EU Harmonisierung digitaler Warensendungsdokumente (Einzelsendung)

Der Postmarkt der Europäischen Union (Kurier-, Express-, Paket- und Postzustellung) wird weiter harmonisiert. Aufgebaut wird auf früheren Arbeiten im Bereich elektronische fortgeschrittene Daten (EAD) für Transportsicherheit und Zoll im globalen Postnetz des Weltpostvereins, sowie den Arbeiten in der EU für die Mehrwertsteuergesetzgebung im E-Commerce und die Transportsicherheit (s.g. Import Control System 2 / ICS2).

Immer wenn B2C-Lieferungen eingesammelt, für Fracht und Transport konsolidiert, zur Sortierung entgegengenommen und zur Endlieferung, gemäß der Präferenzen des Endempfängers versandt werden, werden elektronische Datenelemente zu jeder Warensendung im grenzüberschreitenden Verkehr ausgetauscht. Diese Daten folgen stellen nach dem „Global Data Model“ des Weltpostvereins; als Teil des  EU-Zolldatenmodells; oder nach der „Preloading Advance Cargo Information“ (PLACI) der IATA Mindestanforderungen dar. Die genannten Datenaustauschmodelle stellen den Ausgangspunkt für eine zukünftige Harmonisierung dar.

Das zweistellige Wachstum des B2C-Liefervolumens, das sich voraussichtlich, nach einem Ukrainebedingten Einbruch, in den nächsten 5 Jahren fort. Zunehmend stellt sich der Einzelhandel auf ein vernetztes und datengestütztes Datenmodel um, dass einen Vorabdatenaustausch entlang der Warenwirtschaftskette über den Inhalt von Sendungen sowie die Zustellmittel bedingt.

Zusätzlich zu den, bereits heute obligatorischen Mindestanforderungen an Datenelemente in grenzüberschreitenden Datenaustausch umfasst dies:

  • Eindeutige Beschreibung und Deklaration der Einzelhandelsware auf Einzelpositionsebene:
    • Konformitätserklärungen von Versendern/Herstellern, oder
    • Erklärung zur Einhaltung nationaler und harmonisierter regionaler Vorschriften und Gesetze
    • Zuordnung der korrekten Zölle und Gebühren
  • Eindeutige Transportidentifikation: Ein eindeutiger Barcode (auch bei mehreren Zustelldiensten), der es Behörden oder Logistikdienstleistern ermöglicht, bei Bedarf auf Daten auf Einzelebene zuzugreifen
  • Auf Einzelsendungsebene zugeordnete CO²- und Treibhausgasemissionen, um zu ermöglichen:
    • Messung und Berichterstattung auf Einzelsendungsebene
    • Zuweisung zusätzlicher Kosten (oder damit verbundener Entschädigungen)
  • Art, Größe und Wiederverwendbarkeit von Verpackungen, die sowohl für die Einzelhandelsware, als auch für den Behälter in jeder B2C-Lieferung verwendet werden.

Die Digitalisierung von Warensendungsdokumenten ist ein neuer Arbeitsauftrag an das Europäische Komitee für Normung (CEN). Es fördert die Interoperabilität zwischen nationalen Netzen und unterstützt einen effizienten postalischen Universaldienst in Europa. Es ist die Grundlage für die obligatorische digitale Ende-zu-Ende Dienstleistungserbringung auf Einzelsendungsebene (von der Abholung/Übergabe an die ersten Logistiker bis zur endgültigen Zustellung beim Endempfänger). Ziel ist es, die Transportsicherheit, Produktsicherheit und umweltfreundliche Lieferung von B2C-Zustellungen zu gewährleisten, die für einen voll funktionsfähigen digitalen Binnenmarkt erforderlich sind.

Wer weitere Details über das Thema erfahren möchte oder aktiv an der Ausgestaltung der Zukunft mitarbeiten möchte, sollte logistic-nativ werden und wendet sich bitte an Florian.Seikel@logistic-natives.com oder an Walter.Trezek@logistic-natives.com.

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

LogiMAT: Innovationen für das Codieren, Erfassen und Vernetzen

Eine Vielzahl von Premieren und innovativen Neuentwicklungen in allen Auto-ID-Technologiebereichen sowie einem ergänzenden Expertenforum zur weiterführenden Informationsvermittlung machen die LogiMAT 2022, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, zur umfassenden Leistungsschau der Auto-ID-Branche.

Zuverlässige Kennzeichnung von Bauteilen für die Produktion, von Behältern im Lager- und Kommissioniersystem oder der Flurförderzeuge im Logistikzentrum – ohne Auto-ID, die Automatische Identifikation und Datenerfassung, geht in der Produktion und Logistik gar nichts. Kennzeichnung & Identifikation, Tracking & Tracing, Bestandsmanagement und Kommissionierung, Echtzeitortung, Condition Monitoring und Predictive Maintenance: Auto-ID-Technologien und ihre Kombination mit komplementären Technologiefeldern unterstützen die Automatisierung von Prozessen sowie eine zunehmend autonome Gestaltung, bei der Objekte jeglicher Art sich wechselseitig einander identifizieren und verifizieren. Für den AIM, Industrieverband für Automatische Datenerfassung, Identifikation (Auto-ID) und Mobile IT-Systeme, sind die Ident-Technologien „Enabling Technologies“ für die digitale Transformation von Supply Chain und Logistik, für die Steuerung, Automatisierung und Optimierung von Unternehmensprozessen und die intelligente Vernetzung von Informationen aus Produktion und Logistik, Transport und Verkehr. Denn Auto-ID-Technologien von der optischen Kennzeichnung und Identifikation über RFID- und RTLS-Lösungen bis hin zu Sensorik, Bluetooth und Vision Systemen ermöglichen alle Anwendungsbereiche, in denen Daten erhoben und ausgewertet werden.

Mit der kontinuierlichen Einbindung technologischer Neuerungen und entsprechender Weiterentwicklung der Produkt- und Lösungsangebote erschließen die Auto-ID-Lösungen Effizienzsteigerungen, steigern Prozesstransparenz und Optimierungspotenziale und unterstützen den technologischen Wandel sowie Entwicklung neuer Geschäftsfelder in den Unternehmen. Vor diesem Hintergrund blicken die Hersteller und Anbieter dieses diversifizierten Branchenspektrums durchweg positiv in die Zukunft. Dem letzten Branchen-Barometer des AIM zufolge erwarten nahezu 85 Prozent der befragten Unternehmen eine bessere oder zumindest gleichbleibende Marktentwicklung. Im zweistelligen Prozentbereich konstatieren die Unternehmen aller Technologiebereiche zudem eine verstärkte Nachfrage – von Unternehmen mit RFID-Lösungen erwarten dies 72 Prozent. Welche Innovationskraft und Lösungskompetenz der Auto-ID-Branche dabei zugrunde liegt, zeigen die internationalen Aussteller vom 31. Mai bis 2. Juni auf der LogiMAT 2022 in den Hallen 4 und 6 auf der Südachse des Stuttgarter Messegeländes. „Die Auto-ID-Branche kommt in diesem Jahr mit so vielen Neuheiten und Premieren zur LogiMAT wie nie zuvor“, sagt Messeleiter Michael Ruchty, EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH München. „In allen Technologiebereichen, von den ORM mit neuen Sicherheitsetiketten, Druckern und Lesegeräten über neue Wearables für RFID- und neue Sensorik für RTLS-Lösungen und Transportüberwachung bis hin zu dynamischen Frachtvermessungslösungen präsentiert die Auto-ID-Branche auf der LogiMAT ein breites Spektrum an Neuentwicklungen für das Codieren, Erfassen und Vernetzen von Informationen.“

 

Digital geführte Kommissionierung mit geographischen Informationen.
Im Bereich der Etiketten stellt die Securikett Ulrich & Horn GmbH (Halle 4, Stand F81) als einen „positiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft“, so das Unternehmen, ihre um neuartige, papierbasierte Sicherheitsetiketten erweiterte Produktpalette vor. Die Plöckl Media Group GmbH (Halle 4, Stand C07) legt den Fokus bei ihren Exponaten neben verschiedenen Kennzeichnungslösungen insbesondere auf die Produktinnovation „InMould on Roll“, bei der die klassische Stapelverarbeitung ihrer patentierten InMould Etiketten durch eine kosten- und zeiteffiziente Lösung auf Rolle erneuert wurde. Für effizienten Etikettendruck „on the fly“ präsentiert die Toko Etikettier- und Drucksysteme GmbH & Co. KG (Halle 4, Stand B05) erstmals die Epson C6000 Serie. Der Inkjet-Drucker mit Etiketten-Spendefunktion (C6000Pe/C6500Pe) ermöglicht in vollautomatisierten Etikettieranlagen mehrfarbigen „just-in-time“-Etikettendruck. Dabei lassen sich fotorealistische Etikettenlayouts mit einer Druckauflösung von bis zu 1200 x 1200 dpi und Druckbreiten von vier und acht Zoll realisieren.

Die Optimierung von Durchlaufzeiten im Prozess bei gleichzeitiger Reduzierung der Fehlerpotenziale im Kommissioniervorgang verspricht die Applikation Digitalpicker, die im Rahmen der LogiMAT 2022 erstmals auf einer Messe gezeigt wird. Bei der Lösung der Indutrax GmbH (Halle 6, Stand D74) ist der Name Programm: Die Applikation ermöglicht eine papierlose und digital geführte Kommissionierung unter Verwendung von geographischen Informationen, eLabel, Pick-to-Light, Wearable-Barcode-Scanner und Tablets. Diese neuartige Form der Prozessunterstützung leitet Kommissionierende einfach und effizient durch die Bearbeitung ihrer Aufträge.

Tablets stehen auch beim Messeauftritt der Advantech Service-IoT GmbH (Halle 8, Stand F10) im Mittelpunkt. Als Produktneuheiten zeigt das Unternehmen das Fahrzeugterminal DLT-V7215 P+ mit unterbrechungsfreier Stromversorgung und Smart Sensor sowie das Industrietablet AIM-75S mit austauschbarem Akku. Das robuste 8“-Tablet ist für den Innen- und Außenbereich geeignete. Zusätzlich zu den WLAN-/LTE-Funktionen, die mobiles Computing ermöglichen, kann das GMS-zertifizierte AIM-75S optional mit Peripheriegeräten wie einem 1D/2D-Barcodescanner, LAN+COM, UHF-RFID und MSR-Modulen ausgestattet werden.

 

Datenerfassung mit Cloud-Anwendungen und KI-Applikationen.
Neue Systeme für effiziente Datenerfassung und -vernetzung stellen unter anderem die Mettler-Toledo GmbH (Halle 6, Stand F27), das Wäge- und Messtechnik-Unternehmen DEW – Waagen & Systeme (Halle 3, Stand D58), die Kaptura GmbH (Halle 6, Stand F68) und die Swiss Sort GmbH (Halle 5, Stand F47) auf der LogiMAT erstmals vor. Mettler-Toledo kommt mit dem neuen Messystem „TLD970“ nach Stuttgart. Das Messystem wird an der Hallendecke montiert und kann die Maße von Paletten messen, die von Gabelstaplern transportiert werden, die sich mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h bewegen. Kombiniert mit einer am Gabelträger montierten Waage „TLF820“ von Mettler-Toledo und einem Handscannersystem entsteht eine dynamische Messlösung für Volumen, Gewicht und ID. Ein optionaler Touch-Screen-PC im Führerhaus des Gabelstaplers führt den Fahrer durch den Messprozess und überträgt den Datensatz per WLAN an das übergeordnete IT-System des Anwenders.

DEW – Waagen & Systeme zeigt als Premiere ein neu entwickeltes Volumen-Messsystem. Das System kombiniert Volumenmessung, Gewichtsmessung und das Abscannen von Artikeldaten, beispielsweise von Etiketten. Die DEW-Waagenanzeige „D 125“ mit Touchbildschirm führt alle erfassten Daten in einem Datensatz zusammen. Im Anschluss wird das Datenpaket in Echtzeit direkt in die Unternehmens-IT übertragen und automatisiert gespeichert, wobei die entsprechenden Datenfelder der Bildschirm-Maske automatisiert befüllt werden.

Die 3D-Laserscanner-Lösung „IMS360“ von Kaptura zielt auf automatisierte Artikelstammdatenerfassung. Dabei ermöglicht die Einbindung von 360°-Produktfotografie eine schnelle Datenerfassung und Wiedererkennung von Artikeln. Swiss Sort stellt mit „Procap“ ein komplettes Soft- und Hardwarekonzept für Sendungserfassung (OCR Maschinen- und Handschrift), Tracking (BCR), Redressbearbeitung und die Irrläuferbearbeitung vor. „Procap“ sorgt nach Herstellerangabe mit Live-Erfassungswerte von bis zu 600 Sendungen pro Stunde für deutliche Arbeitserleichterungen, Zeit- und Kostenersparnisse in der innerbetrieblichen Logistik.

Datenerfassung mit Cloud-Anwendungen und KI-Applikationen präsentieren unter anderem die Denso Wave Europe GmbH (Halle 4, Stand D65) mit komplexen und Cloud-basierten IoT-Datenmanagementsystemen sowie die Panasonic Marketing Europe GmbH (Halle 6, Stand A71). Panasonic kommt mit einer Visual Sort Assist (VSA) Lösung für automatisierte Objekterkennung zur LogiMAT 2022. Das System scannt bei der Warenanlieferung Barcodes oder Lieferantenadressen und projiziert Namen der Lieferanten, Priorität in der Fertigung oder Lagerplatz auf Pakete, die dann auf der Fördertechnik weitergeleitet werden. Parallel erfolgt ein Abgleich der erfassten Anlieferungsdaten mit den im ERP-System oder WMS hinterlegten Informationen. Darüber hinaus ist auf dem Panasonic-Messestand die Tochtergesellschaft Blue Yonder vertreten. Sie präsentiert mit ihrem „Luminate“-Portfolio KI-gesteuerte Supply-Chain-Lösungen aus der Cloud.

 

Neue Transponder für zuverlässige RFID-Anwendungen.
Jüngste Entwicklungen im RFID-Segment werden bei der Neosid GmbH & Co. KG (Halle 4, Stand D05) und bei der Bito-Lagertechnik Bittmann GmbH (Halle 6, Stand C31) gezeigt. Neosid präsentiert mit „NeoTAG“ einen neuen, kleinen Transponder mit hoher Reichweite für zuverlässige RFID-Auslesung selbst in Metallumgebungen. Der gesamte HF-Transponder ist in der Standardausführung als Inlay (ohne Gehäuse) auf einer Größe von 2,6 mm x 2,6 mm x 2,4 mm untergebracht. Zudem werden Versionen als Plug (im Einpressgehäuse), als Flag (zur Befestigung etwa mit Kabelbindern) oder in kundenspezifischen Bauformen angeboten. Bito kommt mit den Startups Tec4Med, TeDaLos und Qbing nach Stuttgart. Gemeinsam mit Bito-Lagertechnik stellen sie auf der LogiMAT 2022 die neuesten Entwicklungen und spannende Innovationen rund um das Thema Intralogistik vor. Entwickelte Lösungen wie intelligente Pharmatransportbehälter, die Möglichkeit zur digitalen Bestandsüberwachung in Kleinteilebehältern oder RFID-basierte Bestandüberwachung am Regal sind Features, die Bito-Lösungen weiter digitalisieren.

Abgerundet wird die Leistungsschau der Auto-ID-Branche auf der LogiMAT 2022 am dritten Messetag durch das Expertenforum „Digital Supply Chain – Gestaltung und Optimierung: AutoID-Technologien als Enabling Technologies“ in der LogiMAT-Arena im Atrium, Eingang Ost, das gemeinsam von der Fachzeitschrift ident und dem Fachverband AIM-D e.V. Das behandelte Themenspektrum für ergänzende Informationsvermittlung stellt die RFID-basierte Automatisierung sowie Transparenz und Digitalisierung der Lieferkette auf Basis von Echtzeitdaten in den Mittelpunkt. Zudem zeigen und erklären die Experten im Zuge des Forums effiziente und nachhaltige Nutzungs- und Businessmodelle mit Mehrwegbehälterlogistik. Ziel ist es, den Fachbesuchern Leistungsvermögen und Einsatzpotenziale der unterschiedlichen AutoID-Technologien für die Digitalisierung von Supply Chain, Logistik und Produktion aufzuzeigen.

„Die Identtechnik ist die unentbehrliche Grundlage für effiziente Lieferketten und Datenvernetzung wie auch für die zukunftsfähige Ausrichtung von Logistik und Produktion“, resümiert Messeleiter Michael Ruchty. „Mit den Exponaten der Aussteller und der fachkompetenten Informationsvermittlung im Expertenforum bietet die LogiMAT 2022 einen kompakten und gleichwohl vollumfänglichen Überblick über den aktuellen Stand der technologischen Entwicklungen im Bereich der Auto-ID und den Mehrwert, den sie im Rahmen der digitalen Transformation bieten. Wer darüber im Bilde sein will, darf einen Messebesuch in Stuttgart nicht versäumen.“

 

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München
Tel.: +49 (0)89 32391-259 | Fax: +49 (0)89 32391-246
www.logimat-messe.de | www.logimat.digital

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT Präsentationsplattform für modernste Software-Lösungen

Auf der LogiMAT 2022, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, präsentieren die Software-Entwickler dem internationalen Fachpublikum ihr aktuelles Produktportfolio für zukunftsfähige, effiziente Intralogistik. Prägende Trends sind Cloudlösungen und die Einbindung moderner Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA).

In mitarbeiterintensiven Branchen wie der Logistik erschließen Automatisierung und Digitalisierung neue Möglichkeiten der Prozesseffizienz, Geschäftsentwicklung, Kundenbindung und Skalierbarkeit. Enabler dieser Erneuerungs- und Optimierungspotenziale sind die jeweils steuernden Softwaresysteme. Das Zusammenspiel von digitalen Technologien wie Cloud, Data Analytics, Augmented Reality oder Künstliche Intelligenz ermöglicht dabei die nächsten Schritte intelligenter Prozessautomatisierung, die Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle und zusätzliche Faktoren der Wettbewerbsdifferenzierung. Welche Optionen die Software-Hersteller dabei mit ihrem aktuellen Produktportfolio für Intralogistik und Prozessmanagement bieten, zeigen die IT-Unternehmen auf der LogiMAT 2022 in den Hallen 6 und 8 auf dem Stuttgarter Messegelände. „Applikationen, Module und Systeme für schnelle Datenzusammenführung, -analyse und Prozessoptimierung, die die operativen Prozesse der Intralogistik und der Supply Chain verbessern“, konstatiert Messeleiter Michael Ruchty der EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH aus München. „Intelligente IT-Lösungen zur Bewältigung der aktuellen Marktanforderungen und zukunftsfähigen Ausrichtung der Unternehmen.“

Das nach den Anbietern von Fördertechnik- und Automatisierungssystemen zweitstärkste Ausstellerkontingent auf der LogiMAT 2022 kommt mit einem umfassenden Überblick über die jüngsten Entwicklungen bei Transportmanagement-, Lagerverwaltungs- (LVS) und Warehouse Management Systemen (WMS) sowie bei Zoll-, Versandabwicklungs- und Exportkontroll-Systemen nach Stuttgart. Zudem präsentieren zahlreiche Anlagenbauer, Systemintegratoren und Flurförderzeuge-Hersteller Systeme für das Flotten-, Ressourcen-, Yard- und Zeitfenstermanagement sowie Steuerungssoftware für ihre Geräte, Systeme und Anlagen. Darunter eine wachsende Zahl von Unternehmen, die eigenentwickelte LVS beziehungsweise WMS vorstellen oder sich als SAP-Implementierungspartner positionieren. Als bestimmende Trends für die Exponate, die zugleich den Investitionsbedarf in der Intralogistik markieren, zeigen sich:

  • die Einbindung von Methoden und Verfahren der Künstliche Intelligenz (KI)
  • der Einsatz von Simulationssoftware und Digitalen Zwillingen in unterschiedlichsten Anwendungen
  • Nachhaltigkeit/Ressourceneffizienz
  • Systeme, Module und Applikationen für Big Data und Analytics
  • smarte Lösungen aus der Cloud.

 

Vernetzte Daten analysieren.
Technologien wie Bilderfassung, KI und Robotik werden eingebunden, um durch Automatisierung von Rechenprozessen der Software selbst zur weiteren Optimierung der Systemleistungen beizutragen. So lassen sich durch Nutzung maschineller Lernmechanismen für koordinierte Prozesssteuerung etwa Kommissionierwege und -zeiten um bis zu 30 Prozent reduzieren. Künstliche Intelligenz (KI), Maschinelles Lernen (ML) und Robotic Process Automation (RPA) beschleunigen die Rechenprozesse. Das macht sie zu Technologien, die es Ingenieuren und Data Scientists ermöglichen, die riesigen Datenmengen einer vernetzten, digitalen Transformation zu strukturieren, zu analysieren und auszuwerten. „Vernetzte Intralogistiksysteme, die lernfähig sind und sich selbst optimieren können, werden schon in naher Zukunft eine große Rolle spielen“, betont Johann Steinkellner, CEO Central Europe bei TGW (Halle 5, Stand C13). Spezielle Algorithmen generieren dabei Mehrwert, indem sie etwa durch vorausschauende Analysen und daraus abgeleitete, belastbare Handlungsempfehlungen die operativen Prozesse der Intralogistik wie der Supply Chain optimieren.

So zeigt active logistics (Halle 6, Stand F61) das Tourenplanungssystem active smart tour mit integrierter KI. Das System soll die Tourenplanung beschleunigen. Dabei, so das Unternehmen, stellt die KI sicher, dass Terminzusagen und Kundenprioritäten erfüllt sowie ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird. Sie laste vorhandenen Laderaum effektiver aus, kalkuliere effiziente Routen, verkürze mit ML die Fahrstrecken und verringere damit zugleich den CO2-Ausstoß. Sie überwacht zudem sämtliche Ankunftszeiten und vergibt kurzfristige Abholungen direkt an das naheliegendste Fahrzeug. Arvato Systems GmbH (Halle 8, Stand F55) stellt KI-basierte Anwendungen etwa für das Stammdatenmanagement vor. Zudem stehen smarte Applikationen zur Routenoptimierung oder Belieferungskonzepte mit (teil)autonomen Zustellungen im Fokus, die den CO2-Ausstoß insbesondere auf der letzten Meile reduzieren. Die Setlog GmbH (Halle 7, Stand C61) hat die kompletten Lieferketten im Blick und kommt mit neuen Tools für ihre Supply Chain Management (SCM)-Lösungen nach Stuttgart. Schwerpunkt des Messeauftritts bildet die erweiterte SCM-Software OSCA, die in fünf Lösungen mit erweiterten Tools demonstriert wird.

 

Simulationssoftware und digitale Zwillinge.
Zur Optimierung der innerbetrieblichen Transporte dient das Realtime Location & Recognition System der Logivations GmbH (Halle 8, Stand F05), das mit Machine Learning alle Materialflüsse und Staplerbewegungen tracken, automatisch buchen sowie Scan- und Identifikationsvorgänge automatisieren kann. Fahrerlose Transportsysteme und Staplerleitsystem verschmelzen, autonome Transportsysteme haben völlig neue Möglichkeiten für Navigation, Hindernisvermeidung und die Kollaboration mit Menschen. Auf Basis eines digitalen Zwillings sollen sich zudem vielfältige Anwendungen erstellen lassen. Die Artschwager + Kohl Software GmbH, (Halle 6, Stand D73), präsentiert erstmals auf der LogiMAT ihr Task und Transport Management System TAMAS, das eine Integration autonomer mobiler Transportroboter und Gabelstaplerflotten in den Produktionsbetrieb ermöglicht.

Eine eher ungewöhnliche Entwicklung kann das internationale Fachpublikum bei der e.bootis ag (Halle 8, Stand F41) in Augenschein nehmen: die Abbildung der Intralogistikprozesse in einem ERP-System. Erstmals zeigt das Unternehmen in Stuttgart die modular individualisierbare e.bootis-ERPII Suite. Sie bietet unter anderem mit Transportmittelverwaltung, automatisierter Versandabwicklung, Kommissionierung, Bestandsverwaltung, Fördertechniksteuerung und Nachverfolgung Lösungsbausteine für zahlreiche Anforderungen mittelständischer Unternehmen der Großhandels-, Industrie- und Dienstleistungsbranche. Ziel ist es, Geschäfts- und Logistikprozesse vom Wareneingang bis hin zur Inventur zu digitalisieren und zu automatisieren.

Auch bei der Planung und Leistungsauslegung automatisierter Anlage und den Abläufen im Logistikzentrum kommen vielfach Simulationssoftware und digitale Zwillinge zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich bereits im Vorfeld die Anlagenauslegung und Prozesse exakt abbilden und überprüfen. Gleiches gilt etwa für die Planung und Gestaltung optimaler Lieferketten und alternativer Supply Chains. Dabei unterstützen Softwaresysteme mit umfassenden Analyse- und Simulationsfunktionen das Supply Chain Network Design. So erstellt etwa die Software ipolog (Halle 1, Stand F31) für verbesserte kollaborative Zusammenarbeit bei der Logistik- und Montageplanung ein digitales Modell als digitalen Zwilling der künftigen Anlage, in dem alle notwendigen Daten zusammenfließen. In ipolog werden unterschiedliche Szenarien aufgebaut, simuliert und gegenübergestellt. Das Planungsszenario kann zum besseren Verständnis in 3D visualisiert werden.

 

Cloud-Anwendungen für die digitale Transformation bei KMU.
Zentrale Systeme für die Verwaltung, Prozesssteuerung und Effizienz im Lager bilden die Lagerverwaltungs- und Warehouse Management Systeme. In diesem Softwarebereich sind zahlreiche Entwickler mit Neuerungen in Stuttgart. Parallel zeichnet sich ein Trend ab, die Systeme und Funktionalitäten weiter zu modularisieren und in frei kombinierbaren Zusammenstellungen sowie nach unterschiedlichen Abrechnungsmodellen aus der Cloud anzubieten. IT-Architekturen und -Anwendungen werden für die Cloud umgebaut und in die Cloud migriert oder auf die Nutzung Cloud-nativer Technologien ausgerichtet. Derartig Modelle aus der Cloud ermöglichen auch kleineren und mittelständischen Betrieben (KMU) Modernisierungen, Automatisierung und den komfortablen, finanziell überschaubaren Einstieg in die digitale Transformation.

Vor diesen Hintergründen präsentiert die Andreas Laubner GmbH (Halle 4, Stand B45) Innovationen rund um die automatische Datenerfassung sowie Lösungen für smarte und optimierte Prozesse zur Digitalisierung bei KMUs. Gezeigt wird unter anderem ein Modul mit Hard- und Software, das eine schnelle und unkomplizierte Implementierung von Transportrobotern über eine Cloud-Lösung ermöglicht. Die PureLoX Solutions GmbH (Halle 8, Stand D05) stellt als Neuerung die Warehouse-Management-Software plx.wmx vor. Eine neu entwickelte Software-Architektur auf einer Low-Code-Plattform ermöglicht Cloudfähigkeit sowie eine mobile Nutzung ohne Einschränkungen über Tablet und Smartphone. Gleichzeitig soll der Aufwand für Wartung, Anpassung und Weiterentwicklung gegenüber klassischen monolithischen WMS-Architekturen deutlich sinken. Die ABF GmbH (Halle 8, Stand D57) zeigt mit OneBase®MFT ein Lagerverwaltungssystem mit kontinuierlicher Materialverfolgung über sämtliche Transport- und Fördermittel via Real Time Location System (RTLS) sowie einer vollautomatischen, situationsadaptiven Materialflusssteuerung für innerbetriebliche Logistikprozesse.

Die PSI Logistics GmbH (Halle 8, Stand D70) hat gleich eine komplette Best-Practice-Lösung für den E-Commerce aufgelegt. Neben einem neuen, cloudbasierten Dienst PSIsrs für intelligente, proaktive und effiziente Routenplanung präsentiert das Unternehmen unter anderem eine branchenspezifisch vorkonfigurierte E-Commerce-Lösung des bewährten Warehouse Management Systems PSIwms. Das Best-Practice-Komplettpaket, das erstmals vorgestellt wird, ist cloudbasiert und speziell auf die für den E-Commerce und Omnichannel relevanten Prozesse und Arbeitsanforderungen ausgelegt. Die Branchenlösung erfordert keinen zusätzlichen Programmieraufwand und ermöglicht kurze Projektlauf- und Implementierungszeiten.

 

Sicherheit für die Kollaboration Mensch/Maschine.
Einen weiteren Aspekt für die Optimierung des Materialflusses zeigt die Panasonic Tochtergesellschaft, der Plattformlösungsanbieter Blue Yonder (Halle 6, Stand A71) mit ihrem Luminate-Portfolio. Es bietet KI-gesteuerte Supply-Chain-Lösungen aus der Cloud und soll KI-Supply Chains agiler machen. Die Supply-Chain-Spezialisten der Remira Group GmbH (Halle 8, Stand D17) haben als Exponat die Premiere von Statcontrol Cloud im Gepäck. Die Neuheit aus dem Bereich Warehousing ist nach Herstellerangabe die erste vollständig zertifizierte Software-as-a-Service-Lösung für Stichprobeninventur und soll Anwendern einen sofortigen ROI ab der ersten Inventur ermöglichen.

IT-Lösungen zur gesteigerten Autonomie und Sicherheit von Maschinen und Industrierobotern stehen im Mittelpunkt des Messeauftritts der Blaxtair Arcure S.A. (Halle 10, Stand H30). Das Unternehmen ist auf KI für die Bildverarbeitung in der Industrie spezialisiert. Die neue cloud-basierte Lösung „Blaxtair Connect“ erhöht die Sicherheit von Menschen in der Nähe von Maschinen und hilft Unternehmen dabei, das angestrebte Ziel „Null Unfälle“ zu erreichen, indem sie Kollisionsrisiken proaktiv managen und so drastisch reduzieren können.

„Insgesamt bietet die LogiMAT 2022 damit einen abwechslungsreichen Überblick über die jüngsten Anwendungsoptionen durch Integration modernster Technologien und hilfreicher IT-Werkzeuge in die IT-Infrastruktur der Unternehmen“, resümiert Messeleiter Ruchty. „Der aktuell von Tata Consultancy Services (TCS) und Bitkom Research veröffentlichte Trendstudie ‚Nachhaltig geht nur digital‘ zufolge setzen drei Viertel der Großunternehmen auf Big Data. Das heißt sie nutzen Software-basierte Analyseinstrumente“. Für KMU trifft dies nicht einmal für die Hälfte der Unternehmen zu. Es gibt also noch deutliche Potenziale bei Nutzergruppen und Anwendungen. Die Software-Unternehmen sind gefordert, marktgerechte Lösungen zu entwickeln, die die digitale Transformation und KI-Anwendungen weiter voranbringen. Das wachsende Angebot an Cloud-Lösungen sowie Systemen, Modulen und Applikationen für Big Data und Analytics wie sie auf der LogiMAT 2022 präsentiert werden, zeigt die richtige Richtung auf. Jetzt müssen die Anwender agieren.

 

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München, Tel.: +49 (0)89 32391-259
Fax: +49 (0)89 32391-246; www.logimat-messe.de | www.logimat.digital

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

LogiMAT 2022: Revival mit aufgestauten Ideen

Nach zweijähriger Pause geht die Intralogistikmesse LogiMAT in Stuttgart vom 31. Mai bis zum 2. Juni endlich wieder an den Start. In einer dreiteiligen Serie stellt Logistik Express vorab die interessantesten Exponate aus zentralen Austellungsbereichen vor. Der Fokus liegt auf Software für Versand, Transport und Lager. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Robotics sowie die Lager- und Produktionssteuerung. Außerdem werden die Highlights der Segmente Kennzeichnung, Identifikation und Kommissioniersysteme vorgestellt. Teil 1.

Als im November des vergangenen Jahres die Logistikmesse LogiMAT von März in den Mai verlegt wurde, ging ein Aufatmen durch die Reihen der Aussteller. Frühzeitig hatte der Veranstalter die Weichen gestellt und für eine verlässliche Planungsgrundlage gesorgt. Inzwischen zweifelt niemand mehr daran, dass der beliebte Branchentreff als Präsenzveranstaltung stattfinden wird. Dass es in Stuttgart nicht ganz so unbeschwert zugehen wird wie früher, dürfte allerdings klar sein. Dafür sorgen ein paar Sicherheitsbestimmungen wie 2G oder die Maskenpflicht. Details können im untenstehenden Textkasten nachgelesen werden. Aber wen stören schon die Masken? Hauptsache ist, dass endlich das gewohnte Leben zurückkehrt – und dazu gehört auch der Besuch von Fachmessen. Durch die Zwangspause scheinen sich bei den Ausstellern die Innovationen regelrecht aufgestaut zu haben.

Actiw, der Spezialist für Outbound-Logistiklösungen, stellt zum Beispiel sein LoadMatic-System der 3. Generation vor. Actiw LoadMatic-Systeme können herkömmliche Trailer oder Container automatisch in einem Arbeitsgang mit einer Leistung von über 90 Paletten pro Stunde oder 3 bis 4 Ladungen pro Stunde und pro Ladestelle abfertigen. Actiw hat bisher schon über 60 LoadMatic-Systeme weltweit geliefert, mit denen mehr als 1,6 Millionen Ladungen verladen wurden. Das System ist sehr flexibel und kann eine Vielzahl von Palettentypen und -größen sowie komplexe Lademuster verarbeiten. Das System eignet sich sowohl für palettierte oder palettenlose Produktstapel als auch für Big Bags, Ballen und andere Stückgüter.

Der Aussteller Agilox beweist seine Kompetenz im Bereich fahrerlose Transportsysteme. Zu den Neuheiten gehört der erstmals vorgestellte Agilox OCF, der sich für kleine und große Lasten eignet: Der neuartige autonome Gegengewichtsstapler hebt bis zu 1.500 kg auf eine Höhe von bis zu 1.600 mm. Ob es sich beim Ladungsträger um offene oder geschlossene Paletten handelt, ist dank des Freihubs Nebensache. Per „Plug & Perform“ kann das Fahrzeug ohne weitere Umbaumaßnahmen in die Bestandsanlage integriert werden.

Auch mit dem RiCO-bot von AM Logistic Solutions können Lagerbetreiber ihre Prozesse weitergehend automatisieren. Der mit einem Knickarm ausgestattete RiCO-bot orientiert sich über eine 3D-Optik selbstständig und kann somit Kleinteile autonom erkennen und handhaben. Damit bietet die Lösung die Möglichkeit, Lagertechnologien wie ein Automatisches Kleinteilelager (AKL), ein Shuttle-System oder AutoStore sinnvoll zu erweitern und weitere Prozesse in Wareneingang und Versand zu automatisieren. Der RiCO-bot ist flexibel und modular ausgelegt und kann sowohl mit unterschiedlicher Armlänge als auch verschiedenartigen Greifern ausgestattet werden. Darüber lässt sich der Roboter optimal auf das jeweilige Einsatzszenario anpassen – von der Einzelstückentnahme aus Tablaren und Behältern bis zur Ein- und Auslagerung von Ganzgebinden.

Das französische Unternehmen Arcure präsentiert seine hochmoderne intelligente Lösung Blaxtair. Es handelt sich um ein integriertes Fußgängererkennungssystem für Nutzfahrzeuge, das Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Fußgängern verhindert. Mit künstlicher Intelligenz ist sie die einzige intelligente 3D-Kamera, die in der Lage ist, eine Person in Echtzeit von einem anderen Hindernis zu unterscheiden. Der Fahrer wird über ein 7 Zoll großes Farb-Display oder via LED und Summer gewarnt, wenn eine Person im definierten Gefahrenbereich erkannt wird.

Die Carrybots GmbH präsentiert erstmals ihr fahrerloses Transportsystem Herbie im neuen Design. Herbie ist ein fahrerloses Transportfahrzeug, das speziell für den Transport von Kleinladungsträgern und ähnlichen Transportgütern entwickelt wurde. Typische Anwendungen finden sich in der Produktion, in der Lagerlogistik und im Versandhandel. Neben einem modernen Sicherheitskonzept und einem hohen Grad an Standardisierung überzeugt Herbie durch einen modularen und erweiterbaren Systemaufbau. Nach dem Baukastenprinzip können kundenspezifische Lösungen schnell und kosteneffizient konfiguriert und umgesetzt werden. Auch Anpassungen und Erweiterungen im späteren Projektverlauf sind in der Regel problemlos möglich.

Mit dem celluveyor hat cellumation ein System aus hexagonalen Roboter-Zellen entwickelt, die mehrere Objekte gleichzeitig und omnidirektional bewegen können. Anwender vereinfachen damit ihr Layout und erhöhen ihren Durchsatz. Auf der LogiMAT zeigt cellumation zwei Varianten des celluveyor. Mit dem cv.DEPAL bietet das Bremer Startup eine intelligente Vereinzelungslösung für den Depalettierprozess. Der Mehrwert: ein bis zu 20-mal geringerer Flächenbedarf als konventionelle Lagenvereinzelungssysteme. Ebenfalls auf der Messe zu sehen ist der cv.GO, der eine Vielzahl von Fördertechnikfunktionen in einem System abbildet und damit viele Zusatzkomponenten obsolet macht. Mit dem Fördertechnik-Allrounder können zahlreiche Aufgaben wie Eckumsetzen, Ausschleusen oder Drehen durchgeführt werden. Jeder Anwender kann diese oder auch andere Funktionen maßgeschneidert konfigurieren und abrufen.

Das schwedische Unternehmen Cind präsentiert das CargoSpect Volumenmesssystem für Paletten und Fracht. Der Dimensionierungsprozess ist geeicht und kann für die Dimensionierung aller Arten von Paletten, Formen und Materialien verwendet werden. Der Dimensionierungsprozess ist dynamisch: Die Dimensionierung der Palette wird während der Fahrt mit einem Stapler oder Elektrohubwagen durch ein mit Kameras ausgestattete Vermessungsportal durchgeführt. CargoSpect wird unter anderem eingesetzt, um den Transport und die Warenverteilung von Logistikunternehmen durch die Überprüfung der tatsächlichen Abmessungen von Paletten profitabler zu gestalten.

Die COT Computer OEM Trading GmbH zeigt in Stuttgart ihre COT ePaper Lösung, die sich unter anderem für die Kommissionierung eignet. Pick-by-Light in Kombination mit dem COT ePaper ist eine intuitive Lösung für papierlose Kommissionierprozesse, die freihändiges Arbeiten ermöglicht. Die Pickliste wird dabei auf ein ePaper geladen, welches nach jedem Kommissionierprozess neu beschrieben werden kann. Der Kommissionierer wird über weitere ePaper an den Regalfächern per Lichtsignal durch den Pickprozess geführt und weiß so jederzeit, wo der nächste Pick erfolgen soll. Die Quittierung erfolgt über einen Handrückenscanner (Proglove), wodurch beide Hände während des gesamten Prozesses frei bleiben. (MW)

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LogiMAT und Corona: Die Sicherheitsbestimmungen im Überblick

2G für alle Teilnehmer: Der Eintritt auf das Messegelände ist ausschließlich vollständig Geimpften (15 Tage nach letzter Impfung) und Genesenen (Mindestens 28 Tage, maximal 6 Monate) gestattet. Es ist nicht auszuschließen, dass die Behörden für die Teilnahme 2G Plus (Geimpfte und Genesene mit Test) anordnen!

Maskenpflicht: Während des Aufenthaltes auf dem Messegelände müssen Personen (ab Vollendung des 6. Lebensjahres) eine medizinische Maske oder eine FFP2-Maske tragen. Die Nutzung von Faceshields (Visiere) ist nicht zulässig. Ausnahmen von der Maskenpflicht bestehen beim Verzehr von Speisen und Getränken an Tischen auf Messeständen oder in Bereichen von gastronomischen Dienstleistungen innerhalb des Gebäudes. Wo immer möglich, ist auf dem gesamten Messegelände ein Mindestabstand von 1,5 Meter zu anderen Personen einzuhalten.

Kontaktnachverfolgung: Es herrscht die Pflicht zur Vollregistrierung während der Veranstaltung für alle anwesenden Personen, um im Bedarfsfall seitens der Behörden Infektionsketten zu rekonstruieren. Es werden nur Tagestickets angeboten. Dauerkarten sind auf Grund der Nachverfolgung nicht erlaubt.

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

 

Online-Händler sehen Nutzen des EU-E-Commerce-Pakets zwiegespalten

Am 1. Juli 2021 ist die bisher größte Mehrwertsteuerreform für EU-weiten Online-Handel in Kraft getreten. ibi research an der Universität Regensburg hat zusammen mit dem logistic-natives e. V. in einer Kurzstudie analysiert, wie deutsche Online-Händler mit den neuen Verordnungen zurechtkommen.

Gastbeitrag: logistic-natives e.V.

Mit dem EU-E-Commerce-Paket sollen Betrug verhindert und faire Wettbewerbsbedingungen für Online-Handelsunternehmen in der europäischen Union geschaffen werden. Dafür wurden der One-Stop-Shop (OSS) zur zentralen Abwicklung aller umsatzsteuerlichen Melde- und Zahlungsverpflichtungen, die sich aus dem Warenhandel mit Konsumenten in den EU-27 ergeben, in einer einzigen steuerlichen Erklärung sowie der Import-One-Stop-Shop (IOSS), eine neue Erklärung zur Meldung der Mehrwertsteuer bei Lieferungen in oder aus Drittstaaten, entwickelt. Fast einem Drittel der befragten Online-Händler:innen sind die Bestimmungen der EU-weiten Mehrwertsteuerreform bekannt. Die vereinfachte Umsatzsteuererklärung mit OSS nutzen bereits vier von zehn Unternehmen. Erst eines von zehn wickelt hingegen Umsätze über IOSS ab.

Logistik express: Was sind die Erkenntnisse aus der Studie?
Florian Seikel: Es ergibt sich ein gespaltenes Meinungsbild: Während die Mehrheit der Befragten weder Vor- noch Nachteile sieht, bemängeln andere einerseits die Komplexität und den Verwaltungsaufwand, loben aber andererseits die vereinfachte Compliance. Das EU-E-Commerce-Paket sollte die Mehrwertsteuerabwicklung im Online-Handel vereinfachten und auf internationaler Ebene für Fairness sorgen. Allerdings müssen sich viele Händlerinnen und Händler aktuell mit Problemen bei der Umsetzung herumschlagen.

Es gab knapp ein Viertel der Befragten an, dass es bei der Umstellung auf OSS oder IOSS zu technischen Schwierigkeiten, beispielsweise aufgrund fehlender Schnittstellen, kam. Auch der allgemeine administrative Aufwand wird von mehreren Händler:innen kritisiert. Das ist aus meiner Sicht ein Wert, der zeigt, dass das EU-Ecommerce Paket in der Breite nicht nur positiv gesehen wird. Ein Fünftel der Befragten hat ausgesagt, dass die Kosten bei den Logistikdienstleistern im Zuge der Einführung des Ecommerce-Pakets gestiegen sind. Dies müssen wir sehr kritisch und genau beobachten.

Logistik express: Wie sehen die ersten Rückschlüsse auf die Einführung des EU-E-Commerce-Pakets aus?
Florian Seikel: Die Einführung des EU-Ecommerce Pakets ist bei den Händlern noch nicht komplett angekommen. Auch Bundes- & Landesminiterien haben die Umsetzungszeit nicht optimal genutzt. Hier gab es- auch aufgrund der Pandemie- andere Schwerpunkte. Leider hat auch der Zoll seine Systeme erst mit Verspätung umstellen können.

Daher ist es wichtig, praktische Lösungen anzubieten. Die Gefahr besteht, dass insbesondere KMU’s im grenzüberschreitenden Handel in eine größere Abhängigkeit von großen, international marktbeherrschenden Unternhemen & Plattformen zu geraten. Ziel muss es sein, dem Händler die Souveränität seiner Daten zu gewährleisten und Alternativen zu den Angeboten der großen internationalen Postdienstleistern und Plattformen im grenzüberschreitenden Handel zu bieten. Der logistic-natives e.V. arbeitet beispielsweise genau an solchen alternativen Dienstleistungen.

Ziel und Zweck des EU-Ecommerce-Pakets ist u.a. auch die Erleichterung des grenzüberschreitenden Handels für jeden Äändler- egal ob innerhalb der EU oder dem Handle mit Drittstaaten. Wir sehen, dass das EU-Ecommerce Paket momentan noch Händler, insbesondere kleine & mittelständische Händler. Verwirrt und zum Teil abschreckt. Dies ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Hier muss durch gezielten Informationsaustausch gegengesteuert werden.

Die Wirtschaft, die Wissenschaft, insbesondere Verbände und Institute, kommen ihrer Aufgabe prinzipiell nach. Wir würden uns allerdings diesbezüglich wünschen, dass wir von der Politik und dem Gesetzgeber stärkere Unterstützung erhalten und praxisorientierte Projekte gefördert werden.

Logistik express: Was hat Sie bei der Untersuchung am meisten überrascht?
Florian Seikel: Leider zeigt die Studie, dass es noch erhebliche Mängel in der Digitalisierung der handelsspezifischen Abläufe gibt. Aus unserer Sicht wird zukünftig kein Händler lukrativen grenzüberschreitenden Handel betreiben können, ohne seine Prozesse vollständig digitalisiert zu haben. Dies gilt für alle Bereiche. Tut er dies nicht, wird er künftig abgehängt und kaum noch wettbewerbsfähig sein können. Die großen, internationalen Unternehmen haben dies bereits erkannt und haben die Ressourcen, sich den Gegebenheiten anzupassen und daraus sogar einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Die Studie zeigt, dass die kleinen und mittelständischen Händler dies leider noch nicht vollständig erkannt haben. Die Folgen sind momentan nicht jedem bewusst. Dies gefährdet die Vielfalt des Marktes. Insbesondere in der DACH-Region gibt es einen breiten Mittelstand bei Händlern, der auch das Rückrat der Branche darstellt.

Logistik express: Gibt es aus Ihrer Sicht Anpassungsbedarf?
Florian Seikel: Selbstverständlich muss sich auch das EU-Ecommerce Paket regelmäßig einer Evaluierung unterziehen. Neben unserer nationalen Studie hat unser Europäischer Dachverband Ecommerce Europe mit Hilfe der nationalen Verbände eine europaweite Umfrage gestartet. Die Ergebnisse werden direkt der Europäischen Kommission zur Verfügung gestellt., um eventuelle Schwachstellen und praxisferne Vorgaben zu ändern. Aus unserer Sicht sind Gesetze prinzipiell nur so gut, wie ihr pragmatischer Ansatz. Eine Praxistauglichkeit für alle Betroffenen ist zwingende Voraussetzung einer erfolgreichen Umsetzung. Dies ist allgemein auch eines der Ziele, die das EU-Ecommerce Paket hat.

Für mich ist entscheidend, dass hier an einem Strang gezogen wird. Nur gemeinsam wird Gutes für den Mark erreicht. Daher auch unser breites Netzwerk. Wir stimmen uns international und europäisch mit unserem Dachverband ab, arbeiten national mit unseren verlässlichen Partnern wie dem ibi research Institut zusammen und sind in Österreich in sehr enger Absprache mit dem Handelsverband.at,
der das Thema vorbildlich im Österreichischen Markt transformiert. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Digitalisierung des Einzelhandels: Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1. Juli 2021 Realität

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz, gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.

Beitrag: Walter Trezek.

Mit der Umsetzung des EU MwSt. Ecommerce Pakets (RICHTLINIE (EU) 2017/2455 DES RATES vom 5. Dezember 2017) tritt mit dem 1 Juli 2021 die Digitalisierung des Einzelhandels in eine neue Phase. Das Datenmodel der Finanzbehörden harmonisiert die Art und Weise wie Daten zu Einzelhandelswaren verwaltet und vor jedem Versand ausgetauscht werden müssen. Die Grundlagen der weiteren Digitalisierung des Einzelhandels, weltweiten Normen folgend, wurden festgelegt.

Digitalisierung erfordert eine andere, neue Infrastruktur.
In der EU wird sich der Anteil des digitalen Einzelhandels von heute 15% auf 30% bis 2023 verdoppeln. ¼ des online Handelsvolumens stammt aus EU-Drittstaaten. 4 Marktplätze sind für 2/3 aller Warensendungen, die in die EU importiert werden, verantwortlich. Allein 2019 importierte AMAZON etwa 650 Mio. Warensendungen grenzüberschreitend in die EU. Mehr als ¾ dieser Sendungen waren Warensendungen mit geringem Wert, bei der Alibaba-Gruppe lag das tägliche Importvolumen 2019 bei etwa 2,5 Mio. Warensendungen täglich. Nach Studien der World Free Zone Organisation rechnen die Zollfreihäfen weltweit damit, dass bis 2030 annähernd 80% des Welthandels online abgewickelt werden. Gleichzeitig hat sich der Trend von B2B zu B2C verstärkt. Der digitale Einzelhandel und damit die Warensendungsvolumen werden weiterhin zweistellig wachsen.

Statt weniger Daten zu großen Mengen (B2B) – viele Daten zu Einzelmengen (B2C).
Die Zustellung der digital bestellten Handels-waren wird eine Herausforderung. In der Zukunft können mit der heute, auf analogen Prozessen basierenden Zustellinfrastruktur, die stark wachsenden Paketmengen, nicht nach den Präferenzen der Empfänger zugestellt werden. Auch die geplante Erweiterung der Dichte an Paketstationen der Deutschen Post AG bis 2023, auf ca. 1 Mio. Fächer (2,5-fach zu 2020) wird nur in der Lage sein etwa 5 – max. 7% des Volumens über Pick-up / Drop-off Lokationen zuzustellen zu können.

Was online verkauft und zugestellt werden kann wird zugestellt.
Der Versand von Nahrungsmitteln folgt dem Versand von non-food Einzelhandelswaren. In den kommenden Monaten ist diesem Marktsegment mit einem erhöhten Wachstum zu rechnen. Die notwendige Digitalisierung der Einzelhandelswaren und die damit verbundenen Harmonisierung ist im Nahrungsmittelhandel ist bereits fortgeschritten.

Alles ist mit Allem verbunden.
In der Zustellung der Warensendungen werden die Zeit- und Ortsangaben zum Sendungsverlauf (so genanntes “Track & Trace”) durch die digitale Vorabmeldungen vervollständigt. Die erste und letzte Meile wird durch eine digital gestützte, selbstlernende Infrastruktur ergänzt. Die notwendige Verbesserung der Nachhaltigkeit und Stärkung der Kreislaufwirtschaft wird durch Vorabmeldungen auf eine neue digitale Basis gestellt.

Digitaler Wandel im Handel –> Mengenwachstum -> Infrastrukturevolution.
2019 wurden in europäischen Wirtschaftsraum bereits weniger klassische B2C Briefsendungen zugestellt als Warensendungen. Auf allen Ebenen der postalischen Prozesskette: der Annahme, Sortierung, Transport und auch Zustellung kommt es zu Konsolidierung und Kollaboration der Wirtschaftsbeteiligten.  Kritisch ist, dass die Ausstattung der Marktteilnehmer nicht zur Nachfrage passt. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird eine datengestützte Infrastruktur notwendig, die auch eine betreiberunabhängige und unbeaufsichtigte Zustellung der digital bestellten Einzelhandelswaren benötigt.

Einzelhandel ist beides OFF- / ON-line.
Erfolgreicher Einzelhandel präsentiert, informiert und verkauft seine Einzelhandelswaren off-line im klassischen stationären Handel, digital gestützt aber genauso on-line. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Web-Präsenz, Webshop und Marktplatz. Reine digitale Marktplätze ergänzen ihre Vertriebskanäle durch stationäre Konzepte. Präferenzen von Kunden kann so on-line besser mittels click / call & collect; pick-up; drop-off und micro-fulfilment-centres entsprochen werden.

Digitalisierung der Warenlieferketten.
Was mit dem finanzpolizeilichem Zoll-Datenmodel begonnen hat, führt zu einer Harmonisierung der digitalen Beschreibung der Einzelhandelswaren, als Voraussetzung der Zustellung, aber auch der Transportsicherheit, Produkthaftung und auch der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft:

  1. Warenbeschreibung: Harmonisierung der generischen (Zollkodex) und/oder der produktindividuellen (z.B. “Global Trad Item Number”) Beschreibung;
  2. Namen und Anschriften von Absendern, Empfängern und, soweit abweichend, von denjenigen Personen, welche die jeweilige Postsendung eingeliefert oder entgegengenommen haben;
  3. Art des in Anspruch genommenen Postdienstes (digitale ID);
  4. Maße und Gewicht der jeweiligen Postsendung;
  5. die vom Postdienstleister zugeteilte Sendungsnummer (eindeutige Transport-ID
    der jeweiligen Postsendung sowie, sofern der Empfänger eine Abholstation mit Selbstbedienungs-Schließfächern nutzt (Kennung),dessen persönliche Postnummer („Zugangseröffnung“);
  6. Zeit- und Ortsangaben zum jeweiligen Postsendungsverlauf; sowie
  7. zu Zwecken der Erbringung der Postdienstleistung erstellte Bildaufnahmen von der Postsendung.
  8. Daten zu den Waren sind beim Verkauf vorhanden -> damit Zustellung nach den Präferenzen der Kunden.

Starkes Volumenwachstum erfordert verbesserte Effizienz auf der letzten Meile.
Bis zu 1/3 aller Zustellkosten fallen auf der letzten Meile an. Die Digitalisierung des Einzelhandels erhöht die Effizienz in der Zustellung auf der letzten Meile wesentlich. Das Ziel ist eine „one-stop-delivery“, die ähnlich wie bei der Briefzustellung zu einer gesicherten Abgabe der Warensendungen an jeden Haushalt, über einen für alle Zusteller offenen Zustellkasten führt. Die heute bestehende Zustelladresse wird um eine „Zugangseröffnung“ nach den Präferenzen der Empfänger im Interesse aller erweitert (insb. des Handels, aber auch der Konsumenten). Heute passen nur zu < 50% aller Warensendungen in die bestehenden, normgerechten Postfachanlagen. Damit wird eine Neudefinition der notwendigen Infrastruktur, die jeder Haushalt haben sollte (nach bestehenden europäischen und/oder auf Deutschland zu konkretisierende Normen), oder auch der Allgemeinheit zugänglichen Hinterlegungsorten notwendig.

Daten steuern die Zustellung von Waren – wem gehören die Daten?
Die Sicherheit, damit das Vermeiden von Gefahr für Leib und Leben, und das Unterbinden einer kriminellen und verbrecherischen Nutzung einer solcherart neu aufzubauenden Infrastruktur ist bereits weit vorangeschritten. Der soziale Aspekt ist dringend zu berücksichtigen und damit für eine Barrierefreiheit zu sorgen. Umweltverträglichkeit der Konzepte ist zu gewährleisten. Damit ist die digitale Bemessung des CO² Verbrauchs der individuellen Einzelwarenzustellung, die Nachhaltigkeit und Vermeidung von sekundärem Abhol- oder Zustellverkehr, aber auch drohende Verkehrsbeschränkungen – die in aller nächster Zeit sogar zu Verkehrsverboten werden könnten zu berücksichtigen.

Wettbewerbsgleichheit, das Ende der MwSt.
Hinterziehung und des Zollbetrugs sowie Ende der Verletzung von Eigentumsrechten stehen heute im Vordergrund. Mit der Standardisierung der Daten gewinnt der Einzelhandel wieder die Hoheit über seine eigenen Daten. Diese Daten sind die Daten des Handels und sollten auch allen Wirtschaftsbeteiligten offensteht. Damit sind proprietäre Datensysteme, die heute große Teile des digitalen Handels beherrschen ungeeignet und werden auch durch offene Konzepte wie eben dem EU- Zolldatenmodel abgelöst.

Gesetzliche Vorgaben, Normen.
Seit 1. Jänner 2021: Daten zu Waren-POST-sendungen (grenzüberschreitend) müssen vor dem Versand zwischen Postbetreibern ausgetauscht werden (Transport- und Konsumentenschutz; Zoll- und MwSt.). Seit 15. März 2021: Zu allen Warensendungen (KEP) vorab Datenaustausch bei einer geplanten Flugfracht. Bis 2025 gilt das für alle Transportkanäle. Bis Mitte 2024 Volldigitalisierung aller Frachtinformationen. Mit 1. Juli 2021: Daten zu allen Warensendungen müssen vor dem Versand ausgetauscht werden, trifft Importe in die EU, aber auch Intra-EU versandt. (Zoll- und MwSt.). Mandate der Europ. Kommission ermöglichen allen Wirtschaftsbeteiligten die konkrete Ausgestaltung der Normen (nach den gesetzlichen Rahmenvorgaben). Dazu gehören auch betreiberoffene, kontaktlose Übergabeeinrichtungen, sowie der notwendige Datenaustausch zwischen den Wirtschaftsbeteiligten. (Vermeidung von kriminellen oder verbrecherischen Tätigkeiten). Austrian Standards arbeitet an der Gestaltung der Europäischen Normen, als Spiegelgremium zu CEN und ist Wirtschaftsbeteiligten offen, Normen auch für Österreich zu konkretisieren.

Der logistic-natives e.V. ist das internationale Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des modernen Handels und repräsentiert über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen wir bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle- & Retourenmanagements und der Kreislauf-logistik. (RED)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

E-Commerce: Datengesteuerte Warenzustellung

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz, gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.

Beitrag: Walter Trezek.

Mit der Umsetzung des EU MwSt. E-Commerce Pakets (RICHTLINIE (EU) 2017/2455 DES RATES vom 5. Dezember 2017) beginnt am 1. Juli 2021 ein neues Zeitalter für die Zustellung von Warensendungen in der Europäischen Union. Ziel ist es, die im digitalen Handel bei Distanzkäufen verfügbaren Daten, zwischen den an der Leistungserbringung Beteiligten, vor der physischen Zustellung in harmonisiertem Format auszutauschen.

EU Zolldatenmodel: Ende von Einfuhrumsatzsteuerbetrug und Zollhinterziehung.
Die jetzt umzusetzenden MwSt.- und Zollvorgaben stellen zunächst nur gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen hauptsächlich asiatischen und europäischen E-Commerce Händlern her. Das wird erreicht, indem die Einfuhrumsatzsteuerfreigrenze von EUR 22 / 44 abgeschafft wird. Dazu wird eine verpflichtende digitale Vorab- Zolldeklaration für Waren mit geringem Wert bei Warenimporten in die EU eingeführt.

Abgabe der Zollanmeldung für Sendungen geringen Werts im Bestimmungsland.
Ab 1. Juli 2021 gilt, die Abgabe der Zollanmeldungen für Sendungen geringen Werts hat im Bestimmungsland (gem. Art. 221 (4) UZK-IA) zu erfolgen. Ausnahme dazu ist das Import-One-Stop-Shop System. Es erlaubt, dass die Warensendungen dem Zoll in einem beliebigen EU-Mitgliedsstaat gestellt werden, und dort für die Zustellung in der gesamten EU freigegeben werden können.

Mit der Verwendung des Import-One-Stop-Shop (IOSS) Systems für die genannten Distanzkäufe aus Drittstaaten bei Import in die EU, sind diese Sendungen von der Einfuhrumsatzsteuer (EUSt.) befreit. Die EUSt. wird bereits beim Kauf am Point of Sale (PoS) eingehoben. Notwendig ist dazu eine Fiskalrepräsentanz über einen EU-Mitgliedsstaat nach Wahl des Verkäufers (s.g. Mitgliedsstaat der Identifikation), der sich zur Begleichung der MwSt.-Pflicht monatlich, einer IOSS-MwSt. Identifikationsnummer, gültig für die gesamte EU bedient.

One-Stop-Shop bei EU-weitem Jahresumsatz von mehr als EUR 10K.
Für Warensendungen innerhalb der EU wird das One-Stop-Shop System ausgeweitet. Über dem Schwellenwert von EU-weit EUR 10K Jahresumsatz kommen für die Rechnungsstellung die Regelungen des EU-Mitgliedsstaates des Verbrauchs (d.h. dort wo der Erwerber ist) zur Anwendung. Auch hier wird es möglich mit der MwSt. Identifikationsnummer eines EU-Mitgliedsstaates die MwSt. -pflicht für die gesamte EU, quartalsweise zu begleichen.

EU Zolldatenmodel bestimmt die Datenharmonisierung vom PoS bis zum Empfänger.

Am Point of Sale verfügbaren Daten gewährleisten im digitalen Einzelhandel:

  • die Sicherheit der Produkte – Handelswaren müssen für den online Einzelhandel generisch, mittels des harmonisierten Zollkodes (zumindest mittels HS 6-digit Code) und auch individuell (zumeist geschieht dies über eine international verfügbare “Trade Item Number”) digital beschrieben werden. Freilich diese Beschreibungen umfassen auch die Maße, das Gewicht, Bilder, in dem meisten Fällen auch Herstellererklärungen, Konformitätserklärungen oder bei einzelnen Warenkategorien auch den Verweis auf eine Repräsentanz in der EU.
  • die Sicherheit der Logistik und des Transports – Das mit 15 März 2021 eingeführte Import-Kontroll-System 2 (ICS2) der EU, zunächst für den Flugfrachtverkehr für Post- und Expresssendungen, nutzt die digital verfügbaren Daten, die vorab zwischen den Flugfrachtbetreibern und den EU-Behörden ausgetauscht werden müssen, um die Transportsicherheit zu gewährleisten. Bis 2024 wird es zu einer Volldigitalisierung aller Frachtinformationssysteme der EU kommen, alle Transport- und Logistikkanäle werden umfasst. Auch hier ist das EU Zolldatenmodel der erste Schritt zur Umsetzung des EU-Transportdatenmodells.
  • gleiche Wettbewerbsbedingungen, indem die Zahlung von Steuern und Abgaben gewährleistet wird – Die am PoS verfügbaren digitalen generischen und individuellen Warenbeschreibungen ermöglichen, in Verbindung mit den Zustelldaten (dort wo der Konsument ist) eine genaue Bemessung der Einfuhrabgaben und Zölle. Im besten Fall werden diese Abgaben für den Fall von Warensendungen mit geringem Wert, bereits über den PoS mittels (I)OSS bei Kauf vereinnahmt und monatlich, oder im OSS quartalweise an die zuständigen Behörden abgeführt.
  • die nachhaltige Verwaltung der Verpackung und des Produktlebenszyklus – Das Aktionsprogram der Europäischen Kommission zielt auf eine grundlegende Erweiterung des heute bereits umzusetzenden EU-Zolldatenmodels ab. So werden die genutzten Verpackungen für den Distanzhandel in Registern erfasst. In der Folge werden die EU-Mitgliedsstaaten dazu übergehen, die heute bestehenden Vertriebsverbote durch Verkehrsverbote zu verschärfen. Damit müssen die Meldungen zu den genutzten Verpackungen an die zuständigen Registerbehörden vor einem in den Verkehr bringen erfolgen und auch durch Bevollmächtige der Versender in der EU abgesichert werden. Gleiches gilt für den Lebenszyklus der Waren, und deren nachweislich nachhaltiger Verwertung nach deren Gebrauch.
  • eine individuelle Zustellanweisungen der Empfänger – Wesentlich für die Leistungserbringung im digital gestützten Distanzhandel ist die Zustellung. Dazu wird sich in den kommenden Jahren eine betreiberunabhängige Annahme und Abgabeinfrastruktur etablieren, die den Präferenzen der Empfänger entspricht. Ähnlich wie in den letzten Dekaden die Briefkästen allen Zustellern geöffnet wurden, werden Paketannahme und -abgabesysteme (Boxen, Stationen, auch Drop-off / Pick-up oder auch Click & Collect) allen datengestützt geöffnet.

Jene Länder, die in der Entwicklung der EU voraus sind, wie Singapore, Macau, China, haben dazu bereits die rechtlichen und regulatorischen Grundlagen geschaffen und verabschiedet. Freilich, bei einem Anteil von annähernd 50% des digitalen Einzelhandels und harmonisierter datengestützter Zustellung wäre es nicht anders zu schaffen.

Harmonisierung unter Einbindung aller Wirtschaftsbeteiligten.
Der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörden haben bereits die Weichen gestellt, um alle Betroffenen in die Gestaltung der Rahmenbedingungen mit einzubeziehen. Dazu ist in Österreich das Austrian Standards Institute, in Europa das Europäische Komitee für Normung, neben den Regierungs- und Regulierungsstellen eingebunden.

Ohne digitale ein-eindeutige Kennungen der Wirtschaftsbeteiligen, der Handelswaren, der Art der Verpackungen, der Verfolgbarkeit der Warensendungen und auch dem betreiberunabhängigen Zugang zur Abgabe- und  Hinterlegungsinfrastruktur, werden die bereits dokumentierten Effizienz- und Ökologisierungschritte in den kommenden 3 Jahren nicht umzusetzen sein. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

Corona-Pandemie: Fragen, die sich Logistikkunden stellen

Der Logistikdienstleister Dachser Schweiz hat sich unter seinen Kunden umgehört, welche Fragen ihnen derzeit unter den Nägeln brennen. Urs Häner, Managing Director European Logistics Switzerland, und Samuel Haller, Country Manager Schweiz für das Geschäftsfeld Air & Sea Logistics, Dachser Spedition AG, geben Antwort.

Beitrag: Redaktion.

Es ist wieder Homeoffice angesagt. Kann ich trotzdem meinen Disponenten telefonisch erreichen oder läuft die Kommunikation nur noch schriftlich per E-Mail?

Urs Häner: Selbstverständlich können Sie unsere Disponenten telefonisch erreichen. Aufgrund der Pandemie hatten wir in Spitzenzeiten rund ein Drittel der Belegschaft im Home-Office. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Mitarbeitende mit administrativen Aufgaben wie beispielsweise Buchhaltung, Abrechnung, Verkauf/HR. Mitarbeitende in der operativen Abwicklung wie Export, Import, Disposition etc. waren und sind immer vor Ort. Unsere Organisation ist so aufgestellt, dass jede Abteilung immer auch vor Ort besetzt ist. Die Kommunikation mit den Kunden und die Koordination mit den Mitarbeitenden an den mobilen Arbeitsplätzen ist somit jederzeit sichergestellt.

Die Swiss, aber auch andere Fluggesellschaften, bieten immer weniger Flugverbindungen von und nach Zürich, Basel und Genf an. Termintreue ist für uns ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Wie stelle ich sicher, dass meine Exportluftfrachtsendungen trotzdem pünktlich beim Empfänger ankommen?

Samuel Haller: Dachser bietet neben Direktflugverbindungen von und nach den Schweizer Flughäfen auch Luftfrachtroutings über unser Gateway in Frankfurt in Deutschland an. Hier werden Waren aus ganz Europa gebündelt und nach Übersee geflogen. Importwaren für Schweizer Kunden von anderen Kontinenten werden in Frankfurt dekonsolidiert und in Zusammenarbeit mit der Dachser European Logistics, der Landverkehrssparte von Dachser, direkt in die Schweiz transportiert. Des Weiteren bietet Dachser für ausgewählte Routen nach Amerika und Asien eigene wöchentliche Charterverkehre an. Wir versuchen, für jeden Kunden eine seinen Anforderungen entsprechende Lösung zu finden.

Die Luftfrachtraten sind in der Krise stark gestiegen. Was bedeutet das für mich als Verlader?

Samuel Haller: Der Preisanstieg bedingt eine frühzeitige Interaktion mit dem Logistikdienstleister. Dieser kann dann in Zusammenarbeit mit dem Verlader mögliche Optionen prüfen – von günstigeren Alternativ-Flugrouten bis hin zu alternativen Transportlösungen wie Sea-Air, Lkw, Bahn oder Seefracht. So entscheidet sich eine zunehmende Zahl Verlader neu für Sammelcontainerverkehre. Dachser bietet hier ein weltumspannendes Netzwerk in Kombination mit European Logistics für den Vor- und Nachlauf bis hin zu Zugverbindungen nach China an.

In vielen EU-Ländern gibt es schon wieder massive Beschränkungen des Wirtschaftslebens. Wird dies zu Verzögerungen bei Auslieferungen an /Abholung bei Kunden führen?

Urs Häner: Unser Netzwerk ist zu 100 Prozent leistungsfähig. Es kommt jedoch vor, dass wir bei der Zustellung der Sendung vor verschlossenen Türen stehen, weil die Empfänger aufgrund der Pandemie ihre Anlieferfenster neu definiert haben.

Im Frühjahr sind an vielen innereuropäischen Grenzen vorübergehend Kontrollen eingeführt worden. Es kam zu kilometerlangen Staus und Verzögerungen in Lieferketten. Welche Massnahmen hat Dachser getroffen, falls es im Schweiz-EU Verkehr erneut zu mehr Grenzkontrollen und längeren Standzeiten kommt?

Urs Häner: Während der ersten zwei Tage der Grenzschliessung kam es zu Verzögerungen. Ich möchte jedoch festhalten, dass die Schweizer und die Deutsche Zollbehörde sehr gut zusammengearbeitet haben, um Staus zu vermindern. Sollte es wieder zu Grenzschliessungen kommen, werden wir den Fahrplan mit einem längeren Grenzaufenthalt neu takten. Dies führt zu früheren Abfahrtszeiten und bedingt eine vorgängige Abstimmung mit der Verladerschaft.

Ich muss also längere Laufzeiten für Lkw-, aber auch für Überseetransporte einkalkulieren (Logistics Lead Time Planning)?

Urs Häner: Ja, das ist empfehlenswert. Unser europäisches Netzwerk hat sich aber auch in der Pandemie als absolut zuverlässig und leistungsfähig erwiesen.

Samuel Haller: Für Seefracht müssen Verlader in der Tat mit längeren Transportzeiten rechnen. Neben einem Mangel an Leercontainern führen Ausfälle von Schiffsabfahrten (Blank Sailings) und Kapazitätsengpässe in manchen Häfen, z.B. in den USA, sowie Corona-bedingte Verzögerungen bei der Zoll- und Hafenabfertigung derzeit zu Störungen in der Transportkette. Wichtig ist hier, dass Verlader frühzeitig dem Logistikdienstleister möglichst genaue Mengenprognosen anvisieren, damit eine entsprechende Planung, Kapazitätssicherung und Buchung durch diesen erfolgen kann. So genannte Backup-Carrier Modelle, um eine pünktliche Auslieferung sicherzustellen, bieten sich dabei auch an.

Anzumerken ist, dass es derzeit bei den Reedereien keine absolute Verladegarantie gibt und so genannte Rollovers, eine Verschiebung auf die nächstfolgende Abfahrt, nicht komplett ausgeschlossen werden können. Dementsprechend sollten Verlader in der Planung und Buchung Zeitpuffer einbauen, um auf der «sicheren Seite» zu sein. Von einem «Just in sequence»-Ansatz ist in der aktuellen Phase definitiv abzuraten.

Wie erhalte ich transparente Echtzeit-Informationen bei Verzögerungen im Vorlauf zum Verschiffungshafen, bei Verladungen im Hafen, bei Transshipment-Problemen oder anderen Reiseverzögerungen im Asienverkehr (Supply Chain Visibility)?

Samuel Haller: Dachser stellt auf seiner Track & Trace Plattform eLogistics entsprechende Informationen bereit, die für die Kunden jederzeit einsehbar sind. Bei absehbaren Verzögerungen werden die Kunden proaktiv durch unseren Customer Service informiert.

In den letzten Monaten sind die Seefrachtraten stark gestiegen. Hält dieser Trend 2021 an?

Samuel Haller: Wir gehen davon aus, dass die Seefrachtraten auf hohem Niveau bleiben oder weiter ansteigen. Beispielsweise liegt der Shanghai Container Freight Index SCFI per Stand vor Weihnachten über 160 Prozent höher als vor einem Jahr. Preis ist aber aktuell nicht das Thema, sondern die Verfügbarkeit von Equipment/Kapazitäten. Wie sich die Lage nach dem chinesischen Neujahrsfest entwickelt, ist noch ungewiss. Aber Verlader können davon ausgehen, dass sich diese nicht sofort beruhigt. Unser Supply-Chain-Management hat bisher alle Probleme gut gemeistert.

Würde sich trotzdem eine detaillierte Analyse der Risiken in unserem Supply-Chain-Ökosystem in Kooperation mit Dachser lohnen?

Samuel Haller: Auf jeden Fall. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass solche partnerschaftlich und interdisziplinär mit dem Kunden durchgeführten Analysen Chancen zur Supply-Chain-Optimierung bieten und einen nachhaltigen Mehrwert schaffen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Brexit-Deal: Was ändert sich für Logistikunternehmen?

Alexander Heine, Geschäftsführer der CM Logistik Gruppe, informiert über die Auswirkungen des neuen Handelsabkommens auf die internationale Logistik und gibt Ratschläge für die unsichere Anfangszeit.

Beitrag: Redaktion.

Lange hat es gedauert und nun ist es doch Realität: Das Vereinigte Königreich und die Europäische Union konnten sich auf ein Handelsabkommen einigen und damit die jahrelangen Verhandlungen zu einem Ende bringen – für beide Seiten mehr oder weniger zufriedenstellend. Schon im Sommer 2016 traf die britische Bevölkerung in Form eines Referendums die Entscheidung für den Austritt. Dieser ließ aber noch lange auf sich warten, denn die Briten wollten zwar ihre Unabhängigkeit von der Europäischen Union, aber offensichtlich nicht all die mit dem Austritt verbundenen Konsequenzen akzeptieren.

Einen No-Deal-Brexit wünschte dennoch auch auf EU-Seite niemand – die Handelsbeziehungen sollten trotz allem intakt bleiben. Seit Beginn des Jahres 2021 gelten nun die neuen Regelungen in Bezug auf den Warenverkehr, doch haben sie schon in kürzester Zeit für Verwirrung und Chaos an den Grenzen gesorgt. Aber was bedeuten die endgültige Durchführung des Brexits und damit der Niedergang des freien Binnenmarktes zwischen der Insel und dem europäischen Festland für Logistiker und wie können sie die Pannen der unsicheren Anfangszeit umschiffen?“

1. Kontrolle braucht Zeit.
„Jahrelang profitierte Großbritannien, ebenso wie der Rest der Mitgliedsstaaten, vom freien Warenverkehr innerhalb der Zollunion. Grundsätzlich unterliegen Ein- und Ausfuhren innerhalb der EU, sogenannte innergemeinschaftliche Verbringungen, keinen Beschränkungen. Diese Freiheit fällt nun weg und alle Waren, die Logistikunternehmen aus einem Nicht-EU-Staat einführen, müssen sie durch den Zoll abfertigen lassen.

Bei beispielsweise einem Container T-Shirts aus China ergibt sich kein Problem, da er ausschließlich ein Gut enthält, wenn auch in hundertfacher Ausführung. Doch eine britische Lastwagenfuhre für eine irische Supermarktfiliale – also im Rechtsbereich der Europäischen Union – beinhaltet typischerweise alle Güter, die diese Filiale benötigt, von Eiern über Klopapier bis zum Obst. Eine nach dem Austritt erforderliche Zoll- und Einfuhranmeldung für die EU sieht vor, dass alle verschiedenen Arten von Waren in einer Ladung einzeln aufgeführt und entsprechend kontrolliert werden müssen. Administrativer Mehraufwand, auf den sich jedes Logistikunternehmen mit Fahrten in das Vereinigte Königreich einstellen sollte. Ein Umdenken bei der Beladung könnte sich als Möglichkeit zur Vermeidung dieser langen Wartezeiten herausstellen, indem Unternehmen ihre Lkw ausschließlich mit einer bestimmten Art Ware befrachten. Ob sich die dadurch entstehenden zusätzlichen Kilometer gegenüber Papierkram und Wartezeit rechnen, muss jeder Betroffene individuell kalkulieren.“

2. Im Irrgarten der Bürokratie.
„Nicht nur die Warenkontrollen sorgen für Komplikationen an den neuen EU-Außengrenzen. Ganze Kataloge von Richtlinien zur Überführung von Frachten, die Mitgliedsstaaten der Zollunion jahrelang erspart geblieben waren, kommen nun auf Logistiker mit Beziehung zu Großbritannien zu. Dies führt zu einer erheblichen bürokratischen Belastung sowohl für die Logistikbranche als auch für die Zollbeamten beider Seiten. Falsch ausgefüllte oder fehlende Papiere können bei der Überführung Verzögerungen hervorrufen und sorgten bei Lieferungen zwischen den Inselstaaten bereits für Chaos – Lastwagen mussten umkehren, weil sie nicht die erforderlichen Formulare vorweisen konnten. Diese organisatorischen Kinderkrankheiten ließen sich aufgrund der unklaren politischen Lage nur schwer verhindern. Um dennoch Verzögerungen und allgemeine Verwirrung zu vermeiden, hilft Logistikern nur, sich regelmäßig und gründlich über alle Neuerungen zu informieren. Kein leichtes Unterfangen, da sich die Situation an den Grenzen und damit die einzelnen Abwicklungsprozesse täglich zu ändern scheinen. Wirklich zuverlässige und vor allem aktuelle Informationen erhalten betroffene Unternehmen also nur von offizieller Stelle – den zuständigen Zollbehörden.“

3. Mit Aufwand kommen Kosten.
„Finanzielle Belastungen für Logistikunternehmen erhöhen sich nicht nur durch steigende Personalkosten, entstehend durch den bürokratischen Mehraufwand und die Wartezeiten an den EU-Grenzen. Auch die im Handelsabkommen eigentlich festgeschriebene und in der Öffentlichkeit als großen Erfolg angepriesene Zollfreiheit erweist sich nur auf den ersten Blick als guter Deal.

So gilt die mit der EU vereinbarte Erlassung nicht für Güter, die importiert und gleich wieder exportiert werden. Großbritannien läuft also Gefahr, die über Jahre aufgebaute Stellung als Dreh- und Angelpunkt des europäischen Binnenhandels zu verlieren, was zu weniger Aufträgen für Logistiker führen kann, die auf Kooperationspartner von der Insel angewiesen sind. Alternative Routen und zusätzliche innereuropäische Geschäftsbeziehungen können als Fallnetz fungieren und im Fall einer lang andauernden Misere an britischen Grenzen den laufenden Betrieb sichern. Zukunftsprognosen zu treffen, fällt schwer – alle Parteien müssen sich auf die neuen Regelungen einstellen und ihre Prozesse anpassen. Wie groß letztlich die zusätzlichen Kosten und finanziellen Einbußen ausfallen, hängt für Logistikunternehmen davon ab, wie schnell sie die Situation adaptieren.“ (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Brexit: Die Krux mit dem Ursprung

Das zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich Ende 2020 abgeschlossene Handelsabkommen bringt neue Herausforderungen bei Präferenzkalkulationen für Schweizer Ausführer.

Beitrag: Redaktion.

Lieferverzögerungen im Verkehr zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich haben in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht. Zum Teil wurden sie durch fehlende oder nicht korrekt ausgefüllte warenbegleitende Dokumente und eine dadurch bedingte langsamere Zollveranlagung verursacht. Was müssen Schweizer Exporteure neu beachten, damit ihre Ware reibungslos durch den Zoll kommt?

Probleme ergeben sich unter anderem dadurch, dass das bilaterale Handels- und Kooperationsabkommen „TCA“ zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nicht in allen Aspekten deckungsgleich ist mit dem am 1. Januar 2021 in Kraft getretenen bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Dies betrifft vor allem die Ursprungsregeln.

Schwieriger Ursprung.
Das Handelsabkommen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich sieht die Möglichkeit der Kumulation von Ursprungswaren anderer Vertragsparteien des PEM-Übereinkommens (Paneuropa-Mittelmeer-Kumulierung) vor. Voraussetzung ist, dass die Vertragspartei mit der Schweiz und dem Vereinigten Königreich ein Freihandelsabkommen unterhält und dieses identische Ursprungsregeln enthält. Da die im Abkommen EU-Vereinigtes Königreich vereinbarten Ursprungsregeln nicht mit denen des Handelsabkommens Schweiz-Vereinigtes Königreich identisch sind, ist eine Kumulation von EU-Ursprungswaren im Verkehr zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich nicht mehr möglich. Daher unterliegt eine Ware mit EU Ursprung beim Export ab der Schweiz in das Vereinigte Königreich (Durchhandel) der Zollabgabe. Sofern die EU-Ursprungsware direkt von der EU in das Vereinigte Königreich befördert wird, ist die Einfuhr zollfrei.

Waren mit präferentiellem Ursprung Schweiz können abhängig von der jeweiligen Zolltarifnummer zollbegünstigt bzw. zollfrei in das Vereinigte Königreich importiert werden. Aber im Vergleich zu EU-Firmen, die in das Vereinigte Königreich exportieren, haben die schweizerischen Unternehmen strengere Ursprungskriterien zu erfüllen. Gemäß dem Vertrag Vereinigtes Königreich-Schweiz sind die Ursprungsregeln des PEM-Übereinkommens maßgebend (wie im Freihandelsabkommen Schweiz-EU). So ist beispielsweise im Maschinensektor eine Wertschöpfung von 60 bis teilweise 75 Prozent notwendig, um die Vorgaben der Ursprungskriterien zu erfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass die in der Schweiz verwendeten Vormaterialien aus der EU neu als drittländische Ware in der Präferenzkalkulation zu berücksichtigen sind.

Zusätzliche Dokumente.
Allen Sendungen in das Vereinigten Königreich müssen seit Anfang des Jahres 2021 unter anderem Handels- oder Pro-Forma-Rechnungen beiliegen, auf denen die EORI-Nummern des Importeurs sowie der Wert und die Zolltarifnummer vermerkt sind. Bei tierischen und pflanzlichen Produkten dürfen die phytosanitären Zertifikate nicht fehlen. Neu braucht es auch eine Bestätigung für Holzverpackungen, dass diese dem ISPM-15-Standard entsprechen.

Weitere Änderungen.
Im dritten Quartal dieses Jahres soll ein revidiertes PEM-Übereinkommen mit liberaleren Ursprungkriterien in Kraft treten. Dieses wird aber wahrscheinlich nicht auf Exporte in das Vereinigte Königreich angewendet werden können, da das Vereinigte Königreich, im Gegensatz zur EU und der Schweiz, das revidierte PEM Übereinkommen nicht ratifizieren will. Aus Sicht der Logistikbranche wäre es daher wünschenswert, dass die Schweiz die entsprechenden Passagen des Handelsabkommens mit dem Vereinigten Königreich nachverhandelt, um eine Deckungsgleichheit bei den Ursprungskriterien bei den bilateralen Handelsabkommen mit der EU und mit dem Vereinigten Königreich zu erreichen.

Fazit:
Angesichts der neuen Anforderung sollten Schweizer Exporteure vor dem Versand ihre Präferenzkalkulationen respektive Ursprungsnachweise detailliert prüfen, einschließlich der Aktualisierung der Lieferanteninformationen. International tätige Speditionen in der Schweiz wie die Dachser Spedition AG bieten ihren Kunden hierzu umfassende Unterstützung an. Ziel ist es, Sendungen reibungslos, rechtskonform, pünktlich und gegebenenfalls mit einem formell gültigen Ursprungsnachweis über die Zollgrenzen in das Vereinigte Königreich zu bringen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

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