Onlinehändler ASOS setzt auf volle Datentransparenz mit KiSoft Analytics

Wer ernsthaft E-Commerce betreiben will, braucht Daten. KiSoft Analytics liefert uns alle wichtigen Daten auf einen Blick. Mit dieser smarten Datenbasis können wir aktuelle Anforderungen wie den Black Friday, aber auch zukünftige Anforderungen des E-Commerce meistern.

Beitrag: Redaktion.

Daten haben in unserer modernen Welt einen hohen Stellenwert: Natürlich auch in der Logistik und bei der Gestaltung von Supply-Chain-Netzwerken, die einerseits die Wünsche der Kunden erfüllen und andererseits Retailer dabei unterstützen, erfolgreich zu wirtschaften. Damit aus der ungeordneten Datenflut qualitativ hochwertige Informationen entstehen, die als Grundlage für operative und strategische Entscheidungen dienen, helfen intelligente Analyse-Tools wie KiSoft Analytics. Der führende Onlinehändler für Mode, Beauty und Lifestyle ASOS nutzt KiSoft Analytics, um Herausforderungen wie den Black Friday mit der Macht der intelligenten Daten zu meistern.

Topmodernes E-Com Fulfillment im Eurohub 2.
Die Herausforderungen an Onlinehändler sind heute groß: Kunden erwarten schnelle Lieferung, eine große Anzahl an Retouren muss effizient bearbeitet werden und Peaks wie der Black Friday oder der Singles‘ Day sind zu meistern. Dazu kommt ein ständig wachsendes Warensortiment und vor allem im Fashion-Bereich ständig wechselnde Kollektionen. Herausforderungen wie diesen stand auch der erfolgreiche Onlinehändler ASOS gegenüber: Um sein Logistik-Netzwerk zu stärken und optimal auf zukünftiges Wachstum ausrichten, entschied sich ASOS sein Distributionszentrum Eurohub 2 in der Nähe von Berlin mit intelligenten Automatisierungslösung inklusive umfassender Software-Suite von KNAPP auszustatten. „Als wir unser Eurohub 2 geplant haben, war sehr früh klar, dass wir eine sehr hohe Lagerdichte und sehr viele SKUs mit einem kurzen Produktlebenszyklus haben werden. Nicht jede Logistiklösung ist dafür geeignet.
KNAPP erschien uns von Anfang an wie ein starker und zuverlässiger Partner. Wir sind über die Jahre miteinander gewachsen und haben Eurohub 2 von einem einfachen manuellen Lager zu einem zukunftsfähigen automatisierten Fulfillment Center weiterentwickelt“, erklärt Oliver Kraftsik, Supply Chain Director für Europa bei ASOS. Mit Hilfe des automatisierten Lagersystems kann ASOS rund 3 Millionen Stück pro Woche bearbeiten und an Kunden in 40 Länder versenden.

Erfolg am Black Friday mit strukturierten Daten.
Mit der integrierten Automatisierungslösung steht ASOS das Beste aus beiden Welten zur Verfügung: Erprobte Automatisierungstechnologie sowie eine maßgeschneiderte Software-Lösung, die alle Prozesse von ASOS abbildet. Ein Teil der umfassenden KiSoft-Suite ist das intelligente Analyse-Tool KiSoft Analytics. Mithilfe von KiSoft Analytics kann ASOS Daten aus allen logistischen Prozessen optimal nutzen, bewerten und als Grundlage für kurzfristige oder auch langfristige Entscheidungen heranziehen. „Uns war besonders wichtig, dass wir granulare Daten unserer Prozesse erhalten, denn damit können wir unsere Prozesse überwachen und optimieren.

Dafür ist KiSoft Analytics für uns genau das richtige Tool. Wir können tief in Echtzeit-Daten einsteigen und die Daten sind optisch ansprechend aufbereitet. KiSoft Analytics hilft uns dabei, rasch und datenbasiert die richtigen Entscheidungen zu treffen“, hebt Oliver Kraftsik die Vorzüge von KiSoft Analytics hervor. Beispielsweise nutzt das ASOS-Team KiSoft Analytics, um sich optimal auf den Black Friday vorzubereiten und kann aus den historischen Daten auch wichtige Maßnahmen für zukünftige Peaks ableiten. „Daten sind elementarer Bestandteil für jeden, der ernsthaften E-Commerce betreiben will. Gerade für die Herausforderungen, die der ganzen Branche bevorstehen, sind Tools wie KiSoft Analytics in Kombination mit soliden Logistiklösungen wesentlich“, ist sich Oliver Kraftsik sicher. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Es braut sich ein Sturm zusammen

Der 7. eCommerce Logistik-Day widmete sich erneut der Zukunft des Online-Handels und bot neben spannenden Diskussionen konkrete Lösungsansätze für die Bereiche Intralogistik und den Paketversand. Als Hybrid-Event war die Veranstaltung nur für einen exklusiven Teilnehmerkreis in den Räumen des Österreichischen Handelsverbandes live erlebbar. Sämtliche Vorträge und Podiumsdiskussionen wurden jedoch aufgezeichnet und sind – wie schon im Vorjahr – in voller Länge abrufbar.

Redaktion: Marcus Walter.

7.ECOMLOG22 – „Als wir vor sieben Jahren den 1. eCommerce Logistik-Day durchführten, hatten wir im Vergleich zur Gegenwart eigentlich gar keine Probleme.“ Mit diesem Rückblick eröffnete Moderator und Mitorganisator Bernd Kratz am 8. September die bereits siebte Auflage der renommierten Fachveranstaltung für den Onlinehandel. „Im Gegensatz zu damals haben wir mittlerweile sechs Krisen“, betonte Kratz. Der geschäftsführende Gesellschafter der Management-Beratung EMA ist zugleich Mitgesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels IDIH, einem der eComLog-Kooperationspartner.

40 Schiffe vor der Deutschen Bucht.
Zur Coronakrise sei als zweite Krise die Unzuverlässigkeit im Schiffsverkehr hinzugekommen. Als Beispiele nannte er den Unfall im Suezkanal und den derzeitigen Stau von bis zu 40 Containerschiffen in der Deutschen Bucht, die seit längerem auf ihre Löschung warten. Aber das sei laut Kratz erst der Anfang. „Denn es gibt noch viele weitere Schiffe, die jetzt noch in China liegen. Wenn die dort freikommen, dann haben wir sechs bis acht Wochen später eine Flut von Schiffen, die in Deutschland gelöscht werden müssen.“ Unternehmen wie Lidl hätten bereits auf diese Krise reagiert und in eigene Schiffskapazitäten investiert. Die dritte Krise sei die Invasion Russlands in der Ukraine und die vierte Krise die Klimakrise. Der ausbleibende Regen hat bei den Flüssen zu niedrigen Pegelständen geführt, so dass sie die Binnenschiffe zum Teil nur noch mit geringer Auslastung befahren können. „Das heißt, das wir die Ware nicht mehr ins Hinterland befördern können, ohne verstärkt auf den LKW umzusteigen“, stellte Kratz fest. Als fünfte Krise nannte er den Fachkräftemangel im gewerblichen Bereich. Diese sei unter anderem dafür verantwortlich, dass Schiffe nicht mehr in gewohntem Tempo entladen werden können. Die sechste Krise sei schließlich die Energiekrise in Folge der EU-Boykottmaßnahmen gegenüber Russland. „Heute wollen wir diskutieren, welche Folgen die genannten Krisen auf den elektronischen Handel haben“, so Kratz

Lager bietet hohes Automatisierungspotenzial.
Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic, griff in seinem Vortrag die genannten Krisen auf. „Die Politik soll zunächst die selbstgemachten Krisen lösen. Wir kümmern uns dann um den Rest,“ lautete sein Credo. Durch die Corona-Pandemie habe der Personalmangel in bestimmten Branchen weiter zugenommen. In dieser Situation sei das Automatisieren von Prozessen im Lager eine passende Antwort. „Die Prozesse im Lager bieten ein hohes Potenzial für Automatisierung“. Hier kämen vor allem die Ware-zur-Person-Kommissionierung in Frage. Diese könne zudem mit der Roboterkommissionierung von Einzelteilen und automatische Kartonaufrichter ergänzt werden. „Das Eliminieren der Wegezeiten bei der Ware-zur-Person-Kommissionierung durch ein AutoStore-Lager ist ein riesiger Hebel“, hob Kieninger hervor, der anschließend noch einige bereits realisierte Kundenlösungen vorstellte.

Bei den Installationen komme es vor allem auf Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und eine optimale Nutzung der vorhandenen Flächen an.
Andreas Miller, Principal Strategic Project Manager bei der Knapp AG, stellte in seinem anschließenden Vortrag Alternativen zur skandinavischen AutoStore-Lösung vor. Mit dem Open Shuttle Store bieten die Österreicher eine pragmatische und leicht skalierbare Automatisierung für bestehende Behälterlager mit herkömmlichen Lagergängen. Die Shuttles fahren autonom und können den Einsatz von manuell betriebenen Flurförderzeugen ersetzen. Diesbezügliche Projekte seien einfach und schnell umzusetzen.

Stammdaten sind oft das Problem.
Auf der Plattform „Digital2go“ hat Knapp zudem eine Reihe intelligenter Produkte versammelt wie zum Beispiel den KHT MultiScan. Dabei handelt es sich um einen mobilen Tisch, der das Erfassen von Stammdaten inklusive der Maße und Gewichte erleichtert. „Je besser die verfügbaren Daten über meine Produkte sind, desto besser kann ich damit arbeiten“, ist Miller überzeugt. „Stammdaten sind der erste Schritt für eine Automatisierung und genau hier liegt oft das Problem.“

Als dritter Referent erläuterte Thomas Hagen, Head of AutoStore & Automatisation bei der österreichischen Post AG, wie sein Unternehmen als Fulfillment-Dienstleister auf die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an die Paketlogistik reagiert. Im Spannungsfeld zwischen Echtzeitdaten, Retouren und Personalengpässen habe sich die Post für den Bau einer AutoStore-Anlage entschieden. Mit der Investition werden die bestehenden Prozesse im benachbarten Hochregallager ergänzt.

Flexibel durch Outsourcing.
Der Vortrag von Petra Dobrocka, Chief Commercial Officer und Gründerin der byrd Technologies GmbH, beschäftigte sich mit Strategien für Onlinehändler, um flexibel auf Umsatzschwankungen reagieren zu können. Das österreichische Startup byrd ist ein Dienstleister für derzeit rund 350 eCommerce-Unternehmen und übernimmt für diese die Bereiche Lagerung sowie das Verpacken und Versenden der Aufträge. Durch den Einsatz eines externen Logistikdienstleisters minimieren die Händler ihre Fixkosten, wodurch sich auch Nachfragerückgänge und Wirtschaftskrisen gut verkraften lassen. Zugleich könne man sich durch das Outsourcing auf die Kernbereiche wie zum Beispiel das Optimieren des Sortiments oder des Shopsystems konzentrieren. Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband Österreich, versorgte die Teilnehmer wieder mit einem Feuerwerk an Zahlen und Fakten zum derzeitigen Zustand der Branche. „Ich würde gerne Zuversicht verbreiten, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, so Will. Vor allem die Energiepreise würden dem Handel stark zu schaffen machen.

Strom um 1.400 Prozent teurer.
Die Großhandelspreise für Strom seien im Vergleich zum Sommer 2021 um 1.400 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt deshalb befinde sich das Konsumvertrauen der Verbraucher auf Talfahrt. „Wer einen großen Teil seines Einkommens für Energie ausgeben muss, kann weniger konsumieren“, stellte Will fest. Es sei demnach nicht verwunderlich, dass der Handel in Österreich insgesamt einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent verzeichnet. Mit einem Minus von 17,3 Prozent ist der Kfz-Handel besonders stark betroffen. Auch der Personalmangel spiele dabei eine Rolle: Gegenwärtig könne die Branche 19.000 Stellen nicht besetzen. Vor diesem Hintergrund richtet der Handelsverband klare Forderungen an die Politik: Der Arbeitsmarkt müsse umfassend reformiert werden und es müsse einen Energiekostenzuschuss für alle Handelsbetriebe geben. Außerdem empfiehlt der Verband eine Abgaben- und Gebührenreform sowie eine weitere substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten. Schließlich würde auch die Einführung einer globalen Mindeststeuer für eine Verbesserung der Lage sorgen.

Unglaubliche Auswirkungen.
Von der Politik zurück zur Versandlogistik beförderte anschließend der Vortrag von Walter Trezek, der Vorsitzende des beratenden Komitees des Weltpostvereins. Weltweit sei ein weiter anhaltendes starkes Wachstum der Paketlogistik zu erwarten, wobei China zu den Treibern dieser Entwicklung gehöre. „In China werden mittlerweile 52,8 Prozent des Einzelhandels digital abgewickelt,“ berichtete Trezek. Dies habe „unglaubliche Auswirkungen auf die Infrastruktur“. Wer wissen möchte, wie unsere Infrastruktur in sechs bis sieben Jahren aussieht, muss nur nach China schauen“, empfiehlt Trezek. Mit Blick auf andere Kontinente betonte Trezek, dass sich in der Branche derzeit „ein Sturm zusammenbraut“. In Europa würden wir davon zur Zeit am stärksten getroffen. In Folge der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie der Finanzkrise gehe das verfügbare Einkommen der Konsumenten zurück. Trezek hielt seinen Vortrag gemeinsam mit Florian Seikel, Geschäftsführer der Logistic Natives. Seikel wies darauf hin, dass in jeder Krise auch eine Chance stecke. „Wer sich jetzt als Händler komplett digitalisiert, hat in der Zukunft einen Wettbewerbsvorteil“, so Seikel.

Realismus statt Ideologie.
Das Überwinden von Krisen thematisierte auch Oliver Wagner, Geschäftsführer des Zentralverbands Spedition & Logistik. „Die österreichische Logistikbranche hat die Coronakrise hervorragend gemeistert und die Bedeutung der Logistik verstärkt in das öffentlich Bewusstsein gerückt“, so der Verbandschef. Während des Lockdowns sei eine sehr sachorientierte Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern möglich gewesen – ein Zustand, den sich Wagner auch für andere Zeiten wünschen würde. Was die Dekarbonisierung und den Klimaschutz angehe, seien sich die Spediteure ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Man brauche jedoch realistische Rahmenbedingungen anstelle praxisferner Ideologien. Selbst im Jahr 2040 werde der Straßengüterverkehr noch der beherrschende Verkehrsträger sein.

Fehlende Vorbildfunktion.
Auch Wolfgang Kubesch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik Österreich, ging in seinem sehr kurzweiligen Vortrag mit der Politik streng ins Gericht. Trotz einseitiger Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland habe die Regierung bislang kaum etwas unternommen, um dieses Ungleichgewicht abzubauen. Außerdem vermisse Kubesch die Vorbildfunktion des Staates und der Entscheidungsträger beim Energiesparen. Zudem konstatierte er, dass die bisherige Politik westlicher Industriestaaten des „Wandels durch den Handel“ offenbar gescheitert ist. Die Zahl autokratisch geführter Staaten sei nicht zurückgegangen, sondern weiter gestiegen, während die Demokratie auf dem Rückzug sei.

Ergänzt und vertieft wurden die Vorträge durch zwei von Bernd Kratz moderierte Podiumsdiskussionen. Während der ersten Runde ging Kratz der Frage nach, welche konkreten Erfahrungen Produzenten und Lieferanten im Rahmen der Krise gemacht haben. In der zweiten Podiumsdiskussion standen die Erfahrungen des Handels im Vordergrund. Bei Interesse können beide Podiumsdiskussionen und sämtliche Vorträge des 7. eCommerce Logistik-Days in vollständiger Länge auf www.logistik-express.com und unter https://logfair.online abgerufen werden. (MW)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Wenn’s wirklich wichtig ist… Post investiert in e-fulfilment

Der Onlinehandel boomt unbestritten. Als Paketversanddienstleister Nr. 1 in Österreich bietet die Post eine umfangreiche Servicepalette fürs E-Commerce-Business. Um an der Spitze zu bleiben, ist Automation das Zauberwort. Logistik express im Gespräch mit Wolfgang Einer, Executive Vice President, Österreichische Post AG.

Beitrag: Angelika Gabor.

Die Volatilität bei der Nachfrage bedingt flexible, skalierbare Intralogistiksysteme. Welche Lösung ist hier die beste?
Es gibt keine one-fits-all-Lösung. Wir haben uns für eine AutoStore-Anlage entschieden, ein automatisiertes Lager- und Kommissionierungssystem. Denn selbst im Drei-Schicht-Betrieb konnten wir die Mengen manuell nicht mehr bewältigen. Derzeit wird in Enzersdorf an der Fischa die mehr als 800 m² große Anlage aufgebaut, kommendes Jahr soll sie in Betrieb gehen. Mit dieser modularen Gesamtlösung – der größten Investition in der Geschichte der Post Systemlogistik – sind wir für die Zukunft gerüstet und können die gesamte Kette für den e-Commerce in der DACH-Region anbieten.

Wie hat sich die Pandemie ausgewirkt?
Covid hat definitiv das Mengenwachstum beschleunigt, und das Onlinehandelsvolumen wird auch nicht mehr auf das Vor-Pandemieniveau zurückgehen. Wir haben 2-3 Jahre in der Entwicklung übersprungen.

Welche ist die beste Herangehensweise zur Automatisierung eines Logistikstandortes?
Wir haben den Markt ausgiebig sondiert und aus der Fülle der Anbieter auf ein paar für uns passende eingegrenzt. Früher war es leicht, gab es vor 20 Jahren ein neues System am Markt, dann war das die fixe Lösung für alle für die nächsten 15 Jahre. Aber heute sind Angebot und Auswahl schier unendlich. Die Herausforderung ist es, ein System zu finden, das einen auch in Zukunft nicht limitiert.

In welchen Bereichen gibt es noch das meiste Optimierungspotential?
Österreich ist in der Entwicklung leider noch etwas hinten, wir müssen einen Schritt zurückgehen, um die Schwachstellen zu sehen: wir müssen etwa genau überlegen, wie das Order-Management im jeweiligen Betrieb funktioniert. Die technische und physische Logistik entscheiden über Erfolg oder Misserfolg eines Shops. Hier ist es nötig, sich die Zeit zu nehmen und wirklich zu analysieren. Denn eine Homepage mit Versand allein macht noch lange keinen erfolgreichen Webshop. Der Kunde möchte die Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort erhalten, und die Automatisierung hilft uns dabei.

Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach die Automatisierungskaiser, und warum?
Unternehmen mit kleinteiligem Sortiment haben es naturgemäß immer leichter, Branchen wie etwa die Pharmaindustrie. Auch hängend transportierte Kleidung war ein Renner, geht jetzt aber zurück. Sperrige Artikel hingegen lassen sich kaum automatisieren, die erforderlichen Geräte wären zu schwer und zu groß. Keiner wird beispielsweise Fitnessgeräte automatisiert kommissionieren. Automatisierungslösungen helfen dabei, eine bestimmte Performance zu schaffen. Gleichzeitig werden Logistikflächen rarer. Jeder Kunde möchte möglichst schnell seine Ware, aber keiner möchte den dazugehörigen LKW sehen.

Stichwort Retourenhandling: wie sehen Ihre cleversten Lösungen für die unterschiedlichen Branchen aus? (Vorteile/Nachteile)
Wir von der Post sind davon überzeugt, dass sich die Retourenabwicklung in einer Transformation befindet. Früher konnte man Waren immer kostenlos zurückschicken, aber hier findet ein Umdenken statt – auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Es kam durchaus häufig vor, dass Kunden sich im Internet verschiedene Größen und Farben eines Modells bestellten, einen Artikel behielten und den Rest retournierten. Das hat sich in letzter Zeit geändert. Es ist ein politischer Konsens nötig, dass diese Bepreisung wichtig und richtig ist. Ich bin auch der Meinung, dass das System der Retourenabwicklung grundlegend geändert werden sollte. Ob Retouren zurück ins Versandlager gehen, oder in ein Extra-Lager, oder in eine Aufbereitung (beispielsweise waschen), oder gar in den stationären Handel. Im Idealfall ist kein weiter Transport nötig.

Gibt es eine Grenze für Automatisierung, die man nicht überschreiten sollte? (zB hinsichtlich der Komplexität)
Prinzipiell nein. Aber nicht jedes Produkt ist für eine Automatisierung geeignet. Trotzdem sind wir heute noch sehr weit von den Grenzen der Automatisierung entfernt.

Intralogistik im Jahr 2040: was erwartet uns? Was wird es Ihrer Meinung nach nicht mehr geben?
Solch eine Prognose ist unmöglich, dazu ist unsere Zeit viel zu schnelllebig. Jeder, der das behauptet, macht nur Schabernack. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Frachtraten gehen durch die Decke

Die Energie- und Frachtkosten steigen und steigen, derzeit wie nie zu vor. Das bringt Logistiker massiv unter Kostendruck.

Beitrag: Redaktion.

Eine Verknüpfung unterschiedlicher externer Faktoren, die sich gegenseitig noch verstärken, stellt den Online-Handel aktuell vor eine massive Kostenexplosion, die komplette Business-Modelle ins Wanken bringt. Das fängt bei Sourcing und Beschaffung an: Durch Corona haben sich die Kosten für einen Container, der per Schiff von Shanghai nach Hamburg gebracht wird, von 2.000 auf 20.000 US-Dollar verzehnfacht. Gleichzeitig haben sich die Laufzeiten zwischen China und Europa nach Berechnungen von Flexport von weniger als 60 Tagen vor der Corona-Pandemie auf 107 Tage Anfang Dezember 2021 nahezu verdoppelt. Das bedeutet im Klartext: Der Versand der Ware wird nicht nur teurer, sondern auch zunehmend unkalkulierbar.

Auch in anderen Ländern werden Kapazitäten für Frachten per Luft, See oder Straße immer knapper, während die Transportwege immer länger werden. Hier bekommt die Branche zunehmend die Folgen des Ukraine Krieges zu spüren. Denn rund 20 Prozent der LKW-Fahrer, die bei osteuropäischen Unternehmen beschäftigt sind und einen Großteil des Business stemmen, kommen aus der Ukraine und Russland. Branchenschätzungen zufolge addieren sich zu den 60.000 bis 80.000 Beschäftigten, die schon vor dem Ukraine-Krieg in der Speditionsbranche fehlten, inzwischen bis zu 100.000 ukrainische Fahrer, die jetzt ihr Land verteidigen müssen, statt Ware von A nach B zu fahren. Ähnliche Effekte beobachtet man auf See, wo ca. 14,5 Prozent der weltweiten Schiffsbesatzungen von Ukrainern und Russen bestellt werden.

Treibstoff, Paletten, Kartonage und Mitarbeiter werden teurer.
Durch den Ukraine-Krieg sind auch die Kosten für Gas und Öl explodiert. Das bedroht nicht nur Speditionen in ihrer Existenz, weil sie die gestiegenen Treibstoffkosten als Teil der Leistungserbringungen nicht direkt an ihre Kunden weitergeben dürfen. Auch die Nebenkosten für den Betrieb von Logistikimmobilien steigen – und das in einer Zeit, wo ein grundsätzlicher Mangel an geeigneten Lagerflächen die Fulfillment-Preise ohnehin schon in die Höhe treibt. Für zusätzlichen Kostendruck sorgen ein Mangel an Paletten (Schnittholz kommt zu großen Teilen ebenfalls aus der Ukraine) sowie an Papier und Kartonagen, welche die Preise ebenfalls steigen lassen.

Die ohnehin schon mehr als angespannte Lage wird durch die in Deutschland beschlossene Erhöhung des Mindestlohns von 9,50 (01/21) auf 9,82 (01/22) und weiter auf 10,45 Euro ab 1.7.22 sowie die im Koalitionsvertrag verankerte Zielmarke von 12,00 Euro noch weiter verschärft, entspricht dieser Zielwert doch einer Kostensteigerung von 26 Prozent seit Januar 2021. Weil oft bis zu 50 Prozent der Logistikkosten auf das Personal entfallen, wird auch dieser Effekt die Preisspirale weiter nach oben treiben.

Oliver Lucas, Geschäftsführender Gesellschafter und Logistik-Experte der E-Commerce-Beratung ecom consulting, hat einige kurz-, mittel- und langfristige Handlungsempfehlungen zur Krisenbewältigung:

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick.
Händler müssen sich proaktiv mit der veränderten Ausgangslage auseinandersetzen. Dazu gehört, Produkt- und Prozesskosten in verschiedenen Szenarien zu simulieren. Was passiert, wenn die Kosten noch weiter steigen? Welche Konsequenzen hat es, wenn Materialien knapper werden oder sich Lieferzeiten um weitere vier Wochen verlängern? Händler müssen die eigene Supply Chain eng überwachen – und zwar im Hinblick auf die Kennzahlen und auf die Kosten.

2. Optimieren Sie die Prozesseffizienz.
Jede manuelle Tätigkeit kostet unnötig Geld und sollte daher vermieden werden. Händler sollten stattdessen ihre Prozesse nachschärfen und wo immer möglich über Automatisierung nachdenken. Das gilt auch für den Kundenservice. Dieser kann durch Chatbots entlastet werden, indem einfach Fragen wie “Wann kommt mein Paket?” oder “Wie kann ich einen Artikel retournieren?” zunächst vom Chatbot abgefangen werden. So werden Mitarbeiter durch KI entlastet und können sich auf kompliziertere Anfragen konzentrieren.

3. Suchen Sie nach alternativen Beschaffungsquellen und -routen.
Die Corona-Pandemie hat deutlich vor Augen geführt, wie gefährlich es ist, sich auf Single Sourcing zu fokussieren. Versuchen Sie, sich mittel- bis langfristig weniger von externen Partnern abhängig zu machen und vielleicht auch stärker in politisch stabileren Regionen wie Westeuropa zu sourcen. Die Preise sind oft niedriger als Unternehmen erwarten, gleichzeitig lassen sich Nachhaltigkeitsaspekte deutlich besser darstellen. Auch alternative Beschaffungsrouten sollten Unternehmen schnell in Anspruch nehmen können. Aktuell allerdings sind die Seidenstraße oder die transsibirische Eisenbahn durch den Krieg in der Ukraine auch keine wirklichen
Alternativen zur Containerfracht aus China.

4. Überprüfen Sie das eigene Sortiment.
Eine kurzfristig umsetzbare Strategie ist es, das eigene Warenangebot zu reflektieren und Komplexität zu reduzieren, indem man Produkte oder Eigenmarken aus dem Sortiment nimmt. So kann sich das engmaschige Monitoring der Supply Chain auf weniger Produkte konzentrieren.

5. Verzichten Sie auf Rabattschlachten.
Wer nur noch wenig Ware auf Lager hat, die in der Nachorder langsamer und teurer wird, sollte auf Rabattschlachten verzichten und stattdessen zum UVP verkaufen. Das leert zwar die Regale langsamer, doch profitieren Händler unter dem Strich wenigstens von besseren Margen.

6. Denken Sie über Versandkosten nach.
Kostenfreier Versand gilt in Deutschland als heilige Kuh im E-Commerce und ist für viele Warenkörbe ein echter Conversion-Hebel. Doch während Neukunden auf diesen Punkt empfindlich reagieren, können Händler ihren Bestandskunden die Situation erklären und beispielsweise um Verständnis dafür bitten, dass man trotz Inflation die bisherigen Preise hält, dafür aber aufgrund gestiegener Kosten temporär Versandkosten einführen muss. Auch für die Rücksendung von Retouren können Händler ihre Kunden selbst zahlen lassen.

7. Binden Sie Ihre Kunden.
Eine gute Kundenbindung macht sich immer bezahlt, besonders in der Krise. Denn Kunden, die einen Bezug zu einem Anbieter haben, lassen sich per Mail oder andere Kommunikationskanäle in Notfällen aktivieren und sie akzeptieren kleine Einschnitte eher als Neukunden. “Online-Händler sollten der Wahrheit ins Gesicht sehen, dass diverse Kostenfaktoren für Supply Chain, Lohn und Logistik, die kurzfristig auch nicht wieder zurückgedreht werden, ihre bisherigen Margen fressen”, resümiert Berater und Logistikprofi Oliver Lucas. “Die Quittung dafür bekommt man in der Regel sehr zeitversetzt, weil man die Deckungsbeiträge für bereits eingekaufte Ware mit prozentualen Werten kalkulierte, die heute nicht mehr zutreffen”, sagt er. Wer jetzt nicht versuche, Kosten einzudämmen, müsse irgendwann die bitteren
Konsequenzen tragen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Klimaneutrale Paketzustellung – Die besten Tipps & Tricks für Händler

Nachhaltigkeitsaspekte beeinflussen heute das Konsumverhalten von mehr als der Hälfte der Bevölkerung. Beinahe jeder zweiter Verbraucher wechselt mittlerweile zu weniger bekannten, dafür nachhaltigeren Marken.

Beitrag: Gerald Kühberger.

Nachhaltigkeit endet für Konsumenten jedoch nicht beim Produkt, sondern zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette. Somit spielt mit dem steigenden eCommerce auch eine klimaneutrale Paketzustellung eine immer größere Rolle, ist Magdalena Wallis, Program Manager der Climate Ranger Academy von GLACIER, überzeugt.

Die “letzte Meile” der Paketzustellung soll grüner werden.
Aber warum muss die Paketzustellung erst klimaneutral werden? Eine klassische Paketlieferung verursacht CO2-Emissionen, da Energie aufgewendet werden muss, um die Pakete zu bewegen. Einerseits durch die Verbrennung fossiler Energieträger beim Transport mit herkömmlichen PKWs, LKWs oder Flugzeugen, aber auch bei der Produktion der Verpackungsmaterialien, die für den Versand der Ware benötigt werden. Diese zusätzlichen CO2-Emissionen verstärken die Klimakrise und gefährden somit das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Beim Versand von Waren kann daher auf Seite der Händler darauf geachtet werden, dass keine unnötige Umweltbelastung entsteht. Damit eine ganzes Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung (wie z.B. das Zustellen eines Pakets) sich klimaneutral nennen darf, muss jedoch gesichert sein, dass die Menge an schädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sich dadurch rechnerisch nicht erhöht.

Um klimaneutralen Versand anbieten zu können gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es werden alle CO2-Emissionen von Anfang an vollständig vermieden, oder es werden Maßnahmen zur teilweisen Reduktion des CO2-Ausstoßes gesetzt und die verbleibenden Emissionen werden nachträglich über den Emissionshandel kompensiert. Obwohl der erste Ansatz natürlich aus Umweltsicht ideal wäre, gestaltet sich eine 100%-ige Vermeidung von Treibhausgasemissionen zumeist als schwierig. Deswegen wird in der Regel eine Version des zweiten Ansatzes gewählt. Um die Klimabelastung so gering wie möglich zu halten, sollte sowohl bei der Verpackung als auch beim Transport von Waren jedoch zuerst darauf geachtet werden, so viel CO2-Emissionen wie möglich zu vermeiden. Erst im zweiten Schritt sollten Emissionen, die nicht vermeidbar sind, kompensiert werden.

Dieses grundlegende Prinzip ist für alle.
klimaschädlichen Prozesse anzuwenden. Obwohl bei klimaneutralem Versand oft ausschließlich der Transport beachtet wird, sollte man als Unternehmen schon bei der Verpackung des Pakets darauf achten, so ressourceneffizient wie möglich zu handeln. Eine klimaneutrale Paketzustellung sollte im Idealfall sowohl eine klimaneutrale Verpackung als auch einen klimaneutralen Transport beinhalten. Im Folgenden geben wir Einblicke in die Handlungspotenziale in beiden Bereichen.

Klimafreundliche Paketverpackung – Schritt für Schritt.
Häufig werden versendete Ware mehrmals in Plastik verpackt. Dies wird von Konsumenten kritisch betrachtet und ungern gesehen. Um als Unternehmen klimafreundlicher zu agieren und von den Kunden als glaubwürdig wahrgenommen zu werden, gilt es die Paketverpackung passend zum klimaneutralen Versand zu gestalten. Auch hier heißt es zuerst Verpackung reduzieren. Im zweiten Schritt sollte unvermeidbare Verpackung durch nachhaltigere Verpackungsmaterialien ersetzt werden, um so den CO2 Fußabdruck möglichst gering zu halten. Um Verpackungsmaterial zu reduzieren, sollten zum Beispiel keine großen Pakete für kleine Waren genutzt werden. Nicht nur, dass große Pakete mehr Platz beim Transport benötigen, ist problematisch: Ist das Paket deutlich größer als die Ware selbst, muss der freie Platz zusätzlich noch mit Füllmaterial aufgefüllt werden.

Händler sollten daher darauf achten, die Verpackung an die Größe des Produkts anzupassen. Wurde reduziert was möglich ist, gilt es im nächsten Schritt auf klimafreundliche Verpackungsalternativen umzusteigen. Dafür bieten sich rezykliertes Füllmaterial oder Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen an. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Verpackungsmaterial wieder zu verwenden. So könnten die Kunden beim Kauf im Onlineshop angeben, ob sie ihr Produkt in einer neuen Verpackung erhalten wollen oder ob eine bereits genutzte in Frage kommt.

Immer mehr Unternehmen testen wiederverwendbare Paketverpackungen, die nach der Lieferung an die Kunden wieder an den Paketlieferant zurückgeschickt werden. Wie eine grünere Paketverpackung in Zukunft aussehen könnte, testet die österreichische Post mit den Handelsunternehmen dm, INTERSPAR-Onlineshop weinwelt.at, INTERSPORT, Tchibo und Thalia.

Grüner Transport für eine grüne Zukunft.
Ist die Entscheidung über die Paketverpackung gefallen, den Versand so klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Um die Transportstrecken und damit die CO2-Emissionen möglichst gering zu halten, können verschiedene Strategien angewandt werden. Da viele Onlinehändler kostenlose Retouren anbieten, bestellen Konsumenten Waren oft in vielfacher Ausführung, nur um sie anschließend wieder zurück zu schicken. Durch kostenlosen Versand wird darüber hinaus die Hemmschwelle für Kunden herabgesetzt, Produkte zu bestellen, die sie gar nicht benötigen oder wirklich wollen und im Anschluss ebenfalls retournieren. Von Seiten der Händler könnte daher auf kostenlose Retouren verzichtet werden.

Eine andere Möglichkeit wäre, keinen Expressversand anzubieten. Dabei wird es den Zustellern aufgrund der fehlenden Zeit oft nicht ermöglicht, Pakete zu sammeln und gemeinsam auszuliefern. Express-Versand über Landesgrenzen hinaus findet außerdem aufgrund des Zeitdrucks meist mit dem Flugzeug statt. Da Lufttransport zu den emissionsintensivsten Versandarten zählt, ist dies generell zu vermeiden. Stattdessen könnten Bestellungen an eine bestimmte Destination (z.B. bei einem Salzburger Unternehmen nach Wien) für jeweils eine Woche gesammelt und dann gebündelt verschickt werden. Wurden die Transportstrecken minimiert, gilt es nun auf klimafreundliche Transportmöglichkeiten zu setzen. In vielen österreichischen Städten haben sich regionale Fahrradkuriere wie Heavy Pedals oder Goodville in Wien oder TEMPO in Linz etabliert. So kann es nicht nur zur Einsparung von CO2-Emissionen kommen, sondern auch die regionale Wertschöpfung gestärkt werden.

Für längere Versandstrecken sollte darauf geachtet werden, einen klimaneutralen Versandpartner zu wählen. Dabei sollte auch auf die Qualität der deklarierten Klimaneutralität geachtet werden. Auch hier gilt wieder das Prinzip: Zuerst reduzieren, dann kompensieren. Während sich manche Versandunternehmen ambitionierte Ziele zur CO2-Reduktion gesetzt haben, kompensieren andere Versandunternehmen einfach nur ihre Emissionen, ohne vorab Anstrengungen zu unternehmen, sie zu reduzieren. Fest steht, dass es viele verschiedene Ansatzmöglichkeiten gibt um den CO2 Fußabdruck von Paketzustellungen so niedrig wie möglich zu halten. Wählen Sie den richtigen Startpunkt für ihr Unternehmen und beginnen Sie bereits heute mit ihrer Transformationsreise zu einem klimafreundlicheren
Unternehmen. (RED)
 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Die vier größten Hürden der Digitalisierung im stationären Handel

Das jährliche Arbeitsprogramm der Union für europäische Normung für 2022 definiert Postdienste als strategische Priorität der europäischen Normung.

Gastbeitrag: Ralf Haberich, CEO der Shopgate GmbH.

Mithilfe digitaler Technologien und Omnichannel-Services können Händler ein persönlicheres In-Store Erlebnis für ihre Kunden kreieren. Das bietet dem Einzelhandel enorme Chancen. Gelingt es Retailern, durch die Verbindung von Onlineshop und stationärem Filialgeschäft Mehrwerte für ihre Kunden zu erzeugen, können sie ihre Ladenfrequenz erhöhen, Retouren reduzieren, Lagerumschlagszeiten verringern und Up- und Cross-Selling-Potenziale erschließen. Dabei gilt es vier Hürden zu meistern.

1. Hürde: Zu viel auf einmal wollen.
Für die Digitalisierung des stationären Handels gibt es keine Blaupause, an der sich Retailer orientieren können. Stattdessen gibt es Dutzende digitale Angebote, die das Kundenerlebnis im physischen Geschäft verbessern. Sie alle klingen attraktiv – welche davon zu den Bedürfnissen der eigenen Kunden passen, ist vielen Händler oftmals nicht klar. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die digitale Transformation anzugehen. Manche Händler fühlen sich von der Optionsvielfalt überfordert. Dabei muss die Digitalisierung kein Rundumschlag sein, der alle Systeme auf einmal in die interne Prozess- und IT-Landschaft integriert. Sinnvoller ist ein schrittweises Vorgehen. So können Händler – auch ohne Onlineshop – mit einem Pilotprojekt starten, das mit Blick auf die Prozesse und die Bedürfnisse der Kunden am aussichtsreichsten erscheint. Auf diese Weise nähern Händler sich sukzessive ihrem Ziel.

2. Hürde: Zu knappe Ressourcen.
Der Einzelhandel steht unter hohem Kostendruck und das nicht erst seit den immer wiederkehrenden Lockdowns. Händler sind von Umsatzeinbußen und sinkenden Besucherzahlen betroffen. Daher agieren manche von ihnen zurückhaltend, wenn es um Investitionen in die digitale Zukunft geht. Sie fürchten sich davor, da ihre Ressourcen knapp sind. Es ist nachvollziehbar, wenn Entscheider jede Ausgabe genauestens überdenken. Der Omnichannel-Handel entwickelt sich aber mehr und mehr zum Standard, der die Kaufgewohnheiten von Kunden bestimmt. Daher ist es notwendig, die Digitalisierung im stationären Handel voranzutreiben. Der Kundschaft ist es egal, wie die Prozesse im Hintergrund aussehen. Für sie zählt nur das Einkaufserlebnis in Verbindung mit bestmöglichem Komfort und Service. Deshalb sind Angebote – wie etwa Click & Reserve/Click & Collect oder Ship from Store – empfehlenswert. Kunden profitieren nicht nur von einer schnelleren Verfügbarkeit von Produkten, sondern auch geringeren Lieferkosten.

3. Hürde: Zu aufwendige Prozesse.
E-Commerce und das stationäre Filialgeschäft sind in vielen Unternehmen immer noch klar getrennt. Allerdings sind Änderungen im Prozessablauf und Mindset zum erfolgreichen Omnichannel-Handel nötig, begleitet durch sorgfältiges Change Management. Und das bereitet manchen Entscheidern Sorgen. Sie fürchten, dass es schwerfallen könnte, App und mobiles Endgerät im Kundengespräch zu nutzen, weshalb sie auf die Einführung eines neuen Systems verzichten. Aber: Die Digitalisierung des stationären Handels bietet Potenzial, Prozesse durch Software zu verbessern. Etwa in den Bereichen Inventory-Management und Lagerumschlagshäufigkeit: Bekommt eine der Filialen eine bestimmte Blusen-Kollektion nicht verkauft, haben sie mit einem geeigneten Tool die Möglichkeit, diese Situation bequem zu lösen. Bestellt ein Kunde eine der Blusen im Onlineshop, kann der Händler den Artikel direkt von der Filiale aus verschicken. Auch die Filialen profitieren: Durch transparente Warenbestände und schnell zugängliche Produkt- und Kundeninformationen in einer Lösung, kann das Team die Kunden besser beraten. Die Voraussetzung: Mitarbeiter sind im Umgang mit solchen Tools zu schulen, wobei es inzwischen intuitiv erlernbare Apps gibt.

4. Hürde: Zu aufwendige Integrationen.
Die Digitalisierung des stationären Handels erfordert neue Software, die in bestehende IT-Landschaften zu integrieren ist. Diese Aufgabe wirkt auf manche Entscheider abschreckend. Sie fürchten, dass sich die neuen Systeme negativ auf den IT-Kosmos des Unternehmens auswirken und sie schlimmstenfalls technische Ausfälle verursachen. Das kann schnell teuer werden: Steht der Onlineshop für eine Weile nicht zur Verfügung, führt das zu frustrierten Kunden und Umsatzeinbußen. Bei der Suche nach den passenden Software-Angeboten sollten Retailer berücksichtigen, welche Folgen die Systemeinführung für die IT hat. Dieser Punkt ist im Gespräch mit potenziellen Dienstleistern explizit anzusprechen. Ratsam ist, sich am Ende für die Lösung zu entscheiden, die sich so einfach wie möglich in die bestehende IT-Landschaft integrieren, im schlimmsten Fall aber auch wieder unkompliziert entfernen lässt. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

TECH DAY 2021

120 hochkarätige Besucher:innen bei Österreichs führendem Tech-Event, dem TECH DAY 2021. Retail Innovation Awards verliehen an den jö-Bonusclub, Hornbach & Hervis.

Beitrag: Julia Gerber.

Das digitalaffine Who is Who der Handelsbranche hat sich am 18. November beim alljährlichen TECH DAY des Handelsverbandes im 35. Stock des ThirtyFive getroffen. Der traditionelle Pflichttermin für die österreichische Onlinehandelsszene sowie Brancheninteressierte fand bereits zum 10. Mal statt, corona-bedingt dieses Mal unter strengsten 2G+ Vorschriften. 120 Teilnehmer:innen verfolgten das von Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch und Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will eröffnete TECH-Event. Anschließend gab es eine starke Keynote unter dem Motto “Neustart Österreich. Besser als es jemals war.” von Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger.

Unter dem Kongressmotto “The Future of Retail Technology” durfte das Publikum dieses Jahr dem Best Practice Beispiel von Pauline Schreuder (Nespresso) & Bernd Schuh (Cope Content Performance Group) lauschen, gefolgt von zwei Pecha Kucha Slots: Josef Grabner (LINK Mobility) präsentierte Conversational Marketing: Messaging 2.0 für Handel & eCommerce und Bernhard Hofbauer (A1) sprach über Smart Retail mit IoT & Analytics. Richard Proidl (NFON) teilte das Best Practice Beispiel “Fressnapf in der Cloud”, Michael Schuster (Speedinvest) verriet, wie QuickCommerce und Marktplätze die Wertschöpfungsketten und damit die Handelswelt verändern und Christoph Mammerler (CRIF) erklärte am Beispiel ESG Transparency Plattform, wie nachhaltiges Handeln heute funktioniert.

Im Podium “Payment Trends powered by P19 Payment Pioneers” mit Martin Sprengseis-Kogler (bluesource), Petia Niederländer (OeNB), Christian Renk (PAYONE) und Christian Hana (Unzer), das von der wunderbaren Birgit Kraft-Kinz (KRAFTKINZ) moderiert wurde, drehte sich alles um die Zahlungstrends der Zukunft. Franz Tretter (hello again) sprach über “Kundenbindung 4.0”, während Sabine Walch (Capacity Blockchain Solutions) die Teilnehmenden über cryptoWine staunen ließ: Österreichischer Qualitätswein, der per NFT ersteigert werden kann. Durch das Startup Zapping führte Isabel Lamotte (Handelsverband), bei dem fünf spannende Elevator Pitches stattfanden: Boomerank, We Ship, Jentis, inoqo und Fincredible durften ihre digitale Lösung für Handelsunternehmen präsentieren. Zu den Schwerpunkten des Events zählten dieses Mal: digitale Cloudlösungen, Conversational Marketing im eCommerce, Zahlungstrends, Kundenbindungslösungen, Kryptowährungen & NFT und Logistiklösungen. Darüber hinaus wurden bereits zum 6. Mal die begehrten Retail Innovation Awards in drei Kategorien vergeben:
* Best In-Store Solution
* Best Online bzw. Mobile Solution
* Best Omnichannel Innovation

60 Einreichungen, 15 Nominierte, 3 Sieger
Hornbach, Hervis und jö Bonus Club heißen die drei Sieger der diesjährigen “Austrian Retail Innovation Awards”. Mit dem Preis werden in Österreich tätige Handelsunter-nehmen für den Einsatz herausragender, innovativer Technologie-Lösungen ausgezeichnet. Die begehrten Trophäen wurden heuer zum bereits sechsten Mal vergeben – erneut in Zusammenarbeit mit Huawei als Schirmherr und Trending Topics als Medienpartner.

“Wir sind sehr stolz und freuen uns, mit jö&GO! eine Innovation made in Austria für unsere jö Mitglieder etabliert zu haben. Damit machen wir das Einkaufen mit jö nicht nur einfacher und bequemer, sondern stiften zudem den jö Mitgliedern einen täglichen Nutzen”, freut sich das Geschäftsführer-Duo Hanna Maier und Mario Günther Rauch.

“Das gesamte Hervis-Team freut sich riesig über die Auszeichnung mit dem Retail Innovation Award 2021 in der Kategorie ‚Best Online Solution‘. Für uns als Omnichannel-Vorreiter in Österreich ist der Award eine klare Bestätigung dafür, dass wir mit unserer Digital-Offensive und der zukunftsweisenden Verzahnung von On- und Offline-Einkaufserlebnis auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig bieten wir unseren Kundinnen und Kunden im Rahmen unserer Omnichannel-Strategie auch österreichweit mobilen Zugang zu den Beratungsservices des Hervis Teams in den Stores vor Ort. Damit profitieren alle Hervis-Kunden sowohl in unseren Stores als auch online – zu Hause oder unterwegs – von unserer exzellenten Beratung und einer Reihe zusätzlicher Services“, ist Joel Hornstra, Leiter Internationales Projekt- und Prozessmanagement bei HERVIS, stolz.

Oliver Seda, Vorsitzender der Hervis Geschäftsführung ergänzt: “Mit dem Award werden sowohl Hervis, als auch alle Hervis-Kunden als Gewinner ausgezeichnet. Wir beweisen mit unserer konsequenten Omnichannel-Strategie, dass die enge Verzahnung aller Kanäle die große Zukunfts-Chance für den Handel ist: Hervis nützt damit sowohl einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber dem reinen Online-Handel als auch einen Erfolgsfaktor für die Stores – und bietet den Kundinnen und Kunden damit ein praktisches Einkaufserlebnis mit deutlichem Mehrwert und wichtigen Services. Mein Dank gilt an dieser Stelle besonders auch allen Hervis Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Omnichannel-Offensive von Hervis mit ihrem vollen Einsatz zu einem Erfolgsprojekt machen!”

“Die Auszeichnung in der Kategorie ‚Best Omnichannel Innovation‘ bestätigt unsere Vorreiterrolle in der Branche. Im HORNBACH Kundenkonto werden neben Onlinekäufen ab jetzt auch alle stationären Einkäufe automatisch erfasst. Durch diese innovative Verknüpfung von online und offline haben Kunden den Überblick über alle Rechnungen und können Garantieansprüche und Retouren problemlos über eine Stelle verwalten”, so Michael Hyna, e-Business Leiter bei HORNBACH Österreich.

Johannes Friewald, Marketingleiter HORNBACH Österreich, ergänzt: “Außerdem nehmen alle erfassten Einkäufe an unserem neuen Service ‚Dauertiefpreise. Sogar nach dem Kauf.‘ teil. Das bedeutet, sollte ein Artikel bis zu 30 Tage nach dem Kauf bei HORNBACH im Preis sinken, wird die Differenz im Kundenkonto automatisch gutgeschrieben. Unsere Kunden kaufen somit ihre Projekte immer zum günstigsten Preis bei HORNBACH.”

Rainer Will, Handelsverband: “Gerade jetzt in der Corona-Krise braucht der Handel neue Ideen und innovative Konzepte mit Umsetzungspotenzial mehr denn je. Die Qualität der eingereichten Projekte belegt, dass die österreichischen Händler mit der Zeit gehen und Digitalisierung hierzulande tatsächlich gelebt wird.”

(RED)

LOGISTIK express Journal 5/2021

Digitalisierung und Reduktion der Treibhausgase ergänzen sich

Der Postsektor mit der Annahme, dem Transport, der Sortierung und der Zustellung von Brief- und Warensendungen an adressierte Empfänger trägt erheblich zur Emission globaler Treibhausgase (THG) bei.

Beitrag: Walter Trezek.

Der Postsektor mit der Annahme, dem Transport, der Sortierung und der Zustellung von Brief- und Warensendungen an adressierte Empfänger, trägt mit seinen mehr als 5 Millionen Postmitarbeiter*Innen, in über 650 000 Postämtern weltweit, heute etwa 450 Milliarden Briefsendungen und bis 2026 220 Milliarden prognostizierten Warensendungen jährlich, verbunden mit einer universellen Reichweite, bis in die entlegensten Gebiete und der transportintensiven täglichen Zustellung auf der letzten Meile, erheblich zur Emission globaler Treibhausgase (THG) bei.

Österreich, Deutschland und Frankreich: Antrag auf weltweite Reduzierung von THG im Postsektor.
Der 27. Weltpostkongress nahm im August 2021 einen Initiativantrag Österreichs, Deutschlands und Frankreichs zur Reduzierung der  Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) aus dem Postbetrieb an. Ziel ist es, freiwillig, verbindliche Ziele auf Basis harmonisierter Messnormen zu erarbeiten. Über die Erreichung der Ziele soll laufend berichtet werden.

Ein weltweiter Wissensaustausch zwischen den benannten Postbetreibern, den Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins und anderen  Wirtschaftsbeteiligten des weltweiten Postmarkts wird unter Aufsicht der 192 Mitgliedsstaaten eingerichtet. Sichergestellt werden damit global einheitliche Strategien zur Reduzierung von CO²-Emissionen, die Finanzierung und eine zeitnahe Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. In den kommenden 4 Jahren werden die Postgesellschaften der 192 Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins CO² und THG neutrale, grenzüberschreitende internationale Postdienste entwickeln. Weltweit einsetzbare Messnormen, die eine reduktionsorientierte Berichterstattung über verursachte Treibhausgasemissionen ermöglichen, die durch die Annahme, das Sortieren, den Transport und die Zustellung von Postsendungen, pro Postsendung in Mitgliedsländern verursacht werden, werden erarbeitet.

Austrian Standards arbeitet an postsektorspezifischer Normung.
Das Europäische Komitee für Normung (CEN) für den Postsektor, in Österreich vertreten durch Austrian Standards, wird in den kommenden vier Jahren, die sektorspezifische Normung für eine klimaneutrale Zustellung von Briefen und Warensendungen in Umsetzung des EU Green Deal unter Einbeziehung aller Wirtschaftsbeteiligten vorantreiben Erarbeitet werden:

Technischer Report über innovative Lösungen bei ökologisch-sauberen und effizienten Zustelllösungen.
Dieser Arbeitsinhalt bietet eine Bestandsaufnahme innovativer Lösungen, die geeignet erscheinen, die Ziele des “Green Deal” der EU im Bereich des Zustellmarktes für Brief- und Paketsendungen zu unterstützen. Dazu gehören auch die Bereiche: Verpackungsmanagement, Retouren, neue Zustelllösungen wie Drohnen, benutzerunabhängige kontaktlose Übergabe, sowie eine klimaneutrale Erhöhung der Transport- und Zustelleffizienz.

Norm zur Umweltbilanz in der Paketzustellung.
Erarbeitet wird die Definition einer Methodik zur Berechnung und Berichterstattung der Umweltbelastung durch eine Anfang-zu-Ende Zustellung von Warensendungen, beginnend von der Abholung bis zur abschließenden Zustellung, unter Berücksichtigung bestehender Umweltnormen aus dem verwandten Bereich des Transports und der Logistik.

Dieser Arbeitsinhalt ergänzt die bestehenden Normen für eine CO²-Bilanzierung. Eine zustellsektorspezifische, detaillierte Methodik zur Messung und Berichterstattung spezifischer, transparenter und konsistenter Informationen zu THG- und Luftschadstoffen, die in der Paketzustellung anfallen, ist das Ziel der Arbeiten. Angesichts der Dringlichkeit und des branchenspezifischen Engagements, sowohl in Europa als auch weltweit, erwarten wir innerhalb der nächsten 6 bis 12 Monate Standards und darauf aufbauend, konforme Produkte und Dienstleistungen.

Digitalisierung der Zustellung von Warensendungen – Eigentum an Klimadaten?
Nur wenn Daten zu jeder Warensendung vor deren Versandt zwischen den Wirtschaftsbeteiligen ausgetauscht werden, ist eine Messung der anfallenden THG-Emissionen möglich. 2021 wurde die Digitalisierung der Daten in der Zustellung von Warensendungen in der EU und weltweit umgesetzt. Die anstehende Gestaltung und Einführung von klimaneutralen Produkten und Dienstleistungen in der Zustellung von Warensendungen, wird zu einer Anpassung der bereits heute harmonisierten Daten, die vorab zwischen den Zustellbetreibern ausgetauscht werden, führen. Für die Wirtschaftsbeteiligten steht damit die Absicherung des Eigentums an den Daten zu jeder Warensendung zunehmend im Mittelpunkt. Neben den Kerndaten – der Zustelladresse, der Sendungskennung, der Warenbeschreibung – fallen immer mehr Sekundärdaten an. Umsatzgenerierung und Kundenbindung führt dazu das elektronische Schnittstellen zunehmend das Management, aber auch das Eigentum an diesen Daten zu übernehmen trachten. Die Daten des Einzelhandels sollten aber dem Einzelhandel vorbehalten bleiben. Nur wenn das Eigentum an den Daten geregelt bleibt, kann der Einzelhandel über Geschäftsprozesse frei disponieren und ungebunden entscheiden.

Wollen Sie weitere Informationen zu dem Thema erhalten? Möchten Sie aktiv Themen wie dieses vorantreiben und interessieren Sie sich daran, Teil eines internationalen Infrastruktur & Logistiknetzwerkes zu sein. Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf!  Der logistic-natives e.V. ist das internationale Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des modernen Handels und repräsentiert über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen wir bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle- & Retourenmanagements und der Kreislauf-logistik. Unser Geschäftsführer Florian Seikel (Florian.Seikel@logistic-natives.com) steht Ihnen sehr gerne zur Verfügung. (WT)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

Aus dem richtigen Holz geschnitzt

Fast 33 Milliarden Liter Milch wurden dem Milch Industrie Verband (MIV) zufolge 2018 in Deutschland verarbeitet. Ein Großteil, nämlich 44 Prozent der gesamten Rohmilch, floss dabei in die Produktion von Käse.

Beitrag: Redaktion.

Deutschland ist Retouren-Europameister. Jeder zweite Online-Kunde hat im vergangenen Jahr mindestens eine Bestellung zurückgeschickt – insgesamt über 500 Millionen Produkte. Ein hoher Retourenanteil im Endkundengeschäft stellt auch die HABA-Firmenfamilie vor Herausforderungen. Auf der Suche nach einer Lösung mit hohem Automatisierungsgrad für sein großes Distributionszentrum in Bad Rodach wurde der Spielwarenhersteller bei Dematic fündig.

Mit dem modularen und skalierbaren Dematic Taschensortiersystem bietet der Intralogistik-Spezialist eine flexible Lösung, mit der sich verschiedenste Arten von Gütern lagern, sortieren, sequenzieren und zwischenpuffern lassen. Damit ist das System ideal für den Einsatz im E-Commerce und Omni-Channel-Fulfillment und insbesondere für die Retourenbearbeitung geeignet.

Die HABA-Firmenfamilie hat ihre Wurzeln in der Spielwarenherstellung und ist dort bis heute einer der führenden Anbieter in Deutschland. Seit mehr als 80 Jahren vertreibt das fränkische Unternehmen Holzspielzeug. Neben Bauklötzen und Kugelbahnen aus nachhaltiger Forstwirtschaft zählen heute aber auch diverse Puppen, Brett- und Kartenspiele, Bücher sowie Einrichtungen für Bildungskonzepte und Bekleidung zum Angebot. Neben der Belieferung ausgewählter Fachhändler und Bildungseinrichtungen bietet das Unternehmen unter den Marken HABA, JAKO-O, FIT-Z, Qiéro! und Wehrfritz einen Großteil seiner Produkte online B2C an. Mindestens 700 Sendungen verlassen pro Stunde das Distributionszentrum in Bad Rodach.

Effizientes Retourenmanagement.
Wie so oft im E-Commerce kommen aber auch zahlreiche Pakete auf gleichem Wege wieder zurück. Die Gründe sind unterschiedlich: Nur selten sind die Waren beschädigt. Viele Kunden ordern von vornherein mehrere Alternativen und schicken die nicht ausgewählten zurück. In anderen Fällen entsprechen die Bestellungen nicht exakt den Erwartungen der Käufer. „Ein Großteil dieser Waren sind sogenannte A-Retouren, also einwandfreie Produkte, die sofort wiederverkauft werden können“, sagt Torsten Kreußel, Leiter Prozessmanagement, Produktion und Logistik bei der HABA-Firmenfamilie.

Genau hier stieß die Intralogistik bei der HABA-Firmenfamilie vor zwei Jahren an ihre Grenzen. Denn viele Arbeitsschritte liefen noch manuell ab. Aufgrund der Vielzahl an Retouren vergingen mitunter Tage, bis die Produkte wieder zum Verkauf bereitstanden. „In Hochphasen erreichen unseren
Wareneingang bis zu 1.500 Artikel pro Stunde. Unser Retourenmanagement war den Dynamiken des heutigen E-Commerce schlicht nicht mehr gewachsen“, erinnert sich Kreußel.

Flexibel wie eine Kugelbahn.
Eine automatisierte Lösung sollte her, um die Retourenabwicklung nahtlos in den Fulfillment-Prozess zu integrieren und die Zugriffszeiten somit zu verkürzen. Zur besonderen Herausforderung wurde der Wunsch nach einem System, dass sich auf begrenztem Raum in die bestehenden Anlagen integrieren ließ – und das alles bei laufenden Betrieb. Im Auswahlverfahren stieß die HABA-Firmenfamilie schnell auf das Taschensortiersystem von Dematic. „Die Idee, den bis dato ungenutzten Luftraum unserer Logistikflächen für einen flexiblen Taschensorter zu nutzen, hat uns sofort zugesagt“, erklärt Kreußel.

Das Dematic Taschensortiersystem ist eine ganzheitliche Lösung und unterstützt sowohl den reinen E-Commerce als auch den Omni-Channel-Versand. Für den Warentransport verwendet das System Taschen, die platzsparend an Rollen aufgehängt sind und in einer Überkopfschiene laufen. Dank des modularen Aufbaus und variabler Kettenlänge kann der Taschensorter kompakt in nahezu jeder Anwendungsumgebung verbaut werden. In den Taschen können verschiedenste Produktformen und -größen mit einem Gewicht bis zu drei Kilogramm transportiert, sortiert und sequenziert werden. „Da wir über ein sehr breites Produktsortiment verfügen, waren Flexibilität und Skalierbarkeit notwendige Voraussetzungen“, sagt Kreußel.

Vollautomatische Taschenbeladung.
Bei der HABA-Firmenfamilie findet die automatische Taschenbeladung direkt nach der Retourenbearbeitung im Erdgeschoss statt. Dazu hat Dematic eine Gurtschleife für Leerbeutel sowie ein zusätzliches Förderband entlang der Arbeitsplätze in die bestehende Technik integriert, das die Waren zur Induktionsstation transportiert. „Das System belädt bis zu 1.200 Taschen pro Stunde mit jeweils einem Packstück, das sich per RFID-Tag und Barcode identifizieren lässt. Somit können wir jederzeit im System erkennen, wo sich welcher Artikel befindet“, so Kreußel. Anschließend werden die Behälter über einen Steilförderer in das dynamische Taschenlager im zweiten Obergeschoss transportiert. Dort befinden sich in zwei übereinanderliegenden Ebenen 18 Pufferkreisel mit jeweils 128 Metern Länge, in denen knapp 40.000 Taschen Platz finden und dort zirkulieren, bis sie erneut einer Bestellung zugewiesen werden. „Die Retouren sind damit nach nur 30 bis 45 Minuten wieder verkaufsfertig“, erläutert Kreußel. Nicht lesbare Artikel oder Überbestände werden aus dem Kreislauf ausgeschleust und zurück ins Erdgeschoss befördert, wo die Taschen am Housekeeping wiederum automatisch entladen werden. Dazu hat Dematic eine Rutsche installiert, die den Arbeitsplatz mit der bestehenden Anlage verbindet.

Reibungslose und fehlerfreie Kommissionierung.
Die Zusammenstellung neuer Aufträge erfolgt im zweiten Obergeschoss mittels Batch-Kommissionierung aus dem Dynamikpuffer. Die benötigten Waren werden dafür zunächst aus dem dynamischen Puffer zum Taschensammler transportiert. Dabei handelt es sich um einen Sortierbereich mit 17 parallelen Stangen, auf denen die Produkte ihrer jeweiligen Batch zugeordnet werden. Bis zu 2.000 Artikel können pro Stunde über den Sammler ausgegeben werden. Ist ein Batch mit bis zu 60 Sendungen komplett, fahren die vorsortierten Taschen weiter zu den beiden Umpackstationen.

Für die Taschenentladung wurde bauseits eine neue Bühne inklusive Anbindung an die Bestandsfördertechnik errichtet. Damit sie exakt den Vorgaben des Taschensortiersystems entsprach, übernahm Dematic die technische Planung. Nach dem automatischen Öffnen der Taschen gelangen die Artikel über ein Förderband zu zwei manuellen Arbeitsplätzen. Mitarbeiter etikettieren sie dort und legen sie in Behälter, die vorab aus dem Kreislauf für Leerbehälter ausgeschleust wurden. Damit die Mitarbeiter die Waren beim Auszeichnen nicht vertauschen, ist der Gurtförderer sensorgesteuert. „Die nächste Tasche wird erst entladen, wenn das vorherige Produkt vom Band genommen wurde“, erklärt Kreußel.

Wieder zurück auf Anfang.
Die Behälter eines Batches (circa 60 Aufträge) verbleiben so lange am Arbeitsplatz, bis sie komplett sind und per Knopfdruck der Weitertransport ausgelöst wird. Anschließend gelangen sie über ein Transferelement zurück auf die bestehende Förderanlage und werden zum vorhandenen Wannenpuffer transportiert. Erst hier erfolgt die Konsolidierung der Gesamt-Batches mit den Waren aus dem Fachbodenlager. „Da wir Bestellungen nur in Ausnahmefällen komplett aus Retouren und dem dynamischen Puffer im Obergeschoss zusammenstellen können, war eine vollständige und reibungslose Integration des Taschensorters in die bestehende Anlage entscheidend“, betont Kreußel.

Die endgültige Konsolidierung der Aufträge.
erfolgt im Anschluss über die Putwalls der Bestandsanlage. Die entladenen Taschen werden automatisch wieder verschlossen und gelangen  anschließend über den Förderschacht zurück ins Erdgeschoss, wo sie bis zu ihrem nächsten Einsatz in der Leertaschenstrecke zirkulieren. Bis zu 750 leere Beutel können so pro Stunde und Arbeitsplatz für die Beladung bereitgestellt werden.

Noch immer Luft nach oben.
Durch die Dematic-Lösung hat sich der Retourenprozess bei der HABA-Firmenfamilie erheblich vereinfacht, resümiert Kreußel: „Die Wiederverfügbarkeit eines Artikels hat früher mehrere Tage in Anspruch genommen. Mit dem Taschensortiersystem dauert es jetzt weniger als eine Stunde. Das spart uns nicht nur Zeit und Arbeitskräfte für die Rücksortierung der Ware ins Fachbodenregal, sondern auch Geld und sorgt durch kürzere Lieferzeiten und somit für noch höhere Kundenzufriedenheit.“

Dabei hat der Taschensorter seinen vollen Leistungsumfang noch gar nicht erreicht. Denn dank des modularen Aufbaus lässt sich das Taschensortiersystem im Nachhinein noch erweitern. Darauf hat Dematic auch bei der HABA-Firmenfamilie geachtet und die potenzielle Erweiterung bei der Planung der Anlage berücksichtigt. „Durch fünf weitere Abgaben im Taschensammler sowie einen dritten Umpack-Arbeitsplatz können wir die Kapazität zukünftig noch ohne großen Aufwand ausbauen“, so Kreußel. Damit ist die HABA-Firmenfamilie auch für die wachsenden Anforderungen des E-Commerce gewappnet. (RED)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Handel leidet, doch kein Ende in Sicht beim E-Commerce-Trend

Die neue Studie „Österreichs Handel in Zahlen” des Handelsverbands zeigt große Verluste im letzten Jahr bei gleichzeitig massiv gestiegenem e-Commerce-Anteil. Auch 2021 bescheren Corona-Maßnahmen dem stationären Handel Einbußen, während der Distanzhandel boomt. Zu dumm, dass am Onlinekuchen vor allem ausländische Profiteure naschen.

Redaktion: Angelika Gabor.

Studienautor Andreas Kreutzer, Geschäftsführer der Marktanalyse-Plattform Branchenradar.com, bringt es auf den Punkt: „Die gesetzlichen Maßnahmen im Zuge der Pandemie waren so konfiguriert, dass vorrangig der private Konsum eingeschränkt wurde.“ Bedenkt man, dass eben dieser private Konsum rund 50 Prozent zum BIP beiträgt, kann man sich ausrechnen, welch immensen Schaden die Wirtschaft dadurch nimmt.

In Zahlen ausgedrückt: der kumulierte Verlust im Lockdown liegt bei 39 Milliarden Euro – die privaten  Haushaltsausgaben sind 2020 real um 8,2 % von 206,5 Milliarden Euro auf 192,5 Milliarden Euro geschrumpft. Besonders Leidtragende dabei waren der Dienstleistungs- und der Kfz-Sektor. Mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus wird frühestens 2024 gerechnet, für 2021 wird ein leichtes Plus von 0,5 % erwartet.

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich: „Der e-Commerce-Anteil stieg in diesem Zeitraum auf einen Rekordwert von 11,2 %.“ Leider mit einem Schönheitsfehler, denn nur ein Drittel der Pakete wird im heimischen Onlinehandel bestellt. Eindeutige Situationsgewinner nach Branchen waren 2020 In-Home-Produkte. Aufs Sieger-Treppchen beim Wachstum dürfen demnach Nahrungsmittel mit +8,6 Prozent, Videospiele mit +6,7 Prozent und Grünraumprodukte mit 5,4 Prozent. Weil wenn man schon zu Hause sitzt, möchte man es schön haben, gut essen und mit Spielen die Zeit totschlagen. Kreutzer: „Alle Ausgaben in Zusammenhang mit sozialen Kontakten und Outdoor- bzw. Freizeitaktivitäten waren hingegen rückläufig.“

Blaues Auge oder doch k.o.?
Von den rund 40.000 Einzelhandelsunternehmen, die es in Österreich vor der Corona-Krise gab, haben rund 85 % etwa ein Drittel Umsatzverlust hinnehmen müssen. Hinzu kommt, dass drei Viertel aller heimischen Händler für 2021 weitere Verluste erwarten. Trotz Hilfen der Regierung wird es Opfer geben: „Ich rechne damit, dass 5.000 Unternehmen oder mehr schließen müssen, da sie durch die Krise einen zu großen Schuldenrucksack herumschleppen“, befürchtet Will, „Im Juni wartet mit den doppelten Gehältern eine riesige Hürde, die es zu überwinden gilt.“

Nicht zu vergessen, die Zehntausenden Arbeitsplätze, die an diesen Unternehmen direkt und indirekt hängen. Durch das Ende des Lockdowns kann der Ausfall pro Woche um rund 100 Millionen reduziert werden, aber das System ist vulnerabel. Die „Osterruhe“ im Osten beispielsweise bescherte der Branche knackige 1,95 Milliarden Euro Umsatzverlust, weshalb der Handel vor erneuten Beschränkungen zittert.

Am schlimmsten betroffen: der stationäre Modehandel, der auf der Saisonware sitzenblieb. Aber auch Wintersportgeräte-, Schmuck- und Schuhhändler mussten herbe Verluste verkraften. Gastronomie-Zulieferbetriebe verzeichneten teils Totalausfälle. „Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und je abhängiger vom Tourismus, desto geringer die Liquiditätsreserven und desto dicker das Minus“, fasst Kreutzer zusammen.

Nutznießer Onlinehandel.
„Der Lockdown ist ein Amazon-Förderprogramm“, seufzt Will – und hat damit leider den Nagel auf den Kopf getroffen. Laut Finanzministerium legte der Umsatz in Österreich registrierter, ausländischer Onlinehändler (wie Amazon) und Versandhandelsfirmen um 30 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zu. Ohne eigene, nationale Betriebsstätte zahlen diese Firmen dafür genau Null Euro Gewinnsteuern – ein unfairer Wettbewerbsvorteil, den es zu beseitigen gilt. Gemessen am gesamten Einzelhandelsumsatz beträgt der Anteil des e-Commerce 11,2 %.

Neue Warengruppen erobern das Internet: substanzielle Zuwächse bei Kunst und Antiquitäten (+75%), Einrichtungsgegenständen (+40%) und Grünraumprodukte (+45%) ergänzen die bereits klassisch starken Produkte wie Bekleidung, Schuhe, Bücher und Elektrogeräte. „Im Lebensmittelhandel ist Online-Shopping zwar trotz massiver Investitionen noch eine Nischenangelegenheit, die Wachstumsdynamik ist allerdings mit +46% ebenfalls beträchtlich”, sagt Andreas Kreutzer.

Paketflut aus dem Ausland.
All die bestellten Waren wollen und sollen natürlich auch zugestellt werden. Auf den aufgrund des Lockdowns eigentlich leeren Straßen tummelten sich vermehrt KEP-Dienstleister. Während im Jahr 2019 noch rund 109 Millionen B2C Pakete zugestellt wurden, stieg das Paketvolumen im Jahr 2020 um unfassbare 27 % auf 139 Millionen Stück! Doch nicht nur der generelle Online-Shopping-Boom, auch Retouren und überproportional steigende Teillieferungen sorgten für die Packerllawine. „Der durchschnittliche Paketwert ist hingegen um 8 % gesunken“, bestätigt Kreutzer.

Weiterer Wermutstropfen: „Der Anteil ausländischer Onlinehändler am Paketvolumen ist auf rund 64 % angestiegen. Nur jedes dritte Paket, das die Österreicherinnen und Österreicher im Onlinehandel bestellen, wird bei heimischen Webshops gekauft“, rechnet Will vor.

Hinzu kommt die Paketflut aus China über Plattformen wie Wish oder Alibaba. „Hier wird die bestehende 22-Euro-Freigrenze für Paketlieferungen aus Drittstaaten durch asiatische OnlineHändler vorsätzlich ausgenutzt“, ärgert sich Will. Doch das hat bald ein Ende, denn diese Freigrenze fällt per 1. Juli 2021. Sehr zur Freude des Handelsverband-Chefs: „Damit wird die Europäische Union ein 7 Milliarden Euro großes Steuerschlupfloch für asiatische Onlinehändler endlich schließen.“

Land in Sicht.
Mit dem Ende des Lockdowns kehrte wieder eine gewisse Normalität ein – wenngleich Maskenpflicht, quadratmeterabhängige Begrenzungen und andere Beschränkungen die Freude ein wenig trüben. Die Öffnung der Gastronomie war besonders wichtig: Je besser es den Hotels, Kaffeehäusern und Gastwirten geht, desto stärker profitieren auch die heimischen Geschäfte von steigenden Besucherzahlen und Impulskäufen. Die gesamte Branche hofft jetzt auf ein nachhaltiges “Klima der Zuversicht”, indem sich auch die Einkommenserwartung der Menschen stabilisiert – aktuell sinken jedenfalls die Arbeitslosenzahlen.

Handlungsempfehlungen.
Aus den Gesprächen mit den Verbandsmitgliedern und der langjährigen Erfahrung hat der Handelsverband Bereiche definiert, in denen besonders dringender Handlungsbedarf besteht, wenn Österreichs Handel einen wirtschaftlich erfolgreichen Neustart hinlegen soll. Dazu zählt das Schaffen gleicher und fairer Wettbewerbsbedingungen in der EU (Fair Commerce), beispielsweise durch ein Schließen von Steuerparadiesen.

Eine weitere wichtige Forderung: Die Senkung der Lohnnebenkosten. In lediglich drei Ländern der EU erhalten Durchschnittsverdiener weniger Nettolohn von ihrer erwirtschafteten Leistung als in Österreich! Auch die Mietvertragsgebühr ist dem Handelsverband ein Dorn im Auge. „Wenn man in Österreich ein Geschäft mieten will, bekommt man bereits Monate vor dem Umbau einen Bescheid: die Mietvertragsgebühr.

Kleine Händler, die hierzulande eine Fläche anmieten, müssen Mietvertragsgebühren zahlen, bei denen das Finanzministerium oft für fünf Jahre im Voraus ein Prozent aller Mietkosten kassiert. Damit finanziert sich der Staat auf dem Rücken von Startups vor, obwohl nur die Hälfte aller Händler fünf Jahre nach der Gründung noch bestehen. Die Abschaffung dieser Papiersteuer aus Maria Theresias Zeiten ist überfällig“, erklärt Will die Forderung.

Die Studie zeigt auch, dass noch eine große Verunsicherung herrscht, wie die Zukunft aussehen wird, wenngleich das Konsumbarometer positiv stimmt: weniger sparen und mehr Geld für Gastronomie und Reisen sind geplant. Bleibt zu hoffen, dass bei neuerlichen Hotspots im Herbst – mit denen leider realistischer Weise zu rechnen ist – bei Lockdowns differenzierter vorgegangen wird. Denn wenn es wieder zu langfristigen kompletten Schließungen kommt, werden viele Unternehmen nicht mehr zu retten sein.

Digitales Aufrüsten in vollem Gange.
Der aktuelle Omnichannel Readiness Index (ORI) 2021 des Handelsverbands in Kooperation mit Google und MindTake beweist, dass der österreichische Handel massiv in die Digitalisierung investiert. Bei der vierten Ausgabe des Berichts lag der Fokus auf den Entwicklungen während der Corona-Krise. Es zeigt sich, dass durch den Lockdown und das dadurch bedingte Schließen des stationären Handels Serviceleistungen vermehrt ins Web verlagert und somit digitale und analoge Kanäle stärker verzahnt wurden.

Bei der repräsentativen Studie, in deren Rahmen 41 wichtige heimische Einzelhändler ebenso befragt wurden wie 1.000 Österreicher, die zumindest halbjährlich online bestellen, wurde auch erhoben, welche Kriterien für die Kunden für das optimale Shopping-Erlebnis besonders wichtig wären. Dabei zeigen sich eklatante Unterschiede zwischen Soll und Haben. Während beispielsweise rund zwei Drittel der Kunden sich wünschen, auf der Produktseite online Fragen stellen zu können, ermöglichen dies aktuell nur fünf Prozent der Händler.

Mehr Beispiele gefällig? „Zwei Drittel der Kundinnen und Kunden wünschen sich eine Rückruffunktion, die nach wie vor nur von 14 Prozent angeboten wird. 81 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten wollen die Produkte im Webshop auf eine einzige Filiale einschränken können, um so gezielt wie live im Laden shoppen zu können, doch nur 12 Prozent der Händlerinnen und Händler nutzen ihre Bestandsdaten für einen solchen Filter“, zählt Handelsverbands Geschäftsführer Rainer Will auf.

Es ist also durchaus noch Luft nach oben da – wenngleich die Umfrage zeigt, dass mit 73 Prozent fast drei Viertel der Händler im letzten Jahr digital aufgerüstet haben, ein Drittel sogar massiv. Die Schwerpunkte variieren dabei von Kundenservices in den Filialen und im Online-Shop über Analytics, bis hin zu Investitionen in Sichtbarkeit, SEO und digitales Marketing. Viele heimische Händler haben coronabedingt die Flucht nach vorne angetreten und ihre Kreativität unter Beweis gestellt. So haben laut Studie 93% der Befragten neue Services eingeführt oder geplant. Dazu zählen beispielsweise Corona (Care) Pakete, kontaktlose Abhol-, Zahl- und Zustellmöglichkeiten, Terminvereinbarungen für Click & Collect, Beratungen per Videocall oder Live-Chat aus der Filiale heraus, Scan & Go, Call & Collect, Gratis-Lieferung im Lockdown und garantierte Lieferzeitfenster für Menschen in Quarantäne sind nur einige der zahlreichen neuen Services, die von den Kunden auch wohlwollend angenommen werden.

Was Kunden wollen.
Bei der Studie wurde auch abgefragt, welche Serviceleistungen die Kunden sich wünschen würden. Dabei gab es überraschender Weise wenig Änderungen zu Vor-Covid-Zeiten. Noch immer hat die Gratis-Zustellung höchste Priorität für die Meisten. Eine zuverlässige Vorhersage Liefertages liegt besonders hoch im Kurs: während nur 17 % der Händler das anbieten, ist es für 80 % der Kunden wichtig.

Mit entsprechender Last-Mile-Logistik wäre das natürlich umsetzbar. Kein einziger der in der Studie inkludierten Händler bietet die Möglichkeit an, den Warenkorb per Email oder Social Media zu teilen, wohingegen sich diesen Service immerhin ein Drittel der Kunden wünschen würde. Weitere Wünsche: die Option, Fragen zum gewünschten Produkt zu stellen (zwei Drittel Soll vs. 5 % Haben) und die Warenverfügbarkeit aktuell zu checken.

Ein Anliegen Vieler ist eine verlässliche Angabe der Krisen-Öffnungszeiten. Doch auch der direkte telefonische Kontakt zur Filiale via Filialfinder im Webshop und/oder Google Maps, der Check der Warenverfügbarkeit in der Filiale, eine komfortable Produktsuche mit Filtern, Transparenz im Kaufvorgang und maximale Flexibilität bei Abholung, Zustellung, Payment und Retoure stehen auf dem Wunschzettel des perfekten Shoppingerlebnisses. And the winner is….

Als Gesamtsieger des ORI ging mit 81 % aller möglichen Punkte Obi hervor – nicht zum ersten Mal. Mit nur einem Prozentpunkt Rückstand auf Platz zwei landeten die Zwillingsshops Kastner & Öhler und Gigasport. Neben dem Gesamtsieg zeichnet der Omnichannel Readiness Index auch Kategoriesieger aus. Thalia beispielsweise hat die vollen 100% im Bereich „Channel Integration“ erreicht.

Der Buchhändler ist also Best-in-Class und State-of-the-art in der Omnichannel-Königsklasse: Maximale Flexibilität bei der Kaufabwicklung, und das völlig vertriebskanalunabhängig und nahtlos, Click & Collect, Reserve & Collect, Retoure online bestellter Waren in der Filiale, Abholstationen für 24/7 Abholung, rasche Bereitstellung der Click & Collect Waren, und dies stets kostenlos. In der Liste der Branchensieger findet man nur bekannte Namen: bei Computer & Elektro(nik) Media Markt (73%), bei Fashion & Accessoires Peek & Cloppenburg (73%), bei Drogerie Bipa (72%) und im Lebensmitteleinzelhandel Billa (72%). Weitere ORI-Kategoriesieger neben Thalia: für Transparenz & Vertrauen Decathlon (84%), für Personalisierung, Loyalty und Sharing dm drogerie markt (81%), für flexible Kontaktmöglichkeiten Kastner & Öhler, Gigasport (86%) für Payment, Fulfillment & Returns Kastner & Öhler, Gigasport (84%) und für Wegweiser in die Filiale Interspar gleichauf mit Hartlauer (99%).

Egal ob nun Marktplätze wie Amazon oder Shöpping oder Produktfinder und Preisvergleichsplattformen wie Geizhals, Idealo oder Google Shopping genutzt werden, Fakt ist, dass mehr als die Hälfte der Händler auf zusätzliche Vertriebskanäle setzt. Insbesondere ältere Internetnutzer, die vor der Corona-Krise von Internetbestellungen nichts wissen wollten, haben dem E-Commerce zu starkem Wachstum verholfen. Das Erstaunliche: laut Befragung wollen 90 % dieser so genannten „Silver Surfer“ (User über 55 Jahre) auch nach der Krise die Bequemlichkeit des Onlineshoppings weiter ausnutzen. Ein mehr als guter Grund, die Online-Präsenz nachhaltig auszubauen! (AG)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

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