Vom Kataloggeschäft zum Platzhirsch im E-Commerce

Die Otto Group bietet Amazon die Stirn: mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz allein am österreichischen Markt zeigt das Unternehmen, wie man mit vielfältigem Portfolio global erfolgreich sein kann.

Beitrag: Redaktion.

Es ist die Zeit, in der der Vertrag von Maastricht den Weg für eine einheitliche europäische Währung ebnet. Die Zeit, in der erstmals seit zwei Jahrzehnten bei einer großen internationalen Konferenz in einem globalen Rahmen Umweltfragen diskutiert werden. Und es ist auch die Zeit, in der die Otto Group in den österreichischen Markt eintritt: mit der Übernahme des Versandhauses „Moden Müller“ Anfang der 1990er-Jahre, aus dem 1992 OTTO Österreich hervorgehen wird.

Seit drei Jahrzehnten steht die Marke nun auf wirtschaftlich soliden Beinen. Und das trotz der kompletten Änderung des Geschäftsmodells vom Katalogversender zum Onlinehändler: Verzeichnet man beim Onlineumsatz seit 1998 doch ein durchschnittliches Wachstum pro Jahr von 24 Prozent [1]. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) erwirtschaftet man einen Gesamtumsatz von 100 Millionen Euro (IFRS 15).

OTTO Österreich ist aber nur eines von vielen Beispielen, bei denen die Otto Group den Weg in die Welt hinaus ging. Prof. Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Konzern-Aufsichtsrats, über den Beweggrund, aus dem familiengeführten Einzelunternehmen mit Sitz in Hamburg eine global agierende Unternehmensgruppe zu machen: „Wir haben bereits in den 1980ern begonnen, uns zu internationalisieren und zu diversifizieren. So können konjunkturelle und sektorspezifische Schwankungen besser aufgefangen werden.“ Und so ist man heute eine Handels- und Dienstleistungsgruppe, zu der die beiden großen Online-Plattformen OTTO und About You genauso zählen wie Markenkonzepte (Bonprix, Crate and Barrel, Witt) undHandelskonzepte (Baur, Freemans Grattan, Limango). Im stationären Bereich ist man mit Frankonia, Mytoys und Manufactum vertreten. Dazu kommen Services wie von Hermes, Finanzdienstleistungen von EOS und Hunderte von Beteiligungen an Start-ups. Mit 43.000 Mitarbeitenden ist die Otto Group in rund 30 Ländern aktiv und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) einen Umsatz von 16,1 Milliarden Euro (IFRS 15), davon 12,1 Milliarden Euro reinen Onlinehandelsumsatz.

In Österreich gehen die Aktivitäten des Konzerns weit über jene der UNITO-Marken OTTO Österreich, UNIVERSAL, QUELLE und LASCANA hinaus. „Wir sind hier auch mit About You, Bonprix, Frankonia, Mytoys, Witt und Hermes vertreten – und wir sind seit vier Jahren mit dem Warenhaus Manufactum Am Hof in Wien auch stationär präsent. Wir erwirtschaften einen Umsatz von 431 Millionen Euro [2] und haben damit eine gewisse Bedeutung auf dem österreichischen Handelsmarkt“, stellt Prof. Dr. Michael Otto fest. Dass es den einstigen Kataloghändler OTTO im Jahr 2022 noch gibt, hat mit der unternehmerischen Diversität zu tun – aber auch mit der Tatsache, technisch stets am Puls der Zeit gewesen zu sein. Schon in den 1990ern setzte man auf E-Commerce, 1995 brachte man das gesamte Sortiment ins Internet – in einer Zeit, in der in Österreich etwa gerade einmal neun Prozent der Bevölkerung [3] Zugang zum
Internet hatten.

Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Von den früheren großen Katalogversendern ist die Otto Group mit ihren Marken der letzte, der überlebt hat. Ich bin als CEO mit meinem jeweiligen Technikvorstand ab den 1980ern regelmäßig in die USA gereist, um zu sehen, an welchen technologischen Entwicklungen gearbeitet wird. Zentral für unseren Erfolg ist, dass wir Technologie zu einem frühen Zeitpunkt für den Nutzen der Kundinnen und Kunden eingesetzt haben.“

Die Otto Group war und ist aber nicht nur technisch stets am Puls der Zeit, in Bezug auf Nachhaltigkeit war sie der Zeit mitunter sogar voraus. Prof. Dr. Michael Otto, der vielen als Vorreiter unternehmerischer Nachhaltigkeit gilt: „Der erste Bericht des Internationalen Club of Rome, in dem ich heute Mitglied bin, hat mich berührt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe gesagt: Jede Bürgerin, jeder Bürger, jede Unternehmerin, jeder Unternehmer muss erst einmal bei sich anfangen und einen Beitrag leisten.“ Und das tat und tut die Otto Group seit damals: Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden konzernweit nachhaltige Prozesse und Produkte eingeführt. So konnten etwa die CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren halbiert werden. Aber auch für die Zukunft sind die Ziele hochgesteckte:

Bis 2030 strebt man Klimaneutralität an.
OTTO Österreich, das seit Anfang 2021 alle Sendungen CO2-neutral zustellt, ist seit 1. Juli 2022 klimaneutral. „Wir agieren nach dem Grundprinzip Vermeidung, Reduzierung, Kompensation. Sind alle Möglichkeiten, schädliche Klimagase zu vermeiden und zu reduzieren, ausgeschöpft, kompensieren wir unvermeidbare Emissionen mit Projekten höchsten Qualitätsstandards – und das zu zehn Prozent mehr als wir an Emissionen verursachen“, erklärt Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe.

Der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage begegnet man im gesamten Konzern mit Respekt. Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Ich habe in meinen weit mehr als 50 Berufsjahren manche Herausforderung erlebt – aber diese ist eine besondere. Aus der Corona-Pandemie haben wir es noch immer mit Störungen auf der Beschaffungsseite zu tun, die sich durch den Krieg in der Ukraine und die drohenden Auseinandersetzungen mit China erheblich verschärft haben. Der Krieg, die Inflation, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger und die Energiekrise verschärfen die Absatzprobleme. Das alles führt in vielen Ländern Europas zu einer erheblichen, in Deutschland einmalig großen Nachfrageunlust.“ Man sei derzeit aber digital, kund*innenmäßig sowie finanziell sehr gut aufgestellt und halte am Kurs der Investition in Digitales, Logistik und neue Geschäftsfelder fest. Spuren hinterlassen werde die Krise aber dennoch – beim Umsatz und insbesondere beim Ertrag, da man in dieser angespannten Situation höhere Einstandskosten nicht zur Gänze an Kund*innen weitergeben könne.

2023 werde laut Mag. Harald Gutschi auf jeden Fall noch herausfordernd, bei OTTO
Österreich plane man mit einem vorsichtigen Wachstum von fünf bis zehn Prozent statt der ursprünglich anvisierten zehn Prozent. Generell sieht der Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe das Unternehmen aber in einer privilegierten Lage: „Mit unserem Geschäftsmodell ist alles weitestgehend organisierbar. Wir können etwa rasch über Werbekosten entscheiden – diese runterfahren, wenn das nötig ist, und genauso schnell wieder hochfahren, wenn sich die Lage entspannt. Da geht es uns viel besser als anderen Unternehmen.“ (RED)

[1] Betrachtung Onlineumsatz Kalenderjahttps://www.unito.at/presse/hr 1998 (Gründung des Onlineshops ottoversand.at) bis Kalenderjahr 2021

[2] Betrachtung Geschäftsjahr 2021 (1. März 2021 bis 28. Februar 2022), ohne Umsatzangaben der Onlineplattform About You

[3] Quelle: Statista-Dossier, veröffentlicht am 2. März 2022; Basis österreichische Bevölkerung ab 14 Jahre

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Es wird Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen

Der Wohlstand, den wir in Österreich gewohnt sind, mit all seinen Vorzügen, hat möglicherweise ein nahendes Ablaufdatum. Geht es nach Betriebswirt Mag. Harald Gutschi, muss die Regierung besser gestern als heute handeln und vor allem eines: der Bevölkerung endlich den Ernst der Lage bewusst machen. Die Medaille der Globalisierung zeigt nun ihre unschöne Seite.

Redaktion: Angelika Gabor.

In den letzten Jahrzehnten profitierten Österreich, Deutschland und einige andere Hochlohnländer von billiger Energie, womit Rohstoffe und Einzelteile veredelt und dann hochpreisig wieder exportiert wurde. Unsere Industrie profitierte deutlich von der Globalisierung. Doch dieses Modell fällt uns jetzt auf den Kopf: die Lieferketten sind außer Rand und Band. Den Anfang nahm dieser dramatische Absturz wie weithin bekannt in China – die Zero-Covid-Politik mit monatelangen Lockdowns führt zu drastischen Rückstaus bei dringend benötigten Warenlieferungen, egal ob es sich dabei um Verpackungsmaterialien oder Bauteile handelt.

Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO Gruppe (u.a. Universal, OTTO, Quelle, Lascana, Schlafwelt, Ackermann), beobachtet die Entwicklung mit zunehmender Sorge: „Zu Weihnachten werden wir erstmals seit langer Zeit vor dramatisch leeren Regalen stehen. 400 Millionen Chinesen sind oder waren im Lockdown, vieles wurde nicht produziert. Die Situation hat eine Dimension erreicht wie die letzten 50 Jahre nicht mehr. Die Auswahl wird drastisch reduziert sein – man wird zwar natürlich Produkte finden, aber wenn es eine bestimmte Marke oder ein exaktes Modell sein soll, dann wird es schwer. Mein Rat daher: frühzeitig anfangen zu suchen.“

Aktuell werden in China 30 bis 40 Prozent weniger Containerschiffe abgefertigt als vor der Pandemie. Als Folge der globalen Arbeitsteilung fehlen Vorprodukte, weshalb auch im Rest der Welt die Produktionen teilweise stillstehen. Die fehlenden Chips für die Automobilbranche sind nur ein bekanntes Beispiel, aber fast jede Branche ist betroffen. Gutschi: „Aktuell haben wir den Peak erreicht: bei den Lieferproblemen, der Inflation und den gewerblichen Erzeugerpreisen.“ Der Handel hat sich massiv gewandelt: „Früher hatten wir einen Nachfragemarkt – die Kunden hatten eine riesige Auswahl und konnten den Preis mitbestimmen. Jetzt allerdings haben wir einen Angebotsmarkt, die Auswahl ist eingeschränkt und als Kunde muss man teilweise froh sein, überhaupt etwas zu bekommen, und das zu deutlich höheren Preisen.

Notwendiger Staatskommunismus.
Seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 hat sich die Bilanzsumme der EZB mehr als verzehnfacht, insbesondere seit der Finanzmarktkrise 2008 wurden massiv Anleihen zugekauft. Als Nebenwirkung stiegen die Immobilienpreise rasant. Die nunmehrige Anhebung des Leitzinses als Gegenmittel zur Inflation war bereits abzusehen, ebenso wie die damit einhergehende Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien. „Die EZB hat damit gerechnet, dass die hohe Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen ist. Allerdings sind deren Datenmo-delle nicht auf die Situation ausgelegt – sie berechnen und funktionieren nur in einer stabilen Welt. Deshalb lagen die Prognosen komplett daneben“, meint Gutschi.

Frachtraten sinken.
Laut einem Factsheet der DZ Bank steckten noch im Mai 2022 mehr als 11 Prozent sämtlicher global verschiffter Waren in Warteschlangen, im Juli 2021 waren es gar noch rund 14 Prozent.

„Häfen sind gesperrt oder es fehlt an Personal, um die Container zu verladen. Die Transport-raten gehen zwar wieder nach unten, sind aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Ein Beispiel: Früher haben wir Sitzsäcke um 99 Euro verkauft, heute kostet allein der Transport dieses Sitzsackes 200 Dollar. Wer soll denn das kaufen?“, so Gutschi. Lag der aggregierte Frachtmarktpreis für Schiffstransporte aus China im Juni 2018 noch bei etwa USD 2.000, betrug er zum Höhepunkt im September 2021 knapp USD 23.000 – für die gleiche Leistung.

Gaslieferstopp als Schreckgespenst.
Gutschi rechnet fix damit, dass spätestens im Herbst Russland die Erdgaslieferungen nach Österreich ganz einstellt, bereits jetzt sind die Mengen stark gedrosselt. „Sollte der Gashahn zu sein – und die Wahrscheinlichkeit dafür ist deutlich über 50 Prozent – wird es wirklich kritisch“, fürchtet er. „Forscher rechnen mit Minus 2 Prozent des BIP.

Allerdings nehmen die bei ihren Prognosen an, dass das Gas einfach woanders herkommt. Das ist reine Naivität. Wir hängen von Putin ab, nicht umgekehrt.“ Auch die Diskussion um die Verteilung der Gasreserven im Ernstfall versteht er nicht. „Dass den Menschen der Vorzug gegeben wird, ist mir unbegreiflich. Ein paar Grad weniger in der Wohnung halte ich aus, da ziehe ich mich einfach wärmer an. Aber die Industrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft, die Basis unseres Wohlstands – wenn die stillsteht, dann haben
wir wirklich ein gewaltiges Problem.

Stellen Sie sich vor, BASF in Ludwigshafen muss die Produktion einstellen – ohne Chemie können unzählige weitere Produkte nicht erzeugt werden: keine Verpackungen, Klebstoffe, Dämmmaterial, Sportartikel, Arznei-mittel usw. Wir reden hier von einem Einbruch des BIP im zweistelligen Bereich.“ Deshalb müsse nun jeder einen Beitrag leisten, denn auch viele kleine Schritte bringen einen in Summe ans Ziel.

Wohlstandsverlust unvermeidbar.
„Es ist an der Zeit, der Bevölkerung endlich reinen Wein einzuschenken: ein Wohlstandsverlust ist unvermeidbar. Der Staat kann es nicht immer richten, nach der Pandemie sind die Kassen leer. Das 28 Mrd. € schwere Entlastungspaket war ein wichtiger und richtiger Wurf. Wenn es nun wirklich gelingt, die kalte Progession abzuschaffen, dann ist diese Regierung zu etwas fähig, woran bisher alle gescheitert sind. Meiner Meinung nach muss solch eine gravierende Änderung auch in den Verfassungsrang. Jede Partei, die gegen die Abschaffung der kalten Progression ist, leistet einen Affront gegen jeden einzelnen arbeitenden Menschen.“

Eine staatliche Preisregulierung ist für ihn hingegen der falsche Weg. „Der Staat muss über Transferleistungen unterstützen, den Preis bestimmt der Markt.“ Ein wichtiger Faktor ist die Energie, das Energiesparen sollte nicht nur für ÖKO-Aktivisten an erster Stelle stehen. „Ich erwarte eine Aufforderung zum Energiesparen, und zwar jetzt gleich. Parallel muss nach Alternativen gesucht werden. Die Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerks ist ein wichtiger und richtiger Schritt – wenngleich auch ich damals bei der Abschaltung gejubelt habe. Die Versorgung mit Gas hat oberste Priorität“, so Gutschi. Für die zukünftige Strategie sei es auch dringend nötig, die Vertreter der Industrie an einen Tisch zu bringen und Ernstfall-Szenarios zu simulieren – also kein Erdgas mehr zu haben. Gutschi: „Es war naiv zu glauben, dass kein Krieg kommt. Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben.“

Arbeitskraft & Arbeitszeit.
Vor kurzem noch klagten viele Unternehmen über den eklatanten Fachkräftemangel. Heute fehlt Personal an allen Ecken und Enden. „Wo sind nur all die Menschen?“, fragt Gutschi. Eine mögliche Antwort: außer Landes. Denn durch die Pandemie kommen viele Arbeitskräfte, beispielsweis Erntehelfer, nicht mehr nach Österreich. Die Wirtschaftsleistung liegt noch unter dem Niveau von 2019.

Laut Handelsverband rechnen die Unternehmen im Jahr 2022 mit einem Umsatzrückgang von minus 14 Prozent im Vergleich zu 2019. Mitschuld an der Misere ist laut Gutschi die Kurzarbeit. „Dieses Arbeitsmarktinstrument verlängert die Verkrustung und zögert bei manchen Unternehmen nur das Unvermeidliche hinaus. Kurzarbeit sollte auf ein absolutes Minimum reduziert werden, statt dessen ist eine Arbeitsmarktreform dringend nötig – beispielsweise die Senkung der Lohnnebenkosten für Arbeitnehmer. Dies wäre durch die überproportionale Kaufkraftsteigerung ein Lichtblick und die beste Maßnahme, um dem Handel zu helfen“, meint Gutschi.

Fazit: Wir müssen uns auf Einschränkungen einstellen, auch das Angebot frei verfügbarer Waren wird schrumpfen. Aber: „Es hilft nichts, pessimistisch zu sein. Menschen sind kreativ, und wir werden immer eine Lösung finden.“ (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


eCommerce Day 2022 versammelte Retail Rockstars & Gamechanger in Wien

Mehr als 300 Teilnehmer beim Gipfeltreffen der heimischen eCommerce Branche. Austrian Trustmark Awards an Hornbach, Lampenwelt und Julius Meinl am Graben verliehen.

Beitrag: Handelsverband.

Am Mittwoch, 22. Juni, war es wieder soweit: Das Who is Who der heimischen Handelsbranche kam beim eCommerce Day des Handelsverbandes im Nordlicht Wien zusammen. HV-Präsident Stephan Mayer-Heinisch und HV-Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses, Puls4-Anchor Werner Sejka moderierte charmant durch das Tagesprogramm. Die Themenpalette reichte von Influencer Marketing im eCommerce über neue Shopsysteme, Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative Paymentlösungen bis hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement 3.0.Unter dem Kongressmotto #gamechanger sorgten phänomenale Branchenexperten mit ihren Keynotes, Best Practices, im Fireside Chat sowie bei den Podiumsdiskussionen für Begeisterung bei den mehr als 300 Teilnehmer. Live on Stage waren dieses Mal u.a. der YouTube-Star, Influencer und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde spannende Antworten auf die Frage, wie “Rockstar-Marketing” in der Praxis funktioniert.

Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter, shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility), Nick Holscher (Connected Retail by Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria), Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian Steinwender (Concardis Nets Group), Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox) und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria) sowie Isabel Lamotte (Handelsverband) rundeten das erstklassige Lineup ab. In der traditionellen Startup Session durften Franz Tretter (hello again), Markus Fallenböck (Userwerk), Manuel Messner (Mazing), Annabell Ocsofszki (Youbuyda), Bernhard Reiterer (SignD) und Paul Varga (Playbrush) pitchen was das Zeug hält. Ein Highlight der Veranstaltung war die Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark Awards 2022 unter der Schirmherrschaft von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head of Business Development Digital, Mastercard) und Rainer Will für herausragende, innovative eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.

  • Gewinner in der Kategorie “Best Mobile
  • Performance”: Julius Meinl am Graben.
  • Gewinner in der Kategorie “Best
  • Omnichannel Experience”: Hornbach.
  • Gewinner in der Kategorie “Best
  • Online Shop”: Lampenwelt.

Der Handelsverband und Mastercard gratulieren den drei Gewinnern herzlich.

Der eCommerce Day 2022 wurde großzügig unterstützt von den Platin-Sponsoren Österreichische Post, Salesforce, Sintra Consulting, Google & Mastercard sowie den Gold-Partnern Bluecode, Coeo, CRIF, DHL, Fiege, LINK Mobility, MyFlexbox, Nexi, OÖ Nachrichten, Visa und Zalando Connected Retail. (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


eCommerce & Logistik on tour

Die Blogtour des LOGISTIK express hat im Juni zwei wichtige Veranstaltungen besucht: den eCommerce Day 2022 in Wien und das VNL Logistik-Forum Wien. Beide Veranstaltungen hatten Top-Referenten zu bieten und die heimische Logistik-Elite war präsent. Wir haben einige Vertreter vor der Kamera gebeten und befragt.

Redaktion: Peter R. Nestler.

Der Handelsverband bat am 22. Juni zum eCommerce Day 2022 ins Nordlicht im Norden Wiens. Trotz der Hitze ließen sich die Onlinehandelsexperten nicht zwei Mal bitten – der Andrang war enorm. Mehr als 300 Teilnehmer zeigten sich beim Gipfeltreffen der heimischen eCommerce-Branche. Den ganzen Tag über gab es spannende Fachvorträge und Podiumsdiskussionen. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes und dessen Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses, Werner Sejka von Puls4 moderierte durch das Tagesprogramm.

Die Themenpalette war breit gefächert und reichte vom Influencer Marketing im eCommerce über moderne Shopsysteme, das Thema Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative Paymentlösungen bis hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement 3.0. Das Kongressmotto lautete dieses Mal #gamechanger – die Bedeutung von eCommerce ist bei vielen Leuten seit der Pandemie so richtig ins Bewusstsein gerückt. Der eCommerce Day hat das nochmals eindrucksvoll unterstrichen. Wir haben uns wohl gefühlt und sind aus dem Reden mit den Gästen gar nicht mehr nachgekommen. Der LOGISTIK express hat einige Teilnehmer vors Mikrofon gebeten: https://youtu.be/3ntkpoPtgVY

Mitreißend präsentierten sich auf der Veranstaltung der YouTube-Star, Influencer und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde spannende Antworten auf die Frage, wie “Rockstar-Marketing” in der Praxis funktioniert. Unter den prominenten Gästen zu sehen waren: Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter, shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility), Nick Holscher (Connected Retail by Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria), Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian Steinwender (Concardis Nets Group), Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox) und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria) sowie Isabel Lamotte (Handelsverband).

Ein Highlight der Veranstaltung war wieder die Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark Awards 2022 unter der Schirmherrschaft von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head of Business Development Digital, Mastercard) und Rainer Will für herausragende, innovative eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.

Die diesjährigen Award-Gewinner sind:

  • Gewinner in der Kategorie “Best Mobile Performance”: Julius Meinl am Graben.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Omnichannel Experience”: Hornbach.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Online Shop”: Lampenwelt.

 

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) lud am 19. Mai zum 29. Logistik-Forum Wien 2022 ein. Gastgeber war dieses Mal die Österreichische Post AG, das Treffen fand daher auch in der Konzernzentrale der Österreichischen Post in 1030 Wien statt und hatte das Hauptthema „Lieferketten in Turbulenzen: Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?“ Dazu gab es hochinteressante Keynotes: „Turbulenzen in Lieferketten: die volkswirtschaftliche Perspektive“, dargebracht von Stefan Fink, Chief Economist bei KPMG Österreich,

„Die neue österreichische CO2-Steuer“, mit Harald Galla (Steuerberater, Partner LeitnerLeitner), topaktuell: „Geopolitische Einschätzung Russlands und der Ukraine – eine kurz und mittelfristige Perspektive“, mit Univ. Prof. Dr. Gerhard Mangott (Professor für internationale Beziehungen, Universität Innsbruck) sowie „Die aktuelle Lage am Öl- und Gasmarkt“ mit Siegfried Kiss (Head of Business Development, RAG Austria AG).

Abgerundet wurde das VNL Logistik-Forum 2022 mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie bleiben wir wettbewerbsfähig? Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für SCM und Logistik?“. Zur Diskussion versammelten sich: Gerhard Mühlhans (RHI Magnesita), Claes Lindgren (IKEA), Alexander Till (Hafen Hamburg), Niklas Nitsch (Siemens), Stefan Huemer (Rexel); die Moderation übernahm Prof. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien).
Mehr auf www.vnl.at  (PN)

Eine weitere Top-Veranstaltung der Logistik gab es am 23. Und 24. Juni, den 27. Logistik Dialog 2022. Veranstalter BVL Bundesvereinigung Logistik lud diesmal zum Flughafen Wien in die nigelnagelneue Event Location Vienna International Airport City Space und tatsächlich folgten mehr als 800 Branchenvertreter der Einladung. Beeindruckend war gleich einmal die Fülle an Ausstellern, die der BVL rekrutieren konnte. Zu „rekrutieren“ passt auch der Caterer der Mittagsverpflegung, die wurde nämlich von der Bundesheer Logistikschule zur Verfügung gestellt: Gulasch aus der „Kanone“.

BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner wachte wohlwollend über die Veranstaltung mit dem Slogan „Empowerment For Future“ und zeigte sich zufrieden über die zahlreiche Teilnahme. Schön zu sehen waren die viele persönlichen Gespräche zwischen den Keynotes, die sich an den Ständen anbahnten. Nach mehr als zwei Jahren Pause durch die Pandemie trifft sich die Branche wieder live. Wir haben uns wie viele andere auch den Weg durch die vielen Ausstellerstände gebahnt und jede Menge Spannendes gesehen: Menschen, Produkte, Lösungen – insgesamt eine großartige Leistungsschau der österreichischen Logisitikwirtschaft.

An beiden Tagen gab es eine Fülle an großartigen Vorträgen und Panels, der Zuschauerraum war dementsprechend zum Bersten voll. Die Themen reichten dabei von „Supply Chain Fitness Now Europe“ über „Circular Regional Value“, „Infrastruktur Fläche Nutzung“, „Cloud Crowd Share“ bis zum Special „Commerce Trend Service“. Durch die abschließende Fachausstellung „Alles Logistik“ führten schließlich gemeinsam Bundesministerin Dr. Susanne Raab und BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner. Leider konnten wir nicht zur Networkingnight am zweiten Tag bleiben – dem Vernehmen nach war diese aber sehr unterhaltsam.

Die Stimmung in der Branche würden wir nach einer kurzen Befragung einiger Teilnehmer als gespannt, aber zuversichtlich bezeichnen. Dieses Build ergibt auch unsere am BVL Logistik-Dialog 2022 gedrehte Blogtour wieder: https://youtu.be/FPhCX-1KapQ

Zusammengefasst stellen wir fest: Es gibt zahlreiche Probleme – Krieg am Rande Europas, mangelndes Personal insbesondere bei den Frächtern, stark steigende Energie- und Treibstoffkosten, hohe Inflationsraten etc. Aber die Logistikbranche ist sich ihrer Bedeutung mehr denn je bewusst und stark gewillt, Lösungen anzubieten – im Sinne und für das Wohl aller!
Mehr auf www.bvl.at

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022

 


ECOMLOG21: „Automatisierung in nicht gekanntem Ausmaß“

Der 6. eCommerce Logistik-Day widmete sich wieder der Zukunft des Online-Handels und bot neben spannenden Diskussionen konkrete Lösungsansätze für die Bereiche Intralogistik und den Paketversand. Als Hybrid-Event war er nur für einen exklusiven Teilnehmerkreis in den Räumen des Österreichischen Handelsverbandes live erlebbar. Sämtliche Vorträge und Podiumsdiskussionen wurden jedoch aufgezeichnet und sind in voller Länge abrufbar.

Redaktion: Marcus Walter.

Nur in den Pausen spürte man den Unterschied: Als Hybridveranstaltung zählte der 6. eCommerce Logistik-Day (eComLog21) am 9. September naturgemäß nur wenige Teilnehmer. Corona forderte von dem traditionellen Event in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal seinen Tribut, was der Qualität der gebotenen Inhalte aber nicht schadete. Lediglich das Networking zwischen den spannenden Vorträgen litt aufgrund der geringeren Zahl potenzieller Gesprächspartner. Auf der Bühne zeigte sich hingegen das gewohnte Bild: Wie immer führte Moderator Bernd Kratz mit großem Sachverstand durch den Nachmittag und sorgte vor allem während der zwei Podiumsdiskussionen mit fundierten Fragen für angeregte Gespräche. Der geschäftsführende Gesellschafter der Management-Beratung EMA ist zugleich Mitgesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels IDIH, einem der eComLog-Kooperationspartner.

New Digital Deal für die Zukunft des Handels.
Der 6. eCommerce Logistik-Day beleuchtete die beiden Themenbereiche Online- und Offline-Handel sowie die Intralogistik. In seiner Keynote forderte Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich, einen „New Digital Deal“ als Zukunftskonzept für den Handel nach der Coronakrise. Zu den Megatrends gehören die Sektoren Sicherheit und Gesundheit. Überzeugende Lösungen in der Bekämpfung von Cyber-Kriminalität, mehr Datenschutz, das Verhindern von Blackouts, der Schutz digitaler Identitäten sowie die Blockchain-Technologie werden den Handel stark beschäftigen. Gleiches gilt für die Neo-Ökologie mit ihren Themen Regionalität, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Green Commerce, Zero Waste oder Minimalismus. Als dritten Megatrend nannte Will die Konnektivität. Hierunter versteht er unter anderem die weiter zunehmende Bedeutung des Omnichannel-Vertriebs sowie das konsequente Fokussieren auf den Kunden und die „Customer Journey“.

An die Regierung appellierte Will, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in einigen Punkten angepasst werden müssten. Zu den Forderungen seines Verbands gehören deshalb eine Senkung der Lohnnebenkosten und die Durchsetzung der globalen Mindeststeuer und mehr Steuergerechtigkeit. Als Beispiel für die derzeitigen Missstände nannte er Amazon. Der Konzern habe in den letzten 10 Jahren Steuergutschriften für seine Geschäfte außerhalb der USA in Höhe von 13,4 Mrd. EUR kassiert.

Nachhaltigkeit bleibt Dauerthema.
Im Anschluss startete die erste Podiumsdiskussion: Sie ging der Frage nach, wie sich der Handel vor dem Hintergrund der Pandemie in Zukunft entwickeln wird. Einigkeit herrschte darüber, dass der Wunsch nach Nachhaltigkeit auch nach der Pandemie eine tragende Rolle bei den Verbrauchern spielen wird. „Viele haben geglaubt, das Thema Nachhaltigkeit würde im Zuge der Coronakrise zugunsten der Wirtschaftlichkeit wieder verschwinden“, betonte Roman Stiftner, Präsident der Bundesvereinigung Logistik Österreich. Diese Einschätzung sei jedoch fatal und jedes Unternehmen sei gut beraten, sich ernsthaft mit der Nachhaltigkeit seiner Produkte und Lieferketten auseinanderzusetzen. „Das Thema Nachhaltigkeit wird bleiben,“ so Stiftner.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Krise sei die mangelnde Resilienz der bestehenden Lieferketten, die zum großen Teil von Lieferungen aus China abhängen. Das habe man am Beispiel der Antibiotika gesehen, die überwiegend in China produziert werden und zwischenzeitlich nicht mehr lieferbar waren. In Zukunft müssten die Lieferketten wieder unabhängiger von China werden.

Bezüglich Nachhaltigkeit und Resilienz ist man bei der Modekette C&A schon einen großen Schritt weiter: Norbert Scheele, der bei C&A die Geschäfte in Österreich sowie Ost- und Südeuropa verantwortet, berichtete von einer neuen Produktionsanlage seines Unternehmens für Jeanshosen in Deutschland. „Wir haben uns vor drei Monaten entschlossen, eine Jeans-Fabrik in Mönchengladbach zu bauen“, bestätigte Scheele. Durch die regionale Herstellung verbessere sich zugleich die Zuverlässigkeit und die Ökobilanz, da weite Transportstrecken vermieden werden können.


Verstärkter Einkauf in Europa.

Auch beim weltweit agierenden Möbelhaus IKEA denke man über eine geänderte Einkaufsstrategie nach. „Wir sehen Tendenzen, dass wir verstärkt in Europa einkaufen werden“, erklärte Claes Axel Lindgren, Country Customer Fulfillment Manager bei der IKEA Möbelvertrieb OHG in Vösendorf.

Von einem ähnlichen Vorgehen berichtete Andrea Heumann, Mitglied der Geschäftsleitung der Thalia Buch & Medien GmbH mit Sitz in Linz. Im Buchbereich sei die Lieferkette zwar nicht bedroht gewesen, aber in anderen Sortimentsbereichen wolle man künftig „vermehrt auf Partner in Europa setzen, um die Lieferwege zu verkürzen“, so Heumann. Ziel sei ein guter Lieferanten-Mix, um in Krisensituationen flexibler aufgestellt zu sein.

Simon Hotinceanu, Experte für die Logistik-Steuerung bei der UNITO Versand & Dienstleistungen GmbH aus Salzburg sieht hingegen „eine weitere Zunahme der globalen Verflechtungen“. Dies gelte zumindest für kritische Bereich wie die Produktion von Mikrochips.


Nicht auf einzelne Partner verlassen.

Um die Konsequenzen aus der Corona-Krise ging es anschließend auch im Vortrag von Günter Birnstingl, Managing Director Austria der Berliner Seven Senders GmbH. Der frühere DHL-Manager betonte, dass die europäischen Paketdienstleister durch die rapide Zunahme des Sendungsaufkommens zunehmend unter Druck geraten.

„Dieser Trend ist auch schon ohne Covid dagewesen,“ stellte Birnstingl fest. Umso mehr komme es jetzt darauf an, sich in der internationalen Paketlogistik nicht auf einzelne Dienstleister zu verlassen, sondern mit mehreren Unternehmen zu kooperieren. Hier bietet Seven Senders eine sichere und komfortable Lösung, mit der Versender über eine zentrale Plattform mit vielen Anbietern zusammenarbeiten können.

Seven Senders ermöglicht den Zugang zu mehr als 100 Firmen, so das für jedes Land und jeden Bedarf die jeweils bestmögliche Versandform gewählt werden kann. Zu den Auswahlkriterien gehöre nicht zuletzt auch der CO2-Ausstoß. In diesem Zusammenhang wies Birnstingl darauf hin, dass bereits 57 Prozent der Versender bereit seien, einen Aufpreis für klimaschonende Transportlösungen zu bezahlen.

 

Intralogistik.
Mit seinem Vortrag über „Geschwindigkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit als Wettbewerbsvorteil in einer dynamischen Handels- und Logistikwelt“ wechselte Joachim Kieninger das Thema von der Paket- zur Intralogistik. Der Director Strategic Business Development bei der Element Logic Germany GmbH veranschaulichte am Beispiel des automatischen Lager- und Kommissioniersystem AutoStore, wie schnell sich Versender auf veränderte Marktanforderungen einstellen können. Anhand mehrerer Kundenbeispiele und einem Video machte Kieninger klar, warum im Kleinteilebereich derzeit niemand an einer AutoStore-Lösung vorbeikommt. Zu den Vorteilen der norwegischen gehört die beliebige Skalierbarkeit der Lösung innerhalb kürzester Zeit. Dies kann zum Beispiel durch einen Anbau des Rasters oder durch den Einsatz zusätzlicher Roboter geschehen.


Kapazitäten mieten statt Kaufen.

Dass man diese Roboter nicht gleich kaufen muss, sondern bei saisonalen Spitzen auch mieten kann, erläuterte Markus Grabner in seinem anschließenden Vortrag, bei dem es ebenfalls um die Effizienz und Flexibilität der Auto-Store-Lösung ging. Grabner ist Senior Sales Manager bei der Reesink Logistic Solutions Austria. Reesink ist weltweit der erste von AutoStore lizensierte Distributor, der die flexiblen Roboter von AutoStore offiziell vermieten darf.

Kurzfristig ausgefallen war der Vortrag von Roman Schnabl, Vice President der KNAPP AG. Hier zeigte sich ein großer Vorteil von Hybrid-Veranstaltungen, denn dieser Teil konnte innerhalb der nächsten Tage via Zoom nachgereicht werden. Schnabl berichtete über Trends in der Value Chain und Logistik und beantwortete die Frage, wie KI-basierte Technologie die Welt der intelligenten Logistik verändert. „Schon heute können unsere Pick-it-easy-Robots mit Hilfe künstlicher Intelligenz und einer gemeinsam genutzten Cloud voneinander lernen, um so die Qualität der Prozesse kontinuierlich zu steigern“, berichtete Schnabl. Dabei handele es sich nicht um Zukunftsvisionen, sondern um „reale Lösungen, die bereits weltweit im Einsatz sind“.

Handel in China: Mehr als 50 Prozent digital.
Von der Intralogistik zurück zur Versandlogistik beförderte anschließend der Vortrag von Walter Trezek, der Vorsitzende des beratenden Komitees des Weltpostvereins. Mit Blick auf andere Kontinente prognostizierte Trezek ein weiter anhaltendes starkes Wachstum der Paketlogistik.

„In China werden bereits mehr als 50 Prozent des Einzelhandels digital abgewickelt,“ berichtete Trezek. Alles, was online verkauft und zugestellt werden kann, werde früher oder später über diesen Vertriebsweg laufen. Vor allem wies der langjährige Post-Experte darauf hin, dass sich Versender auf neue gesetzliche Anforderungen einstellen müssen. Konkret gehe es um die verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand, wodurch Zustelleffizienz und Nachhaltigkeit steigen werden.

„Diese Regelung gilt seit Juli 2021 für Warensendungen innerhalb Europas“, betonte Trezek. Als letzter Referent des Tages informierte Florian Seikel, Geschäftsführer der Logistic Natives über ein Pilotprojekt, mit dem osteuropäische Staaten einen vereinfachten Marktzugang zur EU erhalten sollen. Die Logistic Natives haben dafür ein virtuelles Warenhaus konzipiert, mit dessen Hilfe lokale Produkte aus Armenien, Aserbaidschan und Georgien in der EU angeboten und vermarktet werden können.


Mehr Nähe zur EU.

Bei der Pilotlösung handelt es sich um ein virtuelles Lager beziehungsweise einen digitalen Katalog lokaler Waren. „Die Lösung bietet Verkäufern einen zentralen Ort zur Eingabe von Daten, die Zoll- und Transportdienstleiter für den grenzüberschreitenden E-Commerce benötigen“, erklärt Seikel. Nicht zuletzt sollen die genannten Länder Armenien, Aserbaidschan und Georgien durch das Projekt schrittweise an die EU herangeführt werden.

Nach seinem Vortrag stand Seikel gemeinsam mit Kieninger, Grabner und Trezek für die zweite Podiumsdiskussion zur Verfügung. Diese stand unter dem Titel: „Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – wie wird sich die Logistik auf zukünftige Notsituationen vorbereiten“. Moderator Bernd Kratz formulierte daraus die Frage, ob es in der Handelslogistik künftig weniger um Kostensenkungen als vielmehr um das Bewältigen der enormen Sendungsmengen gehen werde. Nach Meinung von Joachim Kieninger träfe diese Einschätzung „den Nagel auf den Kopf“. Der Intralogistik-Spezialist berichtete, dass er für seine Kundenprojekte nur noch selten Amortisationsrechnungen aufstellen müsse. „Treiber sind heute ganz andere Dinge: Da geht es vor allem um die mangelnde Verfügbarkeit von Mitarbeitern oder das Einhalten von Mindestabständen aus Gründen des Infektionsschutzes“, erklärte Kieninger. In beiden Fällen sei Automatisierung die passende Antwort, um nicht zuletzt auch die steigenden Sendungsmengen bewältigen zu können.

30 Prozent Kosteneinsparung auf der letzten Meile.
Auch für die letzte Meile sei eine zunehmende Automatisierung die passende Lösung. „Wir werden eine Automatisierung der letzten Meile in nicht gekanntem Ausmaß erleben“, prognostizierte Walter Trezek. Demnächst würden die Zustellfahrzeuge automatisch vorgeladen vom Fahrer übernommen. Der Zusteller müsse sich im Fahrzeug mit seinem mobilen Datenterminal identifizieren, bevor die dynamische Routenplanung und anschließend die Auslieferung gestartet werde. Außerdem werde der Fahrer durch Roboter unterstützt, die ihm schon das nächste Paket bereitlegen würden. Nach dem Beenden der Tour kann der Fahrer im Hub das nächste vorgeladene Fahrzeug übernehmen und eine zweite Tour beginnen. „Das ist keine Zukunftsmusik“, betonte Trezek, der das enorme Kosteneinsparpotenzial verdeutlichte. „Die letzte Meile verursacht derzeit noch rund 45 Prozent der Zustellkosten. Diese lassen sich um 30 Prozent reduzieren“, ist Trezek überzeugt.

Die weitere Diskussion brachte noch zahlreiche andere Aspekte der notwendigen Automatisierung in den Bereichen Intra- und Zustelllogistik hervor. Bei Interesse können beide Podiumsdiskussion und sämtliche Vorträge des 6. eCommerce Logistik-Days in vollständiger Länge abgerufen werden.
(MW)

Mehr auf https://www.logistik-express.com/ecommerce-logistik-day/

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

ECOMLOG21: Pandemie als Entwicklungs-Motor für die Logistik

Beim 6. eCommerce Logistik-Day 2021 Anfang September dreht sich alles um die pandemiebedingte Beschleunigung technischer und organisatorischer Entwicklungen in der Intra-, Distributions- und Versandlogistik. Wie schon im Jahr 2020 wird die Veranstaltung als Hybridform stattfinden.

Redaktion: Angelika Gabor.

Vor einigen Jahren noch undenkbar, hat sich die Hybrid-Form des Business-Events als voller Erfolg erwiesen. Am 9.9.2021 findet der 6. eCommerce Logistik-Day in Wien beim österreichischen Handelsverband statt. Kooperationspartner ist wie gewohnt neben dem Handelsverband auch das IDIH Institut des Interaktiven Handels. Durch die Veranstaltung führen wird wie bisher der Mit-Initiator des eCommerce Logistik-Tages, Bernd Kratz, Managing Director der EMA GmbH.

Während die Sprecher teilweilweise vor Ort sind – natürlich unter Einhaltung der jeweils gültigen Hygienemaßnahmen – können Sie bequem „on demand“ Vorträge und Podiumsdiskussionen mitverfolgen. Unternehmen haben noch die Möglichkeit, einen Speaker-Slot zu buchen.

(Logistik)Welt im Wandel.
Die Corona-Pandemie erwischte die Wirtschaftswelt völlig unvorbereitet und quasi ohne Vorwarnung. Und plötzlich wurde wahr, wovon Viele insgeheim schon lange träumten: die Logistik wurde über Nacht als systemrelevant anerkannt. „Die Logistik war zwar schon immer einer der bedeutendsten Faktoren der Wirtschaft, allerdings wurde dieses oftmals nicht wahrgenommen. Vielmehr wurde es als eine Selbstverständlichkeit erwartet, dass die Warenströme einwandfrei und verlässlich funktionierten, die Regal im stationären Handel stets gefüllt waren“, fasst Bernd Kratz zusammen. Leere Regale waren bis dahin eine Seltenheit, und plötzlich – Hamsterkäufen sei Dank – herrschte in manchen Produktbereichen gähnende Leere im Supermarkt.  Zur Angst vor dem Virus kam plötzlich die Versorgungsangst. Die weltweiten Logistikketten rissen ab und sind teilweise bis heute noch nicht völlig wiederhergestellt. Während sich die Situation im Lebensmittelbereich wieder normalisiert hat, stehen einige Produktionen still. Besonders stark betroffen: die Automobilindustrie, die unter einemb eklatanten Halbleitermangel leidet. Ehrlicherweise muss aber gesagt sein, dass dieser Mangel wohl auch ohne Corona bestünde. Fakt ist: globale Lieferketten kamen gewaltig ins Trudeln und plötzlich stellte sich vermehrt die Frage, ob dieses Outsourcing rund um den Globus wirklich so optimal ist.

Automatisierung als Ausfallschutz.
Eine Maschine wird nicht krank. Sie muss auch keinen Abstand halten. So einfach lässt sich zusammenfassen, warum die Erhöhung des Automatisierungsgrades in Produktionsstätten eine neue Bedeutung erhalten hat. „Die Automatisierung dient nicht wie zuvor nur zur Kostensenkung, sondern auch zur Sicherstellung und Aufrechterhaltung eines Betriebs durch eine Reduzierung der Infektionsgefahr innerhalb des Personals“, berichtet Kratz.

Bestes Beispiel hierfür sind die Paketzentre.
Der Lockdown sorgte für eine Paketflut, wie man sie sonst nur vom Weihnachtsgeschäft kennt. Die KEP-Dienstleister mussten ihre Kapazitäten und gleichzeitig die Zustellgeschwindigkeit binnen kürzester Zeit stark ausweiten, Prozesse straffen und die Automatisierung verstärken. In seinem Vortrag „Die saisonalen Spitzen der Auftragsabwicklung im Retail smart und effizient bewältigen“ zeigt Markus Grabner, Senior Sales Manager bei Reesink Logistic Solutions Austria Möglichkeiten auf, solche Schwankungen elegant zu meistern. Auch im Beitrag von Joachim Kininger, Director Strategic Business Development, Element Logic Germany GmbH, dreht sich alles um Volatilität – und wie man sie sich zu Nutzen macht: „Geschwindigkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit als Wettbewerbsvorteil in einer dynamischen Handels- und Logistikwelt“ lautet sein Vortragsthema. Des Weitern folgt von DI (FH) Roman Schnabl, Vice President Product Management der KNAPP AG ein spannender Beitrag zu Trends in der Value Chain und Logistik – Wie KI-basierte Technologie die Welt der intelligenten Logistik verändert.

Digitalisierung unumgänglich Schon seit Jahren ist die Logistikbranche von Innovation und Digitalisierung getrieben – Track & Trace-Informationen zum Beispiel sind offline unmöglich zu realisieren. Durch die Pandemie erhielt diese Entwicklung einen weiteren Schub. In seinem Vortrag „Der datengestützte moderne Handel und die Digitalisierung der Warenströme“ wird Walter Trezek, Vorsitzender des beratenden Komitees des Weltpostvereins von aktuellen Entwicklungen und neuen Realitäten erzählen. Wer im Lockdown sitzt und trotzdem einkaufen möchte, hat nur eine Alternative: Distanzhandel. Florian Seikel Geschäftsführer Logistic Natives e.V., Berlin, gewährt daher Einblicke in „Das virtuelle Warenhaus – der internationale & digitale Handel.“ Mindestens genauso spannend wird der Beitrag von Günter Birnstingl, Managing Director Austria bei Seven Senders: „Wie Corona die Versandlogistik verändert hat – Chancen und Herausforderungen im europäischen Cross-Border Versand.“

Zudem freuen wir uns sehr auf die Speaker – Harald Gutschi, Geschäftsführer der UNITO Gruppe und Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband u.v.m.. Den Abschluss der Veranstaltung bildet die geführte Podiumsdiskussion „Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – wie wird sich die Logistik auf zukünftige Notsituationen vorbereiten?“. Hoffentlich gut! (AG)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Wer hätte das gedacht? E-Commerce ist doch nicht so böse

Viele halten die momentane, Lockdown bedingte Paketflut für einen ökologischen Supergau – schließlich müssen all die Pakete auch zugestellt werden. Studien zeigen jedoch: im Vergleich zum stationären Einkauf entstehen beim Onlineshopping sogar weniger CO2-Emissionen. Best Practice dazu: die UNITO-Gruppe liefert seit 1.1.2021 CO2-neutral.

Redaktion: Angelika Gabor.

Im Übereinkommen von Paris beschlossen knapp 190 Länder, durch eine Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen so stark zu reduzieren, dass der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt wird. Sieht man sich die aktuellen Werte an, sieht die Prognose eher düster aus. Umso wichtiger und richtiger ist es, dass Unternehmen sich selbst ambitionierte Ziele stecken, die Zukunft zu sichern. Die UNITO-Gruppe – hierzu zählen beispielsweise die Marken OTTO Österreich, Universal, Quelle und LASCANA – hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 vollständige Klimaneutralität zu erreichen. Möglich macht dies unter anderem die Partnerschaft mit den Logistikdienstleistern Österreichische Post und Gebrüder Weiss.

Im Kalenderjahr 2020 wurden in Österreich, Deutschland und der Schweiz 6,5 Millionen Sendungen für UNITO bewegt, das entspricht rund 1.500 Tonnen CO2. Alleine zu Weihnachten stieg das Sendungsvolumen um mehr als 30 Prozent. Die Bestellmengen werden auch nach Ende der Corona-Pandemie hoch bleiben, erwartet Mag. Harald Gutschi Sprecher der Geschäftsführung UNITO-Gruppe/Otto Group: „Die Menschen fühlen sich wohl beim Onlineshopping. Sie bestellen mehr und vor allem bewusster, so konnten wir im letzten Jahr 20 Prozent weniger Retouren verzeichnen.“ Einen Grund hierfür sieht er auch in der Qualität des Onlineshops: gute Bilder, ausführliche Beschreibungen und auch die Bewertung andere Kunden würden einen aussagekräftigen Gesamteindruck vom Produkt vermitteln und so die Kaufentscheidung erleichtern. Bei diesen Mengen ist der ökologische Fußabdruck natürlich gewaltig. „Unserem Vorstand (insbesondere Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Michael Otto, Anm.) ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, und mir persönlich ein großes Anliegen. Wir haben keinen Planeten B“, so Gutschi. „Die Welt ist in Bewegung, und auch die Kunden wünschen sich Regionalität und Klimaschutz und langsam steigt auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.“ Darum werden ALLE Bestellungen der Gruppe seit 1. Jänner 2021 CO2-neutral zugestellt.

Stationär vs. Onlinehandel.
Für die Studie „Klimafreundlich einkaufen – eine vergleichende Betrachtung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel“ beleuchtete das DCTI Deutsches CleanTech Institut die Transportwege verschiedener Produkte vom Zentrallager zum Kunden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Käufertypen, die bestimmte Lebens- und Einkommenssituationen haben und sich unterschiedlich verhalten. Das überraschende Ergebnis: durch den verdichteten Transport der Sendungen durch Paketdienstleister entstehen pro Sendung weniger CO2 Emissionen als beim individuellen Einkauf im stationären Handel – schließlich wird je nach Region ein überwiegender Teil der Einkaufsfahrten mit dem Auto getätigt. Sieht man sich als Beispiel den Kleinartikel Handy an, entstehen beim Kauf im Geschäft zumindest 450 g CO2, wohingegen durch die Bündelung bei der Lieferung aus dem Onlineshop maximal 310 g CO2 freigesetzt werden. Auch bei Großartikeln, wie beispielsweise einem Sofa, fällt die Bilanz mit 8,4 kg zu 8 kg CO2 weniger deutlich, aber dennoch positiv für den Versandhandel aus. In Summe gesehen sind die Einsparungen enorm, denn die Österreichische Post stellt derzeit mehr als 700.000 Pakete pro Tag für UNITO zu und im vergangenen Jahr lieferte Gebrüder Weiss rund 540.000 Großartikel wie Kühlschränke oder Möbel an Haushalte in Österreich.

Starke Partner.
Vermeiden, reduzieren und kompensieren – so die Strategie der UNITO. Bei einem Onlinehändler spielt aber auch die Wahl der Logistikpartner eine wesentliche Rolle in der Gesamtbilanz. In Österreich setzt das Unternehmen daher auf zwei Partner, die sich selbst schon lange der Nachhaltigkeit verschrieben haben. So stellt etwa die Österreichische Post AG bereits seit 2011 sämtliche Briefe, Pakete, Zeitschriften und Werbesendungen CO2-neutral zu. „Wir waren weltweit der Vorreiter bei der CO2-neutralen Zustellung, und bis 2030 wollen wir auf der letzten Meile sogar CO2-frei sein“, bestätigt DI Dr. Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Post AG. Derzeit läuft ein massiver Umbau, um dem steigenden Paketaufkommen Herr zu werden: dezentrale Logistikstandorte, eigene Photovoltaikanlagen und die Zusammenführung der Brief- und Paketinfrastruktur helfen, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. „Durch den Einsatz von Elektromobilität konnten wir zwischen 2014 und 2019 bereits 4.396 Tonnen CO2 einsparen, und unser E-Fuhrpark wächst weiter an.“ So wird Graz 2021 als erste Stadt in Österreich mit 100% emissionsfreier Zustellung zum neuen Vorreiter in puncto Klimaschutz bei der Post. Mit Elektrofahrzeugen hat die Post schließlich Erfahrung, denn schon im Jahr 1913 wurde mit dem Daimler-Tudor Elektro-Paketwagen elek-trisch zugestellt. Heute umfasst die E-Flotte bereits mehr als 2.100 moderne Fahrzeuge, die mit Strom aus den fünf hauseigenen PV-Anlagen betrieben werden. „Aktuell nicht vermeidbare Emissionen kompensieren wir durch Zertifikate 72 nationaler und 75 internationaler Klimaschutzprojekte – geprüft und bestätigt vom TÜV AUSTRIA“, führt Pölzl aus.

Für die Auslieferung größerer Artikel vertraut UNITO auf Gebrüder Weiss – das älteste Transportunternehmen der Welt mit mehr als 500jähriger Firmengeschichte. „Gerade im Lockdown konnte man den Stellenwert der Logistiker bei der Versorgungsleistung der Bevölkerung erkennen. Die Fahrer wurden quasi zu den Krankenschwestern der Logistik“, meint Dipl.-Bw. Jürgen Bauer, MBA, Mitglied der Geschäftsführung der Gebrüder Weiss Gesellschaft m.b.H. „Seit jeher ist unsere Kernkompetenz, Transporte effizient zu bündeln, wodurch der Einfluss auf die Umwelt minimiert wird.“ Gezielte Maßnahmen im Rahmen der GWcares Initiative zielen gleichermaßen auf soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ab. „Unser Ziel ist es, unseren CO2-Ausstoß jährlich um 10 Prozent zu reduzieren und bis 2030 komplett CO2-neutral zu agieren“, verkündet Bauer. Während in der letzten Meile bereits E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen, setzt das Unternehmen für die europaweite Hauptlaufüberwindung auf Gas-LKW als Brückentechnologie. „Gemeinsam mit Kunden planen wir, Konzepte für angrenzende Länder mit Elektrofahrzeugen zu erstellen. Momentan scheitert es Großteils an der mangelnden Ladeinfrastruktur.

In der Schweiz machen wir mit Wasserstoff-LKW sehr gute Erfahrungen, aber für Österreich ist das aktuell nicht umsetzbar“, bedauert Bauer. Auch hier fehle es an der Ladeinfrastruktur, rund 15 Wasserstoff-Tankstellen mit ausreichendem Ladedruck für die Betankung eines LKW seien nötig für einen flächendeckenden Einsatz in Österreich. Bis dahin helfen Photovoltaik-Anlagen auf Logistik-Terminals, ein eigener Windpark, Pool-Fahrzeuge und E-Bikes für Mitarbeiter und klimafreundliche Schienentransportlösungen wie der Ganzzug Orange Combi Cargo für die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Auch hier wird der Rest kompensiert, im Falle der UNITO unterstützt Gebrüder Weiss ein zertifiziertes Energieef-fizienz-Projekt in Ruanda. Das langfristige Ziel: bis 2030 auch ohne Kompensation 100 % Klimaneutralität zu erreichen. Auch wenn die Corona-Pandemie momentan die Medien und den Alltag als Thema Nr. 1 beherrscht, so darf trotzdem nicht auf das Klima und die Nachhaltigkeit im unternehmerischen Tun vergessen werden. Die UNITO-Gruppe, Post und Gebrüder Weiss zeigen, dass mit Innovation und Wille ökolo-gische Lösungen umsetzbar sind, die nicht im Widerspruch zum unternehmerischen Erfolg stehen. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Des einen Leid, des anderen Freud: Corona als Digitalisierungs-Push

Mit der Verkündung des zweiten harten Lockdowns Mitte November bis voraussichtlich 6. Dezember 2020 wurden gleichzeitig weitere Unternehmer in den Ruin getrieben. Der Onlinehandel hingegen freut sich kurz vor Weihnachten über noch stärkere Zuwächse. Einer der Gewinner: die UNITO-Gruppe mit ihren bekannten Shops OTTO, Universal, Quelle, LASCANA und mehr.

Redaktion: Angelika Gabor.

Schon beim e-Commerce Logistik Tag im September zeigte sich Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe, sehr zufrieden über die Umsatzentwicklung. Denn nach einem kurzen Einbruch der Bestellungen zu Beginn der Pandemie sind die Umsätze schier explodiert: „Zuerst waren es Kühlschränke, Schreibtische und Laptops sowie Jogginghosen, danach waren Swimmingpools und Fahrräder ausverkauft. Während des Lockdowns hatten wir teilweise kurzfristig Wachstumsraten von 100 Prozent im Vergleich zu 2019.“

Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe im Zeitraum vom 1. März bis 31. August 2020 einen Gesamtumsatz von 201,5 Millionen Euro, ein Plus von 12,8 Prozent. Noch deutlicher der Zugewinn im reinen Warengeschäft: 18 Prozent mehr Umsatz – im Vergleich zu einem Marktwachstum von 7 Prozent laut „E-Commerce-Studie Österreich 2020“der KMU Forschung Austria.

Sieht man sich die Segmente genauer an, muss sich das Umsatzwachstum von 41 Prozent bei den „Stay at home“-Artikeln (Haushaltswaren, Möbel, Heimtextilien) nur jenem von 54 Prozent im Baumarkt-Segment geschlagen geben. Denn wer zu Hause bleiben muss, möchte es zumindest schön und bequem haben. Die Gruppe erntet nun die Früchte davon, sich schon in den letzten Jahren vom Kataloghändler zum Onlinespezialisten gewandelt zu haben. „Etwa alle 100 Jahre gibt es so Einmal-Effekte wie eben jetzt diese Pandemie, die zu einem Umbruch, einer Beschleunigung der gesellschaftlichen Entwicklung führt. Dieser „digitale Arschtritt“ hat uns in der Entwicklung um etwa fünf Jahre nach vorne katapultiert. Die Verlagerung in den Onlinehandel wäre unweigerlich gekommen, aber schrittweise. Die jetzige Änderung ist aus meiner Sicht irreversibel.“ Schließlich würden die Kunden zunehmend die Bequemlichkeit und zeitliche Unabhängigkeit des eCommerce zu schätzen wissen – und zwar alte, wie auch neue.

Die Zuwächse hat das Unternehmen nämlich nicht nur treuen Stammkunden zu verdanken, sondern auch beinahe 400.000 Neukunden, die während des Lockdowns erstmals bei einem der UNITO-Onlineshops bestellt haben. „Besonders erfreulich für uns ist, dass es sich um hochwertige neue Kunden mit gutem Nachfolgeverhalten handelt, es bleibt also nicht bei Einmalbestellungen“, zeigt sich Gutschi begeistert. Gleichzeitig ist die Retourenquote stark gesunken, liegt je nach Produktgruppe zwischen 7 und 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Gründe hierfür sind neben Struktureffekten (weniger Textilien) bessere Produktbeschreibungen und vor allem eine selektivere Bestellung durch die Kunden. Es zeigt sich, dass viele Menschen durch diese erzwungene Pause im stationären Handel auf den Geschmack gekommen sind und etwaige Berührungsängste verloren haben. „Zu Beginn der Krise spürten wie die Dankbarkeit der Kunden für die Versorgungsfunktion während des Lockdowns, doch sehr schnell kristallisierte sich dann ein sehr hohes Anspruchsdenken heraus. Lieferzeiten von mehreren Wochen sind inakzeptabel“, so Gutschi.

Logistik als Lebensader.
Der beste Onlineshop ist nur so gut wie seine Logistik, denn schließlich müssen die Waren auch zum Kunden gebracht werden – und das möglichst schnell und unkompliziert. Die Zuverlässigkeit und damit der Erfolg eines Unternehmens sind untrennbar mit der Zustellung verknüpft. In Österreich setzt UNITO auf die Post und Gebrüder Weiss als Partner bei der Zustellung. Die Logistikstandorte sind dezentral organisierte 24h-Läger. Bei den Zustellungsvarianten fordert Gutschi mehr Mut und Kreativität: „Der Kunde möchte seinen Laptop so schnell wie möglich. Also warum verlange ich nicht 15 Euro extra für Same-Day-Delivery, statt nur gratis Abholung zu bieten? Das Abendessen wird ja auch für zwei Euro extra geliefert. Der Warenrohertrag ist in den letzten Jahren stetig gesunken, da kommen neue Erlösströme genau recht.“ Wichtig sei die Zufriedenheit der Kunden, denn dann würden sie auch öfter kaufen.

Aufschwung durch US-Wahlergebnis.
Die USA sind nach Deutschland der zweitgrößte Exportmarkt für Österreichs Unternehmen, unzählige Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von einem uneingeschränkten Handel mit den USA ab. Handelskonflikte wirken sich negativ auf die Unternehmen und die Beschäftigten und somit natürlich auch unmittelbar auf deren Kaufkraft aus. „Die Welt atmet auf“, fasst Gutschi das Wahlergebnis treffend zusammen. Der unmittelbare Aufschwung an den Börsen war ein deutliches Signal. „Es ist wichtig, dass der amerikanische Präsident als Führer der freien Welt zu seinem Wort steht und verlässlich ist. Biden wird den Freihandel forcieren und es wird wieder ein kultivierterer, zivilisierterer Umgangston herrschen – wenngleich auch er ein durchaus harter Verhandlungspartner sein kann“, meint Gutschi und fügt an: „hätte Trump die Coronakrise besser gemanagt, hätte er vermutlich wieder gewonnen.“ Doch im Coronajahr 2020 ist eben alles anders.

Aktuell blickt Handelsexperte optimistisch in die Zukunft: „Ich erwarte für 2021 eine spektakuläre Wiederauferstehung der Wirtschaft. Nach diesem gewollten Runterfahren werden die marktwirksamen Kräfte wieder greifen. Jammern ist keine unternehmerische Tätigkeit, das kommende Jahr wird super.“ (AG)

Die UNITO-Gruppe ist eine Tochter der Baur-Gruppe und Teil der Otto Group. Marken: Universal, OTTO, Quelle, Lascana, OKO (Österreich) Ackermann, Quelle, Lascana (Schweiz) sowie Quelle (Deutschland). 51.800 Mitarbeiter weltweit mit über 100 Unternehmen.

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 6/2020

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