHA, “Agreement in Principle”) zwischen der Europäischen Union (EU) und den Mercosur-Ländern (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay). Am 12. Juli hat die Europäische Kommission einen Teil des vorläufigen Vertragstextes (Handelsteil) veröffentlicht. Dieser unterliegt aber noch einer juristischen Prüfung (“legal scrubbing”) und kann sich daher noch leicht ändern. Die Zollabbaupläne der EU und des Mercosur wurden noch nicht publiziert.

Das FHA ist analog den neuen Abkommen mit Kanada und Japan breit und umfassend angelegt. Es deckt nicht nur tarifäre Fragen (Zoll, Exportsubventionen), sondern auch Regelungen zu Dienstleistungen und anderen handelsrelevanten Aspekten wie Investitionen, Gründung von Niederlassungen, Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen, Arbeitnehmerrechte und Wettbewerbsfragen ab.

Ein wichtiger Teil ist der Abbau nicht-tarifärer Handelsschranken, insbesondere unterschiedlicher technischer Normen und Vorschriften.  Derzeit erheben die Länder des Mercosur relativ hohe Zollabgaben, die für Kraftfahrzeuge, Textilien, Bekleidung, Schuhe, Spirituosen und Softdrinks bei bis zu 35 % liegen, für Wein bei 27%, für Kraftfahrzeugteile, Chemikalien und Kekse bei bis zu 18 %, für Maschinen bei 14 – 20 % und für Arzneimittel bei bis zu 14 %.  Mit dem Abkommen sollen Zölle auf 91 % der EU-Exporte nach und nach reduziert oder ganz beseitigt werden. Die EU-Einfuhrzölle auf 92 % der Mercosur-Waren sollen ebenfalls gesenkt oder abgeschafft werden.

Zahlreiche Schutzklauseln.
Das Abkommen ist mit verschiedenen Schutzklauseln ausgestattet. Beispielsweise sollte es aufgrund der Zollsenkungen zu einem unerwarteten, erheblichen Anstieg der Einfuhren kommen, der die inländische Industrie schwer zu schädigen droht, ist die Einführung vorübergehender Schutzmaßnahmen erlaubt.

Für Importe in die EU sollen weiterhin die bestehenden, hohen Standards der Lebensmittelsicherheit, Tier- und Pflanzengesundheit gelten. Im FHA wird ausdrücklich das „Vorsorgeprinzip“ beibehalten, wonach Behörden das Recht haben, zum Schutz menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Lebens oder der Umwelt zu handeln, wenn nach ihrer Einschätzung ein Risiko besteht. Dies gilt selbst dann, wenn keine eindeutigen einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.

Das Abkommen enthält detaillierte Bestimmungen in Bezug auf Urheberrechte, Marken, gewerbliche Muster, geografische Angaben und Pflanzensorten. Der Abschnitt über die Rechte des geistigen Eigentums regelt auch den Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Die EU und die Länder des Mercosur verpflichten sich außerdem das Pariser Klimaschutzübereinkommen, das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen (CITES) sowie UN-Abkommen über die biologische Vielfalt und Fischereibewirtschaftungsmaßnahmen wirksam umzusetzen. Organisationen der
Zivilgesellschaft erhalten die Möglichkeit, die Umsetzung des Abkommens – auch in Umweltbelangen – aktiv zu überwachen. Ferner sieht das Abkommen ein neues Forum für eine engere Zusammenarbeit für einen nachhaltigeren Ansatz in der Landwirtschaft vor.

Verzögerungen möglich.
Bis das FHA in Kraft tritt, wird einige Zeit ins Land gehen. U.a. muss es noch in alle EU-Amtssprachen übersetzt, dem Rat der EU (EU-Mitgliedstaaten) und dem Europäischen Parlament zur Genehmigung vorgelegt sowie in allen Mercosur-Ländern ratifiziert werden. Die Entscheidung im EU-Rat muss einstimmig sein.

In Österreich gibt es allerdings Gegenwind. Der inzwischen abgewählte Nationalrat hatte die Regierung Ende September zu einer Ablehnung des Abkommens verpflichtet. Wie die zukünftige Regierung abstimmen wird, ist ungewiss. Auch Luxemburg will gegen das FHA votieren. In Argentinien könnte es im Dezember d.J. zu einem Regierungswechsel und damit zu einem Zurückdrehen der Marktöffnung kommen. Auch politischer Streit um Abholzungen im Amazonas und präsidiale Befindlichkeiten könnten das Inkrafttreten des FHA noch verzögern. Europäische Bauernverbände machen weiterhin Front gegen das Abkommen, da sie trotz Zusicherungen einen massiven Preisdruck durch minderwertige Fleischimporte, Gen manipuliertes Getreide, bei Ölsaaten und Zucker fürchten.

Interessanter Wachstumsmarkt.
Der Mercosur zählt rund 260 Millionen Verbraucher. Das sind nur halb mal so viele wie in der EU (512 Millionen), aber das jährliche bilaterale Handelsvolumen der EU mit dem Mercosur beläuft sich derzeit immerhin auf rund 88 Mrd. EUR (Waren) bzw. 34 Mrd. EUR (Dienstleistungen).

Der Wirtschaftsblock wird durch Brasilien dominiert auf das 80% der Wirtschaftskraft und der Bevölkerung entfällt. Die EU führt pro Jahr Waren im Wert von 45 Mrd. EUR in die Mercosur-Länder aus und importiert von dort Waren von ähnlichem Wert (43 Mrd. EUR). Bei den Dienstleistungen sind die EU-Ausfuhren mehr als doppelt so hoch wie die Einfuhren. Unternehmen aus der EU erbrachten Dienstleistungen im Wert von 23 Mrd. EUR für Kunden im Mercosur, Unternehmen aus Mercosur-Ländern wiederum Dienstleistungen für Kunden in der EU im Wert von 11 Mrd. EUR.
Durch Zollsenkungen könnten Exporteure in der EU laut EU-Angaben jährlich über 4 Mrd. EUR sparen.

EFTA zieht nach.
Am 23. August konnten auch die EFTA- (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein) und die Mercosur-Staaten ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen in der Substanz abschließen. Es befreit mittelfristig rund 95 Prozent der EFTA-Ausfuhren in die Mercosur-Staaten von Zollabgaben. Zudem werden technische Handelshemmnisse abgebaut, der Marktzugang für EFTA Dienstleistungserbringer erleichtert und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen generell gestärkt.

Das FHA verhindert eine Schlechterstellung der Unternehmen im EFTA-Raum gegenüber denen in der EU. Beide FHA sind sich inhaltlich sehr ähnlich. Zu den zentralen Punkten des Abkommens zählen ein weitgehend freier Zugang für EFTA-Industrieprodukte, Quoten für ausgewählte Mercosur-Agrarexporte und ein Patentschutz für Schweizer Pharmakonzerne.

Im Agrarbereich gewährt beispielsweise die Schweiz für ausgewählte Produkte erstmals auch bilaterale Kontingente außerhalb ihrer WTO-Verpflichtungen. Diese Konzessionen wurden so ausgestaltet, dass sie die Ziele der Schweizer Agrarpolitik nicht in Frage stellen. Das Abkommen soll spätestens im Jahr 2021 ratifiziert werden. Es bleibt abzuwarten, ob es bis dahin die Referendum-Hürde in der Schweiz erfolgreich genommen hat.

Türöffner IT.
Die Komplexität der neuen FHA überfordert viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Internationale Softwarehäuser wie E2open bieten jedoch ausgefeilte Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Feststellung der Dokumentenpflichten und Sonderanforderungen, der Generierung der notwendigen Export- und Importdokumente und beim Dokumentenmanagement unterstützen. Sie helfen bei der Produktklassifizierung und Identifizierung der korrekten Zolltarife.
Sie assistieren beim Erstellen und Verwalten von Ursprungszeugnissen. Und für den Export von Dual-Use-Gütern bieten sie Unterstützung bei der Einrichtung rechtskonformer Exportkontrollprozesse.

Die Software vereinfacht Preisvergleiche auf Einstandskosten-Basis und hilft bei der Festlegung optimaler Lieferbedingungen. Sie erhöht das Bewusstsein für Zollvorteile oder Quotenbeschränkungen und öffnet die Augen für neue Handelsmöglichkeiten. Sie reduziert Trade-Compliance-Risiken, spart Zeit gegenüber manuellen Recherchen und steigert Supply-Chain-Management-Effizienz und Supply-Chain-Transparenz. Die E2open Global Trade Management-Lösungen basieren auf einer umfassenden, tagesaktuellen Datenbank. Mit Inkrafttreten des FHA werden die neuen Zolltarife und andere zolltechnische Anforderungen automatisch ins System gespeist. So können Kunden sofort von den Vorteilen des FHA in Form von niedrigeren Zollabgaben und Gebühren profitieren.

Fazit:
Mit den neuen Freihandelsabkommen hoffen Europas Politiker, dem Vormarsch Chinas in Südamerika Einhalt gebieten zu können. Doch es gibt hier und in den Mercosur-Ländern noch viele Widerstände zu überwinden. Gründe sind u.a. die seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise in Argentinien und Brasilien, aber auch die lahmende Weltwirtschaft. Die große Mehrheit der Unternehmen in der EU und im Mercosur sind KMU. Einigen eröffnen sich interessante Exportmöglich-keiten, andere fürchten mehr Wettbewerb. Eine spezielle Website soll den KMU den Marktzugang erleichtern. Dies allein wird nicht genügen. Der stufenweise Abbau der Zollschranken über mehrere Jahre und komplexe Ursprungsregeln stellen hohe Anforderungen an die Unternehmen. Diese sind nur durch eine durchgehende Digitalisierung der Exportprozesse zu meistern. Dadurch kann die Zusammenarbeit mit den Handelspartnern, Zollbehörden und Verzollungspartnern transparenter, durchgängiger und kostengünstiger gestaltet werden.  (AM)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

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