Kann wirklich Interventionismus die Rettung sein?

Österreich und viele andere europäische Länder stöhnen unter den Energiepreisen, ein Preisdeckel soll das Problem lösen. Ob das so schlau ist? Die Verhandlungen dazu sind zäh – ebenso wie die der Kollektivvertrags-„Partner“. Erste Streiks lähmen bereits Wirtschaft und Alltagsleben, während man sich in anderen Ländern bereits die Hände reibt: ist Österreich als Industriestandort bald Geschichte?

Redaktion: Angelika Gabor

Beim Blick auf die Energiekostenabrechnung kommt derzeit vielen Österreichern das Grauen. Statt für Geschenke wird bei mehr Haushalten als je zuvor die Weihnachtsremuneration zur Abdeckung laufender Kosten herhalten müssen. Laut aktueller Umfrage des Instituts für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz will mehr als ein Drittel (38 %) der Befragten bei Geschenken sparen und weniger ausgeben als zuletzt – und das, wo in der Weihnachtssaison 2021 der stationäre Handel teilweise aufgrund der Pandemie geschlossen war.

Einzelne Bundesländer – wie beispielsweise Wien – haben Unterstützungsprogramme für Private, wie den Energiebonus oder die Energiekostenpauschale. Auf Europäischer Ebene wird weiter um eine Lösung zur Eindämmung der Großhandelspreise für Gas gerungen. Auch beim letzten Treffen der EU-Energieminister im Sonderministerrat kam es (wie erwartet) zu keiner Einigung, zu sehr sind die Standpunkte der Mitgliedsblöcke voneinander entfernt. Damit steht auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Länder auf dem Spiel, es droht eine industrielle Abwanderung – und damit direkt und indirekt der Verlust tausender Arbeitsplätze.

So prophezeit etwa Harald Mahrer, u.a. Präsident der österreichischen Bundeswirtschaftskammer, dass die Wettbewerbsfähigkeit mit dem Rest der Welt in vielen zentralen Bereichen verloren ginge, wenn nicht rasch gemeinsame Schritte aller EU-Staaten erfolgten. Alternativ müsste es seiner Meinung nach in Österreich ähnlich wie in Deutschland, mit dessen Wirtschaft wir besonders eng verbunden sind, ein nationales Rettungsprogramm geben. Im am 22. November präsentierten Vorschlag der EU-Kommission beinhaltet die Einführung eines „Preiskontrollmechanismus“ im Großhandel: im Unterschied zum von beispielsweise Frankreich, Griechenland und Spanien geforderten absoluten Gaspreisdeckel mit direkter staatlicher Subvention der Verbraucherpreise für Industrie und Haushalte sieht dieser Mechanismus erst dann ein Eingreifen vor, wenn der Referenzmarktpreis für LNG-Gas in den Niederlanden bei 275 Euro pro Megawattstunde liegt – und zwei Wochen lang 58 Euro über der globalen Benchmark.

Das dann vorgesehene automatische Aussetzen des Großhandels mit Gas soll zu einer Marktberuhigung führen. Denn ein absoluter Preisdeckel könnte zu Versorgungslücken führen, wenn Händler aufgrund des aus ihrer Sicht zu geringen Gewinnes die Belieferung einfach einstellen würden, weshalb sich Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Niederlande vehement dagegen aussprechen. Am Schluss war man sich einig, dass man sich nicht einig war – und dass im Dezember der nächste Sonderministerrat zum Thema „Gaspreisdeckel/Marktkorrekturmaßnahme“ stattfindet.

Einzige Ergebnisse: eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für die Erzeugung erneuerbarer Energie und ein Solidaritätsplan, quasi eine Beistandspflicht bei schweren Gasversorgungskrisen. Man hat fast den Eindruck, dass so lange gewartet wird, dass sich das Problem von selbst löst. Vielleicht haben die Entscheidungsträger die Hoffnung, dass Putin sich noch vor Wintereinbruch komplett zurückzieht und erklärt, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Die Sanktionen enden, Gas fließt wieder normal, die Preise sinken und alle stoßen mit einem zünftigen Sbiten (traditionelles russisches Getränk auf Honigbasis) auf das gegenseitige Wohl an. Noch ein paar nette Schulterklopfer und der Wiederaufbau kann beginnen.

Mehr Staat vs. freier Markt.
Die erfolgreiche freie Marktwirtschaft beruht darauf, dass Angebot und Nachfrage sich selbst und damit die Preise regulieren. Das stimmt auch, wenn allerdings ein unvorhergesehenes Ereignis wie der Krieg in der Ukraine und damit einhergehendes Chaos auf gewissen Märkten samt eklatanter Verknappung die Preise unverhältnismäßig in die Höhe schnellen lassen, wird der Ruf nach „mehr Staat“ und Regulierung von oben laut. Denn eigentlich soll der Staat im System der freien Marktwirtschaft lediglich die Bürger vor gewaltsamen Angriffen von innen und außen verteidigen.

In gewisser Weise könnte man aber sagen, dass unleistbare Energiepreise ein Angriff auf das Wohl und den Lebensstandard des Einzelnen bedeuten und ein Eingreifen durchaus gerechtfertigt ist. Ähnlich wie früher ein weiser König die Geschicke seiner Untertanen lenkte, wird nun eine staatliche Lösung für wirtschaftliche Probleme herbeigesehnt. Diese Eingriffe weit über die Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit hinaus nennt man Interventionismus. Was verlockend klingt, birgt durchaus Gefahren: der Eingriff in die Preisbildung und Gewinne – Stichwort Übergewinnsteuer – unterbricht den reibungslosen Ablauf der Marktwirtschaftsprinzipien. Was zu mehr Angebot führen soll, kann den gegenteiligen Effekt bewirken und einen ganzen Rattenschwanz an Folgen nach sich ziehen. Im aktuellen Fall würde das bedeuten, dass einfach weniger Gas nach Österreich geliefert wird. Würde die Regierung allerdings die Differenz zum Marktpreis aus Steuermitteln finanzieren, wäre zwar im ersten Moment dem einzelnen Verbraucher geholfen – aber im Endeffekt müssen wir es auf lange Sicht doch durch Steuererhöhungen ausbaden. So schätzt beispielsweise die deutsche Gas-Kommission die Kosten für die geplanten Entlastungen auf etwa 96 Mrd. Euro von März 2023 bis Ende April 2024. Wie man es auch dreht und wendet, die Situation ist verfahren. Gewinnabschöpfungen und Energierationalisierungen sind Gift für den Wirtschaftsstandort – welches Unternehmen siedelt sich freiwillig bei solchen Bedingungen an? Österreich gilt ohnehin als Hochpreisland – hohe Steuern, hohe Lohnnebenkosten. Und der Plafond ist nicht erreicht…

Kollektivvertrag und Streiklust.
Zum Glück leben wir nicht in Frankreich: dort gehen laut Statistik (datawrapper) pro Jahr durchschnittlich 150 Arbeitstage pro 1.000 Beschäftigte durch Streiks verloren. Während es bei unseren deutschen Nachbarn 16 Tage sind, rangiert Österreich aktuell mit 2 Streiktagen am unteren Ende der Tabelle. Sieht man sich die momentanen Kollektivvertragsverhandlungen an, könnte sich dieser Wert bald unangenehm erhöhen. Die Warnstreiks bei Brauern, Personal in Ordensspitälern und den Schienenbahnen (Personen- und Güterverkehr) sind nur der Anfang. Auch wenn in Österreich das Recht auf Streik im Arbeitskampf verfassungsrechtlich geschützt ist (Artikel 11 EMRK), hält sich das Verständnis dafür in der Bevölkerung oft in Grenzen. Sieht man sich die Diskrepanz zwischen den Positionen der Verhandler an, fragt man sich manchmal, in welcher Realität diese sich bewegen. Das Gefühl, dass der Stolz einzelner Beteiligter eine rasche Einigung verhindert, lässt sich nicht so leicht abschütteln. Fast so, als ob eine Gewerkschaft ihre Daseinsberechtigung daraus schöpft, in den Kampf zu ziehen – koste es, was es wolle.

Dabei ist die Ursprungsidee des Kollektivvertrags, der für gewöhnlich zwischen den Fachgewerkschaften des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) und den Fachorganisationen der Wirtschaftskammer ausverhandelt wird, durchaus praktisch: statt dass jedes Unternehmen sein eigenes Süppchen kochen muss, gibt es eine Leitlinie für die gesamte Branche. Die KV-Verhandlungen für die Metallindustrie, traditionell richtungsweisend für alle rund 450 Verträge, die jährlich neu ausverhandelt werden, hatten ein sattes Plus von bis zu 8,9 Prozent der Ist-Einkommen ergeben. Die Forderungen der Handelsangestellten, Brauer und Beschäftigten der Privatkrankenanstalten liegen bei mindestens 10 Prozent Gehaltsplus. So sehr ich dieses Bedürfnis nach mehr Gehalt nachvollziehen kann – eine tote Kuh kann man nicht melken. Die Auswirkungen der Pandemie sind längst nicht vorbei. Alleine in den ersten drei Quartalen sind in Österreich 3.482 Unternehmen in eine Insolvenz geschlittert, Tendenz steigend. Man darf nicht vergessen, dass die Arbeitgeber ja nicht nur das Gehalt, sondern auch die hohen Lohnnebenkosten stemmen müssen. Ein Hebel, mit dem der Staat übrigens sehr viel bewegen könnte: durch die schon lange geforderte Senkung dieser Nebenkosten könnte man auf einen Schlag die Einkommen erhöhen und sich somit die Regulierung sparen. Durch die damit einhergehende Steigerung der Kaufkraft ist auch der Wirtschaft geholfen – und das ohne Zinsanpassung.

Wirtschaftsstandort sichern.
Im World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development IMD belegt Österreich im Jahr 2022 international Rang 20, Rang 11 in Europa. Das ist um einen Platz schlechter als 2021. Aktuell investiert der Chemieriese BASF gerade 10 Milliarden Euro in einen neuen Verbundstandort in der südchinesischen Provinz Guangdong. Warum nicht in Europa? Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand: Regulierungen im Rahmen des Green Deals der EU, die gestiegenen Energiepreise und das rückläufige Wachstum in Europa machen Werke hierzulande unlukrativ. Andererseits sind Maßnahmen zum Klimaschutz dringend nötig, man kann nicht einfach darauf verzichten. Gesamtglobal betrachtet, ist es wohl egal, wo Emissionen durch Industrieanlagen entstehen. Aber im Hinblick auf den gewohnten Wohlstand können wir es uns in Österreich nicht leisten, sämtliche Produzenten zu vergraulen und somit unzählige Arbeitsplätze zu verlieren. Es ist ein schmaler Grat. Hoffentlich stürzen wir nicht ab. (AG)

LOGISTIK express Ausgabe 5/2022

 

Wie der Computer zum intelligenten Wesen wird

Immer mehr Unternehmen setzten zur Verbesserung ihrer Wertschöpfung auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Doch nach welchen Prinzipien funktionieren eigentlich KI-Programme und für welche Zwecke lassen sie sich nutzen? Aufschluss darüber gibt ein historischer Überblick.

Den Grundstein für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz legte der britische Mathematiker Alan Turing im Jahr 1936. Turing bewies, dass eine Rechenmaschine – eine sogenannte «Turingmaschine» – in der Lage ist, kognitive Prozesse auszuführen. Die Bedingung dafür ist, dass sich diese Prozesse in mehrere Einzelschritte zerlegen lassen und durch einen Algorithmus dargestellt werden können. 1950 entwickelte Turing ein Test-Verfahren, um zu prüfen, ob ein Computer selbständig denken kann. Hierfür führt eine Versuchsperson mit zwei unsichtbaren Gesprächspartnern ein Gespräch. Danach muss die Versuchsperson entscheiden, welcher der beiden Gesprächspartner der Computer war. Wenn mindestens 30 Prozent der Versuchspersonen den Computer nicht erkennen, gilt der Test als bestanden.

Aus Konferenz entsteht erstes KI-Programm.
Der Begriff «Künstliche Intelligenz» trat erstmals im Jahr 1956 am «Summer Research Project on Artificial Intelligence» in Erscheinung. Dies war eine ambitionierte, sechswöchige Konferenz, die am Dartmouth College in New Hampshire in den USA stattfand. Die Konferenz gilt als Geburtsstunde für das Fachgebiet «Künstliche Intelligenz» als wissenschaftliche Disziplin. Die Konferenzteilnehmer waren davon überzeugt, dass Denkprozesse auch ausserhalb eines menschlichen Gehirns möglich sind. Als Resultat der Konferenz entwickelten der Informatiker Allen Newell, der Programmierer Cliff Shaw und der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Simon das Programm «The Logic Theorist». Die Aufgabe des Programms war es, mithilfe von Logik und Vernunft mathematische Theoreme zu beweisen. Es wird als «erstes Programm für künstliche Intelligenz» bezeichnet.

Im Jahr 1966 entwickelte der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum den weltweit ersten Chatbot Eliza. Dieser war so programmiert, dass der Eindruck entstand, er könne die Rolle eines Psychotherapeuten einnehmen. Das Programm reagierte allerdings lediglich auf Schlüsselworte und antwortete häufig mit Fragen oder allgemeinen Phrasen. Auch war der Dialog mit dem Chatbot nur über eine Computertastatur möglich. Weizenbaum war überrascht, mit welch einfachen Mitteln man Menschen die Illusion vermitteln kann, ein Gespräch mit einem Partner aus Fleisch und Blut zu führen. Viele Probanden hatten nämlich den Eindruck, der virtuelle Psychotherapeut hätte Verständnis für ihr Problem.

Wird menschliche Intelligenz überflüssig?
Die 70er-Jahre waren geprägt von einem wissenschaftlichen Streit über das Potenzial von Künstlicher Intelligenz für praktische Anwendungen. Bezugnehmend auf die Arbeiten von Alan Turing waren Allen Newell und Herbert Simon von der Carnegie Mellon University der Ansicht, dass es für den Vollzug von Denkprozessen kein menschliches Gehirn braucht. Denken sei nichts anderes als Informationsverarbeitung und Informationsverarbeitung ein Rechenvorgang, bei dem Symbole manipuliert werden. Eine klare Gegenposition zu dieser Meinung ergriff der Philosoph John Searle. Gemäss der Auffassung von Searle können Maschinen mittels Künstlicher Intelligenz die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zwar simulieren und nachahmen, sie sind aber nicht wirklich intelligent, sondern scheinen lediglich intelligent zu sein.

Als Ergebnis der wissenschaftlichen Auseinandersetzung stehen sich bis heute mit der schwachen und starken Künstlichen Intelligenz zwei konträre Positionen gegenüber. Die Verfechter der starken Künstlichen Intelligenz plädieren dafür, dass KI-Maschinen in demselben Sinn intelligent sind und denken können wie Menschen. Die Vertreter der schwachen Künstlichen Intelligenz sind der Ansicht, dass menschliches Denken gebunden ist an den menschlichen Körper, insbesondere an das Gehirn.

Erstes Expertensystem für medizinische Zwecke.
An der Universität Stanford wurde 1972 der Grundstein für sogenannte Expertensysteme gelegt. Expertensysteme sind Computerprogramme, die Menschen bei komplexen Problemstellungen unterstützen. Entwickelt wurde das System MYCIN, das Künstliche Intelligenz erstmals für medizinische Zwecke einsetzen sollte. Das neue Expertensystem war in der Lage, die Diagnose und Therapie von Infektionskrankheiten zu unterstützen, indem es aufgrund von zahlreichen Parametern geeignete Antibiotika vorschlug. MYCIN wurde allerdings nie in der Praxis eingesetzt. Die Skepsis war zu gross und es mangelte an technischen Möglichkeiten, um das System für eine breite Anwendung verfügbar zu machen.

Bei der historischen Betrachtung der Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wird oft die Auffassung vertreten, dass sich die Forschung in diesem Gebiet wellenartig entwickelte. Eine Periode, in denen es innovative Neuerungen gibt, bezeichnet man als KI-Sommer und für Zeiträume, in welchen die Entwicklung stagniert, verwendet man den Begriff KI-Winter. So werden beispielsweise auch die 80er-Jahre als KI-Winter aufgefasst. Weil die hohen Erwartungen an die KI-Forschung nicht erfüllt wurden, stoppten viele Regierungen, allen voran die USA, ihre Forschungsgelder. Ausgehend von der Zeit des kalten Krieges hatte die USA enorme Geldsummen investiert zur Bereitstellung eines Übersetzungssystems, das Dokumente in Russischer Sprache automatisiert übersetzen sollte. Doch die KI-Forscher hatten die Komplexität der Aufgabe unterschätzt.

In den 80er-Jahren stellten KI-Forscher immer wieder fest, dass Aufgaben, die für Menschen sehr einfach sind, für Computer eine grosse Herausforderung darstellen und umgekehrt. So ist es für Menschen schwierig, komplexe mathematische Probleme zu lösen, während Computer Mühe damit haben, Bilder oder Sprache zu erkennen oder Bewegungen auszuführen. Dieses Prinzip wurde unter anderem von Hans Moravec beschrieben und wird auch als Moravecsches Paradox bezeichnet.

Sprachcomputer auf Basis von neuronalem Netzwerk.
Einen positiven Impuls für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz gab es im Jahr 1986 mit dem Programm «NETtalk». Denn damit brachten Terrence J. Sejnowski und Charles Rosenberg den Computer zum Sprechen. Das Programm konnte Wörter lesen und korrekt aussprechen sowie das Gelernte auf ihm unbekannte Wörter anwenden. «NETtalk» gehörte damit zu den frühen sogenannten neuronalen Netzwerken. Das sind Programme, die mit grossen Datenmengen gefüttert werden und darauf aufbauend eigene Schlüsse ziehen können.

Bei der Betrachtung der historischen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz fällt der Fokus auch auf die beachtliche Leistung von Rechnern, die bei Brett-, Computer- oder anderen Spielen gegen Menschen spielen. Es zeigt sich immer wieder, dass moderne Computer sogar die besten menschlichen Spieler übertreffen können. Bereits 1997 konnte die Weltöffentlichkeit beobachten, wie das IBM-System «Deep Blue» den russischen Schachweltmeister Gary Kasparov besiegte. Und im Jahr 2011 gewann das Computerprogramm «Watson» (ebenfalls IBM) in der amerikanischen Quiz-Show Jeopardy gegen die besten Quizmeister. 2016 übertraf die Deepmind-Software AlphaGo von Google den südkoreanischen Spitzenspieler Lee Sedol bei einer Spielpartie auf dem chinesischen Bettspiel Go. AlphaGo schlug Sedol 4:1. Das Resultat erstaunt angesichts der Komplexität des Spiels. Hat der erste Spieler bei Schach 20 mögliche Züge zur Auswahl, sind es bei Go 361 Züge.

Schnellere Rechner fördern maschinelles Lernen.
Ungefähr ab dem Jahr 2010 begann eine Phase der Kommerzialisierung von KI-Anwendungen. Als besondere Innovationen für den Alltagsgebrauch der Menschen begannen sich die Sprachassistenten Siri und Alexa zu etablieren. Im Geschäftsbereich schritt die Automatisierung von Arbeitsprozessen voran und das Internet der Dinge konnte für immer mehr Anwendungsbereiche genutzt werden. Dank der immer besseren Rechnerleistung konnten die Computer immer besser für das maschinelle Lernen genutzt werden. Beim maschinellen Lernen generiert der Computer selbstständig Wissen aus Erfahrungen. Er kann damit auch eigenständig Lösungen für neue und unbekannte Probleme finden. Auch das Deep Learning erreichte einen neuen Boom. Deep Learning ist ein Teilgebiet des maschinellen Lernens, bei welchem neuronale Netze in mehreren Schichten genutzt werden. Es entsteht eine umfangreiche innere Struktur des Netzes. Deep Learning kann zum Beispiel dafür genutzt werden, Bilder zu erkennen, Texte zu verstehen oder präzise Entscheidungen zu treffen.

Grosse Datenmengen zur Effizienzsteigerung nutzen.
Ab dem Jahr 2020 ergaben sich im Bereich Künstliche Intelligenz viele weitere Trends. Die Unternehmen begannen sich zum Beispiel auf die Machine Learning Operations (MLOps) zu konzentrieren. In einem funktionsübergreifenden und kooperativen Prozess soll das maschinelle Lernen für möglichst viele Anwendungsgebiete in einem Unternehmen produktiv genutzt werden. Die Unternehmen sollen aus ihren Daten wertvolle Informationen gewinnen können, beispielsweise, wenn es um Workflows, Traffic-Muster und das Bestandsmanagement geht. Neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung im Supply Chain Management ergeben sich durch die immer bessere Verfügbarkeit von digitalen Daten über die Kosten und die Lieferbarkeit von Gütern und Ressourcen. Bereits heute stellen die B2B-Plattformen wlw (ehemals «Wer liefert was») und EUROPAGES grosse Mengen solcher Daten zur Verfügung. Das Unternehmen Visable als Träger der beiden Plattformen nutzt selber KI-Programme zur Pflege der Daten, beispielsweise zur Bereitstellung von Schlüsselwörtern für die Datensuche oder zur Eliminierung von Daten-Duplikaten.

 

Über Visable:
Visable unterstützt industriell tätige Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen für Einkäufer international zugänglich zu machen. Als speziell auf Geschäftskunden zugeschnittene Verbindung aus eigenen B2B-Plattformen und Online-Marketing-Services wie zum Beispiel Google Ads und Retargeting bietet das Unternehmen ein breit gefächertes digitales Portfolio zur Reichweiten-Steigerung im Internet.

Zu den von der Visable GmbH betriebenen Plattformen gehören wlw («Wer liefert was»), heute die führende B2B-Plattform in der D-A-CH-Region sowie die europäische B2B-Plattform EUROPAGES, auf der rund 3 Millionen Firmen registriert sind. Zusammen erreichen die Plattformen monatlich bis zu 3.6 Millionen B2B-Einkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen.

Mit seinen Online-Marketing-Services bietet Visable Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, ihre Reichweite im Internet zu erhöhen.

Das Unternehmen Visable entstand als Antwort auf die Herausforderungen der Internationalisierung und Digitalisierung im B2B-Bereich. Visable ist in Hamburg, Berlin, Münster und Paris präsent und verfügt über eine Schweizer Zweigniederlassung in Baar. Insgesamt sind rund 480 Mitarbeitende beschäftigt. Als gemeinsames Dach für die Marken wlw und EUROPAGES baut Visable seine Plattformen und Online-Marketing-Services kontinuierlich aus.

Vom Verlagshaus zur Tech-Company.
Wie wird aus einem ursprünglich traditionell ausgerichteten Unternehmen eine erfolgreich wachsende Tech-Company? Dieser Frage geht Peter F. Schmid, CEO des Unternehmens Visable, in seinem neuen Buch «Mission Wandel» nach. 1932 als Herausgeber des Nachschlagewerks «Wer liefert was» gegründet, hat sich Visable in den vergangenen Jahren von einem Verlag zu einem agilen internationalen Internet-Unternehmen gemausert. Den weitreichenden Change-Prozess beschreibt Schmid in seinem neuen Buch «Mission Wandel: Von einem Old-School-Unternehmen zu einer Tech-Company – die Geschichte einer Transformation». Darin erzählt er von Erfolgen, Wachstumsschmerzen und den Herausforderungen des Online-Geschäfts. «Mission Wandel» ist erhältlich im Springer Gabler Verlag.

LOGISTIK express Journal 4/2022

Strategie und Planung als Basis erfolgreicher Logistik

Nicht erst seit Corona steht fest, dass eine Optimierung der Logistikprozesse über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden kann. Nur wenige haben selbst die nötige Kompetenz dazu – die Lösung: einen Experten engagieren. Wie beispielsweise die InterLog Management GmbH.

Redaktion: Angelika Gabor.

Beratungshäuser und selbständige Optimierer gibt es wie Sand am Meer. Warum sollte man sich also ausgerechnet für die InterLog entscheiden? Diese Frage stellten wir dem Gründer und einem der drei Geschäftsführer, Eric Gastel: „Im Gegensatz zu den meisten Beratungshäusern sind wir sehr operativ orientiert, wir arbeiten an und mit der Basis. Zudem haben all unsere Mitarbeiter einen sehr hohen Praxisbezug. Zudem sind wir sehr bodenständig und gleichzeitig pragmatisch. Das heißt, wir machen es unseren Kunden leicht, Entscheidungen zu fällen.“

Ein wesentliches Ziel der InterLog ist es, schnell substantielle und vor allem langfristige Lösungen zu präsentieren, die modular aufgebaut sind. Gastel: „Alles soll jederzeit unkompliziert erweiterbar sein, damit das System sich den unternehmerischen Prozessen anpassen lässt. Uns ist es auch wichtig, schon in der Planung auf ökologische Aspekte zu achten.“ Durchaus interessant ist auch die Tatsache, dass Projekte nicht um jeden Preis durchgeführt werden. „Wir stellen in der Planung stets auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Projektes. Es kann vorkommen, dass wir einen Auftrag nicht abwickeln, wenn sich herausstellt, dass die Vorstellungen einfach nicht realisierbar sind. Das teilen wir dem Auftraggeber natürlich mit“, erklärt Gastel.

Learning by doing.
Die Geschäftsführung der InterLog ist sich einig: ohne gute Mitarbeiter geht gar nichts. Darum investiert das Unternehmen auch in den Nachwuchs: „Wir ermöglichen jungen Menschen den Eintritt ins Berufsleben. Dazu holen wir uns Assistenten direkt von der Universität und stellen sie jeweils einem erfahrenen Kollegen zur Seite. Durch diese Durchmischung der Teams und die Kombination aus neuem, frischen Wissen und dem vorhandenen Know-How entstehen innovative Lösungsansätze. Die neuen Kollegen dürfen auch von Anfang an Projekterfahrung sammeln und aktiv mitarbeiten, damit sie rasch wachsen können“, führt er aus. Das reicht allerdings heute nicht mehr aus, um Talente ins Unternehmen zu locken, man müsse sich auch andere Benefits überlegen. „Im Gegensatz zu früher wollen junge Menschen zwar gut verdienen, aber wenig arbeiten. Dabei ist die so genannte „work life balance“ oft nur ein Vorwand, gerade in der Beratungsbranche sind 10-Stunden-Tage keine Seltenheit. So manche Forderung ist einfach nur überzogen“, ärgert er sich. Immerhin bietet das Unternehmen das Urlaubsmodell „30+“: zusätzlich zu den gesetzlichen Urlaubstagen bekommt jeder an Weihnachten, Silvester und drei Fenstertagen frei. Denn die Arbeit ist durchaus anstrengend, das ist klar. Mitarbeiter-Events sorgen daher regelmäßig für gute Laune. Und, ganz wichtig: „Jeder Mitarbeiter muss so viel verdienen, dass er vernünftig davon leben kann. Dazu stehe ich“, so Gastel.

100% digital.
Die InterLog setzt auf modernste Technik zum animieren, simulieren und emulieren in 3D. Die Kunden erhalten das fix-fertige Layout, mit dem sie dann auch arbeiten können. „Wir geben unseren Kunden bewusst unseren Lösungsvorschlag zum intern besprechen mit, das schafft Unabhängigkeit. Wir möchten sie nicht zum Auftrag verpflichten, sondern haben den Anspruch, dass sie uns den Auftrag geben WOLLEN“, so Gastel. Ein gewagter Ansatz – hat er denn keine Angst, dass jemand dann die fertige Lösung von einem billigeren Anbieter umsetzen lässt? „Wir sind überzeugt, dass wir die beste Lösung zu einem fairen Preis anbieten und wir wagen uns auch an scheinbar unmögliche Aufgabenstellungen heran. Bei all unseren Angeboten ist ein Kostendach samt Abweichungsfaktor enthalten, damit die Kunden kalkulieren können.

Für jeden einzelnen Arbeitsschritt gibt es eine offene Kalkulation, gebündelt zu Arbeitspaketen. Reicht das Budget nicht aus, stellen wir das Projekt trotzdem fertig, auf unsere Kosten – die Qualität der Leistung muss stimmen, dafür bürgen wir. Denn InterLog ist vielleicht nicht der günstigste Anbieter, aber auf jeden Fall effektiv. Durch das Kostendach sind wir im Nachhinein betrachtet oft sogar günstiger als ein vermeintlich billigerer Anbieter, der alles einzeln abrechnet. Natürlich zahlen unsere Kunden dann nur den tatsächlichen Aufwand.“ Durch die eigene Digitalisierung gewinnt das Unternehmen nicht nur an Mobilität, auch die Kostenstruktur konnte verschlankt werden.

Dauerbrenner und Trends.
Die Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, von Pharma über Food bis zu Automotive-Unternehmen in der DACH-Region, denn hier ist die Projektabwicklung hinsichtlich des ähnlichen kulturellen Hintergrunds einfacher. Bei der Lösungsfindung setzt InterLog auf erprobte Technologien, Forschungsprojekte kommen nicht in Frage: „Unsere Kunden können keine spacigen Konzepte riskieren, so sind beispielsweise Lösungen mit Drohnen aktuell noch nicht spruchreif.“

Welche Themen sind denn aktuell besonders gefragt? „Wir sehen einen klaren Trend in Richtung Anlagenmodernisierung im laufenden Betrieb. Man merkt auch den Personalmangel, denn viele Anfragen betreffen die Optimierung der Produktionslogistik, etwa durch Verpackungsautomation, Robotik oder Fahrerlose Transportsysteme“, zählt Gastel auf. Auch die Einführung oder Modernisierung von Lagerverwaltungssystemen und die Automation von Hochreagallägern sei sehr gefragt. „Trotz der Rezession merken wir eine starke Bewegung am Markt. Die großen und mittleren Unternehmen wissen, dass sie jetzt investieren müssen,
um mit der Konkurrenz mitzuhalten.“

Die Digitalisierung helfe dabei, die „time to market“ zu verkürzen. Auch gefragt: Maßnahmen, die die Energiekosten reduzieren und Abhängigkeiten verringern, beispielsweise Dachwandverkleidungen mit Solarzellen oder Solarpanels zum Betrieb von Hochregallägern. „Hinsichtlich der Effizienzsteigerung gibt es Anfragen zur Bündelung von Transporten und Containern, um das Volumen besser zu nutzen oder auch die Tourentopologie – alles, was den CO2-Fußabdruck schmälert.

Die Voraussetzung ist oft jedoch, dass sich das Bestellverhalten ändert. Die gesamte Kette muss anders organisiert werden, etwa durch eine Verlängerung der Belieferungszyklen. Wenn eine Filiale nur zwei Mal statt drei Mal pro Woche beliefert wird, dafür jedoch mit mehr Ware, ergibt sich automatisch eine CO2-Einsparung. Bei unseren Konzepten gehen wir daher nicht nur auf den Kunden ein, sondern auch auf dessen Kunden – damit er gleich Argumente hat, um Einwände zu entkräften.“ Um nah beim Kunden zu sein, hat die InterLog derzeit drei Niederlassungen: in Sursee (Schweiz), Dortmund (Deutschland) und Graz (Österreich). Eric Gastel teilt sich die Geschätsführung mit Markus Lanz und Dennis Augustin.

Alle drei sind aktiv im Unternehmen und als Mandatsleiter tätig. Die flachen Hierarchien sind ein Markenzeichen des dynamischen Unternehmens. „Jedes neue Projekt wird unabhängig von seiner Größe einem der drei Geschäftsführer zugeordnet, die dann auch als Coach fungieren. Mir ist es sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter auf Augenhöhe kommunizieren“, meint Gastel. Man darf gespannt sein, welch cooles Projekt als nächstes kommt. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

eCommerce & Logistik on tour

Die Blogtour des LOGISTIK express hat im Juni zwei wichtige Veranstaltungen besucht: den eCommerce Day 2022 in Wien und das VNL Logistik-Forum Wien. Beide Veranstaltungen hatten Top-Referenten zu bieten und die heimische Logistik-Elite war präsent. Wir haben einige Vertreter vor der Kamera gebeten und befragt.

Redaktion: Peter R. Nestler.

Der Handelsverband bat am 22. Juni zum eCommerce Day 2022 ins Nordlicht im Norden Wiens. Trotz der Hitze ließen sich die Onlinehandelsexperten nicht zwei Mal bitten – der Andrang war enorm. Mehr als 300 Teilnehmer zeigten sich beim Gipfeltreffen der heimischen eCommerce-Branche. Den ganzen Tag über gab es spannende Fachvorträge und Podiumsdiskussionen. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes und dessen Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses, Werner Sejka von Puls4 moderierte durch das Tagesprogramm.

Die Themenpalette war breit gefächert und reichte vom Influencer Marketing im eCommerce über moderne Shopsysteme, das Thema Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative Paymentlösungen bis hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement 3.0. Das Kongressmotto lautete dieses Mal #gamechanger – die Bedeutung von eCommerce ist bei vielen Leuten seit der Pandemie so richtig ins Bewusstsein gerückt. Der eCommerce Day hat das nochmals eindrucksvoll unterstrichen. Wir haben uns wohl gefühlt und sind aus dem Reden mit den Gästen gar nicht mehr nachgekommen. Der LOGISTIK express hat einige Teilnehmer vors Mikrofon gebeten: https://youtu.be/3ntkpoPtgVY

Mitreißend präsentierten sich auf der Veranstaltung der YouTube-Star, Influencer und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde spannende Antworten auf die Frage, wie “Rockstar-Marketing” in der Praxis funktioniert. Unter den prominenten Gästen zu sehen waren: Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter, shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility), Nick Holscher (Connected Retail by Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria), Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian Steinwender (Concardis Nets Group), Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox) und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria) sowie Isabel Lamotte (Handelsverband).

Ein Highlight der Veranstaltung war wieder die Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark Awards 2022 unter der Schirmherrschaft von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head of Business Development Digital, Mastercard) und Rainer Will für herausragende, innovative eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.

Die diesjährigen Award-Gewinner sind:

  • Gewinner in der Kategorie “Best Mobile Performance”: Julius Meinl am Graben.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Omnichannel Experience”: Hornbach.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Online Shop”: Lampenwelt.

 

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) lud am 19. Mai zum 29. Logistik-Forum Wien 2022 ein. Gastgeber war dieses Mal die Österreichische Post AG, das Treffen fand daher auch in der Konzernzentrale der Österreichischen Post in 1030 Wien statt und hatte das Hauptthema „Lieferketten in Turbulenzen: Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?“ Dazu gab es hochinteressante Keynotes: „Turbulenzen in Lieferketten: die volkswirtschaftliche Perspektive“, dargebracht von Stefan Fink, Chief Economist bei KPMG Österreich,

„Die neue österreichische CO2-Steuer“, mit Harald Galla (Steuerberater, Partner LeitnerLeitner), topaktuell: „Geopolitische Einschätzung Russlands und der Ukraine – eine kurz und mittelfristige Perspektive“, mit Univ. Prof. Dr. Gerhard Mangott (Professor für internationale Beziehungen, Universität Innsbruck) sowie „Die aktuelle Lage am Öl- und Gasmarkt“ mit Siegfried Kiss (Head of Business Development, RAG Austria AG).

Abgerundet wurde das VNL Logistik-Forum 2022 mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie bleiben wir wettbewerbsfähig? Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für SCM und Logistik?“. Zur Diskussion versammelten sich: Gerhard Mühlhans (RHI Magnesita), Claes Lindgren (IKEA), Alexander Till (Hafen Hamburg), Niklas Nitsch (Siemens), Stefan Huemer (Rexel); die Moderation übernahm Prof. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien).
Mehr auf www.vnl.at  (PN)

Eine weitere Top-Veranstaltung der Logistik gab es am 23. Und 24. Juni, den 27. Logistik Dialog 2022. Veranstalter BVL Bundesvereinigung Logistik lud diesmal zum Flughafen Wien in die nigelnagelneue Event Location Vienna International Airport City Space und tatsächlich folgten mehr als 800 Branchenvertreter der Einladung. Beeindruckend war gleich einmal die Fülle an Ausstellern, die der BVL rekrutieren konnte. Zu „rekrutieren“ passt auch der Caterer der Mittagsverpflegung, die wurde nämlich von der Bundesheer Logistikschule zur Verfügung gestellt: Gulasch aus der „Kanone“.

BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner wachte wohlwollend über die Veranstaltung mit dem Slogan „Empowerment For Future“ und zeigte sich zufrieden über die zahlreiche Teilnahme. Schön zu sehen waren die viele persönlichen Gespräche zwischen den Keynotes, die sich an den Ständen anbahnten. Nach mehr als zwei Jahren Pause durch die Pandemie trifft sich die Branche wieder live. Wir haben uns wie viele andere auch den Weg durch die vielen Ausstellerstände gebahnt und jede Menge Spannendes gesehen: Menschen, Produkte, Lösungen – insgesamt eine großartige Leistungsschau der österreichischen Logisitikwirtschaft.

An beiden Tagen gab es eine Fülle an großartigen Vorträgen und Panels, der Zuschauerraum war dementsprechend zum Bersten voll. Die Themen reichten dabei von „Supply Chain Fitness Now Europe“ über „Circular Regional Value“, „Infrastruktur Fläche Nutzung“, „Cloud Crowd Share“ bis zum Special „Commerce Trend Service“. Durch die abschließende Fachausstellung „Alles Logistik“ führten schließlich gemeinsam Bundesministerin Dr. Susanne Raab und BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner. Leider konnten wir nicht zur Networkingnight am zweiten Tag bleiben – dem Vernehmen nach war diese aber sehr unterhaltsam.

Die Stimmung in der Branche würden wir nach einer kurzen Befragung einiger Teilnehmer als gespannt, aber zuversichtlich bezeichnen. Dieses Build ergibt auch unsere am BVL Logistik-Dialog 2022 gedrehte Blogtour wieder: https://youtu.be/FPhCX-1KapQ

Zusammengefasst stellen wir fest: Es gibt zahlreiche Probleme – Krieg am Rande Europas, mangelndes Personal insbesondere bei den Frächtern, stark steigende Energie- und Treibstoffkosten, hohe Inflationsraten etc. Aber die Logistikbranche ist sich ihrer Bedeutung mehr denn je bewusst und stark gewillt, Lösungen anzubieten – im Sinne und für das Wohl aller!
Mehr auf www.bvl.at

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022

 


Das war das Handelskolloquium 2022

250 führende Branchenvertreter diskutierten am 21. April beim traditionsreichen Handelskolloquium über den Status Quo und die Zukunft des Handels in Zeiten der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Im Mittelpunkt der bereits 32. Ausgabe des jährlichen Retail-Kongresses standen der Personal- und Fachkräftemangel, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukrainekonflikts auf Handel und Gesellschaft, nachhaltige Standortstrategien sowie neue Trends im Lebensmittelhandel.

Die Riege hochkarätiger Speaker wurde angeführt vom Wiener Stadtrat Peter Hanke, Neos-Gründungsmitglied Matthias Strolz, Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und zahlreichen heimischen Führungskräften des Handels wie Peter Schmid (Metro), Karin Saey (Dorotheum Juwelier), Norbert Scheele (C&A), Dieter Wasserburger (Rewe), Simon Lindenthaler (Lidl), Maurice Beurskens (Gurkerl) und Nikolas Jonas (Mjam) sowie den Experten Heike Haring-Latzke (ePunkt), Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen), Utho Creusen (Universität Münster), Martin Unger (EY), Hannes Lindner und Roman Schwarzenecker (beide Standort+Markt), Mario Schwaiger (EHL), Lili Pajer (Google), Kai Herzberger (Meta/Facebook), Elisabeth Christen (WIFO), Michael Buttkus (Horváth) sowie Stephan Mayer-Heinisch und Rainer Will (beide Handelsverband). Den Entertainment-Part übernahm ORF Mentalist Harry Lucas, moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Cronin.

Die Pandemie als Balance-Akt
“Wir erleben aktuell eine Zeitenwende. Die Pandemie begleitet uns seit mehr als zwei Jahren, seit Februar herrscht noch dazu Krieg in Europa. Diese beiden Faktoren haben eine ganze Reihe von Nebenwirkungen und Kettenreaktionen ausgelöst, die uns zurzeit das Leben schwermachen. Die Inflation ist zuletzt auf 6,8 Prozent geklettert und sie ist gekommen, um zu bleiben”, so Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch in seiner Eröffnungsrede.

Ähnliches gelte für den Personal- und Fachkräftemangel. Zurzeit sind rund 20.000 Stellen im Handel unbesetzt. Generell sei es wichtig, nicht ins Klein-Klein zu verfallen. “Wir müssen endlich den Mut aufbringen, verkrustete föderale Strukturen zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, mit Krisen gut umzugehen. Wir werden auch diese Krisen meistern. Klar ist aber auch: Jetzt sind Schlechtwetterpiloten gefragt, keine Schönwetterpiloten”, ist Mayer-Heinisch überzeugt.

Apropos Schlechtwetter: Der Flächenschwund im Handel von 500.000 Quadratmetern im Vorjahr – umgerechnet rund 80 Fußballfelder – wird sich laut Prognosen des Handelsverbandes heuer fortsetzen. “Sie sagen es ist ein Strukturwandel, wir sagen es sind fehlende oder nicht treffsichere Hilfen. 2022 ist ein entscheidendes Jahr. Im Pandemie-Management und im Umgang mit den Folgen des Krieges vor unserer Tür. Es braucht jetzt einen Master-Plan für den Herbst. Die Politik darf die Fehler der letzten beiden Jahre nicht wiederholen”, appellierte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will an die Bundesregierung. Wie schwierig dieser tägliche Balanceakt zwischen Pandemie und Ökonomie tatsächlich ist, illustrierte Peter Hanke, Stadtrat für Finanzen und Wirtschaft der Stadt Wien, in seiner Keynote. Er versicherte der anwesenden Händlerschaft seine Unterstützung bei der Bewältigung der aktuellen Krisen und versprach: “Wir werden dafür sorgen, dass die Stadt Wien auch in den kommenden 10 Jahren an der Spitze der weltweit lebenswertesten Städte bleiben wird.”

The Great Resignation?
Das erste Podium beim Handelskolloquium 2022 widmete sich dem Thema Personal- und Fachkräftemangel und damit auch der Frage, wie die Arbeitswelt der Zukunft konkret aussehen wird. Dazu diskutierten Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen), Heike Haring-Latzke (ePunkt) und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz mit den beiden Handelsvertretern Karin Saey (Dorotheum) und Peter Schmidt (METRO). Das Fazit? HR ist eine Generationenfrage, die Gen Z tickt völlig anders als die Generation X oder Y. Was alle verbindet, ist der Wunsch nach Wertschätzung und Selbsterfüllung im Job.

And the Winner is…
Ein Highlight des Events war die Verleihung des HV Wissenschaftspreises. Mitinitiator Utho Creusen und HV-Vizepräsident Norbert Scheele (C&A) zeichneten Jana Walch (FH St. Pölten; beste Bachelorarbeit), Katharina Holland (IMC FH Krems, beste Masterarbeit) und Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen; beste Dissertation) aus. Die drei Studentinnen hatten sich unter mehr als 60 Einreichungen durchgesetzt. Der Handelsverband gratuliert herzlich.

Quo Vadis Metaverse
Kaum ein Thema beschäftigt die globale Tech-Community zurzeit stärker als das Metaverse – und kein Unternehmen wird stärker damit verbunden als Facebook, das mittlerweile unter dem Namen Meta firmiert. Kai Herzberger gab einen spannenden Einblick in den Status Quo und die aktuellsten Entwicklungen rund um die virtuelle Realität und appellierte an die Händler, den Einstieg in dieses Abenteuer zu wagen. Denn: Der Handel ist im Wandel und jeder Handelsbetrieb entscheidet selbst, ob er verändert wird oder den Wandel aktiv voran-treibt.

Vom Bären zum Bullen…
Im anschließenden Podium mit Hannes Lindner (Standort+Markt), Markus Mendel (EHL), Michael Buttkus (Horvath & Partners) und Dieter Wasserburger (REWE) standen nachhaltige Standortstrategien im Fokus. Der Tenor: Leerstände und Geschäftsflächenrückgänge bieten immer auch eine Chance. Fünf Faktoren sind laut Wasserburger entscheidend für einen gesunden Handel in der Stadt bzw. im Ort: ein schönes Zentrum (Hauptplatz), eine gute Grundfrequenz (z.B. durch Ämter und Behörden), geeignete Geschäftsflächen, eine hervorragende Erreichbarkeit sowie gute Parkmöglichkeiten. (RED)


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Deutschland: Die dümmste Energiepolitik der Welt

Die Energiewende – eine kostspielige Fehlentscheidung. Deutschland hat die dümmste Energiepolitik der Welt.

Gastbeitrag: Marc Friedrich

Das sage nicht nur ich sondern auch das Wall Street Journal. Deutlich spiegelt sich diese überhastete und ideologisch aufgeladene Energiepolitik vor allem in den rasant steigenden Strompreisen. Aktuell zahlen wir Verbraucher 0,346 Cent pro kWh, damit zahlen wir den höchsten Strompreis der Welt. Tendenz weiter steigend, denn mit dem Ende des Jahres 2021 wurden in Deutschland zusätzlich noch drei der letzten sechs Atomkraftwerke sowie einige Kohlekraftwerke im Zuge der übereilten Energiewende abgeschaltet, was die Gesamtsituation weiter verschärft. Parallel hat sich der Gaspreis vervierfacht und die  deutschen Gasspeicher befinden sich auf einem Tiefstand. Zusätzlich wurde die Gaspipeline Nordstream 2 vorläufig auf Eis gelegt und man liefert sich gefährliche Wortgefechte mit Russland von denen man größtenteils abhängig ist. Also alles in einem suboptimal. Der Chef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Prof. Dr. Stefan Kooths, attestiert der Politik ebenfalls versagen und das sie sich in die eigene Tasche lügt – all das auf unsere Kosten. Nicht nur gefährden wir die Versorgungssicherheit des Landes sondern auch unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Die Energiewende – eine kostspielige Fehltentscheidung

„Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden.“

Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler

 

Die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder beschloss im Jahr 2000 den Atomausstieg. Merkel revidierte dies 2010 und verlängerte die Laufzeiten der Kernkraftwerke und besiegelte damit zunächst den Ausstieg aus dem Ausstieg. Nachdem am 11. März 2011 das Kernkraftwerk Fukushima in Japan durch ein Erdbeben und einen Tsunami teilweise zerstört wurde und es zu einer Nuklearkatastrophe kam, stellte die gesamte Welt die Atomenergie in Frage. Viele Reaktoren wurden vorübergehend stillgelegt. Auch in Deutschland stellte man sich die Frage nach einem Atomausstieg nun wieder vermehrt.

Zwei Wochen nach dem Unglück waren in meinem Heimat-Bundesland Baden-Württemberg Landtagswahlen und das Thema Atomausstieg war, neben Stuttgart 21, das bestimmende Thema schlechthin. Als es dann auch noch zu einem historischen Regierungswechsel in Baden-Württemberg zu Rot-Grün kam, die grüne Partei den Ministerpräsidenten stellte und entgegen allen Erwartungen die CDU nicht stärkste Kraft im Ländle blieb, herrschte in der Bundesregierung pure Panik. In einer Hauruckaktion verkündete Merkel am 30. Juni 2011 völlig überstürzt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg. Ja, mir geht es wie Ihnen: Ich bin ausgestiegen …

Schon jetzt ist es Fakt, dass dies eine weitere historische Fehlentscheidung unserer Berufspolitiker war. Die Kritik wird von allen Seiten immer lauter – Bürger, Unternehmen und Verbände, aber auch der Bundesrechnungshof hält mit deutlichen Worten nicht hinter dem Berg: Die Energiewende werde schlecht koordiniert und gesteuert, entscheidende Verbesserungen seien „unumgänglich“, heißt es in einem Prüfbericht der Finanzkontrolle. In den letzten fünf Jahren seien dafür mindestens 160 Milliarden Euro aufgewendet worden. „Steigen die Kosten der Energiewende weiter und werden ihre Ziele weiterhin verfehlt, besteht das Risiko des Vertrauensverlustes in die Fähigkeit von Regierungshandeln.“

Die chaotische Energiewende kostet uns Bürger bis zum Jahr 2025 laut Institut für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf 520 Milliarden Euro – erst einmal! Wirtschaftsminister Peter Altmaier geht von Gesamtkosten bis Ende 2030 von einer Billion Euro aus! Das sind pro Bundesbürger ca. 10.000 Euro. Das Energiewendechaos zahlen wir, die Stromverbraucher:

Hinzu kommen noch die stetig steigenden Energiekosten – schon jetzt sind es die höchsten weltweit! Die Strompreise bei unserem atomaren Nachbarn in Frankreich sind 50 Prozent günstiger. Dafür sind wir abhängiger von russischem Gas geworden – und jetzt halten Sie sich fest: von französischem Strom (lol).

Die Energiewende ist purer Aktionismus, sie verläuft völlig chaotisch, ist teuer für alle und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sie nicht nachhaltig ist sowie sogar unsere Energieversorgung gefährdet: Immer öfter kommt es zu Netzausfällen und die Gefahr für einen Blackout nimmt zu. In anderen Ländern ist Gleiches zu beobachten, und erste Maßnahmen, um gegenzusteuern, finden schon statt. Das die Ampel-Regierung nun eine Kehrtwende macht darf bezweifelt werden. Zu sehr hat man sich auf das neue Narrativ eingeschossen. Wie konnte es soweit kommen?

 

Die energetische Zeitenwende

Weltweit haben sich die Staaten und selbst die Notenbanken einer Abkehr von fossilen Energieträgern und der massiven Reduzierung der Treibhausgase verpflichtet, um die Klimaerwärmung zu stoppen. Hierzu haben sich insgesamt 195 Staaten beim Pariser Klimaabkommen von 2015 darauf geeinigt, dass die Erderwärmung bis 2050 bei unter 2 Grad gestoppt werden soll, möglichst sogar bei 1,5 Grad, gemessen jeweils an den Zuständen in vorindustrieller Zeit. Dieser Vertrag soll alle fünf Jahre nachjustiert werden. Die EU hat sich besonders ambitionierte Ziele gesteckt. Obwohl sie bis dato bei fast jeder Krise versagt hat, schwingt sie sich nun auf, das Klima zu retten. Unter der zwar nicht zur Wahl aufgestellten und auch nicht gewählten, aber trotzdem ernannten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will das Staatenbündnis mit dem Green Deal die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null reduzieren und damit der erste klimaneutrale Kontinent werden. Zuletzt hat die EU ihre Klimaziele gar weiter verschärft. Sie möchte die Treibhausgase bis 2030 um 55 Prozent senken statt bisher um 40 Prozent (im Vergleich zu 1990). Hierzu werden auch Gelder aus dem 750 Milliarden Euro schweren Corona-Aufbaufonds verwendet. 30 Prozent des Topfs sollen aufgewendet werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Damit wir den CO2-Ausstoß reduzieren und die Pariser Klimaziele bis 2050 erreichen, benötigt die Welt saubere Energie. Bei sauberer Energie denkt man zuerst an klimaneutrale, erneuerbare Energien (Wasser, Wind, Sonne und Geothermie). Doch auch hierfür werden zuerst fossile Energien und klimaschädliche Ressourcen benötigt und verwendet. Dies muss in der Klimabilanz berücksichtigt werden. So haben Photovoltaik-Anlagen nach circa drei Jahren eine ausgeglichene Energiebilanz und Windkraftanlagen mit einer Energierücklaufzeit (so der technische Terminus) nach bis zu maximal Monaten.

Der Anteil an regenerativen Energien am Strommix in Deutschland steigt immer weiter. Im ersten Halbjahr 2020 lag der Anteil in Deutschland bei einem Rekordwert von 55,8 Prozent. Im windreichen Februar 2020 waren es sogar 61,8 Prozent! Allerdings auf das Gesamtjahr waren es dann 47 Prozent. 2021 war äußerst Windarm und die Quote fiel auf 43 Prozent zurück.

Der Nachteil der alternativen Energielieferanten ist allerdings offenkundig: Die damit gewonnenen Energiemengen hängen von den Sonnenschein- und Windverhältnissen ab und lassen sich kaum bedarfsgerecht speichern. Das Aufkommen ist zwar kurzfristig einigermaßen vorhersehbar, aber es ist nicht nach Belieben steuerbar.

 

Das Speicherproblem

Was tun also bei Nacht und bei einer Flaute – also dann, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht? Deutschland verfügt momentan über circa 30.000 Windräder. Aber sie liefern bei Windstille keinen Strom! Auch wenn sich die Anzahl an Windrädern verdoppeln oder verdreifachen würde, würde sich daran nichts ändern. 90.000 Windräder mit null Wind ergeben null Stromausbeute. Dasselbe gilt für Solarstrom. Ohne Sonne kein Strom!

Leider sind Pufferkapazitäten nicht möglich. Nochmals: Erneuerbare Energien können nicht beliebig nach Bedarf zu jeder Tages- und Nachtzeit gewonnen werden. Solarstrom fällt an, wenn die Sonne scheint, Windenergie gibt es bei einer Flaute nicht. Wie kann an sonnenreichen Tagen oder wenn der Wind kräftig bläst, die überschüssige Energie zwischengespeichert werden? Hier fehlt noch eine nachhaltige Lösung. Deutschland muss an windreichen Tagen Überkapazitäten ans Ausland verschenken oder sogar den Abnehmer dafür bezahlen, dass der Strom abgenommen wird, ansonsten würde das Netz zusammenbrechen. Dies ist natürlich komplett irrational. Denn wenn dann eine Flaute da ist, muss Deutschland teilweise, um die Grundlastfähigkeit zu erhalten, teuren Strom oftmals aus fossilen oder nuklearen Energiequellen aus dem Ausland (Polen, Tschechien, Frankreich) wieder einkaufen. Dies wird in der Ökobilanz nicht berücksichtigt.

Aktuell gibt es nur eine wirtschaftliche Lösung, um Strom aus Sonne und Wind zu speichern: Pumpspeicher. Allerdings besteht hier nur ein begrenztes Ausbaupotenzial. Aus diesem Grund wird an alternativen Speichertechnologien geforscht zum Beispiel an Druckluftspeichern, Power-to-Gas-Technologie, bei der Wasser mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt wird, und an Batterien als Speichermedien. Bei all diesen Ansätzen besteht aber noch ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf, bevor sie in der Praxis in größerem Umfang einsatzfähig sind. Dies kann noch Jahre oder gar Jahrzehnte dauern.

 

Info: Die Grundlastfähigkeit ist das Minimum an Elektrizität, die benötigt wird, um die Stromversorgung kontinuierlich und zuverlässig zu sichern. Dabei wird die niedrigste Tagesbelastung eines Stromnetzes herangezogen. Zur Deckung der Grundlast werden jene Technologien verwendet, die die betreffende Leistung konstant liefern können. Es handelt sich dabei vor allem um Atom-, Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke. Nicht grundlastfähig sind wegen der schwankenden Produktionsmengen Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Die einzige grundlastfähige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist ein Wasserkraftwerk – aber Wasserkraft steht nicht überall zur Verfügung, und der Bau eines solchen Kraftwerkes ist mit einem groben Eingriff in die Natur verbunden.

 

Die Elektrowelle

Durch die Elektrifizierung des Autos steigt der Strombedarf zusätzlich, und immer mehr Staaten verbannen den Verbrennermotor. Der Verkauf soll verboten werden, um die strikten Klimaziele zu erreichen: Auch das Autoland Japan will bis 2035 alle „Stinker“ von der Straße verbannen und den Ottomotor verbieten.[1]

Das Elektroauto scheint momentan die Antwort zu sein, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Meiner Meinung ist das Ende aber noch offen. Weder ist die Infrastruktur noch genügend Strom (vor allem nachhaltiger Strom) vorhanden, um die Welt elektrisch zu bewegen. Für den Bau und Betrieb eines ökologisch korrekten Autos sind viele seltene Erden notwendig, die nicht nur die Ökobilanz verhageln sondern auch endlich und damit mehr oder weniger schnell erschöpft sind. Das E-Auto muss mindestens acht Jahre gefahren werden bis es klimaneutral ist. Marktführer und Vorreiter ist Elon Musks Firma „Tesla“ welche aktuell an der Börse mehr wert ist, als alle anderen Autofirmen zusammen!

All diese Entwicklungen haben auch zu einem Umdenken bei den alteingesessnen Autoherstellern geführt und zeigt die gewaltige Transformation, in der sich eine der wichtigsten deutschen Schlüsselindustrien und damit auch Deutschland als Wirtschaftsstandort befindet. Daimler, Porsche, Opel, Audi und Volkswagen sind dabei, ihr Angebot in einer milliardenschweren Kraftanstrengung komplett umzukrempeln. So will VW bis 2025 komplett auf Elektromotoren umstellen.[2] Ob diese Mühen mit Erfolg belohnt werden, wird sich zeigen.

 

Deutschland schaltet ab – alle andere schalten an

Um die Energieversorgung sicherzustellen und emissionsfrei und sauber Strom zu produzieren, werden anderswo immer mehr Kernkraftwerke gebaut und reaktiviert. Weltweit befinden sich momentan 54 Kernkraftwerke im Bau. Über 200 weitere sind geplant. Zusätzlich reaktivieren immer mehr Länder ihre abgestellten Kernkraftwerke und/oder bauen sogar neue:

  • Schweden musste in der Not ein bereits abgestelltes Atomkraftwerk wieder ans Netz nehmen, um die Stromversorgung zu sichern.[3] Etwas Ähnliches könnte Deutschland drohen.
  • Die Niederlande mussten ebenso ein Atomkraftwerk reaktivieren. Sie planen nun sogar den Bau von zehn neuen Kraftwerken und bringen den Nachbarn Deutschland damit unter Druck.[4],[5]
  • Auch in Großbritannien wird ein neues Kernkraftwerk gebaut – im Übrigen mit deutscher Hilfe.[6]
  • Das Kohle gespeiste Land Polen plant erstmalig den Bau mehrerer AKW´s.[7]
  • Ungarn, Rumänien, Tschechien, Bulgarien und die Slowakei wollen der Kohle den Rücken kehren und setzen u.a. auf Atomenergie.[8]
  • Selbst die ölreichen Vereinigten Arabischen Emirate erkennen, dass die Ölreserven sich zu Ende neigen werden und haben im August 2020 ihr erstes AKW eingeweiht – auch eine Premiere für die gesamte arabische Welt.[9] Drei weitere werden in den nächsten Jahren folgen.
  • Ägypten will sein erstes AKW 2026 anschalten.
  • US-Präsident Joe Biden setzt auf die kleinen und sicheren Mini-Akw´s der vierten Generation (Small Modular Reactors SMR.)[10]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kein Land der Welt Deutschland auf seinem Weg folgen wird, radikal seine sichere Energieversorgung zu zerstören.

 

Die Welt braucht saubere Energie – die Welt braucht Kernkraft

Der Energiekonsum hat sich in den letzten Dekaden immer weiter verdoppelt. Ein Großteil kommt immer noch von fossilen Brennträgern wie Gas, Kohle und Öl. Ca. 11 Prozent stammen aktuell aus der Atomkraft. Durch die Forderung, klimaneutral zu werden und saubere Elektrizität zu erzeugen, wird der Bedarf nach emissionsfreien Alternativen, die auch zuverlässig sind, immer größer. Parallel dazu wird der Bedarf weiter steigen durch die Digitalisierung und die Elektrorevolution.

Zudem hat die Forschung keine Pause eingelegt, und so ist die nächste Generation von Kernkraftwerken noch effizienter und sicherer. Selbst das erdbebengeplagte Japan hat abgeschaltete Reaktoren wiederbelebt und plant neue Atomkraftwerke.[11]

Durch den Trend, die fossilen Energieträger zu verbannen und schadstofffreie Lösungen zu fördern, wird die Kernenergie weiter ins Licht rücken. Immerhin ist die Kernenergie momentan der einzige grundlastfähige Energieträger, der den Spagat zwischen steigendem Stromverbrauch und emissionsfreier Energieerzeugung erbringen kann, und Uran ist hierfür unersetzlich.

All das führt zu einer Schlussfolgerung: Es gibt momentan keinen Weg am Uran vorbei.

Selbst wenn „verstrahlte“ und weltfremde Experten und Politiker das Ende der Atomkraft ausgerufen haben – damit lagen sie wieder einmal völlig daneben. Das Gegenteil ist richtig: Das Atomkraft-Zeitalter scheint gerade erst richtig zu beginnen.

Global gibt es 442 Reaktoren in 31 Ländern (Stand Februar 2021).

17 weitere Länder werden in den nächsten Jahren dazu stoßen (Ägypten, Jordanien, Türkei, Indonesien).

Die USA betreiben mit 95 Stück die meisten Atomkraftwerke. China hat 49, baut gerade aber 54 weitere Reaktoren, um seinen immensen Energiehunger als Werkbank der Welt zu stillen. Bis 2050 will die Regierung im Reich der Mitte sage und schreibe 230 weitere AKWs bauen.

Weltweit sind aktuell 112 Atomkraftwerke im Bau und 330 in Planung (Stand Dezember 2021).[12]

 

Fakt ist:

Ohne Atomkraft ist es unmöglich, die Pariser Klimaziele zu erreichen! Man darf gespannt sein, wann die deutsche Politik von ihrem teuren Sonderweg abkommt. Bis dahin müssen wir, die Bürger, die Zeche bezahlen durch steigende Strompreise und sinkende Wettbewerbsfähigkeit.

[1] https://www.handelsblatt.com/politik/international/energiewende-japan-will-bis-mitte-der-2030er-jahre-autos-mit-verbrennermotoren-verbieten/26749174.html?ticket=ST-20730661-FbqhjuE5WKuxLnmQduKH-ap6

[2] https://www.autozeitung.de/vw-strategie-2025-130556.html; https://www.volkswagenag.com/de/group/strategy.html

[3] https://www.welt.de/wirtschaft/article211998137/Schwedisches-AKW-muss-den-Retter-in-der-Strom-Not-geben.html

[4] https://www.energate-messenger.de/news/205743/niederlande-reaktivieren-die-kernkraft

[5] https://www.welt.de/wirtschaft/plus216513100/Energie-Niederlande-planen-Rueckkehr-zur-Atomkraft-Deutschland-unter-Druck.html

[6] https://taz.de/Grossbritannien-und-Niederlande/!5729028/

[7] https://de.euronews.com/2020/10/21/polen-neues-energiestrategie-setzt-auch-auf-akws

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomenergie-und-eu-gipfel-osteuropa-forciert-die-kernenergie-a-9b7c3e84-ac37-480a-84a3-545b9e2d0637

[9] https://www.tagesschau.de/ausland/akw-barakah-vereinigte-arabische-emirate-101.html

[10] https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomkraft-joe-biden-plant-neue-kleine-kernkraftwerke-fuer-die-usa-a-228a84ff-363e-4151-bff4-f49304140753

[11] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/atomkraft-wird-ausgebaut-japan-will-bis-2050-klimaneutral-werden-17020155.html

[12]https://www.iaea.org/PRIS

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Online-Händler sehen Nutzen des EU-E-Commerce-Pakets zwiegespalten

Am 1. Juli 2021 ist die bisher größte Mehrwertsteuerreform für EU-weiten Online-Handel in Kraft getreten. ibi research an der Universität Regensburg hat zusammen mit dem logistic-natives e. V. in einer Kurzstudie analysiert, wie deutsche Online-Händler mit den neuen Verordnungen zurechtkommen.

Gastbeitrag: logistic-natives e.V.

Mit dem EU-E-Commerce-Paket sollen Betrug verhindert und faire Wettbewerbsbedingungen für Online-Handelsunternehmen in der europäischen Union geschaffen werden. Dafür wurden der One-Stop-Shop (OSS) zur zentralen Abwicklung aller umsatzsteuerlichen Melde- und Zahlungsverpflichtungen, die sich aus dem Warenhandel mit Konsumenten in den EU-27 ergeben, in einer einzigen steuerlichen Erklärung sowie der Import-One-Stop-Shop (IOSS), eine neue Erklärung zur Meldung der Mehrwertsteuer bei Lieferungen in oder aus Drittstaaten, entwickelt. Fast einem Drittel der befragten Online-Händler:innen sind die Bestimmungen der EU-weiten Mehrwertsteuerreform bekannt. Die vereinfachte Umsatzsteuererklärung mit OSS nutzen bereits vier von zehn Unternehmen. Erst eines von zehn wickelt hingegen Umsätze über IOSS ab.

Logistik express: Was sind die Erkenntnisse aus der Studie?
Florian Seikel: Es ergibt sich ein gespaltenes Meinungsbild: Während die Mehrheit der Befragten weder Vor- noch Nachteile sieht, bemängeln andere einerseits die Komplexität und den Verwaltungsaufwand, loben aber andererseits die vereinfachte Compliance. Das EU-E-Commerce-Paket sollte die Mehrwertsteuerabwicklung im Online-Handel vereinfachten und auf internationaler Ebene für Fairness sorgen. Allerdings müssen sich viele Händlerinnen und Händler aktuell mit Problemen bei der Umsetzung herumschlagen.

Es gab knapp ein Viertel der Befragten an, dass es bei der Umstellung auf OSS oder IOSS zu technischen Schwierigkeiten, beispielsweise aufgrund fehlender Schnittstellen, kam. Auch der allgemeine administrative Aufwand wird von mehreren Händler:innen kritisiert. Das ist aus meiner Sicht ein Wert, der zeigt, dass das EU-Ecommerce Paket in der Breite nicht nur positiv gesehen wird. Ein Fünftel der Befragten hat ausgesagt, dass die Kosten bei den Logistikdienstleistern im Zuge der Einführung des Ecommerce-Pakets gestiegen sind. Dies müssen wir sehr kritisch und genau beobachten.

Logistik express: Wie sehen die ersten Rückschlüsse auf die Einführung des EU-E-Commerce-Pakets aus?
Florian Seikel: Die Einführung des EU-Ecommerce Pakets ist bei den Händlern noch nicht komplett angekommen. Auch Bundes- & Landesminiterien haben die Umsetzungszeit nicht optimal genutzt. Hier gab es- auch aufgrund der Pandemie- andere Schwerpunkte. Leider hat auch der Zoll seine Systeme erst mit Verspätung umstellen können.

Daher ist es wichtig, praktische Lösungen anzubieten. Die Gefahr besteht, dass insbesondere KMU’s im grenzüberschreitenden Handel in eine größere Abhängigkeit von großen, international marktbeherrschenden Unternhemen & Plattformen zu geraten. Ziel muss es sein, dem Händler die Souveränität seiner Daten zu gewährleisten und Alternativen zu den Angeboten der großen internationalen Postdienstleistern und Plattformen im grenzüberschreitenden Handel zu bieten. Der logistic-natives e.V. arbeitet beispielsweise genau an solchen alternativen Dienstleistungen.

Ziel und Zweck des EU-Ecommerce-Pakets ist u.a. auch die Erleichterung des grenzüberschreitenden Handels für jeden Äändler- egal ob innerhalb der EU oder dem Handle mit Drittstaaten. Wir sehen, dass das EU-Ecommerce Paket momentan noch Händler, insbesondere kleine & mittelständische Händler. Verwirrt und zum Teil abschreckt. Dies ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Hier muss durch gezielten Informationsaustausch gegengesteuert werden.

Die Wirtschaft, die Wissenschaft, insbesondere Verbände und Institute, kommen ihrer Aufgabe prinzipiell nach. Wir würden uns allerdings diesbezüglich wünschen, dass wir von der Politik und dem Gesetzgeber stärkere Unterstützung erhalten und praxisorientierte Projekte gefördert werden.

Logistik express: Was hat Sie bei der Untersuchung am meisten überrascht?
Florian Seikel: Leider zeigt die Studie, dass es noch erhebliche Mängel in der Digitalisierung der handelsspezifischen Abläufe gibt. Aus unserer Sicht wird zukünftig kein Händler lukrativen grenzüberschreitenden Handel betreiben können, ohne seine Prozesse vollständig digitalisiert zu haben. Dies gilt für alle Bereiche. Tut er dies nicht, wird er künftig abgehängt und kaum noch wettbewerbsfähig sein können. Die großen, internationalen Unternehmen haben dies bereits erkannt und haben die Ressourcen, sich den Gegebenheiten anzupassen und daraus sogar einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Die Studie zeigt, dass die kleinen und mittelständischen Händler dies leider noch nicht vollständig erkannt haben. Die Folgen sind momentan nicht jedem bewusst. Dies gefährdet die Vielfalt des Marktes. Insbesondere in der DACH-Region gibt es einen breiten Mittelstand bei Händlern, der auch das Rückrat der Branche darstellt.

Logistik express: Gibt es aus Ihrer Sicht Anpassungsbedarf?
Florian Seikel: Selbstverständlich muss sich auch das EU-Ecommerce Paket regelmäßig einer Evaluierung unterziehen. Neben unserer nationalen Studie hat unser Europäischer Dachverband Ecommerce Europe mit Hilfe der nationalen Verbände eine europaweite Umfrage gestartet. Die Ergebnisse werden direkt der Europäischen Kommission zur Verfügung gestellt., um eventuelle Schwachstellen und praxisferne Vorgaben zu ändern. Aus unserer Sicht sind Gesetze prinzipiell nur so gut, wie ihr pragmatischer Ansatz. Eine Praxistauglichkeit für alle Betroffenen ist zwingende Voraussetzung einer erfolgreichen Umsetzung. Dies ist allgemein auch eines der Ziele, die das EU-Ecommerce Paket hat.

Für mich ist entscheidend, dass hier an einem Strang gezogen wird. Nur gemeinsam wird Gutes für den Mark erreicht. Daher auch unser breites Netzwerk. Wir stimmen uns international und europäisch mit unserem Dachverband ab, arbeiten national mit unseren verlässlichen Partnern wie dem ibi research Institut zusammen und sind in Österreich in sehr enger Absprache mit dem Handelsverband.at,
der das Thema vorbildlich im Österreichischen Markt transformiert. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Renaturierung oder aquatischer Exorzismus?

Fließende Gewässer wurden über viele hundert Jahre „reguliert“. Einer der Hauptgründe für Regulierungsmaßnahmen war die Angst vor dem (Hoch)Wasser. Aber auch aus landwirtschaftlichen Gründen suchte man nach Möglichkeiten, das Wasser zu beseitigen.

Redaktion: Peter Baumgartner.

Der Dämon Wasser musste ausgetrieben werden, weil er Hab und Gut und sogar das Leben der Menschen bedrohte. Man könnte also sagen, Wasserbauer sind aquatische Exorzisten. Der Exorzist, der den Exorzismus durchführt, soll in eine direkte Kommunikation mit dem Dämon treten und versuchen, dessen „Beseitigung“ herbeizuführen. Beim Exorzismus geht es also um die Abwendung des Bösen bis hin zu dessen Ausrottung. Genau wie im Wasserbau. Die Rituale, die dabei angewendet wurden und noch werden, sind vielfältig. Vielleicht nennt man deshalb die Trockenlegung von Feuchtgebieten in der Fachsprache „Wasseraustrieb“. Jedenfalls geschah die Besitzergreifung von aquatischen Ökosystemen über die Jahrhunderte zunehmend effizient. Wie effizient, zeigt zum Beispiel eine Forschungsarbeit (ENVIEDAN (Environmental history of the Viennese Danube, Umweltgeschichte der Wiener Donau 1500 – 1890) von Verena Winiwarter.

Die Wissenschaftlerin des Jahres 2013 hat mit einem interdisziplinären Team 500 Jahre Donauregulierung in Wien dokumentiert. Dabei wurde sichtbar, wie gravierend sich der Fluss selbst durch relativ einfache Wasserbaumethoden, in erdgeschichtlich gesehen kurzer Zeit, verändert hat. Fast unglaublich, wie aus einem Fluss, dessen Adern einst das Wiener Becken vollständig durchzogen, ein träg fließender Kanal wurde. Die langfristigen Folgen dieser menschlichen Aktivitäten sehen wir heute und sind Gegenstand einer Bewegung, die sich weltweit Renaturierung nennt. Inzwischen wurde nämlich erkannt, dass der Verlust von Überschwemmungsflächen ebenso verheerende Auswirkungen hat, wie seinerzeit der unregulierte Fluss. Allerdings werden jetzt die Kosten entstandener Schäden, zum Beispiel durch Überschwemmungen, um ein Vielfaches höher. Die neue Erkenntnis lautet daher, wir müssen an den Flüssen wieder einen naturnahen Zustand herbeiführen. Es muss „renaturiert“ werden.  Menschliche Eingriffe in die Natur sollen durch menschliche Eingriffe weitestgehend beseitigt werden und langfristig soll sich das Ökosystem ohne menschliche Hilfe wieder selbst regenerieren und erhalten. Dominierendes Streben ist die „Konnektivität“. Das Prinzip Vernetzung dominiert den gesellschaftlichen Wandel in allen Lebensbereichen – so auch im Wasserbau.

Grundlage für die Zielsetzung sind eine Reihe von Verordnungen, übergeordnete Planungen, Studien und Gesetze, die inzwischen festlegen, was bis wann und wie zu geschehen hat. Da gibt es zum Beispiel die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, 2000/60/EG). Sie wurde 2000 von den EU-Mitgliedsstaaten verabschiedet und sollte die europäische Wasserpolitik grundlegend reformieren. Erstmals werden darin Gewässer (Flüsse, Seen, Übergangsgewässer, Grundwasser, Küstengewässer) als Ökosysteme verstanden und erstmals werden Ziele für einen besseren Zustand dieser mit konkreten Fristen beschrieben. Zentrale Teile der Richtlinie sind ein Verschlechterungsverbot und eine Verbesserungspflicht. Schon 2027 sollen diese Vorgaben erfüllt sein.

Daneben gibt es den Green Deal der EU und als dessen Herzstück die EU-Biodiversitätsstrategie. Sie nennt als Ziel, die Biodiversität in Europa bis 2030 auf den Weg der Erholung zu bringen. Auf österreichischer Seite ist für die Zielsetzung neben den EU-Vorgaben das Wasserrechtsgesetz und der mittlerweile 3. Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP), der noch 2021 veröffentlicht wird, maßgeblich. Der wiederum fußt auf einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) und beschreibt zum Beispiel, welche Gewässerrenaturierungen schwerpunktmäßig durchzuführen sind und welche finanziellen Mittel dafür bereitgestellt werden.

Was sich die Nationalstaaten hier vorgenommen haben, ist eine Mammutaufgabe. Ähnlich wie das Vorhaben, dass unsere Vorfahren vor 500 Jahren begonnen haben, stehen wir jetzt vor der Aufgabe, alles wieder zu korrigieren. Der Bericht über den „Zustand der Natur in der Europäischen Union“ (2013-2018) zeigt, dass sich der Erhaltungszustand der Lebensräume im Vergleich zur Vorperiode nicht verbessert hat. Nur 15 % der Lebensraumbewertungen weisen auf einen guten Erhaltungszustand hin. Man steht in der EU praktisch erst am Beginn des Handlungsbedarfes. Entsprechend dramatisch klingt die Warnung der EU, wenn die Bemühungen um eine Ökologisierung nicht beschleunigt werden: „Geschieht dies nicht, so wird dies nicht nur die fortgesetzte Erosion unseres gemeinsamen Naturerbes zur Folge haben, sondern auch die fortgesetzte Erosion der lebenswichtigen Funktionen, die dieses Erbe liefert und die letztlich die Grundlage für die Gesundheit und den Wohlstand der Menschen bilden“.  Der nächste Zustandsbericht (2027) wird also zur Zäsur. Zahlreiche Umweltorganisationen in Österreich kritisieren und verweisen auf eine Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU), dass aktuell nur noch 15 Prozent der Flüsse ökologisch intakt sind. Bereits 2010 hat der Rechnungshof die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie überprüft und kritisiert, dass die vorgegebenen Ziele bis 2027 nicht erreicht werden. Auch im zweiten Bericht (2019-Ökologisierung Fließgewässer, zweite Sanierungsperiode), kritisierte der RH die massiven Verzögerungen in Österreich, die sogar ein Vertragsverletzungsverfahren seitens der EU zur Folge hatten. Aktuell kritisiert der WWF, dass Österreich nur einen Bruchteil des Finanzbedarfs zur Verfügung stellt, um die Vorhaben rechtzeitig umzusetzen. Besonders harsche Kritik übt der EU-RH an der EU-Agrarpolitik. Diese sei nicht geeignet, die Landwirtschaft dazu zu bringen, dass sie die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie erfüllt. Vielmehr fördere die EU-Agrarpolitik eine ineffiziente Wassernutzung.

Das klingt alles sehr kompliziert – ist es auch. Schließlich geht es nicht nur darum, unzählige Renaturierungsmaßnahmen zu setzen. Es geht auch um die Verteilung von sehr viel Geld. Wer ein Stück vom Kuchen bekommt, unterliegt einem komplizierten Prozedere, das nur von Experten durchschaubar ist. Bevor noch ein einziger Stein in der Natur bewegt wird, kämpfen Unternehmen und Organisationen mit dem Schöpflöffel und Baggerschaufel am Fördertopf. Eines der wichtigsten Finanzierungsprogramme für diese Aufgaben ist EU-LIFE. In der Programmperiode 2021-2027 stehen seitens der EU 5,43 Mrd. Euro an Fördergeld zur Verfügung. Die Finanzierung der Renaturierungsmaßnahmen erinnert ein wenig an das beliebte DKT-Brettspiel, das ursprünglich eigentlich „Spekulatio“ hieß und fast schon so alt ist, wie die Wasserbauwirtschaft. Tatsächlich gibt es seit 2021 „Das kaufmännische Talent“-DKT auch als Wachau-Version. Neben einer Donaulände kann man auch einen Treppelweg erwerben und damit spekulieren. Zur Präsentation des Spieles sind extra Nationalratspräsidenten Mag. Wolfgang Sobotka, Landeshauptmann-Stv. Dr. Stephan Pernkopf und der für die Donau zuständige Staatssekretär Dr. Magnus Brunnner in die Wachau-Gemeinde Rossatz-Arnsdorf zu Bgm. Erich Polz gereist.

Die Frage ist, kann das übergeordnete Ziel der Renaturierung und Beseitigung degradierter Ökosysteme überhaupt gelingen? Was ist ein natürlicher Lebensraum? Welchen Zustand sollen wir herstellen? Den von vor 100 Jahren, von vor 500 oder gar zehntausend Jahren? Man könnte auch die Prädonau als ideales Ziel anstreben. Wer bestimmt, welche ehemaligen Regulierungsbauwerke wieder abgerissen werden sollen? Vielleicht den Marchfeldschutzdamm, der der Donau 34 Quadratkilometer Auland gekostet hat? Anlässlich der aktuellen Neugestaltung des Nordwestbahnhof-Geländes in Wien, würde sich auch die Gelegenheit ergeben, dass alte „Fahnenstangenwasser“ – welches 1838 endgültig zugeschüttet wurde, wieder freizulegen. Dann könnten Schiffe endlich wieder am Augarten anlegen. Es stellt sich auch noch die Frage, wessen natürlicher Lebensraum soll prioritär geschützt werden? Den der Fische, der Vegetation oder des Wassers? Forscher an der Uni Wien halten fest, dass eine vollständige Regeneration des Ökosystems oftmals nur in historischen oder geologischen Zeiträumen möglich ist. Andere behaupten überhaupt, dass wir mit dem Vermächtnis vergangener Generationen werden leben müssen. Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, Abwasser Einträge, Regulierungen, Kraftwerksbauten, Feststoffhaushalt, Sohleeintiefung usw., all das wird uns bis in alle Ewigkeit begleiten.

Ist also alles rund um die Renaturierung und Ökologisierung für die Katz, wenn wir es eh nicht schaffen? Da muss man wohl einwenden, dass sich der ganze Aufwand jedenfalls für die Wirtschaft lohnt. Was würden die vielen Wasserbauexperten machen, wenn keine neuen Eingriffe in die Natur erfolgen sollen und Rückbauten auch nicht? Was jetzt gerade passiert ist, dass sich die Wirtschaft die gesellschaftliche Änderung zunutze macht und die Kriegskasse füllt. Wir haben nämlich die paradoxe Situation, dass Renaturierungsmaßnahmen und neue Eingriffe in die Natur parallel laufen. Das wird so nicht mehr lange gehen. Der Widerstand wächst. Vor dem Hintergrund der Dekarbonisierung in der Energieversorgung, wachsen die Begehrlichkeiten bezüglich erneuerbarer Energie. Besonders der Ausbau der Wasserkraft soll die Energieversorgung retten. Eine ganze Reihe von namhaften Experten läuft aber bereits dagegen Sturm, weil sie der Meinung sind, das würde den gegenwärtigen Trend des Biodiversitätsverlusts verschärfen. Alle Umweltorganisationen haben sich bereits ebenfalls gegen neue Wasserkraftwerke ausgesprochen, die nicht naturverträglich gebaut werden.

Zusammenfassend bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Wie ernst ist es den Entscheidungsträgern mit der Ökologisierung? Unser Flusssystem und das aquatische Ökosystem hat zwar einen großen Anteil am Gesamtsystem, ist aber eben nur ein Teil des großen Ganzen. Damit das Gesamtsystem funktioniert, müssen alle Räder ineinandergreifen. Hat schon mal jemand gesagt, wir müssen nicht nur Flüsse, sondern auch Autobahnen renaturieren? Wie sinnbefreit ist das Ansinnen, Flüsse hochwasserfit zu machen, wenn gleichzeitig die Bodenversiegelung an Land ungehindert fortschreitet? Welchen Sinn hat der Schutz von Fischbeständen, wenn gleichzeitig die Einträge aus der Landwirtschaft und Industrie zunehmen? Brauchen wir mehr Natur nur deshalb, damit wir noch mehr Natur verbrauchen und zerstören können?

»Es ist noch nie gelungen, ein Problem an seinem Ende zu reparieren. Man muss an seine Ursachen gehen«, sagt die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter. (PB)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Re:Think – mit dem 28. Österreichischen Logistik-Tag

Viele Auftragsbücher sind voll, aber der Schein trügt: die Wirtschaft, wie wir sie kennen, steht auf der Kippe. Aktuelle und künftige Probleme lassen sich nicht mit bekannten Maßnahmen lösen, ein Umdenken ist nötig. Auf dem Future Lab und dem Logistiktag am 28. und 29. September werden neue Wege aufgezeigt, die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Natürlich darf auch die Gala zur Verleihung des Österreichischer Logistik-Preises 2021 nicht fehlen.

Einen Blick in die Zukunft werfen, und das ganz ohne Glaskugel… wer wünscht sich das nicht? Beim Logistik-Future-Lab am 28. September 2021 im Design Center Linz findet nicht nur die Start-up-Lounge für frische Geschäftsideen statt, auch das Vortragsprogramm kann sich sehen lassen. Das Schöne am Future-Lab ist, dass es keine Denkverbote gibt. „Beim Future-Lab geht es um Themen, die konkrete Beiträge zur Weltverbesserung und bald umsetzbar sind“, erklärt Franz Staberhofer, Obmann VNL Österreich und Leiter Logistikum, der die Begrüßungsrede halten wird.

Live aus Mountain View, Silicon Valley, wird Andreas Wendel für den ersten Vortrag zugeschaltet: „Fahrerlose LKW – Traum oder Realität?“ Als VP of Engineering, Kodiak Robotics, ist er Experte für die Verwirklichung autonomen Fernverkehrs. Stellt sich die Frage, ob sich das Konzept von den Highways in den USA auch auf Österreich ummünzen lässt.

Ab 14 Uhr hat man die Wahl zwischen verschiedenen Themenschwerpunkten, die in den Sälen A und B sowie im Kinosaal parallel behandelt werden. Beim Themenschwerpunkt „Just-in-Real-Time: Echtzeit-Daten für bessere Entscheidungen und resiliente Lieferketten“ (Kinosaal) moderiert Markus Gerschberger, Head of Research Department Supply Chain Management, Logistikum. Angesichts der erst kürzlich vorgefallenen, schmerzhaften Lieferkettenunterbrechungen – Stichwort Suezkanalblockade oder auch Corona – könnte Concurrent Planning die Erlösung bringen. Aber auch Machine Learning hilft, die Vorhersehbarkeit zu steigern. Die Beiträge dazu: „Warum gleichzeitige Planung zu mehr Resilience führt als Planungsgenauigkeit“ von Hans Georg Kaltenbrunner, Industry Principal EMEA, Kinaxis, sowie „Crisis Management & Supply Chain Resilience“ von Darko Belic, Geschäftsführer DHL Supply Chain Automotive GmbH Germany. Zweiter Themenschwerpunkt im Kinosaal: „Österreich – ein aktiver Gestalter des Straßengüterverkehrs der Zukunft?“ moderiert von

Matthias Neubauer, Professor für Logistikinformationssysteme | Hyperconnected Logistics Systems, Logistikum. Als Beiträge dazu: „Chancen und Grenzen alternativer LKW-Antriebstechnologien im Praxiseinsatz“ von Jürgen Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung, Gebrüder Weiss GmbH sowie „Testregion Digitrans – Wir bringen die Zukunft des autonomen Transportes auf die Straße“ von Eva Tatschl-Unterberger, DigiTrans GmbH, „AWARD – Hochautomatisierter Gütertransport unter widrigen Wetterbedingungen“ von Armin Humer, DB Schenker und „ESRIUM – Intelligente und vernetzte Straßeninfrastruktur für den hochautomatisierten Güterverkehr“ von Bernd Datler, ASFINAG Maut Service.

In Saal A lautet der Themenschwerpunkt „Emissionsreduktionen in Transportketten: Von der Analyse zu Optimierungsmaßnahmen“ moderiert von Oliver Schauer, Studiengangsleiter Digitales Transport- und Logistik-Management am Logistikum. Beiträge dazu: „Bevor man managen kann, muss man messen“ von Jakob Muus, Founder CEO Track GmbH; „Modal shift – ein Beitrag zum Green Deal?“ von Karl Schauer, Direktor LKW WALTER; „Sustainability, CO2 Emissions & Inland Waterways“ von Lisa-Maria Putz, Professor for Sustainable Transport am Logistikum und Alan Lewis, Technical Director, Smart Freight Centre. Beim zweiten Themenschwerpunkt nach der Pause geht es um „Das Lieferkettengesetz: Worauf müssen sich Unternehmen in Supply Chain und Beschaffung vorbereiten?“, moderiert von Gerald Schönwetter, Professor für Logistik am Logistikum. Beiträge dazu: „Was passiert in meiner Lieferkette? Predicitive Riskmanagement“ von Harald Nitschinger, Co-Founder & Managing Director, Prewave – predictive risk intelligence from social media data sowie „Nachhaltigkeitsratings für Unternehmen“ von Elisabeth Lohmayer, Account Executive Mid-Market, EcoVadis.

Auch in Saal B gibt es Themenschwerpunkte. Der erste lautet „future factories brauchen eine Revolution in der Intralogistik“, moderiert von Martin Riester, Geschäftsbereich Logistik und Supply Chain Management, Fraunhofer Austria Research GmbH. Beiträge dazu: „flexible intralogistics for future factories“ von Roland Sitar, Technology & Automation Manager flex und Patrick Bernauer, Motion & Laboratory Engineer flex sowie „Quantensprung in der Intralogistik durch eine integrierte, KI-basierte Optimierung von mobilen Robotern und Gabelstaplern“ von Wolfgang Hackenberg, Geschäftsführer, SYNAOS GmbH. Themenschwerpunkt zwei: „Shopping von morgen: Logistik zwischen POS (Point-of-Sale) und POD (Point-of-Delivery)“ moderiert von Oliver Schauer, Studiengangsleiter Digitales Transport- und Logistik-Management am Logistikum. Gleich vier Beiträge warten in diesem Bereich: „Global.Web.Shop – Das erste reale Handelshaus in der virtuellen Welt“ von Michael Stockinger, Sales Stranzinger Gruppe; „OmniStore – Neue Wege zu den Kunden“ von Peter Prisching, Director of Shopconsult Umdasch Venture und Michael Schedlbauer, Industry Manager Grocery, TGW Logistics; „Die letzte Meile 2.0“ von Johannes Braith, CEO & Co-Founder, Storebox Holding GmbH und Roland Sitar, Technology & Automation Manager, flex; „WienBox – Ein Service der Wiener Stadtwerke“ von Nadine Adensam, Projektmanagement Wien – Out Of The Box und Stefan Tichacek ,WIENER LOKALBAHNEN GmbH.

Im Rahmen der anschließenden Abendgala im Palais Kaufmännischer Verein in Linz wird der Österreichische Logistik-Preis 2021 verliehen, zuvor wird Wolfgang Lehmacher, Globaler Vordenker und Praktiker der Logistik, Direktor Emeritus Supply Chain & Transport Industries beim Weltwirtschaftsforum über „USA und China im Wettlauf: Auswirkung auf Europa und die globalen Lieferketten“ referieren.

Am 29. September findet dann der eigentliche Österreichische Logistiktag im Design Center Linz statt. Pünktlich um 9 Uhr wird Franz Staberhofer die Eröffnung vornehmen. Hoffentlich hat niemand zu lange beim Networking der Abendveranstaltung gefeiert, denn für die Keynote „Supply Chain: a key to unlock RHI Magnesita’s Transformation“ von Stefan Borgas, President & CEO RHI Magnesita, sollte man wirklich ausgeschlafen sein. Wie schon am Vortag geht es dann dreigeteilt weiter, mit parallelem Programm in den Sälen A, B sowie im großen Saal.

Im großen Saal lautet das erste Thema „Visibility im Transportnetzwerk: Welchen Nutzen ziehen die verladende Wirtschaft und Dienstleister daraus?“, moderiert von Andreas Breinbauer, Leiter der FH-Studiengänge Logistik und Transportmanagement, Fachhochschule des BFI Wien. Die Beiträge dazu: „Integriertes Transportmanagement – Digitale Transformation im Inbound Liefernetzwerk“ von Alfons Dachs-Wiesinger, Director Logistics Network, MAGNA STEYR FAHRZEUGTECHNIK AG & CO KG;

„Sappi‘s fully transparent supply chain powerd by Shippeo“ von Christian Weber, Head of Supply Chain, Service Management, Sappi Europe und Marcel Prengel, Strategic Account Executive, Shippeo; „Vertrauen, Transparenz und Kontrolle – Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft im erfolgskritischen Schlüssel-Prozess der Ersatzteil-Logistik“ von Harald Wegerer, Vice President Customer Service Division, ENGEL Austria GmbH.

In Saal A stehen „Frische und Convenience als Treiber innovativer Handelslogistik“ im Fokus – moderiert von Oliver Schauer, Professor für Logistik am Logistikum. Beiträge dazu: „Gurkerl.at – Wiens innovativster Online-Supermarkt“ von Maurice Beurskens, CEO gurkerl.at sowie „UNIBOX – Kleinstformat in der LEH-Supply Chain“ von Robert Knöbl, Geschäftsführer, UNIMARKT GRUPPE GmbH. Im Saal B dreht sich alles um „Flexible und skalierbare Intralogistik für die Materialbereitstellung und künftige Produktionsanforderungen“ moderiert von Eduard Wünscher, CEO WEGIP GmbH, ehem. CEO KNAPP. Beiträge dazu: „Logistik für eine flexible und wandlungsfähige Produktion“ von Robert Schulz, Institutsleiter, Institut für Fördertechnik und Logistik Universität Stuttgart; „Innovative Lager- und Kommissionierlösungen für Groß- und Kleinteile in der Automobilindustrie“ von Werner Josef Frissenbichler, Geschäftsführender Gesellschafter, FB Automation und Gerhard Krauser, Head of Supply Chain Engineering, Global SCM, MAGNA STEYR FAHRZEUG-TECHNIK AG & CO KG.

Auch nach der Mittagspause muss man sich für einen der drei Säle entscheiden. Schwerpunkt im großen Saal: „Unterschiedliche Kundenerwartungen an verschiedene Absatzkanäle erfordern differenzierte Supply Chain-Strategien für Handel und Produzenten“, moderiert von Klaus Venus, Geschäftsführender Gesellschafter, Ifl Consulting GmbH. Beiträge dazu: „Der Kunde im Fokus – Wertschöpfungskette der Zukunft“ von Michael G. Huber, Head of Global Supply Chain – Demand Supply Intelligence, BSH Hausgeräte sowie „Trends, Strategien & Konzepte für mehr Kundenorientierung in der Handelslogistik“ von Michael Lauer, Prokurist, Group Head of Logistics, MediaMarktSaturn Deutschland.

Spannender Schwerpunkt in Saal A: „Supply Chain-Risk-Management: Sicherung der Warenversorgung und der Liefertreue“ moderiert von Martin Hofer, Geschäftsführer, valantic Supply Chain Excellence GmbH. Beiträge dazu: „Risikomanagement in Halbleiter-Lieferketten – wie globale Flexibilität und andere Maßnahmen Risiken mindern und Chancen nutzen“ von Hans Ehm, Senior Principal Engineer Supply Chain, Infineon sowie „Von den unsichtbaren zu den gewichteten und transparenten Logistikketten – Wie die Zentralität durch Kosten und Verfügbarkeit verändert wird“ von Jürgen Gumpinger, Vice President Group Logistics, KTM AG. In Saal B geht es um „Digitale und automatisierte Supply Chain-Prozesse als Effizienztreiber in traditionellen Unternehmen“ moderiert von Veit Kohnhauser, Fachbereichsleiter Logistik & Operations Management, FH Salzburg. Beiträge dazu: „Wie Digitalisierung Supply Chain-Prozesse im traditionellen Handel optimiert“ von Sabine Thaler, Project Manager, Unser Lagerhaus Warenhandels GmbH sowie „Wie können digitale E2E Supply Chain-Prozesse den Kundennutzen in der Baustoffindustrie steigern?“ von Günther H. Gfrerrer, Head of Supply Chain Management, Wienerberger Building Solutions Wienerberger AG. Ehe sich dann alle aufs Logistik-Bier treffen, lockt noch eine interessante Keynote alle zusammen in den großen Saal: „Chaos in den Lieferketten. Mikro- und makroökonomische Auswirkungen“ von Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel.

An beiden Tagen gibt es zudem eine spannende Fachausstellung und eine Start-up-Lounge. Für den Einlass kommt die 3G-Regel zum Einsatz, natürlich gibt es auch ein umfassendes Hygienekonzept für eine sorgenfreie Teilnahme.

 


 

Im Vorfeld der Veranstaltung wollten wir vom Vereinsobmann Franz Staberhofer wissen, wie es den Mitgliedern aktuell so geht: „Die Umsätze sind teilweise auf Rekordkurs, in vielen Bereichen sind Unternehmen ausgelastet bis ins zweite Quartal 2022. Eines der Hauptthemen ist natürlich das Personal, beispielsweise in der Gastronomie. Natürlich wird COVID uns weiter beschäftigen, aber wir sind in den letzten 1,5 Jahren gut damit umgegangen, und so wird es auch weiterhin sein. Bei der Veranstaltung bietet wir durch 3G maximale Sicherheit, wie es das Gesetz und auch die Vernunft uns vorschreiben.“ Wie sieht er die aktuellen Bemühungen hinsichtlich Klimaschutz? „Ich stimme der Feststellung des Rechnungshofes zu und bin persönlich davon überzeugt, dass einschneidende, heftige Maßnahmen nötig sind, um eine Änderung zu erzielen. Allerdings sind die Wünsche der Beteiligten oft widersprüchlich und die Konsequenzen und deren Umsetzung sind zu kurz gedacht. So passen der Green Deal und das Lieferkettengesetz teilweise nur schlecht zusammen. Denn wenn Elektroautos die Lösung der Co2 Problematik sein sollen, Lithium aber beispielsweise aus Afghanistan kommt, passt das einfach nicht. Maßnahmen zum besseren Umgang mit Ressourcen sind wichtig, und die Logistik und die Supply Chain müssen ihren Beitrag leisten, aber wir wollen keine sinnlosen Aktionen mittragen. Angenommen, man würde 6 Millionen LKW durch Elektrofahrzeuge austauschen, dann wäre das keine nachhaltige Lösung – besser ist es, weniger LKW einzusetzen, beispielsweise durch neue Transportkonzepte. Es braucht dringend ein Re-Think: wenn man es ernst meint, dann muss man den Themen mit neuen Zugängen begegnen anstatt mit zu kurz gedachten Maßnahmen. Hier fehlt aktuell die Nüchternheit. Darum unser Veranstaltungsmotto, hier werden Beispiele für reale Beiträge aufgezeigt, die sich auch umsetzen lassen.“

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

MAN: Wieviel ist eine Unterschrift wert?

Im Dezember 2018 wurden in München Standort- und Beschäftigungssicherungsverträge für MAN unterzeichnet, wodurch betriebsbedingte Kündigungen bis 31. Dezember 2030 ausgeschlossen werden sollten. Nun, in Zeiten der Krise, ist der Vertrag nicht mal das Papier wert, auf dem er steht. Dass bereits Leistungen und Zugeständnisse erfolgt sind, scheint plötzlich irrelevant. Worauf kann man noch vertrauen?

Für alle, die es nicht wissen: MAN gehört zum VW-Konzern, dem größten Automobilhersteller der Welt. Trotz Rückgängen im Corona-Jahr 2020 fuhr das mehrheitlich von den österreichischen Familien Porsche und Piëch kontrollierte Unternehmen rund 8,8 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern ein. Trotzdem sollen gerade jetzt, wo jeder einzelne Arbeitsplatz besonders wertvoll ist, bis zu 9.500 von 39.000 Stellen abgebaut und so das MAN-Ergebnis um 1,8 Milliarden Euro aufgebessert werden. Hat die reichste Familie Österreichs – ihr Vermögen wird auf 33,8 Milliarden Euro geschätzt – es so nötig?

Konzern in der Krise.
Seit 1919 werden in Steyr LKW gefertigt – mehr als 100 Jahre, davon die letzten mehr als 30 Jahre für MAN. Ab 1999 wurde in Oberösterreich die gesamte Lastwagen-Produktion der leichten und mittleren Baureihe von MAN gefertigt. Die börsennotierte MAN SE gehört zu rund 95 Prozent der Traton SE, deren Hauptaktionär wiederum der VW Konzern ist. Zur Traton-Gruppe gehören übrigens auch die schwedische Scania und Volkswagen Caminhoes e Onibus in Brasilien. Von 2019 auf 2020 musste MAN SE einen Umsatzrückgang von 14 Prozent hinnehmen, das Operative Ergebnis lag bei –631 Mio €, die Operative Rendite fiel 2020 auf – 5,8%. Da werden die Aktionäre wohl nicht gejubelt haben. Dem Geschäftsbericht 2020 ist zu entnehmen, dass MAN als strategischen Zielwert eine Operative Rendite von 8% anstrebt, um Investitionen und Entwicklungen zu ermöglichen. Dies soll durch eine „Unternehmenstransformation“, also den massiven Stellenabbau und die Schließung von Werken – die deutschen Standorte Plauen, Wittlich und eben das oberösterreichische Steyr – ermöglicht werden. Dabei wurden doch gerade erst 60 Millionen Euro in die neue Kunststofflackierungsanlage (übrigens die größte Lackieranlage für LKW-Kunststoffanbauteile in Europa) investiert… Aktuell sind in Steyr ca. 1.500 Mitarbeiter in der Produktion (Mechaniker, Lackierer, Schweißer,..), 700 im administrativen Bereich und rund 150 Lehrlinge beschäftigt. Nicht zu vernachlässigen die ganzen Zulieferbetriebe, die direkt oder indirekt von dem Werk abhängig sind. Der Plan der (gerade wegen Misserfolgs ausgetauschten) Unternehmensführung sieht eine Verlagerung der Produktion nach Polen und/oder in die Türkei vor, um Kosten einzusparen. Zu diesem Zwecke wurde einseitig durch Ziehen der „Schlechtwetterklausel“ der Standortsicherungsvertrag aufgekündigt.

Das kann teuer werden.
Der Aufschrei ist natürlich groß, nicht nur von Seiten der (kampfbereiten) Belegschaft, sondern auch aus der Politik formiert sich Widerstand. Was für ein Signal sendet das aus, wenn ein Vertrag so einfach einseitig aufgekündigt werden kann, nachdem sich die andere Seite an alle Bedingungen gehalten hat? Und diese Bedingungen waren nicht ohne: Im Gegenzug für die Zusicherung der Arbeitsplätze haben die Mitarbeiter auf Überstundenzulagen und auf Pausen verzichtet, wodurch bei gleichem Lohn zwei LKW mehr täglich produziert wurden. Bedenkt man den Neupreis eines MAN-Trucks, war das kein schlechtes Geschäft für den Konzern. Mit einer globalen Pandemie samt Nachfrageeinbruch konnte damals ja niemand rechnen. Im guten Glauben an das Fortbestehen des Werkes hat die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG seit 2017 insgesamt 2,4 Millionen Euro in Projekte mit MAN investiert – Steuergelder natürlich, was denn sonst. Allerdings: bei betriebsbedingten Schließungen können Forschungsgelder binnen drei Jahren zurückgefordert werden. Damit nicht genug, laut einer Expertise des Linzer Zivilrechtsexperten und Rektors der Johannes-Kepler-Universität (JKU), Meinhard Lukas, könnten auf die Konzernmutter im schlimmsten Fall bis zu 1,4 Milliarden Euro Kündigungsentschädigungszahlungen bis 2030 zukommen. Bei erwarteten Einsparungen von 80 Millionen Euro pro Jahr durch eine Verlagerung der Produktion nach Polen rinnt da noch viel Wasser die Weichsel hinunter, bis sich das rentiert (den Imageschaden nicht einberechnet). Kein Wunder, dass Alternativen wie eine Übernahme durch Investoren willkommen wären.

Wolf im Schafspelz?
So schön hatte sich Investor und Ex-Magna-Manager Sigfried Wolf es ausgedacht, schon im Juni hätte er das Ruder übernehmen wollen, um nach der Übernahme durch seine WSA Beteiligungs-GmbH ein eigenständiges Unternehmen in Steyr mit Logistik und Vertrieb aufzubauen. Mit sieben Produkten für den Exportmarkt unter der Eigenmarke Steyr – leichte Kastenwagen mit Dieselmotoren und Elektroantrieb, Pritschenwagen, Kastenwagen und mittlere Lkw zwischen sechs und zwölf Tonnen sowie zwei Busse mit Elektroantrieb. Mit einem Teil der Stammbelegschaft, die zudem bis zu 15 Prozent Kürzung bei ihrem Nettoeinkommen in Kauf nehmen sollten. Aber da als einzige Alternative die Schließung drohte, schienen die Pläne sehr erfolgversprechend. Allerdings hatte er die Rechnung ohne die Belegschaft gemacht. Denn wie inzwischen wohl jeder weiß, entschieden sich die Mitarbeiter in der Urabstimmung Anfang April mehrheitlich gegen das Übernahmeangebot. Ups! Nach den Einbußen der letzten zwei Jahre ist es ihnen kaum zu verdenken, dass sie keine Lust auf noch mehr Verzicht hatten. Dazu gab es Befürchtungen, die weithin bekannten Verbindungen von Wolf zu Russland würden sich negativ auswirken. Und schließlich wurden schon einmal Versprechen gebrochen – wenn Garantien nicht zählen, worauf kann man sich dann noch verlassen? Wie hätten Sie abgestimmt? Ich wüsste es nicht…

Mit seiner Erfahrung ist Wolf ein knallharter Geschäftsmann, der sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten lässt, und es bleibt abzuwarten, ob da nicht doch noch eine Nachbesserung kommt – denn die Gelegenheit ist günstig, und das geballte Know-How der Belegschaft durchaus wertvoll. Es gäbe auch noch das „Green Mobility”-Projekt des Konsortiums rund um den Unternehmer Karl Egger (KeKelit), allerdings scheint das von der MAN-Zentrale nicht ernst genommen zu werden. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp sind jedenfalls kampfbereit, wenngleich die Erfolgsaussichten nicht gerade rosig sind.

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

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