Ukraine-Krieg wirbelt Lieferketten durcheinander

Die Welt ist seit der Invasion Russlands in die Ukraine schlagartig eine andere geworden. Und damit auch die Welt der Logistik.

Beitrag: Redaktion.

Am 24. Februar 2022 trat in Europa eine Zeitenwende ein, wie es Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz in Reaktion auf die Invasion Russlands in die Ukraine formulierte. An diesem Tag brach in Europa Krieg aus, dessen Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens noch nicht abschätzbar sind. Hält schon die Corona-Pandemie die Welt seit zwei Jahren in Atem so verschärft der Krieg die Krisensituation noch einmal mehr. Praktisch über Nacht hat sich auch die Welt für die globale Logistik und Rohstoffversorgung grundlegend verändert. Eingespielte Logistikketten funktionieren nicht mehr, Transporte planen war gestern, improvisieren steht heute auf der Tagesordnung. Gütertransporte per Schiff sind genauso nicht mehr planbar wie jene auf Straße, Schiene oder in der Luft. Beim genauen Hinschauen auf das Thema werden die massiven Einschläge sichtbar.

Ein Beispiel dafür ist der Hamburger Hafen, der wichtigste Container-Exporthafen für Österreich. 5,6 Mio. t Fracht aus und für Österreich wurden im Vorjahr via Hamburg umgeschlagen, ein schönes Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020. Und doch ist die Freude im Elbe-Hafen betrübt denn immerhin 337.000 Container wurden bisher jährlich von und für Russland via Hamburg umgeschlagen. Mit elf Liniendiensten wurden von Hamburg aus verschiedene russische Häfen bedient, das alles geht derzeit nicht, weil Russland mit EU-Sanktionen belegt ist und praktisch kein Warenverkehr zwischen EU und Russland stattfindet.

In Hamburg staut sich russische Ladung und Axel Mattern, Vorstand von Hamburg Hafen Marketing, wagt derzeit keine Prognose, wie es künftig mit dem Russland-Handel weitergehen wird. Faktum ist, dass bekannte Reedereien wie Maersk, CMA CGM, MSC oder Hapag Lloyd keine Buchungen mehr für Russland und Ukraine akzeptieren.

Massiv zu spüren bekommt den Ukraine-Krieg der maritime Terminalbetreiber HHLA mit Sitz in Hamburg. Im ukrainischen Hafen Odessa betreibt HHLA einen Containerterminal, der am 24. Februar behördlich geschlossen wurde und seither ruht hier die Arbeit und sind viele von den 450 HHLA-Mitarbeitern in alle Winde verstreut sind, Männer an der Waffe, Frauen und Kinder auf der Flucht. Entlang der ukrainischen Schwarzmeerküste wurden bisher fünf Schiffe Opfer von kriegerischen Angriffen. Weshalb Reedereien mit ihren Schiffen das Schwarze Meer meiden und sich Ladung in anderen Häfen staut, weil das Fahrtgebiet derzeit zu gefährlich ist, weil Seeminen im Meer herumschwimmen und eine große Unfallgefahr für die Schiffe und deren Besatzung darstellen.

Dem Geschäft mit der Luftfracht geht auch die Luft aus. Alle russischen Flugzeuge sind aus dem EU-Luftraum verbannt, umgekehrt können westliche Airlines das weltgrößte Land Russland derzeit nicht überfliegen, geschweige denn anfliegen, weil Russland den Westen das verboten hat. Flüge von Europa nach Asien müssen Russland umfliegen, das dauert nicht nur länger, sondern verursacht auch höhere Kosten und die Flugzeuge müssen die Frachtkapazitäten um 20 Prozent reduzieren. Das wiederum treibt wiederum die Frachtraten in die Höhe. Auch die Bahnen haben das Nachsehen. In den vergangenen Jahren hat sich die eiserne Seidenstraße als Alternative zum doch langen Seeweg im Fernost-Trade etabliert und wurde auf der Schiene immer mehr Fracht von China via Russland nach Europa und vice versa gefahren. Die Nachfrage nach dem Bahntransport durch Russland ist schlagartig eingebrochen, was für Logistiker einen harten Einschlag bedeutet. In „normalen“ Zeiten wurden rund eine Mio. Container pro Jahr auf dem Landweg von Fernost nach Europa und retour befördert. Alle diese Behinderungen führen dazu, dass sich Logistiker derzeit in der Ukraine und Russland geschäftlich nicht präsent sind.

Lieferketten werden durcheinander gewirbelt, Produktionen gedrosselt, weil Rohstoffe oder Komponenten nicht verfügbar sind. Die Versorgung mit Waren und Rohstoffen für Österreichs Handel und Industrie war schon während der Corona-Pandemie auf unterschiedliche Weise gefährdet, der Krieg markiert eine weitere Eskalationsstufe. Die Störungen in den Lieferketten führten zu Beginn der Corona-Krise zu erheblichen Preissteigerungen bei begehrten Rohstoffen. Die globalen Lieferengpässe haben Österreichs Wirtschaft in zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres 750 Mio. Euro gekostet, wie die Österreichische Nationalbank kürzlich vorrechnete. Was also tun in unsicheren Zeiten. Eine der Antworten lautet: Weg vom Single Sourcing, also Abhängigkeit von nur einem Lieferanten, hin zum Dual Sourcing, ja zum Multiple oder sogar Global Sourcing.

Mit mehr Lieferanten lassen sich Ausfälle.
besser ausgleichen. Dual Sourcing erweist sich in Krisenzeiten als Retter in der Not. Diese Erkenntnis wird in Österreichs Handel und Industrie gerade populär. Bricht ein Lieferant ganz oder vorübergehend weg, springt ein zweiter für ihn ein. Das macht die Supply Chain wesentlich resilienter als beim Single Sourcing. Aus eins mach zwei – das ist das Prinzip von Dual Sourcing im Einkauf. Bei zwei Lieferanten muss es aber nicht bleiben. Je nach Branche und Marktumfeld lässt sich die Versorgung auf weitere Schultern verteilen. In diesem Fall spricht man von Multiple Sourcing.

Als Einkäufer in Handel und Industrie sollte man nicht alle Eier in einen Korb zu legen, hält Oliver Wagner, Geschäftsführer des österreichischen Zentralverbandes Spedition & Logistik in Zeiten wie diesen für unabdingbar: „Die Abhängigkeit von einem einzigen Partner in der Supply Chain war niemals eine resiliente Lösung, da Probleme bei diesem Partner sofort auf die gesamte Lieferkette durchschlagen.“ Deshalb hoffen Österreichs Logistiker, dass ihre Kunden künftig stärker das Multiple- und Global
Sourcing forcieren. Nicht nur in Pandemie-Zeiten kann Dual oder Multiple Sourcing beim Einkauf helfen. Es wappnet Lieferketten auch gegen Naturkatastrophen wie eben Kriege, Vulkanausbrüche, Naturkatastrophen oder unerwartete Veränderungen im Beschaffungsprozess wie beispielsweise Insolvenzen, Produktwechsel oder Preiserhöhungen.

In unsicheren Beschaffungszeiten hilfreich ist Rohstoffe auf Vorragt zu lagern, sprich Pufferlager für den Fall der Fälle aufzubauen. Solche seien klar zu forcieren, betont Wagner und rechnet mit einer Rückverlagerung von Produktionen nach Europa und den Aufbau von Pufferlagern. Corona und der Krieg in der Ukraine könnten eine „Deglobalisierung“ bewirken. Das würde bedeuten, dass der Handel zwischen dem Westen und China und Russland relativ zum Bruttoinlandsprodukt abnehmen wird, schätzen Experten die Entwicklung ein. Denn Faktum ist: Politische motivierte Handelshemmnisse verbunden mit geopolitischen Risiken belasten die internationale Arbeitsteilung massiv und begünstigen die Ausbildung eines wirtschaftlichen Nationalismus. (RED)

 

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Rekordjahr und rosige Zukunft bei Dachser

In einer Video-Pressekonferenz verkündete die Dachser-Führung ein herausragendes Konzernergebnis – und wagte einen Ausblick auf das Jahr 2022 im Angesicht von Krieg und Krise.

Redaktion: Angelika Gabor.

Am 5. April hielt Dachser SE-CEO Burkhard Eling die Jahrespressekonferenz ab, bedingt durch Corona nach wie vor nur online. Kurz: 2021 war das beste Jahr der Firmengeschichte. Ein Grund zu feiern, wäre da nicht die Tragödie vor unserer Haustüre, der Krieg in der Ukraine. Gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern von terre des hommes und anderen Hilfsorganisationen engagiert sich das Unternehmen in der Hilfe für Ukraine-Flüchtlinge.

Wesentliche Kennzahlen des Geschäftsjahres

Dachser verzeichnete im abgelaufenen Jahr einen außergewöhnlichen Wachstumsschub. Der Umsatz stieg von 5,6 Milliarden Euro auf 7,1 Milliarden Euro – dies entspricht einem Plus von 26 Prozent. Zur Erinnerung: Das Jahr 2020 hatte Dachser aufgrund der umfassenden Lockdowns in einigen Ländern Europas mit einem leichten Minus von in etwa einem Prozent abgeschlossen. Die letztjährigen Zugewinne sind also auch im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ein gewaltiger Sprung, wobei diese Entwicklung ohne Akquisitionen, also rein organisch, geschah. Alle Geschäftseinheiten waren in unterschiedlichem Ausmaß an dem positiven Jahresergebnis beteiligt.

2021 markiert in jeglicher Hinsicht ein Rekordjahr in der Geschichte von Dachser. Neben dem Umsatz stiegen auch die transportierten Mengen um 7,7 Prozent auf 42,8 Millionen Tonnen und die Zahl der Sendungen um 6,3 Prozent auf 83,6 Millionen.

Dieses substanzielle Mengenwachstum verzeichnete das Unternehmen in beiden Geschäftsfeldern. Wesentliche Teile der Umsatzentwicklung resultierten darüber hinaus aus den signifikanten Preissteigerungen, die die Logistik im vergangenen Jahr prägten. Frachtraum war extrem knapp, begehrt und daher teuer. Der Brexit, der mitten in einer Pandemie-Welle vollzogen wurde, brachte zu Jahresbeginn erhebliche Turbulenzen mit sich.

Darüber hinaus hatte die Pandemie das öffentliche und wirtschaftliche Leben noch weitgehend im Griff. Eine durchgängig hohe Nachfrage der Kunden aus Industrie und Handel sorgte dennoch für außergewöhnlich hohe Mengen in den Dachser-Netzen. Massive internationale Lieferengpässe, vor allem in der Seefracht, verunsicherten die Unternehmen, sodass Lagerbestände neu bewertet und auch strategische Anpassungen der Supply Chains eingeleitet wurden. Stichworte: Dual Sourcing und Near Shoring.

„Viele Beschaffungsprozesse funktionierten nicht mehr wie gewohnt. Das sorgte für Nervosität bei unseren Kunden. Produkte für das Weihnachtsgeschäft aus Asien beispielsweise kamen erst im Oktober in Europa an. 2021 mussten wir ständig neue Lösungen finden. Die Logistik rückte in den Blickpunkt der Vorstandsetagen mit noch nie dagewesener Priorität und Relevanz. Unser strikter Qualitätsanspruch hat sich ausgezahlt. Wir haben unseren Kunden das Versprechen gegeben, ein Anker der Stabilität in turbulenten Zeiten zu sein. Dieses Versprechen haben wir gehalten“, so Eling. Als Folge dessen konnte Dachser bestehende Kunden fest an sich binden und gerade bei Großkunden die Geschäftsbeziehung gezielt und strategisch ausbauen.

„Unsere Kunden schätzen die hohe Sicherheit, Planbarkeit und Qualität unseres Netzes. Unsere Kunden wissen, sie bekommen auch in Zeiten hoher Nachfrage und Engpässen von uns robuste und resiliente logistische Dienstleistungen“, fährt Eling fort, „angesichts der knappen Kapazitäten hat es sich als richtig erwiesen, dass wir während des Lockdowns 2020 unsere Transportunternehmer aktiv unterstützt und fair behandelt haben. Unser Geschäftsmodell und unser kooperativer Umgang mit unseren Partnern haben sich ein weiteres Mal als krisenfest und anpassungsfähig erwiesen.“

Zahlen im Detail

„Unser Business Field Road Logistics, in dem die europäischen Landverkehre zusammengefasst sind, steigerte seinen Umsatz um 12,3 Prozent von 4,4 Milliarden Euro auf knapp fünf Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 2,2 Prozent verzeichnet wurde. Dabei nahm die Zahl an Sendungen um über 6 Prozent zu, die transportierte Tonnage um über 7 Prozent“, führt der CEO aus.

Die Business Line European Logistics, also das Geschäft mit dem Transport und der Lagerung von Industrie- und Konsumgütern, ist bei Dachser in vier geographische Regionen unterteilt, die allesamt starke Wachstumsraten verzeichneten. So betrug in Deutschland das Umsatzwachstum bei den Landverkehren 12,4 Prozent. Dieses Plus liegt deutlich über den Wachstumsraten der vergangenen Jahre und belegt, dass gerade der Heimatmarkt für das exportgetriebene Geschäft von Dachser ein ganz wichtiger bleibt.

Eling: „Besonders erfreulich war die Entwicklung in den Regionen „France & Maghreb“ sowie „Iberia“. Diese Märkte wurden 2020 durch die harten Lockdowns besonders in Mitleidenschaft gezogen. Beide kehrten 2021 mit Wachstumsraten von 14,4 beziehungsweise exakt 10 Prozent wieder zu alter Stärke zurück und zeugen von der Erholung dieser wichtigen europäischen Volkswirtschaften. Die Region North Central Europe schließlich konnte auch 2021 mit einem Wachstum von 14,1 Prozent an die langjährige starke Entwicklung anknüpfen.“

Die Business Line Dachser Food Logistics, zweites Standbein des Business Fields Road Logistics, schloss das Geschäftsjahr 2021 mit einer deutlichen Umsatzsteigerung von 9,8 Prozent ab. Mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro durchbricht Dachser hier erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro.

„Auch im Krisenjahr 2020 hatte Food Logistics beim Umsatz zugelegt und damit zur Stabilisierung des Gesamtunternehmens beigetragen. Mit dem diesjährigen Wachstum, das wesentlich durch Kundengewinne geprägt ist, liegt Food Logistics über dem langjährigen Mittel – und das trotz der pandemiebedingten Einschränkungen in Deutschland bei Events, Hotellerie und Gastronomie“, so Eling stolz.

„Unser zweites Business Field, Dachser Air & Sea Logistics (ASL), war geprägt von einem knappen Angebot und hoher Nachfrage, was zu einem besonders starken Preisanstieg in diesem Segment beitrug. Diese Sondersituation führte dazu, dass der Dachser-Umsatz im Luft- und Seefrachtgeschäft um 78,3 Prozent von 1,2 Milliarden Euro auf nunmehr über 2,1 Milliarden Euro nach oben schnellte. Die Sendungszahl kletterte um respektable 9 Prozent. Die Luft- und Seefracht war 2021 DER Wachstumstreiber bei Dachser“, fasst Eling zusammen.

Alle drei Dachser-Regionen waren an dem außergewöhnlichen Wachstum beteiligt: ASL Americas legte beim Umsatz um 60 Prozent zu, die Region APAC um 74 Prozent und EMEA um 80 Prozent.

In der Luft- und Seefracht hat sich eine Entwicklung, die sich bereits 2020 angekündigt hatte, nochmals deutlich beschleunigt. Gestörte Lieferketten führten zu immensem Druck, die Systeme zu Luft und zur See am Laufen zu halten – mit enormer Belastung für die Teams.

„Ursächlich für unser Leistungsvermögen in diesem Bereich ist der Umstand, dass Dachser bei Luftfracht zunehmend aus der Rolle des reinen Vermittlers von Transportdienstleistung herausgetreten ist. Wir sind zu einem relevanten Akteur in diesem Markt avanciert. Wir verfügen inzwischen über ein Luftfrachtnetzmit regelmäßigen Verbindungen zwischen Asien, Europa und den USA“, betont Eling. Daher führte Dachser 2021 insgesamt 230 Charterflüge durch. Als Vergleich: das entspricht einem Sprung von der Bundesliga in die Champions League.

Deutlicher Beweis für die Akzeptanz von Dachser auch in puncto Luftfracht sind Großaufträge zur Versorgung mit medizinischem Schutzmaterial. Eling: „Darüber hinaus wird die Ware, die aus Übersee kommt, in unser Landverkehrsnetzwerk eingespeist und in ganz Europa verteilt. Wir wachsen bei Air & Sea Logistics also nicht nur quantitativ als Folge der Pandemie, sondern, und das ist besonders wichtig, auch qualitativ. Unsere Kunden profitieren davon, dass unsere Zahnräder Luft, See und Straße so reibungslos ineinandergreifen.“

Wachstum in allen Bereichen

Eling: „nach dem Lockdown-bedingten Seitenschritt im ersten Corona-Jahr 2020 hat sich unser Wachstumstempo 2021 deutlich erhöht – auch im langjährigen Vergleich. Führen Sie sich die Größenordnungen unseres Geschäfts vor Augen: Dachser macht inzwischen über 7 Milliarden Euro Umsatz, wobei die Luft- und Seefracht grob zwei Milliarden Euro beisteuert. Von den rund 5 Milliarden, die auf den europäischen Landverkehr entfallen, stammt etwa eine Milliarde aus der Nahrungsmittellogistik. Das ist eine gesunde und ausbalancierte Aufstellung, die sich aus meiner Sicht wirklich sehen lassen kann.“

„Grundlage für unsere Fähigkeit, auch erhebliche Umsatzzuwächse zu bewältigen, ist unser exzellentes Netzwerk. In diese Infrastruktur haben wir auch 2021 wieder kräftig investiert. Knapp 100 Millionen Euro flossen im abgelaufenen Jahr in unsere Standorte und Systeme. Dass die Zahl etwas niedriger ist als in den Vorjahren, liegt im Wesentlichen an Bauverzögerungen, die einen Übertrag in 2022 verursachten. Die Umsatzrekorde schlagen sich ebenfalls erheblich in unserem Ergebnis nieder. 2021 war auch in dieser Hinsicht ein außergewöhnlich gutes Jahr. Bei dieser Aussage möchte ich es, wie gewohnt, belassen“, so Eling.

Die Eigenkapitalquote liegt nach Ablauf des Geschäftsjahres bei knapp 60 Prozent. Durch die finanzielle Stabilität ist das Unternehmen in der Lage, alle zur Zukunftssicherung notwendigen Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Ende 2021 zählte Dachser 31.800 Beschäftigte, das sind knapp 1.000 mehr als ein Jahr zuvor. Das zusätzliche Personal betrifft insbesondere das Business Field Road Logistics, um das Mengenwachstum weiterhin mit hoher Qualität bewältigen zu können.

Aufstellung und strategische Zukunftsthemen

Für 2022 gibt es insbesondere vier Themenfelder, die den Konzern prägen:

  • Transition:

Anfang 2021 fand ein umfassender Generationswechsel in der Führung von Dachser statt. Bernhard Simon ist nach 17 Jahren an der operativen Spitze des Unternehmens auf die Position des Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewechselt. Michael Schilling, der an der Seite von Herrn Simon über eine lange Zeit die Geschicke des Unternehmens mitgelenkt hatte, wechselte ebenfalls in den Verwaltungsrat. Damit einher ging ein Generationswechsel im Vorstand. Mit Burkhard Eling als CEO hat ein verjüngtes, weitgehend neues Team die operative Leitung für die nächste Dekade übernommen.

„Nach über einem Jahr der gemeinsamen Arbeit darf ich feststellen: Der Übergang ist abgeschlossen und erfolgreich. Dies ist vor allem der langfristigen und vorausschauenden Nachfolgeplanung des Unternehmens zu verdanken. Der neue Vorstand kann mit der Rückendeckung und in enger Abstimmung mit dem Verwaltungsrat alle strategischen Herausforderungen konzentriert angehen. Es hat sich für den neuen Vorstand als richtig erwiesen, auf den Zweiklang aus bewährter Stärke und Aufbruch zu setzen. Wir haben uns klare Ziele gesetzt und aus ihnen Strategien abgeleitet, die wir nun konsequent umsetzen. Wir werden unser Potenzial weiter entfalten und den Wandel gestalten“, fasst Eling zusammen.

  • Digitalisierung:

Die forcierte Digitalisierung erweist sich als DER Hebel, um Prozesse noch effizienter und leistungsstärker und Kunden- und Partnerbeziehungen noch enger zu gestalten. Eling: „Wir haben den Ehrgeiz, bei der Digitalisierung Maßstäbe in der Logistik zu setzen. Um digitale Technologien im Netz zu etablieren, arbeiten wir eng mit Kunden, Wissenschaft und Partnern zusammen. Ziel ist es, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen in ihren Tätigkeiten zu unterstützen.“

Drei Aktivitätsfelder stehen für Dachser im Vordergrund:

Supply Chain Connectivity & Collaboration

Hier geht es um den digitalen Austausch und die Übermittlung von Informationen innerhalb des Netzes sowie mit Kunden und Servicepartnern. Ziel ist die optimale gemeinsame Steuerung von Logistikprozessen. Dachser setzt hier mit Webservices, APIs oder Open Source auf moderne Technologien. Im Rahmen dieses Aktivitätsfelds wird die Entwicklung eines digitalen Portals für Kunden, Partner und Lieferanten stehen, mit dem Dachser den Anforderungen des Markts entsprechen und gleichzeitig neue Maßstäbe setzen will.

Supply Chain Assistance & Automatization

In diesem Bereich kommen unter anderem Bots für Routine-Arbeiten zum Einsatz, beispielsweise im Umgang mit Zollbehörden. Geplant ist zudem die immer weitere Digitalisierung des Dokumentenmanagements. „Je mehr es gelingt, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von lästiger Routine zu entlasten, desto mehr Zeit bleibt ihnenm wertschöpfende und komplexe Tätigkeiten durchzuführen. Auch eine im Dachser Enterprise Lab entwickelte Anwendung geht in diese Richtung. Ein auf künstlicher Intelligenz basierender Algorithmus prognostiziert Sendungsmengen bis zu 25 Wochen im Voraus. Wir haben dieses Tool in allen deutschen Niederlassungen inzwischen implementiert. Es hilft beim Frachtraumeinkauf und der generellen Ressourcenplanung. Weitere Automatisierungslösungen, wie zum Beispiel autonome Fahrzeuge im Warehouse, testen wir und werden sie in den kommenden Monaten zum Einsatz bringen“, erklärt Eling.

Supply Chain Visibility & Optimization

Beim dritten digitalen Schwerpunktthema geht es darum, mehr Daten zu jeder einzelnen Sendung zu generieren, und diese den Kunden zur Optimierung ihrer Abläufe in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. In der Fachwelt spricht man von der Erstellung eines digitalen Zwillings, also der virtuellen Nachbildung physischer Prozesse.

Ein Beispiel hierfür ist das Dachser-Innovationsprojekt Telematics. Bis zum Sommer werden über 8.500 Wechselbrücken mit solarbetriebenen GPS-Sendern ausgestattet. Diese nutzen 5G / LPWAN und senden im Fünfminutentakt Positionsdaten an eine zentrale Dachser-Plattform. Dort werden ihre Geo-Informationen verarbeitet und visuell dargestellt. Ankunftszeiten lassen sich so genau berechnen. Alle Linienverkehre im Dachser-Netzwerk werden erstmals in Echtzeit sichtbar. Eling: „Das war bisher wirklich keine triviale Aufgabe, da im Stückgutnetz die Wechselbrücken ja auch unabhängig vom LKW genutzt oder bei Begegnungsverkehren ausgetauscht werden.“

Ein weiteres wirklich wegweisendes Projekt aus dem Dachser Enterprise Lab beschäftigt sich damit, wie das Umschlagslager der Zukunft aussehen wird. Hier geht es darum, nahezu sämtliche Packstücke im Umschlagslager automatisch zu identifizieren, zu lokalisieren und zu vermessen. So lassen sich beispielsweise unnötige Scan- und Suchprozesse vermeiden und erstmals die Sendungsströme innerhalb eines Umschlagslagers erfassen und visualisieren.

  • Klimaschutz:

So wie die Digitalisierung ist auch das Thema der ökologischen Nachhaltigkeit von entscheidender Bedeutung für die kommenden Jahre. Dachser hat dazu eine Reihe von konkreten Projekten auf den Weg gebracht:  Seit dem 1. Januar 2022 bezieht Dachser weltweit ausschließlich Öko-Strom, die Grünstromquote wurde von 60 auf 100 Prozent erhöht. Bis zum Jahr 2025 werden in ganz Europa neue Photovoltaikanlagen gebaut, um die Kapazität zu vervierfachen.

„Ich hatte Ihnen letztes Jahr an dieser Stelle vom europäischen Rollout unseres Stadtbelieferungskonzepts DACHSER Emission-Free Delivery berichtet. Hier schreiten wir rasch voran. Mittlerweile ist nach Stuttgart der Start in Freiburg, Prag, Oslo, Straßburg, Paris, Madrid und Porto erfolgt. Bis Ende 2022 werden wir Berlin, München und Kopenhagen ebenfalls in diesen Service einbinden“, verkündet Eling.

Das Unternehmen investiert weiter in alternative Antriebe, um Erfahrungswerte zu sammeln. „Aktuell haben wir rund ein Dutzend batterieelektrischer Fahrzeuge im Einsatz. Bis Ende 2023 werden wir 50 zusätzliche Elektro-LKW anschaffen. Darüber hinaus werden wir Wasserstoff-Brennstoffzellen-LKW im Fernverkehr testen, sobald dies möglich ist“, verdeutlicht Eling.

Es ist geplant, die Firmenwagenflotte so schnell wie möglich auf Elektro-Pkw umzustellen. Der ursprüngliche Plan, 50 Prozent der Flotte bis Ende 2023 zu ersetzen, wird sich auf Grund der aktuellen Lieferschwierigkeiten der Automobilindustrie leider etwas verzögern.

Dachser investiert massiv in die weitere Optimierung des Laderaums, etwa durch die bereits beschriebenen Digitalisierungsmaßnahmen. Je besser und effizienter der Laderaum genutzt wird, desto besser ist das für die Umwelt.

„In diesem Zusammenhang ersetzen wir bis 2027 alle Standard-Trailer in Deutschland durch sogenannte Megatrailer, die acht Kubikmeter mehr Laderaum bieten. Das ist ein sehr effektiver Hebel für mehr Klimaschutz, den wir sukzessive auch in ganz Europa nutzen werden“, verrät Eling.

In einer aktuellen Klimaschutzkampagne werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dachser weltweit einbezogen, um Ideen zu sammeln und zu diskutieren. Es geht dabei ganz dezidiert auch um die vermeintlich „kleinen Ideen“, wie man am eigenen Arbeitsplatz Treibhausgas einsparen kann.

  • Human Resources:

Der letzte thematische Schwerpunkt betrifft die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch die eklatanten Kapazitätsengpässe im vergangenen Jahr trat der Mangel an Fach- und Fahrpersonal noch deutlicher zu Tage.

„Für funktionierende logistische Wertschöpfungsketten brauchen wir qualifizierte und motivierte Menschen. Dafür investieren wir ganz erheblich in ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Für unsere gewerblichen Mitarbeitenden geht es dabei zum Beispiel um Kommunikation, Vergütungsmodelle, Entwicklungspläne, Führungsstrukturen sowie Technologie-Einsatz und Ergonomie in unseren Umschlaglagern und Warehouses. Auch den Berufskraftfahrern bieten wir ein attraktives Umfeld. Wir etablieren für sie ein Gesundheitsmanagement, professionalisieren weiterhin die Ausbildung und investieren in zusätzliche Parkmöglichkeiten für LKW an den Niederlassungen. Am wichtigsten ist aber: Wir bringen den Menschen, die bei oder für Dachser arbeiten, Wertschätzung entgegen. Damit handeln wir im Einklang mit den Werten und der Kultur unseres Familienunternehmens“, gibt Eling einen Einblick in die Firmenkultur.

Im Fokus liegt die Entwicklung einer neuen Personalstrategie, die den Anforderungen der modernen Arbeitswelt wirklich gerecht wird. Dazu gehört es nicht nur, modernste Technologien am Arbeitsplatz bereitzustellen: „Wir werden darüber hinaus eine positive Einstellung zur Digitalisierung, einen sogenannten „Digital Mindset“, im gesamten Unternehmen schaffen. Dieser ist die Voraussetzung, unsere eben dargestellten Digitalisierungsanstrengungen wirklich umsetzen zu können“, ist Eling überzeugt und sagt: „Es geht aber auch darum, unsere Dachser-Kultur überzeugend zu kommunizieren und zu leben, Verantwortung und Kreativität zu ermöglichen und auch das Lernen am Arbeitsplatz und die persönliche Entwicklung zu fördern. Wir werden die Mitarbeitenden noch stärker als bisher ins Zentrum unseres Denkens und Tuns stellen. Denn am Ende sind es gerade die individuellen und alltäglichen Erfahrungen eines jeden einzelnen, die uns zu einem attraktiven und empfohlenen Arbeitgeber machen. Und nur wer die richtigen Menschen findet und langfristig an sich binden kann, wird in der Logistikindustrie bestehen können. Denn, und ich denke das ist für uns klar, Logistik wird am Ende des Tages von Menschen für Menschen gemacht.“

Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr

„Der Krieg in der Ukraine hat uns zutiefst getroffen. Vieles kommt dieser Tage und Wochen ins Wanken, woran wir bislang fest geglaubt haben, und ich bedaure zutiefst diese schreckliche Situation und das menschliche Leid. Doch wie beeinflusst der Krieg Dachser?

In Russland ist Dachser seit 2008 mit einer eigenen Landesgesellschaft vertreten. Wir erbringen dort Transport- und Logistikdienstleistungen in den Business Fields Road Logistics und Air & Sea Logistics. Rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort an sieben Standorten beschäftigt. Unsere russische Landesgesellschaft erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von rund 26 Millionen Euro – das ist weniger als ein halbes Prozent des Konzernumsatzes. In der Ukraine und Belarus ist Dachser nicht mit eigenen Standorten vertreten“, resümiert Eling.

Dachser hat alle Netzwerktransporte nach und aus Russland und Belarus eingestellt. Ein kompletter Übernahme- und Verladestopp gilt auch für interkontinentale Zugverkehre und LKW-Transporte zwischen Europa und Asien, die Russland und Belarus durchqueren.

„Auch wenn vor dem Hintergrund dieser Zahlen und der Größenordnung die direkten Folgen auf unser Geschäft nicht gravierend erscheinen mögen, sind die indirekten Folgen des Krieges umso einschneidender. Der Krieg mitten in Europa führt zu großem humanitärem Leid. Er trifft die Wirtschaft mit hohen Energie- und Kraftstoffkosten, die Auswirkungen von alldem können wir im jetzigen Stadium noch nicht beziffern. Aufgrund der gegenseitigen Sanktionen sind die Luftfrachtkapazitäten um ca. 20 Prozent gesunken. Für die europäische Logistik ist zudem die Fahrerthematik von Relevanz. Wie Sie wissen, stammen viele Kraftfahrer, die zum Beispiel in Polen tätig sind, aus der Ukraine. Das ist ein weiterer Faktor, der den Fahrermangel in Europa verschärfen wird“, befürchtet er.

Eling: „Als Familienunternehmen leisten wir selbstverständlich humanitäre Hilfe. Wir helfen anerkannten Hilfsorganisationen in ganz Europa mit kostenfreien Transport- und Lagerdienstleistungen. Damit werden die Menschen in der Ukraine und die Geflüchteten in den Nachbarstaaten unterstützt. Besonders eng arbeiten wir in dieser Situation mit unserem langjährigen Partner, dem Kinderhilfswerk terre des hommes, zusammen. Neben der logistischen Unterstützung rufen wir ein gemeinsames Projekt ins Leben, das sich um traumatisierte Kinder und Jugendliche kümmern wird.“

Geschäftsverlauf 2022 – Aussichten

Das erste Quartal lief trotz der angespannten Lage gut an. Die transportierten Volumina insbesondere in den grenzüberschreitenden Verkehren waren erfreulich und stützen verhalten optimistische Erwartungen für das laufende Jahr. Auch die Nachfrage nach eigenen Chartern in der Luftfracht ist aktuell unverändert hoch. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich das im Zuge dieses mit vielen Unsicherheiten behafteten Jahres entwickeln wird.

„Wir wissen natürlich, dass 2021 ein Ausnahmejahr war, dessen Resultate durch ein außergewöhnlich positives Marktumfeld potenziert wurden. Das wird sich aller Voraussicht nach so nicht wiederholen. Vorsichtig geschätzt gehen wir deshalb von einem Mengenwachstum in Road Logistics von ca. 3 bis 5 Prozent aus“, prognostiziert Eling.

Das Management von Wachstum einerseits und knappen Ressourcen andererseits wird eine zentrale Herausforderung auch in diesem Jahr bleiben. Auch wenn sich gewisse Preisspitzen des vergangenen Jahres einpendeln werden, bleiben die Kosten in der Logistik auf einem hohen Niveau. Treibstoffpreise, der Fahrer- und Fachkräftemangel, Klimaschutzinvestitionen sowie weitere Faktoren werden die Kosten treiben.

Unabhängig von dieser Entwicklung wird Dachser auch 2022 signifikant in den Ausbau seiner Kapazitäten investieren. Nicht zuletzt aufgrund von Nachholeffekten bei Bauvorhaben ist eine Rekord-Investitionssumme von rund 200 Millionen Euro vorgesehen.

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Online-Lebensmittelzustellung boomt. E-Food-Umsatz schießt in die Höhe

Die EHI Retail Institute GmbH berichtet von einer steigenden Umsatzentwicklung im Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland im Vergleichszeitraum 2015-2021. Durch die Corona-Pandemie legt der Online Versandhandel Jahr für Jahr zu.

Beitrag: Gerald Kühberger.

Im zweiten Jahr der Pandemie stieg dieser um 19 Prozent an, was einer Summe von 100 Mrd. entspricht. Der durch die Zustellung von Lebensmitteln generierte Umsatz stieg dabei unter allen Warengruppen am stärksten an. Auch in Österreich verzeichnet der Lebensmittel-Onlinehandel seit Beginn der Pandemie starke Zuwächse – der Markt ist dynamisch und hat viel Potenzial.

E-Food Markt in Deutschland: Von 2019 bis 2021 Umsatz mehr als verdoppelt.
Die durch E-Food generierten Umsätze steigen am deutschen Markt binnen Ende des Jahres 2021 um fast 50 Prozent, auf rund 3,9 Milliarden Euro (2020: 2,7 Mrd. Euro). Die Zahlen stammen aus der aktuellen Jahreserhebung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh). Bereits im Jahr 2020 stieg der E-Commerce Umsatz mit Lebensmitteln um 67 Prozent. Damit gab es in den vergangenen zwei Jahren einen enormen Wachstumssprung im Online-Lebensmittelsektor – zum Großteil der Corona-Pandemie verschuldet.

2019 lagen der E-Food Umsatz noch bei knapp 1,6 Milliarden. Der Umsatz mit Online-Lebensmitteln stieg von 2020 auf 2021 um +47 Prozent an und hat sich damit im Vergleich zum Jahr 2019 mehr als verdoppelt. Auch in Österreich verzeichnet der Lebensmittel-Onlinehandel seit Beginn der Pandemie starke Zuwächse – der Markt ist dynamisch und hat viel Potenzial. Andererseits ist das Geschäftsmodell für den stationären Lebensmitteleinzelhandel (noch) nicht profitabel, geben die großen heimischen Player an. Andreas Kruse, Director Business Development, Logistics & Packaging am EHI Retail Insitut, sagt dazu folgendes: „Der Online-Lebensmittelhandel ist einem stetigen Wachstum unterlegen, keinem sprunghaften, aber einem stetigen.“

Andreas Kruse, Director Business Development, Logistics & Packaging am EHI Retail Insitut.
Die E-Commerce Studie 2021 von Handelsverband und KMU-Forschung Austria bestätigt: Nur 2 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels entfallen derzeit auf den Distanzhandel. Dennoch ergab sich für den Lebensmittel-Onlinehandel im vergangenen Jahr ein 13%-iger Kundenzuwachs.
Corona treibt Entstehung neuer Geschäftsmodelle voran Corona begünstigte die Etablierung neuer Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich Quick-Commerce, wo zahlreiche neue Anbieter auf den deutschen sowie österreichischen Markt drängen. Unternehmen wie Flink, oder Alfies oder auch Gorillas und Getir in Deutschland setzen bei dem neuen Konzept auf Express-Lieferungen von online bestellten Lebensmitteln, teilweise sogar innerhalb von 10 Minuten. Gorillas soll zukünftig auch in Wien Lebensmittel bis direkt vor die Haustür liefern. Im Blickpunkt stehen dabei Spontaneinkäufe aus einem (noch) relativ kleinen Lebensmittelsortiment von 1.000 bis 3.000 Artikeln. Beim Essenslieferanten mjam kann man seit 2021 in einigen Wiener Bezirken auch Lebensmittel bestellen. Eine Lieferung soll dabei innerhalb von 15 Minuten erfolgen.

E-Food auch im Vollsortiment bei den stationären Big Players.
Auch die marktführenden stationären Lebensmittelhändler wie Billa, Spar, Interspar und kürzlich auch Hofer mit seinem Zustellangebot für Wien beteiligen sich verstärkt am wachsenden Online-Geschäft. So kooperiert Billa zusätzlich zum hauseigenen Onlineshop mit dem neuen Lieferdienst Flink, der den Konsumenten eine Zustellung in 10 Minuten zusichert und schon jetzt eine Warteliste für den Ausbau der Liefergebiete führt.

Hofer mit seinem größeren Supermarkt-Sortiment setzt auf den klassischen Wocheneinkauf und bietet Wiener Kunden derzeit kostenlose Zustellung ab einem Einkaufswert von 99 Euro an (bis 06. Februar 2022). In Billas hauseigenem Onlineshop sind derzeit 9.000 Produkte auffindbar, wobei aktuell in eine noch größere Produktauswahl und eine höhere Anzahl an Lieferzeitfenster investiert wird. Zugestellt wird zu einer geringen Liefergebühr. In Deutschland beteiligt sich Marktführer Edeka am Online-Supermarkt Picnic, der auch auf ein großes Angebot setzt. Picnic kann durch die Kooperation mit dem großen Partner Teile aus dem Edeka-Sortiment anbieten. Für die Big Player im Lebensmittelhandel ist der Zustelldienst ein interessantes Geschäftsmodell, das allerdings mit einem großen logistischen Aufwand verbunden und daher schwer profitabel zu gestalten ist. Die Bereitstellung von Fahrzeugen, Lieferboten, das Lagern der Lebensmittel und die Kühlung sind nach wie vor aufwendig
und kostenintensiv. Der Kostenfaktor „Logistik“ ist dabei definitiv die größte Herausforderung, die es zukünftig zu überwinden gilt. Bei der Zahl der Anbieter im Lebensmittel-Onlinehandel wird es irgendwann zu einer Marktkonsolidierung kommen. Aber zunächst werden es wohl erstmal mehr werden, die ihr Glück im Lebensmittel-Onlinehandel versuchen” so Nils Wlömert, Vorstand des Instituts für Retailing und Data Science and der Wirtschaftsuniversität Wien. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

Paketversand mit Öko-Touch

Onlinebestellungen boomen, mit der Verpackung wächst der Müllberg. Bis jetzt! Im neuen Pilotprojekt der Post und der FH Oberösterreich in Kooperation mit DM, Interspar Weinwelt, Intersport, Tchibo und Thalia kommen Mehrwegverpackungen zum Einsatz. Go green lautet die Devise!

Redaktion: Angelika Gabor.

Allein im Dezember 2020 stellte die Post in Österreich mehr als 18 Millionen Pakete zu. Der Lockdown, die Pandemiesituation und das nahende Weihnachtsfest legen die berechtigte Vermutung nahe, dass es in diesem Dezember nicht weniger sein wird. Und auch wenn die Recyclingrate von Altpapier hierzulande mit rund 78 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt, ist das trotzdem eine große Anzahl an Kartonagen, die auf dem Müll landen.

„Allein in Österreich sehen wir 30 Prozent Wachstum beim e-Commerce. Für die Post spielt Nachhaltigkeit schon seit über 10 Jahren eine wichtige Rolle, sei es durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen für die CO2-neutrale Zustellung oder die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. Mit der „Grünen Verpackung“ gehen wir den nächsten Schritt“, freut sich DI Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.

Seit 2020 forscht die Post gemeinsam mit der FH Oberösterreich an wiederverwendbaren und nachhaltigen Verpackungslösungen für den Paketversand – im Februar 2022 geht es los, bis Juli 2022 dürfen die verschiedenen Variranten der „Grünen Verpackung“ sich im echten Leben = Warenverkehr beweisen. Die Mehrwegverpackungen werden für Bestellungen bei den fünf kooperierenden Handelsunternehmen eingesetzt, wobei die Kunden vorher nicht wissen, ob sie eine Mehrwegverpackung erhalten oder eine Einwegschachtel.

10.000 Schachteln, 4 Varianten.
Prof. (FH). DI Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Oberösterreich, war in den Auswahlprozess involviert, für den Handelsunternehmen und Kunden gleichermaßen befragt wurden. Aus den 40 verschiedenen getesteten Verpackungslösungen wurden schließlich vier herausgefiltert: Re-Zip Boxen, Re-Zip Bags, Packoorang Bags und Returnity Weinboxen. „Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Kunden Mehrwegverpackungen wichtig finden – und mehr als die Hälfte der Befragten dafür auch mehr bezahlen würde. Zudem kommt demnächst auch der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) der Europäischen Kommission zum Tragen, in dem es unter anderem um die Verringerung von Verpackungen geht“, erklärt Staberhofer.

Die Kosten für das Projekt trägt zur Hälfte das Land Oberösterreich, auch wenn es in ganz Österreich läuft: sämtliche Postfilialen, Postpartner und das Filialnetz der Handelspartner nehmen teil. Umundum: „Wir starten mit insgesamt 10.000 Verpackungen, aber wir sind bereit, bei Bedarf aufzustocken. Auch erwarten wir, dass nicht jeder seine Verpackung auch tatsächlich retourniert. Aber es wird auf jeden Fall einen erklärenden Begleittext im Paket sowie eine Informationskampagne während des Feldversuchs geben.“ Zumindest während des Pilotprojekts ist die Rückgabe völlig kostenlos – ein späteres Pfand wird aber abhängig von der Resonanz nicht ausgeschlossen. Während die Verpackungen aktuell noch aus Dänemark und China kommen, ist das Ziel, diese zukünftig in Österreich produzieren zu lassen. Diesbezügliche Gespräche sind bereits am Laufen – ein Gewinn für die heimische Wertschöpfung und die Umwelt.

So funktioniert‘s.
Für den Kunden gibt es im Online-Bestellprozess keine Änderung, er wird wie gewohnt von den teilnehmenden Unternehmen abgewickelt. Nur dass die Waren in wieder verwendbaren Verpackungen via Post ausgeliefert werden. Diese lassen sich einfach und klein zusammenfalten und dann entweder in einen Briefkasten werfen oder persönlich retournieren: in Post-Geschäftsstellen, SB-Zonen, beim Post-Zusteller oder in einer Filiale des Unternehmens, bei dem man bestellt hat – die gemischte Rückgabe ist zumindest im Pilotversuch (noch) nicht möglich.

Die Verpackungen werden bei Bedarf gereinigt und gehen erneut in den Versand. Die Ergebnisse der im Vorfeld durchgeführten Studie der FH Oberösterreich über 40 nachhaltige Verpackungslösungen zeigen, dass der Aufbau eines Mehrwegzyklus‘ die größten Emissionseinsparungen erzielt. Im Anschluss wird die FK eine ökologische Bilanz erstellen, aber da die Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen oder recyceltem PET bestehen, ist mit einer durchaus positiven Nachhaltigkeitsbilanz im Vergleich zu Einwegkartons zu rechnen.

Die Partner und ihre Motivation.
Die fünf involvierten Handelsunternehmen eint der Gedanke der Nachhaltigkeit als Beweggrund, an diesem Experiment teilzunehmen:

Das Thema Zukunftsfähigkeit liegt im Fokus von dm, wie Mag. Elmar Riepl, Bereichsmanager Logistik, Direktkunden- & Filiallogistik, erklärt: „Wir möchten unsere Kunden sensibilisieren, wie jeder Einzelne seinen ökologischen Fußabdruck reduzieren kann, und das spiegelt sich beispielsweise auch in unserer Sortimentsauswahl wieder. Der Onlinehandel ist ein Serviceangebot an unsere Kunden, und die „Grüne Verpackung“ eine großartige Chance, weshalb auch sämtliche Filialen in die Rückgabe der Verpackungen eingebunden werden.“

Als Pionier der Mehrwegverpackung von Getränken im Onlinehandel stand die Teilnahme an dem Pilotprojekt für Mag. Lukas Wiesmüller, Leiter Nachhaltigkeit, SPAR Österreich, nicht zur Debatte: „Schon im Jahr 2000 haben wir mit der weinwelt den ersten Onlineshop eröffnet und ständig an Verbesserungen gearbeitet. Ab Februar wird nun ein Teil der Bestellungen auf weinwelt.at in faltbaren Mehrwegboxen mit gepolsterten Innenfächern verschickt. Für den Rückversand werden Beutel mitgeliefert, wo die gefalteten Boxen platzsparend verstaut und über die Post retourniert werden können. Mit dem Test sammeln wir wichtige Erfahrungen für Mehrweg-Logistiklösungen für alle unsere INTERSPAR-Onlineshops und andere Produkte.“

Natur und Emotionen im Freien stehen oft im Fokus bei den Kampagnen von INTERSPORT, da liegt das Thema Nachhaltigkeit dann klar auf der Hand. Mag. Günther Junkowitsch, Leitung Logistik und Personal, INTERSPORT AUSTRIA: „Als einer der größten Sportfachhändler Österreichs bietet Intersport mit seinen stationären Shops und dem Onlineshop alles, was das Sportlerherz begehrt. Selbst bei Onlinebestellungen erfolgt der Kauf regional. Mit der Teilnahme am Projekt möchten wir die Bereitschaft der Kunden herausfinden, beim Einsparen von Verpackung zu helfen. Es wird spannend zu erfahren, wie der Konsument auf gebrauchte Verpackungen reagiert. Für den Anfang werden wir Textilien, Schuhe und kleinere Produkte mit der „Grünen Verpackung“ ausliefern.“

Nach 15 Jahren nachhaltiger Geschäftstätigkeit war für Mag. Erik Hofstädter, Geschäftsführer, Tchibo Österreich, das Projekt ein logischer nächster Schritt: „Hinsichtlich Verpackungen reduzieren wir kontinuierlich unseren Materialeinsatz – wie bei der nahezu plastikfreien Textilverpackung oder der Möglichkeit, Kaffeebohnen verpackungsfrei einzukaufen – und fördern zudem Mehrweglösungen, etwa bei Tragetaschen und beim Coffee to go. Besonders interessant wird sein zu sehen, wie die Rückgabe funktioniert, in die natürlich sämtliche Filialen eingebunden sind. Wir sind gespannt, wie die Kunden die „Grüne Verpackung“ annehmen und wie gut das mit den mehreren Zyklen funktioniert.“

In Zeiten von e-Readern und digitalen Büchern ist der Buchversand zwar rückläufig, dennoch freut sich Andrea Heumann, Geschäftsführerin, Thalia Österreich, auf das Potential des Projektes: „In Zeiten von Onlineshops, Pandemie und immer größerem Versandaufkommen müssen Lösungen des Verpackungsproblems gefunden werden. Unser Angebot an E-Books, digitalen Hörbüchern, oder auch unsere aufbereiteten eReader schont Ressourcen in der Produktion, aber auch bei Verpackung und Transport. Zwar reduzieren wir durch unseren Filial-Abholservice und die neuen, 24h geöffneten Abholstationen bereits die Anzahl der Versandaktionen, aber auch die restlichen Sendungen möchten wir mit der „Grünen Verpackung“ nachhaltig, recyclebar und umweltfreundlich abwickeln.“

Die Idee der Mehrwegverpackung ist zwar vielleicht nicht neu, aber in dieser Form durchaus innovativ, und auch die Vielfalt der teilnehmenden Unternehmen verspricht einen aussagekräftigen Praxistest. Hoffen wir, dass er positiv ausfällt. (AG)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Die Zukunft Europas: nach der Krise ist vor der Krise

Auch wenn die globale Pandemie die Schlagzeilen der letzten Zeit beherrschte, gibt es noch andere Themen großer Wichtigkeit. Umweltschutz, Migration, Energiewende und Bildungsmisere sind nur einige davon. Die europäische Zukunftskonferenz hat als Ziel, Lösungen zu finden und ein geeintes Europa für die nächsten Generationen zu schaffen. 

Redaktion: Angelika Gabor.

Am 19. Juni um 9 Uhr fand in Straßburg die erste Plenarsitzung der „Konferenz zur Zukunft Europas“ statt. Wohlgemerkt Europa, nicht EU – denn nicht erst seit dem Austritt Großbritanniens ist klar, dass ein wettbewerbsfähiges, lebenswertes Europa den ganzen Kontinent betrifft und die EU-Spitze bei Maßnahmen über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken muss.

Detail am Rande: Wer wusste, dass Europa geographisch gesehen eigentlich gar kein eigener Kontinent, sondern Subkontinent von Eurasien ist? Mehr als 700 Millionen Europäer leben und wirken auf einer Fläche von rund 10,5 Millionen Quadratkilometern, aufgeteilt in – je nach Grenzziehung – 46 bis 49 souveräne Staaten. Dagegen muten die 27 EU-Mitgliedsstaaten beinahe mickrig an, wenngleich sie mehr als 450 Millionen Einwohner beherbergen.  Darum ist eines der bei der Konferenz behandelten Themen auch die Integration des Westbalkans in die EU. Momentan laufen ja Verhandlungen mit Nordmazedonien, Serbien, Albanien und Montenegro, mit der Türkei (von der sich lediglich 3 Prozent der Landfläche auf dem europäischen Teil befinden) nicht mehr wirklich. An der konstituierenden Sitzung nahmen rund 400 Abgeordnete, EU-Vertreter, Delegierte verschiedener Ausschüsse, Sozialpartner sowie EU-Bürger Teil. Für Österreich dabei: Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne).

Der Plan ist, bis Anfang 2022 konkrete Vorschläge zu erarbeiten, was sich ändern muss, damit die Union die nächsten Jahrzehnte erfolgreich erlebt. Sprich wie wir es schaffen können, die „europäischen Werte“ und die Demokratie zu bewahren und die Einzelinteressen der Staaten zu den Themen Außen- und Steuerpolitik, Arbeitsplätze, Klimaschutz und Reisen unter einen Hut zu bekommen. Der Haken: Ob und wie sie umgesetzt werden, entscheiden dann die EU-Staaten und das Europaparlament, das für seine Reformbereitschaft weithin bekannt ist… Samstag kamen jedenfalls gut 150 Redner zu Wort, via Internetplattform können Menschen sich einbringen und selbst Diskussionen veranstalten. Auch Bürgerforen sind geplant, die Vertreter entsenden können. Am 22. und 23. Oktober 2021 wird die nächste Plenarversammlung stattfinden – dann wird sich zeigen, ob großen Worten auch Taten bzw. konkrete Maßnahmen folgen. Die Corona-Krise hat jedenfalls wieder gezeigt, dass sich im Härtefall – Stichwort Impfstoffbeschaffung – dann doch jeder selbst der Nächste ist und die Solidarität dort endet, wo Verzicht beginnt.

Hoffnung für Steyr.
Apropos Verzicht: nach dem vorerst gescheiterten Übernahmeversuch im April kam es nun doch zu einer Einigung zwischen Investor Siegfried Wolf und MAN. Bei seinem nachgebesserten Angebot behalten 1.400 Menschen ihren Job (statt 1.250), die zusätzlichen 150 Stellen werden über eine extra mit dem Land Oberösterreich geschaffene Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft abgesichert. Jene 500 Personen, die trotzdem ihren Arbeitsplatz verlieren, erhalten mehr als ursprünglich geplant. Sie werden dem deutschen Modell in der Nettoausgleichszahlung gleichgestellt, für ältere Mitarbeiter gibt es ein Altersteilzeitmodell und die 166 Lehrstellen bleiben erhalten. Dafür bleiben die schon zu Beginn angestrebten Gehaltskürzungen aufrecht… Im Gegensatz zu April wird es diesmal (aus Sicherheitsgründen?) keine Urabstimmung geben; der Vorstand hat dem Vertrag zugestimmt. Wer den neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet, nimmt damit die Bedingungen an und die maximal 15 Prozent Lohnkürzung (vom Nettolohn) in Kauf. Aber wir wären nicht in Österreich, wenn sich die Gewerkschaften – in diesem Falle PRO-GE und GPA – nicht gleich wieder gemeldet hätten: aus ihrer Sicht gelten nämlich die bestehenden Arbeitsverträge auch nach der Übernahme durch Wolfs WSA. Dass dieser das anders sieht, liegt auf der Hand. Man wird sehen, wer hier den längeren Atem hat. Wenn wir ab 2023 neue „Steyr“-Nutzfahrzeuge auf den Straßen sehen, hat der Wolf gewonnen.

Willkommen in der Schuldenunion.
Noch eine aktuelle Nachricht, die ein bisschen in den Hintergrund getreten ist: die Euroländer haben erstmals europäische Staatsanleihen, die Eurobonds, ausgegeben. Schulden, für die alle Länder gemeinsam haften, und die aus dem EU-Budget zurückgezahlt werden (also von Nettozahlern…). Die Corona-Krise macht’s möglich – Egon Alfred Klepsch würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er das wüsste. Eine der wesentlichen Grundlagen der Europäischen Union ist – bzw. war, wie es scheint – die Nichtbeistands- oder No-Bailout-Klausel.

Bei der ersten Auktion Anfang Juni wurden 20 Milliarden Euro eingenommen, die in den EU-Wiederaufbaufonds fließen. Lange hatten Österreich und Polen sich dagegen gewehrt, aber schließlich doch die Zustimmung erteilt. Schon letzten Juni war der mit insgesamt 750 Milliarden Euro dotierte Corona-Hilfsfonds nach zähen Verhandlungen beschlossen worden, mit den Eurobonds kann die fröhliche Geldumverteilung starten. Bis Jahresende sollen Eurobonds um weitere 80 Milliarden Euro ausgegeben werden. Die siebenfach überzeichneten Emissionen laufen 10 Jahre. Nun darf sich die EU mit dem Titel „größter supranationaler Anleiheemittent“ schmücken… ob das positiv ist, darf jeder für sich selbst beantworten. Immerhin gibt es strikte Vorgaben zur Verwendung des Geldes im Rahmen des „Recovery Plans“: so müssen zumindest 37 Prozent in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden, weitere 20 Prozent in die Digitalisierung. Bis April hatten die Mitgliedsländer Zeit, ihre Pläne an die Kommission zu übermitteln, die dann in Zukunft den Geldhahn öffnet. Natürlich wurde dabei von Seiten der Politik mit Freude verkündet, dass Österreich bis zu 3,5 Milliarden Euro für den Wiederaufbau erhalten wird. Zum Vergleich: Italien wird im Laufe der nächsten Jahre voraussichtlich 191,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und Darlehen aus Brüssel erhalten, Deutschland 28 Milliarden.

Während also die einen fleißig über die mögliche Zukunft Europas debattieren, wird an anderer Stelle schon fleißig Geld verteilt. Geld, das streng genommen gar nicht da ist. Geld, das die nächsten Generationen zurückzahlen dürfen. Ein jüngst von Finanzminister Gernot Blümel an seine europäischen Amtskollegen versendeter Brief mit der Aufforderung, nach Überwinden der Krise wieder zu den Fiskalregeln und einer niedrigen Verschuldung zurückzukehren, blieb bislang eher unbeantwortet. Laut Eurobarometerbefragung vom April sehen nur noch 34 Prozent der Österreicher die EU positiv. Wenn alles so weiterläuft, sehe ich für die Zukunft des vereinten Europa schwarz.

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Österreichische Post: Gelber Riese mit grünem Herzen

Die Pandemie hat den Umbau in der Paketlogistik erheblich beschleunigt: Ein deutlicher Zuwachs beim Onlinehandel sorgte für mehr Arbeit bei der Österreichischen Post AG. Diese begegnet den Anforderungen mit Investitionen und einem grüneren Weltbild. Post-Vorstand Peter Umundum beantwortet unsere Fragen.

Redaktion: Peter Nestler.

Der Weg war vorgezeichnet: Zusätzlich zum allgemeinen Anstieg im E-Commerce hat der Onlinehandel nach Ausbruch der Pandemie mit ihren beschränkenden Maßnahmen weltweit im Jahr 2020 stark zugenommen. Die Ausgaben der heimischen Konsumenten im so genannten Distanzhandels wurden auch im Vorjahr überwiegend vom E-Commerce getragen und erreichten 2020 mit 8,7 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert. Von insgesamt 8 Mrd. Euro Online-Umsatz fallen bereits 1,2 Mrd. Euro auf den Mobile Commerce. Das bedeutete im Vorjahr einen massiven Zuwachs von plus 50 Prozent.

Diese Warenströme wollen auch an die Konsumenten gebracht werden. Branchenprimus Österreichische Post AG zeigt sich durchwegs vorbereitet. Als österreichischer Marktführer in der Paketlogistik hat das Unternehmen im Jahr 2020 insgesamt 166 Mio. Pakete transportiert – über 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor (127 Mio. Pakete). Auch heuer für 2021 wird mit einem Mengenzuwachs im zweistelligen Prozentbereich gerechnet. Vorbereitung ist dabei alles. Und die Post ist gut vorbereitet auf das Mengenwachstum. Dafür sorgen Erweiterungen in der Logistik und strategische Partnerschaften beziehungsweise Kooperationen. Seit August 2019 stellt die Post unter anderem auch DHL-Pakete in Österreich zu. Allein das hat der Post noch einmal rund 20 Mio. Pakete mehr gebracht.

Das Briefgeschäft sei dagegen im Zuge der Digitalisierung weiter rückläufig, berichtet Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik bei der Österreichischen Post. Dennoch gebe es auch hier Bereiche, die sogar ein gewisses Wachstum aufweisen. So habe das Volumen an größeren Briefen im Zuge der steigenden E-Commerce-Aktivitäten in Österreich ebenfalls zulegen können.

Der österreichische Handel gehört bei diesen Wachstumstrends im Pakethandel nicht zu den Gewinnern. „Jedes zweite Paket kommt aus dem Ausland und die großen Internethändler haben auch pandemiebedingt ordentlich zugelegt“, weiß Peter Umundum Mit einer Österreichbrille betrachtet, habe der heimische Handel da durchwegs einigen Aufholbedarf, fügt er an. Die Post leistet mit dem Onlineportal shöpping ihren eigenen Anteil dazu. „Wir haben im vergangenen Jahr deutlich über 1000 Anbieter auf shöpping dazugewonnen. Somit sind dort nun insgesamt 1800 Händler und über 3 Millionen Produkte vertreten“, so Umundum. Das über das Portal generierte Umsatzvolumen habe sich 2020 verdreifacht.

Noch ist das 2017 gestartete Projekt der Post im Aufbau : „Wir verdienen derzeit noch nichts damit“ sagt Umundum. Es handle sich um ein klassisches skaliertes Geschäft, das weiteres Wachstum brauche, um für den Betreiber auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Somit müssen weitere Anbieter und auch Abnehmer dazukommen. Ein erfolgreicher Schritt sei die Kooperation mit der 7Ventures, dem Investment-Arm von Österreichs führender Privat-TV-Gruppe ProSieben Sat.1PULS4.

Für den Konzern insgesamt ist Umundum operativ sehr zuversichtlich, ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 abliefern zu können. „Da hilft uns natürlich das Wachstum im Pakethandel im Zuge der Pandemie schon“, sagt Umundum. Gleiches gelte für die Auslandsbeteiligungen der Post, lässt er durchblicken. Eine Erweiterung der Geschäftsfelder sei für die Post derzeit nicht geplant, etwa komme ein Ausbau in den Bereich Supply Chains für die Post aktuell nicht infrage.

Dafür entwickelt die Post neue Modelle gemeinsam mit dem Handel in Österreich. 2020 wurde mit dm drogerie markt eine kombinierte Kommissionierung gestartet. Wenn Kunden beim dm drogerie markt online Produkte bestellen, bietet der Drogerie-händler die Abwicklung der Bestellung seinen Filialen an. Wurde das Paket in der Filiale kommissioniert, so erteilt die Filiale dann der Post einen Abholauftrag, diese holt das Paket in der Früh ab, bringt es in ein nahegelegenes Verteilzentrum und stellt es am nächsten Tag bereits zu.

Alles, was nicht in der Filiale kommissioniert wird, geht in die zentrale Kommissionierung, die die Post Systemlogistik für dm drogerie markt übernimmt. Der Vorteil für die Handelskette ist, dass durch dieses flexible Konzept Online-Bestellungen noch schneller abgewickelt werden und Leerläufe in den Filialen sinnvoll genutzt werden

Ein weiteres spannendes Projekt habe man gemeinsam mit dem Onlinehändler zalando entwickelt. Wenn dort online bestellt wird, gibt zalando die Kommissionierung der Ware teilweise an Handelspartner, die in Österreich sitzen, weiter. Im Grunde laufen diese Prozesse ähnlich ab wie mit dm drogerie markt, „aber sie sind etwas breiter gedacht, weil es ein größeres Produktspektrum und unterschiedliche Handelspartner gibt“, so Umundum. Das klinge einfach, habe aber durchaus seine Herausforderungen in der Mengensteuerung, weil man ja nie wisse, kommen da 10 Pakete daher, 100 oder 500“, beschreibt Umundum die Anforderungen an die Post als Logistikpartner. „Das sind schon Handelskonzepte, die auch für den österreichischen Handel Chancen für die Zukunft eröffnen. Es muss allerdings auch die IT im Zusammenspiel der Lagersysteme gut integriert und entwickelt sein, um mit den Systemen der Post zu harmonieren“, weiß Umundum.

Amazon wird zum Mitbewerber.
Internethandelsriese Amazon knabbert der Post allerdings in Österreich Teile dieses Kuchens wieder weg. Besonders in den Ballungszentren haben die Amerikaner begonnen, die Zustellung mittels eigener Logistik zu erledigen. Zuletzt wurden in Wien gleich zwei Verteilzentren in Betrieb genommen. Amazon ist nach wie vor einer unserer größten Kunden und wird das auch bleiben, davon gehe ich aus. Das Unternehmen wird aber zugleich auch Mitbewerber, nachdem er gerade seine Netze aufbaut“, sagt Umundum. Strategische Überlegungen? Betriebswirtschaftliches Kalkül? Was treibt Amazon bei diesen Überlegungen an? „Ich bin mir gar nicht sicher, ob Amazon da immer ganz genau rechnet“, meint Umundum.

Vielmehr gehe er davon aus, dass dies ein eher strategischer Zugang sei, der in der Konzernzentrale entschieden wurde. Die Eigenzustellung sei ganz einfach ein Trend, der vor einigen Jahren in den USA begonnen habe, dann in Großbritannien nachgezogen wurde und nun schön langsam auch auf andere Länder ausgerollt werde.

Gefährdet sei das Zustellvolumen der Post durch diesen Move von Amazon hin zur Eigenzustellung aber nicht, lässt Umundum durchblicken. Zum einen erledigen die Amazonen dieses Geschäft nur in Ballungsräumen selbst, wo dies einfacher möglich sei. Zum anderen sei so eine Entwicklung bei anderen Versandhändlern nicht absehbar. „Bei anderen großen Händlern sehe ich diese Entwicklung nicht. Die Otto-Gruppe hat Bemühungen in diese Richtungen mit Hermes ja damals nach zwei, drei Jahren wieder eingestellt“, so Umundum.

Anders als in den Auslandsmärkten der Post. So baue in der Türkei ein großer Händler gerade sein eigenes Versandnetz aus. Insgesamt hat die Post die zunehmenden Paketmengen (+30% zum Vorjahr) nach eigenen Angaben gut abgewickelt. „Wir sind im Jahr 2020 auf eine Erstzustellungsquote von 94 Prozent gekommen“, ist Umundum stolz. Das heißt, dass 94 Prozent der gelieferten Pakete beim ersten Zustellversuch tatsächlich an der Zieladresse abgegeben werden konnten. Immerhin konnte diese Quote damit gegenüber dem Vorjahr nochmals um 2,5 Prozentpunkte gesteigert werden.

Um diese Quote weiter hochzuhalten, überlegt sich die Post auch alternative Zustellmethoden. „Wir wollen die Erstzustellquote sukzessive weiter erhöhen“, lässt Umundum durchblicken. Im „Kampf gegen den gelben Zettel“ testet die Österreichische Post einen neuen Service – die Vorzimmer-Zustellung. In Kooperation mit der A1 Telekom Austria AG und Nuki Home Solutions GmbH wird Empfängern erstmals die Möglichkeit angeboten, Pakete auch bei Abwesenheit direkt in die eigenen vier Wände geliefert zu bekommen. „Wir haben sehr gute Vertrauenswerte in der Bevölkerung. Gerade deshalb haben wir auch bereits über 800.000 Abstellgenehmigungen österreichweit, mit der uns die Menschen bereits in ihren Garten oder etwa ihre Garage lassen, um ein Paket abzustellen.

Mit der Vorzimmer-Zustellung gehen wir hier einen Schritt weiter und stellen auch dort zuhause zu, wo eine Abstellgenehmigung nicht möglich ist“, erklärt der Post-Vorstand. Das Pilotprojekt mit 100 Test-Kunden in Wien, Graz und Niederösterreich findet im Zeitraum Juli bis Dezember statt. Dafür wird die Eingangs-tür der Sendungsempfänger mit einem „Nuki Smart Lock“ ausgestattet. Damit erhält der Zusteller die Berechtigung, die Wohnungstür mittels eines mobilen Gerätes zu öffnen. Eine Bodenmatte im Vorzimmer markiert den Platz, an dem das Paket abgestellt werden soll. Hat der Kunde zudem Smart Home Geräte von A1 installiert, kann er , die Zustellung live oder bis zu 72 Stunden im Nachhinein per Video nachverfolgen. Sollte eine Vorzimmer-Zustellung nicht möglich sein, kommt der normale Zustellprozess zur Anwendung – eine Abgabe in einer Post Empfangsbox, eine Hinterlegung in einer Filiale oder bei einem Post Partner. „Während die Erstzustellquote im ländlichen Raum gegen 100 Prozent geht, richtet sich diese neue Zustelllösung vor allem an Interessierte in städtischen Gebieten, wo die Rate noch darunter liegt,“ erklärt Umundum.

Logistikzentren massiv ausgebaut.
„Im Zuge unseres mehrjährigen Ausbauprogramms investieren wir rund eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau unserer Logistikkapazitäten“, so der Post-Vorstand. „Allein bis 2022 schaffen wir damit zusätz-liche 30 Prozent an Sortierleistung.“ 2020 hat die Post insgesamt 143 Mio. Euro (CAPEX) investiert.“ Damit will das Unternehmen mit den zu-nehmenden Mengen Schritt halten und die eigene Leaderposition in Österreich absichern. Die Post als Konzern ist in acht Ländern tätig und das genannte Wachstum findet auch in den anderen Ländern in ähnlichem Ausmaß statt. „In der Türkei hat es sogar ein überdurchschnittliches Wachstum gegeben. Dort ist das Volumen der beförderten Pakete von ebenfalls rund 127 Mio. Paketen auf 188 Mio. angesprungen“, sagt Umundum.

Die neuen, größeren oder ausgebauten.
Logistikzentren der Post sind dabei strategisch über ganz Österreich verteilt. In Allhaming in Oberösterreich entsteht das derzeit modernste Logistikzentrum Österreichs. Die Post erweitert ihr seit 2014 bestehendes Paketzentrum im Bezirk Linz-Land um eine Grundstücksfläche von ca. 125.000 m², mehr als 700 bestehende Arbeitsplätze werden dadurch gesichert, mit Betriebsstart kommen 200 neue dazu.

Die Sorterleistung wird sich dann auf 33.000 Pakete pro Stunde belaufen – bisher waren es 10.500 pro Stunde. Garantiert wird dies durch den Einsatz hochmoderner Quergurtsorter. In Vomp wird inzwischen das Projekt Logistik-zentrum Tirol umgesetzt. Auf einer 100.000 m² großen Grundstücksfläche, von der rund 30.000 m² verbaut werden, entstehen ein Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis sowie Büroflächen für den Overhead. Investor dieses Projekts ist die Firma Derfeser – die Post investiert für Sortiermaschinen bis zu 25 Mio. Euro. Aus heutiger Sicht ist mit einer Inbetriebnahme im Herbst 2021 zu rechnen.

Schon früher wurde das Paketverteilzentrum in Wolfurt in Vorarlberg erweitert, auch damit werden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Etwa 27 Mio. Euro nimmt die Post AG für diesen Ausbau in die Hand. Durch die Erweiterungen sowie Modernisierungen am insgesamt 40.000m² großen Standort, die während des laufenden Betriebes durchgeführt werden, erhöht sich die Verteilkapazität von 4.500 Paketen auf 8.000 Pakete pro Stunde. Die Fertigstellung ist im 4. Quartal 2021 geplant.

Ebenfalls neu in Betrieb genommen wurde im Vorjahr der erweiterte Standort in der Steiermark. Mit Juli 2020 hat das größte Paket-Logistik-zentrum der Österreichischen Post in Kalsdorf bei Graz seinen Betrieb aufgenommen. Auf dem fast 170.000 Quadratmeter großen Grundstück sorgen rund 370 Mitarbeiter für die Verteilung von Paketen. Außerdem erfolgt die Zustellung für den Großraum Graz von hier aus. Die Leistungsdaten des Paket-Logistikzentrums sprechen für sich: In der ersten Ausbaustufe ermöglichen die Anlagen eine Sortierleistung von 13.500 Paketen pro Stunde, dafür sorgt eine Förderanlage mit einer Gesamtlänge von rund zwei Kilometern.

Gelb wird grün.
Der zunehmenden Bodenversiegelung durch große, horizontal angelegte Produktionsanlagen begegnet die Post mit durchwegs ökologischem Antrieb: „Wir haben zum Beispiel gerade für den Standort in Allhaming zwar ein großes Grundstück verwertet, kommen aber dennoch auf eine Aufforstungsquote von 1,3“, ist Umundum stolz.

„Das Logistikzentrum in Allhaming soll auch in puncto Nachhaltigkeit ein Vorzeigeprojekt sein“, so Umundum. Dort setzt die Post insbesondere auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. So wird am Dach des Logistikzentrums eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 500 kWp installiert, die nicht nur das Zentrum, sondern auch die am Standort betriebene E-Flotte der Post versorgt. Für eine möglichst effiziente und nachhaltige An- und Abreise der Mitarbeiter wird ein betriebliches Mobilitätsmanagement umgesetzt, das Werksbusse, Fahrgemeinschaften, die Nutzung von Fahrrädern sowie Stellplätze mit Ladestationen für E-Autos und E-Bikes beherbergt. Die Grünflächen rund um das Logistikzentrum werden mit Fokus auf Biodiversität angelegt und umweltfreundlich bewirtschaftet. Am neuen Areal wird darüber hinaus ein Biotop angelegt, Nistkästen aufgehängt sowie Wildbienen angesiedelt. Zudem kommt die Post in Österreich bereits auf mehr als 20 Prozent des gesamten Fuhrparks mit E-Fahrzeugen. Man sieht: Die Post denkt und agiert durchaus nachhaltig. Die Post bleibt zwar weiterhin gelb, sie wird aber innerlich dennoch grüner. Neben dem Ausbau der Photovoltaikanlangen setze man auf einzelnen Standorten auf Biodiversität. In Wien beherbergt die Post sogar Bienenstöcke und unterstützt deren Lebensraum. Gelb wird also grün.

Bereits seit 2011 stellt die Österreichische Post alle Sendungen innerhalb Österreichs CO2-neutral zu und war damit Vorreiter unter den Postgesellschaften. Das nächste Ziel ist eine CO2-freie Zustellung bis zum Jahr 2030, was bedeutet, dass bis dahin auf der letzten Meile ausschließlich E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz sind. Dieses Ziel wird in der steirischen Landeshauptstadt schon deutlich früher erreicht – bereits ab September 2021 wird die gesamte Postzustellung in Graz emissionsfrei erfolgen. Dann werden auch Pakete im Stadtbereich Graz CO2-frei zugestellt. Gesamt werden dann in Graz rund 160 E-Fahrzeuge für die Post im Einsatz sein.

Post ist ein Jobmotor.
Durch die Ausweitungen der Kapazitäten gilt die Österreichische Post als der größte Jobmotor im Lande in der Logistikbranche. Der Mitarbeiter-Stand betrug am Ende des 1. Quartals im Geschäftsjahr 2021 insgesamt 17.917. Bei der Post läuft eine Joboffensive. Denn der Boom beim E-Commerce sowie die sich verändernden Ansprüche der Konsumenten bringen einen richtigen Job Aufschwung in der KEP-Branche. Als einer der renommiertesten Dienstleister in der Zustellbranche sucht die Österreichische Post, ob in der Zustellung, den Logistikzentren, den Filialen, aber auch in der IT und im Management. Ziel der wirtschaftlichen Anstrengungen der Post mit dem Ausbau von Logistikzentren und Zustellbasen, sei es, „immer stärker integriert zu operieren und zuzustellen“, verrät Umundum. (PN)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

BVL strafft ihre Strukturen und nutzt Synergien

Ab dem 1. April 2021 gilt bei der Bundesvereinigung Logistik: Alles aus einer Hand. Vorstand und Geschäftsführung haben entschieden, Strukturen zu straffen und Synergien zu nutzen. So kehren die BVL Seminare, die seit 2008 bei der BVL Campus gGmbH angesiedelt waren, unter das Dach der BVL zurück. Die BVL.digital GmbH – 2018 als Inkubator für digitale Angebote der BVL gegründet – wird nach zweieinhalb Jahren intensiver Aufbauarbeit in die BVL integriert.

Beitrag: Redaktion.

BVL.digital und BVL Seminare leben als Marken mit ihrem jeweiligen Portfolio weiter. BVL-Mitglieder, Kunden und Geschäftspartner finden ihre vertrauten Ansprechpartner nun jedoch in der BVL-Geschäftsstelle in Bremen. Die operative Verantwortung für beide Bereiche liegt bei Dr. Christian Grotemeier, Gründungsgeschäftsführer der BVL.digital GmbH und jetzt einer der drei Geschäftsführer der BVL, die zum 1. April 2021 berufen wurden.

„BVL.digital hat in den vergangenen Jahren viele innovative Produkte und Services entwickelt. Unter dem Dach der BVL sollen diese nun stärker als bisher mit bestehenden Produkten und Leistungen verknüpft werden. Die Erfahrungen des höchst agil arbeitenden BVL.digital-Teams werden in die Vereinsarbeit eingebracht“, so Grotemeier.

Eine Schnittstelle von hohem Nutzwert gibt es zwischen BVL.digital und den BVL Seminaren. Die Digitalisierung des Wirtschaftsbereichs Logistik erfordert intensive Weiterbildung und Umschulung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es erscheint sinnvoll, die Themen Qualifikation und digitale Konferenzen gemeinsam zu denken und neue Formate zu entwickeln, die zur veränderten Arbeits-
situation passen.

BVL-Vorstand und -Geschäftsführung sind überzeugt, dass Mitglieder und Kunden von der noch engeren Verzahnung der BVL-Angebote und einer engagierten Zusammenarbeit der hauptamtlichen Expertenteams profitieren werden. Die ohnehin gute Kooperation zwischen den Akteuren wird durch die Integration gestärkt und die Kommunikation vereinfacht.

Das dreiköpfige Team mit Dr. Christian Grotemeier, Mike J. Holtkamp und Christoph Meyer bildet ab 1. April 2021 die Geschäftsführung der gemeinnützigen Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., des BVL Campus und der BVL Service GmbH.

Dr. Christian Grotemeier kam 2014 als Leiter Forschung und Veranstaltungen zur BVL. 2018 wurde der promovierte Volkswirt Mitglied der Geschäftsleitung und übernahm die Geschäftsführung der neu gegründeten BVL.digital GmbH, die jetzt in die BVL integriert wird. Als Geschäftsführer der BVL e.V. wird er sich auf die Bereiche Marketing/Vertrieb, Produkt-
enwicklung, die Seminare sowie Digitalisierung und IT konzentrieren.

Mike J. Holtkamp trat am 15. Februar 2021 als kaufmännischer Geschäftsführer in die Geschäftsstelle der BVL ein. Der Betriebswirt (BA) und gelernte Industriekaufmann war zuletzt als kaufmännischer Leiter, Finanzen & Controlling, IT und Personal bei der Fuchs Wisura GmbH in Bremen tätig. Er ist Nachfolger des langjährigen Geschäftsführers Uwe Peters, der die BVL – wie bereits seit Langem geplant – zur Jahresmitte auf eigenen Wunsch verlassen wird. Über den Finanz- und Personalbereich hinaus verantwortet Holtkamp die Bereiche Veranstaltungsorganisation und Einkauf.

Christoph Meyer leitet seit 2018 den Bereich Forschung und Veranstaltungen der BVL und war in den vergangenen Jahren bereits Projektleiter des Deutschen Logistik-Kongresses. Der Diplom-Regionalwissenschaftler kam von der Jacobs University, wo er als Koordinator des Fachbereichs International Logistics tätig war. In der Geschäftsführung hat Meyer die Federführung für Inhalte, die Deutsche Außenhandels- und Verkehrs-Akademie und das Relationship-Management des Vereins.

Prof. Thomas Wimmer, der sich im März 2020 nach seiner Wahl zum Vorstandsvorsitzenden der BVL aus der Geschäftsführung zurückgezogen hat, trägt in seiner Vorstandsfunktion die Gesamtverantwortung und kümmert sich operativ weiterhin um den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Gremienkontakte sowie die Projekte MX Award, Deutscher Logistik-Preis und Die Wirtschaftsmacher. Gemeinsam mit Uwe Peters, dem kaufmännischen Geschäftsführer, bildeten die beiden seit 2004 das Kernteam der hauptamtlichen Führungsspitze der BVL. Nach der Wahl Wimmers an die Spitze des Vorstands wurde Uwe Peters für eine Übergangszeit alleiniger Geschäftsführer. Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass er die BVL zur Jahresmitte 2021 auf eigenen Wunsch verlassen wird. Bis dahin wird er insbesondere seinem Nachfolger Mike Holtkamp mit Rat und Tat bei der Einarbeitung zur Seite stehen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

Corona lässt Regionalität und Bio im Lebensmittelhandel boomen

Auch wenn viele Österreicher im Jahr 2020 den Gürtel enger schnallen mussten, konnte im Lebensmittelhandel ein signifikantes Umsatzplus bei Biomarken und nachhaltigen Produkten beobachtet werden. Spitzenreiter und neuer Marktführer in Österreich: die SPAR Warenhandels AG.

Redaktion: Angelika Gabor.

Im Gespräch mit Handelsverband-Geschäftsführer Ing. Mag. Rainer Will legte Gerhard Drexel anschaulich dar, wo die Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg liegen, wie es weitergehen wird und wo die größten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft liegen.

Seit 1990 ist Drexel im Vorstand von Spar, seit 2001 in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden der Spar Warenhandels AG. Als solcher kennt er das Unternehmen natürlich wie seine Westentasche und ist an der Unternehmensstrategie sowie dem Erfolg maßgeblich mitbeteiligt. Anfang 2020, also noch vor dem Ausbruch der Pandemie, schnappte sich Spar die Marktführerschaft im österreichischen Lebensmittelhandel vom Mitbewerber REWE. Im Herbst betrug der Marktanteil laut jüngster Brancheninfo 34,2 Prozent, im Dezember sogar 37,1 Prozent – ein Plus im Vergleich zu Dezember 2019 um stolze 3,1 Prozentpunkte. Offensichtlich fanden im letzten Quartal die Kunden wieder zur ihrer zu Beginn der Corona-Krise schwächelnden Vorliebe für Frische in Bedienung zurück – der Trend zu SB ohne Kontakt zu Mitarbeitern ist gebremst. „Als im März 2020 – es war ein Freitag der 13. – der Lockdown ab dem darauffolgenden Montag verkündet wurde, hatten wir schon einen Informationsvorsprung durch unsere Tochter in Italien. Für uns war es sehr wichtig, die Anatomie der Coronakrise genau zu analysieren, um entsprechende Maßnahmen zu setzen“, erzählt Drexel.

Doppelstrategie als Schlüssel zum Erfolg.
Drexel ist überzeugt davon, dass sein Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird – der Marktanteil ist ein deutliches Indiz dafür, dass er Recht hat: „Der erste Teil unserer gut durchdachten Corona-Doppel-Strategie nahm Anlehnung an Hans Domizlaffs Bestseller über die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens.“ Mit diesem Ziel im Blick wurden etliche Maßnahmen umgesetzt: die Verteilung von Gratis-Mundnasenschutz-Masken, die Willkommensgeste bei der Verteilung durch die Mitarbeiter und auch das Hygienemanagement sorgten dafür, dass die Kunden sich sicher fühlen konnten – und offensichtlich gerne zum Einkaufen kamen. „Parallel dazu haben wir nie aufgehört, an den Erfolgsfaktoren der Zukunft weiterzuarbeiten. Dazu zählen beispielsweise die offensive Marktbearbeitung und die konsequente Weiterentwicklung unserer Eigenmarken.“ Besonders die günstige Eigenmarke S-Budget wurde stark erweitert: „Durch die aktuelle Lage – Rekordarbeitslosigkeit und sehr viele Menschen in Kurzarbeit – sind viele Menschen gezwungen, günstig einzukaufen. Mit S-Budget wollen wir da ein breites Angebot schaffen.“ Schließlich gaben in Umfragen 30 Prozent der Österreicher an, weniger für Lebensmittel auszugeben; 14 Prozent erklärten, nur noch lebensnotwendige Güter zu kaufen. Im Jahr 2020 kamen bei Spar 280 neue Eigenmarkenprodukte zum Sortiment, verteilt über alle Preissegmente. Zudem wurden die Expansionspolitik und die Ladenerneuerung konsequent weitergeführt.

Regional und lokal.
Gerade im Lockdown zeigte sich, dass die Kunden Wert auf österreichische Hersteller legen – je regionaler, desto besser. „Wir haben die Kooperation mit österreichischen Lebensmittelproduzenten, Brauereien usw. forciert. Im Fokus lagen dabei insbesondere lokale Hersteller, die aufgrund ihrer Kapazitäten nur einige wenige Filialen mit ihren Produkten beliefern können“, führt Drexel aus. Aktuell hat Spar rund 7.000 lokale Biobauern und Produzenten als Partner.

Bei Molkereiprodukten beträgt der Anteil österreichischer Produkte 95 Prozent, bei Backwaren 90 Prozent – Tendenz steigend. Aktuell beliefern etwa 500 lokale Bäcker naheliegende Filialen. Drexel: „Wir sind quasi der Erfinder der Regionalisierung im Lebensmittelhandel. Natürlich haben wir auch internationale Markenartikel – ein Whiskey kommt eher aus Irland.“ Spar hilft seinen Partnern auf Wunsch auch beim Ausbau ihrer Strukturen und Kapazitäten, um größere Gebiete abdecken zu können.

Boom bei Bio und Nachhaltigkeit.
Auch wenn es ob der finanziell angespannten Situation paradox erscheint, greifen die Österreicher vermehrt zu Bioprodukten. Im Zeitraum vom 1.1.2020 bis zum 31.8. 2020 stieg der Umsatz der Spar Natur pur Produkte um 26 Prozent. „Je unsicherer das Umfeld für die Konsumenten ist, umso sicherer wollen sie sich ernähren“, kennt Drexel den Grund. Spar verzichtet bei über 5.000 Eigenmarkenprodukten auf Glyphosat, Palmöl und Gentechnik. Insgesamt kauften die Österreicher im 1. Halbjahr laut Statista GmbH rund 96.723 Tonnen Bioprodukte – also aus ökologischer Landwirtschaft ohne synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel – im Lebensmitteleinzelhandel. Im gesamten Jahr 2010 wurden vergleichsweise 111.912 Tonnen Bio-Lebensmittel verkauft. Der rollierenden Agrarmarktanalyse der Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH (RollAMA) zufolge sind vor allem die Milch-, Joghurt- und Eiersortimente in Bioqualität besonders gefragt. Insgesamt lag der Anteil der umgesetzten Frischeprodukte im Lebensmittelhandel in Bio-Qualität im Jahr 2019 bei knapp 10 Prozent, im Juni 2020 erstmals über 10 Prozent. Aktuell sind laut Verein Bio Austria rund 22 Prozent der heimischen landwirtschaftlichen Betriebe nach den Kriterien der Bio-Landwirtschaft zertifiziert – das entspricht 24.225 Höfen bzw. rund 24 Prozent der österreichischen Agrarflächen, das ist EU-weiter Spitzenwert.

Mit Hilfe eines eigenen wissenschaftlichen.
Ärztebeirates mit 6 bis 7 ständigen Mitgliedern arbeitet Spar seit 15 Jahren an der Weiterentwicklung seiner Produkte. Das Ziel: gesunde Rezepturen. Der Gesundheitsbeirat legt dabei nicht nur fest, welche Inhaltsstoffe wünschenswert sind, sondern auch, was weggelassen wird. Bekanntes Beispiel hierfür ist die Reduktion von Zucker. Oder eben Bio-Qualität. „Wir haben uns schon früh dazu bekannt, dass wir für ein flächendeckendes Glyphosatverbot in der Landwirtschaft eintreten. Die österreichische Bundesregierung muss endlich Courage zeigen und das nationale Verbot – das schon zwei Mal im Parlament beschlossen wurde – auch endlich zum Gesetz machen“, meint Drexel energisch. Leider verabsäumten es die Regierungsparteien in der Nationalratssitzung vom 20. Jänner 2021, das zuvor angekündigte Teilverbot für das Pflanzengift einzubringen. Glyphosat ist unter anderem im Unkrautvernichter Roundup enthalten, dessen Hersteller Monsanto nun zur deutschen Bayer AG gehört. Mitte 2020 schloss Bayer einen Kompromiss zum Abschluss von etwa drei Viertel der aktuell gerichtsanhängigen Roundup-Verfahren: satte 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro sollen die Fälle aus der Welt schaffen. Weniger giftig wird der Stoff dadurch nicht.

Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie.
Schon längst haben wir uns in Österreich daran gewöhnt, dass beim Kauf von abgepackten Fleisch- und Milchprodukten auf der Packung steht, wo das gute Stück herkommt und verarbeitet wurde. Seit April 2015 ist die EU-weite Fleisch-Kennzeichnung aller Fleischsorten verpflichtend. Allerdings betrifft das nicht fertig verarbeitete Waren. Wer im Gasthaus ein Wiener Schnitzel genießt, wird nur im Ausnahmefall und auf Nachfrage erfahren, wo das Kälbchen vor der Schlachtung herumhopsen durfte. Unfair, findet Drexel: „Warum gibt es keine Kennzeichnungspflicht in Gastronomie, Kantinen und öffentlichen Bereichen? Eine Kennzeichnung von Fleisch, Eiern und Milchprodukten in diesen Bereichen würde die Gäste zufriedener machen.“ Da dies aber die Kosten für die Gastronomen erhöhen würde, hat er einen Vorschlag zur Unterstützung der krisengebeutelten Branche parat: „Aktuell gibt es eine Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie auf 5 Prozent. Ich würde vorschlagen, diese Senkung permanent zu belassen, wenn im Gegenzug dafür eine Herkunftskennzeichnung stattfindet.“ Spar bietet seit 25 Jahren Rind-, Kalb- und Schweinefleisch zu 100 % aus Österreich an, ausgezeichnet mit dem AMA Gütesiegel. Auch Eier und Milch sind seit Jahren ausschließlich von heimischen Produzenten.

Hemmschuh Pflastikpfand?
Aktuell werden in Österreich durchschnittlich sieben von zehn PET-Flaschen fachgerecht recycelt – wobei Wien einem Sammelanteil von nur einem Drittel aller Plastikflaschen das unrühmliche Schlusslicht darstellt. Um die Vorgaben der Europäischen zu erfüllen (und Strafen zu umgehen), muss die Rücklaufquote deutlich gesteigert werden. Als probates Mittel wird die Einführung eines Einwegpfandsystems beworben: Ende Jänner präsentierte die grüne Umweltministerin Leonore Gewessler in einer Wiener Lidl-Filiale einen entsprechenden Pfandautomaten. Handelsverband und Spar-Vorstand können dieser Idee hingegen gar nichts abgewinnen. „Die Politik sollte uns nicht grundlos das Leben erschweren. Ein Zwangspfand auf Einwegplastik ist populistisch und der falsche Weg. Wir Nahversorger würden zur Mülldeponie verkommen, vom Hygieneproblem mit Restflüssigkeiten ganz zu schweigen. Es gibt bereits tolle Sammelsyteme, die müssen lediglich ausgeweitet werden“, wird Drexel deutlich. Auch der Handelsverband ist vehement dagegen. Will: „Angesichts der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ist es unverantwortlich, in ganz Österreich flächendeckend ein Pfandsystem einzuführen. Allein die Anschaffungskosten eines Leergutautomaten liegen zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Viele kleine Betriebe können sich das nicht leisten.“ Statt dessen plädiert Will für die Umsetzung des von der WKÖ ausgearbeiteten 10-PUNKTE-PLANs zur Erreichung der EU-Abfallquoten mit einer alltagstauglichen Kreislaufwirtschaft – zu einem wesentlich günstigeren Preis.

Mercosur – Fluch oder Segen?
Geht es nach Drexel, ist der von der EU angepeilte Mercosur-Handelspakt (eine Freihandelszone mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) eindeutig ein Fluch. Wie viele andere fürchtet auch er, dass billiges Rindfleisch im Austausch gegen deutsche Automobile den österreichischen Markt überschwemmen könnte. Neben der billigen Produktion in Massentierhaltung ist das Rindfleisch auch fürs Klima ein Drama: „In Brasilien erzeugtes Rindfleisch verursacht in der Produktion 80 kg CO2, in Europa hingegen entstehen nur 22 kg CO2“, so Drexel, „Wir haben uns schon im Juli 2019 deutlich gegen diesen Handelspakt ausgesprochen und diese Entscheidung auch klar begründet. Es darf nicht sein, dass Deutschland zollfrei Autos liefern darf und wir im Gegenzug hormonbelastetes Rindfleisch zu Schleuderpreisen importieren müssen.“ Bei der Aufzucht der Rinder in Brasilien kommen Wachstumshormone zum Einsatz, die in Europa verboten sind – ebenso wie mit Pestiziden belastetes Futter. Dafür kostet es nur etwa die Hälfte von österreichischem Fleisch. Im Vertrag ist vorgesehen, dass jährlich 99.000 Tonnen Rindfleisch, 180.000 Tonnen Zucker und 100.000 Tonnen Geflügel zollfrei aus Südamerika importiert werden dürfen – in der Hoffnung, dass Zölle auf die Exporte von Autos und anderen Industriegütern wegfallen. Doch während in Europa die Mindeststandards hinsichtlich Umweltschutz, Tierschutz und Klima ständig strenger werden, wird beim importierten Fleisch darauf verzichtet. Drexel: „Das bedeutet den Bankrott für unsere Rinderbauern.“

Aktuell sind die Verhandlungen allerdings ins Stocken geraten – sehr zum Missfallen Portugals, das aktuell den Vorsitz des EU-Rates inne hat und die Unterzeichnung des Abkommens zum zentralen handelspolitischen Ziel seiner Präsidentschaft erklärt hat. Die rasante Abholzung des Amazonas-Regenwaldes bereitet insbesondere angesichts des voranschreitenden Klimawandels immer mehr Menschen Sorgen. Als größter Handelspartner und Investor in den vier Mercosur-Ländern mit 260 Millionen Konsumenten birgt der Deal großes Potential. Allein im Jahr 2019 exportierte die EU Waren im Wert von 41 Milliarden Euro in diese Staaten. Natürlich kann sich auch die EU-Kommission nicht gänzlich vor der Kritik verschließen. Um ein Aufschnüren des seit 2019 im Wesentlichen ausverhandelten Paktes, der nur auf die Ratifizierung wartet, zu verhindern, ist die Formulierung von Protokollzusatzerklärungen im Gespräch.

In diesen Erklärungen soll die Verbindlichkeit der Nachhaltigkeit – Stichwort illegale Brandrodungen – festgeschrieben werden. „Dieser ‘Beipackzettel’ ist nichts wert. Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, wird munter weiter abgeholzt, und Bolsonaro (Präsident Brasiliens, Anm.) macht, was er will“, ärgert sich Drexel. Denn auch wenn im bisherigen Vertragsentwurf ein Bekenntnis zum Übereinkommen der Klimakonferenz von Paris enthalten ist – es sind keinerlei Sanktionen bei Verstößen festgelegt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. In seiner derzeitigen Form steht der Mercosur-Deal jedenfalls im klaren Widerspruch zum „Green Deal“ der EU, wie die unabhängige Studie eines internationalen Forscher-Teams unter Beteiligung der HU Berlin, der Senckenberg Gesellschaft und des UFZ unter Leitung der Universität Oxford „The EU-Mercosur Agreement fails to meet the three tenets of sustainable trade: inclusion, transparency & enforcement;“ zeigt. Die Art und Weise, wie Rindfleisch und Soja-Viehfutter produziert werden sowie die damit einhergehende Flächengewinnung durch Rodung des Regenwaldes ohne Rücksicht auf indigene Bevölkerungsgruppen macht die Einhaltung der drei Säulen des EU-Nachhaltigkeitskonzeptes unmöglich. Zusammengefasst wird der Freihandelspakt die Zerstörung des Amazonasgebietes noch beschleunigen, denn schon jetzt wird in der Anbauregion für europäischen Konsum alle drei Minuten die Fläche eines Fußballfeldes gerodet. AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Wer hätte das gedacht? E-Commerce ist doch nicht so böse

Viele halten die momentane, Lockdown bedingte Paketflut für einen ökologischen Supergau – schließlich müssen all die Pakete auch zugestellt werden. Studien zeigen jedoch: im Vergleich zum stationären Einkauf entstehen beim Onlineshopping sogar weniger CO2-Emissionen. Best Practice dazu: die UNITO-Gruppe liefert seit 1.1.2021 CO2-neutral.

Redaktion: Angelika Gabor.

Im Übereinkommen von Paris beschlossen knapp 190 Länder, durch eine Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen so stark zu reduzieren, dass der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt wird. Sieht man sich die aktuellen Werte an, sieht die Prognose eher düster aus. Umso wichtiger und richtiger ist es, dass Unternehmen sich selbst ambitionierte Ziele stecken, die Zukunft zu sichern. Die UNITO-Gruppe – hierzu zählen beispielsweise die Marken OTTO Österreich, Universal, Quelle und LASCANA – hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 vollständige Klimaneutralität zu erreichen. Möglich macht dies unter anderem die Partnerschaft mit den Logistikdienstleistern Österreichische Post und Gebrüder Weiss.

Im Kalenderjahr 2020 wurden in Österreich, Deutschland und der Schweiz 6,5 Millionen Sendungen für UNITO bewegt, das entspricht rund 1.500 Tonnen CO2. Alleine zu Weihnachten stieg das Sendungsvolumen um mehr als 30 Prozent. Die Bestellmengen werden auch nach Ende der Corona-Pandemie hoch bleiben, erwartet Mag. Harald Gutschi Sprecher der Geschäftsführung UNITO-Gruppe/Otto Group: „Die Menschen fühlen sich wohl beim Onlineshopping. Sie bestellen mehr und vor allem bewusster, so konnten wir im letzten Jahr 20 Prozent weniger Retouren verzeichnen.“ Einen Grund hierfür sieht er auch in der Qualität des Onlineshops: gute Bilder, ausführliche Beschreibungen und auch die Bewertung andere Kunden würden einen aussagekräftigen Gesamteindruck vom Produkt vermitteln und so die Kaufentscheidung erleichtern. Bei diesen Mengen ist der ökologische Fußabdruck natürlich gewaltig. „Unserem Vorstand (insbesondere Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Michael Otto, Anm.) ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, und mir persönlich ein großes Anliegen. Wir haben keinen Planeten B“, so Gutschi. „Die Welt ist in Bewegung, und auch die Kunden wünschen sich Regionalität und Klimaschutz und langsam steigt auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.“ Darum werden ALLE Bestellungen der Gruppe seit 1. Jänner 2021 CO2-neutral zugestellt.

Stationär vs. Onlinehandel.
Für die Studie „Klimafreundlich einkaufen – eine vergleichende Betrachtung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel“ beleuchtete das DCTI Deutsches CleanTech Institut die Transportwege verschiedener Produkte vom Zentrallager zum Kunden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Käufertypen, die bestimmte Lebens- und Einkommenssituationen haben und sich unterschiedlich verhalten. Das überraschende Ergebnis: durch den verdichteten Transport der Sendungen durch Paketdienstleister entstehen pro Sendung weniger CO2 Emissionen als beim individuellen Einkauf im stationären Handel – schließlich wird je nach Region ein überwiegender Teil der Einkaufsfahrten mit dem Auto getätigt. Sieht man sich als Beispiel den Kleinartikel Handy an, entstehen beim Kauf im Geschäft zumindest 450 g CO2, wohingegen durch die Bündelung bei der Lieferung aus dem Onlineshop maximal 310 g CO2 freigesetzt werden. Auch bei Großartikeln, wie beispielsweise einem Sofa, fällt die Bilanz mit 8,4 kg zu 8 kg CO2 weniger deutlich, aber dennoch positiv für den Versandhandel aus. In Summe gesehen sind die Einsparungen enorm, denn die Österreichische Post stellt derzeit mehr als 700.000 Pakete pro Tag für UNITO zu und im vergangenen Jahr lieferte Gebrüder Weiss rund 540.000 Großartikel wie Kühlschränke oder Möbel an Haushalte in Österreich.

Starke Partner.
Vermeiden, reduzieren und kompensieren – so die Strategie der UNITO. Bei einem Onlinehändler spielt aber auch die Wahl der Logistikpartner eine wesentliche Rolle in der Gesamtbilanz. In Österreich setzt das Unternehmen daher auf zwei Partner, die sich selbst schon lange der Nachhaltigkeit verschrieben haben. So stellt etwa die Österreichische Post AG bereits seit 2011 sämtliche Briefe, Pakete, Zeitschriften und Werbesendungen CO2-neutral zu. „Wir waren weltweit der Vorreiter bei der CO2-neutralen Zustellung, und bis 2030 wollen wir auf der letzten Meile sogar CO2-frei sein“, bestätigt DI Dr. Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Post AG. Derzeit läuft ein massiver Umbau, um dem steigenden Paketaufkommen Herr zu werden: dezentrale Logistikstandorte, eigene Photovoltaikanlagen und die Zusammenführung der Brief- und Paketinfrastruktur helfen, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. „Durch den Einsatz von Elektromobilität konnten wir zwischen 2014 und 2019 bereits 4.396 Tonnen CO2 einsparen, und unser E-Fuhrpark wächst weiter an.“ So wird Graz 2021 als erste Stadt in Österreich mit 100% emissionsfreier Zustellung zum neuen Vorreiter in puncto Klimaschutz bei der Post. Mit Elektrofahrzeugen hat die Post schließlich Erfahrung, denn schon im Jahr 1913 wurde mit dem Daimler-Tudor Elektro-Paketwagen elek-trisch zugestellt. Heute umfasst die E-Flotte bereits mehr als 2.100 moderne Fahrzeuge, die mit Strom aus den fünf hauseigenen PV-Anlagen betrieben werden. „Aktuell nicht vermeidbare Emissionen kompensieren wir durch Zertifikate 72 nationaler und 75 internationaler Klimaschutzprojekte – geprüft und bestätigt vom TÜV AUSTRIA“, führt Pölzl aus.

Für die Auslieferung größerer Artikel vertraut UNITO auf Gebrüder Weiss – das älteste Transportunternehmen der Welt mit mehr als 500jähriger Firmengeschichte. „Gerade im Lockdown konnte man den Stellenwert der Logistiker bei der Versorgungsleistung der Bevölkerung erkennen. Die Fahrer wurden quasi zu den Krankenschwestern der Logistik“, meint Dipl.-Bw. Jürgen Bauer, MBA, Mitglied der Geschäftsführung der Gebrüder Weiss Gesellschaft m.b.H. „Seit jeher ist unsere Kernkompetenz, Transporte effizient zu bündeln, wodurch der Einfluss auf die Umwelt minimiert wird.“ Gezielte Maßnahmen im Rahmen der GWcares Initiative zielen gleichermaßen auf soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ab. „Unser Ziel ist es, unseren CO2-Ausstoß jährlich um 10 Prozent zu reduzieren und bis 2030 komplett CO2-neutral zu agieren“, verkündet Bauer. Während in der letzten Meile bereits E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen, setzt das Unternehmen für die europaweite Hauptlaufüberwindung auf Gas-LKW als Brückentechnologie. „Gemeinsam mit Kunden planen wir, Konzepte für angrenzende Länder mit Elektrofahrzeugen zu erstellen. Momentan scheitert es Großteils an der mangelnden Ladeinfrastruktur.

In der Schweiz machen wir mit Wasserstoff-LKW sehr gute Erfahrungen, aber für Österreich ist das aktuell nicht umsetzbar“, bedauert Bauer. Auch hier fehle es an der Ladeinfrastruktur, rund 15 Wasserstoff-Tankstellen mit ausreichendem Ladedruck für die Betankung eines LKW seien nötig für einen flächendeckenden Einsatz in Österreich. Bis dahin helfen Photovoltaik-Anlagen auf Logistik-Terminals, ein eigener Windpark, Pool-Fahrzeuge und E-Bikes für Mitarbeiter und klimafreundliche Schienentransportlösungen wie der Ganzzug Orange Combi Cargo für die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Auch hier wird der Rest kompensiert, im Falle der UNITO unterstützt Gebrüder Weiss ein zertifiziertes Energieef-fizienz-Projekt in Ruanda. Das langfristige Ziel: bis 2030 auch ohne Kompensation 100 % Klimaneutralität zu erreichen. Auch wenn die Corona-Pandemie momentan die Medien und den Alltag als Thema Nr. 1 beherrscht, so darf trotzdem nicht auf das Klima und die Nachhaltigkeit im unternehmerischen Tun vergessen werden. Die UNITO-Gruppe, Post und Gebrüder Weiss zeigen, dass mit Innovation und Wille ökolo-gische Lösungen umsetzbar sind, die nicht im Widerspruch zum unternehmerischen Erfolg stehen. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen

Auf dem Forum Automobillogistik 2020, das am 5. und 6. Februar in Leipzig stattgefunden hat, diskutierten Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen und Lösungsansätze für verschmelzende Produktions- und Logistikvorgänge.

Beitrag: Anja Stubbe.

Die Zeiten, in denen jeder Beteiligte einer Wertschöpfungskette allein seine Prozesse optimiert, sind vorbei. Alternativen sind gefragt, um Prozesse gemeinsam optimieren und so das gesamte Potenzial einer reibungslosen Supply Chain heben zu können – das gilt besonders für die Automobilindustrie.  „Grenzen einreißen muss zuallererst in den Köpfen stattfinden. Querdenken in Bezug auf Geschäftsmodelle und auf Kooperationsweisen ist gefordert“, ist Michael Müller, CEO von Müller – Die lila Logistik AG, überzeugt. „Wir müssen immer wieder in Alternativen denken und nicht nur das optimieren, was wir momentan haben.“

Von Daten-Silos zu Datenstandards.
Das gilt zum Beispiel für das Datenmanagement. Andreas Schick, Vorstand Produktion, Supply Chain-Management und Einkauf des Automobilzulieferers Schaeffler AG, betont die Bedeutung von vernetzten Datenflüssen. „Wir erheben immens viele Daten, die auch unseren Kunden helfen würden, wenn man sie teilt.“ Internationale Datenstandards sind dazu Grundvoraussetzung. Dem gegenüber stehen allerdings noch immer verschiedene gewerks- oder unternehmenseigene Datenökosysteme, zwischen denen Schnittstellen nur schwer oder gar nicht geschaffen werden können. Außerdem muss die Datensicherheit geklärt sein.  Indem eindeutig festgelegt ist, wem die Daten gehören und wie mit diesen umzugehen ist, können Unternehmen Lösungen finden, „die uns allen guttun“, so Schick.

Informationen für Beteiligte nutzbar machen.
Wie Grenzen zwischen Fachbereichen in Hinblick auf die Datenweitergabe eingerissen werden können, zeigt Prof. Katja Windt, Mitglied der Geschäftsführung des Anlagenlieferanten SMS Group und des Vorstands der BVL. Eine sogenannte lernende Wertschöpfungskette und ein Qualitätstracking entlang der gesamten Supply Chain sorgen dafür, dass aus Daten gewerksunabhängig Informationen gewonnen werden, aus denen wiederum Prozesswissen generiert werden kann.

Um Reibungsverluste zu minimieren und die isolierte Betrachtung einzelner Gewerke zu überwinden, ist es aber entscheidend, schon früh alle an der Supply Chain beteiligten Parteien an einen Tisch zu bekommen. Gemischte Teams mit Experten aus den unterschiedlichen Bereichen von Beginn an – das ist die Lösung der SMS Group, um der Silo-Bildung zuvorzukommen.

Zusammenrücken ist gefragt – weltweit.
Auch geographische Grenzen einzureißen sei unausweichlich, um aktuelle Herausforderungen in Logistik und Supply Chain-Management anzugehen, so die Experten beim Forum Automobillogistik. Dazu zählen unter anderem die überlastete Infrastruktur, steigende Logistikkosten durch verknappte Transport- sowie Fachkräftekapazitäten oder Bestrebungen zur Dekarbonisierung.

Altbewährte Dogmen müssen dafür überdacht werden. Dabei zeichnet sich ein Trend ab: Alle Bereiche der Wertschöpfungskette rücken geographisch näher zusammen „Zukünftig wird vermehrt dort produziert, wo der Markt ist“, ist Thomas Zernechel, Leiter Konzernlogistik bei Volkswagen, überzeugt. Damit alle Gewerke an einem Ort produktiv werden können, ist es notwendig, Produktions- und Logistikkonzepte neu zu denken sowie Standorte neu zu organisieren. Wenn Gewerke umziehen, muss aber auch die nötige Kompetenz transferiert werden. Unterstützung dabei kommt von der zunehmenden Automatisierung, sagt Prof. Dennis J. Snower, Präsident der Global Solutions Initiative und Professor für Makroökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

Denn Roboter ließen sich leichter in der Welt herumschicken als Menschen und deren Kompetenz damit schneller und unkomplizierter von einem Ort zum anderen transportieren. Daher ist sich Snower sicher: „Je mehr Automatisierung in den Fabriken Einzug hält, desto mehr kann sich die Produktion an den Kunden annähern.“

Während einerseits Grenzen in Bezug auf Daten-, Informations- und Wissenstransfer langsam verschwinden, werden andererseits neue Grenzen gezogen. Handelskonflikte und -hürden erschweren die positive Entwicklung der Weltwirtschaft. „Non-tariff barriers are the analogy to building a wall inside the factories,“, konkretisiert Snower. Er hat eine klare Forderung an alle Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: „They should be obsolete!“
(AS)

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/

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